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Full text of "Goethe-Jahrbuch"

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Goethe-Jahrbuch. 



Herausgegeben 



Ludwig Geiger. 

FÜNFUNDZWANZIGSTER BAND. 



Mit dem neunzehnten Jahresbericht 



Goethe-Gesellschaft. 







Frankfurt VM. 

Literarische Anstalt 

RüTTEN & LOENING. 
1904. 






Mit dem Bild vo\ Christiaxe 
IN Lichtdruck 

NACH EINER HaNDZEICHNUNG GoETHES 

(vgl. S. VI). 



Druckerei von August Osterrieth in Frankfurt a. M. 



Vorwort. 




ünfundzwanzigjährige Jubiläen werden, da sie gar 
zu häufig sind, von Staat und Gemeinden zwar 
nicht gefeiert; eine literarische Vierteljahrhundertfeier soll 
aber nicht ganz unerwähnt vorübergehen. Der Heraus- 
geber des Goethe-Jahrbuchs darf daher froh auf die ersten 
25 Jahre des Bestehens des 'von ihm gegründeten Unter- 
nehmens hinweisen, sich der stattlichen Reihe der nun vor- 
liegenden Bände freuen, den Mitarbeitern, der Verlags- 
handlung, die stets dieselbe gebUeben ist und nicht zuletzt 
der Goethe-Gesellschaft Dank sagen, die von ihrem Be- 
stehen an das Jahrbuch zum Organ wählte und dem 
Herausgeber stets ihr Wohlwollen bewiesen hat. 

Zur Erinnerung an das 25 jährige Bestehen des Unter- 
nehmens dachte ich an eine stille Feier: sie sollte nicht 
in Selbstbeweihräucherung, sondern in einer literarischen 
Gedenkfeier bestehen. Zu diesem Zwecke hielt ich es für 
angemessen, mich an die 11 überlebenden unter den 28 
Mitarbeitern des ersten Bandes zu wenden (ich selbst zähle 
mich bei dieser Zusammenstellung nicht mit) und sie um 
einen Beitrag auch für diesen 25. Band zu ersuchen. Sechs 
unter ihnen, die Herren F. Bobertag in Breslau, M. Ehrlich 
in Berlin, H. Hüfter in Bonn, F. Muncker in München, G. 
Weisstein in Berlin, W. Willmanns in Bonn antworteten trotz 
aller Sympathie für den Gedanken ablehnend ; D. Jacoby war 
durch seine Erkrankung nicht in der Lage theilzunehmen; 



rV Vorwort. 

E. Schmidt hatte einen Beitrag in sichere Aussicht gestellt, 
der dann infolge seltsamer rein äußerlicher Zufälle nicht 
geliefert werden konnte; die übrigen drei, die Herren 
C. A. H. Burkhardt in Weimar, W. Creizenach in Krakau, 
R. M. Werner in Lemberg sind mit Beiträgen in diesem 
Bande vertreten. Ich spreche ihnen meinen besonderen 
Dank aus, daß sie durch dieses Wiederauftreten nach 
25 Jahren die Gemeinsamkeit unserer Studien und ihr 
Interesse am Centralorgan für diese Arbeiten bethätigten. 

Ursprünglich hatte ich wohl den Gedanken, der ver- 
storbenen Mitarbeiter und besonders derer des ersten Bandes 
pietätvoll zu gedenken ; der Ausführung des Planes stellte 
sich aber die große Anzahl dieser Helfer und vor allem 
der Umstand entgegen, daß der meisten bereits in besonderen 
Nekrologen gedacht worden war. Als eine Art Ehren- 
tafel sei die Liste dieser Nekrologe hier verzeichnet: 
Biedermann, Gustav Woldemar Freiherr von, 5. März 18 17 
bis 6. Februar 1903, Nekrolog von Adolf Stern XXIV, 
Seite 289—295; Boxberger, Robert, gestorben 8. März 1890 
XIII, Seite 251; jDm«/;^^/', Heinrich, 12. JuHi8i3 bis 16. De- 
zember 1901, Nekrolog von Richard M. Meyer, XXIII, 
Seite 244 — 247; Goedeke, Karl, 15. April 1814 bis 28. Oktober 
1887, Nekrolog von M.Heyne und E. Jeep, IX, Seite 275 bis 
285; Grimm, Herman, 6. Januar 1828 bis 16. Juni 1901, 
Nekrolog von Karl Frenzel, XXIII, Seite 236—241; Hir:(el, 
Ludwig, 23. Februar 1838 bis i. Juni 1897, Nekrolog von 
Daniel Jacoby, XIX, Seite 223 — 226; Loeper, Gustav von 
27. September 1822 bis 13. Dezember 189 1, Nekrolog von 
Ludwig Geiger, XIII, Seite 243 — 246; Redlich, Karl Christian, 
7. Oktober 1832 bis 27. JuU 1900, Nekrolog von Bernhard 
Suphan, XXIII, Seite 229— 234; Scherer, Wilhelm, 26. April 
1841 bis 6. August 1886, Nekrolog von Erich Schmidt, IX, 
Seite 249—262; Urlichs, Ludwig, 9. November 18 13 bis 
3. November 1889, Nekrolog von Bernhard Seuffert, XII, 
Seite 270—274. 

Von den übrigen Mitarbeitern des i. Bandes dieses 
Unternehmens haben die folgenden im Goethe-Jahrbuch 
keine Nekrologe erhalten ; auch ihre Namen seien dankbar 
und verehrungsvoll genannt: Arndt, Wilhelm, 27. Sep- 



Vorwort. V 

tember 1838 bis 10. Januar 1895, ^^^ ^'"'j'^ verstorbene 
Historiker, der von seinen palaeographischen gern in 
Goethestudien ausruhte (vergl. seine werthvoUen Ausgaben 
von Jery und Bätely und die Briefe an die Gräfin Auguste 
Stolberg), ohne sie etwa leicht zu nehmen; Bartsch, K., 
der hervorragende Germanist und Romanist der Heidel- 
berger Universität, der noch zu einer Zeit, da beide Haupt- 
gebiete sich getrennt und jedes in zahllose Einzelgebiete 
sich aufgelöst hatte, ihre Einheit zusammenzuhalten ver- 
suchte; Beaiilieu-Marconiiay, K. von, der Diplomat und 
Historiker, der, noch ein Zeuge der Goetheschen Zeit, mit 
einer Kenntniß, die fast nur von seiner Anmut übertroffen 
\vurde, in die entlegenen herrlichen Tage zurückzuführen 
verstand ; Holland, W. L., der gründliche Uhlandkenner, 
der nicht in großen gewandten Darstellungen, sondern in 
kleinen Monographieen und säubern Einzelbeiträgen der 
Literaturwissenschaft förderUch war; Keller, Adelbert von, 
mit dem Ebengenannten in enger Verbindung, gleich ihm 
Schüler und Freund Uhlands, der hochverdiente Begründer 
und langjährige Leiter des Stuttgarter literarischen Vereins, 
der auf dem Gebiet der neueren Literatur namentlich durch 
kritische Beiträge zum Schillertext sich verdient gemacht 
hat; Meyer von Waldeck, F., ein Sohn der russischen 
Ostseeprovinzen, aber zum Lehrer an deutschen Hoch- 
schulen geworden, der sich in Einzeluntersuchungen über 
Goethes Märchen vertiefte ; Schröer, K. J., der Begründer 
des Wiener Goethevereins, dem man recht eigentlich die 
Anregung zu dem schönen Wiener Denkmal zu danken hat 
und der sich durch seine Ausgaben der Goetheschen Dra- 
men (in Kürschners deutscher National-Literatur) und durch 
seine in mehreren Auflagen vorliegende Ausgabe des Faust 
ein Denkmal gesetzt hat. 

Eine Einführung in den 25. Band des Jahrbuchs soll 
aber keine Totenklage, sondern ein Dank und Aufruf an 
die Lebendigen sein. Wenn dieser Band etwas später er- 
scheint als seine Vorgänger, also den Mitgliedern der Goethe- 
Gesellschaft nicht wenige Tage, sondern vier Wochen nach 
der Generalversammlung dargeboten wird, so trifft die 
Schuld weder den Herausgeber, noch den Verleger. Das 



VI Vorwort. 

verspätete Erscheinen liegt vielmehr daran, daß der Fest- 
redner nicht in der Lage war, sein Manuscript einige 
Wochen vor Fertigstellung des Jahrbuchs abzuliefern, son- 
dern daß er es erst am Tage nach der Versammlung der 
Verlagshandlung übermittelte. 

Sonst hat das Jahrbuch gegen früher kaum einige 
Veränderungen aufzuweisen: In altgewohnter Weise sind 
Beiträge des Goethe- und Schiller-Archivs als besondere 
Zierde auch diesem Bande zu theil geworden. Aus den 
Schätzen des Goethe-Nationalmuseums ist das Titelbild 
entnommen, über das C. Ruland als berufenster Kenner 
Folgendes bemerkt: 

»Bei der Sichtung der hunderte von Goetheschen 
Zeichnungen und Skizzen, die sich im Nachlasse des 
Dichters vorfanden, fand sich eine ziemUche Anzahl von 
ihm zu bestimmten Gruppen vereinigt, z. B. Umschläge 
mit autographen Bezeichnungen: Botanisches, Zoologie etc. 
Eine Mappe trug und trägt noch heute das Rubrum y>iur 
menschlichen Gestalta. In ihr fanden sich anatomische 
Uebungen aus der Zeit, da Goethe bei Loder Vorlesungen 
hörte, Akte, Köpfe u. dgl., und in einem besonderen Um- 
schlage eine Anzahl Zeichnungen, Christianen darstellend, 
zwei in ganzer Figur, die übrigen nur den lockigen Kopf in 
verschiedenen Auffassungen zeigend. Eine derselben ist im 
XV. Bande des Jahrbuchs 1894 veröffentlicht worden, die 
in dem diesjährigen Bande mitgetheilte hat das besondere 
Interesse, daß sie ohne Zweifel aus den allerersten Zeiten 
von Goethes Bekanntschaft mit Christianen stammt, viel- 
leicht noch aus dem Sommer 1788. Das anmuthige junge 
Mädchen sitzt an ein Tischchen gelehnt in einem Zimmer 
des Gartenhauses am Stern, dessen Wände mit den aus 
Rom mitgebrachten großen Prospekten des Forums und 
des Pantheons geschmückt sind; über dem Tischchen hängt 
die kleine Aquarellcopie von Tischbeins großem Gemälde : 
Goethe auf den Trümmern der Campagna, die jetzt neben 
dem Bilde Christianens in einem der Schaukästen des 
Goethe-National-Museums ausliegt. Das Original 16,5 cm 
hoch und 26,5 cm breit, ist mit einer harten schwarzen 
Kreide auf Schreibpapier gezeichnet.« 



Vorwort. VII 

Für die Uehcriassuni; der ungedruckten Stücke aus 
dem Goethe- und Schiller-Archiv, für die ertheilte Erlaub- 
niß, die eben ausführlicher behandelte künstlerische Vorlage 
aus dem Goethe-Nationalmuseum verwerthen zu dürfen, 
sei dem hohen Besitzer dieser Anstalten, Sr. Königlichen 
Hoheit, dem Großherzoge Wilhelm Ernst von Sachsen 
ehrerbietiger Dank gesagt. 

Wie gern möchte ich nun die Geschichte des Goethe- 
Jahrbuchs erzählen, alle die gelungenen, aber auch die ver- 
fehlten Versuche, die Versprechungen, die mir gemacht und 
nicht erfüllt wurden, die Anregungen, die ich gab, und für 
die ich keine Theilnahme fand, worunter auch meine Be- 
ziehungen zu Goethes Enkel kein uninteressantes Kapitel 
bilden würden. Wie viel hätte ich von groben Briefen 
Abgewiesener und Gekränkter, von ungerechten, weil un- 
verständigen Recensionen, und dem Besserwissenwollen 
namentlich der Jüngeren zu erzählen. Ich hatte den Ver- 
such gemacht, eine Zusammenstellung aller der in den 
25 Bänden veröffentlichten Briefe von, an und über Goethe 
zu geben, ich unterließ es, um jeden Verdacht der Selbst- 
rühmung zu ersticken. 

Was den vorHegenden Band betrifft, so wollte ich ihn 
auch in anderer Weise als Jubiläumsband kennzeichnen, 
indem ich zwei jüngere Freunde aufforderte, den 100. Todes- 
tag von Klopstock und Herder zu feiern; Paul Legband, 
der sich durch manche theatergeschichtliche Arbeiten einen 
guten Namen gemacht hat, tritt damit zuerst in unsere 
Reihen, Julius Goebel, der ordentliche Vertreter der 
deutschen Literatur an der Universität von Palo Alto in 
Amerika (dies zur Ergänzung der Notiz im Goethe-Jahr- 
buch XXIV, Seite 6) setzt dadurch seine erwünschte Mit- 
arbeit fort. Eine andere Anregung bestand darin, daß ich 
infolge eines wissenschaftlichen Streites, der schwedische 
und deutsche Zeitungen- beschäftigte, Herrn Professor Hansen 
in Giessen bat, Goethe als Botaniker zu behandeln. Ich 
bin dem verehrten Collegen aufrichtig dankbar, daß er 
meiner Aufforderung folgte. In allen Abtheilungen des 
Bandes begegnen neben einzelnen neuen Mitarbeitern alte 
bewährte Theilnehmer; ich wünsche der Goetheforschung 



Vin Vorwort. 

und mir, daß alle, die bisher mich so freundlich und treu- 
lich unterstützten, diesem Jahrbuch noch recht lange ihre 
förderhche Theilnahme zuwenden, damit es immer mehr 
zu dem werde, was es bei seiner Begründung zu sein sich 
vorsetzte: ein wirkliches Centralorgan der Goethe- Wissen- 
schaft. 

Und damit Glückauf beim Abschluß des ersten Viertel- 
jahrhunderts. 

Berlin, den 5. Juni 1904. 

Ludwig Geiger. 



I. Neue Mittheilungen. 



Goethe- Jahrpuch XXV. 



I. Mittheilungen aus dem Goethe- 
UND Schiller-Archiv. 



I. BRIEFWECHSEL ZWISCHEN GOETHE UND 

AMERIKANERN. 

GOETHES GESCHENK AN DIE HARVARD UNIVERSITY. 

L 

Das Thema »Goethe in Amerika« hat H. S. White im 
Goethe-Jahrbuch' vor nunmehr 20 Jahren ausführlich und mit 
vielen Belegen behandelt, um so mehr werden die folgenden 
bisher unbekannten* Briefwechsel zwischen Goethe und Ameri- 
kanern von besonderem Interesse sein, denn darin tritt das 
persönliche Element zum ersten Mal klar hervor. Wenn 
Everett, als Staatsmann und Redner, und Bancroft' als His- 
toriker und Botschafter zu Berlin in Deutschland auch besser 
als die anderen bekannt sind, so war es doch Lyman,"* durch 
den Goethe Byrons »Manfred« kennen lernte, Calvert, ' der 
zuerst in Amerika Bücher über Goethe schrieb, und Cogswell,^ 
der ihm am nächsten stand, und dem es zu verdanken ist, 
daß Goethe 18 19 seine sämmtlichen Werke der Universität 
Harvard verehrte. 



' V 219—256; vgl. auch L. Vierecks sehr dankenswerthe Arbeit 
{in Rep. Comtn. of Education, Washington 1902, eh. XIV = I 531—708), 
im Einzelnen jedoch nicht immer ganz zuverlässig. Auch die oft nur 
zu eilige und oberflächliche Compilation von Karl Knortz, als Anhang 
zu seinem »Goethe und die Wertherzeit« (Zürich 1885). 

* Doch vgl. Anm. 20, 49, 58 und 62. [S. 27 f.] 

3 vgl. unten S. 18. 

^ vgl. Anm. I und Brief 2. 

5 vgl. S. 19 f. 

6 vgl. S. 6 f. 



Neue Mittheilunx-ex. 



Wenn der treffliche, Goethe und Herder wohlbekannte 
Benjamin Franklin' schon 1730 ein deutsches Gesangbuch 
druckte,^ und zwei Jahre darauf wahrscheinlich die »Phila- 
delphia Zeitung« begründete, 1766 Göttingen selbst besuchte, 
und sonst viel dazu beitrug die deutsche Sprache in Amerika 
einzuführen und andere ihm beistanden, so blieben diese Ver- 
suche noch meistens sporadisch. Ein lebendiges Interesse an 
Goethes Werken, z. B., in Amerika vor 1817 ist bekanntlich 
kaum nachzuweisen. 

Edward Everett (1794 — 1865) promovirte iSii auf der 
Universität Harvard, wo er 181 5 zum Professor der griechischen 
Sprache ernannt wurde, und ging alsdann nach Göttingen um 
weiter zu studiren. Eine Zeit lang gab er die »North American 
Review« heraus, war 10 Jahre Mitglied des amerikanischen 
Congresses, viermal Governor of Mass., Botschafter in London, 
wo er hochangesehen war, dann Präsident der Harvard Uni- 
versity. Nach dem Tode seines Freundes Daniel Webster 
ward er Staatssekretär, darnach Mitglied des Senats, und 1860 
(nicht gewählter) Kandidat der »Constitutional Union« Partei 
für die Stellung eines Vicepräsidenten der Vereinigten Staaten. 
Als Redner erwarb Everett in Amerika einen ungeheueren 
Ruhm, und seine klassischen »Orations and Speeches« werden 
noch immer gelesen. Er war ein edler, hochgebildeter Mann,^ 
nicht eben besonders liberal und oft fast kalt und steif, so 
daß seine Werke Erhabenheit, fast aber keinen Humor zeigen.. 
Mit seinem Freunde George Ticknor (1791 — 187 1), Verfasser 
der klassischen Geschichte der spanischen Literatur, der eben- 
falls in Göttingen studirte, ' empfohlen von Sartorius und 
Fr. A. Wolf,* besuchte Everett Goethe am 25. Oct. 1816, ^ 



' vgl. Annalen 1817, Tageb. 27.-29. Apr. 1S17, 30.— 51. Dec. 
1828 und unten Anm. 53, S. 29. 

* vgl. Viereck 541 fg. 

5 vgl. Anm. IG, S. 25, 

■♦ S. schreibt (10. Sept. ungedr. im .Archiv): »Ein paar Nord- 
amerikaner, Herr Ticknor und Professor Everett, die sich hier seit 
einiger Zeit aufhalten, und unserer Liebe und Freundschaft sich erfreuen, 
da sie solche in vollem Maße verdienen, bitten mich um ein Empfehlungs- 
schreiben an Sie, und dies habe ich ihnen um so weniger versagen 
wollen, da es Ihnen, wie ich hoffe, selbst Freude machen wird, sie 
kennen zu lernen. Sie reden leidlich Deutsch und kennen Ihre Schriften 
besser, als viele Deutsche; diese letztern haben sie eben angetrieben,. 
wie sie mir oft gesagt, nach Deutschland zu kommen. Mögen sie Ihnen 
zu einer bequemen Stunde in Weimar begegnen! . . . (vgl. Briefe 27,. 
433 zu Nr, 7582 q. v.). Wolfs Empfehlung gedruckt in Briefe 27, 416 f. 
zu Nr. 7531 q. v. Ein paar Zeilen (Eing. Br. S. 418) von Ticknor »im 
Elephant Oct. 25. 1816« bitten G. eine Zeit für die Aufwartung zu be- 
stimmen. 

5 vgl. Gespräche 3, 269 f. (nach Ticknors »Life« etc. I 113 f.) und 
White a. a. O. 222 f. auch übers, bei Knortz a. a. O. 37 f. 



Briki wi-chsi;l zwisciikn- Gokthk lnd Amikikani.un. 5 

wobei das besprach auf Ryron ' kam. Am folgenden Tag 
empfahl sie (loethe weiter an Lenz* in Jena. Schon im Januar 
181 7 veröffentlichte Everett im North Anieric an Re\ic\v einen 
Aufsatz über (Joethe. ' 

Von Edward Everett. Ga-ttini^en, September 7, 18 17. 
Mav it please your Excellency, 

In the stroni,' hope th.it 
Mr. Lvman", mv countrvman and friend, a gentleman of 
one of our best t'amilies, of great expectations, and of great 
literary acquirements and taste, would have an opportunity 
of presenting himself to you, I have not been able to refrain 
from seizing the opportunity, of waiting lipon you with 
my own Respects; and should be much flattered in case 
Mr. Lyman should not be so fortunate as to procure a 
better introduction to You notice, if this letter should 
procure him the honour of making Your acquaintance. 

Having heard that your Excellency feit an interest in 
the handwriting of distinguished Persons*, I have taken 
the liberty to enclose the Envelope' of a letter of Intro- 
duction to Lord Holland \ with which Mr. Monroe ^ lately 
chosen President of the United States of America, has 
been so good as to favour me.— Should your Excellency 
desire it, I can procure also specimens of the writing of 
Messrs. Adams^, Jefferson, and Madison, the predecessors 
of Mr. Monroe, in the presidency, and perhaps also of 
General Washington", our first president. — 

I also take the liberty to beg your Excellency to accept 
a copy of the last Poem of Lord Byron called the »Lament 
of Tasso«*, of which I believe the copies have not yet 
reached Germanv. — 

It is with great diffidence, that I express to your Ex- 



' %'gl. Brand! im G.-J. 20, 4. 

* gedr. in Briefe 27, 209, nicht erwähnt bei Ticknor, vgl. Eichhorn 
an Eichstädt unten S. 6 f. 

' vgl. White 221 f. und unten S. 26, Anni. 12. 

♦ \oii und your in der Anrede ist im Original bald groß bald 
klein geschrieben. — Die sachlichen Anmerkungen zu diesem Briefe 
und allen folgenden sind unten S. 24!?. zusammen gedruckt. Auf diese 
beziehen sich die folgenden Citate, z. B. S. 7, A. 2 u. s. w. 



Neue Mittheiluxgen'. 



cellency a wish on the Part of the University', to which 
I am attached in America. — 

It has been my desire to procure for the Library of 
the University a memorial of distingiiished characters, in 
Europe, & many in England as well as [in] Germany'" have 
already done us the honour to present the Library, with 
a Copy of some One of their writings. Should it be agree- 
able to your Excellency to favour us, with any Volume 
of your Writings, you may chance to have at band, and 
to address it in your own handwriting to our Library, we 
should feel ourselves at once highly gratified & honoured." 

Nor can I close this letter without praying Your ex- 
cellency, on my own part, to have the goodness to write 
your name on the blank leaf of the Copy of Hermann 
& Dorothea", which I have asked Mr. Lyman to band 
You, & to forgive this Intrusion 

of Your Excellency's obedient humble servant, 

Edward Everett. — 

2. 

Von Theodore Lyman. 

Mr. Lyman, an American gentleman has the honour 
of sending to His Excellency the Minister von Goethe a 
poem of Lord Byron's'' from Professor Everett, and he 
begs, at the same time that His Excellency will allow him 
the honour of offering another poem'*, which it may 
happen, that His Excellency has not yet seen — . Mr. Lyman 
ventures to solicit an opportunity of paying his respects 
to His Excellency at any moment, which his Excellency 
will please to appoint.'^ 

Erb-Prinz. Oct. ii. [1817] 

IL 

»Diese Zeilen überbringen wieder zwey junge Ameri- 
canische Gelehrte, die bey Ihnen . . . eingeführt seyn wollen. 
Es sind die Herrn Loyswell ' [Cogswell] und Thorndike;* der 



' So hat G. auch den Namen auf Eichstädts kurzen Begleitbrief 
vom 27. März (Eing. Br. S. 137) notirt. Daher der Irrthum im Tagtb. 
dieses Tages. 

* Augustus Thorndike, aus Boston, ein Zögling Cogswells. 



Brii 1 \vi ciisKi. zwiscm N Goiriii- L\n Amkkikam k\. 7 

erstere war schon eine Zeit lang Privatlehrer auf der Univ. 
Cambridge bey Boston, und begleitet den letzten auf seiner 
Reise durch Deutschland. . . Sie möchten gern sich die 
(Gelegenheit verschaffen, dem Herrn Minister von (Jöthe ihre 
Verehrung persönlich zu bezeugen, und bitten um ein paar 
Zeilen von Ihnen, die sie bey ihm einfuhren«. So' schrieb 
am 22. März 181 7 Eichhorn in (Jöttingen an Eichstädt in 
Jena, der am 27. die Fremden bei (loethe im mineralogischen 
Museum einführte, wo sie sehr freundli( h aufgenommen wurden. 
Sie besahen das Museum und sprachen üljer Literatur.' 

Joseph Green Cogswell (1786 — 187 1), der auch in Cam- 
bridge promovirt hatte, ging 1816 zum dritten Mal nach 
Europa um zu studiren und zu reisen. In (Jöttingen hörte 
er nicht nur Eichhorn, Blumenbach und Hausmann über 
Naturwissenschaften, sondern mit Benecke auf der Bibliothek 
begründete er jene Kenntniß der Bibliographie, die er später 
so wohl ausgenützt hat. Er ging auch nach der Schweiz 
und Italien, und besuchte in England Scott und Southey. In 
München, durch Vermittelung seines Freundes Schlichtegroll, 
wurde er zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften' 
ernannt, auch erhielt er Befehl den König zu besuchen, und 
wurde ganz »sans ceremonie«, wie er sagt, freundlich em- 
pfangen. •♦ Mit Karl August hatte er schon mit großem Interesse 
gesprochen.» 

Bald nach seiner Rückkehr, Ende 1820, ward er Biblio- 
thekar und Prof. der Mineralogie und Chemie an der Harvard 
l'niversity. 1823 begründete er mit George Bancroft die be- 
rühmte »Round Hill School«^ bei Northampton Mass., wo 
deutsche Methoden und deutsche Lehrer stark herangezogen 
wurden. Viele ihrer Schüler sind später bekannt geworden, 
z. B. der Historiker J. L. Motley.' Doch 1834 gab er diese 
L'^nternehmung auf, lehrte in Raleigh N. C, ging wieder nach 
Europa im Jahre 1836, und dann nach New York, wo er John 



' Ungedruckt im Arcliiv (Hing. Br. S. 211). 
* Vgl. Anni. 16. 

5 März 1819, vgl. Life p. in f. und Denkschriften (1S21) VII 
S. XLVL 

4 Vgl. Life p. ii2f 

5 Life p. 107, wahrsclieinlich im Aug. 1819, doch ist C. in den 
Fourierbüchern nicht erwähnt. 

^ Ausführliches in »Life«, vgl. »Old and New« July 1872 (mir 
unzugänglich — Life p. I38f) und »The Springfieid [Ma'ss.] Weekly 
Republicana 6. Nov. 1903 (mir mitgetheilt durch meinen Onkel Herrn 
T. B. Mackall in Baltimore), auch die Fußnote unten S. 18. Herzog 
Bernhard besuchte die Scliule am 11. Aug. 1823 (vgl. seinen Bericht, 
»Reise durch Nordamerika« I, 106 f). 

7 Vgl. Anm. 47. 



8 Neue Mittheill'xgen'. 



Jacob Astor beeinflußte, die große »Astor Library« ' zu be- 
gründen, deren erster Verwalter er wurde. In diesem müh- 
samen Amte, nominell erst 1861 aufgegeben, erwarb er wirk- 
liche und dauernde Verdienste als Bibliograph, und arbeitete 
bis an sein Lebensende (er starb in Cambridge) immer weiter 
dafür. Dieser edle, rastlos thätige, viel gereiste Mann war 
auch in seinen Freundschafts -Verhältnissen besonders treu, 
und im großen und ganzen würdig Goethes »werther Freund« 
zu heißen, wie dieser ihn ja auch genannt hat. ^ 

Von J. G. Cogswell. [Mitte Juni 1818.] 

Probablement Mons. de Goethe ne rappelera pas un 
inconnu Americain qui avait l'honneur d'etre presente a 
lui ä Jena Mars 1817, dans le cabinet de la societe mine- 
ralogique'*, par Mons': Eichstädt. En causant de rAmerique 
et du progres, que les sciences y fönt, particulierement 
la mineralogie, on a fait mention d'un traite elementaire'", 
qu'on venait de publier a Boston, sur cette science, dans lequel 
on trouve beaucoup sur les mineraux du pays, et je demandai 
la liberte d'envoyer un exemplaire a Mons": de Goethe. J'ai 
manque ma parole jusqu'ä present, faute d'opportunite, hier 
Mons. Cattaneo'^ m'informait qu'il avait une caisse de Uvres 
d'expedier ä Weimar, et qu'il se chargerait du susdit pour 
votre excellence, et c'est ä lui, que je le consigne. S' en 
le feuilletant V. E. trouverait quelques mineraux de mon 
pays qui manquent au cabinet de Jena, il me ferait un 
grand plaisir de me permettre de remplir le vide, et comme 
j'ai la meme chose ä faire pour Messrs. Blumenbach et Haus- 
mann"' de Göttingue, je pouvais me servir de la meme 
occasion pour les expedier en Europe. Mons"". le professeur 
Lenz'' me promit de me donner son addresse pour ces 
objects, mais il ne le jamais fit; des batimens pour Ham- 
bourg, Breme et Amsterdam partent de Boston presque 
chaque mois. Si votre excellence me daignerait une ligne 
en reponse, il me ferait un grand honneur. Mon addresse 

' Begründet 1848, 1895 mit den Lenox- und Tilden-Stiftungen 
vereinigt als »The New York Public Librar)'«. Der »Director« ist der 
bekannte Bibliograph der Medizin Dr. J. S. feillings, vgl. seinen Report 
in »Papers etc. of the Am. Libr. Assoc.« 1902 p. 215 f. 

* Vgl. Anm. 42 und Briefe 8, 9 und 12. 



BrIEKWKCHSKI. ZWISCIIKN- GOETHK UND A.MKKIKANhKN. 9 

sera toujours »aux soins de Wclles & Williams Banquiers 
Paris.« 

J'espere que Mons^ de Goethe, ine pardonnera pour 
avoir pris la liberte de lui ecrire et qu'il nie croira 
avec le plus profond respect 

et plus toute consideration 

son serviteur tres humble 

Joseph G. Couswell. 

An Cogswell. 
(A Monsier Joseph Cogswell aux soins de Mrs. Welles 
(S: Williams ä Paris.)' 

La lettre dont vous venez de m'honorer, Monsieur, 
n'auroit jamais pu arriver plus ä propos; car consacrant 
quelques semaines de loisir ä etendre et ä perfectionner 
l'idee generale que j'avois concue de la Situation tant passee 
que presente des Etats-unis de l'Amerique, je m'entoure 
de tous les ouvrages anciens, ainsi que des descriptions de 
voyage les plus rccentes.*' 

La contemplation de cet etat immense, compose de 
tant de diverses regions, a fait naitre en moi le desir bien 
naturel d'en connoitre les rapports geologiques qui, en 
designant la forme de la surface de la terre, determinent 
souvent la division des provinces diverses et nous mettent 
ä mcme de juger jusqu'a un certain point, de leurs produits. 
Surtout quand nous savons y joindre les proprietes du 
climat, 

Tous les ouvrages que j'avois consultes jusqu'a ce 
moment ne m'avant procure qu'une lumiere tres-incertaine 
je m'etois vu, des le premier pas, arrcte dans mon travail, 
qui ne devoit pas etre superticiel; ainsi vous jugerez tacile- 
ment de l'agreable Impression qui a faite dans un tel instant 
sur moi l'ouvrage que vous m'avez envoye, je me suis 

' Der Brief an Cogswell ist von einem Schreiber geschrieben, 
dem das Französische vollständig fremd war ; seine Abschreibefehler 
sind daher nach der normalisirten Orthographie des Abdrucks in der 
Weimar. Ausgabe (29, 212 ff.) corrigirt worden; es blieb auch die alte 
Schreibung oi statt ai (avoit). (ll\i':lc.) 



10 Xeue Mitthfilvxgen. 



hate" de la parcourir, et je m'empresse de vous en temoi- 
gner ma vive gratitude. 

Avant ä faire une reponse relativement ä l'envoi*' de 
Ms. Cattaneo, et desirant d'y joindre la presente, je ne puis 
m'etendre autant que je le voudrois, ni peindre l'admiration, 
que me causent la richesse de l'ouvrage et son excellente 
methode. Je me bornerai ä vous observer que la societe 
mineralogique de Jena'* recevra avec reconnaissance tout 
envoi qui nous eclairera sur les rapports geognostiques des 
Etats-unis. Nous desirons ardemment les documents des 
observations, indiquees ä la fin de l'ouvrage, depuis page 637 
jusqu'ä page 641 '5, qui nous donneroient une idee claire 
et parfaite de la carte geographique illuminee, et nous 
recevrons de meme avec gratitude tout ce qui peut jeter 
quelque jour sur les importantes localites des Etats-unis; 
dont l'ouvrage fait mention. 

Si vous voulez bien nous faire cet envoi, ayez la bonte 
de l'adresser ä la direction de la societe mineralogique 
de Jena, ä remettre au chateau du prince, et comme la 
voie de Hambourg paroit la plus siire, on pourroit le confier 
aux soins de Monsieur Jiistns Perthes, libraire tres renomme 
de cette ville commercante. 

Desirant faire Hommage a la bibliotheque publique de 
Boston de ceux de mes ouvrages qui pourraient avoir quelque 
int^ret pour les habitants d'outre mer, ainsi que de ceux 
de quelques autres personnes'*, oserais-je vous prier ä mon 
tour de me marquer occasionellement oü je devrois adresser 
un tel envoi. 

Puissent ces circonstances me fournir l'avantage de 
connoitre de plus en plus ce pays etonnant, qui fixe sur 
lui les regards de l'univers par l'etat legal de paix, lequel 
tavorise un accroissement, dont on ne saurait prejuger les 
limites. Honorez-moi de votre souvenir, et tant que nous 
sejournerons ensemble sur ce globe, donnez-moi de tems 
ä autre de vos nouvelles et de Celles de vos compatriotes. 
Abgesendet Ende Juni^^ 
1818. 



Brieiwechskl zwischen Goethe und Amkrikanerv. 1 1 

Von Cogswell. 

d Mons. de Goethe 
a Weimar. 

Monsieur 

Votre tres gracieuse lettre du 27. Juin apres une voyage 
en Italie et en Suisse me trouvait ici ä Paris il-y-a quelques 
jours. Je suis charme de savoir que le livre de Mons. Cleave- 
land peut vous etre de quelque utilitc, et je me hate de 
rassembler Ics documens indiqucs dans cet ouvrage, lesquels 
vous desirez d'avoir. Mons. Maclure l'auteur d'un des 
plus importants se trouve actuellement ä Paris; il vient 
de publier une nouvelle edition de ses »Observations on 
the Geology of the United States of America»'^, et il en 
attend plusieurs exemplaires par le premier batiment de 
Philadelphie; sitot qu'ils arrivent je vous en expedierai un, 
avec »Observations on the Geology of the West Indies«'^, 
par le meme, et d'autres recentes brochures sur l'histoire 
naturelle de mon pays. Dans l'interim vous trouvez une 
traduction de la premiere edition de ces Observations dans 
le Journal de Physique pour Fevrier 1812.^° 

Vous faires mention de vos intentions tres flatteuses 
vers notre bibliotheque de Boston; c'est ä Cambridge une 
heure de Boston oü la plus grande bibliotheque en Ame- 
rique se trouve, et oü il-y-a beaucoup de jeunes gens 
capables de lire et de comprendre la langue, ä laquelle vos 
ouvrages ont donne une renomme au dessus de celle de 
toute autre langue vivante. C'est ici 011 se trouve la 
meilleure Universite en Amerique, mais malheureusement 
la meilleure est assez mauvaise a cause du Systeme monas- 
tique y adopte ä l'instar de Celles d'Angleterre.^' Ose-je 
vous prier de diriger vos bontes sur cette bibliotheque, et 
c'est par la voie d'Hambourgh, que l'envoi serait fait le 
plus facilement, addresse a Messieurs Pitcairn, Brodies 
et C°. Hambourgh et au dedans pour la bibliolhcque de 
l' Universitc de Cambridge^' en Amerique. 

Je vous remercie beaucoup pour la permission que 
vous m'avez accorde de vous donner de tems en tems mes 
nouvelles; je ne manquerai pas de le faire, je vous assure; 



12 Neue Mittheiluxgex. 



mais cela serait toujours pour les Communications de science, 
je ne presumerais pas pour moi personellement de vous 
gener avec mes lettres. Dans peu vous recevrez les ou- 
vrages ci-mentionnes et dorenavant tout-ce-qu'il-y-a sur 
l'Amerique, que peut vous interesser. 

Veuillez, Monsieur agreer l'assurance de la plus haute 
consideration de son serviteur tres humble 

Paris ce 5 7^.- 1818. J°^- ^' Cogswell. 

Mon addresse ä Paris est: 

chez Messieurs Welles et Williams 
Banquiers 
Fvue Faubourgh — Poissoniere No. 26. 

6. 

Von Cogswell. 

Mons. Cogswell a l'honneur de remettre ä Mons. 
de Goethe les observations de Mons. Maclure sur la Geo- 
logie des Etats Unis " avec quelques numeros d'un Journal 
scientifique public ä Philadelphie, dans lequel il-y-a des 
memoires interessantes sur l'histoire naturelle de son pa3's 
particulierement celui de Mons. Maclure Page 133 sur la 
Geologie des Indes Occidentales.'"* Mons. de Goethe est 
prie d'agreer cet hommage de la part de 

son tres devoue et respectueux serviteur 

r. • c u o o Jos. G. Cogswell. 

Paris ce 17. Sep''^^ 18 18. •' ^ 

7- 
Mons": J.G. Cogswell de Boston Etats Unis de l'Amerique 
est maintenant ä Weimar et aura l'honneur de presenter ses 
respects ä Mons": de Goethe ce soir, s'il lui serait conve- 
nable de le voir. '' 
Weimar ce 10. Mai 18 19. 

8.'« 
An Herrn Joseph Georg Cogswell nach Dresden. 

In Hoffnung daß dieser Brief, theuerster Herr und 
Freund, Sie noch in Dresden finden werde, lege ich ein 
Diplom der mineralogischen Gesellschaft für Herrn Parker 



BrIKI WECHSIX ZWISCIIKN GOKTIII- UND AmKRIKANI-KW I^ 

Cleaveland in Boston bcy; dieser würdige Mann hat ge- 
dachtem wissenschaftlichem \'erein sein belehrendes' Werk 
freundlich zugesendet und verpflichtet uns zu dankbarer 
Anerkennuni,'.'^ 

Nun aber frai,' ich an, wohin Sie die läni^'st zugesagte 
Sendung meiner dichterischen und wissenschaftlichen 
Schritten wollen gerichtet wissen, die ich Ihrem vater- 
ländischen Institut mit Vergnügen wiedme,* damit auch 
über dem Meere mein Andenken gestiftet sei. Erhalten 
Sie mir Ihre freundlichen Gesinnungen und lassen mich 
manchmal aus jener Weltgegend einiges erfahren wie ich 
denn versichern darf daß Herrn Warden's Werk aufs 
fleißigste studirt werde, besonders aber auch der kleine 
Aufsatz aus dem Edinburgh Magazine mir die schönsten 
Aufschlüsse verliehen, so daß ich ihn nicht genug lesen 
und wieder lesen kann. Man lernt bedeutende sich auf 
eine eigne naturgemäße Art entwickelnde Zustände kennen.'^ 
Weimar den 29'*^° July 18 19. 

9- 

Von Cogswell. 

Yesterday on my return to Dresden from Carlsbad, 
where I had been spending a few weeks, I had the pleasure 
of receiving the letter of July 29*^ which your Exe? did 
me the honour to write to me, inclosing the Diploma for 
Prof. Cleaveland, which I shall forward to him immediately.'' 
How delightful is the country around Carlsbad, (S: how 
interesting in a geological view; I had the pleasure of 
examining all the formations described in your Excellency's 
2norpI?ologic*° & the satisfaction of coUecting nearly all 
the substances therein enumerated, which I shall preserve 

' In anderem Concept spricht G. von Cleaveland's »bedeutenden 
Bemühungen«, und »vorzüglichen Werken«. 

* In anderem Concept »Ihrem Vaterland bestimme«; und am 
Ende: »Die Meinigen hatten Sie vor einigen Wochen in Dresden ver- 
fehlt, welches mir um so mehr Leid thut, als der kleine Zirkel der sich 
um mich versammelt mit Vergnügen der Abendstunden gedenckt die 

Sie ihn so angenehm zu machen wußten in Hoffnung daß Sie 

überall meiner freundlichst gedenken mögen« u. s. \v. 



14 Neue Mittheilu\ge\. 



ns a double souvenir, — of the place in which I found them 
& of the author, who guided me in my search after them. 

You ask where you can send the copy of your poetical 
(Sc scientific works, which you design for the »Librar}' of 
Harvard University Cambridge New England.« — if you will 
permit me to take charge of them, please to address them 
to me, care of Bassenge & Co. Dresden — I remain here 
tili the middle of September. AUow me to express to you 
in advance that gratitude, which I am confident, not only 
the Governors & Senate of that University, but the whole 
literary Community of my country will feel for the dis- 
tinguished honor you confer upon them. This library has 
long been the medium, thro' which the friends of learning 
in the old world have expressed their zeal for its advance- 
ment in the new; it enrols among its patrons"*' many of 
the most liberal Maecenases & finest scholars, which Europe 
has had during the last two centuries, but there is no 
name upon its records, which it will be more proud to 
point out among its benefactors^ thou that of your Ex- 
cel lency. 

I did not acknowledge the reception of that most 
precious Andenken'*', you sent me some weeks since, 
because I thought to have had occasion to have written 
you a letter accompanying some scientific works, which 
I have expected every day from America, but as they are 
not yet arrived, I must make use of th^ present to express 
to you my sense of the high honor you conferred upon 
me, & to assure you I regard it as the most invaluable 
of all the Souvenirs I possess. 

I take the liberiy of sending your Exc>' (mit der fah- 
renden Post) the three last No's of the North American 
Review'*' published at Boston; they will serve to give you 
some idea of the hterary spirit which now exists in that 
part of my country. At the same time I send the last No. 
of the London Quarterly"*^, thinking perhaps you may not 
yet have seen it. A friend of mine writes me that Byron's 
new poem of Don Juan'** is far inferior to all his former 
productions, but 1 am too great an admirer of Byron '•* to 
think he can ever take a retrograde step. 



Bkii;i"\\ hcnsia. zwiscukn" Goütue und Amkkik.\ni;i<\. 15 

Permit me to reciprocate the hope that you were 
pleased to express, that our rclation will not cease with 
my departure from Europe; Perthes & Besser of Hamburg 
are kind enough to say they will always be happv to talce 
care of whatever 1 receive from (S: send to liurope 6: it 
is thro' them that I hope to transmit to vou from time 
to time, such ot our Uterary 6c scientific productions, as 
will be interesting to you/" Excuse my writing in English; 
it is the language of my heart cs: in writing to you my 
heart*' must speak, & it does now in saving: 

I am with the most protound respect ts: highest con- 
sideration 

Your Excellency's devoted friend' 

Jos. G. Cogswell. 

Baron de Goethe 
Dresden Aug. 8, 1819. 

10. *' 

An Cogswell. 

Sie erhalten hiebey, mein Theuerster, durch Bemü- 
hung* der Herrn Bassenge 5" & Comp, ein Paquet, worin 
meine nachverzeichneten, sowohl poetischen als wissen- 
schaftlichen Schriften enthalten sind. Sie sind gut gepackt 
und ich wünschte nicht daß sie auseinander genommen 
würden. Vielleicht Heßen Sie solche wegen der weiten 
Reise noch in einen Kasten schlagen; doch dieses sey 
Ihnen überlassen. 

Mögen Sie bey Übersendung dieser Resultate meiner 
Studien und Bemühungen Ihren lieben Landsleuten mich 
zum besten empfehlen, so werde ich es dankbar erkennen. 

Auch ich bereite mich zu einer Reise nach Carlsbad'' 
vor, bitte mir aber nach hieher die Nachricht zu senden, 
daß das Paquet wohl angelangt sey. Gar sehr hätte ich 
gewünscht in jener wichtigen Gebirgsgegend mich mit 

' Nach/nV«J etwas unleserliches, es scheint &: und eine Abkürzung 
für ein Höflichkeitswort zu sein: etwa servaul? Es ist derselbe Schnörkel 
wie am Schluss von Nr. 12. (IVahle.) 

* So im Concept. In der Abschrift des Originals heißt es Be- 
nüt^ung, vgl. Anm. 49. 



l6 Neue Mitthei; uxgem. 



Ihnen über bedeutende Vorkommenheiten unterhalten zu 
können. Wenn Sie mir die Nummern anzeigen die in 
Ihrer Sammlung der Carlsbader Mineralien fehlen, so kann 
ich vielleicht auch diese nachsenden. 

Bei einem fleißigen Studium von Herrn Warden's^* 
höchst interessanten Werke befinde ich mich oft in Ihrer 
Heimath, wo ich Sie, wenn Sie uns verlassen sollten, mit 
Gedanken und Gemüth fleißig besuchen werde. 

Leben Sie glücklich und vergnügt und lassen, sowohl 
diesseits als jenseits, manchmal von sich hören. Die zu- 
gesagten Zeitschriften" erwarte ich mit Verlangen, 

,,, . treulichst 
Weimar ^ , 

j . o Goethe 

d II Aug 1819 

loa. 5^ 

Sendung nach 

von Goethes Werke Bd. 1—20. 
» ') Zur Farbenlehre B. i. 2. 

» » — Kupfer dazu in 4°. 

» » Propyläen Bd. i. 2. 3. 

» » Ph. Hackert. 

» » Italiänische Reise B. i. 2. 

» » Kunst und Alterthum B. i. Heft i — 3. 

Bd. 2. Heft I. 
» » Zur Naturwissenschaft Heft i. 

» » Böhmische Gebirge. 3 Exempl. '^ 

» » Iphigenie neu-griechisch. 3 Expl.** 

» » Festgedichte. '^ 

Weimar d. 11 1 Aug. 
1819. 
H. B. und C. 

Dresden. 

11.58 

An die Harvard University. 

»Translation of Goethe's Note. 
Thro' the Agency of Mr. J. G. Cogswell 
Goethe's Works Vol. I-XX 
Doctrine of the Colours Vol. I — II 
— Plates 4.*° 



Brikkweciisel zwischen Goktmk lnd A.\h;iuka\krn. 17 

The Propylaea Vol. I— III 

Life of J. G. Hacken, [sie] 

Travels in Italy Vol. I — II 

Art & Antiquity \'ol. I— II 

Ün Natural Science. 

Bohemian Mountains (3 Copies) 

Iphigenia translated into Modern Greck (5 Copies) 

Occasional Poems 

The above poetical &: scientitic works are presented 
to the library of the University of Cambridge in N. Eng- 
land, as a mark of deep Interest in its high literary 
Character, & in the succesful Zeal it has displayed thro' 
so long a Course of Years for the promotion of solid & 
elegant education." 

With the high respects of the Author 
J. W. V. Goethe. Weimar Aug. 11. 1819.« 

12.*" 
Von Cogswell. 

Dresden Sept. 21, 1819. 
His Excellenc}' the Minister 
de Goethe. 

Dear Sir, 
On my return here from Göttingen, I found the books 
you sent to my care for the library of Harvard College; 
it is impossible for me to express to you my sense of the 
honor you confer on that Institution, or the gratitude I 
as its friend, feel for your munificent present. Thev are 
already on their way to Hamburg & will I trust now be 
forwarded to America, from which you shall have accounts 
of their arrival as soon as it takes place. 

I leave this [city] for Paris in a few days, & then I 
hope to send something from my countrv, which will be 
of interest enough to afford me an apology for troubling 
you again with a letter from 

Your most devoted friend 

& very respectful svt. [?] 

Jos. G. Cogswell.^* 

Goethe-Jahrecch XXV. 2 



Neue Mittheilukgex. 



Von der Harvard University. 
»University in Cambridge New England 27. Nov. 18 19. 

The Corporation received notice from Mr. Cogswell 

at Dresden that he had transmitted through the American 

Consul" at Hamburgh the foUowing works of J. W. v. 

Goethe viz. 

(hier folgt eine genaue Abschrift der Liste wie in der 

»Translation of Goethe's Note«) 

The same notice was accompanied by a note from 
this distinguished author in which he signifies that he 
presents the foregoing works to the Library of our Uni- 
versity, & expresses kind sentiments & gives a flattering 
testimonial in favor of the Institution. 

The Corporation are highly gratified that the Uni- 
versity in Cambridge N. England is an object of attention 
and interest to this celebrated writer, possessing so elevated 
a rank among the men of genius & Hterature in Europe. 
They receive with great satisfaction the donation of his 
works for the Library/'* & return him the grateful acknow- 
ledgments of the University for this valuable proof of his 

President« 
IIL 



regard. John T. Kirkland 



In Göttingen studirten damals (obwohl nicht alle gleich- 
zeitig) nicht nur Everett, Ticknor und Cogswell, sondern auch 
George Bancroft' (1800 — 1891), der wohlbekannte Verfasser 
der großen Geschichte der Vereinigten Staaten. Nachdem er 
Sekretär der Marine 1845, und dann, wie früher Everett, Bot- 
schafter in London gewesen war, vertrat er 1867 — 74 sein 
Vaterland in Berlin, wo er die Freundschaft Rankes und Theo- 
dor Mommsens erwarb. 

Empfohlen von einem Professor in Göttingen, besuchte 
Bancroft Goethe in Jena am 12. October 1819 (lautTageb.) und 
erhielt einen Empfehlungsbrief an Riemer, der ihn bei Ottilie 
einführte.* 




340 



vom O. l-'CC 5LCUL Cllic nui^v- x-*wci^ v'^'ii u. uiiu xvwuüu *jiii ^\.ii\j\jl. 

Doch so viele Deutsche gab es dort sicher nicht. Folien z. B. war nicht da. 
» Vgl. Anm. 68 u. 69. 



BiUKi-wECHsi:!. zwisciiKS' GoKiHi; UNO Ami-.kik.wi;i<n-. 19 

14. 

\'on George Bancrolt. 

Ich muß Ew. Excellenz um Verzeihung bitten, daß ich 
den versprochenen Band ^* über die Urbewohner von Nord- 
America Ihnen nicht zugeschickt habe. Bev meiner Rück- 
kehr nach Göttingen fand ich, daß der Herr Hofrath 
Schulze,^" indem er glaubte, darin neue Beweise für eine 
Lieblingstheorie zu finden, eine deutsche Ausgabe von dem- 
selben schon angefangen hatte. Er ersucht mich, das Buch 
für die Gegenwart m seinen Händen zu lassen, Sie von 
ihm zu grüssen und ihm zur Ehre mich über nicht ge- 
haltenes Wort bey Ihnen zu entschuldigen. So bald als 
ich das Werk bekomme, werde ich mit ungewöhnlichem 
Vergnügen es Ihnen übergeben; denn wie es jedem Ameri- 
kaner machen muß, so auch mir macht es große Freude, 
daß Sie unser neu-entstandenes, und an Kunst und Gelehr- 
samkeit gar armes Land Ihrer besondern Aufmerksamkeit 
werth achten. ^^ 

Der Frau Kammer-Räthinn von Goethe bitte ich Sie 
mich bestens zu empfehlen — Für die freundschaftliche 
Aufnahme, die ich bey Ihnen in Jena, und in Ihrem Hause 
zu Weimar^^ fand, empfangen Sie meinen herzlichsten Dank. 

Mit tiefer Verehrung 

George Bancroft. 
Göttingen den 10. November 1819. 

IV. 

Am 7. und 12. März 1821' besuchte Goethe ein »Herr 
Beresford aus der Gegend von Boston«, der schon ein- 
mal in Weimar gewesen war; am 19. September 1824 William 
Emerson, Bruder von Ralph Walde* und am 27. März 1825 
kam George H. Calvert' (1803 — 89), ein Abkömmling des 
Lords Baltimore, die Maryland begrimdeten, und seitens seiner 



* Vgl. Tageb. und Bücher-Verm. Liste dazu S. 510. (Das Buch 
befindet sich nicht im Goethe-Hause.) 

* Vgl. White 231 und C. Thomas im G.-J. 24, 155. 

3 Vgl. Anm. 71 f. und White 233 u. 255. Lange nach Goethes 
Tode war C. wieder in Weimar, vgl. »Scenes and Thoughts in Europe« 
2nd Ser. (N. Y. 1852). Eine Bibliographie von Calverts Werken nebst 
ganz kurzem Lebensabriß steht in: — »Cat. of the Books in the Redwood 
Libr. bequeathed . . . by G. H. Calvert« (Newport R. L 1900). 

2* 



20 Neue Mittheiluxgen. 



Mutter des Malers Rubens. Er studirte in Deutschland, 
wohnte dann in Baltimore als Schriftsteller, und nach 1S43 
in Newport R. I. Von seinen Studentenjahren in Göttingen' 
i824f. (wo er besonders mit Benecke befreundet war) bis zu 
seinem Tode studirte er eifrig, zwar etwas dilettantisch, deutsche 
Literatur und namentlich Goethe. Sein Hauptwerk über Goethe 
erschien 1872.' 

15- 
Von G. H. Calvert. 

Mr. Calvert takes the liberty of sending this American 
Review to bis Excellency thinking that it will not be 
without Interest to him if bis Excellency has not yet 
Seen it.'" — 

Mr. C. begs to be pardonned for having omitted to 
mention it yesterday^' and had intended to offer to lend 
it to bis excellency in case he obtained the honour of 
seeing him. — 
Monday March 28?^-7» [1825] 

V. 

Während dieser Zeit scheint Goethes Interesse an Amerika 
(schon nach den Tagebüchern) sehr rege gewesen zu sein. 
Hier sei nur einiges hervorgehoben. Anfang 1819 las er die 
Beschreibung der berühmten Reise von Lewis und Clarke * 
im Nordwesten der Vereinigten Staaten, worin manches der 
Welt zum erstenmale bekannt gemacht wurde. 1822 von 
Mitte November an studirte er Struve's Buch über nord- 
amerikanische Mineralogie und Geologie* 1823 las er Irvings 
»Sketch Book«, 5 ohne den Namen des Verfassers zu wissen: 
im Jahre 1828 sein Leben des Columbus.^ Schon 1825 be- 
gannen seine eingehenden Studien der verschiedenen Kanal- 
projekte für Central-Amerika', wovon jetzt so viel die Rede ist. 



' Vgl. »First Years etc.« p. 86 fg. (schon in »Putman's Magazine« 
1856.) 

* Nicht 1875, wie White 228 angibt. 

5 Aus der Bibliothek entliehen 9. Jan. — 9. Mai — vgl. auch 
Tageb. 13. Jan. 1819 und Anm. dazu. Keatings »Narrative« kam 1826 
dazu, vgl. Tageb. 25. Feb. nebst Anm. 

^ Tageb, 13. Nov. und sehr oft. Vgl. Tageb. 8, 524 und Nat. W. 

IG, 273. 

5 29. u. 31. Aug. und Brief an August vom 30. Aug. (Tageb. 9, 376). 

^ 5. Juni. 

7 7. März, II., 21., 22. Aug., 13.— 15., 17., 18., 21. Feb. 1827 
(17. Oct. 1828 — 10. Feb. 1829 a. d. Bibl. »Humboldt & Bonpland 
Memoires«), vgl, Eckermann 21. Feb. 1827. 11. — 12. Aug. 1826 a. d. Bibl. 



Briefwechsel zwischen Goethe lnd A.mekh<.\nek\. 21 

Mit Herzog Bernhards Reise in Nordamerika (1825-26) 
hat Cioethe sich viel bes(haftij,'t, und ihm ist die W^röffent- 
lichung der Tagebücher des Herzogs über jene Reise wohl 
größtentheils zu verdanken.' Das wohlbekannte Gedicht 
»Amerika, du hast es besser«* u. s. w. muß jetzt auch genannt 
werden. Coopers Romane las (ioethe mit Interesse und oft 
mit Bewunderung.' Was Geschichte betrifft, so war ihm 
Ramsays Buch über die amerikanische Revolution"* bekannt, 
und Jeffersons »Memoirs« ' kamen auch später dazu. Ja sogar 
das in Amerika so beliebte und in jedem Hause neben der 
Bibel vorhandene »W'ebsters Dictionary« ^ hat auch er benutzt. 



Humboldts »Essai polit. sur . . . nouv. Espagne« 2 vols., wovon I p. LX 
u. 11 — 28 [= eh. II] wie auch im Atlas dazu (181 2) PI. IV hier in 
Betracht kommen. So auch sein »Essai polit. sur . . . Cuba« (1S26) 
II, 282 fg., wozu Eckermann a. a. O. und Anm. zu Tageb. 13. Feb. 1827. 
In dem Cubabuch (II, 540), wie schon bei Wardcn a. a. O. III, 355 
wird der Erie-Kanal erwähnt, vgl. das Medaille bei Schuchardt (Goethes 
Kunstsammlungen II, 225, Nr. 170 und s. auch S. 312 Nrn. 1767 ft'.) 
und Tageb. 18. Nov. 1826: endlich Pniower (Faust S. 149). 

' Vgl. unten S. 31, White 228, Tageb. 12. Feb. 1826, 21. Mai, 4. Juni, 
2.-4. Juli, 31. Aug., 9. Sept., 5., 12., 15., 16. (das Gedicht an den 
Herzog, Loeper 2, 266 u. 5 5of.), 18—20, 30. Oct.; Briefw. mit Karl Aug. 
II, 280—284 u. 290; Briefw, mit Zelter IV, 228 u. V, 196; an Stern- 
berg (Sauers Ausg. 1902, S. 125 fg.); v. Müller a. a. O. 198. Neues 
enthält das wohl zum ersten Mal unten (Anm. 58) erwähnte Heft im 
Archiv. Vgl. auch Tageb. 20. Apr. 1827 [dazu »Reise« I, 250 u. 260], 
13. Aug. 1828 [dazu Reise I, 135] und 24. März 1830 [dazu Reise 
I, 502?]. Das Buch erschien, hrsg. von Heinr. Luden, in Weimar 1828, 
2 Bde. Noch in demselben Jahre erschien auch eine anonyme Ueber- 
setzung in Philadelphia. Ueber des Herzogs Besuch der Harvard-Univ. 
vgl. Reise I, 81—84 und White 228 u. 256. Im Goethe-Hause ist noch 
ein Exemplar des Am. Quart. Rev. Sept. 1828 [von F. F. H. Küstner 
in Leipzig (Strehlke I. 380) erhalten] worin p. 244 fg. eine Recension 
der deutschen Ausgabe, vgl. Tageb. 1829 16. Jan. fg. u. 8. Feb. nebst Anm. 

* V. Loeper 3, 283 t. Ueber »Amerika in d. deutschen Dichtung« 
überhaupt vgl. Goebel (»Forsch, z. d. Phil.« Festg. f. R. Hildebrand, 
Leipzig 1894, S. 102 fg.) und Minors Recension (Gott. gel. Anz. 1896. 
S. 662 fg.). Auf diese beiden Arbeiten hat mich Herr A. L. Jellinek 
in Wien freundlichst aufmerksam gemacht. 

3 1826, Pioneers (30. Sept. bis 2. Oct.); Last of the Mohicans 
(15.- 16. Oct.); Spy (22.-24. Oct.); Püot (4. Nov.); 1827, Prairie 
(23.— 27. Jan.); 1828, Red Rover (21.— 29. Jan., a. d. Bibl. 3.— 31. Jan., 
vgl. Eckermann, 27. Dec. 1829); 19.— 20. Dec. 1829 im Juni-Heft d. 
Edinb. Rev. eine Recension von Coopers »Notions of the Americans« 
[darnach Anm, Tageb. 12, 387 zu berichtigen]. Vgl. auch Hempel 
29, 253 f. 

■* Tageb. 25. 26. Oct. 1826 und Anm. 

> ed. Randolph, Lond. 1829, 4 vols. a. d. Bibl. 14.— 22. Mai 1830. 

6 Part I a. d. Bibl. 29. Sept. bis 12. Oct. 1830. Im allgemeinen 
vgl. auch Tageb. 5. Oct., 30.— 31. Dec. 1820, 30. Jan. 1821, 19. Aug. 
1824, 13. Feb. 1828 und Briefe an Weller 2. März 1822. (Döring, S. 544, 
dazu v. Bojanowski G.-J. XXI, 108.) 



22 Neve Mittheiluxgen. 



Von den Amerikanern, die laut den Tagebüchern ' nach 
Calvert Goethe besuchten, sei hier nur Albert Brisbane (f 1890), 
der später als Socialist bekannt geworden ist, besonders ge- 
nannt, denn er hat einen wenig bekannten Bericht* über 
seinen Besuch geschrieben. Begleitet von dem Engländer 
Chambers Hall, kam er am 30. Juni 1829.' Er fand den 
Dichter in schwacher Gesundheit; Goethe »spoke slowly 
following with difficulty his trains of thought; and the most 
that I retain of that interview was a remark he made on 
the tendancy of the human mind to accept those theories 
which are most congenial to the individual character.« 

»Germany has for the last half Century been prolific in 
works of literature and science : — and whatever may be the 
faults or vices of its literature considered in a moral point 
of view* or an object of taste it cannot be doubted that it 
is a subject of rational curiosity, and in many respects of just 
admiration.« So berichtet Prof. Andrews Norton (1781 — 1853), 
der bekannte Theologe, November 1818, als Bibliothekar ^ der 
Harvard-Universität, und wahrscheinlich klangen solche Worte 
damals ziemlich radikal.^ 179O1 im Jahre des Erscheinens des 
Faust-Fragments, war auch ein lateinischer Katalog der Har- 
vard-Bibliothek, damals bei weitem der besten in Amerika, 
erschienen; aber keine deutschen Werke werden darin an- 
geführt: was nicht so selten erscheint, wenn man bedenkt, 



' 23. Sept. 1825, L. D. V. Schweinitz (1780— 1834), ein Herrn- 
huter und bedeutender Botaniker. (Appletons Cycl. Am. Biog. V, 434. 
— 19. Aug. 1826, H. E. Dwight (1797— 1832), vgl. White 228 f. u. 
Applet, a. a. O. II, 284. — 9. Juli 1827, Cunningham von Boston, hatte 
in Göttingen studirt. — 12. Aug. 1828, Edward Robinson (1794 — 1863), 
bedeutender Theolog. (vgl, Applet, a. a. O. V, 284f.) und seine Frau 
Therese, geb. v. Jakob (= »Talvj«), die Uebersetzerin der serbischen 
Gedichte u. s. w. vgl. Hempel 29, 575 — 595; A. D. B. 28, 724 und ihren 
Briefw. mit G. hrsg. v. R. Steig im G.-J. XII, 3 3 fg., wo dieser Besuch 
nicht erwähnt wird. — 6. April 1829, James C. Richmond (1808 — 1866), 
ein Geistlicher. — 14. Oct. 1829, zwei van Reusslaer v. New -York. — 
9. Dec. 1829, Lieut. Col. Low und R. Ray, »membre de plusieurs soci^tcs 
litteraires« aus New-York. — (24.) 25. März 1830, Harrisson (sie) aus 
Virginia empfohlen v. Herzog Bernhard [vgl. Reise I, 302]. 

' p. 79 seines Lebens von seiner Witwe (Boston 1893): mir 
gütigst mitgetheilt von Mr. James L. Whitney in Cambridge. 

3 Vgl. Tageb. 

+ Solche hat der edle Mann bei Goethe wie bei Byron gefunden 
und stark getadelt: aber das alles geschah nicht »1881«, wie ein Druck- 
fehler bei Knortz a. a. O. 41 f. gibt, sondern bereits 1833. Vgl. N.'s 
»Statement of Reasons« etc. 2 ed. p. XXX und 11 — 13 (Boston 1856). 

> Der Druck hier nach der Hs. unter den Harvard-Akten. Doch 
findet sich diese Stelle anonym im N. Am. Rev. Dec. 1818, p. 195. 
Norton war Universitäts-Bibliothekar 1813 — 1821, also zu der Zeit, da 
die Bücher Goethes ankamen. Vgl. Anm. 43. 

' Doch vgl. Anm. 9 und Viereck 552. 



BrIKI WKCHSIil. ZWISCIIKS GoilTllF. UND A.MhRIK.WKRN. 



daß theologische Bücher 20 mal so viel Seiten darin füllen, 
wie dramatische und poetische Werke zusammen ! und theo- 
logische Abhandlungen sogar 65 mal so viel wie mathematis( he 
und physikalis( he I 1830 dagegen waren die deutschen Klas- 
siker ziemlich gut vertreten und 1834 noch hesser. Doch bis 
1856 scheint der zweite Theil des Faust immer noch nicht 
vorhanden gewesen zu sein. Der Zuwachs seit 1825 ist wohl, 
zum Theil wenigstens, dem Einfluß des gleich zu nennenden 
P'ollen zuzuschreiben.' 

Die University of Virginia besaß jedenfalls 1828' — wahr- 
scheinlich schon Anfang 1826' — die Werke Goethes, Schillers, 
Lessings u. s. w. 

1S25, in dieser von Jefferson geplanten und geleiteten Uni- 
versität, wurde Deutsch zum ersten Male in einer amerikani- 
schen Hochschule von Anfang an von einem dazu bestimmten 
Professor wirklich gelehrt.'* In demselben Jahre fing auch ein 
Deutscher, Karl Folien (1796 —1840), an, darüber in Cambridge 
zu dociren, aber er wurde nur für zehn Jahre unterstützt.^ 
\Vohl ist er der eigentliche Begründer^ einer damaligen, seitdem 
bis jetzt unbekannten »German Society«'' in Boston oder 
Cambridge (übrigens ist Cambridge jetzt nur durch den Charles 
River von Boston getrennt). Die Mitglieder waren: — »C. 
Folien, S. A. Eliot, G. Ticknor, S. H. Perkins, Wm. T. 
Andrews, F.C.Gray, J. Pickering, N. I. Bowditch, E.Wiggles- 
worth, F. Lieber, Mr. Miesegaes, T. Searle, J. M. Robbins«. 



' Vgl. »Reise« a. a. O. I, 81—84 und Pollens Works I, 159 
(Boston 1842). 

' Mitth. des Herrn Oberbibliothekars J. W. Page. 

3 Vgl. Writings of Thos. Jefferson ed. Ford X, 376. 

•♦ Daselbst X, 335 und ausführliches bei Viereck a. a. O. 538, 
S52fg. und passini (mit Vorsicht im Einzelnen zu benutzen). 1825 
besuchte Herzog Bernhard Jetierson und die Universität; von deren 
schönen Gebäuden (nach Jetfersons eigenen Entwürfen) er auch Pläne 
wiedergibt. Vgl. »Reise« I, 297 u. s. w. 

5 Vgl. White 229 f. Zuverlässiges über ihn in seinem »Life« von 
seiner Witwe, als vol. I seiner »Works«. (Boston 1841/2 5 vols.) 
Vgl. auch Viereck 553; A. D. B., Brockhaus und Meyer sind hier sehr 
ungenau. 

6 Vgl. Works I, 209 f, und 221. 

7 Im Sommer 1902 fand ich bei einem Antiquar in Boston Platens 
»Rom. Oedip.« (1824) und Ed. v. Schenks »Schauspiele« I. Th. (Cotta 
1829), beide ungebunden, und auf beiden Umschlägen aufgeklebt ge- 
druckte Zettel: vorn »German Society, 1828«, Namen wie oben u. s. w. 
hinten »Rules« für Benutzung der Bücher der Gesellschaft. Diese 
scheint also wenigstens bis zum Jahr 1829 fortgelebt zu haben, doch 
ist sie sonst gänzlich unbekannt. Ich habe niemand hnden können, der 
etwas davon wußte. Offenbar war sie dazu bestimmt, das Lesen deutscher 
Bücher zu fördern. 



24 Neue Mittheiluxgex. 



Diese Namen sind fast alle noch bei uns bekannt, ' einige 
wie Folien, Ticknor und Lieber wohl auch in Deutschland. 
Eine bedeutendere Gesellschaft konnte es damals dort nicht 
gegeben haben. 

Bis zum Tode Goethes ist hier weiter nichts mehr zu 
erwähnen, und damit schließen wir. Nur am Schlüsse sei 
ganz kurz bemerkt, daß 1876 mit der Begründung der be- 
rühmten Johns (sie) Hopkins University in Baltimore zum 
ersten Mal deutsche Methoden in großartiger Weise eingeführt 
wurden, und das wissenschaftliche Studium der deutschen 
Sprache in Amerika begonnen.' Auch das deutsche »Irving 
Place Theatre« in New York sei kurz erwähnt, das unter der 
trefflichen Leitung Heinrich Conrieds vom künstlerischen 
Standpunkt als das beste Theater in Amerika anerkannt ist.' 
Selbst im fernliegenden California wurde im December 1903 
die Herderfeier würdig begangen.* Endlich sei genannt das 
ganz neue »Germanic Museum« ' in Cambridge, das ohne 
Zweifel eine bedeutende Rolle zu spielen bestimmt ist, und 
das auch neulich der Deutsche Kaiser mit großen Geschenken 
wesentlich befördert hat. So schließen wir, wie Goethe so 
manchen Brief »Das Beste wünschend!« 

Anmerkungen zu den Briefen. 

' Theodor Lyman (1792 — 1849), bekannter Philanthrop, 
studirte auf der Harvard University, reiste in Europa und 181 7 
mit Everett nach Griechenland. 1834 — 35 war er Bürger- 
meister von Boston. In einem Brief »viro clarissimo F. A. 
Wolfio« empfiehlt Everett Lyman als »carissimus mihi inter 
cives meos« (Gottingae VIII, Id. Sept. [= 6. Sept.] 1817 — 
ungedruckt? auf der Königl. Bibl. zu Berlin aus Wolfs Nach- 
lass) vgl. Lymans Brief an Goethe (oben Nr. 2) und An- 
merkungen dazu. 



* Eliot, später Bürgermeister von Boston, war der Vater des 
jetzigen Präsidenten der Harvard University. Ticknor war damals Smith 
Prof der französischen und spanischen Literaturen : in dem Vorwort zu 
seiner Geschichte der spanischen Literatur gedenkt er Grays. Pickering 
war der Philolog; Bowditch Sohn des Mathematikers. Näheres über 
den bekannten Publizisten Franz Lieber in seinem »Life« von T. S. Perry 
(Boston 1882, übers, v. F. v. Holtzendorff 1885) und vgl. Viereck 691 f. 
Searle war ein Freund Cogswells (»Life« 61 u. 64) und viel in Deutsch- 
land gewesen. 

' Vgl. Viereck 538 u. 5 64 fg. 

3 Vgl. White 2 50 fg. und N. Hapgood »The Stage in America« 
(N. Y. u. London 1901) auch Viereck 686. Jetzt ist C. Director des 
Metropolitan Opera House geworden, unter ihm wurde Wagners Parsifal 
dort aufgeführt. 

■♦ [Vgl. unten J. Goebels Vortrag.] L. G. 

5 Vgl. Viereck öygfg., feierlich eröffnet 10. Nov. 1903. 



Briefwechskl 7,\vischk\' Gokthk und A.mkrikaners*. 25 

* Ueher (loethes Autographen-Sammlung (jetzt im Ooethe- 
Archiv) vgl. [Brockhaus] »Zum 28. August 1S99« S. 1 1 ff . 

' Nicht mehr vorhanden. 

* Henry R. F. X'assall (1773— 1840) 3rd. Haron Holland, 
Staatsmann und Literat, am meisten durch seine literarischen 
Gesellschaften in »Holland House« bekannt. Vgl. Dict. Nat. 
Biog. 20, 126; Prinzessin Marie Lichtenstein »Holland House« 
(1873); Ticknors Life etc. i. 264^, 294f., 408 u. G.-J. 20, 254. 

* James Monroe (1758 — 1831), während Jefferson Präsident 
war, im Jahre 1803, mit R. L. Livingston. erwarb Louisiana 
für die Ver. Staaten (jetzt gefeiert durch die Welt-Ausstellung 
in St. Louis), 18 16 Präsident der Ver. Staaten, 1820 wieder- 
gewählt. 1823 promulgirte er in einem »Message to Congress« 
die jetzt so bekannte »Monroe Doctrine«. Vgl. sein Leben 
von D. C. Gilman (Boston 1883). 

* John Adams, Vice-Präsident unter Washington, ward 
1797 Präsident, Thomas Jefferson, Verfasser der »Declaration 
of Independance« und Begründer der University of Virginia, 
war Präsident 1801— 1S09, vgl. oben S. 2^. James Madison, 
Präsident 1S09 — 17. 

7 L^nter Goethes Autographen findet sich nur ein Brief 
von Washington (nur Unterschrift eigenhändig) an Wm. M<= 
Intosh vom 8. Jan. 17 88. Nach einer zurückbehaltenen Ab- 
schrift schon 1835 veröffentlicht von Jared Sparks (Writings 
of W, 9, 300), aber als nicht wichtig in Fords großer Aus- 
gabe weggelassen (vgl. XIV, 476). Der Brief fehlt in Goethes 
Verzeichniß (Brockhaus a. a. O. und G.-J. 4. 2i6f.), doch 
ist nicht anzunehmen, daß Goethe ihn von Everett erhielt. 

8 2 ed. London 1817 [i ed. 17. Juli], ungebunden, noch 
im Goethe-Hause, wo mir Herr Geh. Hofrath Ruland gütigst 
alles zur Verfügung gestellt hat, mit folgender Widmung: — 

His Excellency The Minister 

Von Goethe from His humble Servant 
Edward Everett of 
Boston America 

Goettingen 7'^- Sept. 181 7. — 

9 Schon im Febr. 181 5 ward er Prof. of Greek in der 
Harvard University (vgl. Quincy Hist. Harv. Univ. IL 313). — 
26. Aug., 28. Nov. und später erhielt er $ 500, wofür er 
deutsche Bücher für die Universitätsbibliothek kaufen sollte. 
Auch Ticknor 1816 wurde beauftragt $ 1000 für französische 
und italienische Bücher zu verwenden. (Privatbrief an mich 
von Herrn Oberbibliothekar W. C. Lane) vgl. Ticknor a. a. 
O. I, 120. 

'" z. B. 1817—20 Eichhorn, Blumenbach. F. A. Wolf, 
Buttmann, Bouterwek (in dessen Familie Everett und Ticknor 



26 Neue Mittheiluxgex. 



in Göttingen wohnten), die Brüder Grimm und Sömmerring. 
(Nach »Book ofDonations to the Library 1812 — 1821« folio, 
H. U. 5I9-25-) 

" Vgl. oben Briefe 4 — 13 und Anm. 26 u. s. w. 

" ob jetzt im Besitz seines Sohnes Dr. A\'m. Everett in 
Quincy Mass. '? In den in seinem Besitz befindlichen Briefen 
Everetts wird Goethe nicht erwähnt: auch nur einmal ganz 
flüchtig genannt in E's. »Orations« etc., vgl. oben S. 5. 
Vgl, Herzog Bernhards »Reise« u. s. w. I, 81 und White 
a. a. O. 256, vgl. Anm. 58. 

'' Vgl. oben Anm. 8. 

'* »Manfred«, London [16. Juni] 1817. (Rulands kurze 
Notiz im Publ. Engl. G. Soc. (1889, V, 189 ist bisher un- 
beachtet geblieben.) Das ungebundene Büchlein im Goethe- 
Hause trägt die Widmung: — 

»For 

His Excellency the Minister 
Von Goethe 
with the highest respect of 
His Excellency's most faithful Servant 
Theodore Lyman of 
Boston -United States of America.« 

'5 L. sah Goethe erst am 13'*". Vgl. Tageb. 11. — 13. Oct., 
Brief an Knebel 13. Oct. (Briefe 28, 277), und Brandl im 
G.-J. 20, 7 f. Ueber Lymans Beziehungen zu G. ist in Amerika 
nichts weiter bekannt. Nicht nur erhielt G. »Manfred« von 
einem Amerikaner, sondern von Ticknor erfuhr Byron zuerst, 
daß Manfred als eine Nachahmung Fausts galt (vgl. Ticknor 
a. a. O. I, 165, 20. Oct. 181 7 mit Byrons Letters ed. Prothero 
4, 177, 23. Oct. 1817 — Zusammenhang bisher unbeachtet), 
und sehr wahrscheinlich zuerst von Bancroft (s. oben S. 18) 
hörte Byron von Gs. Bewunderung seines Don Juans und der 
Recension der letztgenannten Dichtung. (Vgl. Letters a. a. O. 
6, 74, 26. Mai 1822. [In Ottiliens Abschrift (unter Gs. Byron- 
Papieren) des Briefes — nach Moores Life of B. — heißt es 
noch y>Ro7L'croft<-< statt Bancroft: vgl. auch »The Critic« (N. Y.) 
N. S. 8, 142 (1887) und 10, 104 (1888)]). 

'^ Am 27. März vgl. oben S. 7 und unten Anm. 37 
und Cogswells sehr interessante eigene Berichte in dem »Life 
of Joseph Green Cogswell, as sketched in his Letters, privately 
printed at the Riverside Press Cambridge [Mass.] 1874 8° 
[von Ticknors Tochter Anna Eliot T.] Dieses sehr seltene 
Werk besitze ich, doch da ein vollständiger Abdruck hier 
leider ausgeschlossen ist, muß ich auf Herman Hagers [vgl. 
Transact. Manchester Goethe Soc. (Warrington, 1894) p. 182] 
theilweisen einfachen Abdruck in Herrigs Archiv 87 Bd., ^jz 



Brief\vi:chsi;l z\vischi:n Gokthk lno Ami;kikanj;r\. 27 

Heft (1S91) S. 247 ff. jedesmal verweisen feit. »Haj^er« so 
z. B. ///(•/- S. 24Sff.| V. Biedermann folgt nicht dem Original 
sondern Kuno Kranckes Aus/.ilgen und seiner Paraphrase in 
»Harvard Monthly« Juni 1S90. Zu Hager S. 248 ü])er C'onstant 
vgl. jetzt »Journal Intime« de B. C. (1895) und .Albert Haas 
in Euphorion 7, 521 f. (1900). 

'7 An Elementary Treatise on Mineralogy and (leology, 
by Parker Cleaveland, Boston 1816. Das Exemplar indoethes 
Hause trägt die Widmung: — 

Offert a Monsf de (ioethe 
par 

Joseph G. Cogswell 
de Boston 
Etats Unis de l'Amerique. 

Das Werk, ein klarer und ernster Versuch zwischen 
Werner und Haüy zu vermitteln, wurde vielfach lobend recensirt 
z.B. N. Am. Rev. 6, 145 und 12, 134; Edinb. Rev. Sept. 1818; 
(rött. gel. Anz. 1818 St. 160, 5. Oct.; Sillimans Journal i, 35 
und vgl. auch L. Woods »Addreß on . . . P. Cleaveland« 
(Brunswick [jetzt in Maine] 2 ed. 1860. Humboldt, Hausmann 
und Bremster schätzten es sehr hoch. (Vgl. Briefe 4 und 8 
und Anm. 22 u. 37.) 

'^ (laetano C, Direktor des Münzkabinets zu Mailand, 
schickte Bücher und Medaillen u. s. w. vgl. Tageb. 12., 16., 
17. Juni 1818; Strehlke Gs. Briefe i, 104 und z. B. Briefe 

28, 341. 

'^ B. undH. waren nicht nur Lehrer, sondern nahe Freunde 
Cogswells in Göttingen, vgl. Life p. 60 — 62 u. 97. Goethes 
Freund J. G. Lenz, Stifter der Mineralogischen Gesellschaft 
in Jena, vgl. Anm. 37. 

*° Während des Druckes des Jahrbuches wird dieser Brief 
vielleicht schon in der Weimarer Ausgabe erscheinen. 

Diese Uebersetzung {hier nach dem Concept) rührt (nach 
Schüddekopfs gütiger Mittheilung) von Laves her (vgl. Briefe 

29, 123 und 22, 405) auf (rrund eines deutschen Concepts 
auch von Wellers Hand. Einige Hörfehler hat G. mit Tinte 
corrigirt, vgl. Tageb. 17. u. 27. Juni und Cogswells Antwort. 

" Vgl. Tageb. 14. April, »Karte durch Bertuch« 14. — 
15. Juni, und Brief an Voigt vom 19'^" Juni. In den Ausleihe- 
büchern der Bibliotheken in Weimar und Jena sind keine 
\\'erke über Amerika damals als von (ioethe entliehen an- 
geführt. Doch im (ioethe-Hause finden sich: — »Neue Erd- 
beschreibung von ganz Amerika« a. d. engl. v. A. L. Schlözer 
(Gott. u. Leipzig 1777) und »Der Deutsche in Nordamerika« 
(Stuttgart 1818) und v. Müller unter dem 13. Juli 1818, vgl. 
auch Briefe 23, 305 — 308 f. und Nat. ^^'. 12, 2380". 



28 Neue Mittheilungex. 



'* Vgl. Tageb. i6. Juni ». . . angekommen . . . Cleaveland 
Mineralogie . . . Dasselbe Werk zu studiren fortgefahren 
bis zu Nacht um ii Uhr,« s. auch Tageb. 17. und 18, Juni 
und 2. Dec. 

*' Vgl. oben Anm. 18 und Tageb. 27. Juni. 

'■* Vgl. Anm. 16 und 37. 

*5 i. e. »Remarks on the Geology of the United States, 
explanatory of the subjoined geological map (PI. VI)« mit 
Hinweisen auf: — 

i) Privat-Briefe von H. H. Hayden (1769 — 1844), Zahn- 
arzt und Geolog, in Baltimore, wo seine »Geological Essays« 
1820 erschien, vgl. Appletons Cycl. Am. Biog. III i3if. und 
N. Am. Rev. 12, 134 ff. 

2) Maclures Memoir und Karte, vgl. Anm. 28. 

3) S. L. Mitchills Berichtigungen (Bruce's Am. Min. Journ. 
I, 129 f.) seiner früheren Beobachtungen der Nordseite Long 
Islands, die Maclure aufgenommen hatte. [Privatbriefe an mich 
von den Herren Professoren Clarke und Mathews in Baltimore.] 

'^ Goethes jetziges Eingehen auf Everetts unbeantwortete 
Bitte ist natürlich seiner Freundschaft für Cogswell zuzu- 
schreiben. Uebrigens kannte G. Everett als »von Cambridge 
bey Boston« (Tgb. 25. Oct. 181 6), Cogswell dagegen als aus 
Boston selbst (vgl. Anm. 17 und Tgb. 27. März 181 7). Goethe 
sandte nur seine eigene Werke, vgl. unten Brief 10. Vierecks 
Vermuthung a. a. O. p. 552 ist nicht zu billigen, zumal da 
in der That Ebelings Bibliothek erst durch Cogswells Einfluß 
und Vermittelung gekauft wurde. 

'7 Das Original war vom 27. Juni datirt, vgl. Cogswells 
Antwort und Anm. 20. Trotz der Adresse (des Conceptes 
wenigstens) nach Paris, schickte Vogel (vgl. Tgb. 27. Juni) 
den Brief wohl nach Mailand zu Cattaneo (vgl. Anm. i8). 
Doch am 26. Juli schon schreibt Cogswell (Life p. 59 note) 
»Yesterday I had a letter from Goethe in which he speaks 
in the highest terms of Cleaveland's Mineralogy!« 

^^ William Maclure (1763 — 1840) ein vielgereister, sehr 
bedeutender Geolog, der große »surveys« in den Ver. Staaten 
auf eigene Kosten durchführte, war von 18 17 an Pres, of the 
Academy of Natural Sciences in Philadelphia, vgl. unten Anm. 
33 u. 34 und Applet. Cycl. Am. Biog. 4, 147. 

*9 Vgl. Anm. 34. 

'" Diese irrthUmliche Angabe wahrscheinlich nach Maclures 
Preface (p. IX) zur Ausgal)e von 181 7, vgl. unten Anm. ^^. 

'' Vgl. Cogswells Aufsatz in Blackwoods Magazine Feb. 
181 9 p. 548 und unten Anm. 38. Auch sei bemerkt, daß 
noch Herzog Bernhard eine »German friendly society«, ge- 
gründet schon 1766 in Charleston S. C, gesehen hat. (Vgl. 
seine Reise II 11 f.) vgl. oben Schlußbericht S. 21 und 23. 



BRIKI WECHSEL ZWlSClll-N GoKTlIK UND AmKUIKANKKN. 29 

^ Vgl. oben Brief ii und unten Anm. 59. 

" Vgl. Text zu Anm. 28 und 30. »Oljservation.s on ihe 
Geology of the United States of America . . . hy W'm. Mar iure« 
Philadelphia 181 7. Das Kxemi)lar in (I.s. Bibliothek, trägt die 
Inschrift (von Marlures HandV] »for Mr. Cox Barnett Cooper«. 
Am 20. Jan. 1809 las M. den Aufsatz den Mitgliedern der 
American Philosophical Society [seit 1743, deren Ursprung 
auf Franklins »Club« zurückgeht, dessen »Rules« Herder 1792 
übersetzt und im folgenden Jahre in der ersten Sammlung der 
Humanitätsbriefe veröffentlichte, vgl. Suphans Ausg., Bd. 17 
und 18, 538 ff. I in Philadelphia vor und er erschien noch 1809 
in ihren »Transa<tions« VI, 411 f. Darauf eine Uebersetzung 
nebst Karte im Journ. de Physique Sept. 1809, T. 69, p. 201 f. 
u. 204f. und J. d. P., Feb. 181 1, T. 72, p. 137 f., (vgl. Anm. 30). 
Neu revidirt las M. den Bericht wieder vor, und außer den 
oben erwähnten Einzelausgaben, erschien er 1818 in den 
»Transactions« N. S. I, i — 91. Die »Transactions« vols 1—6 
(1789 — 1809) und N. S. 1—4 (1818fr.) sind auf der Weimarer 
Bibliothek noch vorhanden. 

^* Englisch, pp. 134 — 149 des »Journal of the Acad. of 
Nat. Sciences [vgl. Anm. 28] of Philadelphia« vol. I, Pt. I, 
Philad. 18 17. Noch im Goethe-Hause. Maclure hatte die 
Inseln sehr eingehend studirt. 

'^ Ueber Cogswells Besuch bei G. an diesem Tage, wo 
er V. Müller, Meyer und Ulrike v. Pogwisch traf, vgl. Hager 
S. 250, v. Müller- 44 [= Gespräche 4, 11], und Tageb. [v. 
Müller schrieb »Boxwell«, berichtigt nicht nur von White 
(G.-J. 5, 231), sondern schon 187 1 von T. S. Perry in »The 
Nation« N. Y. 5. Jan. p. 12. Vgl. auch Anm. 38 u, 42. 

'^ Vgl. Tageb. 29. Juli. Hier nach dem datirten Concept 
von John [bis auf »versichern«] und Kräuter. Ein anderes 
undatirtes Concept [vgl. unter dem Text] ist auch vorhanden. 
Goethes Correcturen mit Tinte sind für uns ohne Bedeutung. 

" (Vgl. Anm. 17.) Parker Cleaveland (1780 — 1858), ein 
seinerzeit bedeutender Geolog, aber sehr excentrischer und 
fast unglaublich scheuer Mensch, studirte zu Harvard Uni- 
versity und ward 1805 nach Bowdoin College, Brunswick, Mass. 
[jetzt in Maine], als Professor berufen, wo er äußerst regel- 
mäßig bis an sein Lebensende lehrte. Vergl. über ihn L.Woods 
»Address on . . . Parker Cleaveland« (Brunswick 1860, 2^ ed.), 
und das schöne Sonett seines Freundes Longfellow (Poet. 
Works, Oxford 1893, in i vol., p. 717). Ueber die »Minera- 
logische Gesellschaft« vgl. Goethes Aufsatz (Nat.W. 9,92 und 
IG, 202, Hempel 34, 195) und Tag- und Jahres-Hefte 1803-04 
und 1807 (W. 35, 138, 155, 177 und 36, 12 = Hempel 27, 
Abs. 327, 375 f., 426, 647 nebst v. Biedermanns Anmerkungen), 
auch Briefe 13, 377. Unter den Akten (181 9) der Gesellschaft 



30 Neue Mittheilukgex. 



findet sich dazu nur der folgende Brief — wofür ich den 
Herren Professoren Ernst Haeckel und Linck in Jena ver- 
pflichtet bin — ; 

»Bowdoin College, Brunswick, Massachusetts. 

June i6, 1818. 
Sir, 

I took the liberty of sending a copy of my Elementary 
Treatise on Mineralogy to the Mineralogical Society of Jena, 
the last autumn. It went from Boston to London. But, from 
information just received [durch Cogswell y], I have reason 
to fear, that, by accident, no address was put on the book; 
and, of course, that it has not been received be the Society. — 
Another cop)' is therefore now sent. 

With much respect 
The Secretary of the I am. Sir, 

Mineralogical Society Yours &c. 

of Jena. Parker Cleaveland.« 

1822 erschien in Boston eine zweite Auflage des Buches in 
2 Bänden (vgl. Silliman's Journ. V, 404), wovon ein Exemplar 
jetzt noch im Goethehause mit Widmung 

»To 

The Mineralogical Society 
of Jena 

from the Author.« 

Vgl.Tageb. 1823, 9. April, 19. Juni; Brief an Graf Sternberg vom 
20. Juni 1823 (Sauers Ausg. 1902, S. 51); an Lenz 22. Juni; 
und Nr. 814 f. der Sprüche in Prosa (Nat. W. 11, 105 f.) und 
Woods a. a. O., p. 46. Es ist ein Irrthum, wenn Goethe, in 
beiden Briefen, Lenz in seinen »Annalen« u. s. w. (s. unten), 
Musculus, und darnach v. Loeper (zu Spruch 814), und die 
Herausgeber der Tagebücher (9, 351) annehmen, daß Cleave- 
land Professor in Boston sei. Auch hat er nicht »in Freiberg 
studirt« (Goethe an Sternberg), obgleich er sehr oft »Werner 
of Freyberg in Saxony« nennt. Cleavelands »Diplom« (vgl. 
Anm. 39) lautete auf »auswärtige Mitgliedschaft«. Zwischen 
Jan. 1823 und December 1824 [nach Empfang der zweiten 
Auflage seines Buches?] ward er »Ausw. Ehrenmitglied«. Vergl. 
»Annalen d. Großh. S. Soc. f. d. ges. Mineralogie in Jena« V, 
274, und VI, 295 und 502 [vgl. Tageb. 8, 325 und 10, 297. — 
»Annalen« u. s. w. V und VI = »Neue Schriften« u. s. w. I und 
II, wonach auch A. D. B. 18, 277 zu berichtigen ist]. Unter den 
früheren Mitgliedern waren so verschiedene Leute, wie z. B. 
»Joseph Müller, Edelstein-S<-hneider in Karlsbad« (Hempel i2>i 
513, dazuG.-J. 18, 17) und die Malerin Luise Seidler (Erinn.^ 86; 
dazu das Titelkupfer zum fünften Bande der »Annalen« u. s. w. 



BkIKI WHCIISKL /.WISCIII.N' GüK Till- UND AM1:RIK.\N1.RN-. 3 I 

a.a.O.); doch da uns kein vollständiges Verzeichniss mehr 
erhalten ist, können wir nur vermuthen, dass auch Cogswell 
Mitglied war. 

5^ I). B. Warden — »Statistic al. Political, aiul Historie al 
Account of the United States of North .America«, PMinb. 1819, 
3 vol., 8°, noch im (loethehause mit Widmung: 

»a Mons'': de (ioethe 

hommage de 

Jos. G. Cogswell 

de Boston 
Weimar ce 10 Mai 1819. Etats Unis d^Ameriejue.« 

Vgl. Anm. 35. Tageb. 1819, 10. —14. Mai, 1826, 19., 20., 24., 
27., 28. Sept. und 7. Oct. und an »Frommann den Jüngeren« 
7. Oct. 1826 (ungedruckt, Concept im Archiv in einem Heft 
betreffend »Herzog Bernhards Reise in Nordamerika«, vgl. 
oben S. 21, Anm. i): » . . . Ich lege das schon vorgewiesenen 
Buch bey, mit welchem wir, wenn die Sache zu Stande käme, 
zu rivalisiren hätten . . . « Eine stark verkürzte Uebersetzung, 
von J. G. F. Cannabich, erschien zu Ilmenau 1824 in einem 
Bande (auf der Weimarer Bibliothek). Das Werk selbst recen- 
sirte Cogswell (vgl. Life, p. 106 n.) 1821 im Juli-Heft (No. 32) 
der N. Am. Rev. (in Goethes Bibliothek. »Eingetauscht« im 
Mai 1822. Vgl. Buch. Verm. Liste (Tageb. 8, 320, wo fälschlich 
1822 steht). Am Ende des ersten Bandes von \\ardens Buch 
ist eingeklebt ein Abdruck (aus Blackwood's Edinb. Mag. Mar. 
181 9 = vol. 4, p. 641 ff.) von Cogswells zweitem Aufsatz 
[vgl. Febr.-Heft und oben Anm. 31] »On the State of Learning 
in the U.S. of A.«, vgl. Tageb. 1819, 11.— ^12. Mai. Ganz 
ohne Cogswells Erlaubnil^ schickte Böttiger den Aufsatz an 
Göschen (vgl. Life, 99 f.), der bald darauf eine Uebersetzung 
in seiner jetzt sehr selten gewordenen Zeitschrift »Amerika, 
dargestellt durch sich selbst« [vgl. meine Mittheilung in Beil. 
z. Allg. Ztg. 1903. Nr. 120 vom 29. Mai. S. 382, und die bald 
erscheinende deutsche Ausgabe von ^'iscount Goschens Leben 
G. J. Goschens], und zwar in den Juninummern 43—45, sogar 
mit einer Einleitung, worin es geradezu heißt »wir verdanken 
folgenden Aufsatz der Güte seines Verfassers, des Herrn [. G. 
Cogswell aus Boston, welcher . . . uns die Erlaubniß gegeben 
hat solchen . . . für unsere Zeitschrift übersetzen zu dürfen.« 
59 Auf dem Titelblatt der zweiten Auflage von Cleavelands 
Buch [vgl. Anm. 37] steht: — »Fellow of the Mineralogical 
Society of Jena«, doch nach freundlichster Mittheilung des Herrn 
Oberbibliothekars Geo. T. Little sind Goethe, die Mineral. 
Gesellschaft und Cogswell überhaupt nicht erwähnt in Cleave- 
lands Nachlaß, jetzt in liowdoin College Library; doch vgl. 
Woods a. a. O. p. 46, wo CJoethes Sprüche angeführt werden. 



32 Neue Mittheiluxgen. 



*° . . Zur Naturwissenschaft tiberhaupt, besonders zur 
Morphologie . . Ersten Bandes, erstes Heft« . . 1817 Zur 
Naturw. S. 33 ff. »Zur Kenntniß der böhmischen Gebirge«. 
(Nat. W, 9, 7 fr., 400 ff. u. IG, 177.) Vgl. unten Anm. 55. 
Am 21. Juli 181 7 (laut Tageb.) sandte G. ein Exemplar an 
Sartorius in Göttingen, der vielleicht seinen Freund darauf auf- 
merksam machte, wenn Cogswell das Heft nicht von Goethe 
selbst erhielt. 

^' Vgl. z. B. Anm. 10 und 64. 

^* Ein Geschenkexemplar (vgl. Hirzels Verz. S. 86) des 
Maskenzug, 18. Dec. 1818, mit eigenhändiger Widmung: 

Seinem werthen Freunde 
Herren Cogswell 
zu geneigter Erinnerung 
des IG May 1819 
Weimar Goethe 

(vgl. Anm. 35 u. 38). Nach freundlicher Mittheilung des Groß- 
neffen Cogswells Mr. D. G. Haskins jr. in Cambridge Mass., 
der das Buch besitzt, soll Cogswell an jenem Tage Goethe 
mit einem alten Freunde [Meyer V vgl. dessen »trockene« 
Bemerkung bei v. Müller, a. a. O. S. 44] ausgesöhnt haben. 
[Wie mir Dr. Billings (vgl. oben S. 8, Anm. i) schreibt, ist 
trotz Whites Anm. G.-J. 5, 219 kein solches Buch in New- 
York vorhanden]. Wohl wählte Goethe gerade dieses Büchlein, 
da es nicht nur mit ihm selbst sondern mit dem ganzen 
weimarischen Kreise eng verbunden war. Auch war es sein 
erstes Geschenk an Carlyle (Briefw. S. 3) und vgl. Anm. 57. 

^5 N. Am. Rev. nos. 22.-24. Dec. 1818, Mai und Juni 
1819, noch vorhanden. In den Inhalts-Verzeichnissen hat 
Cogswell, nicht immer richtig, versucht die Namen der ano- 
nymen Verfasser anzugeben, z. B. nurichtig Nortons Report 
(vgl. oben S. 22). 

■*■* Wohl das April-Heft mit Recensionen einiger Werke 
von Fr. Schlegel, A. v. Humboldt und Shelley. 

^^ Cantos I — II waren anonym zusammen am 15. Juli 18 19 
erschienen. Vgl. die neue großartige Ausgabe von E. H. Coleridge 
(= Poetry vol. 6: dazu Bibliog. in vol. 7). Am 10. Sept. be- 
richtet Hüttner (vgl. Strehlke a, a. O. i, 293 und P. Gedans 
Monographie, Lpzg. 1898) aus London darüber: »Dies Ge- 
dicht hat erstaunliches Aufsehen gemacht, weil man . . . wußte 
daß es von Lord Byron herrühre, und weil darin Religion, 
Moralität, Anstand und Alles was dem Menschen theuer ist 
auf das schamloseste mit Füßen getreten wird .... Bei 
alledem ist nicht zu leugnen, daß er hier wie immer als Genie, 
kühner Denker und feuriger Dichter erscheint, dem man als 



BkU I WI-CIISII. ZWlSCIllN GOHTIIK UND A.MIKIK ANI-RN. 33 

solchem seine Bewunderung nicht versagen kann. Ja, Manche 
halten diese Rhapsodie für sein gelungenstes Werk. Aber 
was den Inhalt betrilTt so setzt sich der liederliche I.ord . . . 
über alle Urtheile hinweg . . .« (diese »Hauptsätze« aus der 
Hs. mir gütigst mitgetheilt von Herrn (Jeh. Hofrath v. Boja- 
nowski, vgl. (I.-J. XXI, loi fg). Am /j. Oct. schreibt (i. an 
Frau V. I'ogwisch) vgl. Strehlke 2, 43: dazu Hirzcl S. 143): 
»Von Byrons neuesten Werken habe ich nur gehört. Don 
Juan rühmen seine Landsleute unendlich, dann mäkeln sie 
wieder daran, wie immer«. |vgl. Coleridge a. a. O. und 
l.etters IV, 275 fg.. 346, 3S4 u. ü.|. (;. l)ekam das Buch am 
6. Dec. 1819 (vgl. Tagel)., und über (Ts. Recension [W. 41 I 
245 f.] u. s. w. Brandl in (i.-J. XX, 13). 

^* Cogswell schwärmte sehr für Byron (vgl. die in Anm. 35 
erwähnten Stellen). Noch im achtzigsten Lel)ensjahre schreibt 
er 1866 (Life, p. 309): — »I never realized how sui)erlatively 
beautiful Italy is until I read »Childe Harold«, and I never 
read any descrijjtion of it, but Byron"s, which had the magic 
]iower to call up the precise impression it had made upon me. 
Rogers is really tame in comparison« vgl. auch Hager a. a. O. 
S. 250. Ueber Goethes Verhältniß zu Byron vgl. Brandl im 
G.-J. 20, 3—37. 

•»7 Nach O. W. Holmes (Life of J. L. Motley, Lond. 1878, 
]). 15 — V darnach A\"hite im (r.-J. 5, 231) schickte Cogswell 
1830 an Ottilie einen .\ufsatz über CJoethe von seinem damals 
sechzehnjährigen Schüler, dem später so berühmt gewordenen 
(ieschichtschreiber der Niederländer. In Ottilies Antwort 
äußerte sie den Wunsch Motleys erstes Buch zu sehen. Ab- 
gesehen von dem nächsten Briefe ist in Weimar, oder sonst 
so viel ich weiß, nichts vorhanden, was weitere Beziehungen 
zwischen Goethe und Cogswell bezeugt, vgl. Anm. 38. 

^^ Vgl. Hager a. a. ü. S. 251. 

*'^ Eine L^ebersetzung dieses Briefes von Miss Ticknor 
erschien schon 1874 (im Life p. 105 f — danach z. B. Hager 
a. a. O. 251 und sonst). Das Original wird hier zum ersten 
Male veröffentlicht nach einer Abschrift, die die Besitzerin, 
Mrs. James O. \\'atson in Orange N. J., gütigst zur Verfügung 
gestellt hat. Nur Datum und Unterschrift sind eigenhändig, 
das Uebrige wahrs< heinlich von Kräuter, wie auch ein Concept 
im Archiv (vgl. Tageb. 10.— 11. .\ugust 1819 und Lesarten 
S. 292). Vgl. Anm. 58. 

5° »Bassange« im Original und Concept [viellei( ht dun h 
Verwechslung mit dem Namen des Juweliers der Halsband- 
geschichte oder etwa mit dem Pariser Verleger Bossange]. 
I)as Richtige im Tageb. 29. Juli 1819 und Cogswells Brief 
vom 8. August, hier Nr. 9. S. 14. 

Goethe-Jahrbl'Cu XXV. J 



Neue Mittheilcxgex. 



5' Laut Tageb. ging Goethe am 12. Aug. nach Jena und 
am 26. nach Carlsbad. 

>* Vgl. Anm. 38. 

55 Vgl. Anm. 43. 

5* Das Original-Verzeichnifi ist verschwunden. Hier nach 
dem Concept von Kräuters Hand, vgl. Anm. 49 u. 58. 

5> Abdruck aus »Zur Naturw.«, vgl. Anm. 40. 

5* Die von Goethe geschätzte Uebersetzung des in Jena 
studirenden Papadopulos, Jena 1818, vgl. Tag- und Jahres- 
Hefte 1817 (Hempel 27, Abs. 954 f.); Tageb. 25. u. 27. Juli 
und I. Dec. 1817; i. u. 28. Jan., 17. Aug. und 26. Sept. 1818 
und Brief an Weller vom 18. Aug. 1818 (Döring S. 321); 
auch Charl. v. Schiller 3, 384. Im Archiv (Eing. Br. 1818, 
S. 551, zwischen Briefen vom 6. und 8. Sept.) ein Blatt mit 
der gedruckten Widmung an Goethe, adressirt: — »ä Mon- 
sieur de Goethe, 3 Mohren« [= Gasthaus in Carlsbad]. 

" Das in Anm. 42 genannte Werk. 

5^ Das Original ist leider verschollen, auch ist kein Concept 
vorhanden. Der Druck hier folgt meiner Abschrift der amt- 
lichen Uebersetzung unter den Harvard Univ. Akten (Harv. 
Coli. Papers IX 14). Nicht ganz genau veröffentlicht von 
Kuno Francke (vgl. G.-J. XII, 284, 288 u. 328) und darnach 
bei Hager a. a. O. S. 252 und vgl. G.-J. 15, 288. Dem Herrn 
Oberbibliothekar W. C. Lane verdanke ich die interessante 
Vermuthung, daß diese Urschrift von Everett herrührt. Cogs- 
well war noch nicht zurückgekommen. Offenbar war das 
Verzeichniß identisch mit dem Obengedruckten S. 16. 

>' Vgl. Cogswells Brief vom 5. Sept. 181 8, hier Nr. 5, S. 11. 
Am 8. Sept. 1636 wurden 400 iS für »a school or College« 
bewilligt, und nach dem Tode John Harvards (1607 — 38), der 
sein Vermögen und seine Bücher der vorgeschlagenen Stiftung 
vermacht hatte, das »General Court« of Mass. »ordered that 
the colledge agreed upon formerly to be built at Cambridge 
shall bee called Harvard Colledge.« [s/c] (Mar. 1638 — 39) 
vgl. Dict. Nat. Biog. 25, 77 f. und J. Quinc:y »Hist. of Harvard 
Coli.« Cambr. 1840, 2 vols. 

^° Zwischen 12. und 26. Aug. besuchte Cogswell Goethe 
in Jena, aber es ist ganz unmöglich gewesen die Zeit genau 
zu bestimmen. Vielleicht war es am i5ten. Vgl. Tageb. und 
Hager a. a. O. S. 250 f. 

^' Vgl. Anm. 47. 

^* Das Original ist nif:ht in Weimar vorhanden. Franckes 
Druck ist nicht ganz genau. Hier folge ich meiner Abschrift 
der Urschrift aus den Harvard Akten. (Harv. Coli. Papers 
IX, 15). Vgl. Anm. 58. 

^' Namens Wyer (nach Alman. de Gotha). 



Bkii;i whciisi:!. zw isciius" Goi-.tiik und Amkkikankrn-. 35 

^ Nach dem schon in Anm. 10 angeführten »Book o( 
Donations« u. s. w. (p. $^) wurden die 1U1< her erst am 20. März 
1820 »received«. Nach einem handschriftlichen »Report« 
Cogswells selbst, als Uberbii)liothckar, waren alle Duplikate 
schon vor 1822 verkauft worden, — was nöthig war um neue 
^\'erke anzuschaffen. Doch ist ein Exemplar der Iphigenie- 
Uebersetzung aus dem Nachlasse C. C. Feitons [vgl. White 232J 
endlich zurückgekommen. In jedem gebundenen Buche, auf 
der damals üblichen Universitätsbibliothek ex libris, steht 
»The Gift of the | Author John W. | von Goethe | of 1 Ger- 
many | Dec. 8. 181 9,« von einem Schreiber eingetragen. Nur 
in einer Liste der »Donors to the Library 1780— 1840« 
findet sich (bei Quincy II, 575) der PLintrag: »Goethe, J.W. von 
(Frankfort) 39« [= Bücher i. e. K u. A als 2 Bde. berechnet] 
»the celebrated Goethe ofGermany«. (Cat. of Libr. of Harv. 
Univ. 1S30. p. XII.) 

*> Rev. ].T. Kirkland (1770— 1840) war Präs. d. Univ. 
iSio — 28. 

'* Welches Werk gemeint sei, habe ich nicht ermitteln 
können. 

*^ G. E. Schulze (1761 — 1833), genannt »Aenesidimus- 
Schulze« nach seinem Hauptwerke, war damals ord. Professor 
der Philosophie zu Göttingen. Vgl. A. D. B. 32, 776. 

*^ Vgl. die sehr interessanten Stellen in Bancrofts groß- 
artiger »History of the United States«, X, 90 — 96 f. (1874) und 
IX, 475 (1866). Auch »brave, warm hearted« Carl August, der 
noch blutjung dem Soldatenhandel mit England entschieden 
entgegentrat, wird hier würdig gelobt. B.'s »Studies in Ger- 
man Literature, 1824« fg. [mit »Translations, 1818 — 1824« 
von G., Schiller u. s. w.] befinden sich in seinen «Lit. and 
Hist. Miscellanies« (N. Y. 1855) pp. 103—246, vgl. White 
a. a. O. 226 und Anm. 70 unten. 

^' Vgl. oben. S. 18. Nach J. G. Wilsons sehr inter- 
essanten Mittheilungen (Deutsche Revue, Okt. 1899, S. 81 f.) 
soll Bancroft Goethe auch später in ^^'eimar begegnet sein. (?) 
Wilsons Annahme, dass Bancroft Byron zum zweiten Male 
gesehen habe, wenn /////* auf Grund eines Briefes Byrons vom 
vom »22 March 1822«, scheint nicht haltbar, denn damals 
war kein Brief unter jenem Datum bekannt, und in Byrons 
Briefen wird Bancroft überhaupt ;////- in der in Anm. 15 an- 
geführten Stelle erwähnt. Eine Antwort auf den vorliegenden 
Brief ist nicht bekannt. 

7" N. Am. Rev. üct. 1824, worin ein für jene Zeit guter 
Aufsatz über Goethe [von Geo. Bancroft). Vgl. Anm. 72 und 
().-]. 5. 224 ff. und S. IV. 

''' Calverts Besuch bei Goethe und ihr (iespräch über die 
Präsidentenwahl schilderte Calvert in Putnams Magazine, Sept. 

5* 



36 Neue Mittheilunxex. 



1856 (jetzt in seinem Buche »First Years in Europe«, Boston 
1866, p. 165 ff.) [vgl. Diezmanns Uebersetzung (1858), abge- 
druckt in Gespräche 5, 167 ff. — Lyons Anm. dazu (9, 226) 
giebt fälschhch »Baltimore« statt »Prince George"s County« 
als Calverts Geburtsort]. Vgl. Tageb., 27. — 29. März. Vgl. 
White a. a. O. 226 f., und Knortz a. a. O. 52 f. 

7* Noch am Abend des 28. sandte Goethe die Revue 
zurück mit »a note of thanks [verschollen], which stated that 
he had a few hours before received a copy of the same number 
from a friend in Berlin. But the pith of the note was in the 
end of it — an invitation to Goethe's house on the following 
evening« (»First Years« u. s. w., p. 174). Am 29. empfing 
Ottilie Calvert, aber Goethe blieb zurück und arbeitete an 
der Helena (vgl. Tagebuch). Eckermanns Gespräch (im III. Th.) 
soll daher wohl vom 29. März statt 30. März datirt sein. Der 
»friend in Berlin« warVarnhagen (vgl. Tageb., 28. März, 3. und 
IG. April). Niemand ahnte, wer der Verfasser des Aufsatzes 
sei. Am 3. April schreibt Goethe an Varnhagen (Varnhagens 
Nachlaß, Königl. Bibl., Berlin): 

»Ew. Hochwohlgeb. 

haben mich durch die übersendete Zeitschrift aufs neue 
verpflichtet. Es ist auf jeden Fall merkwürdig zu sehen wie 
so nach und nach die Wirkungen eines langen Lebens durch 
die Welt schleichen, auch da und dort, nach Zeit und LTm- 
ständen, Einfluß gewinnen. Ich mußte lächeln, als ich mich 
in einem so fernen und überdies republikanischen Spiegel zu 
beschauen hatte. 

Uebrigens macht dieser Aufsatz auf jedermann eine gute 
Wirkung; soviel Verstand und Einsicht, verbunden mit einem 
jugendlich = wohlwollenden Genuß an dem Dichtwerke, erregt 
eine gewisse theilnehmende anmuthige Empfindung. Selbst 
die Lücken wo ihm besondere Kenntniß abging wußte er 
freundlich auszufüllen, und überhaupt das Ganze mit Euphe- 
mismus abzurunden. . . . Das nordamerikanische Heft sende 
nächstens [10 April] zurück, Sie werden selbst am besten 
beurtheilen welch ein schicklicher Gebrauch davon gelegent- 
lich zu machen sey . . . 
Weimar den 3 April treulichst 

1825 Goethe.« 

So viel ich weiß, sind diese Aeußerungen bis jetzt nicht 
in Verbindung mit Bancrofts Autorschaft gebracht worden. 

Schon im vorigen Jahre (G.-J. XXIV. 6 f.) hat Herr Geh. 
Hofrath Prof. Suphan, als Director des Archivs, diese Mit- 
theilung angekündigt. Mir ist es heute eine angenehme Pflicht 
ihm für die Bereitwilligkeit, mit der er alle Schätze des 



Alsiegungi-n: dks Makchi \s. 



37 



Archivs für den Zweck dieser Publikation mir zur VerfUj^ung 
gestellt hat, herzlich zu danken. Hei Benutzung der dort 
aufbewahrten Handschriften hat besonders Herr Dr. Julius 
\VahIe unermüdlich und kundig manche Stelle für mich ent- 
ziffert. Auch hat er. wie bei früheren Mittheilungen, die 
Correcturbogen mit den Urschriften im Archiv mit bekannter 
(Genauigkeit collationirt. Leonard L. Mackall. 



2. AUSLEGUNGEN DES MÄRCHENS. 

Das M ä h r c h e n 
welches die Utiterballioigeji der Aiisi^eivanderten schloß, ladet 
zu Deutungen ein, indem es Bilder, Ideen und Begriffe durch- 
einander schlini,n. Zur Zeit seiner Erscheinung versuchten 
sich mehrere Freunde daran. Drey solcher Auslegungen, 
wovon die letzte einem Frauenzimmer gehört, habe ich in 
nachstehender Tabelle zu erhalten gesucht. 

Weimar d. 24. Junv G. 

1816. 



Fluß. 



Fähr- 
mann. 

Irrlichter. 



Gold. 
Schlan£:e. 



Die Noth, die Ver- IDasFließende Die Hinder- 



legenheit; im all- 
gemeinen jede 
schwierige Aufgabe. 
Mechanisches Wir- 
ken. Fleiß. 

Leichter Sinn. Das 
Genie. Bei Esprit. 
Der Adel. 



des Lebens. 



nisse des 
Lebens. 



Der Stand Die reine 
der Natur. sinnliche 

I Thätigkeit. 
IhrNahmeist j Die Stutzer 
Legion. Die I undSchma- 
; rutzer. 



Versucher 
von Anfang. 
Speculanten. 
Sophisten. 

Der Schein. 

Industrie und Specu- 1 Die Cultur. ; Das Volk. 

lationsgeist. Die 

Nachahmung. Der 

Verstand überhaupt. 



38 



Neue Mittheiluxgf.w 



Mann 
mit der 
Lampe. 

Lampe. 

Höhle. 

Jenes 
Mannes 
Frau. 

Kohl- 
häupter, 

Jüngling. 

Riese. 



Lilie. 
Mops. 

Kanarien- 
vogel. 

Habicht. 



Harfe. 
Tempel. 

Drey 
Könige. 



Die Einbildungskraft. 



Die Natur. 

Der bornirte Sinn. 



Realität. 

Die Leidenschaft. 

Die öffentliche Mei- 
nung. Das Vor- 
urtheil. Das Gesetz. 

Die Caprice. Die 
Phantasterey. 



Die Gunst von oben. 
Der glückliche Mo- 
ment. 



Die Klug- DieVernunft, 
heit. 



Der Glaube, 



Die Mensch- 
heit, 
Der Wahn. 



DieWahrheit. 
Die Grazien, 

Die Treue. 

Die lyrische 
Poesie. 

Die Vor- 
sehung. 
Augur. Der 
heil. Geist. 
Das Genie. 



Der Genuß und die Die* Ver- 
Ruhe als der letzte nunft. 
Zweck des Lebens. 



DerMenschen- 
verstand. 



Die Mensch- 
lichkeit. 

Der Schlen- 
drian. 

DieWeibhch- 
keit. 

Die Sinnhch- 
keit. 

Gesang ohne 
Empfindung. 

Die Ahn- 
dungs- und 
Darstel- 
lungskraft. 

Gesang mit 

Empfindung. 

Die Vereini- 
gung aller 
Kräfte. 

Die noth- 
wendigsten 
Eigen- 
schaften des 
Regiments. 



' Hs. hat Der. 



AUSLEGUNGHM DES MÄRCHENS. 



59 



Der 

Vierte. 



Diese Eit,'en- 
schaften un- 
förml. ver- 
bunden. 



Goethes eigene der Tal)elle vorangehende kurze Bemer- 
kung sagt eigentlich alles, was zum Verständniß der ganzen 
Aufzeichnung' im allgemeinen nöthig ist. Im einzelnen würde 
nur interessiren, wer die Urheber der drei Deutungen des 
Märchens sind. Das Frauenzimmer, von dem die letzte her- 
rührt, ist Charlotte von Kalb. Sie schrieb um die Mitte des 
November 1795 ^^ Cloethe: »Den 3. Band von W. Meister 
hab ich noch nicht gelesen — er ist noch beym Buchbinder. 
Aber das Mährgen. ich will es wiederlesen, und dann will 
ich Ihnen meinen AN'ahn und Traum von diesem Mähr< hen 
sagen. — Es haben schon viele über meine Deutung gelächelt. 
und andere gestutzt — für mich ist viel Wahrheit und Sinn 
darin und das l.icht, welches mir das Ganze beleuchtet, wird 
hoffe ich noch kommen, einiges dünkt mir bekannt, vieles ist 
mir verständlich!« (Goethe-Jahrbuch 13, 53 f.) Ihr Brief, 
worin sie die Deutung Goethe mittheilte, hat sich nicht 
erhalten. Am 23. December schreibt Goethe an Schiller: 
»Hier liegt eine Erklärung der dramatischen Personen des 
Märchens bei, von Freundin Charlotte. Schicken Sie mir 
doch geschwind eine andere Erklärung dagegen, die ich ihr 
mittheilen könnte.« Am 25. schickt Schiller »einen kleinen 
Beitrag zu der Interpretation des Märchens« mit dem Be- 
merken : »Er ist mager genug, da Sie mir mit dem besten 
schon zuvor gekommen sind. In dergleichen Dingen erfindet 
die Phantasie selbst nicht so viel, als die Tollheit der Menschen 
wirklich ausheckt, und ich bin überzeugt: die schon vor- 
handenen Auslegungen werden alles Denken übersteigen.« 
Schillers Interpretation ist verloren gegangen ; denn von den 
beiden ersten hier abgedruckten Auslegungen scheint keine 
den Stempel seines Geistes zu tragen. Die Urheber derselben 
bleiben demnach unbekannt. 

Unter anderen Zeitgenossen bemühte sich auch der Prinz 
August von(iotha gleich nach dem Erscheinen des Märchens im 
4. Bande der Hören (S. 108 — 152) mit dem ihm eigenen leiden- 
schaftlichen Eifer in den Sinn dieser Dichtung einzudringen. 
Am 15. December schickte Goethe einen Brief des Prinzen an 
Schiller zum Zeugniß dafür, daß das Märchen seine Wirkung 
ni<ht verfehle; und S( hiller antwortete am 17. »Es ist prächtig. 



' Sie steht, mit -\usnahme des eigenliändigen »G« von Kräuters 
Hand geschrieben, auf einem Bogen Conceptpapier. 



40 Neue Mittheiluxgex. 



daß der scharfsinnige Prinz sich in den mystischen Sinn des 
Märchens so recht verbissen hat. Hoffentlich lassen Sie ihn eine 
Weile zappeln ; ja wenn Sie es auch nicht thäten, er glaubte 
Ihnen auf Ihr eigenes Wort nicht, daß er keine gute Nase 
gehabt habe.« Der humoristische Brief des Prinzen, der keine 
wirkliche Deutung, sondern nur einen kleinen Ansatz dazu 
enthält, mag hier als ein neuer Beitrag zur Charakteristik des 
merkwürdigen Mannes und seines Verhältnisses zu Goethe an 
die Oeffentlichkeit gelangen. 

»Drey sind die da herrschen auf Erden : die Weisheit, 

der Schein und die Gewalt Die Liebe herrscht 

nicht, aber sie bildet — und das ist mehr.« (I. Br. Joh. V, 8.) 

Wie man doch leichtsinnig und ungerecht ist auf Erden! 
bester Göthe! Ein Wanderer bespricht sich auf seiner Reise 
mit einem Freunde, ob Johannes nicht vielleicht noch lebe? 
Der Freund glaubt es nicht. Der Wanderer findet dieß 
nicht ganz unwahrscheinlich, und zeichnet es, bescheiden, 
in sein Tagebuch ein, damit es die Welt auch hoffen 
möge, wie er. Die verkehrten Menschen fangen es auf, 
in ihrem bösen Sinne, und sagen untereinander: Dieser 
Wanderer hält sich seihst für den Jünger und Evangelisten 
Johannes,^ u. s. w. 

Ich aber, der ich dieses schreibe, glaube es auch, daß 
dieser Johannes noch lebet, und finde ihn in dem zehnten 
Stücke der Hören, des Jahrganges 1795. Haben Sie die 
Gefälligkeit, sich dieses Stück geben zu lassen; lesen Sie 
von der loS^in bis zur 152?!^ Seite; und nun sagen Sie mir, 
ob auf jenen Wanderer noch der mindeste Verdacht fallen 
könne, und ob sich nicht vielmehr alle Umstände vereinigen, 
den unbekannten Verfasser des angeführten Aufsatzes in 
den Hören für den Jünger und Evangelisten Johannes zu 



' Vgl. die Worte des Ahen im Märchen: »Die Liebe herrscht 
nicht, aber sie bildet und das ist mehr«. (Weim. Ausg. 18, 268.) 
Eine wenn auch anders gemeinte Beziehung des Märchens zur Offen- 
barung Johannis liegt in Goethes Äußerung zu Riemer vom 21. März 
1809: »Das Märchen komme ihm gerade so vor wie die Offenbarung 
St. Johannis, die man noch heut zu Tage auf Napoleon deute. Es 
fühle ein jeder, daß noch etwas drin stecke, und wisse nur nicht was.« 
(Riemer, Mittheilungen über Goethe 2, 604; vgl. auch Riemers Tage- 
bücher in der Deutschen Revue 1887, Januar, S. 16.) 



AUSLKGUNGKX UKS MäRCIII.N;». 4I 

halten, oder ihn mit dieser Anmaßunt,' zu vcrschreyen; er 
möge nun seyn, wer er wolle? Ich bleibe aberdabey: lir 
ist es wirklich. Die verderbte Welt kann darüber lachen, 
oder es beseufzen, oder unwillig darüber mit den Zähnen 
knirschen; mich soll nichts in dieser Meinung stören! 
Johannes ist gefunden, er ist nicht gestorben, er lebt noch 
mitten unter uns. Aber unter welchem Namen? wo ist 
jetzt sein Aufenthalt? Das weiß ich nicht. 

Gleichwohl wird Keiner weder heimlich noch öffentlich 
auftreten, und ihn anschuldigen, daß er sich selbst dafür 
halte, oder es der Welt zumuthen wolle, ihn für solchen 
zu erkennen. Und eben hierin fällt mir die Ungerechtigkeit 
der Menschen auf, daß sie jenen Wanderer geradezu bey 
dem Aermel fassen, und vor Pilatus und Kaiphas führen, 
und jeden andern reden, thun und schreiben lassen, was 
und wie er will. Ü tempora, ö mores ! 

Daß der Buchdrucker (vielleicht auf seine eigene Ge- 
fahr) die Ueberschrift hinzu gesetzt habe: Mähreben u. s. f., 
wie könnte mich diese Freyheit oder diese Frechheit irre 
machen ? Wenn man so kühn wäre die Worte : Offenbarung 
Johannis auszustreichen, und Mähreben dafür hinzuschreiben, 
würde sie darum minder heilig sevn ! Fragen Sie unsern 
Herder, der sie vor einigen Jahren so gründlich, so schön, 
so unumstößlich vertheidiget hat, daß sich, seit jener Zeit, 
nicht einmahl die National-Convention dawider hat aut- 
lehnen dürfen. Ich bin überzeugt, daß ihm sowohl seine 
Kritik als seine Hermeneutik nicht erlauben werden, es im 
geringsten zu bezweifeln, daß die Offenbarung Johannis und 
dieses sogenannte Mährehen aus einer und eben derselben 
Feder geflossen sind. FreyUch hat sich der Verfasser einiger- 
maßen nach den Sitten und Gesinnungen unseres Zeitalters 
richten und bequemen müssen. Jetzt durfte er, z. B. die 
große Babylonische Heldinn nicht ganz so aufführen, wie 
vordem; daher stellte er uns eine Alte vor Augen, die 
blos in ihre Hände verliebt ist, und es nicht verdauen 
kann, daß eine derselben schwarz werde, und schwinde; 
sogar hat er die Schonung sie zuletzt völlig verjüngen und 
verschönern zu lassen, u.s. w. Alles nimmt ein erwünschtes 
Ende; aber darum bleibt doch noch alles in seiner prophe- 



42 Neue Mittheiluxgex. 



tischen Dunkelheit. Man weiß so wenig wer die metallenen 
Könige sind, als dort, wer die vier und zwanzig Alder- 
männer gewesen. Gold ist Weisheit, Silber ist Schein, Erz 
ist Macht oder Gewalt, die Vermischung fällt zusammen; 
aber wer ist der junge König? wer ist die schöne LiHe? 
(doch wohl nicht die französische?) wer ist der alte Fähr- 
mann? wer ist der Alte mit der Lampe? wer ist die Alte 
mit dem Korbe, und warum mußte ihre Hand schwinden 
und wieder geheilt werden? wer ist die Schlange? wer 
sind die beyden IrrUchter? (doch w^ohl keine Jakobiner.?) 
wer ist der Kanarienvogel? wer ist der Habicht? wer ist 
der Mops? wer ist der Riese? wer sind die drey Ueber- 
bringerinnen der Harfe, des elfenbeinernen Stuhls, und des 
Sonnenschirms? was sind die drey Artischocken? was sind 
die drey Kohlhäupter? was sind die drey Zwiebeln? kurz, 
wer ist? w^as sind? wer ist? was sind? w-er ist? was 
sind? Hat nicht jedes seinen Schlüssel? Aber wer mag 
diesen Bund Schlüssel finden, und seine Kunst an jedem 
Schlosse beschimpfen ? Hieran erkenne ich den schlauen 
Offenbarer, der sogar im ij'^ Jahrhunderte dem großen 
Isaac Newton beynahe das Gehirn verrückte, als er die 
Zahl 666 berechnen wollte, statt sich an die Verhältnisse 
des Lichtes, der Anziehungskraft und der Fliehekraft zu 
halten, als wenn diese ihm nicht schon Ruhm genug ge- 
bracht hätten. Vestigia me terrent. Genug daß ich wisse, 
Johannes, der Jünger und EvangeHst lebe noch mitten unter 
uns, dunkel und offenbar, geheimnißvoll und verständlich, 
und jener Wanderer habe nie daran gedacht, sich für ihn 
ausgeben zu wollen. Zeitgenossen und Nachwelt mögen 
ihren Witz daran beweisen, oder mit ihm an diesen Khppen 
scheitern; meine Entdeckung bleibt mir die wichtigste: 
Johannes ist nicht gestorben ! Uebrigens mag er uns seinen 
Aufschluß selbst geben, wenn ihm etwas daran liegt, voll- 
kommen verstanden zu seyn. Es ist ja schon gewöhnUch, 
daß man in dem folgenden Stücke eines französischen oder 
teutschen Merkurs den Armen an Geist zu Hülfe komme, 
und ihnen das Wort des Räthsels, oder Logogryphs treulich 
vor die Augen lege. Davus sum, non Oedipus. 

Gleichwohl ist die Darstellung sehr anziehend und 



AUSLKGU\GE\ DES MÄRCHENS. 43 

anlockend, und ich kann es dem Buchdrucker nicht wohl 
verzeihen, daß er sich unterfangen habe, das Wort: Mährchen 
hin zu setzen, wo Offenbarung oder gar kein Titel, als 
Fortset:{iing, u. s. w. hingehörte. Wenigstens konnte er die 
lästerliche Offenbarung, daß er die Sache nur für ein Mährchen 
halte, ganz für sich allein behalten. Im Ganzen gehet mir 
zwar einiges Licht auf, aber ich darf es nicht wagen, mich 
den beyden Irrlichtern damit in die Mitte zu stellen; sie 
möchten ein gar zu lautes Gelächter aufschlagen, wenn ich 
den Mops statt den Riesen träfe und die drey Kohlhäupter 
für die drey metallenen Könige ansähe; denn mit dem 
vierten, der nur ein dicker Klumpen ist, mag ich mich gar 
nicht abgeben, weil er mir nicht so entfernet scheinet, daß 
er nicht vollends auf mich zusammen fallen, und mich unter 
seiner Last erdrücken könnte. 

Darf ich mir, liebster Göthe, nachdem Sie mich so 
lange angehört haben, nun auch Ihr Urtheil und Ihre 
Erklärung über diese seltsame Erscheinung ausbitten? Ich 
weiß gewnß, daß Ihr Scharfsinn meinem Stumpfsinne zu 
Hülfe kommen könne, wenn Sie nur wollen, und in dieser 
Hoffnung empfehle ich mich Ihnen schönstens und bestens. 
Gotha den 13'in December 1795. 

Goethe ging auf den humoristischen Ton des Briefes ein 
(vgl. seine Antwort Briefe 10. 351 f.); seine eigene Auslegung 
wolle er nicht eher herausgeben, als bis er 99 Vorgänger 
vor sich sehen werde. »Denn Sie wissen wohl, daß von den 
Auslegern solcher Schriften immer nur der letzte die Auf- 
merksamkeit auf sich zieht.« 

Zu welchem Zwecke Goethe jene Tabelle zusammen- 
gestellt hat, ist nicht bekannt. Das Tagebuch sagt unter dem 
gleichen Datum nur: »Auslegungen des Märchens.« Auf- 
zeichnungen zu InhaltsentwUrfen für das erste und zweite 
Heft des zweiten Bandes von Kunst und Alterthum machen 
es wahrscheinlich, daß die Tabellen oder eine daran sich 
knüpfende Niederschrift zum Abdruck für diese Zeitschrift 
l)estimmt war. »Mährchen Allegorisirt« steht auf einem Blatt 
(vgl. Weim. Ausg. 41, i. Abth, S. 459), »das Mährchen aus- 
gelegt« auf einem anderen (ebendas. S. 462). 

Als Carlyle im Jahre 1830 Goethe die Absicht kund gab, 
einen Commentar über das Märchen zu schreiben, erwähnte 
Goethe in seiner Antwort zwei Auslegungen, die er aufsuchen 
und senden wolle (vgl. Goethes und Carlyles Briefwechsel 



44 Neue Mittheiluxgek. 



S. 95 und 104). Dies scheint jedoch unterblieben zu sein; 
denn weder in einem späteren Briefe Goethes, noch in einer 
Antwort Carlyles ist eine auf diese Sendung bezügliche Er- 
wähnung zu finden. (Vgl. auch Graf, Goethe über seine 

Dichtungen I. i, 360 f.) 

° Julius \\ahle. 



^ 



3. DANKBRIEFE FÜR DIE ÜBERSENDUNG VON 
WILHELM MEISTERS LEHRJAHREN. ■ 

Nach einer Bemerkung Goethes in den Annalen s. a. 1795 
waren die Dankbriefe, die er nach der Versendung der Frei- 
exemplare seines Wilhelm Meister erhielt, »nur theilweise er- 
freulich, im ganzen keineswegs förderlich ; doch blieben die 
Briefe, wie sie damals einlangten, und noch vorhanden sind, 
immer bedeutend und belehrend. Herzog und Prinz von Gotha, 
Frau von Frankenberg daselbst, von Thümmel, meine Mutter, 
Sömmerring, Schlosser, von Humboldt, von Dalberg in Mann- 
heim, Voss, die meisten, wenn man es genau nimmt, se defen- 
dendo, gegen die geheime Gewalt des Werkes sich in Positur 
setzend.« Wie Humboldt, Goethes Mutter und Voss den Roman 
auffaßten, ist inzwischen bekannt geworden. Von den Briefen 
der übrigen mögen hier nach den Originalen im Goethe- 
Schiller-Archiv ein paar Proben folgen, die im Wesentlichen 
Goethes Charakteristik bestätigen ; nur sei noch bemerkt, daß 
der Roman in vier Bänden erschien und zwar Buch I und II 
Anfang 1795, Buch III und IV im Frühjahr, Buch V und VI 
im October desselben Jahres, Buch VII und VIII im October 
des folgenden Jahres. 

Johann Georg Schlosser verschweigt natürlich nicht die 
moralistischen Bedenken, die in seinem Kreise besonders 
stark hervortraten; er schreibt aus Ansbach, 20. Febr. 1796: 
»Ich wollte Dir für Deine 2 Theile Meisters nicht danken, 
Lieber Bruder, ohne Dir etwas dagegen zu geben. Hier 
kommts, nimms gut auf. Ich erhielt es erst selbst zu Anfang 
dieser Woche. Im folgenden Theil führst Du hoffentlich 
Deinen Meister aus der fatalen Gesellschaft, in die er gefallen 
ist, und in welcher ein Mann, wie Du ihn angesehen haben 
willst, nicht so lang hätte bleiben sollen. Doch, Montagne 
[so] sagt, dünkt mich, sehr recht »quand on juge d'une action 
particuli^re, il faut considerer l'homme tout entier qui l'a 
produite, avant [de] la batizer« ; also wollen wir warten, bis 
Dein Meister, der nun nur kaum noch mit den Waden heraus- 
guckt, ganz vor uns steht.« — Den damals schon erschienenen 
dritten Theil (Buch V und VI) mit den Bekenntnissen einer 



Dankhuii;! K 1'Ck du: Übf.rsendunc; v. Wii.ii. Mmsiiks Li-.iikj.miki.n-. 45 

srhünen Seele hatte Schlosser vermuthlich nicht erhalten ; 
übrigens ist aus den Mittheilungen Lappenhergs /u erkennen, 
daß Schlosser im (legensatz zu Stolherg und andern au< h 
durch diesen Theil nicht milder gestimmt wurde. 

Von Dalberg findet sich bloß ein Ausschnitt aus einem 
Brief an einen dritten, den er bittet, (loethe zu sagen, »daß 
mich sein neuer dramatischer Roman entzückt; welche große 
Seelen- und Kunstlehre enthält dies \\'erk nicht schon für den 
Schauspieler? Sehnlich hoffe ich auf den 3'Ji' und die folgenden 
Bände ; wann werden sie erscheinen ?«. - - Au<h von Thümmel 
liegt kein Dankbrief an (loethe selber vor, sondern nur ein 
Brief an den Prinzen August von Gotha (Sonneberg, 6. Jan. 
1795), worin er bittet, Goethe seinen Dank für das (ieschenk 
des Wilhelm Meister zu übermitteln. 

Interessanter sind die Briefe derjenigen Mitglieder des 
Gotha'schen Kreises, die den Roman bereits aus der ersten, 
nur handschriftlich verbreiteten Fassung kannten. So schreibt 
Prinz August »am Wilhelmstage den 2 8lil' Mai 1795«: »Es ist 
heut in meinem Kalender der Namenstag Ihres Wilhelm 
Meisters, und dieser Zufall muß etwas zu bedeuten haben. 
Empfangen Sie also an diesem Tage meinen innigsten Dank 
wegen der Übersendung des zweiten Bandes, mit dessen Lesung 
ich eben in diesem Augenblicke fertig geworden bin, von der 
ersten Seite, die ich gestern angefangen, bis zur letzten, die 
ich alleweile geendigt habe. Warum sollt' ich es Ihnen nicht 
freimüthig bekennen dürfen, daß mich dieser zweite Band un- 
gleich mehr angezogen hat, als der erstere, dem ich seine alte, 
mir längst bekannte (icstalt gewünscht hätte, worin ich vieles, 
zumal die Drathpuppengeschichte, weit mehr an ihrer natür- 
lichen Stelle fand, als so wie sie im Drucke erschienen ist.« — 
Ebenso gibt ja auch Herder in seinem Brief an die Gräfin 
Baudissin vom Anfang 1795 (Aus Herders Nachlaß i, 20) der 
ersten Fassung den Vorzug, in welcher man den jungen 
Menschen von Kindheit auf kennen gelernt habe, und auch 
Wieland fand nach Böttigers Mittheilung (Literarische Zu- 
stände I, 170) das erste Buch in der ursprünglichen Redaction 
»viel natürlicher«, obwohl Goethes späteres Verfahren, uns 
gleich in medias res zu führen und den Helden erst in einer 
nachträglichen Erzählung von seinen früheren Erlebnissen 
berichten zu lassen, an ^^'ielands eigenes Verfahren im Agathon 
erinnert. 

Nach dem Erscheinen der Bekenntnisse einer schönen 
Seele schreibt Prinz August Gotha 22. Nov. 1795: »Ein ge- 
wisser Kardinal, dessen Name mir entfallen ist, sagte, als er 
den Orlando furioso gelesen hatte, zum Verfasser : Signor 
Luigi, dove diavolo avete pigliato tante cogl . . . . ? und ich 
möchte jetzt sagen : Signor Giovan-Volfgango, dove diavolo 



46 Neue Mittheilun'gen. 



avete pigliato tanta devozione '? Am Ende dürften beide 
Fragen vielleicht auf eins hinauslaufen.« — Bekanntlich war 
dieser Kardinal Hippolyt von Este und das i)unktirte Wort 
ist mit .coglionerie' zu ergänzen. 

Auch die Gemahlin des Gotha'schen Ministers von Franken- 
berg erinnerte sich der ersten Fassung. Sie schreibt am 9. Jan. 
1795: »Ich danke Ihnen herzlich, lieber Goethe, daß Sie auch 
an mich bei Gelegenheit ^^'ilhelm Meisters gedacht haben. 
Seine Erscheinung hat mich unendlich erfreuet, und mit der 
größten Begierde bin ich zur Erneuerung so vieler alten lieben 
Bekannten geschritten. Ich habe sie auch alle sogleich wieder 
gekannt, wenn sie schon hin und wieder etwas anders und 
neu aufgestutzt einhertreten.« W. Creizenach. 



4. AUGUST VON GOETHES REDE 
BEI NIEDERLEGUNG DES SCHILLER'SCHEN SCHÄDELS 

AUF DER 
GROSSHERZOGLICHEN BIBLIOTHEK IN WEIMAR. 

Theurer Freund, 
verehrteste Anwesende ! 

Die erste Pflicht, welche ich heute zu erfüllen habe, 
ist die, meinen Vater zu entschuldigen, daß er diesem 
feyerlichen höchstwichtigen Act nicht selbst beiwohnen 
kann. 

Es war früher sein fester Wille dieses zu thun, doch 
am heutigen Morgen wurden in ihm alle die Gefühle 
mächtig rege, welche jene Vergangenheit' vorüberführten, 
wo er mit seinem geliebten, unvergeßUchen Freunde 
Friedrich von Schiller die schönsten Tage verlebt, auch 
manche Trauer erduldet hatte*, einem Freunde und Zeit- 
genossen, dessen früher Tod einen Riß in das Leben 
meines Vaters brachte', welchen weder ^ Zeit noch'' Mit- 
welt zu heilen im Stande war. — Auch uns Lebende, die 

' Nach Vergangenheit gestrichen an ihm. 

* hatte über der Zeile nachgetragen. 
J brachte eingesetzt für machte. 

* Nach weder und noch gestrichen die. 



August vox Goethes Rede. 47 

Söhne der zwey Unzertrennlichen, vertrautester' Freund, 
trennte das waltende' Schicksal, indem es mich hier fesselte, 
Dir aber in der Ferne Dein Loos bereitete. Im Geiste sind 
wir uns immer nah und danken wollen wir der Leitung die ' 
uns so in den größten Lebens-Momenten zusammenführt. 

Wenn mir nun heute mein Vater auftrug, an seiner 
Stelle dieser Fever bey zu wohnen, so fühle ich ganz die 
Wichtigkeit und die Ehre dieses Auftrags und darf gewiß 
Ihnen sämmtlich^ nicht näher ausführen, wie mein Gemüth 
von allen denen Gefühlen durchdrungen und erhoben ist, 
welche bei großen Gelegenheiten den Geist berühren, ja 
bestürmen. 

Die zweite Pflicht, welche wir Anwesende sowohl als 
jeder 5 Weimaraner gewiß gern erfüllen wird, ist, den Dank 
auszusprechen gegen Dich, geliebter Freund, und die üb- 
rigen Hinterlassenen Deines grossen Vaters, wenn Du 
heute das theure Haupt des Geliebten, Verehrten einem 
Lande, einer Stadt ^ weihst, wo sein' hoher Geist die^ 
schönsten Blüthen entfaltete und die herrlichsten Früchte trug. 

Doppelt aber muß unser Dank seyn, da Du außerdem'^ 
noch die von dem Prof. Dannecker im Jahre 1805 mit so 
vieler Liebe als Kunst ausgeführte Marmorbüste des großen 
Mannes unserm verehrten Landes-Fürsten und dieser An- 
stalt überließest und so gleichsam den ernsten Tod mit 
dem heiteren Leben verbandest. 

Was nun die Aufbewahrung dieses heiligen Überrestes 
anlangt, so soll derselbe in jenem Postament, auf welchem 
schon die vorerwähnte Büste steht, '" in einer würdigen 
Hülle nieders^eleirt werden. Der Schlüssel zu diesem Behält- 



' vertrautester eingesetzt für geliebter. 
^ waltende eingesetzt für eiserne. 

5 der Leitung die eingesetzt für dem Schicksal wenn es 
♦ sämuitlich eingesetzt für allen. 

> jeder über der Zeile nachgetragen. 

6 Nach Stadt gestrichen ja einer Anstalt. 
~ sein eingesetzt für Deines Vaters. 

8 die eingesetzt für seine. 

9 Du außerdem über der Zeile nachgetragen. 
'" steht eingesetzt für Schillers aufgestellt ist. 



48 Neue Mittheiluxgex. 



niß soll stets in den Händen der Oberaufsicht pp, bleiben 
und nur solchen Personen die Anschauung des Verwahrten ' 
gestattet* seyn, von denen man mit Gewißheit voraussetzen 
kann, daß nicht Neugier ihre Schritte leitet, sondern das 
Gefühl, die Erkenntniß dessen, was jener große Mann für 
Deutschland, für Europa, ja für die ganze cultivirte Welt 
geleistet hat. 

Und nun sey mir vergönnt, noch einen wichtigen 
Punckt zur Sprache zu bringen! Schon sind mit wohl- 
empfundener Danckbarkeit die Bemühungen anerkannt, 
welche von wohlgesinnten Männern diesem Geschäft ge- 
widmet worden, wir aber sehen uns in dem Falle, sie 
nochmals um geneigte Verwendung anzugehen.' 

Es ist nämlich zu vollkommenem Abschluß dieser An- 
gelegenheit höchst wünschenswerth, die noch außer diesem 
theuren Haupt vorhandenen Reste des zu früh Geschiedenen'* 
nach erfolgter genauer Anerkennung^ ebenfalls so lange 
hier beigelegt zu sehen, ^ bis man über die Vorschläge ^ zu 
schickUcher^ Beisetzung und zu würdiger Bezeichnung^ der 
Stelle sich vereinigt und worüber mein Vater seine Ge- 
sinnungen zu eröffnen sich vorbehält.'" 

Und indem wir auf diese Weise dem auflösenden 
Moder einen köstlichen Schatz entziehen, so gleichen wir 
den hohen Alten, die nach erloschenem Holzstoß, aus ver- 
glommenen Kohlen, aus unreinlicher Asche fromm das 



' des Venvahrten eingesetzt für desselben. 

' gestattet aus verstattet. 

3 Der ganze Absatz Und nun sey mir vergönnt — anzugehen am 
Rande nachgetragen. 

* Es ist nämlich in voUkonnnenem Abschluß — Geschiedenen ein- 
gesetzt für Die noch außer diesem theuren Haupt vorhandenen Reste des 
:(M früh Geschiedenen sollen, 

5 Anerkennung eingesetzt für SonJerung. 

6 lu sehen eingesetzt für werden. 

7 man über die Vorschläge eingesetzt für mein Vater einen Vorschlag. 

8 lu schicklicher eingesetzt für :;^ur öffentlichen. 

9 Bezeichnung eingesetzt für Betrachtung. 

'° sich vereinigt und — vorbehält eingesetzt für ßir Mit- und Wach- 
welt gethan hat. 



August vo\ Goktuks Rkde. 49 

Überbliebene sammelten, um solches, in würdii^er Urne 
bewahrt, mit lan^e daurcnden Monumenten zu schmücken.' 
Jetzt ersuche ich Sie, Herr Bibliothekar Riemer, die 
theuren Reste zu übernehmen, mir zu folgen, damit wir 
sie i^emeinschaftlich und in Ge,<;en\vart dieser geehrten Ver- 
sammlung an dem ihnen bestimmten Ort niederlegen. 

Auf Sonntag, den siebzehnten September 1826, Vor- 
mittags II Uhr, war der feierliche Act anberaumt worden, 
mittelst dessen jener Schädel, den der Bürgermeister Karl 
Leberecht Schwabe im März 1826 als den Schädel Schillers 
aus dem Graus des Weimarer Kassengewölbes an das Licht 
des Tages heraufgefördert hatte, auf der Großherzoglichen 
Bibliothek niedergelegt werden sollte. Ernst von Schiller, 
des Dichters zweiter Sohn und Mandatar der Familie, wollte 
zugegen sein: am 2. September war er in Weimar eingetroffen, 
um den Nachlaß der vor einigen Monaten abgeschiedenen Mutter 
zu ordnen, und zu gleicher Zeit gedachte er sich der Pflicht 
zu widmen, die der Rest von seines Vaters irdischer Erscheinung 
ihm auferlegte. Von der P\amilie Schiller war Danneckers 
Marmorbiiste erworben worden, deren Piedestal man zum 
Aufbewahrungsort der ehrwürdigen Reliquie ausersehen hatte; 
der Kanzler von Müller hatte im Auftrage Karl Augusts die 
Unterhandlungen geführt. Noch am 9. September zwar war 
ihm durch Karoline von Wolzogen aus Jena ein ablehnender 
Bescheid zugegangen (in dem unten zu erwähnenden Fascikel) : 
»Verehrter Herr Kanzler, Bei näheren Bedencken haben wir 
gefunden daß wir die Marmor Büste doch nicht weggeben 
wollen, und sie als ein gemeinsames Familien Eigenthum auf- 
zubewahren gedencken. Haben Sie also die Güte dieses unsern 
Verehrten Goethe zu sagen« (vgl. Goethes Tagebuch vom 
10. September: »War Vormittag Herr Canzler von Müller bey 
mir, um wegen der Schillerischen Verhandlungen in Jena zu 
sprechen«), doch hatte wohl schließlich die Absicht, jedem 
Streit der Hinterbliebenen um das kostbare Erbgut aus dem 
Wege zu gehen (vgl. Ernst an seinen Bruder vom 31. Juli 1826 
in »Schillers Sohn Ernst« S. 290), die Familie dem Wunsche 
des Großherzogs geneigt gemacht, so daß Goethes Tagebuch 
zum 14. September melden konnte: »Schillers Büste dur< h 
Kaufmann abholen lassen«. Daß Goethe, mitten in den Vor- 

* Der ganze Absatz Und indem wir auf diese Weise — schnücken 
eingesetzt für Suchten doch die Alten aus den Trümmern des Scheiters, auf 
li-elchen ihre Lieben den Flammen übergeben worden, noch sorgfältig die 
Reste der Gebeine, um ihnen für die Xaclrwelt Monumente der Unvergäng- 
lichkeit ^u set^^en. 

Goethf-Jahrbwch X\V. 4 



^O Neue Mittheiluxgek. 



bereitungen zu dem Monumente, das er sich und dem Freunde 
durch Herausgabe ihres Briefwechsels setzen wollte, als Ver- 
treter der Oberaufsicht über die wissenschaftlichen Anstalten, 
der Feier beiwohnen würde, erschien selbstverständlich ; aber 
am bestimmten Tage buchen seine Aufzeichnungen: »Verab- 
redung mit meinem Sohn wegen des heutigen Actes«, und 
der Inhalt dieser Verabredung erhellt aus den Zeilen, die 
kurz vor Beginn der Ceremonie August von Goethe an Ernst 
von Schiller gerichtet hat (»Schillers Sohn Ernst« S. 296): 
»Theurer Freund, mein Vater ist seit gestern über das Bevor- 
stehende so ergriffen, daß ich für seine Gesundheit fürchtete. 
Heut früh sechs Uhr ließ er mich kommen, um mir mit 
Thränen zu eröffnen, daß es ihm unmöglich sei, dem heutigen 
feierlichen Akte selbst beizuwohnen. Ich vertrete ihn daher«. 
Und so ist es August von Goethe gewesen, der, indes sein 
Vater auf einer Spazierfahrt nach Berka dem Ansturm weh- 
müthiger Erinnerungen zu entgehen suchte, aus der Hand 
des Tugendgenossen Ernst den »heiligen Überrest«, »das un- 
schätzbar herrliche Gebild« entgegengenommen und dem 
Oberbibliothekar Riemer weitergegeben hat. Über den edel- 
einfachen Vorgang wurde vom Bibliotheksekretär Kräuter ein 
Protokoll aufgenommen, das alle Anwesende unterzeichneten ; 
die Ansprachen, die Ernst von Schiller, August von Goethe, 
der Kanzler von Müller gehalten hatten, wurden beigefügt. 
Ein ausführlicher Bericht über die Feier, wahrscheinlich vom 
Kanzler verfaßt, erschien in Nr. 223 der »Berlinischen Nach- 
richten von Staats- und gelehrten Sachen« vom 23. Sep- 
tember 1826; ein Aufsatz aus der Feder von Gersdorffs 
gelangte auf Wunsch des Großherzogs mit Rücksicht auf die 
mißwollend-kritischen Stimmen, die seit der Durchsuchung 
des Kassengewölbes nicht zur Ruhe gekommen waren, nicht 
zur Veröffentlichung, da es, wie Gersdorff am 29. September 
an Müller berichtete, nach Karl Augusts Meinung »gerathener 
erscheine, der Angelegenheit, ohne Aufforderung von Außen her, 
von hier aus weitere Anregung nicht mehr zu geben«. Das 
erwähnte Protokoll mit den Reden ist mitgetheilt bei Julius 
Schwabe : »Schiller's Beerdigung und die Aufsuchung und Bei- 
setzung seiner Gebeine. (1805, 1826, 1827). Nach Acten- 
stücken und authentischen Mittheilungen aus dem Nachlasse 
des Hofraths und ehemaligen Bürgermeisters von Weimar Carl 
Leberecht Schwabe. Leipzig 1852« S. 85 — loi; nachSchwabes 
Aussage befand es sich damals bei den Acten der Großherzog- 
lichen Bibliothek, aus denen es seither verschwunden ist. 
Eine andere Ausfertigung ist enthalten in einem Fascikel »Die 
Übersiedelung von Schillers Überresten«, das als Bestandtheil 
des Kanzler-Müller-Archivs (Nr. 565) im Goethe- und Schiller- 
Archiv aufbewahrt wird. Schon Schwabe hat zu der Ver- 



Alglst von Goi-thf.s Rkde. 51 

Sicherung des Protokolls, die drei Anspra< hen seien »meist 
unvorbereitet« gehalten worden, sein rnilkrauisches: »Ist wol 
zu bezweifeln« angemerkt, und für die Rede Augusts wenigstens 
hat sein Zweifel Bestätigung gefunden: im (ioethe-Anhiv ist 
das Concept dazu zum Vorschein gekommen, von Augusts 
Hand auf zwei gebrochene Foliobogen gewöhnlichen blau- 
grauen Conceptpapiers geschrieben. Im Vorstehenden ist es 
abgedruckt: die Commentirung hat Bernhard Suphan mir über- 
tragen. Und noch mehr ergibt sich aus diesem Concept : 
die Rede ist nicht eine Arbeit Goethes des Sohnes, sondern 
Goethes des \'aters. 

Von der endgültigen Fassung, wie sie durch die Abschrift 
bei Muller und den Druck von Schwabe dargestellt wird, 
weicht unser Concept mehrfach ab. Nicht nur in offenkundigen 
Versehen jener, die man auf Rechnung der Schreiber setzen 
mag; der Müller'sche erweist sich obendrein noch als echten 
»Weimeraner« — so schreibt er das Wort Seite 47, Zeile 14. 
Nur irrthUmlich scheint beispielsweise das zzcey (Seite 47, 
Zeile i) ausgefallen und das Epitheton hohen (Seite 48, Zeile 24) 
durch frommen verdrängt worden zu sein. Wenn hingegen 
das farblose Auftrag (Seite 47, Zeile 8) im Hinblick auf das 
auftrug in der zweiten Zeile vorher durch Vertrauen und das 
ungeschickte beigelegt (Seite 48, Zeile 18) durch aufbewahrt 
ersetzt worden ist, wenn der Landesfürst die geziemende 
Respectformel Durchlauchtigsten statt verehrten (Seite 47, 
Zeile 2^) und Riemer (Seite 49, Zeile 3) den ihm zustehenden 
Titel Professor erhalten hat, so erscheinen darin bewußte 
Änderungen einer letzten Revision und also wohl Resultate 
jener Durchsicht, die Goethe am Tage nach der Feier vor- 
genommen hat (Tagebuch: »Augusts gestrige Rede durch- 
gesehen«). Näheres muß dem Apparat der Weimarer Ausgabe 
vorbehalten bleiben, die an dieser Rede nicht vorbei gehen wird. 

Und nun das Manuscript Augusts selbst. Es zeigt eine 
eingehende Durcharbeitung des Dichters, eine doppelte, erst 
mit Bleistift, dann mit Tinte ; zweimal sind ganze Absätze 
nachgebracht worden. In den Anmerkungen unseres Druckes 
wird die erste Fassung des Textes mitgetheilt, wobei auch 
hier Kleinigkeiten dem Apparat der Weimarer Ausgabe zu- 
gewiesen worden sind. Nach Erwägung aller Möglichkeiten 
kann man nicht umhin anzunehmen, daß Goethe alle diese 
Umgestaltungen nicht etwa nachträglich, etwa am 18. September, 
vorgenommen hat, sondern daß sie bereits, als August auf der 
Bibliothek sprach, in das Concept eingetragen waren. Was 
endlich die Grundlage des Ganzen, den ursprünglichen Wort- 
laut angeht, so darf man von vornherein gegründete Bedenken 
hegen, ob Goethe, ceremoniös und eifrig darauf bedacht, jeder 
Lebenslage im Ausdruck ihr Recht zu geben, bei so wichtiger, 

4* 



52 Neue Mittheiluxgex. 



ja einzigartiger Gelegenheit dem Sohne anheim gegeben habe, 
was zu sagen, was zu verschweigen sei. Und so stellt sich 
denn thatsächlich das Manuscript in seinen eilfertigen Schrift- 
zUgen, die sich auf Andeutung der Endungen beschränken, die 
sogar ganze Wortbestandtheile vernachlässigen {Sc/iciters, in der 
ersten Fassung von Seite 48, Zeile 22 ff. ist doch wohl ver- 
stümmelt aus »Scheiterhaufens«), als hastige Niederschrift nach 
Dictat dar ; Wiederholungen und selbst Hörfehler sind nicht 
ausgeblieben. Goethe hat dictirt; seine Redeweise wird man 
nicht verkennen. In den größten Lebens-Momenten (Seite 47, 
Zeile 5) — dieser Ausdruck gehört seinem Sprachschatz an ; 
Gefühle, welche den Geist berühren, Ja bestürmen (Seite 47, 
Zeile II f.) — das ist sein Stil; Klimax (Seite 48, Zeile 6) wie 
Antiklimax (Seite 47, Zeile 18) sind ihm geläufig. Seine 
Gedankenwelt ist es, die Hörer und Leser umgiebt. Der 
erduldeten Traner konnte nur der in diesem erhebenden Augen- 
blick wehmüthig gedenken, der sie vor Zeiten wirklich selbst im 
Herzen getragen hatte. Und weiter : den ernsten Tod mit dem 
heiteren Leben verbinden, das ist Goethes Lieblingsvorstellung, 
das Credo desThätigen, Nimmermüden, der in aller »erduldeten 
Trauer« dem Leben heiter zugewendet bleibt. In den Terzinen, 
die, entstanden in dieser Zeit des Erinnerns, handschriftlich 
die Bezeichnung: »Zum 17. Sept. 1826.« tragen, drängt sich 
dem Dichter der gleiche erhabene Gedanke auf, da er bei 
Betrachtung von Schillers Schädel selbst im ernsten Beinhaus, 
sich frei und wärmefühlend erquickte, »als ob ein Lebens- 
quell dem Tod entspränge.« Wenn er sich dann weiterhin 
in jenen Strophen vernehmen läßt: »Dich höchsten Schatz 
aus Moder fromm entwendend«, so klingt auch hierzu W^ort 
und Wendung in unserer Rede vor: Und indem ivir auf diese 
Weise dem auflösenden Moder einen köstlichen Schatz entziehen. 
Die Terzinen schließen mit dem weihevollen Aufblick zur 
»Gott-Natur«, die das Geisterzeugte fest bewahrt; ein Symbol 
war es dieser Unsterblichkeit, wenn die hohen Alten die 
Asche des Geschiedenen sammelten, um sie ;//// lange daurendcn 
Monumenten zu schmücken. Max Hecker. 




11. Verschiedenes. 



A. Ungedrucktes von Goethe. 

I. UNBEKANNTE »NEUJAHRS -POSSEN« GOETHES 

UND V. SECKENDORFFS VON 1778/79. 

Mitgetheilt von C. A. H. Burkhardt. 

Zu den \ielen sikleinen Ernst-, Scherz- und Spott^^edic/itcnv, 
die Goethe wiederholt als verloi-en gegangene bezeichnete, 
gehören unstreitig seine Neujahrspossen. Zuletzt sprach er 
sich über diesen Verlust im Jahre 1825 aus, wo er in seiner 
Unterhaltung mit dem Kanzler von Müller sich des an Luise 
von Cioechhausen gerichteten Neujahrswunsches freilich nur 
dunkel erinnerte, da er über das Jahr der Entstehung dieser 
kleinen Invective wie auch über ihren Wortlaut keine genaue 
Rechenschaft geben konnte. Außer diesem (iedichtchen, das 
in Goethes Unterhaltungen mit v. Müller zum ersten Male 
veröffentlicht wurde (in II. Aufl. S. 182), ist nur noch sein 
Wunsch an Frau von Stein bekannt geworden, der wiederholt 
in den Goethe-Stein Briefen zum Abdruck gelangt ist. 

Wie aus Cioethes Tagebüchern hervorgeht, wurden sämmt- 
liche Wunsche am Abend des 30. December 1778 in Gemein- 
schaft mit dem Kammerherrn Siegmund von Seckendorft' 
»geschmiedet«. Beide waren im Gefolge des Herzogs Carl 
August, der am 30. und 31. December in Apolda Jagens 
halber sich aufhielt. S( hon der Umstand, daß der Entwurf 
dieser Gedichte eine bis nac h Mitterna<ht fortgesetzte Thätig- 
keit in Anspruch nahm, ließ auf eine größere Anzahl der 
zu Stande gebrachten Reime schließen. Ein mir vorliegendes 
Manuscript von Philipp Seidels Hand [Weimar. Archiv z. Z. 
ohne Signatur] gibt endlich erwünschten Aufschuß über die 
Zahl und die Entstehung dieser Gedichte. Ueber letztere 
glaube ich Folgendes vermuthen zu dürfen. 



54 Neue Mittheilun'gex. 



Da Goethe am Abend des 31. December eiligst nach 
Weimar ritt, handelte es sich lediglich um die Fertigstellung 
der Neujahrswünsche, für die allem Anscheine nach bisher 
nur flüchtige Entwürfe vorlagen. Das ergibt die Handschrift 
Seidels, die sich als ein höchst flüchtiges Dictat Goethes er- 
weist, weil sich in diesem nicht allein Hörfehler, ungenügende 
Adressen, Nachträge und große Mängel in der Interpunction 
finden, sondern weil auch in dieser Handschrift alle charakte- 
ristischen Eigenthümlichkeiten der Seideischen Schreibweise 
zahlreich vertreten sind. Um die Originalität dieser Quelle 
nicht zu verwischen, lehnt sich unser Text der Gedichte genau 
an das vorliegende Manuscript an, nur ist der häufig fehlende 
Umlaut ergänzt, da Seidel durchgehend gefährlich, böse, 
koren etc. zu schreiben pflegte. 

Es war nun Seidels Aufgabe, nicht allein einen iin- 
bekan/iten Schreiber für die Abschriftnahme der Gedichte zu 
beschaffen, sondern auch alle äußeren Schwächen zu ver- 
wischen, die bisher dem Manuscripte anhafteten. Sicherlich 
wurde dies nicht ohne jede Beihülfe Goethes bewerkstelligt. 

Nach dem Original für Frau v. Stein im Goethe-Archiv 
zu urtheilen, wurden sämmtliche Gedichte auf doppelte Quart- 
blätter' geschrieben, von denen eines für die Adressen be- 
stimmt war, an die am i. Januar die bezüglichen Glückwünsche 
gelangten. Diese waren, wie der folgende Abdruck zeigt, haupt- 
sächlich für die Damen der Hofkreise bestimmt. Eine Aus- 
nahmestellung nahm Herder ein ; der für diesen bestimmte 
Wunsch soll später veröfientlicht werden. Der Vollständigkeit 
wegen sind die beiden bereits gedruckten Gedichte (s. oben) 
nach dem Wortlaut unserer Handschrift wieder zum Abdruck 
gebracht und Erklärungen beigefügt, in soweit solche nöthig 
odermöglich waren, da für eine Reihe von Personen sich 
das genealogische und biographische Material nur schwer be- 
schaffen ließ. Immerhin sind auch die für die minder wichtigen 
Personen bestimmten Wünsche und Invectiven von Interesse, 
weil wir uns ein Gesammtbild von der Thätigkeit Goethes 
und v. Seckendorffs entwerfen können, die beide am 30. De- 
cember für die Fertigstellung ihrer Neujahrspossen bis zum 
Anbruch des 31. December entfalteten und je nach Verdienst 
und Würden ihren Wünschen Ausdruck gaben. Jedenfalls 
sind die Verkehrsformen, die in den Hofkreisen von 1779 
herrschten, durch diese Invectiven hinreichend gekennzeichnet; 
ein Ergebniß, das in culturgeschichtlicher Beziehung unstreitig 
seinen Werth behaupten wird, wenn auch die flüchtigen 
Reime nur vereinzelt Anspruch auf dauernden Werth erheben 
können. 



' Das 2. Blatt ist dort abgerissen. 



Unbekawte Neujahrs-Possen Goethes und v. Seckendorffs. 55 
I. Gustgen, [Seite i.] 

Gemeint ist Augusta Eleonora von Kalb, die jüngere Schwester des 
Kammerpräsidenten Johann August von Kalb. Sie war geb. 1761, 15. Sept., 
damals also 17'/* Jahre alt, bei Hofe wohl noch nicht eingeführt und 
scherzhaft als Kind im Gedicht behandelt. Sie wurde 1796 Gattin des 
Majors Hans Georg Leberecht von Luck, gehörte 1778 — 81 unter die 
Misels, der vielfach in Goethes Briefen an Frau von Stein gedacht wird. 
Vgl. Joh. Ludwig Klarmann, Geschichte der Familie von Kalb, S. 84, wo 
eingehende Nachweise über ihre Person und Lebensschicksale sich finden. 

Goldne Lämmgen* 

Ein grünes Stämmgen 

Und schöne Aeste 

Und dran das beste 

Von Marzipan 

Zum heiigen Christ 

Geht das wohl an 

So lang du ein klein Gustgen bist 

Doch fürwahr 

Das neue Jahr 

Bleibt dir was schuldig 

Sei nur geduldig. 

2. Fräul. V. Stein. 
Charlotte Freyin von Stein, Hofdame bei der Herzogin Amalia. 

Wils Gott daß du nur heute lachst 

So sind wir aus grofser Gefahr 

Wir bitten dafs du heut nur nicht Gesichter machst 

Erschrök uns nicht das neue Jahr. 

3. Fräul. V. Waldner. 

Luise Adelheit von Waldner, Stiftsdame zu Schacken, Hofdame der 

Herzogin Luise bis 1830, s. Klarmann, S. 151 u. 66. 

Alle Tage 
Lebendige Geister 
Und zu ieder Sprache 
Einen neuen Meister. 



corrigirt aus Lämpgen. 



56 Neue Mittheiluxgek. 



4. Frau von Werther. 
Amalia Freifrau von Werthern, geb. v. Münchhausen. Sie heirathete 
im Juli 1775 den weimarischen Stalhneister Freiherrn Christian Ferdinand 
Georg von Werthern-Beichlingen. Die Hochzeit fand auf der Stein- 
burg (Hannover) statt. In Weimar wurde von dieser Verbindung nur 
durch Verlesen auf der Kanzel Act genommen. Düntzers Angabe 
(Goethe's Eintritt in Weimar), daß die Hochzeit Mitte August statt- 
gefunden, ist unrichtig; auch Steinsdorf ist dort falsch. Ueber sie und 
ihr weiteres Schicksal vgl. Klarmann, Geschiclite der Familie von Kalb, 

S. 79, 566. 

Mögst du an dem bösen Orte 
Wohin deine Reise geht 
Immer schnarren, immer lispeln 
Dafs dich nie ein Mensch versteht 
Und dein Weeg dann ungedultig 
Nach den Leuten wieder gehn 
Die dein Schnarren und dein lispeln 
Gerne hören und verstehn. 

5. An Caroline Uten, 
V. Uten, Geliebte des Prinzen Constantin. 

Du siehst wie es gefährlich ist 

Gefährlich zu seyn 

Freundhch gefällig wie du bist 

Lädst du so gar das böse Fieber ein 

Es plagt dich wie du andre weifst zu plagen 

Du kannst es nicht von deinem Herzen lagen 

Wie ieder der dich ein mal kennt 

So leicht sich nicht von deiner Kette trennt. 

6. Herz. Loui se. 

I779> 3- Fsbr. wurde Luise, älteste Tochter der Herzogin zu Weimar 
geboren; starb aber schon 1784, den 24. März. 

Man liebt dich heut wie in den alten Tagen 

Nur' darf man dirs nicht immer sagen 

Doch dieser Tag bricht allen Zwang 

O sei uns freundHch sei es lang 

Im neuen Jahr da du uns neues Leben 

In ihm willst geben. 



* Corrigirt aus Doch. 



Ukbekannte Neujahrs-Possen Goethes und v. Seckendorffs. 57 

7. Fr. V. Stein. [Seite 2.] 
Du machst die Alten iung die Jungen alt 
Die Kalten warm, die Warmen kalt 
Bist ernst im Scherz, der Ernst macht dich zu lachen, 
Dir gab auf's menschliche Geschlecht 
Ein süfser Gott sein längst bewährtes Recht 
Aus Weh ihr Wohl, aus Wohl ihr Weh zu machen. 

8. Mammf. Schröter. 

Corona, [Mamsel weil unadlich]. 
Wir mögten gern, du kannst es glauben 
Nur auf ein Jahr 

Dir die Gestalt und die Verehrer rauben 
Du wärest glükUch ganz und gar 
Du ehrtest mehr die seltne Gaben 
So schön zu seyn und so viel Dienst zu haben. 

9. Fräul. Noftiz. 

Johanne Luitgard von Nostitz, bisherige Hofdame der Herzogin Amalia, 

schon seit 1778 aus angedeuteten Gründen pensionirt. Sie starb am 

25. September 1790. 

Am Hof gabs doch noch was zu thun 
Und du wardst immer mehr zur Diken 
Und iezo willst du völlig ruhn 
Wir bitten dich nicht zu erstiken. 

10. Fiekgen. 

Für die Ansicht, daß unter Fiekgen Sophie Friederike von Kalb verstanden 
sein müsse, treten Fielitz und Klarmann ein. Sie war am 2. November 
1755 geboren und heirathete am 2 5.0ctober 1779 den Herrn von Secken- 
dorff. Vgl. Klarmann, Gesch. der Familie von Kalb, S. 77. Nach 
Fielitz kommt auch die Stelle im G.-Jahrb. IX, 8 in Betracht, Fielitz 
denkt an eine stille Liebe Fiekgens zu Goethe. Jedenfalls konnte 
Sophie von Kalb bei den Neujahrs-Possen nicht unberücksichtigt bleiben 
und es ist deßhalb völlig ausgeschlossen, unter Fiekgen eine andere 

Person vermuthen zu dürfen (Klarmann). 
Auserlesen 
Artiges Wesen 
Mögst du genesen 
Von deinen stillen 
Lieblichen Grillen. 



Neue Mittheilungen'. 



II. Fräul. Volgstädt. 
Tochter des Kriegsrathes Carl Albrecht v. Volgstedt. 

Verstand und Tugend bleibt der Menschheit schönster Tag 
Ihn trübt wohl fürchterhch des Schiksals Donnerschlag 
Doch ruht [der Weise]' stets auf unerstiegnen Höhen 
Ins Land der Eitelkeit mit stillem Blick zu sehen. 

12. Malchen Hendrich. 

Tochter des Regierungs-Raths v. H. wirkl. Geh. Rathes. 

In deinem Herzen 
Ist nicht viel Plaz, 
Drum alle acht Tage 
Einen neuen Schaz. 

13. Fräulein Reinbaum. 

Die Tochter Franz Ludwigs von Reinbaben, Hofrath pp. (Reinbaum 
ist Hörfehler), vielleicht die 1755, 30. Nov. geborene Sophie Bern- 
hardine Friederike. 

Immer recht viel 

Zu lesen 

Und nach dem Schauspiel 

Ganze Portechaisen. 

14. Anngen Müllern. [Seite 3.] 

Zweite Tochter des verstorbenen Raths und Hofmedicus Dr. Friedrich 

Gottlieb Müller. Sie war damals 19 Jahre alt und ihr heiteres Wesen 

wird auch nach ihrem Ableben gerühmt, als sie am 16. Januar 1804 

zu Weimar gestorben war. (Weimar. Wochenbl. 1804, S. 26). 

Käzgen 

Ein Schmäzgen 

An mich 

Und deinem Schäzgen 

Gar lieblich 

Ein Dutzend mehr 

Ach wer doch nur dein Schäzgen war. 



' [ ] Mit anderer Schrift von Seidels Hand. 



Unbekannte Neujahrs-Possen Goethes und v. SECKENDORrrs. 59 

15. Fräulein Goch häufen. 
Sie war 1752 zu Eisenach geboren, starb 1807, 7. Sept. zu Weimar, 
wo sie seit 1785 Hofdame der Herzogin Amalia war, Gesellschafterin 

war sie bereits 1782. 
Erster und zweiter Druck des Gedichts in Goethes Unterhaltungen mit 
V. Müller 2. Aufl. S. 182. Abdruck in der Weimarer Ausgabe, Gedichte 
Bd. 4, 364 mit falscher Zeitbestimmung 1780. Die vierte Zeile weicht 
also von den Drucken ab, in denen es heißt »nun magst du ihnen 
wieder nützen.« 

Der Kauz der auf Minervens Schilde sizt 
Kann Göttern wohl und Menschen nüzen 
Die Musen haben dich beschüzt 
Nun magst du sie beschüzen. 

16. Fräul. V. Opp el. 
Tochter des Landschafts-Cassa-Direktors Johann Siegmund von Oppel. 

Wo Adel in der Ordnung prangt 

Und alles wohl zusammenhangt 

Ist wünschen Ueberflufs 

Der Fall ist dein, wir sehn zufrieden 

Dich was dir Glük und Stand beschieden' 

Im dauernden Genufs. 

17. Frau von \Vi ziehen. 

Frau des Geheimen Raths Friedrich Hartmann v. Witzleben, damals 
Obermarschall. 

Werth dem Gemahl den Freunden teuer 

Wird ieder frohe Tag für dich auch uns zur Feier. 

18. Gräfin Giannini. 

Oberhofmeisterin der Herzogin Luise, Frau Wilhelmine Elisabeth Eleonore, 

Stiftsdame zu Herford. Sie starb den 22. Mai 1784. 

Dir wünschen wir nach altem Brauch 
Zum neuen Jahre Glük und Seegen 
Doch unter andern auch 
Der nötigen Zerstreuung wegen 



' Dein vor Glück ist gestrichen. 



6o Neue Mittheilukgex. 



Ein tägliches Conzert mit Pauken und mit Zittern 
Den ganzen Horizont beladen mit Gewittern 
Und pour accomplir le bonheur' 
Im taroc ombre Spiel beständig les Honneurs. 

19. Frau von Oertel. 
Frau Johanna Caroline von Oertel war eine geborene Lange, Tochter 
des Bürgermeisters und kursächs. Kriegsraths Gottfried Lange in Leipzig. 
Sie heirathete den K. Poln. und Kurf. Sachs, wirkl. Hof- und Justizrath 
Freiherrn Friedrich Benedict von Oertel, Erbherrn auf Döbitz, der 1745 
6/1 1. in den Reichsadelstand erhoben war. Die Familie hielt sich in 
Weimar auf, verkehrte vielfach am Hof (Fourierbücher), doch wurde 
die Frau nur selten zur Tafel gezogen. 1779 hatte die Familie mehrere 
noch kleine Töchter, von denen Karoline (geb. 1769 29. Jan. zu 
Weimar) 1798 18. Nov. den Fürsten Heinrich von Carolath-Beuthen 
(geb. 1750) heirathete. Nachdem sie am i. Febr. 18 17 Wittwe geworden, 
heirathete sie in zweiter Ehe den Kammerherrn und adl. Kreissteuer- 
einnehmer Johann Friedrich von Ponickau. Wie es scheint ist der 
1794 an der Regierung zu Weimar angestellte Christian Ludwig von 
Oertel ein Sohn des Benedict von Oertel, der jedenfalls in Weimar so 
einflußreich war, daß der Sohn unmittelbar von der Universität Jena 
kommend, in Weimar bei der Regierung Anstellung fand. Frau v. Oertel 
war 1741 geboren, starb 68 Jahre alt zu Weimar 1809; ihr Gemahl 
schon 1795 im Februar. 

Mutter Tugend ist kein leerer Name 
In den Töchtern keimt des Guten Saame 
Wenn aus ihren zarten Fingerspizzen 
Die Eltern blizzen. 

20. Frau V. F e 1 g e n h a u e r. 

Frau Christoph Ludwig Adolfs v. F., früher Hofkammerrath, später 

Geh. Kriegsrath, der sich auf seinem Gute außer Lande aufhielt. 

Das Weib das Gott der Herr erschuf 
Schuf er zu mancherlei Beruf 
Allein der süfseste von allen 
Ist der den Männern zu gefallen 
Wir danken Gott zu dieser Frist 
Dafs du ein Weib geworden bist. 



* Corrigirt aus les bonlieurs. 



UXBEKAWTE NeUJAHRS-PoSSEX GoETHES UND V. SeCKEN'DORFI'S. 6i 

21. Fräul. V. Wöllwarth. [Seite 4.] 
Hofdame der Herzogin Luise, Marianne Henriette v. W., Stiftsdame zu 
Lippstadt. Fielitz giebt folgenden Zusatz: Später, 1782, 30. Sept. ver- 
mählt mit dem Kammerherrn und Oberforstmeister v. Wedel, der sich 
lange um sie bewarb. G.-J. IX, 7, v. Wedel ist danach mit dem Hause 
Felgenhauer verwandt, seine Mutter stammte aus diesem Hause. — 
Wegen ihrer Trauung verweise ich auf das Weimarische Wochenbl. 1782, 
S. 315, wonach Herder die Trauung vollzog. 

Hofnung macht wachsen 

Besonders in Sachsen 

Du wärst in Schwaben 

Längst schon begraben. 

Hier giebts noch Herzen 

Brennend wie Kerzen 

Wenn sie erloschen sind 

Flugs mit ein wenig Wind 

Bläst du zusammen 

Feuer und Flammen 

Wohl dir wenns gut geräth 

[Erhörter Wunsch kommt nie zu spät.]* 

22. Frau von Lichtenberg. 

Frau des Rittmeisters vomHerzogl. Husarencorps Friedrich v. Lichtenberg. 

Sophie Marie Karoline von Uten, geb. 1755, hatte 26. Juni 1778 den 

Rittmeister v. Lichtenberg geheirathet. Nach Klarmanns Mitth. Siehe 

Famihe von Kalb S. 85 und 558. 

Dafs schnell dir dieses Jahr verging 

Ist eben wohl kein Wunderding; 

Mit gutem Appetit geniefen 

Vom Morgen bis zum Abend külTen 

Und fest sich an den Schnurrbart schUeßen 

Kann lange Nächte leicht versüfsen 

Fast weis man nicht bei deinem Wohl 

Was man dir weiter wünschen soll 

Als etwa nach vollendeten Redouten 

Einen kleinen schreienden Rekroutten. 



* [ ] Später von Seidel mit größerer Schrift nachgeholt. 



62 Neue Mittheiluxgek. 



2. AN DEN SENAT DER FREIEN STADT BREMEN. 

Mitgetheilt von Ludwig Geiger. 

Einem Hohen Senat 

Verehrung und Vertrauen! 

Niemand wird läugnen, daß demjenigen ein besonderes 
Glück zugedacht se}-, der sich gern und mit Freuden seiner 
Vaterstadt erinnert. Mir ist es geworden, indem ich mich 
rühmen darf, durch Geburt einer der vier Städte an- 
zugehören, welche ihre Freyheit von den ältesten Zeiten 
her bis auf den heutigen Tag erhalten haben. 

Gewiß ist kein schönerer Blick in die Geschichte, als 
derjenige der uns belehrt, wie die Städte des nördlichen 
und südUchen Deutschlands, durch Thätigkeit, Rechtlich- 
keit, Zuverlässigkeit die bedeutendsten Körper gebildet, 
und sowohl über dem Meere als über den Bergen, indem 
sie Leben und Handel verbreiteten, sich die größten Vor- 
theile zu sichern wußten. Daher ist solchen Corporationen 
anzugehören für den denkenden und fühlenden Menschen 
von der größten Wichtigkeit, und er ehrt sich selbst, wenn 
er auszusprechen wagt, daß er des treuen, biedern Sinnes 
seiner frühsten Stadtgenossen sich, auch entfernt, unter 
den mannigfaltigsten Umständen und Bedingungen, nicht 
unwerth zu erweisen das Glück hatte, ja, wenn man ihm 
das Zeugniß nicht versagt, daß er den gemäßigten Freysinn, 
eine rastlose Thätigkeit und geregelte Selbstliebe, wodurch 
seine Mitbürger ausgezeichnet sind, an sich in den viel- 
fältigsten Lagen zu erhalten getrachtet hat. 

Nehmen deshalb die Hochverehrten freyen Städte, 
deren jede ich mit der Empfindung eines Mitbürgers be- 
trachten darf, meinen verpflichteten Dank, daß sie durch 
ein entschieden ausgesprochenes Privilegium mir und den 
Meinigen die ökonomischen Vortheile unablässig bemühter 
Geistesarbeiten haben zusichern wollen. 

Darf ich nunmehr mit der Hoff"nung schließen, daß 
diese glückliche Einleitung auch künftighin anderen Mit- 
genossen der literarischen Welt zu Gute kommen werde, 



A\" DEN- Sekat der Freien' Stadt Bremen. 63 

SO empfinde den Vorzug doppelt mich eben so getrost als 
verehrend unterzeichnen zu können: 

Eines Hohen Senats 
ganz gehorsamster Diener 
gez: Johann Wolfgang von Goethe. 

Weimar, den 16. Januar 
1826. 

Auf das vorstehende Schreiben wurde ich aufmerksam 
gemacht durch eine mir von Herrn V. Ruß übersendete Notiz 
aus der von G. Bäuerle hgg. Allg. Theaterzeitung in Wien, 
6. Juli 1826. Die Notiz lautet: »Vor einiger Zeit hat Goethe 
zwei Danksagungsschreiben an den Senat zu Bremen ein- 
gesandt, das eine für die Ertheilung des Privilegiums gegen 
den Nachdruck und Verkauf des Nachdrucks der neuen Aus- 
gabe seiner Werke in Bremen und dessen Gebiet; das andere 
Schreiben für die Uebersendung einiger Flaschen sehr alten 
Rheinweins aus der Rose im Bremer Rathsweinkeller zur Zeit 
als Goethe von seiner letzten schweren Krankheit genesen 
war«. Auf Grund dieser Notiz wandte ich mich an den Senat 
der Stadt Bremen und erhielt durch Vermittlung meines alten 
Göttinger Universitätsfreundes, des Herrn Archivars Dr. V\'. 
von Bippen den oben abgedruckten Brief zugleich mit der 
Notiz, daß ein anderes auf eine Weinsendung bezügliches 
Schreiben nicht erhalten, auch in den Akten keine Bemerkung 
darüber vorhanden sei. In der That waren die Flaschen kost- 
baren Weins durch Vermittlung des Bremer Freundes Nik. 
Meyer an Goethe gelangt; dieser erhielt auch den für die 
Spende bestimmten Dankbrief (4. Jan. 1824, Freundsch. Br. von 
G. und seiner Frau an Nicolaus Meyer, Leipzig 1856, S. 40 ff.). 

Aus dem Bremer Rathsprotokoll vom 20. August 1823 
ist nach freundlicher Mittheilung W. von Bippens Folgendes 
zu entnehmen : 

»Der Präsident theilte einen Privatbrief des Senators Dr. 
Heineken mit (der sich damals zum Abschluß einer Weserschiff- 
fahrtsakte in Minden befand), worin dieser auf den ^Vunsch 
des Regierungsraths Dr. N. Meyer anheim gibt, ihm etwa vier 
halbe Flaschen Rheinwein aus der Rose zukommen zu lassen, 
um solche dem Herrn Geheimrath von Goethe zu Weimar zu 
dessen nächstens einfallenden 78^"^'^ (sie f) Geburtstage als 
Geschenk zuzustellen u. zeigte an, daß, um Aufschub zu ver- 
meiden, Bürgermeister Nonnen bereits jenen Wein übersandt 
habe, worüber er die Rechnung ad 10 ^ 24 g vorlegte. 
Natürlich genehmigte der Senat das.« 

»Das Geschenk,« so fährt W. von Bippen fort, »ist so 
ungemein dürftig, daß Goethe vielleicht gar keinen Anlaß 



64 Neue Mittheilungen. 



gesehen hat, dafür ein Dankschreiben loszulassen ; vielleicht 
aber hat er ein solches an den Senator Heineken gerichtet und 
dieser es als werthvolle Reliquie behalten.« 

Während daher das erste in unserer Quelle genannte 
Schreiben gar nicht geschrieben wurde, ist das zweite, eben 
das voranstehende, abgeschickt worden und erhalten. Dies 
nach Bremen gerichtete Schreiben ist im Tgb. 14. Jan. 1826 
notirt. Nach einer Notiz bei Strehlke (I, S. 186) soll es gleich- 
lautend mit dem nach Frankfurt, Hamburg und Lübeck be- 
stimmten sein. Da das Frankfurter jedoch (datirt vom 13. Jan.) 
nur in den Grenzboten von 1872, also an einem für die 
Meisten schwer zugänglichen Orte gedruckt ist (daraus in einer 
Brochüre 1876), so wird seine Wiedergabe nach dem Originale 
an dieser Stelle erwünscht sein. — Der Brief ist datirt und 
die Unterschrift von »Eines« an eigenhändig, der Name mit 
deutschen Buchstaben geschrieben. — 

Auch dies Schreiben hat seine Geschichte, die ich gleich- 
falls mit den Worten des Herrn v. Bippen angebe. Der 
Frankfurter Sj'ndicus Danz erstattete darüber einen Bericht 
an die Städte und machte den Entwurf eines Privilegs, den 
Frankfurt acceptirte. Bremen und Hamburg faßten das Privileg 
im wesentlichen im gleichen Wortlaut wie Frankfurt ab, Lübeck 
in etwas abweichender Form. Alle diese Privilegien wurden 
dem sachsen-weimarschen Bundestagsgesandten zur Beförde- 
rung an Goethe übergeben. Die Ausfertigung der Privilegien 
geschah von allen vier Städten im November 25. 

Danz hatte dies mit Schreiben vom 23. October bei Bremen, 
Hamburg und Lübeck betrieben. Er schickte mit diesem 
Schreiben Abschrift eines Schreibens Goethes an ihn' ein, 
von dem ich Abschrift anlege. Danz schreibt dazu: »Herr 
von Göthe will nun schlechterdings, wie es scheint, ein be- 
sonders ausgefertigtes Privilegium, und es genügt ihm nicht 
an anderen förmlichen Zusicherungen, welches erstere ohne 
Zweifel auf den Preis des Verlagsrechts, bey welchem sich 
die Buchhändler, wie die Fama sagt, überbieten sollen, von 
bedeutendem Einfluß ist«. Danz räth deshalb, die Städte 
möchten nun die Privilegien ausfertigen und, wie oben gesagt 
ist, mit ihnen verfahren, denn »ohne eigene Anschreiben 
(sc. von Goethes Seite) die Uebersendung unmittelbar zu 
bewirken, das scheint mir doch in der Höflichkeit zu weit 
gegangen zu sein«. 

' Hier muß ein Irrthum obwalten, denn das Schreiben vom 
17. October 1825 ist nicht an ihn, sondern an Herrn v. Leonhard in 
Frankfurt a. M, Vgl. Tgb. zum genannten Tage. Der Brief ist mit 
der Angabe des richtigen Adressaten gedruckt, Grenzboten 1874, Nr. 33, 
vgl. Strelilke, Bd. I, sub Leonhard. — L. G. 



"^S- 



MiTTHEILL'XG AUS HaNDSCHRH-TEN'. 65 

3. MITTHEILUNG AUS HANDSCHRIFTEN. 

L. F. Ofterdinger hat in diesem Jahrbuch, Band 7, 
S. 274 — 5 von einigen Goethehandschriften der Freiherr!, 
von Mauclerschen Bibliothek auf Schloß Ober-Herrlingen bei 
Ulm Mittheilung gemacht und dabei auch einiger Blätter mit 
verwischten Schriftzügen Erwähnung gethan, deren Entzifferung 
nicht gelungen war. Diese Blätter habe ich durch die Güte 
Sr. Excellenz des Freiherrn von Maucler in Muße einsehen 
dürfen. Auf dem einen finden sich oben von der Hand des 
Schreibers John die Worte : Gegen Ende des Jahres ergaben. 
Das von John nicht weiter benutzte Blatt hat dann Goethe 
in seiner haushälterischen Weise zu verschiedenen Entwürfen 
und Skizzen verwendet. Zunächst zu einem Briefentwurf, der 
zum Zeichen der Erledigung durchstrichen ist : 

1. Sind die Graphischen Darstellungen vom Oktober und 
November 7üieder nach Jena gelangt? 

2. Sind Z7i'ey Hefte der von Zachschen Corr(espondenz) 
von hier übersendet worden? 

j. IVas befindet sich noch von Graph(ischen) Darstellungen 
hier welches hinüber zu senden wäre, vielleicht einige Blatt gen (?) 
von Wien und Carlsbad. 

4. Wünschte 

Der mit 3. bezeichnete Absatz lautete in erster, durch- 
strichener Form: 

Dabey lagen tabellarische Bar(ometer) Stände (?) von Abo 
und Tilsit mit Jena (?). Für vielleicht einige Blättgen (?) 
von Wien und Carlsbad stand zuerst: z. B. von Carlsbad und 
Wien auf kleinen Blättgen (?). 

Die andere Seite dieses Blattes enthält einige inter- 
essantere Stücke. Zunächst drei unbekannte Faustverse aus 
dem Helenaakt: 

£rst gings nach Sparta Taillig fandet ihr Euch ein 
Doch wars nicht Sparta euch und uns gefiels nur so 
Jetzt sind tvir in der Ritterlichen Burg. 

Die Verse waren wohl für Mephisto bestimmt. Man 
könnte noch an die Chorführerin Panthalis denken, aber euch 
und uns paßt nicht recht für sie. Glücklicherweise hat Goethe 
auf diese übermäßig deutliche Kennzeichnung des Ganzen als 
Phantasmagorie verzichtet. Unter diesen Versen steht der 
folgende Entwurf: 

Wußte man von diesen schönen Verfahren nichts in Frank- 
reich und Italien, oder vernachlässigte man sie vielleicht weil 
die großen Analytiker des vorigen Jahrhunderts die Analy- 
tischen Methoden bewunderten, die bey dem geometrischen Ver- 
fahren (?) Linien zu finden und zu beweisen, dasjenige tcas 

Goethe-Jahrblcu XXV. J 



66 Neue Mittheilungen. 



leicht ivar erscJnverten. Diesen Fehler bemerkt jnau überhaupt 
an de?i Mathematikern unserer Tage. 

Auf der Innenseite eines halben blauen Buchumschlags 
findet sich, mit Rötel durchstrichen, ein Schema für die »Tag- 
und Jahreshefte« : 

1801 Pyrmont Göttingen 

1802 Lauchst(ädt) Theater in JF(eimar) und Jena 
j8oj Zu Hause Wolf 

Grimmer Nat(ürliche) Tochter 
1804 Litt(eratur) Z(eitung) v. Stael 
i8oj Schillers Tod 

1806 Carlb(ad) Invas(ion) 

1807 Jena, B . . . cht Wolf 

1808 Erf(urter) Congr(eß) 

Die Jahre 1805 — 8 stehen vor 1801— 4. Ueber Grimmer 
vgl. Weim. Ausg. 35, 149, 2. 

Die am Schlüsse von Ofterdingers Mittheilung erwähnten 
Zeilen lauten: 

jj. Dieses Gedicht begleite(te) Ein(e7i) verschlungenen 
Lorbeer und My(r)tenkranz zum Symbol eines in Liebe und 
Dichtung wetteifernden Paares xvie Hatem und Suleika. 

44.. Zu ei?i(em) trefflichen Blume?i Gemälde in dem reichsten 
Rahmen. 

Es sind Entwürfe zu Nr. 42 und 41 der »Aufklärenden 
Bemerkungen«, die Goethe der Gedichtabtheilung »Inschriften, 
Denk- und Sendeblätter« beifügte. In der endgiltigen Fassung 
(Weim. Ausgabe, Band 4, S. 81, Z. 18 — 22) haben sie außer 
der veränderten Bezifferung auch einige Textänderungen er- 
fahren. — 

Die Blätter gehören, wie ihr Inhalt zeigt, dem Jahre 
1825 an. Max Morris. 



B. Mittheilungen von Zeitgenossen an und über Goethe. 

I. EIN ANTICIPIRTES PHYSIOGNOMISCHES URTHEIL 
LA VATERS ÜBER GOETHE. 

Mitgetheilt von Alfred Stern. 

In dem reichen Lavater-Archiv, das die Verwaltung der 
Stadt-Bibliothek Zürich der Forschung auf liberale Weise 
eröffnet hat, befindet sich wenigstens in Bruchstücken auch 
die Korrespondenz Lavaters mit Johajin Konrad Deinet. Es 
ist nicht nöthig an dieser Stelle über diesen Mann, den be- 



Ein AXTicii'iRTKS PHVsioGX. Urthf.il Lavaters über Goethe. 67 

kannten Herausgeber der »Frankfurter Gelehrten Anzeigen«, 
ausführlich zu sprechen. (Vgl. Goethe-Jahrbuch X, 171 ff. und 
die Register s. v. Deinet, ebenso das Register zur Einleitung 
von Seufferts Neudruck der Frankfurter Gelehrten Anzeigen 
vom Jahre 1772, Heilbronn 1882, 1883.) Lavater stand mit 
ihm seit 1772 in brieflicher und geschäftlicher Verbindung. 
Seine an Deinet gerichteten Briefe haben sich, wenigstens für 
die Jahre 1772 — 1775 abschriftlich in Zürich erhalten. Häufig 
wird Goethe in diesen Briefen erwähnt. Die merkwürdigsten 
Stellen der Art hat Fi/nck: Goethe und Lavater. Weimar 1901, 
Schriften der Goethe-Gesellschaft XVI, S. 382, t^2>^ abgedruckt 
oder ausgezogen (vgl. daselbst das Register s. v. Dei/iet). 
Eine Stelle jedoch, die er übergeht, verdient wohl hier mit- 
getheilt zu werden. Sie lehrt uns auf beinahe erheiternde 
Weise, welche Vorstellung der Physiognomiker Lavater a priori 
von dem Verfasser des Götz sich machte. Die Wirklichkeit 
entsprach, wovon er selbst sich bald überzeugen konnte, frei- 
lich kaum in einem Zuge seiner Phantasie. 

Lavater an Deinet, 22. Oktober 1773. 

. . . Meine Verse werden Sie erhalten haben ich, 

so sehr ich blange (ob Sie dies gute Schweizer Wort ver- 
stehn, weiß ich nicht?)' Goethes Porträt noch nicht — 
Vielleicht morgen, eh dieser Brief abgeht. Jtzt Freytags 
Abends um 10 Uhr — will ich Ihnen also, eh' ich das 
Porträt vor mir sehe, sagen, wie ich mir Goethen un- 
gefähr vorstelle — und auf meine ganze Ehrlichkeit ver- 
sichere ich Sie, daß ich von seiner Gesichtsbildung noch 
nicht das mindeste weiß. 

Unter einem hohen Duppe* stelleich mir eine schräge, 
spitze Stirn — mit einem starken Vorbug bey den Augen- 
braunen — ein helles blaues Aug, davon wenigstens das 
Eine bis fast auf die Mitte sich zusenkt — eine entweder 
stark gebogne große — oder dann sehr feine kleine Nase, 
die fast nicht zu zeichnen ist, vor — den Mund sehr sicht- 
bar, viel Drucker in der Mittel Linie — einen vom Ende 
vorwärts gehenden Schatten an der OberUppe — die Unter- 
Lippe — Yorikisch,' uneben, eckigt — einen Einschnitt am 

' B'langen = Sehnsucht empfinden. S. Schweizer Idiotikon, III, 1534. 
* So statt Toupet. 

5 Vgl. Hamlets Bemerkung beim Anblick des Schädels Yoricks 
^Akx 5, Scene i): »Quite chap-fallen«. 

5* 



68 Neue Mittheiluxgen. 

Kinn — ein sehr rundes vorwärts gehendes Kinn — und 
beym Ohr herab einen eckigten Kinnbacken — einen 
schlanken Leib — ein stark gezeichnet Ohr — viel Züge, 
Muskeln, Zickzag, mahlerische Zwick im ganzen Gesicht. 
Für alles, was Sie mir von ihm sagen — dank ich 
Ihnen — aber, ich glaube — dennoch — an ihn — 






2. BRIEFE DER FRAU SOPHIE VON SCHARDT 

AN DEN FREIHERRN 
CHRISTOPH ALBRECHT VON SECKENDORFF. 

Mitgetheilt von Karl Obser. 

Unter den hinterlassenen Papieren des badischen Staats- 
ministers Freiherrn Christoph Albrecht von Seckendorff, die 
mir unlängst zur Durchsicht überlassen wurden, fiel mir eine 
Anzahl von Briefen aus den Jahren 1788 — 1791 in die Hände, 
deren auszugsweise Mittheilung an dieser Stelle in mancherlei 
Hinsicht gerechtfertigt erscheinen dürfte. Nicht blos, weil sie 
neben manch' treffendem Urtheile über Personen und Ver- 
hältnisse eine lebendige Schilderung der Weimarer Gesellschaft 
enthalten, sondern vor allem auch weil sie der Feder einer 
Frau entstammen, deren Name mit der Literaturgeschichte 
jener Zeit vielfach und in bedeutsamer Weise verknüpft ist. 
Ich meine die Tochter des hannövrischen Kanzleidirektors 
von Bernstorff, Sophie von Schardt. Ueber ihren Lebenslauf 
sind wir durch Düntzer eingehend unterrichtet, die Grundzüge 
ihres Wesens hat Haym meisterlich gezeichnet. ' Ihrer Jugend, 
die sie im Hause ihres Oheims, des bekannten dänischen 
Ministers von Bernstorff verbrachte, war Klopstock, dem sie 
zeitlebens dankbare Verehrung bewahrte, ein Führer und 
Bildner. Zweiundzwanzigjährig kam sie als Gattin des Geh. 
Regierungsraths von Schardt im Jahre 1778 nach Weimar und 
schloß sich hier dem auserlesenen Kreise, der sich um Goethe 
und Herder schaarte, aufs innigste an. Goethe, der ihr durch 
ihre Schwägerin, Frau von Stein, näher trat, verkehrte gerne 
und häufig mit ihr und schätzte ihr »gutes, treffliches Wesen« ; 
in seinen Briefen gedenkt er oft der »Kleinen« oder der 

' U. Düntier, Zwei Bekehrte ("Zacharias Werner. — Sophie von 
Schardt), 288—466; Haym, Herder, II, 42 — 50; Gaederti, Zwei Damen 
der Weimarer Hofgesellschaft. Westermanns Monatshefte, Band 71.. 
550 — 58. Mit Schattenriß. 



Briefe der Frau Sophie v. Schardt ax v. Seckexdori r. 69 

»lieben Unschuld«, wie er sie nennt: ihr und andern im 
November Geborenen widmet er 1783 sein »Novemberlied«.' 
x\uf Herder, der ihr I-ehrer im Griechischen wurde, übte der 
Zauber ihrer Erscheinung und der Reiz des persönlichen Um- 
gangs einen tiefen Einfluß aus, in ihrem heiteren, lebensfrohen 
Gemüth fand er ein »Gegengewicht gegen die Schwere seines 
eigenen Wesens«. Ihrer Anregung verdanken wir seine Rück- 
kehr zum poetischen Schaffen, seine »Paramythien«, und mehr 
als freundschaftliche Gefühle verrathen zeitweise die Huldi- 
gungen, die er ihr in seinen Briefen darbringt. 

Eine zierliche, bewegliche Gestalt, mit feinen Gesichts- 
zügen, keckem Stumpfnäschen und dunkeln begehrlichen Augen, 
dabei klug, geistvoll und gebildet, in hohem Cirade empfäng- 
lich für Poesie, für Sprachen vorzüglich begabt, voll Interesse 
für alles, was um sie vorging, auch für die politischen Ereig- 
nisse, anmuthig und lebhaft, nicht ohne Koketterie und einen 
Hauch von Sinnlichkeit : so wird uns ihre Erscheinung und 
ihr Wesen geschildert. Auch in den Schriftstücken, die hier 
folgen, offenbart sich manche dieser Eigenschaften, nicht zum 
mindesten die »Gabe des Schalksinns«, die an ihr gerühmt 
wird, und die ihr eigene Vorliebe für englische Art und Sitte. 
Mit Begeisterung begrüßt sie, die »Republikanerin«, gleich 
Herder und Knebel die Anfänge der französischen Revolution, 
die Zerstörung der Bastille, aber der weitere Verlauf der Dinge 
erfüllt sie mit Sorge und voll Abscheu wendet sie sich schon 
im December 1791 von dem Bilde wüster Anarchie ab. Neben 
dem regen, verständnißvollen Interesse für »Freund Goethe« 
spricht aus den vorliegenden Blättern vor allem die warme, herz- 
liche Theilnahme für Herder, die auch da zum Ausdruck gelangt, 
wo Familienrücksichten damit in Conflikt zu gerathen drohen. 

Die Briefe sind sämmtlich gerichtet an den Freiherrn 
Christoph Albrecht vo?i Sechen do/-ff,^ einen Bruder des früh- 
verstorbenen Weimarer Kammerherrn Sigismund von S., der 
dem Goethekreise angehörte, und den Vater jenes Leo von S., 
der in den Jahren 1798 — 1802 als weimarischer Regierungs- 
assessor in jenem Kreise verkehrte und sich, wie sein Oheim 
Sigismund. auch schriftstellerisch hervorthat. Er war im 
Sommer 1788, nach seinem Rücktritte als ansbachischer Finanz- 
minister, zu kurzem Aufenthalt nach der kleinen Residenz an 
der Um gekommen und im Hause seines Schwagers von Tettau 
zu Sophie von Schardt in freundschaftliche Beziehungen ge- 
treten, die, wie ihr Briefwechsel zeigt, auch nach seiner Ueber- 
siedelung nach Regensburg, wo er die Vertretung ^^'ürttembergs 
beim Reichstage übernahm, noch einige Jahre fortdauerten. 



Goethe-] ahrhuch, 4, 241. 

Geb. 12. Juni 1748, f 5' Sept. 1834. 



Neue Mittheiluxgex. 



I. 

Weimar, 19 Juni 1788. 
. . . L'ami Goethe est revenu hier au soir tard; on dit 
que la duchesse mere remuera ciel et terre pour l'engager 
ä retourner avec eile en Italic; jusqu'ä present il n'y a pas 
ä y penser qu'elle demeure ici : tous les preparatifs se fönt 
Sans interruption. — Le duc est de retour, il dit qu'il res- 
terait ici jusqu'ä la revue prochaine: — ich habe es nachgerade 
recht satt, imfiier heriim:(_Hreisen, m'a-t-il dit lui-meme. . . . 
Mr. de Dalberg (Fritz) est venu en meme temps, il nous 
a fait beaucoup de plaisir par sa societe et par les sons 
harmonieux de son clavecin et de ses compositions. En 
revanche, il nous enleve Herder qui l'accompagne en Italie'; 
ce qu'il y a de singulier c'est que la gazette a prophetise 
cela, avant qu'il en etait rien. Allant ä Carlsbad le 25 de 
ce mois, nous ne retrouverons plus Herder. — La Herder 
donne l'exemple du desinteressement, on n'ose s'affliger, 
lorsqu'elle dit, qu'elle en est contente, eile doit mieux savoir 
que personne, ä quel point cette eloignement, cette dis- 
traction lui est necessaire; il y aurait succombe, s'il etait 
demeure enferme ici. II faut se dire qu'il reviendra, que 
nous le reverrons plus en etat de vivre pour nous tous 
qu'il ne Test actuellement. Ne doit-il pas se mettre au dessus 
des jugements vulgaires qui jugent de lui comme d'un 
homme vulgaire? . . . 

2. 

Weimar, 26 Sept. 1788. 
.... Nos voyageurs d'Italie se portent bien asteure,* 
quoique m"' de Goechh[ausen] a ete malade et tres mal 
en chemin. La duchesse a passe dans sa voiture, en 
sortant de Verone, l'auberge 011 Dalberg et Herder etaient 
ä la fenetre, Ignorant mutuellement de s'etre trouves au 
meme endroit. Herder a tout ä fait ignore que m"* de 



' Vgl. Hayni, Herder, 2, 400 ff. 

^ Sic! Das Wort kehrt in der gleichen Schreibweise in den Briefen 
noch öfter wieder. Vielleicht vulgär statt »ä cette heure«, was in allen 
Fällen dem Sinne nach passen würde. 



Briefe der Frau Sophie v. Schardt an v. Seckexdorff. "1 

Seck[endorff J ' etait de cette partie et ce n'est qu'ä Augsburg 
qu'il l'a appris un jour avant leur arrivee. Je vous assure, 
(mais en confidence) qu'il n'en fut pas agreablement surpris, 
et que, en plusieurs sens, cela lui gdte la satisfaction qu'il 
eut d'ailleurs retire de ce voyage .... 

Goethe a acquis par son voyage et par la liberte dont 
il jouit et Sans doute par l'espoir de retourner en Italie une 
gaiet^ qu'il n'a pas eue depuis longtemps, — je pense que 
ses ouvrages litteraires se ressentiront de l'air de l'Italie 
exempt de nos frimas. Sans doute vous avez vu la nouvelle 
edition qui parait de ses oeuvres. 

Vous aurez dans ce cas remarque la tragedie d'Egmont 
qui est imprimee pour la premiere fois et qui a bien de 
beautes. Tandis que nous regardons l'Italie comme le but 
de tous nos souhaits, d'autres nations viennent dans le fond 
de la Thuringe pour se former ici l'esprit et le coeur. Ce 
n'est pas en vain qu'on parle de la docte cour de Weimar. 
II y a actuellement 5 jeunes Anglais ici. Cet ete nous 
avions la famille de Gores qui, dit-on, reviendra au prin- 
temps. II vaudrait mieux que non. Car cette belle passion 
du duc pour la belle Emilie n'aboutit ä rien qu'ä ennuyer 
tout le reste du monde. Vous auriez du voir ces assem- 
blees journalieres chez la duchesse regnante oü tout le 
monde en etait ä ne savoir quel saint invoquer pour sou- 
tenir la conversation mourante, lui seul etait ä son aise et 
heureux de regarder Emilie, sans dire mot. Au reste ces 
miss Gores sont de bien aimables et charmantes personnes, 
rien de plus agreable que leur societe, si on savait menager 
ses plaisirs; il ne faut jamais boire une coupe jusqu'ä la 
lie, surtout celle de l'amitie et de la societe. Pour moi, 
j'aime beaucoup ces miss Gores, je me suis meme liee avec 
l'ainee qui a un excellent caractere, la cadette qui est plus 
belle est bien bonne aussi. Leur amie, m""^ de Trebra^ 

' Geb. von Kalb, Wittwe Sigismunds von Seckendorfif und 
Schwägerin Christoph Albrechts. Sie schloß sich Dalberg und Herder 
als Reisegefährtin an. Hayiii, Herder, i, 400. 

* Wohl eine Verwandte, vielleicht Schwägerin, des mit Goethe 
befreundeten Berghauptmanns Friedr. Wilhelm von Trebra (1740— 1 819). 
Sirehlke, Goethes Briefe, 2, 329. 



72 Neue Mittheiluxgek. 



HoUandaise, a passe ici quelques jours, c'est une femme 
tres aimable; eile a engage une de ses amies m™^ de Dankel- 
raann, veuve d'un gouverneur de Batavia, de venir s'etablir 
ici avec deux fils encore enfants .... 

3- 

Weimar, 13 Febr. 1789. 

.... M"" de Dalberg et m""* de Seckendorff sont alles 
ensemble, tandis que Herder s'est Joint ä la duchesse pour 
se rendre ä Naples, il parait qu'il a entierement quitte la 
societe de Dalberg, ayant eu son logis et table ä part depuis 
longtemps, et des qu'ils furent etablis ä Rome. Je pense 
qu'il reviendra seul, malgre la depense, si la duchesse tarde 
trop ä revenir .... 

En attendant nos amusements d'hiver sont aussi varies 
que le permet le local de Weimar; nous dansons toutes 
les semaines et outre cela il 3' a souvent de petits bals 
particuliers. Ce sont les Anglais qui mettent cela en train. 
Outre les comedies sur le theatre, nous en avons d'un genre 
tout particulier qui se donne[nt] dans la maison du pauvre 
mr. de Werthern ; il a epouse une jeune et belle femme, 
fille du vice-chancellier Ziegesaar de Gotha.' Celui-lä avec 
son epouse et tous ses enfants demeurent ici chez le eher 
beau-fils et ne peuvent partir, parce que la belle-mere s'est 
mis en tete de vouloir etre somnambuliste. J'allais voir 
ce spectacle comme les autres avec une curiosite reelle, 
parce que plusieurs personnes sensees assuraient qu'il etait 
vrai qu'elle lisait avec les doigts, connaissait le monde en 
touchant les mains, entendait par le petit doigt gauche, 
etait au reste sourde, aveugle et muette. En arrivant eile 
me prit la main qu'elle n'avait NB ! jamais de sa vie touchee 



' Der Kammerherr und Stallmeister von Werthern hatte sich nach 
Scheidung von seiner ersten, durch den Bergrath von Einsiedel ent- 
führten Frau, Emilie, geb. von Münchhausen, 1788 mit einer Tochter 
des gothaischen Vicekanzlers Aug. Friedr. Karl von Ziegesar und 
Schwester der aus Goethes Briefen bekannten Sylvia von Z. vermählt. 
Gaederti, Zwei Damen der Weimarer Hofgesellschaft, Westermanns 
Monatshefte, Bd. 71, 558 ; Strehlke, Goethes Briefe, 2, 450. 



Brieie der Frau Sophie v. Schardt ax v. Seckexdorff. 73 

auparavant et puis ccrivit dessus : Seh : , Je l'aurais certaine- 
ment crue inspiree, s'il ne m'avait pas paru clair comme le 
jour qu'elle voyait aussi bien que moi. Jamals vous n'avez 
vu une femme jouer la comedie avec si peu d'habilete, 
et, Dieu merci, personne n'y croit plus ä l'heure qu'il est, 
excepte le eher mari Ziegesaar qui embarrasse tout le monde 
par la part qu'il veut qu'on prenne ä sa merveilleuse epouse 

et sa merveilleuse maladie ' 

Notre President de la chambre mr. Schmidt quelque 
loyal et bon qu'il soit, ne parait pas repondre tout ä fait 
aux esperances qu'on avait/ Vraiment je crois qu'on peut 
dire — sans marquer qu'on ait des prejuges — qu'il a le 
defaut de n'etre pas un homme de qualite. Une certaine 
adulation pour le prince qui dirige meme son jugement 
propre, lui öte le tacte et le courage de parier ä propos. 
Notre duc a plus d'esprit que tous ses ministres, cela lui 
rend son röle plus difficile, parce qu'il n'a personne qui 
Teclaire et le soutienne comme il faudrait. Et ses amis 
quelques talents qu'ils aient n'ont pas celui-lä. Au reste 
soyons Contents — notre prince a assurement une volonte 
noble et bonne, il sent, il aime la verite, laissez le etre 
moins distrait par ses passions, moins ennuye du repos, et 
on verra que tout ira fort bien sous sa direction. II a com- 
mence depuis peu ä faire batir dans le chateau brüle, c'est 
ä dire on est ä y transporter les materiaux pour cet effet, 
voilä un amusement utile. Si les Gores reviennent ici de 
temps en temps, — quel mal y a-t-il, si cela le desennuye ? 
ce sont apres tout des personnes aimables et vertueuses, 
et les attentions que le duc leur temoigne ne sont qu'un 
peu ennuyeuses pour la cour, sans doute il ne faudrait pas 
qu'ils fussent toujours ä charge ä la duchesse, comme cet 
ete, — aussi eile evitera cela certainement.' Cependant la 
duchesse souhaite qu'ils ne reviennent pas et moyennant 



' Auch Goethe spielt in einem Briefe an Karl August vom 19. Febr. 
1789 auf die verunglückten Experimente an. Briefe (Weim. Ausg.) 9, 86. 

* Kammerpräsident Job, Christoph Schmidt. 

3 Ueber das Verhältniß der Herzogin Luise zu den Gores vgl. 
El. von Bcjanmvski, Luise Großherzogin von Sachsen -Weimar, 2i7fF. 



74 Neue Mittheiluxgen. 



cela nous souhaitons aussi de bon coeur qu'ils demeurent 
ä Berlin oii je crois, comme vous, que le prince a ete attire 
par deux beaux yeux .... 

La duchesse se porte toujours bien, nous aurons un 
prince ä la fin d'avril. 

Je suis süre que vous prenez part au sort de cette 
ch^re princesse, — eile le merite bien, plus on approche 
d'elle, plus eile attache, eile me fait souvent venir chez 
eile pour jouer avec eile aux echecs .... 

C'est assez vous parier de nos jeux, affaires et amuse- 
ments. Cependant il me reste ä vous repondre touchant 
Goethe. 

II aime le duc, il l'aime de coeur, et cela le retiendra 
ici pour des annees, mais il semble qu'il croit mieux le 
servir, en l'aimant, qu'en occupant des places en son service. 
Le temps fera voir si ou quels conseils il lui donne : je 
pense toujours que le duc peu ä peu s'attachera ä son pays. 
Au reste Goethe a vraiment rajeuni, il s'en faut peu qu'il ne 
devienne aussi careless, aussi heureux que son Egmont .... 

4- 

Weimar, 12 Sept. 1789. 

Mit Spannung verfolgen die Weimarer Kreise die poli- 
tischen Ereignisse : nnous prenons vivement parti pour et contre 
ceux qiii dirigent les evenenienls.«- 

La France nous interesse surtout, effectivement cela 
regarde toute l'humanite. Moi qui suis repubhcaine de coeur, 
je me suis rejouie de voir cette funeste Bastille detruite 
de fond en comble et Necker rappele, j'esperais qu'on 
verrait naitre une Constitution, comme celle d'Angleterre 
ou meilleure encore, du sein des ruines du despotisme, 
mais le desordre general, la chüte d'une noblesse innocente, 
l'anarchie funeste qui detruit tous les liens sociaux, tous 
ces maux venus ä la suite de la revolution decouragent 
les plus zeles amis de la veritable liberte, non sur les idees 
qui demeurent eternellement justes, mais sur les effets qui 
vont rcsulter de l'abus de ce mot 



Briefe der Frau Sophie v. Schardt an v. Seckexdorfe. 75 

.... La duchesse Louise est assurcment un ctre rare, 
toute aimable et noble de caractere; notre duc a un fond 
de bons sentiments auxquels on ne saurait refuser de 
Tattachement reel. Tout ce qui nous manque ici c'est un 
ministre juste, noble et zele pour le bien sans crainte de 
le dire. Fritsch n'est pas Thomme; Goethe qui en a assurc- 
ment le caractere, n'en a pas les vues. II sent qu'il n'a pas 
l'espece de savoir-faire en ce genre qui surmonte les diffi- 
cultes, voilä pourquoi il a quitte les affaires; il est assez 
utile au duc, etant son ami, je ne saurais voir l'injustice 
que le monde y trouve qu'il garde sa pension. Un prince 
n'a-t-il pas le droit de faire du bien ä un homme qu'il 
aime et ne peut-il pas lui dire comme Rousseau disait i 
Diderot »je ne veux point des Services de vous, je veux 
etre aime de vous et vous donner les moyens de rester 
avec moi sur ce pied«? II donne bien d'autres pensions 
moins utiles a lui ou aux autres. II a marque qu'il est 
capable de sentir le merite, en faisant tout pour garder 
Herder ici, lorsqu'il fut appele i Goettingue, en le faisant 
vice-president du consistoire ; j'en voudrais qu'il eüt pu le 
garder d'une autre maniere, parce qu'il est vrai qu'on dirait 
que toutes les premieres places doivent etre fermees pour 
la noblesse, mais entin pour Herder oü on n'avait que le 
choix de le perdre, je ne saurais dire que cela soit mal, 
avant qu'on voie qu'il fait mal. Mon mari devait entrer 
dans le consistoire actuellement, et la place de president 
apres Lynker, qui ne saurait vivre deux ans, ne pouvait lui 
manquer, sans ce singulaire evenement, mais enfin un 
homme en place qui ne saurait rien sacrifier du sien pour 
le bien general qu'il sert ne serait pas bon serviteur; il a 
gagne dans mon estime, parce qu'il pense ainsi dans ce 
moment, neanmoins, comme asteure il se mettrait en 
arriere en se placant sous le vice-president, il a demande 
d'etre dispense en general du travail du consistoire. II y a 
un murmure et mecontentement parmi bien des honnetes 
gens aussi au sujet de cette promotion de Herder, mais 
c'est que le duc qui ne pense pas seul ä tout n'a personne 
qui lui dise le pour et le contre des choses 



76 Neue Mittheiluxgek. 



5- 

Weimar, 10. Nov. 1789. 

.... Notre societe a ete augmentee par les Kalbs. Le 
ex-president est ici avec sa bonne et charmante petite 
femme, en sa faveur on est bien aise qu'ils soient ici, et 
on n'examine pas la contenance de monsieur, en revenant 
ici; le major de K[alb] est ici pour quelques mois; en 
revanche de ces acquisitions pour notre societe nous per- 
dons mr. de Knebel qui veut passer Thiver ä Anspach, nous 
le regretterons assurement, il s'occupe beaucoup d'une tra- 
duction de Properce.' Ce poete peu connu par les traduc- 
tions doit avoir beaucoup de charmes, ä ce qu'il parait par 
l'ouvrage de mr. de Knebel. 

Goethe est presque enterre pour finir le 6 et 7"^^ volume 
de ses oeuvres, il me dit qu'il se rendrait plus sociable 
ä present. Je suis curieuse si son Tasse vous plaira comme 
a nous; je voudrais qu'il s'enfermat souvent ainsi pour ecrire, 
afin que le monde vit qu'il s'occupe de ce qui proprement 
forme la sphere oü il doit se placer. II est au reste tou- 
jours un peu desavantageusement place envers le public 
qui est tente toujours de lui attribuer ce qui fait du me- 
contentement, je crois qu'il peche plutöt par le silence, que 
par les conseils; les mauvais ne viennent pas de lui vrai- 
semblablement. 

II y a partout des fautes et des erreurs ä redresser; 
vous avez bien raison, je crains, parlant de nous, de dire 
que toute la machine aurait besoin d'etre remontee par 
une nouvelle Organisation, sans quoi il y clochera toujours 
quelque chose. Mais il faut mieux ne pas songer ä ce qu'on 
ne peut changer, au moins ne pas s'en chagriner. 

Mon mari est fort content de son nouveau collegue, 
le vice-president Herder, et cela est reciproque. Un homme 
d'esprit ne serait-t-il pas capable, s'il le veut, d'acquerir 
une routine d'affaires dans un cercle borne comme ce con- 



' Die erste metrische Uebersetzung des Properz ins Deutsche, die 
wir Karl Ludwig von Knebel verdanken, erschien 1798. A. D. Biogr. 
16, 277. Einige an Sophie von Schardt gerichtete huldigende Verse 
in »Knebels literarischem Nachlaß« i, 82. 



Briefe der Frau Sophie v. Schardt an v. Seckendorif. 77 

sistoire? Enfin j'avoue quc je suis charmc que nous avons 
i^^ardc Herder ici . . . . 

Die Gores haben sich -^. Zt. in Gotha niedergelassen, 
Jangzveilen sich dort aber gründlich: y>je suis fdchee que Ja 
delicalesse leur impose Je devoir d'etre cloignes d'ici; je les 
aime heancoup, je les estinie, leurs principes et conduite sont 
irreprochables.« 



Weimar, 5 März 1790. 

.... La pauvre Charlotte Kalb a ete malade tout cet 
hiver, il me semble qu'elle a ete sensible aux soins ami- 
caux de son mari qui ne l'a presque pas quittee; nous avons 
peu joui de leur societe .... 

En revanche nous possedons ici une femme de beau- 
coup d'esprit aussi, mais d'une tournure assez singuliere, 
c'est madame de Trebra ; peut-etre ne la connaissez-vous 
pas, et alors il vous amusera, si j'en fais un petit tableau. 
D'abord eile plait par une physionomie aussi spirituelle que 
sa conversation a d'agrements par la vivacite et la variete 
qu'elle sait y mettre; eile Interesse sans attacher, voilä un 
contraste qui resulte, je crois, de ceux qui se trouvent dans 
son etre; eile a Pair male, eile monte des chevaux fringants 
et indomptes, eile a les nerfs d'une faiblesse d'entant, eile 
est obligee de regarder ses cartes ä travers des lunettes et 
eile vous menera dans sa chaise ä travers les plus mauvais 
chemins, eile est d'une gaiete extreme, mais eile porte 
toujours le deuil depuis la fin tragique de sa mere et soeur, 
eile se pique de philosophie, cependant eile existe dans la 
faveur des grands; un regard propice d'une princesse vous 
attirera sur le champ un sourire de sa part, — ou je me 
trompe fort ou ce ne sera pas eile qui ira rechercher le favori 
disgracie. Son mari est appele sans cesse mr. de Weimar 
et il n'est qu'une bonne patte d'homme, il a jure aux 
patriotes, et eile adore la maison d'Orange. Ce sont ces 
contrarietcs qui contrarient, je crois, les sentiments dont 
son merite et ses agrements previennent pour eile; eile 
est bien desirable dans un petit cercle de societe, la con- 
versation ne languit point oü eile est. On aime ä Ten- 



jS Neue Mittheilukgen. 



tendre sur toutes les manieres; les riens et la raison et 
les lettres (quoiqu'elle dit que rien n'a jamais approche 
du merite du poeme de la Henriade), enfin des traits de 
finesse, d'esprit, de sens et de bon coeur aussi et de satire 
quelquefois rendent sa conversation vraiment charmante .... 
Pourrais-je vous dire quelque chose d'amusant? — un 
mariage de mr. Schiller et mlle. de Lengefeld! Si le Gel 
leur donne autant d'argent qu'ils ont de l'amour Tun pour 
l'autre, ce sera une sottise de moins qui aurait ete faite, 
mais je crains que ce premier point ne sera pas aussi com- 
plet que le second. II y a quinze jours qu'ils sont maries, 
ainsi on a presque fini d'en parier. Je la plains, car c'etait 
une bien bonne enfant .... 

7- 

Weimar, 5 Juni 1790. 

Mittheiliingen über das Weimarer Leben, sowie das Un- 
wetter und die Ueberschwemmiing, welche die Umgegend vor 
8 Tagen heimgesucht haben. 

Tiefurt a beaucoup souffert ce qui est facheux dans 
ce moment qu'on attend la duchesse qui a voulu partir de 
Venise le 22 mars. Dieu veuille qu'elle ne s'ennuye pas 
trop ici! Ces voyages en Italie n'ont pas fait un bon efFet 
sur ceux qui nous en sont revenus auparavant. Herder nous 
a cause beaucoup d'inquietude, ayant fait une longue ma- 
ladie dont il est retabH ä present, mais non d'une melan- 
colie qui le quitterait, je crois, s'il pouvait demeurer sous 
le beau ciel de Naples. Le pauvre Grave' pourtant s'est 
tue sous ce ciel-lä ! Heureux qui content de la sphere 011 
le destin l'a place : 

»garde toujours une esperance 
pour l'opposer au noir chagrin, 
pour les revers un front serein, 
pour Tinstant une jouissance, 
un desir pour le lendemain.« .... 

' Der Kammersänger Grave, der die Herzogin Anna Amalia nach 
Italien begleitete, endete im November 1789 in Neapel durch Selbst- 
mord. Goethe-Jahrbuch, 12, 131. 



Briefe der Frau Sophie v, Schardt ax v. Sixkexdorff. 79 

8. 

Weimar, 28 Juli 1790. 

.... Notre societe a ete animee par beaucoup d'etran- 
gers qui sont venus passer ici et la rcputation litteraire 
de Weimar nous a encore attirc ici un Anglais qui etant 
maitre de son temps et de sa fortune veut passer' l'hiver 
ici pour apprendre l'allemand. 

Le club italien, c'est ä dire la socictc des personnes qui 
ont ete en Italic, sera bientöt complet, lorsque mr. Goethe 
retournera de Silesie avec le duc. Ce club italien regarde 
un peu en pitie ceux qui n'ont pas vu ce ciel et cette terre: 
mais qu'y faire? ne voyage pas qui veut et peut-etre tant 
mieux. Cependant nous avons le plaisir de regarder toutes 
les belies estampes, tableaux, dessins qu'on a apportes de 
ce sejour de toutes les Muses, de toutes les Gräces pro- 
tectrices des arts .... 

9- 

Weimar, 8 April 1791. 
Verschiedene Fremde haben sich neuerdings in Weimar 
niedergelassen: so ein Herr von Oldershausen, »riche comme 
Cresusff. und die Gräfin Werthern von BeichJingen' »qui croit 
ici sans doute retablir sa sante et secher ses pleurs, eile 
en a dejä repandu beaucoup plus que la matrone d'Ephese 
dont le mari etait plus aimable que le comte Werthern, 
mais dont eile avait moins de merite, en le pleurant, que 
n'a la comtesse.« En revanche nous avons une autre veuve 
heureuse et gaie, c'est mme. de Lichtenberg, mais qui 
cependant ne trouve pas goüt ä cet etat, car eile va se 
marier au mois prochain .... 

Le beau monde a ete afflige hier par le depart de notre 
troupe de comediens que mr. ßellomo mene ä Graz. 
Mr. Goethe prend une espece de direction du theatre 



' Mr. Parsons. Dihitier, Zwei Bekehrte, 3 5 3 ff. 

* Wohl die Wittwe des 1790 verstorbenen preußischen Staats- 
ministers Johann Georg Grafen von Werthern-Beichlingen, Christine, 
geb. von Globig. Kneschke, Deutsches Adelslexikon, 9, 543. 



8o Neue Mittheiluxgen. 



ici, quoique le directeur proprement dit est un acteur 
Fischer, — et on nous promet quelque chose de bon, peu 
a peu' 

10. 

Weimar, S.Juni 1791. 
.... Weimar va etre bien tranquille et solitaire. Le 
duc est parti hier, la duchesse et ses enfants le suivront 
pour aller ä Eisenach ä la tenue des etats. Leur absence 
sera de 5 ä 6 semaines. Beaucoup de personnes sont allees 
ä la campagne, la Waldner' avec les Herders au Carlsbad, 
eile espere y recouvrer Tusage de ses yeux, mille remedes 
violents qu'elle a pris ayant fait peu d'effet, outre que de 
l'affaiblir singulierement, voilä 4 mois qu'elle n'a pu faire 
son Service, ce qui l'a bien affligee et inquietee .... 

ir. 

Weimar, 14. Dez. 179 1. 

... Je vous assure que cette revolution dont Tesprit 
m'a charmee et entrainee au commencement, parait asteure 
prendre une tournure si malheureuse qu'on n'aime plus 
meme en entendre parier. Ce n'est pas le genie d'une 
liberte juste et raisonnable qui s'est eleve sur les ruines 
de la Bastille, on dirait que c'est un demon malfaisant qui 
se plait ä repandre le desordre et contrarier toutes les voies 
de la prosperite et de la justice 

Dans notre coin paisible nous ne nous ressen- 

tons des meaux de l'espece humaine que par la cherte 
du Sucre que ces pauvres esclaves de S'. Domingue ont 
detruit, — au reste nous cultivons les arts et les amuse- 
ments de la paix. Notre societe est devenue charmante cet 
hiver par le scjour que la famille de Gores y fait ä present. 
Plus on les voit, plus on les connait et plus on gagne 

' Nach dem Wegzuge Josef Bellomo's, der mit seiner Truppe seit 
1784 in Weimar gespielt hatte, übernahm Goetlie die Leitung des neu- 
errichteten herzoglichen Theaters, das am 7. Mai mit Ifflands »Jägern« 
eröffnet wurde. Die Regie lag in den Händen des Schauspielers J. Franz 
Fischer. Vgl. /. Wähle, Das Weimarer Hoftheater unter Goethes 
Leitung. S. 16 ff. 

' Luise Adelaide von Waldner, Hofdame der Herzogin. 



Briefe der Frac Sophie v. Schardt a\ v. Seckkndorfe. 8i 

d'estime et d'amitie pour eux .... Emilie qui fut si belle 
n'a pas une ombre de vanite, de coquetterie, c'est la sim- 
plicite la plus pure, elles sont si bonnes qu'on ne Timagine 
pas, et voilä pourquoi peut-etre on a pu ne pas leur rendre 
toute la justice qui leur est due. Je les vois tous les jours 
et suis assurement impartiale' .... 

Le duc ne nous quittera pas de tout l'hiver, et voilä 
tout'ce que nous pouvons dt^sirer. Nous avons un theätre 
qui doit gagner encore sous la direction de mr. Goethe: 
on va y jouer cette semaine une nouvelle piece qui est 
sortie de sa plume: Der große Kophta,' qui est remplie 
d'esprit et d'interet pour la sc^ne. C'est l'histoire du fameux 
Collier, un peu adoucie, excepte pour le fourbe Cagliostro 
qui y joue le principal röle. 

II y a aussi une societe savante ici qui s'assemble un 
vendredi de chaque mois. II y a [ä] peu pres 12 de nos 
savants et gens de lettre qui la composent et qui ont le droit 
chacun d'y faire la lecture de quelque traite de leur choix.' 
Quelques ignorants et ignorantes sont admis ä les ecouter, 
outre la duchesse qui y est toujours, et l'assemblee est chez 
la duchesse mere. Nous ne derogeons pas, comme vous 
voyez, de notre savante reputation ; moi qui tient ä l'igno- 
rance de plusieurs cötes, j'aime pourtant participer ä la 
science, pourvu que ce ne soit qu'en passant. . . . 

' Im Juni 1792 traten die Gores nochmals eine Reise nach Däne- 
mark und Schweden an, um sich vom October ab dauernd in Weimar 
niederzulassen. Briefe Sophiens vom 27. Mai und 24. August 1792. 

' Die Erstaufführung des »Groß-Cophta« fand am 17. December 
statt. Burhhardt, Das Repertoire des Weimarischen Theaters unter 
Goethes Leitung, 4. 

5 Ueber die von Goethe im Sommer 1791 gegründete Freitags- 
Gesellschaft, die am 9. Sept. ihre erste Sitzung hielt, vgl. Schüddekopfs 
Mittheilungen im Goethe-Jahrbuch XIX, 14 ff. 



^^ 



GoSTUr-jAHRBCCH XXV. 



82 Neue Mittheilungen. 



2. EIN BRIEF CHARLOTTE KESTNERS AN GOETHE 
AUS DEM JAHRE 1803. 

Mitgetheilt von O. Ulrich. 

Aus Düntzers Aufsatz über »Charlotte Buff und ihre 
Familie« ' ist bekannt, daß Charlotte sich nach dem Tode 
ihres Mannes, im Jahre 1803 von Wetzlar aus brieflich an 
Goethe gewandt hat. Die Antworten des Dichters auf den 
Brief der Jugendfreundin (vom 26. October und 23. November 
1803), von denen Düntzer nur ein kleines Bruchstück mit- 
theilen konnte, liegen jetzt vollständig vor;' das Schreiben 
Charlottes aber ist bislang noch nicht veröffentlicht. Eine 
Abschrift desselben wurde nicht lange nach dem Tode des 
Dichters von dem Verwalter des Goethe'schen Nachlasses an 
August Kestner gesandt, der schon damals die Herausgabe 
des Briefwechsels Goethes mit Kestners plante. Er hat aber, 
wohl mit Rücksicht auf seinen Bruder Theodor, den Brief 
seiner Mutter und Goethes Antworten nicht in sein Buch 
aufgenommen. Durch das Vertrauen des Herrn Laves, eines 
Urenkels von Charlotte Kestner, der mir die Benutzung des 
Kestner'schen Familienarchivs in Hannover für ein Lebensbild 
Charlottes gestattet hat, bin ich nun in Stand gesetzt, diesen 
Brief Charlottes hier zu veröffentlichen. 

Wetzlar, den 15. Okt. 180^. 
Solte es Ihnen wohl unangenehm seyn, wenn eine 
Freundin aus den Zeiten Ihrer Jugent einmal ihr Andenken 
bey Ihnen erneuerte? Mehrere Tage überlegte ich, ob 
dieser Brief sollte geschrieben werden, es war mir empfind- 
lich, daß Menschen solche Umstände mit einander machen, 
deren Gesinnungen einst so sehr zusammenstimmten — 
die blos Verhältniße verschiedener Art auseinander gebracht 
haben. Da aber nach meinem Gefühl kein Verhältniß das 
eigentliche oder beßere vom Menschen, deßen Herz und 
Carakter ändern muß, ich mir auch hierin immer gleich 
geblieben bin, und auch von jedem, den ich schätzen soll, 
dieses erwarte, so zweifle ich keineswegs, daß auch mein 
Andenken Ihnen, obgleich nach einer so langen Reihe 
von Jahren, dennoch lieb seyn muß. 



' Vergl. H. Düntzer, Abhandlungen zu Goethes Leben und Werken, 
I. Bd., S. 66, 98. Düntzers Irrthümer werden im folgenden ohne aus- 
drücklichen Hinweis verbessert. 

' G.-J. 1893 (XIV) S. 152. 



Ei\ Brief Charlotte Kestners an Goethi.. 83 

In die augenblickliche Stimmung, diesen Brief zu 
schreiben, sezte mich ein eben gemachter Spaziergang, 
welchen ich ganz allein, da die Sonne seit lange zum 
erstenmal wieder schien, machte. Ich ging, um mich zu 
zerstreuen, was ich in meiner jetzigen traurigen Lage sehr 
bedarf, unsere wunderschöne Gegend durch, kam auf den 
Weg, den wir so oft zusammen giengen, an der Lahn — 
uns unsers Daseyns und der schönen Natur freuten, hier 
dachte ich Ihrer und dieses Briefes. — Wie kränkte mich 
das Gefühl, wenn Verhältniße wirklich solche Verände- 
rungen machen könnten, daß ich Unrecht hatte, einen 
Mann wie Sie oder von Ihrer Größe noch nach meinen 
Empfindungen berechnen zu wollen. — Dem sei wie ihm 
wolle, ich kann in diesem Augenblick meinem Herzen 
keine Gewalt anthun, und so berechne ich Sie nach ehe- 
mahgen Zeiten, und daher wage ich es nicht allein, an Sie 
zu schreiben, sondern mir auch einen Rath und GefäUig- 
keit auszubitten. 

Sie kennen einige meiner Söhne, der lezte, welcher 
sich Ihnen zeigte, ein Arzt, dieser, wie mir nach seinen 
Erzählungen deuchte, war Ihnen nicht gleichgültig, und 
für ihn wünsche ich Sie zu interessiren. Gern wollte ich 
es andern überlassen, meine Kinder zu loben, allein, wenn 
es die Umstände erfordern, so darf doch wohl eine Mutter, 
zumal gegen einen alten Freund, ihres Sohnes im besten 
gedenken und noch dazu, wenn ich Ihnen ehrlich versichere, 
daß ich auch die Fehler derer, welche ich liebe, klar sehe. 
Dieser mein Sohn ist von klein auf ein gescheuter, tüchtiger 
Junge gewesen und hat mit Kraft alles, was er anfing, 
durchgesetzt. Die Arzeneiwissenschaft war seine Wahl, 
und darin hat er auch fleißig gearbeitet. Er studirt und 
reißt schon beinahe sieben Jahre. Gegenwärtig ist er in 
Paris, und der Plan war, diesen Herbst nach Edinburg, da 
den Winter zu bleiben und künftiges Frühjahr über Enge- 
land zurück und sich im Hannoverschen zu etabliren. Die 
letzte Reise hatte ihm der König vergütet, denn für mich 
wäre es zu kostbar geworden. Bei den jezigen traurigen 
Lagen unseres armen Landes ist nun weder daran zu 
denken, daß der König an die Reisen eines jungen Arztes 

6* 



Sa Neue Mittheiluvgex. 



dürfte erinnert werden, noch auch bietet sich sonst für 
diesen Augenblick gute Aussicht bei uns dar. Ich bin also 
bei meinem letzten Aufenthalt in Frankfurt auf den Einfall 
gekommen, auch von mehreren dazu gerathen, da es da- 
selbst zwar nicht an Ärzten fehlt, doch aber an bedeutenden 
kein Überfluß ist, meinen Sohn dahin zu bringen. Mit 
mehreren gescheuten Männern, auch mit ihrer prächtigen 
Mutter habe ich darüber gesprochen, wie die Sache am 
besten anzufangen sey. Denn blos bittweise kann ich mich 
nicht dazu verstehen, und von Theodor darf ich auf dieses 
Mittel noch weniger rechnen, er muß also von Ärzten und 
nicht Ärzten empfohlen werden. Seine Entfernung auch 
die Schwierigkeiten wegen der Korrespondenz eines 
Hannoveraners aus Frankreich machen das Suchen nach 
Empfehlung für ihn selbst sehr schwer, ich habe daher 
dieses Geschäft meist übernommen, und meine Bitte geht 
an Sie um einige Briefe in Ihre Vaterstadt, etwa an Herrn 
Stadtschultheiß Moors, den ich nicht kenne, und der zu 
meinem Zweck ein bedeutender Mann seyn soll, daß Sie 
den jungen Mann kennen und Gutes von ihm erwarten etc. 
Wollen Sie dies thun, mein theurer Freund, und darf ich 
Sie so nennen? Verzeihen Sie mir, wenn ich Ihnen durch 
diese Frage Unrecht thue — allein ich bin durch manche 
Erfahrungen dahin gewiesen vorsichtig zu seyn. Vielleicht, 
wenn ich Ihnen ehrlich gestehen soll, hätte ich von selbst 
diesen Brief nicht gewagt, wenn mir nicht ein vernünftiger, 
guter Mann aus Frankfurt gerathen hätte, mich deshalb an 
Sie zu wenden. Dieser Mann schrieb mir, wenn Ihr Sohn 
das Glück hat, in solchem Grad ein Liebling von Goethe 
zu sein, als dieser Ihr Sohn sein Verehrer ist, so können 
Ihnen Empfehlungen nicht fehlen. Ihre vortreffliche Mutter 
hat Ihnen vielleicht geschrieben, daß sie mich bei sich 
gesehen. Wie erstaunt bin ich über diese Frau! Ihre 
Kräfte an Geist und Körper sind für ihre Jahre ohne Bei- 
spiel. Die Stunden, welche ich bei ihr zubrachte, sind die 
besten, welche ich seit lange rechne, und haben mir Frank- 
furt recht Heb gemacht, werde auch höchst wahrscheinHch, 
wenn der Plan mit meinem Sohn zu Stand kommt, noch 
einige Wochen dahin gehen. Hier bin ich zwar auch durch 



Ein Briei- Charlotte Kestners an Goethe. 85 



meine jüngeren Kinder gehalten, die ich beständig um mich 
habe, deswegen ich Sie bitte, alle Zerstreuung meines Vor- 
trags auf die kleine Gesellschaft zu geben, worunter ein 
achtjähriger Knabe ist, der mir auf der V'ioline vorträgt. 
Nehmen Sie nun noch die wärmsten Wünsche für Ihr 
Wohl und die Versicherung meines immerwährenden 
Interesse für Sie. Charlotte K e s t n e r. 

Diesen Brief, aus dem nach Cioethes \Vort ihr thätiger 
Geist lebhaft hervorblickt, schrieb Charlotte in ihrem väter- 
lichen Hause in Wetzlar, wohin sie sich im Mai des Jahres 
1803 mit ihren drei Töchtern und dem jüngsten Sohne be- 
geben hatte. Nicht nur die Furcht vor den kriegerischen 
Wirren, in die das Kurfürstenthum Braunschweig-LUneburg 
durch das Einrücken der Franzosen im Juni 1803 gestürzt 
wurde, hatte sie veranlaßt, Hannover zu verlassen und bei 
ihrem Bruder Georg eine Zufluclit zu suchen, der seit des 
Vaters Tode die Stelle des Deutschordensamtmanns in \N'etzlar 
verwaltete, sondern vor allem war es die Sorge um die Ge- 
sundheit ihrer zweiten Tochter. Luise, die von klein auf an 
einem Brustübel litt. Aber weder die Luftveränderung noch 
eine Kur in Ems brachte ihr Heilung, und am 18. April 1804 
starb sie in Wetzlar in den Armen der Mutter. 

Der Brief Charlottes an Goethe zeigt, wie sie ihren Aufent- 
halt in Wetzlar benutzte, um für ihren Sohn Theodor zu 
wirken. Er hatte in Jena und Göttingen Medicin studirt, im 
August des Jahres 1803 war er zu einem sechsmonatlichen 
Studienaufenthalt nach Paris gegangen, und nach seiner Rück- 
kehr wollte er sich in Frankfurt als Arzt niederlassen. Um 
in Frankfurt Bürger zu werden und dort die ärztliche Praxis 
auszuüben, mußte er die Zustimmung des Raths gewinnen, 
sich einer Prüfung vor dem dortigen Sanitätsrath unterwerfen 
und geloben, daß er nur eine Frankfurter Bürgers-Tochter 
oder Wittwe heirathen werde. Besonders kam es also darauf 
an, Empfehlungen an die Mitglieder des Frankfurter Raths zu 
bekommen. So wandte sich Charlotte an die Lehrer ihres 
Sohnes in Jena und Göttingen, die ihr zum Theil persönlich 
bekannt waren, und an einflußreiche Aerzte ihres Bekannten- 
kreises mit der Bitte um Empfehlungen. Besonders aber suchte 
sie mit Hilfe ihrer Frankfurter Bekannten — darunter Goethes 
Mutter und die einflußreiche Familie Bethmann — die wich- 
tigsten Rathsherren zu gewinnen. Bei Frau Rath war sie am 
31. August 1803 zum Mittagsessen eingeladen, an demselben 
Tage, als zwei ihrer Söhne, die zum Besuche der Mutter von 
Straßburg nach Frankfurt herübergekommen waren, von ihr 
Abschied genommen hatten, und sie folgte dieser Einladung, 



86 Neue Mittheilungen. 



»um mich zu zerstreuen«, wie sie selbst sagte. Sie kannte 
Goethes Mutter und wußte, daß noch nie eine Menschenseele 
mißvergnügt von ihr weggegangen war. Bald nachher kehrte 
sie nach Wetzlar zurück, und von hier aus wandte sie sich 
nach längerem Zögern, besonders auf den Rath ihres Bruders 
Hans, der als Knabe in lebhaftem Briefwechsel mit Goethe 
gestanden und ihm über Leben und Treiben im deutschen 
Hause getreulich Bericht erstattet hatte, an den Jugendfreund 
in Weimar, hauptsächlich wohl durch die Überlegung be- 
wogen, daß Goethe ihren Sohn von Jena her persönlich kannte 
und ihm sowohl dort wie bei seinem Besuche in Göttingen 
im Juni 1801 ein freundliches Interesse bewiesen hatte. 

Theodors Angelegenheit zog sich noch bis zum folgenden 
Sommer hin. Nachdem er am 30. Mai 1804 vor dem Sanitäts- 
rath in Frankfurt seine medicinische Prüfung abgelegt hatte, 
erhielt er durch Senatsbeschluß vom 5. Juni das Bürgerrecht 
und die Aufnahme als practischer Arzt. ' Nicolaus Schmidt, 
Handelsmann in Frankfurt und Mitglied des Ausschusses löb- 
licher Bürgerschaft, ein guter Freund von Goethes Mutter, der 
stets bereit war, mit Rath und That zu helfen, wo er ihr einen 
Gefallen thun konnte, leistete Bürgschaft, daß Theodor Kestner 
das Heirathsversprechen halten werde, und am 15. Juni 
konnte Frau Aja ihrem Sohne als etwas, das ihn wahrschein- 
lich interessiren würde, mittheilen : * 

»Dein Brief an Stadtschuldheiß Moors hat Wunder ge- 
thann, denn Doctor Kästner ist gleich Examinirt und sodann 
rezipirt und Burger geworden — dir hat Er es also zu ver- 
dancken«. 



Freundliche Mittheilung des Frankfurter Stadtarchivs. 
Schriften der Goethe-Gesellschaft, Bd. 4, S. 260. 




IL Abhandlungen. 



Nausikaa. 



Von- 

Max Morris. 




ür eine Bearbeitung der Fra5:mente zu »Nausikaa« 
ist auch nacli Scherers großer Arbeit noch Raum. 
Ihm lag das Material nur in dem ungenauen Drucke 
Riemers vor, und wir haben also jetzt eine bessere Grund- 
lage, die uns manche Einzelheiten anders und richtiger ver- 
stehen läßt. Das reicht wohl hin, um eine neue Arbeit 
vor dem Vorwurf der Unbescheidenheit zu schützen. Die 
Hauptlinien freilich bleiben hier so, wie sie von Scherer 
(Westermanns Monatshefte, September 1879) entworfen und 
von Theophile Gart (Goethe en Italic, Paris 1881) berichtigt 
sind. Aut Grund der sorgfaltigen Herausgabe des hand- 
schriftlichen Materials durch Suphan (Bd. 10 der Weimarer 
Ausgabe, 1889) hat dann noch Düntzer (Zeitschrift für den 
deut'schen Unterricht, Bd. 4, S. 3i8t^\) Scherers Aufstel- 
lungen unwirsch, aber in einigen Punkten zutreffend revidirt. 
Die Resultate dieser Arbeiten werden hier zusammengefaßt 
und weitergeführt. 

Am 22" Oktober 1786 schreibt Goethe Abends in Giredo, 
einem kleinen Bergneste der Apenninen, in sein Tagebuch: 
»Heute früh saß ich ganz still im Wagen und habe den 
Plan zu dem großen Gedicht der Ankunft des Herrn, oder 
dem ewigen Juden recht ausgedacht. Wenn mir doch der 
Himmel nun Raum gäbe nach und nach das alles aus- 
zuarbeiten was ich im Sinne habe. Es ist unglaublich was 
mich diese acht Wochen auf Haupt- und Grundbegriffe des 
Lebens sowohl, als der Kunst geführt haben. 



90 Abhandlükgen'. 



Sagt ich dir schon daß ich einen Plan zu einem Trauer- 
spiel Ulysses auf Phäa gemacht habe? Ein sonderbarer 
Gedancke der vielleicht glücken könnte.« 

Wie Goethe hier zur Erwähnung seines Nausikaaplanes 
kommt, ist deutHch, Der Dichtungsplan zum ewigen Juden 
führt seine Gedanken zu den mancherlei anderen Entwürfen, 
die ihm diese Reise geschenkt hat, und von diesen drängt 
sich vor Allem der einige Zeit zuvor entstandene Plan zum 
»Ulysses auf Phäa« vor seine Seele. »Ein sonderbarer Ge- 
danke« — das entspricht im damaligen Sprachgebrauch etwa 
unserem : »Ein eigenartiger Gedanke.« Wann und wie die 
Conception stattfand, können wir nicht wissen — von Homer 
ist bis dahin in den Tagebüchern und Briefen der italieni- 
schen Reise nicht die Rede. Eine stille Selbstvergleichung 
Goethes mit Odysseus haben wir im Tagebuch Venedig, 
6. Oktober : »Ich bin recht glückUch und vergnügt seit mir 
Minerva in Gestalt des alten Lohnbedienten zur Seite steht 
und geht.« 

Der Plan des »Ulysses auf Phäa« tritt nach dieser kurzen 
Erwähnung gleich wieder in den Hintergrund ; in Rom und 
Neapel wird er nicht erwähnt. Aber die Seefahrt nach 
Palermo und die Ankunft auf der Wunderinsel führen 
sogleich das Bild des meerdurchfahrenden antiken Helden 
wieder herbei. 

Die Original -Tagebücher der siziUschen Reise sind 
größtentheiis nicht erhalten, wir sind auf ihre Bearbeitung 
m der »Italienischen Reise« angewiesen. Da heißt es denn 
Palermo den 3. April 1787 nach einer Schilderung der Land- 
schaft: »Verzeiht wenn ich mit einer stumpfen Feder aus 
einer Tusch-Muschel, aus der mein Gefährte die Umrisse 
nachzieht, dieses hinkritzle. Es kommt doch wie ein Lispeln 
zu Euch hinüber, indeß ich allen die mich lieben ein ander 
Denkmal dieser meiner glücklichen Stunden bereite. Was 
es wird sag' ich nicht, wann Ihr es erhaltet kann ich auch 
nicht sagen.« Dann am 7. April nach einer köstlichen 
Schilderung des öffentlichen Gartens in Palermo: »Aber 
der Eindruck jenes Wundergartens war mir zu tief gebUeben; 
die schwärzlichen Wellen am nördHchen Horizonte, ihr An- 
streben an die Buchtkrümmungen, selbst der eigene Geruch 
des dünstenden Meeres, das alles rief mir die Insel der 
seligen Phäaken in die Sinne sov^'ie ins Gedächtniß. Ich 
eilte, sogleich einen Homer zu kaufen, jenen Gesang mit 
großer Erbauung zu lesen und eine Uebersetzung aus dem 
Stegreif Kniepen vorzutragen.« Die Zeitangabe »7. April« 
wird durch ein Verzeichniß der Geldausgabe jener Tage 
berichtigt. Danach hat Goethe erst am 15. April den Homer 
gekauft. Unter dem 16. April heißt es dann in der »Ital. 



Nausikaa. 9 1 

Reise« : »Da wir uns nun selbst mit einer nahen Abreise 
aus diesem Paradies bedrohen müssen, so hoffte ich heute 
noch im öffentUchen Garten ein vollkommenes Labsal zu 
linden, mein Pensum in der Odyssee zu lesen, und auf 
meinem Spaziergang nach dem Thale am Fuße des Rosalien- 
bergs den Plan der »Nausikaa« weiter durchzudenken und 
zu versuchen, ob diesem Gegenstande eine dramatische 
Seite abzugewinnen sei. Dies alles ist, wo nicht mit großem 
Glück, doch mit vielem Behagen geschehen. Ich verzeich- 
nete den Plan und konnte nicht unterlassen, einige Stellen, 
die mich besonders anzogen, zu entwerfen und auszuführen.« 
Aus diesen Tagen stammt, was wir von Nausikaa besitzen, 
denn schon unter dem 17. April hören wir: »Es ist ein 
wahres Unglück, wenn man von vielerlei Geistern verfolgt 
und versucht wird! Heute früh ging ich mit dem festen, 
ruhigen Vorsatz, meine dichterischen Träume fortzusetzen, 
nach dem öffentlichen Garten; allein eh' ich mich's versah, 
erhaschte mich ein anderes Gespenst, das mir schon diese 
Tage nachgeschlichen.« Es ist die Idee der Urpflanze. Damit 
versinkt nun der Nausikaaplan für einige Wochen. Erst 
unter dem 7, Mai, Taormina verzeichnet das auf den ver- 
nichteten Original -Tagebüchern beruhende Tage-Register: 
»ich blieb in einem Orangengarten am Ufer des Meeres. 
Nausikaa.« Die Druckfassung der »Ital. Reise« bietet dafür: 
»In einem schlechten verwahrlos'ten Baumgarten habe ich 
mich auf Orangenäste gesetzt und mich in Grillen vertieft . . . 
Und so saß ich, den Plan zu Nausikaa weiter denkend, 
eine dramatische Concentration der Odyssee, Ich halte sie 
nicht für unmöglich, nur müßte man den Grundunterschied 
des Drama und der Epopöe recht ins Auge fassen.« 

Außer dem Bericht in der »Ital. Reise« erzählen uns 
noch einige gleichzeitige Briefstellen von dem meteorartig 
aufleuchtenden und verschwindenden Plan. An Friedrich 
V.Stein, Palermo 17. April 1787: »Ich wünschte dir, daß du 
die Blumen und Bäume sähest, und wärest mit uns überrascht 
worden, als wir nach einer beschwerlichen Ueberfahrt am 
Ufer des Meeres die Gärten des Alcinous fanden.« — Am 
folgenden Tage an Frau v. Stein: »Was ich Euch bereite, 
geräth mir glücklich, ich habe schon Freudenthränen ver- 
gossen daß ich Euch Freude machen werde.« — An Seidel, 
15. Mai: »Was ich machen kann wird man vielleicht aus 
einem Stück sehen, das ich auf dieser Reise erfunden und 
angefangen habe.« — An Frau v. Stein, 8. Juni : » . . . auch 
haben sich neue Sujets zugedrängt die ich ausführen muß 
denn das Leben ist kurz.« Leider zu kurz für unseren Dich- 
tungsplan, der von anderen Eindrücken, Plänen, Arbeiten 
verarängt wurde. — 



^2 Abhandlungen. 



Goethe hat das Schema der Handlung skizzirt, ehe er 
am 15. April sich den Homer verschaffte. Das verrathen 
die Namen. Aus getrübter Erinnerung gibt er in den Skizzen 
der Tochter des Alkinoos den Namen Arete, den bei Homer 
ihre Mutter führt, und für die Vertraute wählt er den 
frei erfundenen Namen Xanthe. Die Skizzen liegen also 
vor dem 15. April; dagegen sind die meisten ausgeführten 
Verse erst nacn diesem Tage entstanden, denn die zu I. 3 
entworfenen Verse haben schon auf Grund der frischen 
Homerlektüre die richtigen Namen Nausikaa und Euryme- 
dusa, und viele andere Stellen sind in engem Anschluß an 
bestimmte Homerverse ausgeführt. 

In der vierzig Jahre später unter seinen Augen von 
Kräuter angefertigten Reinschrift hat nun aber Goethe doch 
wieder den Namen Arete stehen lassen, so daß gegenwärtig 
das Drama »Nausikaa« heißt, während gleich die ersten 
Worte lauten : »Aretens Jungfrauen«. Wir lassen hier den 
ausgeführten Text und die Skizzen unangetastet, setzen aber 
bei der Erläuterung für »Arete« überall »Nausikaa« ein. 

Versuchen wir nun, wie w^eit sich aus einigen wenigen 
ausgeführten Scenen und aus Trümmern, Skizzen, Scenar- 
formeln das Scheinbild eines Ganzen herstellen läßt. 

Bei dem Versuch, den Gang der Handlung aufzubauen, 
haben wir Entsagung zu üben und müssen darauf ver- 
zichten, die Reden und Argumente auszumalen, wo kein 
Material dazu vorliegt. Einen Antrieb zur Ergänzung des 
Gebotenen wird die Phantasie des Lesers in Goethes Skizzen 
finden, die hier, durch Cursivdruck sich abhebend, unver- 
ändert eingefügt sind. Die Suggestivkraft dieser gedrängten 
Formeln wird es dem Leser hoffentlich ermöglichen, die 
Scenen genauer und farbiger vor sich zu sehen, als ich sie 
hier zeichnen durfte. Zu weiterer Belebung des Gesammt- 
bildes werden auch die ausgeführt vorliegenden Verse 
sämmtlich aufgenommen. 

ERSTER AUEZUG. 

Erster Aufiriii. 

Aretens Jungfrauen, eine schnell nach der andern. 
Erste (suchend). 

Nach dieser Seite flog der Ball! — Er liegt 

Hier an der Erde. Schnell fass' ich ihn auf 

Und stecke mich in das Gebüsche! Still! (Sie verbirgt sich.) 



Zweite. 
Dil hast ihn fallen sehn? 



Nausikaa. 93 

Drille. 

Geiuiß; er liel 
Gleich hinter dies Gesträuch im Bogen nieder. 

Zzvcilc. 
Ich seh' ihn nicht! 

Drille. 

Noch ich. 

Ziueile. 

Mir schien, es lief 
Uns Tyche' schon, die schnelle, leicht voraus. 

Erste. 

(ans dem Gebüsche lugteich rufend und werfend.) 
Er kommt! er trifft! 

Zweite. 
Ai! 
Dritte. 
Ai! 

Erste (Jjervor tretend). 

Erschreckt Ihr so 
Vor einer Freundin? Nehmt vor Amors Pfeilen 
Euch in Acht, sie treffen unversehener 
Als dieser Ball. 

Zweite (den Ball aufraffend). 

Er soll! er soll iiir Strafe 
Dir um die Schultern fliegen. 

Erste (laufend). 

Werft! ich bin schon weit! 

Dritte. 
Nach ihr! nach ihr! 

Zzueite (wirft). 

Er reicht sie kaum, er springt 
Ihr von der Erde nur vergebens nach. 
Komm mit! Geschwind! daß wir des Spiels so lang 
Als möglich ist genießen, frei für uns 
Nach allem Willen scher:(en! Denn ich furchte 
Bald eilt die Fürstin nach der Stadt :^uruck. 



1 Vxxr»Tyche« hieß es in der Handschrift ursprüngHch « TnTc/.'^« - 
offenbar ein falsch gebildetes Femininum von xpaxu?. 



94 Abhandlungen. 



Sie ist seit diesem heitern Frühlingsabend 
Nachdenklicher als sonst und freut sich nicht 
Mit uns ^u lachen und :(u spielen, wie 
Sie stets gewohnt war. Komm! Sie rufen schon. 

Zweiter Auftrat. 

Ulysses (aus der Höhle tretend). 

Was rufen mich für Stimmen aus dem Schlaf? 
Wie ein Geschrei, ein laut Gespräch der Frauen 
Erklang mir durch die Dämmrung des Erwachens. 
Hier seh' ich niemand! Scher:(en durch' s Gebüsch 
Die Nymphen} oder ahmt der frische Wind, 
Durch s hohe Rohr des Flusses sich bewegend, 
Zu meiner Qual die Menschenstimmen nach? 
Wo bin ich hingekommen? Welchem Lafide 
Trug mich der Zorn des Wellengottes ^u? 
Ist's leer von Menschen; wehe mir Verlass'nem! 
Wo will ich Speise finden, Kleid und Waffe? 
Ist es bewohnt von rohen, unge:(ähmten. 
Dann wehe doppelt mir! dann übt aufs Neue 
Gefahr und Sorge dringend Geist und Hände. 
O Noth! Bedürfniß o! Ihr strengen Schwestern 
Ihr haltet, eng begleitend, mich gefangen! 
So kehr' ich von der zehenjähr'gen Mühe 
Des wohlvollbrachten Krieges wieder heim. 
Der Städtebändiger, der Sinnbe^zuinger! 
Der Bettgenoß unsterblich schöner Frauen! 
Ins Meer versanken die erworbnen Schätze, 
Und ach, die besten Schät:{e, die Gefährten, 
Erprobte Männer, in Gefahr und Mühe 
An meiner Seite lebenslang gebildet. 
Verschlungen hat der tausendfache Rachen 
Des Meeres die Geliebten, und allein. 
Nackt und bedürftig jeder kleinen Hülfe, 
Erheb' ich mich auf unbekanntem Boden 
Von ungemess'nem Schlaf. Ich irrte nicht! 
Ich höre das GeschwätT^ vergnügter Mädchen. 
O daß sie freundlich mir und :(arten Her^^ens 
Dem Vielgeplagten doch begegnen möchten, 
Wie sie mich einst den Glücklichen empfingen! 
Ich sehe recht! die schönste Heldentochter 
Kommt hier, begleitet von bejahrtem Weibe, 
Den Sand des Ufers meidend nach dem Haine. 
Verberg' ich mich so tätige, bis die Zeit 
Die schickliche, dem klugen Sinn erscheint. 



Nausikaa. 95 

Die erste Scene ist hervorgegangen aus Od. 6, 115 ff.: 

Hierauf schwang die Fürstin den Ball auf Eine der 

Mädchen, 
Doch sie verfehlte das Mädchen und warf in die Tiefe 

des Strudels; 
Laut nun kreischten sie auf. Da erwacht' aus dem 

Schlummer Odysseus. 

Den Erwägungen, durch die Goethe von hier aus zu 
seiner Scene gelangte, kann man leicht nachgehen. Nach 
dem Kreischen mußte die Bühne für den Monolog des 
Odysseus geräumt werden. Die Königstochter mit allen 
ihren Mägden nach einer kurzen Einleitungsscene wieder 
abgehend — das wäre recht schwerfällig geworden. Goethe 
läßt also nur einige Mädchen über die Scene huschen. 
Und weil ein Ball, der ins Wasser fliegt, scenisch nicht 
recht wirksam ist, so bringt Goethe das geforderte Kreischen 
lieber durch eine Neckerei zu Stande, mit der ein Mädchen 
die beiden anderen erschreckt. Damit ist nun Nausikaas 
Auftreten für ihre entscheidende Begegnung mit Odysseus 
aufgespart. Unsere Scene bringt in ihren letzten Versen 
auch noch ein Stückchen Exposition: Nausikaas nachdenk- 
liche Stimmung, eine Folge des Traums, von dem die 
dritte Scene weiter berichtet. Dazu endlich ein ahnungs- 
voller Vorklang der Gesammthandlung in dem Vergleich 
des Balls mit Amors Pfeilen, die noch unversehner treffen. 
Es steckt viel Kunst in der kleinen, anspruchslosen Er- 
öffnungsscene. 

Nun das Selbstgespräch des Ul3^sses oder Ulyß — so 
nennt ihn Goethe wie in »Iphigenie«, weil diese Form 
besser in den jambischen Rhythmus paßt. Es ist erwachsen 
aus Od. 6, 119 ff.: 

Weh mir, in welches Gebiet der Sterblichen jetzo 

gelang' ich? 

Sind's unbändige Horden der Frevler, wild und ge- 
setzlos? 

Sind sie den Fremdlingen hold und hegen sie Furcht 

vor den Göttern? 

Eben wie Mädchenstimm' umscholl ein helles Ge- 
kreisch mich, 

Gleich der Nymfen, die rings hochscheitliche Berge 

bewohnen, 

Und Urquellen der Ström', und grünbekräuterteThäler! 

Bin ich vielleicht hier nahe bei redenden Menschen- 
kindern? 

Aber wohlan, laß selber mich hingehn, und es er- 
kunden! 



96 Abhaxdluxgek. 



Diese Zweifel bringt auch Goethe in der ersten Hälfte 
seines Odysseusmonologs und belebt dabei die Decoration 
mit den Worten: 

oder ahmt der frische Wind, 
Durch' 5 hohe Rohr des Flusses sich bewegend, 
Zu meiner Qual die Menschenstimmen nach? 

Die zweite Hälfte des Monologs bringt einen Ex- 
positionsrückblick auf die Ereignisse seit der Abfahrt von 
Troja, wie ihn der Dramatiker für seine Zwecke braucht. 
Bei der Redaction des Monologs sind einige Verse aus- 
gefallen. Sie lauten im ersten Entwurf: 

Hier unter diesen Blättern lag der Mann 

der viel . Gleich einem Funchen pp. 

In zweiter Fassung: 

Und zuie der arme let:(te Brand 

von großer Heerdes Glut mit Asche 

des Abends überdeckt luird daß er Morgens 

dem Hause Feuer gebe, lag 

in Blätter eingescharrt . . . 

Das schöne Bild stammt aus Homer 5, 486 ff: 

Freudig schaut' er das Lager, der herrliche Dulder 

Odysseus, 

Legte sich mitten hinein, und übergoß sich mit Blättern. 

"Wie wenn einer den Brand in dunkeler Asche verbirget, 

Ganz am Ende des Feldes, dem nicht anwohnet ein 

Nachbar, 

Samen der Glut sich hegend, daß nicht bei Entfernten 

er zünde. 

Also verbarg Odysseus im Laube sich. — 

Die letzten Verse des Monologs leiten zur dritten 
Scene über, von der wir einen erheblichen Theil im ersten, 
noch ungeglätteten Entwurf besitzen: 

NAUSIKAA. EURYMEDUSA. 

Nausikaa. 

Laß sie nur immer scher:(en, denn sie haben 
schnell ihr Geschäft verrichtet. Unter Schwät^ien 
und Lachen, spülte frisch und leicht die Welle 
die schönen Kleider rein. Die hohe Sonne 
die allen hilft vollendete gar leicht 
das Tagewerck. Gefaltet sind die Schleyer, 
die langen Röche deren Weib und Mann 
sich immer, reinlich wechselnd, gern erfreut. 
Die Körbe sind geschlossen; leicht und. sanft 
Bringt der bepachte Wagen uns :{iir Stadt. 



Nausikaa. 97 

(Eurymedusa). 

Ich gönne ^ern den Kindern ihre Lust 

Und was Du zuillsl geschieht. Ich sah dich still 

Bey seit am Flusse gehen keinen Theil 

am Spiele nehmen Jiur gefällig ernst 

Zu dulden mehr als dich ^u freuen. Diess 

Schien mir ein Wunder. 

(Nausikaa). 

Gesteh ich dir geliebte Hertens freundinn 

Warum ich heut so früh in deitie Kammer 

getreten bin warum ich diesen Tag 

so schön gefunden unser weibliches 

Geschäft so sehr beschleunigt habe Roß und Wagen 

von meinem Vater .... tnir erbeten . . . 

wenn ich jet7t auch still und denckend bin 

so wirst au lächeln denn mich hat ein Traum 

ein Traum verführt der einem Wunsche gleicht. 

(liurymedusa). 

Er:^ähle mir denn alle sind nicht leer 
(die nächtlich leichten Bilder) 
und olme Sinn die flüchtigen Gefährten 
der Nacht. Bedeutend fand ich steets 
die sanften Träume die der Morgen uns 
ums Haupt bewegt. 

(Nausikaa). „ , „ .. 

^ '' So war der meine. Spat 

noch wacht ich denn mich hielt das Sausen 

des ungeheuren Sturms nach Mitternacht 

noch munter . . . 

Es ist der von Poseidon erregte Sturm, dem Ulyß 
entronnen ist. Den Traum haben wir Od. 6, 25; Athene 
spricht zu der schlafenden Nausikaa in Gestah einer 
Jugendfreundin : 

Welch ein lässiges Mädchen, Nausikaa, bist du der 

Mutter! 
Alles Gewand, so wert der Bewunderung, liegt dir 

verwahrlost; 
Und bald steht die Vermählung bevor, wo Schönes 

du selber 
Anziehen mußt, und reichen den Jünglingen, wenn 

man dich heimfühn; 
Denn aus solchem ja geht ein Gerücht aus unter die 

Menschen, 
Das uns ehrt; auch den Vater erfreut's und die 



liebende Mutter. 



Goethe- Iahrbucb XXV. 



98 Abhandlungex. 



Eilen wir denn zur Wäsche, sobald der Morgen sich 

rötet. 
Ich als deine Gehülfin begleite dich, daß du geschwinder 
Fertig seist; denn wahrlich du bleibst nicht lange 

noch Jungfrau. 
Denn schon werben um dich die Edelsten unter dem 

Volke 
Aller Fäaken umher, da du selbst von edler Geburt 

bist . . . 

Also »ein Traum, der einem Wunsche gleicht« von 
Brautzeit und Brautschatz. Zu weiterer Ergänzung der 
Scene haben wir das Scenar und einige vereinzelte Verse. 
Xanthe. Frühling neu. Arete. Bekänntniß. Bräuti- 

fanis Zeit Vater Mutter. Danach sollte Nausikaas Be- 
enntniß von ihren Wünschen und Hoffnungen ursprünglich 
anders eingeleitet werden, als jetzt in den entworfenen 
Versen. Nicht von ihrer versonnenen Stimmung und ihrem 
Traum, sondern von der blühenden Landschaft umher und 
der Frühlin^sstimmung wollte Goethe anfänglich zum 
Thema der Scene gelangen, zu den im Busen der Jungfrau 
aufsteigenden Ahnungen und Wünschen. Bräutigams Zeit 
Vater Mutter. Gewiß deutet das, wie Scherer annimmt, 
auf Erzählungen des Vaters von seiner Bräutigamszeit. 
Auch an verlobten Paaren hat Nausikaa staunend wunder- 
bare Empfindung gesehen: 

Dann schweigen sie und sehn einander an. 

Und so quillt ihr selbst ein unverstandenes Sehnen auf: 

Geliebte schilt die stille Trähne nicht, 
die mir vom Auge fließt. 

Nausikaa ist also reif für die größte Erfahrung, die 
ein Mädchenherz zu machen hat. So fließt das vertraute 
weibliche Gespräch. Und nun, in jähem Contrast, die 
große Scene: 

4. Die Vorigen. Ulyß. Bei Homer ist Ulyß nackt, 
und der starke hilfeflehende Mann bildet so mit dem hilfe- 
gewährenden jungen Mädchen eine Gruppe von der stärksten 
poetischen Eindruckskraft. In einem aufführbar gehaltenen 
Drama kann Ulyß nicht ganz nackt hervortreten, also hat 
er wohl hier von Sturm und Wellen zerfetzte Reste seiner 
Kleidung am Körper bewahrt. Scherer sucht die kleine 
Schwierigkeit anders zu lösen: »Vielleicht spricht er aus 
der Höhle heraus über einen halb bedeckenden Stein vor- 
gebeugt.« Aber er ist ja schon in der zweiten Scene vor 
die modernen Zuschauer getreten, die weit empfindlicher 



Nausikaa. 99 

sind als eine antike Königstochter. Also ganz ohne Kleider 
geht es wohl nicht. Die Bittrede hätte Goethe natürlich 
nachbildend und umformend aus Od. 6, 149 ff. geschaffen. 
Aus Nausikaas Antwort hat er einiges skizzirt: Gärten des 
Vaters erstes Bedürfniß Kleid Hunger Durst 
Angesehn. Zu Grunde liegen die Homerverse: 

Jetzt denn, da unserem Reiche in diesem Lande du 

nahest, 
Soll dir's weder an Kleidung noch etwas Anderem 

mangeln, 
Was ein nahender Fremdling im Elend billig erwartet . . . 
Auf nun, stärkt, ihr Mädchen, mit Trank und Speise 

den Fremdling ; 
Laßt auch im Strom ihn baden, wo Schutz umher vor 

dem Wind ist. 

Zu der Formel Gärten des Vaters haben wir die aus- 
geführten Verse: 

In meines Vaters Garten soll die Erde 

Dich unigetriebnen vielgeplagten Mann 

Zum freundlichsten empfangen . . . 

Das schönste Feld hat er sein ganzes Leben 

Bepflanzt gepflügt und erndtet nun im Alter 

Des Fleißes Lohn ein tägliches VergniXgen 

Dort dringen neben Früchten wieder Blüten 

Und Frucht auf Früchte wechseln durch das Jahr 

Die Pommeran^^e die Citrone steht 

Im duncklen Laube und die Feige folgt 

Der Feige. Rings beschützt ist rings umher 

Mit Aloe und Stachelfeigen 

Daß die verwegne Ziege nicht genäschig . . . 

Dort wirst du in den schönen Lauben wandlen 

An weiten Teppichen von Blumen dich erfreun 

Es rieselt neben dir der Bach geleitet 

Von Stamm :(^u Stamm der Gärtner träncket sie 

Nach seinem Willen . . . 

Hier fließt Homers Schilderung von dem Garten des 
Alkinoos in eins zusammen mit der den Dichter umgebenden 
Wirklichkeit, während er im öffentlichen Garten von Palermo 
die Verse im Skizzenheft aufzeichnete. Ital. Reise, Palermo, 
3. April: »In einem öffentlichen Garten stehn weite Beete 
von Ranunkeln und Anemonen.« 7. April: »Grüne Beet- 
einfassungen umschließen fremde Gewächse, Citronenspaliere 
wölben sich zum niedlichen Laubengange.« 19. April: 
»reiche Teppiche von amarantrothem Klee.« Auch die Ein- 
fassung des Gartens mit einem Zaun von Aloe und Stachel- 



100 Abhandlungen. 



feigen ist ein frischer sizilischer Eindruck; bei Homer ist 
der Garten des Alkinoos vielmehr mit einer Mauer um- 
geben. Das Entzücken des Dichters über seine köstliche 
Umgebung weht mit warmem Hauch aus den Versen, und 
die Worte 

Die Pommeran^e die Citrone steht 
Im duncklen Laube 

haben sich später in Mignons Lied zur Vollendung entfaltet. 
Nun das letzte Wort der Skizze : Angesehn. Das schließt 
sich an Homers örieTxo be Koupri an. Od. 6, 236: 

Jetzo saß er, zur Seite gewandt, am Gestade des 

Meeres, 
Strahlend in Schönheit und Reiz. Mit Bewunderung 

schaute die Jungfrau. 

Also Nausika wirft — etwa im Abgehen — unschuldig 
und natürhch einen warmen, freundlichen Bhck auf Ulyß. 
Und nun folgt : 

5. Ulyß. Vorsicht seines Betragens. Unverheurathet. 
Dazu sagt Scherer: »Daß Ulysses mit Bewußtsein speciell 
auf Nausikaas Neigung speculire, ist absolut ausgeschlossen, 
wie jedermann zugeben wird.« Aber Scherer lag eben das 
Angesehn der vorigen Scene nicht vor, das in Riemers Druck 
fehlt. Es ist nicht anders : Der Kluge, Vielerfahrene hat 
den freundHchen Bhck des unschuldigen Mädchens auf- 
gefangen und in seiner hilflosen Lage darf er sich keines 
Vortheils begeben. Er gibt sich für unverheirathet, um den 
Antheil der Königstochter nicht zu verlieren, und wird so 
an Allem, was daraus erfolgt, ganz ei^enthch schuldig. Von 
seinem Monolog hegen nur einige Verse vor : 

Zuerst verberg ich meinen Nahmen. Denn 
Vielleicht ist noch am Nahmen nicht so 

so jeden 
Und dan klang der Nähme 
Ulysses wie der Nähme jedes Knechts. 

Zweiter Aufzug. 

I. Alkinous. Früchte vom Sturm herunter geworfen. 
Blumen :(erstört. Latten an:(unageln ^u befestigen. Sohn. 
Tochter. Wir sind also im Garten des Alkinoos, und er ist 
beschäftigt, die Schäden zu bessern, die der von Poseidon 
erregte Sturm angerichtet hat. Sohn. Tochter. Er überdenkt 
als ein behagUcher Hausvater seine häusliche Existenz. Die 
Mutter läßt Goethe als todt bei Seite, damit Nausikaa in 
ihren Herzenswirren ohne ihre natürliche Vertraute dasteht, 



N'ausikaa. 10 1 

die sonst vielleicht dem unheilvollen Ausgang hätte vor- 
beugen können. 

2. Alkinons. Sohn. Geschichte Beschreibung des 
Sturms. Abfahrt. Delphinen pp. Der Sohn kommt also 
von einer Seefahrt zurück. Die Abfahrt geschah bei heiter- 
stem Himmel, Delphine zogen hinter dem Schiff her, wie 
das Goethe eben erst auf der Fahrt von Neapel her gesehen 
hatte. Und nun folgt die Geschichte Beschreibung des Sturms, 
der ja, vom Meergott zu bestimmtem Zwecke erregt, plötz- 
lich einsetzt und mit grauenhafter Wuth tobt, so daß er 
auch diesen Meeranwohnern als ein seltsamer, erzählens- 
werther Vorgang erscheint. 

3. Die V'or]gen. Arete. Dazu die Skizze: Tochter. 
Wäsche selbst jiir den Fater bereitet sie erblickt Ulyssen. 
Bei Homer tritt Odysseus in den Saal, wo die Edlen der 
Phäaken in Gegenwart des Königs beim Mahle sitzen, und 
umfaßt die Kniee der Königin. Goethe zieht die Scene 
ins Bürgerlich-Häusliche: Odysseus findet Alkinoos mit Sohn 
und Tochter im Garten. Das hcäusUche Gespräch ist wohl 
gerade bis zum Bericht der Tochter über den angekom- 
menen Fremdling gelangt, als sie den herantretenden Ulyß 
erblickt. 

4. Die Forigen. Ulyß. Skizze : Ulyß als Gefährte des 
Ulyß. Aufnahme. Bitte der Heimfahrt. Beratung des 
nötigen. Hier gibt Ulyß als angeblicher Gefährte des Ulyß 
eine kurze Schilderung seiner eigenen Schicksale seit dem 
Brande von Troja. Eine umfangreiche Erzählung ist durch 
die Anforderungen des Dramastils ausgeschlossen. Wie bei 
Eumaios führt sich Ulyß in einer erfundenen Rolle ein. 
Uebrigens steht der Plan Ulyß als Gefährte des Ulyß nicht 
im Einklang mit seinen monologischen Erwägungen am 
Schlüsse des ersten Aktes, wo er den Namen Ulyß über- 
haupt nicht nennen wollte. Das ist also eine kleine Plan- 
änderung, die Goethe während der Niederschrift des Ent- 
wurfs vornahm. — Ulyß kommt als Hilfloser, Bittender, 
und so sagt eine Notiz zur Ausführung : Ulyß Gegensatz 
ein Man der Mit Geiualt komt der mit Reichthum kommt. 
Die Meinung der gutmüthigen Gastfreunde ist wohl, daß 
ihnen der hilflose, schutzflehende AnkömmHng lieber ist, als 
einer, der mit Gewalt kommt, und daß selbst der Ankömmling 
mit Schätzen nicht immer bequem und ungefährlich ist. 
Außtahme. Die Aufnahme ist wohlwollend, so daß sich 
gleich die Bitte der Heimfahrt von Seiten des Ulyß und die 
Beratung des nötigen zv^'ischen Vater und Sohn anschließen 
kann. Alkinoos und Nausikaa entfernen sich: Alkinoos, um 
die Aeltesten des Volkes zur Berathung über die Ange- 
legenheit des Fremdlings zusammen zu berufen, Nausikaa, 



102 Abhandlukgen. 



um die dabei erforderlichen häuslichen Anordnungen zu 
treffen. Es bleiben zurück: 

5. Uliss. Neoros. So also nennt Goethe den Sohn. 
Homer hat für die Brüder der Nausikaa die Namen Lao- 
damas, HaUos, Klytoneos. Das war aber Goethe hier nicht 
gegenwärtig, da die Skizzen vor der erneuten Homer- 
lektüre entstanden sind, und er hat deshalb den in der 
griechischen Literatur nicht vorkommenden Namen Neoros 
erfunden. Er gibt der Nausikaa nur diesen einen Bruder, 
weil das Drama, im Stile neben Iphigenie und Tasso stehend, 
ganz wenige Personen vorführt und ihre Herzensver- 
wirrungen entwickelt. Die Skizze der Scene lautet: Frage 
nach seinen Schicksalen Bitte seinfemj Gefährten :(u helfen. 
Also Neoros begehrt, die Schicksale des FremdUngs zu 
erfahren, Ulyß theilt mit, was ihm davon kundzugeben 
zweckmäßig scheint, und bittet den Königssohn, seinem 
Gefährten, d. h. dem Ulyß, zu helfen. 

Dritter Act. 

I. Arete Xanthe. Dazu die Skizze: [Aussuchen der 
Kleider und GeschenckeJ' Lob des Ulyß Eröffnung der 
Lädenschaft. Das Aussuchen der Kleider und Geschenke 
für Ulyß hat Goethe hier gestrichen, weil in der nächsten 
Scene davon die Rede ist. Xanthe (oder Eurymedusa) hat 
hier ganz die Rolle der Confidente im französischen Drama, 
dem ja unsere Dichtung gerade wie Iphigenie in der Ge- 
sammtform verwandt ist. Nausikaa spricht also der ver- 
trauten Dienerin ihre Neigung, ihre Leidenschaft für Ulyß 
aus. Von Fausts Gretchen her wissen wir, wie köstlich in 
Goethes Tönen solche Hingabe eines unbewachten Herzens 
an den von einem stattlichen Fremden ausstrahlenden 
Zauber khngt. Hier ist es ganz ähnHch. Dieselbe un- 
schuldige Anmuth fließt dort aus Gretchens einfacher, 
volksmäßiger Art und hier aus den natürlichen Zuständen 
eines jungen Volkes und aus dem in Goethes Dichtung 
bewahrten Abglanze des homerischen Stils. In beiden Fällen 

felangt die Bewegung eines jungen, unschuldigen Menschen- 
erzens in einem congenialen Stile zum Ausdruck durch 
einen Dichter, der an dem Gewinn einer vorgeschrittenen 
Kultur seinen vollen Antheil nimmt und dabei doch das Erb- 
theil der naiven Poesie bewahrt, wie das Schiller bewundernd 
empfand. Und wir brauchen uns den Ton dieser Scene 
nicnt unfruchtbar construirend auszumalen, wir haben einige 
wundervolle Verse daraus. Statt Eurymedusa und Xanthe 
probirt Goethe hier einen neuen Namen der Vertrauten. 

' Gestrichen. 



Nausikaa. 103 

(Nausikaa). 

IVas sagst du Tyche hältst du ihn für jung 

(Du hältst ihn doch für jung sprich Tyche sprich.) 

(Tyche). 

Er ist wohl jung genug denn ich bin alt. 
Und immer ist der Mann ein junger Mann 
Der einem jungen Weibe wohl gefällt. 

Köstlich sind die zwei so fein ausweichenden und 
menschlich zutreffenden Gründe der Vertrauten. Alt ist 
auch Eurymedusa bei Homer (7, 8). 

2. Die vorige fn]. Neoros. Dazu Skizze: Neoros Lob 
des Ulyß. Männliches Betragen. fVille des Vaters, daß 
ihm (die besten^) Kleider und Geschencke gegeben werden. 
Scher^ des Bruders. Abschied des Ulyß. Der Scherz des 
Bruders ist noch treffender, als er selbst weiß. Goethe hat 
ihn in einem Verse entworfen: 

Du gäbst ihm gent den besten merck ich luohl. 

Neoros theilt dann noch mit, daß die Aeltesten sich 
schon versammeln, um die Heimsendung des Ulyß — oder 
vielmehr des angeblichen Gefährten des Ulyß — zu be- 
schließen, und daß also sein Abschied bevorsteht. 

3. Arete. Diesen Monolog fügt Goethe ein, während 
ursprüngHch gleich die folgende Scene sich anschließen 
sollte. Es hieß erst: Die vorigen Ulyß; dann hat er diese 
Worte gestrichen und darüber geschrieben: Arete. Also 
Neoros entfernt sich mit Xanthe, und Nausikaa strömt die 
schmerzHche Bewegung ihres Herzens aus. Die Skizze 
sagt: Und er sol scheiden oder, wie es in einem anderen 
Entwurf lautet : 

Er eilt nach Hause 
Er soll scheiden. 

In dieser Noth des jungen, entschlossen begehrenden 
Herzens tritt Ulyß zu ihr. 

4. Ulyß. Arete. Dazu die Skizze: Frage un- 
verheurathet Die Schönen Gefangenen. Er lobt ihr Land 
und schilt seins sie giebt ihm ~u verslehn daß er bleiben 
könne. 

Schiller sagt von Alexis und Dora: »Durch die Eil- 
fertigkeit, welche das wartende Schiffsvolk in die Handlung 
bringt, wird der Schauplatz für die zwei Liebenden so enge, 
so drangvoll und so oedeutend der Zutsand, daß dieser 

^ Gestrichen. 



104 Abhandlungen. 



Moment wirklich den Gehalt eines ganzen Lebens be- 
kommt«. Wir haben hier nur eine Liebende, im übrigen 
hat unsere Scene denselben drangvollen Gehalt, aber mit 
der Aussicht ins hoffnungslos Tragische, während es sich 
dort nur um eine vorübergehende Trennung handelt. In 
der Angst dieses entscheidenden Augenblicks fragt nun 
Nausikaa geradezu, ob ihn zu Hause eine Gemahlin er- 
wartet oder ob eine von den schönen gefangenen Trojane- 
rinnen, die ihm als Gefährten des Ulyß zugefallen sind, 
seine Neigung erregt hat. Er weicht aus und sucht das 
Gespräch auf ein harmloseres Gebiet zu führen : er lobt ihr 
Land und schilt das seine, das auch bei Homer 9, 27 rauh 
genannt wird. Scherer hat treffend bemerkt, daß Goethe 
von Italien und seinem nordischen Thüringen die Farben 
zu dieser Vergleichung genommen hätte. Zu diesem Preis 
des Phäakenlandes gehören die Verse: 

Und nur die höchsten Nympfen des Gehirgs 
Erfreuen sich des leichigefallnen Schnees 
Auf hir:(e Zeit. 



Ein weiser Glan~ ruht über Land und Meer 
Und duftend schwebt der Aether ohne Wolcken 

Goethe hat an einem der ersten sizilischen Tage in 
seinem Notizbuch vermerkt: »Weißer Morgen, alles im 
Duft«. Und wie bei dem Garten des Alkinoos fließt dieser 
Zug aus der umgebenden Wirkhchkeit mit Homers Schil- 
derung zusammen. Dort heißt es 6, 44 vom Olymp: 

Heitre beständig 
Breitet sich wolkenlos, und hell umfließt ihn der 

Schimmer. 

Auf Ulyssens Preisen des Phäakenlandes giebt ihm 
Nausikaa zu verstehen, daß er bleiben könne. Hierher 
mö^en die folgenden, auf einem einzelnen Blatt sich 
findenden Verse gehören: 

Du bist nicht einer von den trüglichen 
IVie viele fremde komen die sich rühmen 
Und glatte Worte sprechen wo der Hörer 
Nichts falsches ahndet und ^ulet:(t betrogen 
Sie unvermuthet wieder scheiden sieht 
Du bist ein Mann ein :(uverlässger Mann. 
Sinn und Zusammenhang hat deine Rede, schön 
Wie eines Dichters Lied tönt sie dem Ohr 
Und füllt das Her:^ und reißt es jnit sich fort. 



N'AUSIKAA. 105 

Die Verse sind eine Umbildung von Od. ir, 363 ft.: 

Keineswegs, Odysseus, vermuten wir, deiner Gestalt nach, 
liinen Betrüger in dir und Täuschenden, so wie genug sie 
Nährt das schwarze Gefilde die landdurchstreifenden 

Menschen, 
Welche die Lüg' ausbilden, woher sie keiner ersähe. 
Aber in deiner Red' ist Reiz und edle Gesinnung; 
Und du hast, wie der Sänger, mit Kunst die Geschichte 

gemeldet, 
Was dem argeiischen Volk und dir selbst auch Trauriges 

zufiel. 

Bei Homer ist es allerdino;s Alkinoos, der das Vorbild 
unserer Verse spricht, aber die bei der Umbildung neu 
hinzukommenden Züge deuten doch wohl auf unsere Scene, 
besonders das naive Vertrauen, daß er nicht durch un- 
vermuthetes Scheiden seine Gastfreunde betrügen werde. 
Ulyß verharrt offenbar bei seiner ausweichenden Haltung, 
und so endet das Gespräch ohne Entscheidung. 

5. Arete. Der Act schließt mit einem Monolog des 
Hebenden Mädchens, das weder weiß, ob der immer freund- 
Hch zurückhaltende und ausweichende Mann ihre Liebe 
erwidert, noch ob er überhaupt unverheirathet ist, und das 
also von grausamem Zweifel hin- und hergezerrt wird. 

Vierter Act. 

I. Alkinoos die ältesten. Eine Skizze dazu ist nicht 
vorhanden, aber der Inhalt der Scene ergiebt sich aus der 
Lage: Die Aeltesten sind versammelt, um die Heimsendung 
des Ulyß zu beschließen. Einzelmotive für die Durch- 
führung dieser Scene bot Homer reichlich, z. B. die Rede 
des Alkinoos 13, 7 ff.: 

Euch nun allen und jedem empfehr ich dieses mit Nach- 
druck, 

Die ihr in meinem Palaste des funkelnden Ehrenweines 

Immer zugleich hier trinkt, und zugleich anhöret den 

Sänger. 

Kleidung liegt ja bereits in der schöngebildeten Lade 

Unserem Gast, auch Goldkunstwerk, und das andere 

sämtlich. 

Was zum Geschenk hieher der Fäakier Fürsten gespendet. 

Auf, noch schenk' ihm ein groß dreifüßig Geschirr und 

ein Becken 

Jeder von uns. Wir nehmen darauf in des Volkes Ver- 
sammlung 

Wieder Ersatz; denn Einen beschwert so reichliche Mild- 
heit. 



Io6 Abhandlungen. 



2. Die vorigen Sohn. Welche neuen Nachrichten 
und Gesprächsmotive Neoros herbeibringt, läßt sich nicht 
gerade sagen. Technisch Hegt seinem Ercheinen das Be- 
dürfniß des Dichters zu Grunde, die Hauptpersonen der 
Dichtung für die Schlußscene dieses Actes herbeizuführen. 

3. Die vorigen Arete. Sie kommt von ihrer Unruhe 
getrieben, den Entschluß des Ulyß zu erfahren, ob er geht 
oder bleibt. 

4. Die Vorigen Ulyß. Der Inhalt dieser Scene er- 
gibt sich auch ohne Skizze deutlich: Alkinoos verkündet 
ihm den Beschluß der Aeltesten, ihn heimzusenden, und 
nun gibt Ulyß seine Rolle als Gefährte des Ulyß auf und 
verkündet, daß er Ulyß aus Ithaka, Penelopes Gemahl sei. 
Daß die Enthüllung in dieser Scene erfolgt, ist deutlich, 
denn bei seinem letzten Auftreten (III, 4) ist er der Frage 
Aretes, ob er unverheirathet sei, ausgewichen, im nächsten 
Act (V, 4) bietet er seinen Sohn zum Gemahl der Nausikaa 
an, dazwischen liegt außer unserer Scene nur noch eine, 
in der Ulyß auftritt (V, 2: Alkinoos Ulyß Sohn'). 
Diese kommt für die Enthüllung nicht in Frage, denn 
schon in V, i liegt Nausikaas letzter Monolog vor ihrem 
Abgang zum Tode. In unserer Scene gibt also Ulyß 
seinen Namen kund, Nausikaa hört ihn stumm und ver- 
zweifelnd. 

Fünfter Act. 

1. Arete. Monolog: Sie geht in den Tod. Die Scene 
bleibt einige AugenbHcke leer, denn die zweite Scene bringt 

2. Alkinoos Ulyß Sohn auf die Bühne. Abschieds- 
vorbereitung, noch nicht der Abschied selbst, der der vierten 
Scene angehört. 

3. Die [Vorigen] Xante. Wenn hier die Vertraute 
erscheint, in derselben Scene wieder abgeht und mit ihr 
der Sohn, so läßt sich der Inhalt wohl ergänzen: Sie sucht 
Nausikaa, die nirgends zu finden ist, Neoros begleitet sie, 
um die Schwester zum Abschied von Ulyß herbeizuholen. 
Es bleiben also 

4. Alkinoos Ulyß. Dazu nun eine ausführliche Skizze, 
nachdem wir uns für anderthalb Acte mit dem Scenar 
begnügen mußten. Scheiden. Danck. Tochter läßt sich 
nicht sehn. Schaam. Er soll sie nicht falsch beurtheilen. 

Es sey sein eigner Werth. Ul. Vorwurf er will nicht 
so scheiden trägt seinen Sohn an. A. Will die Tochter 
nicht geben. Ul. Überredung. A. Will gleich. U. will 
seinen Sohn bringen sie sollen sich wählen. AI. Hochzeitstag 

aiisstattung. Den Vorwurf macht Ulyß gewiß sich 
selbst : er hat durch Verschweigen seines Namens es mög- 



Nausikaa. 107 

lieh gemacht, daß Nausikaas Neigung sich entwickelte. 
Zu der Formel IVill die Tochter nicht geben gehören die 
ausgetühncn Verse: 

(Alkinoos). 

O Theurer Mann luelch einen Schmer:^ erregt 

das edle Wort in meinein Busen, so 

soll jener Tag denn kommen, der mich einst 

Von meiner Tochter trennen wird. Vor dem Tag 

des Todtes. Lassen soll ich sie 

und senden in ein fernes Land 

sie die :(u Haus so wohl gepflegt sie 

Aus Ulyssens Überredung haben wir das Bruchstück: 

Der Mann der einen ihm vertrauten Schat:^^ 

vergraben hatte der 

die Lust die jener hat der ihn dem Meer 

mit Klugheit anvertraut, mit günstigen Göttern 

lehnfach beglückt nach seinem Hause kehrt 

Alkinoos' Einwilligung : 

So iverde jener Tag der wieder dich 
Mit deinem edlen Sohn :(um Feste bringt 
Der feyerlichste Tag des ganzen Lebens — 
Britigt meine Tochter .... 

Goethe macht hier, wie in der Achilleis, von dem Kunst- 
mittel Gebrauch, unmittelbar vor der Katastrophe die 
Menschen seiner Dichtung an einer scheinbaren glücklichen 
Lösung aller Schwierigkeiten sich erfreuen zu lassen. Schon 
Hellanikos und Aristoteles berichten, daß Nausikaa später 
den Telemachos, als einen verjüngten Odysseus, heirathet. 
Ob diese aus der Odyssee so hübsch herausgesponnene 
Fabel Goethe bekannt war, oder ob er sie sich seloständig 
gedichtet hat, bleibt ungewiß. Hier ist nun einer wunder- 
samen »wiederholten Spiegelung« zu gedenken. Nausikaas 
tragische Lage ist: Liebe überschreitet von der einen Seite 
die Kluft, die zwei Generationen trennt, aber nun kommt 
von der anderen Seite kein antwortender Reflex, der ge- 
liebte Mann bleibt freundlich und gelassen. Eben diesen 
Schmerz, diese tragische Situation hatte Goethe selbst 
zu dulden, als seine Liebe bei Ulrike von Levetzow zur 
Erwiderung nur unschuldige Freundlichkeit fand. Da stieg 
in ihm dieses alte versöhnende Motiv aus seiner Nausikaa- 
tabel herauf. Ulrike erzählt in ihren Aufzeichnungen: »oft 
sagte er zu meiner Großmutter, wie sehr er wünsche, noch 
einen Sohn zu haben, denn der müßte dann mein Mann 
werden.« 



Io8 Abhandlungen. 



Das behaglich über Hochzeitstag und Ausstattung sich 
verbreitende Gespräch der beiden Väter wird jäh ab- 
geschnitten. 

5. Bote. Da in Scene 7 und 8 noch zwei weitere 
Boten erscheinen, nämUch Xanthe und der Sohn, so erfolgt 
hier noch nicht die ganze Aufklärung. Der Bote bringt 
also etwa die Nachricht, daß Nausikaa zu einem ins Meer 
vorspringenden Felsen geeilt sei, meldet das Gerücht von 
einem Unglücksfall, der sie betroffen hat, oder dergleichen. 
Unter der Wirkung dieser Nachricht bleiben nun: 

6. Alkinoos Ulyß. Ihr Gespräch im Einzelnen aus- 
zumalen, wäre müßig. Hierher oder in die Schlußscene 
gehören die Verse : 

Ein Gottgesendet Uebel sieht der Mensch 
der klügste nicht voraus und wendets nicht 
Vom Hause. 

Nun folgt in kunstmäßiger Steigerung die ganze Auf- 
klärung : 

7. Xante. 

8. Die vorigen Sohn. 

9. Die vorigen die Leiche. 

Bei der Leiche des Mädchens, dessen Tod Ulyß durch 
Ueberklugheit verschuldet hat, erfolgt nun sein Abschied 
von den Gastfreunden. Die versprochene Heimsendung 
wird nicht widerrufen, er zieht davon ohne andere Vor- 
würfe, als die in seinem Inneren gegen ihn sich erheben. So 
vertönt das Drama in schmerzlich mildem Ausklang. — 

Nausikaa geht in den Tod aus Schmerz über ihre hoff- 
nungslose, unerwiderte Liebe. In der »Italienischen Reise« 
gibt Goethe einen »Aus der Erinnerung« überschriebenen 
Aufbau der Fabel, worin vielmehr Scham sie in den Tod 
treibt: »Der erste Akt begann mit dem Ballspiel. Die un- 
erwartete Bekanntschaft wird gemacht und die BedenkUch- 
keit, den Fremden nicht selbst in die Stadt zu führen, \vird 
schon ein Vorbote der Neigung. — Der zweite Akt exponirte 
das Haus des Alcinous, die Charaktere der Freier und endigte 
mit Eintritt des Ulysses. — Der dritte war ganz der Be- 
deutsamkeit des Abenteurers gewidmet, und ich hoffte, in 
der dialogirten Erzählung seiner Abenteuer, die von den 
verschiedenen Zuhörern sehr verschieden aufgenommen 
werden, etwas KünstUches und Erfreuliches zu leisten. Wäh- 
rend der Erzählung erhöhen sich die Leidenschaften, und 
der lebhafte AntheilNausikaa's an dem Fremdling wird durch 
Wirkung und Gegenwirkung endlich hervorgeschlagen. — 
Im vierten Akte bethätigt Ulysses außer der Scene seine 



Nausikaa. 109 

Tapferkeit, indessen die Frauen zurückbleiben und der 
Neigung, der Hoffnung und allen zarten Gefühlen Raum 
lassen. Bei den großen Vortheilen, welche der Fremdling 
davonträgt, hält sich Nausikaa noch weniger zusammen 
und kompromittirt sich unwiderruflich mit ihren Lands- 
leuten. Ulysses, der halb schuldig, halb unschuldig dieses 
alles veranlaßt, muß sich zuletzt als einen Scheidenden 
erklären, und es bleibt dem guten Mädchen nichts übrig, 
als im fünften Akte den Tod zu suchen.« 

Die durchgreifende Abweichung dieses auf später um- 
bildender Erinnerung beruhenden Planes von dem echten 
itaUenischen Entwürfe ist augenfällig. In diesem gibt es 
keine Freier, deren verschiedene Charaktere exponirt werden 
könnten. Wir haben auch im dritten Akt keine Erzählung 
der Abenteuer vor einer mannigfach belebten Zuhörerschaar 
und im vierten Akt keine Kampfspiele hinter der Scene. 
Statt dieser vielen Nebenpersonen haben wir hier nur den 
Bruder Neoros. Der späte Plan stellt eine bunte, bewegte 
Handluno dar, während der itaUenische Entwurf wie Iphi- 
genie und Tasso die Seelenvorgänge einer kleinen Gruppe vor- 
führt, so daß eine breitere Menge ganz fehlt, vor der Nausikaa 
sich compromittiren könnte. Höchstens käme dafür Scene II, 4 
in Betracht, wo Nausikaa in Gegenwart der Aeltesten von 
Od3'sseus' unmittelbar bevorstehendem Scheiden erfährt. 
Eine Skizze zu dieser Scene haben wir nicht und können 
uns also Nausikaa eben so wohl und besser mit wenigen 
für sich gestammelten Worten ihren Schmerz kundgebend 
denken. Die Aeltesten wären auch für eine Compromit- 
tirungsscene viel ungeeigneter als die Freier und Jünglinge 
in Goethes später Darstellung. Der ursprüngHche Plan hat 
das Motiv der Scham auch, aber in viel harmloserer Form. 
Skizze zu V, 4 : Alkinoos. Scheiden. Danck. Tochter 
läßt sich nicht sehn. Schaum. Er soll sie nicht falsch 
beurtheilen. Es sey sein eigner IVerth. Gerade diese ruhige 
Erwähnung von Nausikaas Scham vor Odysseus zeigt, daß 
für den itahenischen Plan das Motiv des Compromittirens 
ausscheidet, oder nur nebenbei ein wenig ankhngt. Das 
Drama war auf das einfache und große Motiv des Liebes- 
schmerzes gestellt. Scherer hält auch den in der »Italienischen 
Reise« mitgetheilten Plan für einen echten itahenischen Ent- 
wurf, unterscheidet ihn als zweiten Plan von dem aus den 
Skizzen sich ergebenden und setzt ihn drei Wochen später 
als diesen, weil Goethe in der »ItaUenischen Reise« unter dem 
7. Mai schreibt: »Und so saß ich, den Plan zu Nausikaa 
weiter denkend, eine dramatische Concentration der Odyssee. 
Ich halte sie nicht für unmöglich, nur müßte man den 
Grundunterschied des Drama und der Epopöe recht ins 



I 10 Abhandlungen. 



Auge fassen.« Den zweiten Plan überschreibt ja aber Goethe 
selbst: »Aus der Erinnerung«, er wird doch also nicht gerade 

genau identisch sein mit dem weiter gedachten vom 7. Mai. 
•ie harmlosen Worte »w^eiter denkend« weisen auch nicht 
auf so gründUche Abweichungen, bei denen das drei Wochen 
zuvor entworfene Scenar gänzlich umgeworfen worden 
wäre. Und betrachten wir den Passus vom 7. Mai näher, 
so erweist er sich als ein redactioneller Einschub, zur An- 
gliederung des Abschnitts »Aus der Erinnerung« bestimmt. 
»Der Grundunterschied des Drama und der Epopöe« — 
das ist doch wohl ein Widerklang von Erörterungen aus 
dem Briefwechsel mit Schiller, und die Wendung : »Ich halte 
sie nicht für unmögHch« scheint aus der Tagebuchnotiz 
vom 22. Oktober herzustammen: »Ein sonderbarer Ge- 
danke, der vielleicht glücken könnte.« Auch die Formel 
»eine dramatische Concentration der Odyssee« macht viel 
mehr den Eindruck eines rückschauenden, als eines in der 
ersten Conception gewonnenen Urtheils. Also : Der Plan 
»Aus der Erinnerung« ist, wie Goethe mit dieser Ueber- 
schrift selbst sagt, dreißig Jahre später für die »Itahenische 
Reise« entworfen und widerspricht den erhaltenen Skizzen. 
Mit dem »weitergedachten« Plan vom 7, Mai 1787 hat er 
nichts zu thun, wie das auch Suphan in der Weimarer Aus- 
gabe annimmt. — 

Goethes Dichtungsplan hat seinen Ursprung in einer 

gewissen Verwunderung, einem Befremden des modernen 
[omerlesers über Nausikaas unvermuthetes Verschwinden 
aus der Fabel. Für unser Empfinden hat Homer in der 
Erzählung von Nausikaa die Lage nicht ausgeschöpft. Als 
der AnkömmHng gebadet und gesalbt und von Athene mit 
Jugendglanz übergössen vor sie tritt, schaut sie ihn bewun- 
dernd an und sagt zu ihren Gefährtinnen: 

Anfangs zwar erschien er mir unansehnHcher Bildung; 
Doch nun gleicht er den Göttern, die hoch den Himmel 

bewohnen. 
Wäre mir doch ein solcher Gemahl erkoren vom Schicksal, 
Wohnend in unserem Volk; und gefiel' es ihm selber, zu 

bleiben ! 

Dann läßt sie arglos Odysseus selbst in ihr unschuldig 
begehrendes Herz schauen : 

Also sagte vielleicht ein Niedriger, der uns begegnet: 
Was der Nausikaa doch dort folgt so ein schöner und 

großer 
Fremdling? Wo fand sie jenen? Der wird ihr Ehegemahl 

noch! . . 



Nal'sikaa. I I I 

Besser war's, wenn sie selber hinausging, einen Gemahl sich 
Anderswoher zu finden; denn hier )a verachtet sie wahrlich 
Alle fäakischen Freier umher, so viel' und so edle! 
Also spräche das Volk; und es wäre mir herbe Be- 
schimpfung. 

Ist das blos die Naivität des Dichters, oder hat nicht 
vielmehr, wer diese Verse dichtete, sie auch ein wenig 
schalkhaft als köstliche Naivität des Mädchens empfunden? 
Wir erwarten nun, daß dieser Faden sich weiter spinnt. 
Aber es kommt nur noch zu einem kurzen freundlichen 
Gespräch der Beiden : 

Nausikaa jetzt mit göttlicher Schöne geschmücket, 
Stand dort neben der Pfoste des wohlgeschmücketen 

Saales, 
Mit anstaunendem BUck den Odysseus lange betrachtend; 
Und sie begann zu jenem, und sprach die geflügelten 

Worte:" 
Freude dir. Gast! Doch daß du hinfort auch im Lande 

der Väter 
Meiner gedenkst, da du mir ja zuerst dein Leben ver- 
dankest! 
Ihr antwortete drauf der erfindungsreiche Odysseus: 
Edle Nausikaa, du des erhabnen Alkinoos Tochter, 
Also gewähre mir Zeus, der donnernde Gatte der Here, 
Hinzukommen nach Haus', und der Heimkehr Tag zu 

erblicken : 
Stets dann w-erd' ich auch dort, wie der Göttinnen Eine 

dich anflehn 
Jeglichen Tag: weil du das Leben mir rettetest, Jungfrau! 

Das ist alles, was Homer von Nausikaas Neigung zu 
erzählen hat. Er will Odvsseus aus schwerer Noth un- 
vermittelt in behagliches Wohlleben führen und läßt ihn 
darum ohne Gefährten und Schätze das Land der Phäaken 
erreichen. Indem er nun den starken, geprüften Helden 
nackt der anmuthigen Jungfrau gegenüber stellt, schafft 
er eine prachtvolle Gruppe und zeigt auch hier Odysseus 
im unverUerbaren Besitz seiner PersönUchkeit, überall 
Menschenherzen klug für seine Zwecke gewinnend. Damit 
hat Nausikaa dem Dichter geleistet, was sie sollte, und der 
Strom der Erzählung fließt weiter und läßt sie zurück. 
Wir aber fühlen uns hier unbefriedigt. Seit den Tagen 
Homers ist eine schon im Alterthum beginnende Ver- 
schiebung des poetischen Interesses vor sich gegangen : 
der Mensch ist mehr und die Fabel weniger geworden, 
und von den in Glück und Leid verlaufenden Seelenvor- 



112 Abhandlungen. 



gangen hat in den inzwischen verflossenen Jahrtausenden 
die Liebe eine alle anderen überragende Stellung in der 
Poesie gewonnen. In der lUas und in der Odyssee ist von 
Liebe \venig die Rede. Der Raub der Helena durch Paris, 
Kalypsos Leidenschaft für Odysseus, Aphrodite und Ares 
in Demodokos' Gesang — das sind Gruppen, die durch 
SJnnenlust zusammengeführt werden. Achills gekränktes 
Selbstgefühl entbrennt in Zorn, als Agamemnon ihm die 
Briseis fortnimmt. Das alles ist nicht Liebe. Wohl kennt 
Homer das Glück der Ehe und preist es mit innigen Worten: 

Nichts ist wahrlich so wünschenswerth und 

erfreuend, 
Als wenn Mann und Weib, in herzlicher Liebe vereinigt. 
Ruhig ihr Haus verwalten; dem Feind ein kränkender 

Anblick, 
Aber Wonne dem Freund; und mehr noch genießen sie 

selber. 

Und die Namen Andromache und Penelope führen 
uns das Bild der schönsten ehelichen Liebe und Treue 
herauf. Aber die Liebe als Leidenschaft der Seele ist etwas 
ganz anderes. Die Verschmähung alles unmittelbaren 
eigenen Lebens, um es in einem Anderen zu finden, und 
alle Erschütterungen, die solche Verlegung des Persönlich- 
keitsgefühls mit sich führt, nennen wir ganz zutreff'end 
romantische Liebe, denn sie erscheint völlig ausgebildet 
erst auf romanischem Boden, bei Dante und Petrarca. Das 
ist also ein Erwerb der auf Homer folgenden zwei Jahr- 
tausende. Goethe sah, daß für unser Empfinden in Nau- 
sikaas Neigung der Keim zu Leiden Hegt, von denen Homer 
schweigt, nicht blos, weil sie für den Gang der Fabel nicht 
erforderhch sind, sondern vor allem, weil sie sich dem 
antiken Dichter nicht wie uns als nothwendige Folge der 
gegebenen Lage darstellten. Goethes Nausikaadichtung 
ist also wie »Iphigenie« die Umgestaltung einer über- 
lieferten antiken Fabel nach der inzwischen erfolgten 
Wandelung unseres Empfindens. 

»Die Rührung eines weibHchen Gemüths durch die 
Ankunft eines Fremden, als das schönste Motiv, ist nach der 
Nausikaa gar nicht mehr zu unternehmen« schreibt Goethe 
an Schiller am 14. Februar 1798, in stillem Rückbhck auf 
seinen liegen gebliebenen Dichtungsplan. Da haben wir in 
knapper Formel den menschHchen Gehalt des Stoff'es. 
Einem liebenswürdigen Mädchen, das in seiner einfachen 
Welt harmlos dahinlebt, tritt ein durch mannigfache Er- 
fahrung zu starker, sieghafter Persönlichkeit gelangter Mann 
wie aus einer anderen, höheren Welt stammend entgegen. 



Nausikaa. 1 1 3 

Solche Rührung des unbewachten Herzens hat Shakespeare 
in Desdemona dargestellt, und Goethe selbst war so, mit 
dem Zauber einer reichen Persönlichkeit, in Friderikes 
unschuldige Welt hineingetreten. Welche Scheideschmerzen 
ein solcher Gast erregt, wenn er seinen Fuß weiter setzen 
muß, davon besaß Goethe bittere F!rfahrung, die er schon 
im Götz, Clavigo, Stella und vor allem im Faust poetisch 
gestaltet hatte. In Nausikaa wollte er ein Menschenkind 
darstellen, das nicht nur ohne Schuld, sondern gerade durch 
die Zartheit und Wärme seines Hmplindens zu Grunde 
geht. Nausikaa beantwortet den Eindruck von Odysseus' 
überlegenem Wesen als ein Mädchen mit Liebe und^ damit 
ist sie verloren. Mit Fausts Gretchen ist es ebenso, aber 
Goethe behandelt Nausikaas Schicksal ganz anders. Auf 
Gretchen hatte er bewußt das grauenhafteste äußere Schicksal 
gehäuft: öffentliche Schande, mitverschuldeter Tod der 
Mutter und des Bruders, Tod von Henkers Hand. In der 
Nausikaadichtung lenkt er von dem krassen Jugendstil ab: 
es geschieht äußerlich überhaupt nichts, das Tragische 
^eht allein in Nausikaas Seele vor, es besteht darin, daß 
Liebe ihr Ziel nicht erreichen kann, und ist gerade so 
vernichtend wie alle gehäuften Gräuel in Gretchens Geschick. 
Auch durch eine neue, eigenartige Ausbildung der Schuld- 
frage unterscheidet sich unsere Dichtung von der Behand- 
lung des gleichen Motivs im Faust. Von Ulyß gilt hier, 
was Alba von Oranien sagt: »So war denn diesmal . . . 
der Kluge klug genug, nicht klug zu sein.« Goethe hätte 
Ulyß am Schlüsse seine unselige, im Verkehr mit Feinden 
erlernte Klugheit verwünschen lassen, die sich hier gegen- 
über vertrauenden Freunden so schlecht bewährt. — 

Am 4. December i^i^ schreibt Goethe an Boisseree: 
»Mich freut gar sehr, daß~5ie den Stoff der Nausikaa gleich 
als tragisch erkannt; Ihnen traut' ich's zu und es betrübt 
mich auf's Neue, daß ich die Arbeit damals nicht verfolgt. 
Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, welche rührende, herz- 
ergreifende Motive in dem Stoff liegen, die, wenn ich sie, 
wie ich in Iphigenie, besonders aber in Tasso that, bis in 
die feinsten Gefäße verfolgt hätte, gewiß wirksam geblieben 
wären.« Die wenigen ausgeführten Scenen geben schon 
ein Bild von der Art des Ganzen. Es ist der Tassostil, 
der alles wesentliche Geschehen in das Menschenherz verlegt 
und dem die Sprache zu einem reinen Spiegel wird, der 
die Bewegung der Seele wiedergibt. 

Der Nausikaaplan entspricht also dem Dramatypus, 
wie er zur Zeit der italienischen Reise in Goethes Dichtung 
herrscht: eine äußerlich betrachtet sehr einfache Handlung 
geht in einem engen Kreise vorzüglicher Menschen vor sich. 

Gof.the-Jahrbuch XX V. 8 



114 Abhaxdluxgex. 



Die Handlung ist großen Theils eine innerliche, die Verwick- 
lung besteht in der Schwierigkeit, wie die Ansprüche fein 
empfindender Menschen in ihrem Verkehr und ihrem gegen- 
seitigen Verhältnisse auszugleichen sind, besonders Ansprüche 
an die Neigung des Anderen, die nicht befriedigt werden 
können. Thoas muß entsagen, weil Iphigenie mit ihrem 
ganzen Wesen Griechenland gehört, Tasso, weil die Prin- 
zessin durch ihren Stand für ihn unerreichbar, Nausikaa, 
weil Od3'sseus verheirathet ist. Das große Thema der 
schmerzlichen Entsagung klingt durch die Dramen Goethes 
in dieser Zeit, wie es bis dahin während der ganzen zehn 
Weimarischen Jahre durch Goethes Seele klang. In Iphi- 
genie ist diese Entsagung ein stilles Tragödienmotiv in 
dem freundlichen Gesammtausgang, in Tasso und Nausikaa 
ist sie die Handlung selbst und die beiden Stücke sind 
Tragödien. Vom Tasso weicht die Nausikaadichtung erheb- 
lich ab durch die naive Atmosphäre, in der die Vorgänge 
sich abspielen. Wir sehen einfache Menschen in einem 
Kulturstande, wo Behagen und Schmuck des Daseins, gute 
Sitte und zartes Empfinden schon erreicht sind, aber die 
verwickelten Seelenvorgänge der reifen Kultur noch fehlen. 
Ein idylUscher Zustand schlägt in einen tragischen um, die 
halb kindliche Jungfrau wird in wenigen Stunden zu einem 
liebenden, hoffenden, bangenden, verzweifelnden Weibe. 
Sie tötet sich, weil ihre naive Liebeskraft keinen Ausweg 
und keine Möglichkeit des Weiterlebens vor sich sieht. 
Im »Tasso« lebt mit Schmerzen weiter, wer unglücklich liebt, 
man entsagt oder verzweifelt, aber man tötet sich nicht. 
Dieser radikale Entschluß entspricht der hilflosen Ver- 
zweiflung einfacher Menschen, wie das in den Lokalnach- 
richten unserer Zeitungen an jedem Tage zu lesen ist. 

Die Handlung hat Goethe übersichtlich auf die fünf 
Akte vertheilt. Im ersten Akt Begegnung des Mädchens 
mit dem Manne, ihre aufkeimende Neigung und der unheil- 
bringende Klugheitsplan des Ulyß: er will sich für unver- 
heirathet ausgeben. Zweiter Akt: Exposition der Familie 
des Alkinoos, Eintritt des Ulyß. Im dritten Akt Nausikaas 
Leidenschaft. Vergeblich sucht sie eine Entscheidung herbei- 
zuführen. Im vierten Akt entdeckt Ulyß seinen Namen 
und Stand und führt so den Todesentschluß Nausikaas 
herbei, den sie im fünften Akt ausführt. 

»Diese einfache Fabel sollte durch den Reichthum der 
subordinirten Motive und besonders durch das Meer- und 
Inselhafte der eigentlichen Ausführung und des besonderen 
Tons erfreuHch werden«, sagt Goethe in seinem Bericht 
»Aus der Erinnerung«. Der Reichthum an subordinirten 
Motiven gehört, wie wir gesehen haben, der späten Um- 



Nausikaa. 1 1 5 

bildung des Planes in Goethes Phantasie an; der italienische 
Plan ist vielmehr arm an solchen und zeichnet sich gerade 
durch die Beschränkung auf wenige klare Hauptlinien aus. 
Der Meer- und Inselduft sollte aber wirklich über der Dich- 
tung schweben, und wir spüren ihn schon in den wenigen 
vornandencn Fragmenten. Reines Licht, Sonnenglanz und 
wieder weiß verhüllender Dunst, das blaue Meer und frucht- 
bare Gärten mit den duftenden Früchten des Südens, warme 
Luft, durch santte Seewinde gemildert — das alles sollte 
sich zu dem Bilde einer glücklichen Insel vereinen, ge- 
schaffen, um glückliche Menschen zu tragen. Und hier 
sollte mitten in einem Kreise Wohlmeinender ein scheinbar 
vor allen anderen zum Glück bestimmtes Menschenkind 
sich in bitterem Schmerze verzehren und den Tod wählen. 
So sollte in uns die Empfindung aufsteigen, die aus jenem 
Chorliede des Sophokles tönt : 

O Eros! Eros! Unbezwinghcher ! 

Der du zu Land und über Meer gebietest, 

Und auf der Mädchen weichen Wangen schläfst; 

Und keins der erdgebornen Tageskinder, 

Kein Ewiger vermag dir zu entfliehn: 

Du triffst sie und sie rasen . . . 

es siegt 
Der Gott der Götter in der jungen Brust; 
Denn vor der Liebe Pfeil ist kein Entrinnen, 



Mim- 









Goethes Märchen. 

Von 

Paul Pochhammer. 




I. 

er Goethe-Schiller'sche Briefwechsel vom August 
und September 1795 läßt erkennen: i. daß das 
in den Hören 1795, Unterhaltungen deutscher Aus- 
gewanderten, zuerst gedruckte Märchen in 2 »Hälften« ge- 
schrieben ist, die nach der ersten (später aufgegebenen) 
Absicht des Dichters auch getrennt gedruckt werden sollten 
in je einem Heft der Hören; 2. daß der zweite Theil 
kürzer ausgefallen ist, als Goethe noch nach Abschluß des 
ersten angenommen hatte; 3. daß der Schluß erst ge- 
schrieben wurde, als Schiller und seine Frau die erste 
Lieferung schon begutachtet hatten; 4. daß der Dichter 
nicht ohne Sorge war, ob sich nicht Unstimmigkeiten 
zwischen Anfang und Ende herausstellen würden. Er bittet 
Frau Lotte Schiller mit dem Schlüsse in der Hand »es 
nochmals von vorne zu lesen«. 

Da nun zwei Unstimmigkeiten wirklich vorhanden sind, 
empfiehlt es sich, beim Eindringen in das Werk von ihnen 
auszugehn. 

Goethe hat sicher von vornherein einen zweiten (ver- 
edelten) Fährmann dem zum Herrscher geweihten Jüng- 
linge zur Seite stellen wollen, aber er scheint erst nach- 
träglich auf das einfachste Mittel hierzu — das Aufheben 
der Fährhütte mit Fährmann durch den aufsteigenden 
Tempel — gekommen zu sein. Andernfalls würde er dem 



GOF.THKS MÄRCHF.N. I I7 



Beri^lande, das den noch unterirdischen Tempel der ersten 
Märchenhälfte birgt, von vornherein den Platz der Fähr- 
stelle gegenüber angewiesen haben, was nicht geschehen 
ist. ' Der Dichter kommt nun schneller ans Ziel, die Ab- 
kürzung wird verständlich, darüber hinaus aber auch der 
Charakter der Arbeit, die wir in erster Niederschrift vor 
uns haben. Weder der Reichthum der Gedanken, noch 
die Schönheit der Darstellung dürfen darüber täuschen, 
daß das Märchen in genialer Erfassung günstiger Umstände 
ziemlich rasch entstanden ist. Nur ausgereifte Ueber- 
zeugungen können in ihm Gestalt gewonnen und zugleich 
den Auftrag erhalten haben, sich in ihm zu verbergen. 

Die zweite Unstimmigkeit besteht darin, daß die Lampe 
von der ihr im Anfange zugesprochenen Fähigkeit »alle 
Metalle zu vernichten«, beim Märchenschluß, als es sich 
um das Zerstören von Schloß und Riegel der Tempelthore 
handelt, keinen Gebrauch macht, sondern hierzu die Irr- 
lichter herbeiruft. Ob auch hier eine Flüchtigkeit vorliegt, 
oder vielleicht, da die Lichter, die die neue Zeit aufschließen, 
sich von selbst als die literarischen Vorläufer der franzö- 
sischen Revolution charakterisieren, nur eine schärfere 
Berücksichtigung des geschichtlichen Verlaufs, ist aus dem 
Text nicht zu entscheiden. Wohl aber bürgt dieser dafür, 
daß die Lampe den Irrlichtern nahestehend gedacht ist, da 
beide in bestimmter Richtung ein gleiches Können besitzen. 
Ihr Unterschied beruht sichtbar genug auf nationalen Eigen- 
thümhchkeiten. Dann kann aber die Lampe weder Wissen- 



' Der Fährmann fährt quer über den Strom und läßt sich von 
diesem (nach Absetzen der Irrlichter) am jenseitigen Ufer hinabtreiben. 
Das Bergland, in dem die Schlange wohnt und der Tempel steht, liegt 
also unterhalb der Fährstelle. Wir denken uns daher auch beide 
Brückenschläge der Schlange, den am Mittag sowohl als den nächt- 
lichen unterhalb dieser, und geben dem aus seiner Hütte getretenen 
Fährmann, der dem Übergänge der Gesellschaft zur Nachtzeit zuschaut, 
mit bestem Gewissen die Sehrichtung nach unterstrom. Jetzt opfert 
sich die Schlange. Ihre Stücke treiben, noch lange sichtbar, den Strom 
hinab, und erst wenn sie endlich versunken sind, erheben sich aus 
ihnen die Pfeiler, die die wirkliche (breite) Brücke trae;en. Wir können 
daher nicht umhin, diese weit unterhalb der Fährstclle zu vermuthen. 
Auf einmal erfahren wir aber, daß die Brücke genau an der früheren 
Fährstelle liegt. Wir haben uns nun (nachträglich) die Orte der früheren 
Übergänge und auch den Schlangentod weit oberhalb der Fährstelle 
zu denken und dem zuschauenden Fährmann das Gesicht dorthin zu 
wenden. Der Tempel aber bleibt unterstrom und wenn er »in wenig 
Augenblicken« unter dem Flußbett hindurch sein Ufer wechselt, so hat 
er das in schräger Richtung auszuführen. Frau Schiller hätte den 
Dichter auf diese Sachlage aufmerksam machen sollen, die sich nur aus 
der Entstehungsweise der Dichtung und ihrer raschen Drucklegung 
erklärt. 



Il8 Abhandlungen. 



Schaft (Baum gart) ' noch Poesie (Morris),* sondern sie 
muß höhere Bildung deutschen Gepräges bedeuten, was sie 
m. E. nur geeigneter macht, von Goethe selbst getragen zu 
werden, wie Morris uns vorschlägt. 

Ohne diesen Erklärer wird Niemand das Märchen mehr 
lesen wollen, da er uns in befriedigender Weise aus Weimar 
selbst die Träger der Handlung, Goethe und Christiane, 
Carl August und Luise und sogar die drei Könige des 
Tempels zur Verfügung gestellt und damit gelehrt hat, die 
Heimathsluft zu athmen," in der die Dichtung empfangen 
ist. Nur werden wir da nicht stehen bleiben wollen, wo 
er nach seiner Art des Vorgehens in anerkennenswerther 
Gewissenhaftigkeit es thun mußte, d. h. wo die Unterlagen 
ihm ausgingen. Er wird uns erlauben, auf den Instrumenten 
zu spielen,"^ die er ausgegraben, und an eine symbolische 
Dichtung zu glauben, wie Schiller schon that, als er nur 
die erste Hälfte kannte. NatürUch haben wir uns hierbei 
streng an das Goethe'sche Grundgesetz für die Sinnbild- 
verwerthung zu halten und dasselbe entschlossen anzuwenden 
auf den Einzelfall.^ Es ergibt sich dann auch im Märchen 
die Zweitheilung nach der Kunstform, über die der Spruch 
uns belehrt. Bei den genannten vier Personen ist das All- 
gemeine im Besonderen geschaut : die Bildung im Alten 
(Goethe), das Volk in der Alten (Christiane), das Deutsch- 
thum einschließlich seines Königs im Jüngling (Herzog) 
und das von den Künsten umspielte Ideal in der Frauen- 
gestalt, die die Züge der Herzogin trägt. Wie der Schweiß 
vor die Tugend gesetzt ist, hat Goethe selbst das lebendige 
Erfassen dieses Besonderen Jedem aufgegeben, der das 
Allgemeine mit erhalten will, das in der Figur »geschaut« 
ist, auf das jedoch der Dichter nicht hinweist, ja an das er 
bei der Ausgestaltung im Einzelnen nicht mehr denkt. (Die 
Volksanschauung z. B. hat keine weiße Hand, aber Christiane 
hatte sie und war stolz darauf; darum bringt ihr Brustbild 
von Bury nicht nur den Kopf, sondern auch die Hand.) 
Ueber diese recht eigentlich der »Natur der Poesie« ange- 
hörigen Figuren werden wir volle Einstimmigkeit unter 

' Hermann Baumgart. Goethes Märchen ein nationalpoHtisches 
Glaubensbekenntniß des Dichters. Königsberg 1873. 

* Max Morris. Goethe-Studien. BerHn 2. Aufl. 1905 B. IL 
3 »Es ist ein großer Unterschied, ob der Dichter zum Allgemeinen 
das Besondere sucht, oder im Besondern das Allgemeine schaut. Aus 
jener An entsteht Allegorie, wo das Besondere nur als Beispiel, als 
Exempel des Allgemeinen gilt; die letztere aber ist eigentlich die Natur 
der Poesie: sie spricht ein Besonderes aus, ohne ans Allgemeine zu 
denken, oder darauf hinzuweisen. Wer nun dieses Besondere lebendig 
faßt, erhält zugleich das Allgemeine mit, ohne es gewahr zu werden, 
oder erst spät.« Sprüche in Prosa IV. 



GoETHhs Maiu;iii.\. II9 



uns nie erzielen können, \veil wir verschieden bleiben im 
»Erfassen« wie im »Gewahrwerden«. All<^emein verständ- 
lich und direct mittheilbar ist nur der Gehalt der allegori- 
schen Gestalt, die nicht »ist«, sondern »bedeutet« und 
daher aus der Thier- und Fabelwelt genommen sein kann. 
Ihre Wahl kann hohe Kunst bezeugen, aber weniger Poesie, 
weil sie dem Kopf näher steht als dem Herzen. Aber 
auch sie heischt ihren Platz; ja sie kann, wie hier die 
Schlange, einen ganz hervorragenden einnehmen, denn 
Goethe selbst hat unsere Dichtung das Märchen mit der 
grünen Schlange genannt ! ' Bei dieser Figur ist es schwer, 
Goethe nicht noch besonders zu loben für die Kunst, die 
Naturbeobachtung und den Geschmack, mit der er den 
Gesammtkörper der geistigen Arbeit des Landes in einem 
Wesen darzustellen verstanden hat, das die Trennung eben 
dieses, und zwar des eigenen Landes, lebhaft empfindet und 
zugleich aufhebt. Erst für das suchende Individuum, selbst 
das weniger gebildete, dann für die Gesammtheit, und dies 
dadurch, daß es sich opfert, wohlverstanden nur als Schlange, 
d. h. die Form aufgibt und die jetzt erforderliche und mög- 
lich gewordene der breiten Brücke wählt. Hier geht Morris 
schon deshalb nicht mehr mit, weil er sich von dem Goethe'- 
schen (nicht ausgeführten) Vorsatz : nächstens ein ganz 
allegorisches Märchen zu schreiben, abhalten läßt, auch eine 
nur theilweis allegorische Deutung zuzulassen. Es ist ganz 
natürlich, daß er damit die Thierwelt überhaupt verliert." 
Baumgart aber wird nicht nur dieser gerecht, sondern er 
gibt für alle Gestalten sozusagen den allegorischen »Ort«, 
die Bedeutung, auf die sie zustreben und die sie haben 
würden, wenn sie reine Allegorieen wären. Außerdem hat 
er den nationalen Charakter des Märchens erkannt. Beide 
Erklärer stehen sich gegenüber, aber zugleich doch recht 



* »Jener Abend erweckte, wie Goethe einmal erzählte, in ihm den 
Gedanken an das Märchen mit der grünen Schlange« lautet der Schluß 
der von Carl Schönborn (Zur Verständigung über Goethe's Faust, 
Breslau 1838, S. 15) gegebenen »Auskunft aus sehr zuverlässiger Hand«. 

^ Wenn Morris Luise von Weimar und ihre ideelle Wiederver- 
einigung mit dem Gemahl als einen Zielpunkt der Dichtung betrachtet, 
so nimmt er damit seinen Eintritt durch ein Thor, das höchstens zum 
Austritt benutzt werden darf, vielleicht auch nur zu einem Ausblick 
ins Freie. Fürst und Fürstin, bleiben doch nicht mehr sie selbst im 
Märchen. Ferner liest Morris mit Unrecht aus dem Text heraus, daß 
das Gold, welches die Irrlichter von der Decke und den Wänden der 
Alten lecken, von der Lampe herrühre. Es ist echtes Kirchengold der 
volksthümlichen Anschauung, für das, nachdem es der Aufklärung zum 
Opfer gefallen ist, die Lampe Ersatz schafl't. Endlich hat Morris die 
beiden Ufer miteinander verwechselt gerade da (S. 59), wo er sie richtig 
charakterisirt. 



120 Abhandlungen. 



nahe, da sie beide, jeder von seiner Stelle aus, die Aeste 
dieses Goethe-Bäumchens so niederbiegen, daß es leicht 
ist, die Frucht zu pflücken : Ein Bildimgs ausgleiche ein 
Bildungsfortschritt, das Auftreten und Mächtigwerden einer 
neuen Bildung ist der Kern der Vision, die Goethe ursprüng- 
lich vielleicht bald gedeutet wissen wollte,' die er aber, 
als sie in ihrer wahren Bedeutung nicht erkannt wurde, 
später um so lieber in ihrem Dunkel ließ, je mehr die über 
alle Vorstellungen ernste Katastrophe der Wirklichkeit die 
Hoffnungen niederdrückte, zu deren Verkünder er sich 
gemacht hatte. Drei Lichtträger — IrrHcht, Schlange und 
Lampe — vereinen sich zum Heraufführen der neuen Zeit, 
und Schillers Aeußerung »der Schlüssel liegt im Märchen 
selbst« kann ganz wörtlich genommen w^erden, denn der 
sachhch wichtigste Ausspruch, den die Erzählung bietet, ist 
der, den der Alte zu dem jetzt auf ewig vereinten Fürsten- 
paare thut: »Die Liebe herrscht nicht, aber sie bildet, und 
das ist mehr!« 

Schiller ist der wichtigste Zeuge, weil sein Eingeweiht- 
sein in einen anderen Theil der Gedankenwelt des Märchens 
aus der brieflichen Warnung an Goethe, sich am Main vor 
dem »Schatten des Riesen« zu hüten, so sicher erhellt, daß 
hierdurch der Riese selbst sich als Frankreich entschleiert.' 
Damit ist zugleich der zeitgeschichtliche Charakter des 
Märchens festgelegt. Nicht weniger als dreimal stellt Goethe 
uns die Revolution vor's Auge, jedesmal anders, je nach dem, 
was betrachtet werden soll: i. Der Fluß war kürzlich aus 
seinen Ufern getreten: 1793. 2. Der Geist der französischen 
Masse ist der an sich ohnmächtige Riese (»die Menge der 
Menge Tyrann«), dessen Schatten nur wirken kann, wenn 
er den Boden der thatsächlichen Verhältnisse berührt. Er 
trägt dann allerdings auch, im Dämmerschein, über den 
Fluß (Freiheit und Gleichheit sind auch ein Ideal, wenn 
auch ein falsches) und wird sogar der Schlange gefährlich: 
Das Volk wird sie, d. h. den Kulturweg zum Ideal opfern, 

' Die in «Alexis und Dora« (1796) eingeschobenen Verse: »So 
legt der Dichter ein Räthsel« lassen das vermuthen, 

* Auch Dante hat Frankreich als Riesen (Un gigante. Purg. XXXII, 
152), der die Dirne d. h. die entartete Kirche ins Exil von Avignon führt. 
Es ist nicht unmöglich, daß Goethe, der 2 Jahre später im »Prolog 
im Himmel« eine so sichere Dante-Kenntniß offenbart, das Bild über- 
nommen und vielleicht schon in Gesprächen mit Schiller gebraucht hat. 
Die Dante'sche Vision am Baume der Erkenntniß, die mit dem Ein- 
setzen der Taufe beginnt und mit Avignon abschließt, in wenigen 
Terzinen daher 14 Jahrhunderte umfaßt, besitzt dieselbe Eigenheit, durch 
die auch Goethes Märchen sich auszeichnet: Das zielbewußte Festhalten 
am einmal gewählten Bilde. (Poclihanimer, Dante, S. 440.) Auch sie 
vereint Allegorie und Symbol. 



Gor.Tiir.s Märciif.x. 121 



wenn es sich gewöhnt hat, nur noch auf dem Schatten des 
Riesen zu reisen. Erfolgreich im ahen, ohne Erfolg im 
neuen Staat widerstrebt dieser aller Kultur. Aber als nutz- 
bringendes Warnungsstandbild gehört er vor das deutsche 
Haus, und zwar für ewige Zeiten! S- Ludwig XVI., auch 
nur soweit gekennzeichnet im gemischten Könige, um jedes 
Staatsgefüge zu versinnbildlichen, das der Beschreibung 
entspricht, u. a. daher auch das alte deutsche Reich.' 

Politisch im engeren Sinne ist trotzdem das Märchen 
nicht! Ja wir werden gewissen Versuchen zu widerstehen 
haben, die daraus erw'achsen, daß wir einer Königsweihe 
beiwohnen, die dem Eürsten zutheil wird, der in der 
wunderbaren Gesammtlage von 1795 fast allein seine 
Schuldigkeit gethan hat. Das Archivwerk Bojanowskis", 
das nicht nur die Denkschriften Carl Augusts über die 
Vertheidigung Thüringens bringt, sondern auch die Sonder- 
stellung klar legt, in die Weimar durch den Baseler Frieden 
sich versetzt sah, kommt Niemandem erwünschter als dem 
Deuter von Goethes Märchen. Denn wir sehen die Dich- 
tung herauswachsen aus den Verhältnissen, die den Dichter 
umgeben. Wir verstehen, daß er gerade jetzt zur Sache 
des Vaterlandes, ja zur Sache der Zeit das Wort nimmt, 
und wir können nun erst ganz die Art und Weise be- 
wundern, in der er es thut. Er löst, so w'ie nur ihm 
möglich war, sein Wort von Valmy ein und vielleicht wird 
es erst durch das Märchen verständlich, daß er in der 
»Campagne« es noch einmal aufnimmt. Die Prophezeihung 
hat einen Inhalt bekommen, freilich einen solchen, mit dem 
es dem Seher nicht lohnt, sich an die Zeitgenossen zu 
wenden. »Zwei der größten Menschenfeinde«, Furcht und 
Hoffnung herrschen ringsum.' Er allein hat sie gefesselt. 



' Das Allgemeine ist hier ebenso im Besonderen, d. h. in der 
Person geschaut wie Weisheit, Schein und Gewalt in Friedrich, Friedrich 
Wilhelm und Bernhard geschaut sind. Erst die Namengebung erlaubt 
uns, auch die 4 Könige in die symbolischen Gestalten einzureihen, 
während alle Deutungen der Meyer" von Waldeckschen Uebersichtstafel 
(Heidelberg 1879) der Allegorie verbleiben. 

^ Niederschriften des Herzogs Carl August von Sachsen -Weimar 
über den Schutz der Demarkationshnie, den Rennweg (1796) und die 
Defensive Thüringens (1798). Herausgegeben von P. v. Bojanowski, 
Weimar 1902. 

3 Der Herzog selbst zeigt beide. Er mußte hoffen etwas brauch- 
bares zu schaffen, als er seine Ortskenntniß und alles, was er an 
militärischem Wissen besaß, dem großen Ganzen zur Verfügung stellte, 
und doch war er, auch als Fachmann, einsichtig genug, um durchaus 
trübe in die Zukunft zu sehn. Als er seine Entwürfe später einem 
preußischen Offizier (wohl dem Grafen Götzen, dem späteren Ver- 
theidiger Schlesiens) vorlegte, sprach er sich völlig hoffnungslos aus. Da 



I 22 Abhandlungen. 



Er spricht von seiner nächsten Umgebung, nicht aber :(it 
ihr und denkt gar nicht an den morgenden Tag. Er spricht 
im räthselvoUen Kunstwerk (»mit Worten verschränkt«), 
er verzichtet daher auf jedes practische Wirken. Durchaus 
in seiner Zeit stehend arbeitet er zeitenlos, und was er 
träumt, ist kein Kaisertraum. 

Dante schreibt leidenschaftHch in stiller, Goethe ruhig 
in bewegter Zeit. Beide sehen in die Zukunft. Aber Dante 
prophezeit nur Geschehenes und hofft auf den Retter, der 
gewaltsam handeln, den Riesen erschlagen wird etc., Goethe 
bringt überhaupt nur geistige Kräfte ins Spiel und stellt 
einen Wandel dar, der sich organisch von innen heraus 
vorbereiten soll und nur langsam vollziehen kann, dessen 
Triumph er aber dennoch schaut, und nur aus künstlerischen 
Gründen zusammengefaßt in die Katastrophe. Er würde ihn 
sicher noch am Abend seines Lebens nicht als eingetreten 
bezeichnet haben. (Wir können dies ja heute noch nicht 
thun.) Trotzdem sind die beiden Aeußerungen, die Ecker- 
mann aufgezeichnet hat: »Wodurch ist Deutschland groß 
als durch eine bewunderungswürdige Volksbildung, die alle 
Theile des Reichs gleichmäßig durchdrungen hat? Sind 
es aber nicht die einzelnen Eürstensitze, von denen sie 
ausgeht und welche ihre Träger und Pfleger sind?« wichtig 
für das Märchen. Denn sie zeigen, daß dessen beide Ge- 
danken im Geiste des Dichters noch nebeneinander Hegen, 
ja sie geben die beiden Theile des Märchens, wenn man 
nach der Kunstform gliedert. Schon mit dem streng alle- 
gorischen hat der auf der Höhe seiner Erzählungskunst 
stehende Meister so großes geleistet, daß es ihn wohl 
locken kann, ein ganz allegorisches Märchen zu schreiben. 
Aber die symbolische, echt poetische Darstellung wahrt 
doch ihre Ueberlegenheit: Wie viel mehr sagt der neue 
König, der zwischen Goethe und Bismarck' steht, als er 
sagen würde, wenn wir zwei allegorische Gestalten von 
unsern Denkmälern herabsteigen ließen, um sie als Frau 
Bildung und Frau Staatsklugheit neben ihn zu stellen! Und 
wie viel mehr sagt Goethe, den wir ja nicht zum ersten 
Male als Ehemann in einem seiner Märchen finden, der 



er schon 1795 eifrig vorbereitet liaben muß, was wir jetzt lesen, kann 
seine Thätigkeit und die Beurtheilung, die sie in Weimar fand, selir 
wohl das Märchen »ausgelöst« haben, das so wesentlich andere Wege 
einschlug. 

' Noch zu Lebzeiten Bismarcks nannte ich Goethe in einer Fest- 
versammlung der deutschen Kolonie in Zürich den Schöpfer eines 
Bismarck-Denkmals, das 2 Decennien älter sei, als der Kanzler selbst, 
was ich erwähne, weil die N. Z. Z. s. Zt. von dieser Auslegung des 
Märchens Notiz genommen hat. 



GoF.THKs Märchi:\. 125 



aber hier keinen Melusinen-Ring mehr durchfeilt, sondern 
den Bund anerkennt, den er fürs Leben geschlossen hat, 
wie viel mehr sagt er hier, wenn er als der Gebildete und 
Geliebte zugleich der Gebende ist der zu bildenden und 
empfangenden Frauengestalt gegenüber, die das Volk ver- 
tritt, als irijend eine ideale Volksfreundschaftsgruppe geben 
könnte? Und ist es so wunderbar, daß er niemand helfen 
wollte sein Räthsel zu lösen? 

In einem Punkte aber erzieht uns Goethe im Märchen 
gradezu zum Verstehen einer der »Natur der Poesie« ent- 
sprechenden Dichtung: Wir sollen das Verhcältniß des 
Mannes zu dem von ihm geliebten Weibe in den beiden 
Formen, die uns die Lebenserfahrung bietet — Hangen und 
Bangen des unpraktisch Liebetiden einerseits, Heimführen der 
Braut andererseits — aus der sinnbildlichen Darstellung 
heraus anwenden lernen auf den Gegenstand, der zur Be- 
handlung steht, also auf das Wesen des alten und des neuen 
Staats. Wir sehen ein falsches Streben, das zur Entnervung 
selbst des Tüchtigen führt, sodann das Glück, das der Besitz 
dem zu eigenem Feststehen Gereiften gewährt. Die alten 
Eheleute haben ein Haus, der Jüngling hat keins; und das, 
welches alles enthält, was ihn stark machen könnte, steht 
da, wo es nicht wirken kann. Erst wenn das Ideal den 
Weg ins Leben gefunden und unter günstigem Sterne die 
allseitige Arbeit das deutsche Haus an den rechten Platz 
geführt hat, wird die schöne Lilie als Hausfrau da walten, 
wo sich ihr die Hand des Geläuterten entgegenstreckt, der 
jetzt Herr seiner selbst geworden ist: Die Umwandlung 
war niemand nöthiger als ihm. 



IL 

Es bleibt wenig hinzuzufügen. Das Märchen erzählt 
sich selbst, und wir sind ja in der glücklichen Lage, sogar 
in die Werkstatt des Schaftenden hineinschauen zu dürfen : 

Goethe sieht in Jena den alten Mann die Studenten 
übersetzen, die zur Sängerin wollen, und er ergreift das 
Bild, um den Anfang seines Märchens zu finden. So ist 
auch dies eine Gelegenheitsdichtung zunächst im äußeren 
Sinne. Im inneren wird sie es dadurch, daß die Zeit eine 
Gedankenwelt angeregt hat, die Gestaltung verlangt. 

Nun werden die Studenten zu Bringern der Menschen- 
rechte u. s. w., die ins deutsche Land wollen. Sofort muß die 
Sängerin vom jenseitigen Ufer fort und auf das dies- 
seitige verpflanzt werden. Denn die französischen Send- 
Hnge kommen aus der Ideenwelt, wenn auch nicht von 
dem Ideale, nach dem die (jetzt jenseits wohnende) deutsche 



124 Abhandluxgen. 



Welt, im dunklen aber richtigen Drange verlangt. Der 
Rahmen ist gespannt; was das leibliche Auge sah, zerrinnt, 
die »aha fantasia« des Dichters (Dante, Par. XXXIII. 142) 
arbeitet weiter. Die Irrlichter landen an ihnen fremder 
Stätte und werden paßlos befunden. Man entläßt sie erst, 
als sie sich verbürgt haben, den Zoll noch nachträglich zu 
zahlen. Sie linden den Helfer, den sie brauchen, in der 
Frau: Noch stets hat die Volksanschauung die Kosten be- 
zahlt, wenn ein Auf klärungsgedanke das Bürgerrecht sucht. 
Denn er findet es da, wo die Sorge rückständig zu er- 
scheinen am größten ist: beim Ungebildeten. Die höhere 
Bildung duldet dies, wenn sie erkennt, daß dem Fremdling 
eine Kraft inne wohnt, die sie zum Menschheitsfortschritt 
nutzen kann. Im eigenen Hause handelt sie zweckmäßig 
nach den vorliegenden Verhältnissen. Ihr Schützling hat 
zwei Verluste erlitten; der eine ist ersetzbar: die Golddecke 
hergebrachter Vorstellungen. Die neuen sind nicht so ehr- 
würdig, wie es die alten waren, aber dauerhafter, weil von 
der Bildung geschaffen. Bald wölbt sich der alte Himmel 
wieder über dem Volke, nur zeigt er ihm nicht mehr 
Nägel, sondern Sterne. Was aber wirklich gestorben ist 
von der alten Weltanschauung, gehört nicht mehr ins Haus 
der Lebenden. Es bildet jedoch ein Kleinod in der Hand 
der Bildung und kann, vom Ideal berührt, wirklich neues 
Leben gewinnen. (Die Nadowessiche Todtenklage Schillers 
ist ein solcher ewig lebender Onyx-Mops.) Das Volk ist 
etwas heller geworden, gerade durch seine Verluste und 
ist bereit, für den höfHchen Fremdling zu bürgen. Es 
würde dies auch erreichen, selbst im Nachtwächterstaate 
alter Ordnung, wenn es nicht eine Macht gäbe, die das 
nicht will. Der Riese kann, wenn er dem deutschen Volke 
begegnet, nur als personifizirte Autoritätslosigkeit handeln. 
Seine Schattenhände haben Freiheitsbäume gepflanzt und 
der Vernunftgöttin den Wagen geschirrt. Wie können sie 
den Frieden wollen, der im deutschen Staate sich vollziehen 
will?' Der Riese schafft der Frau Verlegenheiten, die erst 
der Umschwung der Verhältnisse aufhebt, und er verhindert 
dadurch auch "eine Anerkennung der Irrlichter, die ihrer- 
seits seine Schattenbrücke verschmähen und trotz ihrer 
Abneigung gegen das Tageslicht den Brückensteg vorziehen. 
Er bleibt ^aber'' ein Geist.' Das Schwert ist machtlos gegen 



' Die Objectivität, mit der Goetlie jeder Figur seines Märchens 
gegenüber steht, fälh besonders auf beim Riesen, für den er nicht das 
leiseste Scheltwort hat, den er aber um so genauer aus seiner Natur 
heraus handeln läßt. So könnte ein Naturforscher, dem seine Wissen- 
schaft höher steht, als sein Leben, ein ihn anspringendes Raubtier be- 
trachten. 



GoKTiius Märcuf.n'. 125 



ihn. Die Sonne entwaffnet ihn, und eine höhere Macht 
fesselt ihn zur rechten Zeit und am rechten Orte. 

Der Baunii^'artsche Betriff »Literatur« für die Schlange 
hat das für sich, daß schon Friedrich der Große von der 
deutschen Literatur gesagt hat, sie werde klarer und durch- 
sichtiger werden. Aber er ist, wenigstens in seiner heutigen 
Bedeutung, zu eng für die Schlange, die so herrlich irr- 
lichter und Lampe verbindet und mit regem Forscher- 
triebe in der Natur sich umsieht über und unter der Erde, 
Sie nimmt alles auf, was irgend zu ihrer Nahrung dienen 
kann und weiß es zu verarbeiten. Schon Rousseau z. ß. 
hat tiefer in Deutschland gewirkt, als im gedruckten Wort 
zum Ausdruck gekommen ist. Die Schlange ist daher 
mehr als dieses, und Stücke geistigen Lebens sind es, die 
sie in den Strom schickt, auf daf^ aus ihnen die Pfeiler 
entstehen zu endgültiger Beseitigung des Hindernisses. 
(Man könnte heut noch kein treffenderes Bild finden, wenn 
man zeigen wollte, wie Flmerson und Nietzsche mit Apho- 
rismen die Pfeiler gegründet haben, die ihre Brücken 
tragen.) Die angesammelten Kulturwerthe müssen ins 
Leben: wir brauchen Presse und Zeitschrift, Sinnspruch und 
Lied, Museen und Büchereien, Theater und Konzerte, 
Unterrichts- und Bildungsanstalten. Aus dem Leben heraus 
wird sich dann der Bau erheben, der Allen das bietet, was 
die Kultur früher nur einzelnen Strebenden bieten konnte, 
und nicht nur das Hinüber sondern auch das Herüber wird 
frei sein. Kein Zensor prüft mehr, was von jenseits ins 
deutsche Leben will. Der erste Fcährmann war Minister, 
der zweite ist Staatsmann und trägt mit Fug und Recht 
das weiße Engelsgewand des vom Himmel Gesandten. Denn 
er wird erst kommen, wenn die Zeit erfüllt ist und die 
Lampe aus seiner Bretterhütte den silbernen Altar geschaffen 
haben wird, der auch der Kirche einen Ehrenplatz sichert 
im neuen Hause. Er ist direkt Träger eines Symbols, des 
Staatsruders, wie der Alte mit der Lampe. Nur ist dieser 
schon vor der Katastrophe dagewesen, hat sie kommen 
sehen und hat rettend gehandelt kraft seiner Leuchte und 
nach den Weisungen, die sie ertheilte. Goethe gibt sich 
nicht als Staatsretter; er ist nur der, der in seinem Kreise 
die Lampe trägt und im eigenen Hause die Verbindung 
vollzogen hat, die, in das geistige Leben der Nation über- 
tragen, zu Schuldenerlaß und Verjüngung führen soll. Er 
weist weit über sich hinaus. 

Und nun erst lohnt es sich danach zu streben : auch aus 
der Krisis »das Allgemeine mit zu erhalten im Besonderen«. 

Im einfachen Niedersinken des Jünglings vollzieht sich 
die Katastrophe, und in den Lüften spiegelt sie sich. Auch 



126 Abhandlungen. 



der Minnegesang hat nur Werth, wenn der Sänger auf 
eigenen Füßen steht. Ein vom Sturmvogel gescheuchtes 
Vögelchen, das nur immer weiter in die Unwirklichkeit 
lyrisch hinein fliegt, stirbt an der Brust des Ideals, bei dem 
es Schutz sucht. Es stirbt den Liebestod, der auch der 
Nation bevorsteht, wenn sie im Suchen nach der blauen 
Blume ihre Kraft erschöpft, statt sich die Lebensbedingungen 
zu schaffen, auf die Schwager Kronos bald schärfer als je 
die Völker sich ansehen wird. Die schöne Lilie hat schon 
viele traurige Erfahrungen gemacht. Sie hat schon viel 
ungesundes Jagen nach unpractischen Zielen gesehen. Der 
Dichter ist auch hier vorsichtig genug, nicht deutlicher zu 
werden, weil ihn dies sofort aus dem Bilde heraus führen 
müßte. Gemeint hat er alles, was den Deutschen, der auf 
Heldenthaten zurückbHckt, schwach gemacht und in staat- 
licher Ohnmacht erhalten hat: den Kaiser- und Krönungs- 
traum der Großen, die Selbstherrhchkeit und Ueppigkeit 
der Kleinen, die Sucht in Satzungen und Gerechtsame zu 
binden, was einer Lebensentwickelung hätte zugeführt 
werden müssen, die ganze bureaukratische Herrlichkeit, die 
sich aufbaut auf der sorgfältigen Erhaltung der Ufer- 
trennung, einschheßlich der Strompolizei. Echt dichterisch, 
um nicht zu sagen homerisch zeigt Goethe die Sache 
lediglich in der Wirkung: im entwaff'neten Jüngling, der 
barfuß geht und sein Schmachten fortsetzt. Erst als sein 
Eigenwille aufgehoben und er Object der Thätigkeit Aller 
geworden ist, lernt er ein richtiges Lieben und ein richtiges 
Freien: — das ist seine »Bildung«. Wie richtig ist dann 
aber auch die Reihenfolge, in der er die Symbole seiner 
Erstarkung erhält: Erstens das Schwert. Zw^eitens das 
Scepter. Drittens den Eichenkranz der wisdom, ohne den 
weder strength noch beauty auf die Dauer ihn schützen 
würden. 

Nur in Weimar wohnte ein fürstliches Ehepaar, das 
dem Märchen im Manne wie in der Frau Gestalten bot, 
die lebenswarm eingesetzt werden konnten und doch der 
symbolischen Vertiefung fähig waren, die die Dichtung 
verlangte. Selbst vom Traumleben der Herrin und von 
ihrer Würdigkeit zu neuem Glück durfte gesprochen 
werden — ein Glück für den Dichter! Nur Weimar besaß 
aber einen Dichter, der diese Gunst der Verhältnisse zu 
nützen verstand, der die Einzelzüge auf der Stelle fest zu 
halten vermochte, von der aus er eine Welt ihrem Sturze 
zutreiben sah, und der doch der entwickelungsfrohe Hoffende 
blieb und der gestaltende Künstler. So schuf er eine 
Dichtung, der eigenes Leben inne wohnt und deren »zwanzig 
Personen« wirklich nichts anderes machen als »das Märchen«. 



GoETfiF.s Märchen. 



12- 



Das Ganze ist doch schießlich eine Germania, die die 
thüringischen Farben trägt. In diesen stellt Goethe dar, 
was er dem Vaterlande wünschte. Sein Seherblick geht 
aber weit über die Grenzen des Landes hinaus, dessen 
Sprache er redet. Aus der Natur der Menschen und der 
Dinge Erfaßtes hat überall Kurs, wo Menschen wohnen. 
Darin liegt die Bedeutung des Märchens für Goethe, für 
uns und tür die Welt. 

Die drei Personen seines nächsten Gesichtskreises sind 
ebenso liebevoll erfaßt und doch ebenso höheren Zwecken 
dienstbar gemacht, wie Dantes Beatrice. Ein aere perennius- 
Denkmal ist das Märchen aber nicht nur für die beiden 
Frauen, sondern auch für den Herzog, der von seinen 
Ahnen geweiht wird zum Herrscher im ideellen Reiche 
der deutschen Bildung und der religiösen Freiheit: 

»Klein ist unter. den Fürsten Germaniens freilich der 

meine. 
Kurz und schmal ist sein Land, mäßig nur, was er 

vermag. 
Aber so wende nach innen, so wende nach außen die 

Kräfte 
Jeder, da wär's ein Fest, Deutscher mit Deutschen 

zu sein.« 



^i:^ 




Die angebliche 
Abhängigkeit der Goethischen 
Metamorphosenlehre von Linne. 



Vo\ 

A. Hansen. 




m Jahre 1885 erschien eine Abhandlung des Pro- 
fessors an der tschechischen Universität zu Prag 
L. Celakovsky, in welcher nach ausführHcher Er- 
örterung als Resultat Folgendes mitgetheilt wurde: »Die 
Metamorphosenlehre ist nicht erst von Wolff und Goethe, 
sondern zuerst und ursprünglich von Linne concipirt und 
mindestens ebenso vollständig, theiKveise noch bündiger 
als von Jenen mittelst der hier vorzugsweise entscheidenden 
teratologisch vergleichenden Methode begründet und be- 
wiesen worden.« 

Gegenüber dem seit 1790 sowohl in der allgemeinen 
botanischen Literatur als in einer Reihe von Schriften und 
Kritiken von Wigand, Kirchhoff, Sachs, Potonic, Goebel, 
Büsgen' ohne Rückhalt anerkannten Eigenthumsrechte 
Goethes hätte die oben wiedergegebene Eröffnung, wie man 
annehmen sollte, einen nicht ungewöhnhchen Eindruck 
hervorrufen müssen. Es meldet aber von ihr keine Zu- 
stimmung, keine Kritik. Das erklärt sich daraus, daß die 
Abhandlung Celakovsky's auf in die Augen fallenden that- 
sächlichen und logischen Irrthümern aufgebaut ist, daß die 



' Goethe-Jahrbuch XL 



Die Abhängigkeit der Goetmisciien Metamorphosenleiire. 129 

offenkundige Tendenz des Verfassers, neue erfolgreiche 
Forschungsrichtungen, wie die Entwickelungsgeschichte, 
herabzusetzen, ein Versuch, den schon Hofmeister vor bald 
fünfzig Jahren nicht übel mit den Feindseligkeiten der Rhein- 
schiffer gegen die Dampf boote verglich, eine ernsthafte 
Widerlegung ganz unnothig machte. So blieb denn die 
Abhandlung aut sich beruhen als ein Beweisstück dafür, 
daß wenn man den Muth für die Rückständigkeit zu fechten 
mit der bewußten oder unbewußten Kunstfertigkeit ver- 
bindet, Begriffe zu ändern und in das Gegentheil um- 
zudeuten, es leicht ist, die ganze Weltgeschichte auf den 
Kopf zu stellen. 

Erst neuerdings ist die Celakovsky'sche Abhandlung 
als maßgebend von skandinavischer Seite genannt worden, 
um dem Ruhme Linnes das zuzuwenden, was ihm zukomme. 
Indem die Ansichten des böhmischen Botanikers ohne Wei- 
teres als richtig angenommen werden, verneint man freilich 
jede objective Behandlung der Frage. Als Vertreter der Cela- 
kovsky'schen Meinung ist der norwegische Botaniker Prof. 
N. Wille in Christiania zunächst nur in einer Tageszeitung' 
hervorgetreten. Diese Kundgebung lautet im Wesentlichen 
und wörtlich wie folgt : »Die Metamorphosenlehre hat 
seinerzeit eine sehr große Bedeutung für die Entv.'ickelung 
gewisser Theile der wissenschaftlichen Botanik gehabt und 
Julius Sachs, sowie nach ihm spätere deutsche Verfasser 
sprechen auch von der durch Goethe begründeten Meta- 
morphosenlehre. Manche räumen freilich ein, daß Goethe 
einen \''orgänger gehabt habe, allein dies soll ebenfalls ein 
Deutscher, nämlich Caspar Friedr. Wolff gewesen sein. In 
Wirklichkeit hat jedoch Finne die Grundprincipien der 
Metamorphosenlehre aufgestellt, was auch schon 1885 von 
dem böhmischen Botaniker Celakovsky bewiesen worden, 
Deutsche Arbeiten verschweigen dies beharrlich und Goethe 
und Wolff werden weiter als Begründer der Metamorphosen- 
lehre gepriesen. 17 51 gab Finne seine »Philosophia bota- 
nica« heraus; in dieser befindet sich ein Kapitel, das bezeich- 
nend genug »Metamorphosis vegetabilisff heißt. Es ist das 
erste Mal, daß das Wort Metamorphose in dieser Verbin- 
dung genannt wird. In dem Kapitel kommen u. A. die 
Sätze vor: »Principium florum et foliorum idem est. Prin- 
cipium gemmarum et foliorum idem est.« In unsere heu- 
tige Sprache übersetzt heißt das, daß Blüten und Knospen 
dieselben Bildungen wie die Blätter sind, worin gerade das 
Grundprincip der Metamorphosenlehre besteht. Im Jahre 
1790 gab Goethe seine berühmte Arbeit »Versuch, die Meta- 



* Aftenposten, Christiania vom 13. September 1903. 

Goethe-Jahrelch XXV. 9 



130 Abhandlungen. 



morphose der Pflanzen zu erklären« heraus, worin er aus- 
führlich die Metamorphosenlehre entwickelt. Daß Goethe 
Linnes Arbeiten gekannt hat, geht daraus hervor, daß er 
auf das dem Titelblatt folgende Blatt als Motto ein Citat 
von Linne gesetzt hat. Aus der zeitgenössischen Literatur 
ist ersichtlich, daß sich die Fachleute dieser Goethischen 
Arbeit gegenüber sehr reservirt verhielten und das Citat 
von Linne hatte somit seine Bedeutung, um zu zeigen, daß 
der Verfasser seine Klassiker studirt habe und sich auf eine 
große botanische Autorität berufen könne. Nach einigen 
Jahren schlug die Stimmung um, Goethes Arbeit wurde 
gepriesen und das Citat von Linne in einer neuen Ausgabe 
fortgelassen. In den späteren Ausgaben der Werke Goethes, 
z. B. auch in »Goethes Werke, herausgegeben im Auftrage 
der Herzogin Sophie von Sachsen, IL Abth., 6. Bd., Weimar 
189 1«, fehlt das Citat, so daß man, um den Zusammenhang 
zu finden, bis zu der jetzt ziemlich seltenen Originalausgabe 
zurückgehen muß.« 

Diese Darstellung mußte zunächst die Goetheforscher 
befremden. Die Mittheilung der Uebereinstimmung Linne'- 
scher und Goethischer Ideen würde als historisches Factum 
weite Kreise interessirt haben. Der Vorwurf, Goethe habe 
durch eine sehr unreif erscheinende Manipulation versucht, 
Linne zu verdecken und sei darin von den deutschen Ge- 
lehrten unterstützt worden, ist dagegen von vornherein 
unglaubwürdig. Es ist zu bekannt, wie dankbar Goethe 
jede Förderung seiner Einsichten selbst berichtet hat. Eine 
ganze Generation ist dadurch für alle Zeiten unsterblich 
geworden. Prof. Kalischer hat die Sache mit dem Motto 
in einer kurzen Notiz' schon ins Reine gebracht. Das 
Motto fehlt keineswegs in allen spätem Ausgaben von 
Goethes Werken, wovon sich die Leser an ihrem eigenen 
Besitz leicht überzeugen können. Es ist in der Weimarer 
Ausgabe im Text fortgelassen und in die Lesarten ver- 
wiesen, weil dieser Ausgabe der letzte bei Goethes Lebzeiten 
1830 erschienene Druck der »Metamorphose« zu Grunde 
liegt. Hier fehlt das Motto. Warum, läßt sich schwer 
entscheiden, es ist thatsächlich überflüssig. 

Prof. Kalischer theilte das Motto in der Uebersetzung 
mit, die lautet: »Ich weiß wohl, daß mein Weg von Nebeln 
umhüllt ist; aber sie werden sich leicht zerstreuen, sobald 
das Licht des Experiments sie durchdringt. Denn die Natur 
bleibt sich immer selbst gleich, wenn sie uns auch oft, 
wegen der Mangelhaftigkeit unserer Beobachtungen mit 
sich in Widerspruch zu stehen scheint.« 



ö 



Vossische Zeitung 1903, Nr. 458. 



Die Abhängigkeit der Goethischen' Mftamorphosen'I-emrf.. 131 

Es ist sonnenklar, daß dieses Motto gar nicht den Zweck, 
der Goethe untergelegt wird, hatte, aut Linnc hinzuweisen. 
Die Wei^lassung des Mottos erschwert um so weniger den 
Nachweis eines historischen Zusammenhangs, als Goethe 
im Text seiner Metamorphose auf das Ausführlichste auf 
Linnc hinweist. Er berutt sich dabei freilich nicht auf die 
Autorität des berühmten Botanikers, sondern bekämpft 
dessen ganz andere Ansichten über Metamorphose, allein 
Linnes Ruhm geschieht die höchste Genugthuung. Was 
nun aber die Nachweise von N. Wille aus Linnes Schriften 
für seine Priorität angeht, so sind diese ebenso unvoll- 
kommen als irrthümlich. 

Chronologisch unrichtig ist, daß das Wort Metamor- 
phose in der Philosophia botanica zuerst mit Rücksicht auf 
die Pflanzen gebraucht wird, Linnc hat schon in der Vor- 
rede der Bibliotheca botanica von 1735 seine Ansicht von 
der Metamorphose angedeutet. Sachlich unrichtig ist, daß 
man den Satz aus der Philosophia botanica wörtlich in 
unsere heutige botanische Sprache übersetzen darf. Man 
kann ihn natürlich nur so autfassen, wie Linne ihn gemeint 
hat. Der Sinn des Satzes aber ist dann : Der Ursprung der 
Blüte und Blätter ist derselbe, weil beide (nach Linnes 
Theorie) aus den Geweben des Stengels hervorgehen, die 
das Mark umgeben. 

Die botanische Literatur der Linne'schen Periode, welche 
man von dem Erscheinen desSystema naturae 1735 bis zum 
Ende desselben Jahrhunderts rechnen kann, zeichnet sich 
durch Einseitigkeit und in Bezug auf die Hauptfragen durch 
größte Dürftigkeit aus. Die Pflanzenkenntniß, d. h. die durch 
Sammeln erreichbare, vermehrte sich in's Ungemessene, 
aber über das Wesen des pflanzlichen Organismus erfährt 
man so gut wie nichts Neues. Wenn man erwägt, daß 
die botanischen Reisen, zum Theil durch Linne angeregt 
und gefördert, einen wahren Pflanzenstrom in die Herbarien 
veranlaßten, daß ein Sloane oder Sherard allein 10 000 
Pflanzenarten und mehr von ihren Reisen heimbrachten, 
dann begreift man, daß die Botaniker in diesem Strom 
ganz untertauchten und von der eigentlichen Botanik nichts 
wissen wollten. Bei einer geringeren Einseitigkeit Linne's 
hätte sich die Sachlage wohl günstiger für die Wissen- 
schaft gestaltet. Seine feste und bis zum Ueberdruß in 
seinen Schriften wiederholte Meinung, ein Botaniker sei 
nur der, der alle Pflanzen mit Namen kenne, wurde um 
so mehr Gesetz, als Linnc durch seinen Erfolg auf dem 
Gebiete der Nomenclatur und Classification zu einer unan- 
fechtbaren Autorität, trotz mancher Gegnerschaft, geworden 
war. Und so führte denn die bei Linnc noch aus seiner 

9* 



132 Abhandlungen. 



Anlage und seinem Bildungsgange verständliche und durch 
den Erfolg entschuldbare Einseitigkeit, mit welcher er die 
vorhandenen Leistungen auf dem Gebiet der allgemeinen 
Botanik (der wahren Grundlage für die spätere Systematik) 
völlig verkannte, zum Extrem. Wenn Linne die Anatomen 
und Physiologen als Dilettanten (Botanophili) bezeichnete, 
blos weil er weder von mikroskopischen Untersuchungen 
noch physiologischer Methodik etwas verstand, so schreckte 
er durch diese Mißachtung von der Verfolgung wahrhaft 
wissenschaftlicher Fragen ab, statt auch im Interesse der 
natürlichen Systematik^ dazu zu ermuntern. 

Es war also kaum eine höhere Stufe, als die der 
Gegner des Mikroskops im Anfange seines Jahrhunderts, 
welche trotz der Leistungen von Malpighi und Grew den 
Gebrauch des Mikroskops für unzulässig und irreführend 
erklärten. Nur zögernd und ohne Erfolg wagte sich daher 
in der Linne'schen Periode eine spärliche phytotomische 
und Anfänge einer morphologischen Literatur hervor. Auf 
teleologischem, von Aristoteles ererbten und bis in jene 
Zeit gepflegten Standpunkte stehend, kommt eine dürf- 
tige Beschreibung der Pflanzenorgane zu Stande, ohne 
lichtvolles Eindringen oder gar eine fruchtbare Idee. Die 
glänzende Ausnahme, Wolffs 1759 erschienene Theorie der 
Generation, wurde kaum beachtet, nicht verstanden und 
bald vergessen. Goethe erst lenkte die Aufmerksamkeit 
wieder auf Wolfl" und erwarb sich damit ein unvergeß- 
hches Verdienst. Und unter dieser Literatur erscheint 
plötzHch, unvermittelt, die Schrift eines Dichters, Goethes 
Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären, ganz 
anderen, neuen Geistes, was beinahe verwunderlich erscheinen 
könnte, da Goethe um in die Botanik einzudringen, den 
damals einzigen Meister Linne auf das Eifrigste studirt 
hatte. Allein es war trotzdem keine Schrift im Linne'schen, 
sondern im eigenen Geiste. Wir würden das nur schwer 
verstehen, wenn Goethe, nach seiner Erzählung, wie sehr 
Linne auf ihn gewirkt habe, nicht hinzufügte, er sei nicht 
durch Zustimmung von Linne angeregt worden, sondern 
»durch den Widerstreit, zu welchem er mich auff'orderte. 
Denn indem ich sein scharfes, geistreiches Absondern, seine 
treff"enden, zweckmäßigen, oft aber willkürhchen Gesetze 
in mich aufzunehmen versuchte, ging in meinem Innern 
ein Zwiespalt vor: das, was er mit Gewalt auseinander zu 
halten suchte, mußte, nach dem innersten Bedürfniß meines 
Wesens, zur Vereinigung anstreben.« 



' Mit diesem kurzen Ausdruck ist selbstverständlich der Ausbau des 
natürlichen Systems gemeint. 



DieAbhangigkf.it df.r Gof.thischkn Metamorphosf.xlfhrf. 133 

Durch diese wenigen Sätze trctiendstcr Kritik beweist 
Goethe genugsam, wie weit er seiner Zeit voraus war. 
Diese Worte sind das Kennzeichen der Reaction, die mit 
Goethes Schrift gegen die Hemmungen der Linne'schen 
Botanik begann. Goethes »iMetamorphose« kann als Sym- 
bol der neuen Epoche bezeichnet werden. Demgegen- 
über möchte man darüber näheren Aufschluß gewinnen, 
warum Linne auf Goethe einen solchen Eindruck gemacht 
hat. Ich glaube der Grund liegt auf der Hand, es ist der 
gleiche, der auch die Zeitgenossen Linne's fortriß. Die 
Botanik war bei Linnes Auftreten keine consolidirte 
Wissenschaft. Sie lag in den Händen von Liebhabern und 
Vertretern anderer Wissenschaften, welche Pflanzen sam- 
melten. Man denke an den Geistlichen Ray, an Boerhave, 
der doch in erster Linie Arzt war, an den Anatomen 
Haller. Kaum könnte man außer Tournefort einen Fach- 
botaniker, der Linnes Zeit berührte, nennen. Linne faßte 
das, was man damals unter Botanik begriff, Terminologie 
und Systemkunde, zu einem übersehbaren und lehrbaren 
Kenntnißkreis zusammen. Es waren freilich nur die primi- 
tivsten Anfänge einer Induction, aber immerhin war es 
eine That, und daß diese durch bloße Ordnung und Classi- 
fication ihrer Objecte auf einmal sichtbar erscheinende 
Botanik Eindruck machte, begreift sich um so mehr, als 
die neu eingekleidete Wissenschaft keine schwierige theo- 
retische, sondern eine zunächst blos statistische war. Die 
Leichtigkeit, ein »Botaniker« zu werden, ließ ihr sogleich eine 
Menge jünger zuströmen. Linne bezeichnete seine Leistung 
kühn als »Reformation der Botanik«. Da es sich aber 
doch nur um ein Sammeln der zerstreuten wissenschaft- 
lichen Elemente und um die Einordnung in das höchst 
übersichtliche Fächerwerk der Definition handelte, so war 
es thatsächhch wohl eine Reform, aber keine Reformation 
in dem Sinne einer Neugestaltung der Botanik nach neuen, 
höheren Gesichtspunkten. 

Daß die »Philosophia botanica«, dies klassische Abbild 
Linne'scher Denkarbeit, auf den von Jugend an zu pein- 
lichster Ordnung der Wissensgebiete erzogenen Goethe 
den besten Eindruck machte, wer will sich darüber wundern? 
Aber während Martius noch 1840 in überschwänglicher 
Verkennung des eigentlichen Werthes die Philosophia bota- 
nica »das goldene Buch« nennt, hatte Goethe schon erkannt, 
was man daraus lernen könne, was nicht. 

Er schreibt am 14. October 1816 an Zelter: »Ich habe 
dieser Tage Linnes Schriften wieder vorgenommen, in 
denen er die Botanik begründet, und sehe jetzt recht gut, 
daß ich sie nur symbolisch benutzt habe, d. h. ich habe 



134 Abhandlungen. 



diese Methode und Behandlungsart auf andere Gegenstände 
zu übertragen gesucht und mir dadurch ein Organ er- 
worben, mit dem sich viel thun läßt.« 

Am 7. November des gleichen Jahres an denselben: 
»Alles was auf uns wirkt ist nur Anregung und, Gott sei 
Dank! wenn sich nur etwas regt und kÜngt. Diese Tage 
hab' ich wieder Linne gelesen und bin über diesen außer- 
ordentlichen Mann erschrocken. Ich habe unendlich viel 
von ihm gelernt, nur nicht Botanik.« ' 

Aus diesen Sätzen geht nicht nur Goethe's richtige 
kritische Ansicht hervor, sondern vor Allem die Thatsache, 
daß er sich zwar aus Linne botanisch vorgebildet habe, 
von einer Uebernahme seiner Gedanken aber keine Rede ist. 

Goethe mußte die Enttäuschung aller weitblickenden 
Geister erleben, damals nicht verstanden zu werden. Die 
Hoffnung, für seine Theorie eine freudige Anerkennung 
bei der Wissenschaft zu ernten, wurde bitter getäuscht. 
Zunächst nicht für ernste Wissenschaft genommen, wurde 
die Schrift wenig beachtet und es mul!l)ten vierzig Jahre 
darüber hingehen, ehe die Botanik die Metamorphosen- 
lehre in sich aufgenommen hatte. Blicken wir heute auf 
die botanische Literatur von 1790 zurück, so ist das Meiste, 
was wir finden, vöUig veraltet und abgethan und wenn 
auch für den Historiker nicht ganz ohne Interesse, doch 
ohne Genuß. Wenn Goethes Schrift uns noch heute 
durch unzerstörbare Frische anmuthet, so liegt das in erster 
Linie an der Sprache, die unsere Sprache ist, und an der 
Form der Darstellung, die nie veralten wird. Prüfen wir 
aber den Inhalt der Schrift, so kann man den Autor nicht 
minder glücklich preisen. Immer wieder findet der Fach- 
mann auch heute hohen Genuß beim Lesen der Goethischen 
Schrift, er vergißt fast, daß hier ein Dichter spricht, 
so sehr ist dieser zum Naturforscher geworden. Wenn 
wir auch in der Botanik über Goethe zu neuen Kennt- 
nissen und Einsichten fortgeschritten sind, so ist seine 
Schrift nicht in dem Maße veraltet, wie die gleichzeitige 
linnaeanische Literatur, deren Ideenlosigkeit nach Berich- 
tigung der Thatsachen ihr kein Fortleben gestattete. Die 
Goeth^ische Idee der Metamorphose lebt noch, sie ist als 
logisches Princip zum Verständniß einer Reihe zusammen- 
hängender Erscheinungen derWirklichkeit lebendig geblieben, 
sie spielt heute eine hervorragende Rolle in der seit Goethe 
so genannten Morphologie. Diese Ansicht vertrete ich 
mit aller Bestimmtheit, denn sie entspricht der historischen 

^ Um so mehr ist es wohl heute begreiflich, daß uns die Linnesche 
»Philosophia« wenn sie dem Urtheil des heutigen wissenschaftlichen 
Standpunktes unterläge, kaum als Botanik erscheinen würde. 



Die Abhängigkeit der Goethischen Metamorphosenlehre. 135 

Wahrheit. Und nur das ist der Grund, warum Goethes 
Eigenthumsrecht ohne Nachgeben gewahrt werden soll. 
Nicht aus nationalem Selbsttewußtsein, sondern gerade, 
weil die Wissenschaft international ist und es dieser That- 
sache des modernen Culturlebens völlig widerspricht, 
Linne Verdienste, aut die er nie Anspruch erheben konnte, 
nie erhoben hat, auch nie erhoben haben würde, künstlieh 
zuzuschreiben, einem nationalen Cultus zu Liebe. 

Hier eine dünne Inhaltsangabe des Goethischen Werkes 
zu geben, erscheint überflüssig, da es in Jedermanns Händen 
ist und es geradezu sündhaft wäre, vom Lesen eines so 
bewunderungswürdigen Literaturdenkmals abzulenken. Nur 
soviel darf hier mitgetheilt werden, um Goethes Meta- 
morphosenlehre mit der gleichlautend bezeichneten Theorie 
Linncs vergleichen zu können. 

Der Grundgedanke von Goethes Metamorphosenlehre 
ist die Auff"assung, daß alle Seitenorgane eines einjährigen 
Pflanzenstengels, von den Cotyledonen bis zu den Blüten- 
theilen nichts seien, als umgewandelte Blätter. Dieser 
Gedanke scheint dem Laien möglicherweise nicht sehr 
bedeutungsvoll, allein er weist auf die Wahrscheinlichkeit 
hin, daß das, was zum vorläufigen Verständniß durch 
Namengebung willkürlich getrennt wird, in Wirklichkeit 
im engsten Zusammenhange stehe. Indem Goethe alle 
Theile derPflanzenur alsUmwandlungen eines Grundorgans, 
des Blattes, betrachtet, wird nicht nur für vorher zusammen- 
hanglose Thatsachen ein gedanklicher Zusammenhang ge- 
schaff"en, sondern auch der Forschung ein Weg eröff"net, 
einen Zusammenhang in Wirklichkeit aufzusuchen. Der 
Beantwortung wichtiger wissenschaftlicher Fragen muß 
die Gedankenarbeit voraufgehen. Ehe die Vorstellung 
nicht die Möglichkeit erwogen, wie die Dinge in Wirk- 
lichkeit wohl beschaff"en sein können, hilft es gewöhnlich 
nicht, mit einer Untersuchung zu beginnen. Auch Wolff", 
der in der Beobachtung weiter als Goethe vorgedrungen 
war, hatte vor der Auffindung des Entstehungsortes der 
Blätter am Stengel durch Beobachtung, überlegt, warum 
er den Vegetationspunkt gerade dort zu suchen habe. 
Goethes Gedanke war Vorbedingung und Anfang ziel- 
bew^ußter morphologischer Untersuchung. 

Daß der gleiche Gedanke schon bei Linne zu finden 
sei, wie mehrfach behauptet worden ist, beruht auf einem 
sehr leicht begreiflichen Irrthum. Auch Linne hat sich eine 
Ansicht über die Metamorphose der Pflanzen gebildet, welche 
mit der Metamorphose der Insecten übereinstimmen sollte, 
eine freilich gänzlich unbegründete und völlig hinfällig 
gewordenene Meinuns;, 



136 Abhandlungen. 



Diese »Metamorphosis plantarum« oder vegetabilis hat 
Linne wiederholt in seinen Schriften erwähnt und erörtert, 
denn er hielt sie für eine seiner wichtigsten Entdeckungen. 
Am unklarsten wird diese Metamorphosenlehre in der 
»Philosophia botanica« mitgetheilt, jenem schon erwähnten 
ersten Handbuch der Botanik, wenn man es so nennen will. 

Hier findet sich ein Kapitel, überschrieben »Meta- 
morphosis vegetabihs«. Was damit gemeint sei, setzt Linne 
offenbar als bekannt voraus, denn er erläutert mit keinem 
Worte diesen Begriff", sondern ergänzt ihn durch eine An- 
zahl zusammenhangsloser Sätze. Es ist also gar keine Rede 
davon, daß hier eine Theorie zusammenhängend mitgetheilt 
wird, und wxr die Linnesche Metamorphosis nicht kennt, 
wird sie aus den autgeführten Sätzen nicht kennen lernen, 
sondern auf etwas ganz Anderes gerathen, wie es modernen 
Autoren ergangen ist. 

Von diesen wird der Satz : princtpnm florum et foliorum 
idem est citirt als Beweis, daß Linne schon die gleichen 
Gedanken wie Goethe gehabt habe,' Auch wenn man ihn 
wörtlich nehmen dürfte, so hat er mit Goethes Meta- 
morphose gar nichts zu thun. Wörtlich übersetzt heißt der 
Satz : Der Ursprung der Blüten und Blätter ist derselbe. Um 
diesen Satz mit Goethes Lehre: Blätter und Blütentheile 
sind Umwandlungen eines und desselben Grundorganes in 
Einklang zu bringen, bedürfte es der complicirtesten logi- 
schen Operationen. Allein die Sache liegt viel einfacher. 
Die Ausleger dieses Satzes, ungenügend bekannt mit Linnes 
Ansichten, haben sich getäuscht. Was Linne mit der Meta- 
morphose meint, hat er sowohl vorher als nachher an 
andern Orten deutlich genug angegeben. Linne, ganz un- 
bekannt mit der w^ahren Entstehungsart der Organe, obwohl 
schon zu seiner Zeit K. F. WolfF die ersten Beobachtungen 
darüber gemacht hatte, ließ Blätter und Blütentheile aus 
den Geweben des Stengels entstehen, und der Satz prin- 
cipium florum et foliorum idem est bedeutet: Der Ursprung 
der Blüten und Blätter ist derselbe, weil beide nach Linnes 
Theorie aus den Gewebeschichten des Stammes entstehen, 
die das Mark umgeben. Dieser Punkt ist übrigens längst 
in Sachs' Geschichte der Botanik klargelegt, so daß es um 
so verwunderlicher ist, diesen alten Irrthum nochmals auf- 
tauchen zu sehen. 

Diese mit seiner Metamorphosenlehre eng verknüpfte 
— es sei sogleich bemerkt, ebenfalls völlig falsche — Vor- 
stellung von einer Entstehung der Blütentheile aus Geweben 



Z. B. in Viehoffs Goethebiographie und von einzelnen Botanikern, 



Die Abhängigkeit der Goetiiischen Metamorphosexlehre. 137 

des Stengels hatte Linnc den Schriften des Caesalpin ent- 
nommen. 

Andrea Caesalpino, Professor in Pisa (geb. 15 19 in 
Arezzo), veröffentlichte 158^ sein Werk: De plantis, 
Hbri XVI, in welchem ganz besonders die Fructihcations- 
organe bevorzugt werden. Ohne freilich die Sexualität zu 
ahnen, hatte er doch die Blütentheile ziemlich gut kennen 
gelernt. Er bezeichnete auch ohne Weiteres die blatt- 
ähnlichen Kelch- und Kronenblätter als Blätter (folium). 
Ueber die Entstehung des Samens hatte er sich eine eigen- 
thümliche Vorstellung gebildet. Derselbe sollte aus dem 
Mark des Stengels entstehen, welches Caesalpin für den 
Sitz des Lebens ansah; die Hülle des Samens, also die 
holzigen Samenschalen und die Fruchthüllen ließ er aus dem 
Holz und der Rinde hervorgehen, die das Mark umgeben. 

Diese nicht auf Beobachtung beruhende mittelalterliche 
Ansicht hatte Linne nun in gleichem Sinne weiter gebildet, 
indem er auch Kelch, Krone und Staubgefäße aus den 
Stengelgeweben entstehen ließ. Die ganz und gar auf Ein- 
bildung beruhende Vorstellung, die man schon zu Linnes 
Zeiten leicht durch Beobachtung widerlegen konnte, verband 
er nun weiter mit der Metamorphose der Insecten, der er 
denn auch den Namen »Metamorphose« für seine ganze 
complicirte Theorie entnahm. 

Am ausführlichsten hat Linne in einer Dissertation 
unter dem Titel »Metamorphosis plantarum« 1755 seine 
Lehre veröffentlicht, die in der Sammlung Linnescher 
Schritten, die den Titel Amoenitates academicae trägt, auf- 
genommen wurde. Der Ausgangspunkt, wie die Theorie 
selbst sind gänzlich unhaltbar. Der Vergleich der Pflanze 
mit den Insecten ist durch keine, nicht einmal durch eine 
ungenaue Beobachtung motivirt, sondern scholastische Ge- 
dankenarbeit ohne Wahrheit und Werth. Für den Vergleich 
der Pflanzen mit Insecten stützt sich Linne auf den be- 
rühmten Swammerdam und Needham, von denen er angibt, 
sie hätten die Analogie zwischen Pflanzen und Insecten 
unumstößlich bewiesen. 

Daraus geht denn zur Genüge hervor, daß diese, wie die 
meisten Theorien Linnes nicht einmal originell waren, son- 
dern ohne Untersuchung ihres Werthes auf die Botanik 
übertragen wurde. Linne nat demnach gar nicht, wie meistens 
berichtet wird, den Begriff der »Metamorphose« für die 
Pflanzen neu erdacht, sondern die schon von Andern fälschlich 
angenommene Analogie mit dem gleichen Wort bezeichnet. 

Linne behauptet in der oben genannten Schrift wört- 
lich Folgendes : Die Naturkundigen haben die Umwandlung 
der Insecten Metamorphose genannt. Beiden meisten Pflanzen 



138 Abhandlungen. 



sehen wir (videmus!) dieselbe Metamorphose. Die Rinde 
der Pflanzen verhält sich genau wie die Larvenhülle, aus 
der das Insect ausschlüpft und die das befreite Insect zurück- 
läßt. Dasselbe geschieht bei den Pflanzen, wenn sie Blüten 
bilden. Sie treten aus der geöffneten Rinde hervor, aus 
welcher zunächst der Kelch entsteht, dann sehen wir, wie 
gesagt, das Eingeweide der Pflanzen, nämlich die Blume 
hervortreten, welche ihre Krone entfaltet, mit mehligen 
Staubbeuteln und der feuchten Narbe, denn zu diesen Theilen 
entwickelt sich der Bast, das Holz und das Mark frei und 
zu wirklichem Leben. 

In den Amoenitates IV (S. 372 und 374) wird diese 
Theorie nochmals erläutert: »Wie die thierische Maschine 
aus den Systemen des Gehirns und der ernährenden Ge- 
fäße besteht, so auch die pflanzliche. Bei dieser vertritt 
das Mark die Stelle des Gehirns oder des Rückenmarks 
und die Rinde die Stelle der Gefäße, durch welche der 
Nahrungssaft geführt wird. In der Rinde wird jährlich der 
Bast abgeschieden, aus dem Baste entsteht das feste Holz 
an Stelle der Knochen. So bilden denn diese beiden wesent- 
lichen Theile die Larve der Pflanze und wandeln sich dann, 
wie beim fliegenden Insect, wenn es zum Käfer wird, in 
die Blüte um, mit dem rindenbürtigen Kelch, während die 
flügelartigen, wenn auch befestigten Blumenblätter aus dem 
Bast, die männlichen Staubfäden aus dem Holz und das 
weibliche Pistill aus dem Mark entstehen.« 

Auf Seite 374 der »Metamorphosis« wird nochmals ganz 
klar wiederholt: »Die Rinde bildet das Perianth (Kelch), 
der Bast die Blumenkrone, das Holz wird in Staubfäden 
verwandelt, das centrale Mark liefert das Pistill und in den 
Samen neue Lebewesen.« 

Wenn man überlegt, daß, trotzdem die einfachste Be- 
obachtung diese Theorie widerlegt hätte, hier immer mit 
größter Bestimmtheit Thatsachen behauptet w^erden, die 
man sogar sehen soll, obgleich sie gar nicht vorhanden 
sind, so erhellt daraus zur Genüge, nicht nur wie wenig 
Linne ein Naturforscher im heutigen Sinne war, sondern 
auch, wie sehr er schon hinter einem Goethe als solcher 
zurückstand. 

An seine oben erörterte abgeschlossene Theorie der 
Metamorphose schließt Linne in seiner citirten Abhandlung 
nur locker eine Reihe allgemein bekannter Thatsachen an, 
z. B. die doppelte Blattform beim Wasserhahnenfuß, die 
Füllung der Blüten, die aber ebenfalls durch Ausbreitung der 
aus Holz entstandenen Staubfäden erklärt wird. Ferner die 
Bildung krauser und zerschlitzter Blattformen und endlich 
die Mißbildungen und Gallen. Alle diese Dinge bezeichnet 



Die Abhän'gigkeit der Goethischen Metamorphosexi.ehre. 139 

Linne ebenfalls mit demWort Metamorphosen oder Transmu- 
tationen, ohne sie aber irgendwie theoretisch zu verbinden. 

Es handelt sich hier also um bloßes Unterbringen der 
allerverschiedensten Dinge unter dasselbe Wort, um bloße 
Classification, die Linne Lebensbedürfniß war. Indem Linne 
aber auch hier dasselbe von ihm schon mit einem ganz 
anderen Sinne verbundene Wort Metamorphose ebenfalls 
blos dem Wortsinne nach gebrauchte, verstößt er gegen 
die einfachsten Gesetze der Logik. Wenn sich nun unter 
den hier aufgezählten Dingen auch einiges findet, was von 
Goethe ebenfalls zurBegründung seiner Metamorphosenlehre 
benutzt wird, z, B. die gefüllten Blüten, so ist es fürwahr 
ein kühner Schritt, deshalb hier die Keime der Goethischen 
Lehre finden zu wollen. Der große Unterschied ist der, 
daß von Linne Thatsachen in wenig durchdachter Weise 
klassifizirt werden, wobei das Verschiedenste zusammen- 
geworfen wird, Goethe die verwandten Dinge aussondert 
und durch einen Gedanken verbindet. 

Hätte Linne den Gedanken gehabt, daß die Blüten- 
. Organe umgewandelte Blätter seien, so würde er zweifellos 
das an geeigneter Stelle seiner Schriften hervorgehoben 
haben. Statt dessen finden sich auch noch in allen späteren 
Ausgaben des Systema naturae die Blütenorgane ohne jede 
Beziehung auf einander aufgezählt und ausschließlich durch 
ihre vermeintliche Abstammung von Geweben des Stengels 
charakterisirt. 

Es handelt sich also um weiter nichts, als daß die 
neueren Autoren, verleitet durch den unbestimmten und 
mehrdeutigen Gebrauch des bloßen Wortes Metamorphose 
bei Linne hier künstliche Deutungen versucht haben, die 
ohne jede Unterlage sind. Die größten Willkürlichkeiten 
hat sich Celakovsky erlaubt. Da in der von Linne, in 
allen seinen Schriften so genannten /)Metamorphosis plan- 
tarum« schlechterdings keine Aehnlichkeit mit der Goethi- 
schen Metamorphosenlehre zu entdecken ist, schafi"t Cela- 
kovsky dieselbe ganz bei Seite, indem er ihr den Titel 
»Pseudometamorphosenlehre« giebt und sie damit als nicht 
discutabel eliminirt, dagegen in den von Linne nur ganz 
nebenher ebenfalls als Metamorphosen bezeichneten, in 
keiner Weise theoretisch vereinigten Thatsachen nicht blos 
Keime der Goethischen Darstellung erblickt, sondern die 
Metamorphosenlehre hier ebenso vollständig begründet 
findet, ts ist das eine Aenderung historischer Dokumente 
und dieser Nachweis ausreichend um ein weiteres Eingehen 
auf diese Abhandlung als ungerechtfertigt erkennen zu lassen. 

Während Linne in semer Metamorphosenlehre einen 
Zusammenhang der Blütentheile mit den Geweben des 



140 Abhandlungen. 



Stammes behauptete und durch seine Deutung nach Ana- 
logie der Insectenmetamorphose beweisen wollte, daß die 
Pflanze in der Blüte allein ihr eigentUches Wesen offenbare 
und die Blüte für die Erkennung der Art allein Bedeutung 
habe, hat Goethe sich eine ganz andere Aufgabe gestellt, 
die den Weg zur modernen Morphologie eröffnete. 

Er legte weder auf die Blüte das Hauptgewicht, noch 
auf die Entstehung ihrer Theile, sondern auf die Beziehung 
der Stengelorgane zu einander. Mit klarem Blick erkannte 
er, daß hinter der auf der Hand hegenden und durch die 
Namen der Organe bezeichneten Verschiedenheit eine Aehn- 
Hchkeit stecke, wie er sagt: eine geheime Verwandtschaft 
der äußeren Pflanzentheile. Cotyiedonen, Blätter, Kelch, 
Krone, Staubfäden und Frucht sind nur äußerlich ver- 
schieden, dem Wesen nach gleich. Die vollendete Thatsache 
dieser Verschiedenheit nannte Goethe Metamorphose und 
stellt sich vor, daß die Organe des Stengels stufenweise 
durch Umwandlung einer Gestalt in die andere ihre be- 
sondere Form erlangt hätten. Es ist, als ob die Organe 
von unten nach der Blütenregion zu sich allmählich ver- 
vollkommneten und verfeinerten, als wenn die Metamor- 
phose gleichsam auf einer gedachten Leiter den Höhe- 
punkt erreichte. Diese Anschauung ist natürlich eine stark 
poetische, denn das tieferstehende Laubblatt ist für seine 
Aufgabe ebenso vollkommen gebaut, wie ein Blütentheil 
für die seinige. 

Die Metamorphose ist bei Goethe keine beweo^ende 
Ursache, sondern blos eine Anschauungsform für eine That- 
sache. Goethe hat als Grundlage für seine Lehre die ein- 
gehende und wiederholte Naturbeobachtung benutzt und 
erscheint gerade in diesem Punkte modern gegenüber Linne. 
Nachdem er aber die beobachteten Thatsachen durch den 
Begriff der Metamorphose verbunden, hat er die Aus- 
führungen in seiner Schrift auf das Gebiet des begriffhchen 
Denkens verlegt, denn wenn er sagt, die Staubfäden seien 
durch Zusammenziehung veränderte Blumenblätter, so ist 
das bloße Begriffsbildung und keine kausale Erklärung. Er 
sagt ja auch später (120), man könne ebensogutsagen, ein 
Staubgefäß sei ein zusammengezogenes Blumenblatt, als ein 
Blumenblatt sei ein Staubgefäß im Zustande der Ausdehnung. 

Seine ganze Beweisführung beruht demnach nicht mehr 
auf Untersuchung nach naturwissenschaftlicher Methode, 
wie sie schon vor Goethe C. F. Wolff begonnen, sondern 
ist in das Reich der Begriffe verlegt, beruht weniger auf 
einem Vergleich von Dingen, als von aus diesen gewonnenen 
Begriffen. Goethe gelangt aber auf diesem Wege zum 
vorläufigen Abschluß. Die Betrachtung der Stengelorgane 



Die Abhängigkeit der Goethischen Metamorphoseklehre. 14 1 

führt ihn endhch zu dem allgemeinen Bee;riff des Blattes 
(^115—119). Er erkennt, daß alleÜrgane vom Keimblatt bis zu 
aenBlütentheilen als umgewandelte Blätter aufzufassen sind. 

Damals war weder die durch das Mikroskop geförderte 
entwickelungsgeschichtliche Forschung, die erst durch 
Schieiden zur Herrschaft gelangte vorhanden, noch hatte 
man eine Ahnung davon, daß es gelingen würde, durch 
Experimente an der Pflanze selbst zu beweisen, daß der 
Hypothese der Metamorphose Thatsachen entsprechen, wie 
das heute durch die interessanten Untersuchungen von 
Vöchting, Goebel u. a. geschehen ist. 

Goethe suchte auf speculativem Wege auch der Frage 
und der Ursache der Metamorphose näher zu treten. 

Als chemisch-mechanische Ursachen der Metamorphose 
betrachtet Goethe die Verfeinerung der Säfte und das Ver- 
halten der Spiralgefäße, die z. B. bei der Zusammeziehung 
der Staubfäden als mechanische Hemmungen wirken sollen. 
Beides ist unbegründet. Aber wir sind über Ursachen der 
Metamorphose auch heute nicht über die Hypothese hinaus- 
gelangt. Goethes Verdienst um die Metamorphosenlehre 
w^äre geringer, wenn er nur ausgesprochen hätte, was die 
Botaniker schon geahnt oder gar gewußt hätten. Das war 
aber nicht der Fall. Die Botanik verhielt sich völlig ab- 
lehnend gegen Goethe (gerade die Linnesche Schule). Erst 
seit Decandolle wurde die Metamorphosenlehre ein Kapitel 
der Botanik. Durch falsche Auffassung der Metamorphose 
als einer idealen bewegenden Ursache wurde hier manche 
Verwirrung angerichtet, die man jedoch mit Unrecht Goethe 
anrechnen würde. Seine Anschauung hat den Anstoß ge- 
geben zur Wiederaufnahme und glücklichen Verfolgung 
des von C. F. Wolff schon vorher fcei diesem Gegenstande 
eingeschlagenen entwickelungsgeschichtlichen Weges, der 
dem Dichter ferner lag. Und so sind wir von Goethes 
Ideen zu experimentellen Beweisen der Metamorphose und 
zu einer klaren naturwissenschaftlichen Auffassung gelangt, 
wie sie heute in erster Linie von Goebel vertreten wird. 
Es handelt sich nicht mehr um bloße Beziehung der der 
Organformen auf einen idealen Blatttypus, der real nicht 
existirt, sondern um eine reale Umwandlung bestimmter 
Organanlagen. Est ist offenbar, daß sich die heute gültige 
Ansicht von Organmetamorphosen im allgemeinen aus 
der Goethischen Lehre von der Blattmetamorphose ent- 
wickelt hat. 



Klopstock und Goethe. 



Von 

Paul Legband. 



'S ^fls im vergangenen Jahre die hundertste Wiederkehr 
von Klopstocks Todestage willkommenen Anlaß 
'i ^^^^^^ ^i bot, sich des reichen Lebenswerkes und der großen 
Pläne des Messias-Sängers zu erinnern, da klang's fast ein- 
stimmig aus den Blättern, daß Klopstock für unsere Zeit todt 
sei. Man versuchte wohl, etHche Oden und kurze Stellen 
aus dem »Messias« zu retten, aber selbst hier schlug der 
eigenthümliche Duft des Antiquarischen, Fremden, Ver- 
staubten aus den alten Büchern hervor, und so mußte erneute 
Beschäftigung mit der Dichtung des großen Todten dem 
Ehrlichen und modern Empfindenden die Wahrheit von 
Lessings scharf geprägtem Worte wieder nahelegen: »Wer 
wird nicht einen Klopstock loben, doch wird ihn Jeder 
lesen? Nein!« — Nicht ohne Bitterkeit und Vorwürfe hatte 
Lessing jenes Epigramm geprägt, das für uns heute ohne 
diesen Beigeschmack gilt. Wir können Klopstock nicht 
mehr lesen, wenn anders lesen in warmes Leben hinab- 
tauchen heißt, wenn wir dabei nach organischer Einheit 
von Form und Inhalt einer Dichtung suchen, wenn es uns 
nicht an literaturgeschichtlicher Bedeutung, sondern an 
der ästhetischen Wirkung lieo^t, die ein Sänger vergangener 
Tage auf uns ausübt. Das aoer ist erst in letzter Hinsicht 
das giltjge Criterium für die Unsterblichkeit des Dichters, 
wenn seine hochgepriesenen Werke noch spät erfreuen 
wie am ersten Tag, wenn hinter aller zeitlich begrenzten 



Klopstock un'd Goethe. 143 

Form ein Zug des Ewigen aufblitzt, wenn unser mensch- 
lichstes Emptinden aut horcht und wir unsersgleichen im 
Mittelpunkte einer großen, belebten, anschaulich klaren 
Welt sehen. Das freut uns heute noch an dem Jahrtausend 
alten Homer, das liegt in Shakespeares grandiosem Welt- 
bild, in Goethes Faust — das aber fehlt in Klopstocks ver- 
stiegener, endlos verschwimmender Dichtung. 

Wenn aber gleichwohl sein Name uns heut noch theuer 
ist, wenn seine Persönlichkeit in manchen Dingen vor- 
bildlich erscheinen mag, so ist's ein Urtheil, das nicht der 
künstlerischen Freude an seinen Dichtungen entspringt, 
sondern der Kenntniß seiner im Ethischen liegenden Ziele, 
der historischen Betrachtung seiner Persönlichkeit. Da 
wird uns auf den ersten Blick klar, daß Klopstock nie 
unterging, auch wenn er starb, daß seine Energie, seine 
Kraft wie nach Naturgesetz erhalten blieb und tausendfältig 
sich umsetzte, daß sein Wesen Wurzeln schlug und Blüthen 
und Früchte trieb, Früchte zu neuer Aussaat. Und so wird 
»jeder seinen Klopstock loben« als Anreger und Förderer, 
als den, der Wege bereitete, und jeder wird ihn um derent- 
willen rühmen, die nach ihm gekommen sind als seine 
Vollender, die groß genug waren, um ein so reiches Leben 
aufzunehmen. Einem Messias Johannes zu sein — wie 
wenigen ist's beschieden ! 

Nun ist es jederzeit erkannt und ausgesprochen worden, 
daß Schiller und Goethe Klopstocks bestes Erbe ange- 
treten haben, daß sie seines Wesens bestes Theil in 
sich erweiterten und lebendige Zeugen seiner unermüd- 
lichen, auf InnerUchkeit und Hoheit gerichteten Thätigkeit 
wurden. Wie weit sich diese Wechselwirkung erstreckt, 
wie tief sie hier und dort gewirkt hat, ist schon des 
öfteren untersucht worden. Man hat Schiller und Goethe 
neben den Messiassänger gestellt, ihren geistigen und 
persönlichen Beziehungen nachgespürt und so das wesent- 
liche Material längst beigebracht. Wenn aber trotzdem 
hier besonders von Goethe und Klopstock gesprochen 
werden soll, so war für mich der Wunsch des Herrn Heraus- 
gebers maßgebend, an dieser bevorzugten Stelle an den 
hundertsten Todestag des patriarchalischen Sängers zu 
erinnern, und es durfte solch ein Aufsatz schon deshalb 
hier erscheinen, weil er Gelegenheit gibt, mancherlei zu- 
sammenzufassen und Einzelnes neu zu beleuchten. 

Das letztere, die subjektive Auffassung eines so eigen- 
thümlichen und nicht immer erfreulichen Verhältnisses, 
wird stets dort Berechtigung haben, wo die Beziehungen 
zweier so ausgesprochener Individualitäten auseinandergehen 
auf Grund unversöhnUcher Gegensätze in ihrer Weltan- 



144 Abhandlungen. 



schauung. Man wird Klopstock ebenso gut wie Goethe 
zu verstehen suchen und vorsichtig alles abwägen müssen, 
um z. B. Zwist und Bruch vom Jahre 1776 zu erklären, 
unser Herz aber wird nur einem zuschlagen können — 
hie Goethe — hie Klopstock — und es ist nur ein Ja, ja! 
oder Nein, nein! unserm Gefühl nach denkbar. 

Damit aber haben wir sogleich den wesentlichsten 
Punkt in dem Verhaltniß der beiden Männer berührt. Die 
Gegensätze ihres Wesens sind schärfer als der Zusammen- 
klang, und all das, was von tiefem Einfluß Klopstocks auf 
Goethe gesprochen ist, berührt, soweit es nicht nur äußer- 
licher Art ist, nur eine Seite in Goethes vielseitiger Natur. 
Das böse Wort, das Klopstock im Jahre 1799 an Herder 
schrieb, Goethe sei ein »Nehmer«, d. h. ein kecker Ent- 
lehner, können wir in anderem Sinne gelten lassen: Goethe 
nahm, was ihm sein Lebensweg bot, er »bediente sich 
gern alles dessen, was ihm gereicht ward« (Dichtung und- 
Wahrheit, 12. Buch), er führte die Bestrebungen der Zeit 
aus der Unvollkommenheit einzelner Versuche zu wirk- 
samem Erfolg. 

Was war es denn nun, das er von Klopstock nehmen 
konnte, und wann bot sich ihm diese Gabe dar? Wann 
strömte beider Weltanschauung in einem Bette dahin und 
wann theilten die Ströme sich, der eine, um sich zu spalten 
und in andren völlig aufzugehen, der andere, um neue 
aufzunehmen, immer herrlicher und mächtiger anzuschwellen 
und Länder und Völker zu beglücken? 

Aus Goethes eigenen Aeulierungen lassen diese Fragen 
sich beantworten. Vornehmlich in die siebziger Jahre des 
achtzehnten und in das erste Viertel des neunzehnten Jahr- 
hunderts fallen sie, in eine Zeit also, da Goethe den Götz 
und Werther schrieb, den Faust concipirte und begann, 
und in eine Zeit, da Goethe mit der weisen Rahe des 
Alters auf fünfzig Jahre seiner Entwicklung zurücksah und 
schriftlich oder in Gesprächen den Eindruck der Menschen 
und Dinge fixirte. Schlechterdings unmöglich erscheint 
es, über ein und dieselbe Persönlichkeit ebenso und doch 
anders zu urtheilen, als es hier geschehen ist. Aus der 
»deutschen Periode Goethes« — der Ausdruck stammt von 
Michael Bernays — haben wir Urtheile über Klopstock, 
die grenzenlose Begeisterung und eine innige Verehrung 
des Gefeierten ausdrücken. Da heißt's 1774 in einem Briefe 
an Schönborn in Algier über die »Gelehrtenrepublik« : 
»Klopstocks herrhches Werk hat mir neues Leben in die 
Adern gegossen. Die Einzige Poetik aller Zeiten und 
Völker, die einzige Regeln die möglich sind! das heißt 
Geschichte des Gefühls wie es sich nach und nach festiget 



Klopstock und Goethe. I45 

und läutert und wie mit ihm Ausdruck und Sprache sicli 
bildet; und die biedersten Aldermanns Wahrheiten von dem 
\vas edel und knechtisch ist am Dichter. Das alles aus 
dem tiefsten Herzen, eigenster Erfahrung mit einer be- 
zaubernden Simplicität hmt^eschrieben ! Doch was sag ich 
das Ihnen, der's schon muß gelesen haben! Der unter den 
Jünglingen, den das Unglück unter die Recensentenschaar 
geführt hat und nun wenn er das Werk las, nicht seine 
Federn wegwirft, alle Kritik und Kriteley verschwört, sich 
nicht geradezu wie ein Quietist zur Contemplation selbst 
niedersetzt, — aus dem wird nichts. Denn hier fließen 
die heiligen Quellen bildender Empfindung lauter aus vom 
Throne der Natur.« (Der junge Goethe III, 24 f.) 

lieber eben diese »Gelehrtenrepublik« aber lautete 
Goethes Urtheil, etwa vierzig Jahre später, merklich kühler 
und vorsichtiger. Im zwölften Buche seiner Lebensgeschichte 
entschuldigt er den seltsamen Erfolg des eigenthümlichen 
Buches, über dessen schlechte Aufnahme er früher in hellen 
Zorn gerathen war. Daß die Gelehrtenrepublik nichts 
weniger als allgemein ansprechend sei, gesteht er nun ohne 
weiteres. »Für Schriftsteller und Litteratoren war und ist 
das Buch unschätzbar«, heißt es dann, »es konnte aber 
auch nur in diesem Kreise wirksam und nützlich sein. 
Wer selbst gedacht hatte, folgte dem Denker, wer das 
Echte zu suchen und zu schätzen wußte, fand sich durch 
den gründlichen braven Mann belehrt; aber der Liebhaber, 
der Leser ward nicht aufgeklärt, ihm blieb das Buch ver- 
siegelt, und doch hatte man es in alle Hände gegeben, 
und indem Jedermann ein vollkommen brauchbares Werk 
erwartete, erhielten die Meisten ein solches, dem sie auch 
nicht den mindesten Geschmack abgewinnen konnten. Die 
Bestürzung war allgemein, die Achtung gegen den Mann 
aber so groß, daß kein Murren, kaum ein leises Murmeln 
entstand.« 

Gewiß erkennt in beiden Aeußerungen Goethe den 
Werth von Klopstocks Schrift an, und dennoch liegt in 
der verschiedenen Wärme des Tones mehr als der Unter- 
schied jugendlicher und bedächtiger Ausdrucksweise. Der 
junge Goethe in Straßburg, Frankfurt und Wetzlar schaut 
noch zu Klopstock in Ehrfurcht auf und bewundert den 
Sänger des Messias und der Oden als einen, der das Ziel 
erreicht hat; der alte Goethe spricht bei aller Anerkennung 
und Dankbarkeit das Grundverschiedene ihres Wesens und 
ihrer Bestrebungen aus und sagt zu Eckermann am 9. No- 
vember 1824, daß Klopstock wie Herder Mittel zum Zweck 
gewesen seien. Und wenn Goethe in demselben Gespräche 
äußert, er habe in seiner Jugend Klopstock mit der ihm 

Goetue-Jahrbccu XXV. 10 



146 Abhandlungen'. 



eigenen Pietät verehrt und iiin wie einen Oheim betrachtet, so 
stehen dem wieder wärmere Aeußerungen des jungen Goethe 
gegenüber. Der nannte Klopstock brieflich »Lieber Vater«, 
der versicherte ihn des »wahren Gefühls«, mit dem seine 
Seele an ihm hänge, und der wandte sich das erste Mal 
brieflich an den Geleierten mit der nicht eben nur schmei- 
chelnden Versicherung: »Soll ich den Lebenden nicht 
anreden, zu dessen Grabe ich wallfahrten würde !« — 
Schwärmerisch hing der Dreiundzwanzigjährige, der in die 
Frankfurter Gelehrten Anzeigen Recensionen schrieb, an 
Klopstock, der ihm noch Muster und unerreichtes Vorbild 
für alle Dichtung war. Hatte schon der Name Klopstock 
auf den Knaben eine große Wirkung aus der Ferne aus- 
geübt und hatte ihm und seiner Schwester der »Messias« 
zu heimlicher Lektüre gedient, so waren unter frühen Ver- 
suchen eigner Dichtung biblische Stofi^e gewesen, die Ge- 
schichte Josefs und die »Höllenfahrt Christi«, der Gesinnung 
nach nur von Klopstock herstammend. Aber erst in den 
Beginn der siebziger Jahre fällt die Zeit der lebendigsten 
Einwirkung Klopstocks auf Goethe. Noch stärker als die 
rehgiöse Begeisterung, die vom Messias ausgegangen war, 
wirkte jetzt die Odendichtung mit ihrem vollen Dreiklang : 
Natur, Liebe und Freundschaft. Das war für Goethe wie ein 
Ton aus eignem Herzen und die meisten seiner Freunde in 
Straßburg und Darmstadt wetteiferten mit ihm in einem 
Klopstock-Cult. Vor allem ist Herder hier zu nennen, der 
früh zwischen Klopstock und Goethe vermittelt, ja, der 
nach Grisebachs Meinung allein durch seine Persönhchkeit 
all das auf Goethe gewirkt hat, was wir zum guten Theile 
auf Klopstocks Rechnung setzen. Herder hatte ihn in die 
Welt des VolksUedes eingeführt, ihm Shakespeare und 
Homer nahegelegt, Herder nannte auch Klopstock, dessen 
Sprache er in den »Fragmenten« rühmt und dessen freie 
Rhythmen er in einer Anzeige von Denis' Ossian empfiehlt. 

Und aus Herders Leben selbst sind uns einige Situa- 
tionen bekannt, die alle Empfindung und alle Schwärmerei 
in Klopstocks Worte ausklingen lassen, so wie im V/erther 
der Name des heiligen Mannes im Augenblicke höchst- 
gesteigerter Empfindung als einziger Ausdruck des Gefühl- 
lebens anklingt. 

Die Scene ist Jedem im Gedächtniß. Es ist der Juni- 
abend, an dem die Tanzgesellschaft durch ein heraufziehendes 
Gewitter in Unruhe versetzt wird. Durch ein geschickt 
erfundenes Spiel weiß Lotte, selbst eine der Furchtsamsten, 
sich und den anderen Muth zu machen, bis das Gewitter 
verzogen ist. »Wir traten ans Fenster. Es donnerte ab- 
seitwärts, und der herrUche Regen säuselte auf das Land 



Klopstock und Goethe. 147 

und der erquickendste Wohlgeruch stieg in aller Fülle einer 
warmen Luft zu uns auf. Sie stand auf ihren Ellenbogen 
gestützt; ihr Blick durchdrang die Gegend, sie sah gen 
Himmel und aut mich, ich sah ihr Auge thränenvoll, sie 
legte die Hand auf die meinige und sagte — Klopstock! 
— Ich erinnerte mich sogleich der herrlichen Ode, die ihr 
in Gedanken lag und versank in dem Strome von Em- 
pfindungen, den sie in dieser Losung über mich ausgoß. 
Ich ertrug's nicht, neigte mich auf ihre Hand und küßte 
sie unter den wonnevollsten Thränen und sah nach ihrem 
Auge wieder — Edler! hättest Du Deine Vergötterung in 
diesem Blicke gesehen und möchte ich nun Deinen so oft 
entweihten Namen nie wieder nennen hören«. 

Kaum je hat die Verehrung für Klopstock einen 
knapperen und zugleich reineren, tieferen Ausdruck gefunden 
als an dieser Stelle. Ihre Parallele findet sie in Herders 
Leben. In ihren Erinnerungen erzählt Karoline Flachsland, 
wie sie in den ersten Tagen ihrer Bekanntschaft fast jeden 
Nachmittag Herder getroffen habe. »Statt daß wir ihn 
unterhalten wollten, unterhielt er uns auf die mannigfaltigste, 
geistvollste Weise. Aus Klopstocks Messias die schönsten 
menschlichen Scenen, aus Klopstocks Oden . . las er uns 
vor. Unvergeßlich ist mir die Darmstädter Fasanerie, wo 
er in der Stille des Waldes, in der feierlichen Einsamkeit 
des Ortes Klopstocks Ode: ,Als ich unter den Menschen 
noch war' — mit seiner seelenvollen Stimme aus dem 
Gedächtniß recitirte.« 

Von Klopstock klingt die ganze Zeit wieder. Und 
Goethe wie Herder sind nicht denkbar ohne die im ein- 
zelnen nachzuweisende, allein nicht im Aeußerlichen be- 
ruhende Einwirkung des Odendichters. Auf einzelne Züge 
kommt es hier weniger an. Ob z. B. der Schluß der 1774 
entstandenen prächtigen Confession »An Schwager Kronos« 
an eine Stelle aus dem 16. Gesänge des Messias erinnert, 
ob Goethes »Elysium« an die letzte Strophe von Klop- 
stocks Zürcher-See-Ode anknüpft, ist sicherlich gleichgiltig 
gegenüber der wichtigeren Thatsache, daß Goethe den 
Klopstockischen Dichtungen zunächst das Herrlichste, die 
Sprache seiner Jugendwerke zum guten Theil verdankt. 
Wer hätte anders den Dichter des Götz und der in freien 
Rhythmen gehaltenen Dithyramben diese aufschwellende 
Kraft des Ausdruckes, diese prometheische Schaffenslust im 
Hinblick auf Wortschatz^ und Syntax lehren sollen? Wer 
war ihm außer dem gefeierten Klopstock so mächtig in 
dem Bestreben vorangegangen, die deutsche Sprache aus 
Zwang und Fesseln loszubrechen ? Die Schweizer und 
Leipziger waren dichterisch ohnmächtig gewesen und dürre 

10* 



148 Abhandlungen. 



Theoretiker geblieben. Im Sänger des Messias und der 
Oden glülite helle Begeisterung, eine lebendige, wie die 
Natur selbst sich gebende deutsche Sprache zu schaffen. 
Er erreichte es mit seiner ganzen wuchtigen Schwere, seiner 
pathetischen Empfindung, seinem alle Dinge ernst an- 
schauenden Sinn. Nicht ohne herbe Einseitigkeit ward die 
äußere Form, jene strenge Odenmetrik, jener schwerfällige 
Hexameter und der zu mancher Gewaltsamkeit verführende 
freie Rhythmus dafür gewählt. »Aus dem tändelnden, 
epigrammatisch zugespitzten Wesen aber, aus dem franzö- 
sischen Menuettschritt der Anakreontiker war nicht heraus- 
zukommen — meint David Friedrich Strauß — wenn nicht 
eine Zeitlang die ganze Form in Verruf gethan, das Ohr 
an ganz andre Takte und Rhythmen gewöhnt wurde.« 

Das alles übte auf den jungen Goethe tiefe Wirkung 
aus, diese Sprachgewalt, diese von nationalem Empfinden 
erfüllte Ideenwelt, dieses vollkommen in dem Geheimniß 
einer mächtigen Persönlichkeit und in sitthchem Ernst 
beruhende Vorwärtsschreiten. Es war ein Erfolg, den 
Klopstock in etwa fünfundzwanzigjähriger Thätigk eiterreicht 
hatte, von jenem Jahre an, da er als Leipziger Student die 
Welt mit den ersten drei Gesängen des Messias verwunderte 
und beglückte, bis zu der ersten Hälfte der siebziger Jahre, 
da er x-on Freiheit und Vaterland sang und eine nordische 
Kunstmythologie einzubürgern strebte. Die »Gelehrten- 
republik« schloß in Wirklichkeit seine Laufbahn ab, die 
»Deutsche Gelehrtenrepublik«, die Goethe 1774 so begeistert 
hingenommen hatte, weil sie in Kunst und Dichtung Frei- 
heit und Selbständigkeit forderte und den Kampf gegen 
öden Regelkram führte. »Laß Du Dich kein Regelbuch 
irren, wie dick es auch sei und was die Vorrede auch 
davon bemeide, daß ohne solchen Wegweiser Keiner, der da 
dichtet, könne auch nur einen sicheren Schritt thun. Frag' 
Du den Geist, der in Dir ist, und die Dinge, die Du um Dich 
siehst und hörst, und die Beschaffenheit dessen, wovon Du 
vorhast zu dichten, und was die Dir antworten, dem folge !« 

Und sie waren dem schon gefolgt, die Stürmer und 
Dränger. Sie hatten nun eine Dichtkunst, die aus vollem 
Herzen und wahrer Empfindung strömt, sie hatten, wenig- 
stens außerhalb der engen Klopstock-Gemeinde, Einflüsse 
von Frankreich und England hingenommen, vor allem 
Rousseaus glühende Predigten, die an das Gefühl mehr als 
an klügelnde Vernunft appeUirten. 

Ein neues, reicheres Leben blühte auf, eine Dichtung, 
die zunahm an Gehalt und Form, und die auf der von 
Klopstock gelegten Grundlage kühn aufbaute. Klopstock 
selbst verlor in" jenen Jahren seine lebendige Wirkung: er 



Klopstock und Goethe. 149 

blieb in seiner Entwicklung völlig stehen. Anstatt ihn, den 
Frühvollendeten und Frühgereiften, frühzeitig fortzuraffen, 
ließ ihn das Schicksal noch ein ganzes Menschenalter, 
ausgeschaltet aus dem lebendigen (betriebe der Entwick- 
lung, dahinleben, nur der Zahl nach seine Werke noch 
bereichernd. 

Wie anders wurde Goethe alt! Wie stieg er immer 
zu neuen Möglichkeiten und wie suchte er auf jede Weise 
neue Erkenntniß zu sammeln und Land zu erwerben vielen 
Millionen. Seine Wandlungsfähigkeit, seine Kraft, zu 
»werden«, das zeigte sich im Gegensatz zu Klopstock 
kurz nach jener Zeit, in der sie auch persönlich sich kennen 
gelernt hatten. 

Das war im Herbst 1774 und Frühjahr 1775 in Frank- 
furt und Karlsruhe geschehen. »Da waren, — frohlockte 
Schubart, — ein paar Kerndeutsche zusammen !« Indessen 
hatte, soviel sich aus dürftigen Briefstellen und späteren Auf- 
zeichnungen entnehmen läßt, dieser Verkehr nicht den 
Erfolg, den vielleicht beide erwartet hatten. Klopstock, der 
mehr als Fünfzigjährige, und Goethe, um die Hälfte jünger, 
verstrickt in leidenschaftliche Verworrenheit und mit seinem 
»armen Herzen wieder unvermuthet in allem Antheil des 
Menschen Geschicks« befangen, wurden nicht Freunde, nur 
befreundet. Daß Goethe seinem Gaste beim ersten oder 
zweiten Zusammentreffen etliche Scenen aus dem »Faust« 
las, worauf der Messiassänger den Wunsch nach Vollendung 
des Gedichtes äußerte, mag noch das Bedeutendste dieser 
Begegnung gewesen sein. Die feierliche Würde und diplo- 
matische Zurückhaltung, von der Merck in einem Brief 
vom 6. Mai 1775 zu erzählen weiß (»noch nie hab ich 
einen Menschen so schön deutsch und abgemessen reden 
hören«), müssen auch auf Goethe den hervorstechendsten 
Zug von Klopstocks Persönlichkeit ausgemacht haben. In 
einem Brief an die Freifrau von BeauHeu erzählt der Kanzler 
F. von Müller eine Aeußerung Goethes über Klopstock : 
»er war klein, beleibt, zierlich, sehr diplomatischen An- 
standes, von noblen Sitten, etwas ans Pedantische streifend, 
aber geistreicheren Blickes als alle seine Bilder«. Des 
»ernsten und abgemessenen Betragens« gedachte Goethe 
auch in Dichtung und Wahrheit, wo er zugleich an anderer 
Stelle davon spricht, daß Klopstock sich in seinem Thun 
der aufmerksamsten Reinigkeit stets beflissen habe. Am 
deutlichsten aber heißt es an einer Stelle der »Annalen« 
(1794): »Klopstock sey [unter den Führern der Literatur] 
zuerst genannt. Geistig wendeten sich Viele zu ihm; seine 
keusche, abgemessene, immer Ehrfurcht gebietende Per- 
sönlichkeit aber lockte zu keiner Annäherung.« 



IJO Abhandlungen. 



Es hieße blind sein, hier nicht greifbare Gegensätze 
angedeutet zu sehen. Hat Goethe über andere, denen er 
gleich viel verdankte, etwa so kühl sich später geäußert, 
hat er bei andern dem pietätvollen Worte »sein Vortreff- 
liches ließ ich auf mich wirken !« etwa auch den ab- 
schwächenden Zusatz beigefügt: »und ging im Uebrio^en 
meinen eignen Weg!«? Von Herder rühmte er, daß Lin- 
zeine sich an und um ihn gestaltet, an ihm fest gehalten 
und sich zu ihrem größten Vortheile ihm ganz hingegeben 
hätten, fürKlopstock fand er das Wort von der abgemessenen, 
zu keiner Annäherung verlockenden Persönlichkeit. 

Und doch war wenigstens von Klopstocks Seite der 
Wunsch nach einer Annäherung und intimeren Beziehung 
schon beim ersten Zusammentreffen gehegt worden. Der 
Göttinger Hainbund, dem u. a. die beiden Stolberge, Voß, 
Boie, Hölty und vor allem der Klopstock-Fanatiker Gramer 
angehörten, wollte den Dichter des deutschen Götz von 
Berlichingen zum Bundesbruder wählen und Klopstock, der 
heilig geliebte Mann, zog aus, um den jungen Phantasten 
auf seine Bundesfähigkeit zu prüfen. Er mochte hoffen, 
dort in Frankfurt die gleiche überschwängliche Verehrung 
zu finden. Hatten die Göttinger tollen Schwärmer an 
seinem Geburtstag ein frugales Symposion mit Kaffee, 
Toback und Rheinwein gefeiert, seinen Stuhl mit Blumen 
bekränzt und für den Abwesenden seine sämmtlichen Werke 
auf den leeren Platz gelegt, hatten sie als Zeichen heiligen 
Zornes Wielands Idris zerrissen und die Pfeifen mit Fidibus 
aus Wielands Schriften in Brand gesetzt, so hatte ja auch 
Goethe ein köstlich -schandbares Ding geschrieben, seine 
»Götter, Helden und Wieland.« Statt der erwarteten 
Freundschaft trat nun bei äußerlich gutem Einvernehmen 
jene auffällige Kälte ein, jenes Anzeichen einer im Innersten 
längst begonnenen Entfremdung. 

Als sichtbares Zeichen ergab sich dafür der jähe 
Abbruch aller persönlichen Beziehungen im Jahre 1776. 
Die äußeren Vorgänge sind in dem kurzen Briefwechsel 
dieses Jahres gegeben. Auf die Kunde von dem ausge- 
lassenen Treiben am Weimarer Hofe sandte Klopstock am 
8. Mai 1776 jene väterlich warnende, an die Würde des 
Fürsten mahnende, aus morahschen Bedenken geschriebene 
Epistel an Goethe. Dieser erwiderte mit einem kurzen, in 
Trotz und Ungeduld niedergeschriebenen Briefe, worauf 
Klopstock, in seiner Würde gekränkt, durch ein kurzes 
Schreiben replizirte. Sein in anderem Zusammenhang ge- 
äußertes Wort »Jetzt verachte ich Goethen« kleidete er 
hier in mildere Form und erklärte den jungen Mann seines 
Freundschaftsbeweises für unwerth. 



Klopstock u\d Goethe. 151 

Damit war ein offener Bruch für immer erfolgt. Es 
wäre unnöthig, diese ganze Angelegenheit zur Diskussion 
zu stellen, wenn Klopstock seit dieser Zeit nicht ein klein- 
liches Urthcil nach dem andern über Goethe gefällt und 
somit auch die Beurtheilung seines ersten Schrittes erschwert 
hätte. Gewiß lassen sich mancherlei Gründe für die gute 
Absicht des durch übermäßige Huldigung verwöhnten 
Klopstock anführen; man kann seiner edlen Vreimüthigkeit 
gedenken und daran erinnern, daß er mit seiner ganzen 
Persönlichkeit, in der das Ethische alles Künstlerische über- 
wucherte, auf die Mitwelt gewirkt hatte. War er es nicht, 
der streng und unerbittlich von den Fürsten die Erfüllung 
höchster Pflichten forderte, hing er nicht um solcher Er- 
füllung willen so be^^eistert an Josef IL ? Dieses Ideal von 
Menschenwürde schien ihm der jugendliche Fürst von 
Weimar zu entweihen und Goethe schien ihn dazu nur 
zu verleiten. Sollte denn aber nicht auch der Dichter auf 
der Menschheit Höhen wandeln? Sein eignes Ich zum 
Maßstab aller Dinge machen und um des Vorbilds willen 
dieses Ich läutern und befreien, das war der Dichter doch 
der Menschheit schuldig. Einen Heiligenschein wob Klop- 
stocks Vorstellung um das Haupt des Dichters. Der aber 
schien ihm ausgelöscht. Fürst und Dichter dünkten ihm 
entweiht, wenn thatsächlich Carl August und Goethe, der 
achtzehn- und siebenundzwanzigjährige, sich betranken und 
allerlei andre Dinge trieben, an deren Glaubwürdigkeit er 
keinen Zweifel für möglich hielt. 

Aber hier muß gleich jede Kritik einsetzen. Wir 
wissen heute aus Riemers Mittheilungen, aus zahlreichen 
Briefen und sonstigen Quellen, wie geflissentlich der Klatsch 
die Zustände am Weimarer Hofe in's Niedrige hinabzog, 
und wir wissen vor allem, welch gewaltige Entwicklung 
in der schrankenlosen Lebenslust jenes jugendlichen Goethe 
und seines fürstlichen Freundes vor sich ging. Ein Klopstock 
konnte nicht, zumal auf bloßes Gerede hin, die mindeste 
Vorstellung davon haben, wie da aus letzten Tiefen neues 
Leben sich losrang. Er sah nur Verstöße wider Sitte und 
guten Brauch und war gleich gutmeinend-schulmeisterlich 
bei der Hand. Daß da eine neue Welt sich ankündigte, 
unter Stürmen und Toben, daß alte Begriffe über den Haufen 
gerannt werden mußten, sollte Neues glänzend zu Tage 
treten, daran dachte Klopstock nicht und das zu wittern, zu 
spüren, dazu fehlte diesem bürgerlichen Manne der Instinkt. 
Er glaubte Sittenrichter sein zu müssen, weil seine Begriffe 
von Sittlichkeit verletzt wurden. Und seltsam, er, der 
einst Bodmer den Rücken gekehrt hatte, weil dieser einem 
heiligen Jüngling das Tändeln und Scherzen mit Frauen und 



152 Abhandlungen. 



Mädchen nicht verzieh, er ward nun selbst ein Bodmer 
und ärgerte sich der ausgelassenen Lebenslust jung auf- 
strebender Männer. 

Das alles bedeutete im letzten Grunde ja nur den Still- 
stand Klopstocks. Er verfiel dem leidigen Fehler manches 
Alternden, über wildes Gebahren der Jugend voreilig den 
Stab zu brechen. Aber selbst das würde bei ihm nicht 
allzu schwer ins Gewicht fallen, wenn er fortan seiner 
trivialen Predigt nicht kleinliche Urtheile hätte folgen 
lassen, die mit seinem erhabenen Messias-Gedanken, seiner 
heiligen Würde sich herzlich schlecht vertragen. 

Seit der Mitte der siebziger Jahre war die Dichtung der 
neuen Generation unbarmherzig über ihn hinweggebraust. 
Der Goethe, der den Götz zuerst roh hingeworfen hatte, 
um ihn dann in erwachendem Formgefühl umzugießen und 
umzumodeln, stand nicht mehr im Banne des hochgesinnten 
Hermann-Dichters. Er begann als Führender Wandlungen, 
die dem in seiner Einseitigkeit großen Messias-Sänger ver- 
sagt gewesen sind. Was später der alte Goethe zu Ecker- 
mann im Februar 1826 äußerte, bezieht sich auf diese Zeit: 
»Ich war froh, mein nordisches Erbtheil verzehrt zu haben, 
und wandte mich zu den Tischen der Griechen. a 

Es ist hier am Platze, der großen Gegensätzlichkeit 
näher zu gedenken, die Goethes und Klopstocks Wesen 
und Dichten ausmacht, und die den scheinbar kühlen 
Aeußerungen des alten Goethe über Klopstocks Einfluß 
den Werth eines objektiven historischen Urtheils verleiht. 

In etliche, nicht ganz den Unterschied bezeichnende 
Schlagworte zusammengefaßt, beruht diese Verschiedenheit 
auf dem Gegensatz von musikalisch und plastisch, romantisch 
und antik, himmlisch und irdisch. Schon Schiller hat in 
seiner Abhandlung über naive und sentimentalische Dichtung 
den Unterschied zwischen plastischer und musikalischer 
Poesie gemacht und Klopstock zu der letzten Gattung ge- 
zählt. Insofern diese Poesie Stimmungen und Gemüths- 
zustände auffängt und widerklingen läßt, anstatt Gegen- 
ständliches zu zeichnen, zu objektiviren, trifl"t jener Ausdruck 
auf Klopstock zu. Die Messiade läßt bestimmte auf die 
Anschauung wirkende Formen vermissen. Sie deutet vieles 
unbestimmt an und läßt der Einbildungskraft Spielraum zu 
eigenem, zügellosen Phantasiren. Es ist Goethe selbst, der 
diese letzten Worte als Charakteristikum des Romantischen 
hervorhob. Der jüngere Voß berichtet darüber im Januar 
1804 an Abeken: Goethe lasse den Unterschied zwischen 
romantisch und klassisch nicht gelten, da alles Vortreffliche 
eo ipso klassisch sei. Dagegen nehme er die Gegensätzlich- 
keit von Plastischem und Romantischem eher hin. Ein 



Klopstock un'D Goethe. 153 

plastisches Werk stelle der Einbildungskraft des Betrachters 
ein Werk in einer ganz bestimmten und abgesciilossenen 
Form dar. »Zu dieser ersten Klasse rechnete er Homer, 
Sophokles, Pindar, Shakespeare etc.; zu der zweiten deutete 
er die Subjekte nur an, und ob ich ihn gleich verstanden 
zu haben glaube, will ich doch meine eigene \'ermuthung 
nicht in den Bericht von seinem Urtheil einmischen; doch 
nannte er Klopstock. 'a 

X'ielleicht machen einige andere Hinv^-eise diese Ver- 
schiedenheit der dichterischen Art noch klarer. Jenem 
musikalischen, in breiten Flächen andeutenden Element der 
Klopstockischen Poesie entspricht ihr seraphischer Charakter, 
während Goethe mit beiden Füßen fest hienieden auf der 
Mutter Erde blieb. Für Klopstock war Gott Vater etwas 
unaussprechlich Heiliges, allem Menschlichen Weltenfernes, 
für Goethe war's der »Herr«, von dem es gar hübsch ist, 
so menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen. Wie 
Aristophanes von Zeus, so spricht hier Goethe getrost von 
Gott-Vater als dem »Alten«. In warme Menschlichkeit 
hüllt er die leeren weiten Begriffe, wie einst die Griechen 
ihren Göttern den schönsten Alenschenleib schenkten. Was 
unsre Welt im Innersten bewegt, diese tausend ungelösten 
Räthsel und Widersprüche, diese Schmerzen und Qualen, 
dieses Hoffen und Leiden, Sich-freuen und Entbehren, dies 
Menschliche zog Goethe an. Zum Himmel strebte Klopstocks 
V^erlangen, zu einer imaginären Weite, die von mehr ge- 
fühlten als geschauten Wesen bevölkert ist. Was Viktor 
Hehn über die drei Erzengel im Faust gesagt hat, gehört 
hierher: »Das Leere und Abstrakte der quantitativen Unend- 
lichkeit, das Anschauungslose des mathematisch - astro- 
nomischen Himmels trieb ihn [Goethe] zur Flucht, zu dem 
erfüllbaren Naturleben der Erde. Auch hier, in dem Gesang 
der Erzengel, hören wir nicht klopstockisch von der Uner- 
mefViichkeit der Sternensaat, von Milchstraßen und der- 
gleichen, sondern nachdem die Licbterscheiiiiing der Sonne 
ojepriesen worden, geht der Dichter rasch auf Meer und 
Land über.« — 

Ein Symbol für Goethes Leben ist's, dieses Uebergehen 
auf Land und Meer, zu immer neuen Gebieten der Mutter 
Erde. Und Gegensätze zu Klopstocks Leben und Dichten 
ergeben sich weiter. Schritt für Schritt. Der Klopstock, 
der in die verschwommene nebelhafte Welt der nordischen 
Mythologie hineintaucht, der den ßardenuntug weckt, auf 
seinen nationalen Gedanken stolz, steht auf ewig getrennt 
von dem Italienwanderer, von dem Goethe, der das Land 
der Griechen mit der Seele sucht, der als Künstler nicht 
nationale Beschränkung als oberstes Gesetz erkennt. Der 



154 Abhandlungen. 



Klopstock, der im Anflug von Teutschthümelei gegen alles 
Ausländische sich sträubte, der Friedrich den Großen (diesen 
einzigen Nationalhelden !) haßte, hätte nie den segens- 
reichen Gedanken an eine Weltliteratur gefaßt. 

Kurzum: am Inhalt, am Stofflichen, an der moralischen 
Wirkung seiner Schriften blieb Klopstock Zeit seines Lebens 
trotz dunkler, besserer Einsicht hängen — zur Freude am 
Künstlerischen drang Goethe vor. Er wandte sich zu den 
Tischen der Griechen. Daß Klopstock ihn in diesem 
Werden und Wachsen nicht mehr verstand, daß er längst 
mit aller Entwicklung abgeschlossen hatte, wäre weiter 
nicht auffällig, wenn er nicht durch seine Kritik an Goethes 
späteren Werken sich den Anschein gegeben hätte, als 
fiele sein Urtheil noch schwer ins Gewicht. 

In der ersten Zeit nach dem Abbruch seiner Beziehungen 
zu Goethe verlor er sich in kleinlichem Haß soweit, daß 
er heimUch Verleumdungen nährte und brieflich gegen 
Goethe iniriguirte. Und späterhin, als er immer mehr sah, 
wie die Zeit über ihn hinweggestürmt und Goethe der 
Führende war, gefiel er sich ewig in abfälliger Kritik. 
»Die Dichtung, die vor uns in wilden Dramen braust, 
Ist, bei den Alten!, lediglich Kraftmänniglich Verwünscht 
Geschrei Der traurigen Genierei« — das sollte den »Faust« 
treffen. Und hinsichtlich des »Werther« fand er noch 
1794 spöttische Worte, indem er den ihn besuchenden 
Ludwig Tieck fragte: »Nun, hat sich denn Goethe immer 
noch nicht todt geschossen?« So geschmack- und witzlos 
diese spöttische Frage war, ebenso ungeheuerlich war die 
Kritik, die er im Februar 1800, in einem Briefe an Böttiger, 
über Goethes »Iphigenie« fälhe. Aller reinen Menschlich- 
keit fremd, verstieg sich der Messiasdichter zu dem Wort, 
das Stück sei eine steife Nachahmung der Griechen. »Sie 
wissen, wie weit griechisch und steif auseinanderliegen. 
Und die Nachahmung bei Seite, wie manche Redensart, 
die man kaum zu Ende lesen kann, wenn man vorliest. 
Und dann die Bildung des Verses!« Das urtheilte ein Klop- 
stock über Goethes »Iphigenie« ! Bei solchen Worten ver- 
wundert es nicht, den Stoff von »Herrmann und Dorothea« 
als nicht erhaben genug bemängelt und das ganze Werk 
unter Voßens »Luise« gestellt zu sehen. Aus bitterem 
Gefühl heraus waren auch die verschiedenen Epigramme 
geschrieben, die Klopstock in den neunziger Jahren gegen 
Schiller und Goethe richtete und die zum guten Theil mit 
großer Gereiztheit Ungerechtigkeit verbinden. 

Auf all diese öffentlichen und privaten Angriffe hatte 
Goethe nur wenig geantwortet. Er war auch hier der 
Größere und achtele der Verstimmung des Gekränkten 



Klopstock und Goethe. 155 

wenig. Er behielt die Verdienste des jugendlichen Klopstock 
im Gedüchtniß und sprach sie zu wiederholten Malen aus. 
Ja, er suchte, als er im regen Verkehr mit Schiller stand, 
Klopstocks »Hermannsschlacht« durch eine Bearbeitung 
Schillers für die Bühne brauchbar zu machen. Daß es mit 
diesem Plane bei dem ersten Gedanken blieb, mochte an 
Schillers scharfem, ungeschminktem Urtheil über das »kalte, 
herzlose, ja fratzenhafte Produkt« gelegen haben. 

Zu Klopstocks Lebzeiten war das die letzte Beschäftigung 
Goethes mit dem vaterländischen und frommen Dichter, 
der als greiser Patriarch in Hamburg lebte, für einen kleinen 
Kreis von Jüngern und Jüngerinnen noch immer anbetungs- 
würdig. Feierlich, wie es selten einem deutschen Dichter 
geschehen ist, trugen sie ihn dann zu Grabe, als er im 
März 1803 starb. Der Tod dieses halbvergessenen Mannes 
ließ wieder lebendig werden, was er vor einem Menschen- 
alter Großes für Deutschland gethan hatte. Und als einer 
von denen, die seine großen Pläne zur künstlerischen Vol- 
lendung und Erfüllung gebracht hatten, erinnerte sich Goethe 
ohne Haß und Leidenschaft später der Verdienste desTodten. 
Was klein und vergänglich, unvollkommen und unreif an 
ihm gewesen war, verschwand vor dem größeren dauernden 
Ruhm. 

Wie jene Stelle aus dem Werther die zarteste Huldigung 
für Klopstock aus Goethes Jugend war, so fand sich nach 
dem Tode des großen Olympiers noch ein ungedrucktes 
Gedicht, das in seiner schlichten Herzlichkeit die VVerth- 
schätzung Klopstocks gleich innig ausspricht und den guten 
Mann, der nach Würde und Sitte strebte, als Vorbild 
ernster Arbeit rühmt — es sind die zwei Strophen auf 
Schulpforta : 

»Ehre, Deutscher, treu und innig 
• Des Erinnerns werthen Schatz! 
Denn der Knabe spielte sinnig, 
Klopstock, einst auf diesem Platz. 

An dem stillbegrenzten Orte 
Bilde Dich, so wie's gebührt! 
Jüngling öffne Dir die Pforte, 
Die in's weite Leben führt!« 




5- 



Herder und Goethe. 



Vox 

Julius Goebel. 




eim Herannahen von Herders hundertstem Todes- 
I tag ziemt es vor Allen dem Philologen, das Bild 
L des Mannes sich dankbar vor der Seele zu er- 
neuern, dessen gewaltiger Einfluß die Geisteswissenschaften 
noch heute bestimmt. Lange bevor das naturwissenschaft- 
liche Evolutionsprincip zur Zauberformel geworden war, 
die man, mit trügerischem Erfolg nicht selten, auch in 
jenen Wissenschaften gläubig raunte, hatte Herder das 
Gesetz der geschichtlichen Entwicklung gefunden. Und 
der Entdeckung dieses Gesetzes, wie seiner Anwendung 
in dem genial intuitiven Verfahren, dessen Meister Herder 
war, ist der Aufschw^ung der Geisteswissenschaften zu ver- 
danken, mit dem Deutschland, zu Anfang des 19. Jahr- 
hunderts die geistige Führerschaft in Europa antrat. Als 
dann, durch Mad. de Staels Vermittlung, Deutschlands Führer- 
schaft sich über den Ocean zu erstrecken begann, und die 
deutsche Dichtung das erwachende amerikanische Geistes- 
leben wie der Schauer einer Offenbarung ergriff, da war 
es neben Goethe und Schiller auch Herder, der hier Wege 
und Ziele zeigend wirkte. Wir empfinden es darum auch 
in Amerika als schönes Recht, seiner dankbar zu gedenken. 



' Vortrag, gehalten bei der Herderfeier der American Philological 
Association of the Pacific Coast zu San Francisco, Kalifornien. 



Hkrder und Goethe. 157 



Aber nicht den bis zu uns herüberreichenden Wir- 
kungen Herders möchte ich heute nachgehen, sondern 
seinem Einfluß auf den größten deutschen Dichter. Viel- 
leicht läßt sich Herders außerordentliches Vermögen leben- 
weckender Anregung und seine Kraft und Kunst, den 
Wesenskern einer Persönlichkeit zur Entfaltung zu locken, 
am besten gerade in seinem Verhältniß zu Goethe erkennen. 
In qualvollem Erlebniß, aus faustischem Ekel am bloßen 
Wissen, hatte sich bei Herder das Verlangen nach einem 
schafl"enden Erkennen, nach der Entwickelung aller im Ich 
liegenden Kräfte emporgerungen. »Wann werde ich so 
weit sein,« ruft er im Reise-Journal aus, »um alles, was ich 
gelernt, in mir zu zerstören und nur selbst :;;ti erfinden, was 
ich denke und lerne und glaube.« Und im »Vierten kri- 
tischen Wäldchen« klagt er: »Mit jedem Worte, was die 
Seele lernt, erschweret sie sich gleichsam das Verständniß 
der Sache, die es bedeutet, mit jedem Begriff, den sie von 
Andern empfängt, tödtet sie in sich eine Nerve, diesen 
Begriff selbst :(ii erfinden, eine Kraft ihn innig zu verstehen, 
ZL'ie wenn sie ihn erfunden hättest 

Diese Kraft, die er im höchsten Maße in sich aus- 
gebildet hatte, in Andern zu erwecken, ist das Geheimniß 
seiner anregenden Wirkung. So berichtet J. G. Müller von 
ihm (Bächthold, Aus dem Herderschen Hause S. iio): 
»Wenn er etwas sage, solle ich nicht als ein Jünger horchen 
und glauben, sondern für mich stehen und betrachten 
(d. h. wie von ferne treten und das von Herder Gesagte 
frei, wie von ferne prüfen). Nichts zuill er in den Menschen 
hineinbringen, alles muß aus ihm heraushommen. Deshalb 
schweige er so oft, wo er Stunden lang reden könnte. 
Aber selbst :^u finden ist viel größere Freude, und das 
Fremde muß doch wieder und oft mit Schmerzen ab- 
gerissen werden.« Auch mit seiner Metakritik wollte 
Herder »in jedem Leser seine Metaphysik wecken«. (Kalli- 
gone 3, IX.) 

Und so ist er ohne Zweifel auch seinem größten 
und gelehrigsten Schüler in Straßburg gegenübergetreten. 
Noch klingt dies deutlich aus Goethes Bericht in Dichtung 
und Wahrheit hervor: »Wäre Flerder methodischer ge- 
wesen, so hätte ich auch für die dauerhafte Richtung 
meiner Bildung die köstlichste Anleitung gefunden, aber 
er war mehr geneigt zu prüfen und anzuregen als zu führen 
und zu leiten.« Hatte der alternde, methodischem Wesen 
streng zuneigende Goethe vergessen, als er dies schrieb, 
daß er den Vater in Hermann und Dorothea fast ganz mit 
Herders Worten sagen ließ: 

Was nicht im Menschen ist, kommt auch nicht aus ihm ? 



158 Abhandlungen. 



So tief wurzelte in der That die Herdersche Auffassung 
von der Entwickelung des Ich und seiner Kräfte in Goethe, 
daß er in den »Urworten, Orphisch« das eigentliche Wesen 
des Ich, den Dämon oder die begrenzte Individuahtät der 
Person als »geprägte Form« bezeichnet, y'>die lebend sich 
entwickelte. Ja diese Erkenntniß wird ihm sogar zum 
Schlüssel des Naturverständnisses. Indem er in genial- 
intuitivem Verfahren seine Beobachtung am Ich auf die 
Natur überträgt, entdeckt er, wie diese »stets ein ana- 
lytisches Verfahren, eine Entwickelung aus einem lebendigen 
geheimnisvoll eil Gan:(^en beobachten (Hempel 34, 95). 

So treffend im Einzelnen das Bild auch ist, das Goethe 
von Herder und dessen Einwirkung auf ihn in Dichtung und 
Wahrheit zeichnet, so ist darin doch wohl das Abstoßende 
in Herders Charakter zu stark herausgearbeitet. Noch 
mochte ja Herders »höchst widerwärtiger Trumpf« gegen 
die »Natürliche Tochter« in Goethes Seele brennen, und 
ungern hat sich wohl der Meister seiner eigenen Lehrzeit 
und ihrer gelegentUchen Züchtigungen erinnert. Daß sich 
außerdem Goethe bei der Abfassung seines Berichtes der 
Einwirkung Herders auf ihn im vollen Umfange bewußt 
gewesen wäre, dürfen wir nicht erwarten. Er erinnert sich 
vor Allem, wie ihm durch Herder der Begriff der Volks- 
poesie erschlossen worden sei, wie ihn jener mit allem 
neuen Streben in der deutschen Literatur und mit allen 
Richtungen bekannt gemacht habe, welche dies Streben zu 
nehmen schien, und wie er im Umgang mit Herder in die 
glückliche Lage gerathen sei, Alles, was er bisher gedacht, 
gelernt, sich angeeignet hatte, zu komplettiren, an ein 
Höheres anzuknüpfen, zu erweitern. In welcher Weise er 
so durch Herder »täglich, ja stündUch zu neuen Ansichten 
befördert wurde«, haben Haym und Andere im Einzelnen 
auszuführen und auszudeuten versucht. 

Aber mit dem ruhig abwägenden, das Urtheil der Nach- 
welt zu bestimmen suchenden Bericht Goethes in Dichtung 
und Wahrheit dürfen wir doch auch das Bild vergleichen, das 
uns die wenigen Briefe des jungen Dichters von seinem Ver- 
hältniß zu Herder entgegen werfen. Hier aber belauschen 
wir noch die ganze Wirkung von Herders anregender 
Kunst. Hier sehen wir, wie sich in tiefer Seelenerregung 
das eigenste Wesen des Jünglings an Herderschen Gedanken 
emporringt. Und noch fühlen wir mit ihm, wie der Er- 
wecker seines Selbst, der ihn so ganz auf sich selbst ge- 
worfen hatte, der beherrschende Mittelpunkt seiner inneren 
Welt ist : »Herder, Herder, bleiben Sie mir, was_ Sie mir 
sind. Bin ich bestimmt, Ihr Planet zu sein, so will ichs sein, 
es gern sein. Ein freundhcher Mond der Erde.« 



Herder und Goethe. 159 



Der hier so rückhaltlos vor der überlegenen Geistes- 
größe Herders sich beugt und das Amt des Propheten und 
Apostels für den verehrten Mann übernehmen will, hatte 
doch auch mehr von diesem erfahren als »Hundereminis- 
cenzen«. Auch Herders Verhältniß zu Goethe damals 
scheint mir heute vielfach entstellt. In der stillen Voraus- 
setzung, daß Herder den Jüngling Goethe mit der Ehr- 
furcht seiner heutigen Biographen habe behandeln sollen, 
hat man, nicht ohne Goethes eigne Schuld, einzelne Aeuße- 
rungen Herders über ihn in den Briefen an die Flachsland 
als kühl und vornehm herablassend gedeutet. Aber es muß 
doch auffallen, daß außer Goethe nur noch die Braut Herders 
von dessen Wesen zu leiden hatte, das andere Zeitgenossen 
nicht gewinnend und liebenswürdig genug schildern können. 
Sollte es nicht auch die Liebe gewesen sein, die ihn bei 
seinem »Enthusiasmus, junge Geister zu finden, die bildbar 
sind« (Werke IV, 507)', gerade gegen Goethe reizbar und 
hart werden ließ? Wie hatte er doch in den »Fragmenten 
über die neuere deutsche Literatur« als Prophet nach dem 
kommenden Messias gerufen! »Wie würde ich mich freuen, 
wenn etwa ein Genie, indem es dieses läse, erwachte, sich 
fühlte, seine Schwingen wiegte, um von ihnen den Staub 
der Systeme abzuschütteln, und alsdann seinen Flug zur 
Sonne nähme. Eine neue Sonnenbahn würde sich alsdann 
eröffnen; Zaunkönige sich auf seine Flügel sezzen, um ihn 
ruckweise zu überholen, keichend der Neid ihm nachstreben 
und zurückfallen : wir aber würden mit einem Fernglase 
in der Hand ihm nachschauen und ihn bewundern.« In der 
Ahnung, daß er in Goethe den Geweissagten gefunden, 
hat er diesen »vor Shakespeares heiligem Bilde umarmt«. 
»Glücklich, daß ich noch im Ablaufe der Zeit lebte,« ruft 
Herder am Schlüsse seines Shakespeare-Aufsatzes aus, »wo 
ich ihn (Shakespeare) begreifen konnte, und wo du, mein 
Freund, der du dich bey diesem Lesen erkennest und fühlst, 
und den ich vor seinem heiligen Bilde mehr als Einmal um- 
armet, wo du noch den sülTen und deiner würdigen Traum 
haben kannst, sein Denkmal aus unsern Ritterzeiten, in 
unserer Sprache, unserm so weit abgearteten Vaterlande 
herzustellen. Ich beneide dir den Traum, und dein edles 
deutsches Würken, laß nicht nach, bis der Kranz dort oben 
hange.« Der Aufsatz über Shakespeare erschien, als Götz 
von Berlichingen im Publikum noch nicht bekannt war. 
Wie muß es die Seele des Jünglings in ihren Tiefen erregt 
und zum Höchsten aufgerufen haben, als ihn der gewaltige 
Prophet in der Straßburger Krankenstube vor Shakespeare 



' Suphans Ausgabe. 



l6o Abhandlungen. 



zum Dichter weihte! Wie muß es ihn erhoben haben, sich 
in dem erwähnten Aufsatz vor der Nation als Nachfolger 
und Erben des großen Briten gerühmt zu sehen, noch ehe 
sein eignes Drama erschienen war! 

Und in stillem Stolz auf den Dichter, den er gefunden, 
gebildet und geweissagt hatte, schrieb Herder im Jahre 1776 
an Zimmermann : »Goethe schwimmt auf den goldenen 
Wellen des Jahrhunderts zur Ewigkeit.« Je höher Herders 
Auffassung vom Dichterberuf, je verheißungsvoller das Bild 
war, das ihm von Goethe in der Seele lebte, um so seltener 
mußten bei seiner Art die Augenblicke der Anerkennung 
sein, um die der Jüngling »rang, wie Jakob mit dem Engel 
des Herrn«. Aber von jenen seltenen Augenblicken aus 
erschließt sich uns erst das volle Verstehen dieses einzig- 
artigen, geradezu providentiellen Verhältnisses zwischen 
einem unserer größten Kritiker und unserm größten Dichter. 
Wie tiefgreifend und bestimmend die Wirkung war, die 
von Herder auf Goethe ausging, möchte ich an einigen 
Punkten zeigen. 

Weit wichtiger als der neue Poesiebegriff, den er von 
Herder übernahm, war für Goethe der Umschwung seines 
Wesens, der die letzten Wurzeln seiner geistigen Thätigkeit 
erfaßte. In langem, schmerzlichem Ringen, wofür wieder 
das Reisejournal Zeugniß ablegt, hatte sich Herder eine 
neue Weltanschauung erkämpft, deren Grundlinien er in 
Goethes Seele zu prägen berufen war. Niemand vor ihm, 
selbst Lessing nicht und kaum Abbt, hatte, wie er, die Hohl- 
heit der Abstraktion und des bloßen Wortvvissens so pein- 
lich empfunden. Vom Durste des Dichters nach Wirk- 
hchkeit erfüllt und durchdrungen von einem Lebensgefühle, 
das die Aeußerungen verwandter Lebenspulse überall zu 
erkennen und zu erfassen vermochte, strebte Herder nach 
einer Erkenntniß, die an Stelle des abstrakten Wissens die 
Außenwelt selbst umschlösse. Dieser Proceß der Identi- 
ticirung des Ich mit der Außenwelt, das gerade Gegentheil 
der gewöhnlichen Scheidung von Subjekt und Objekt, ist 
ihm wesentlich ein Akt des Empfindens. So auf die Er- 
fassung des Ganzen gerichtet, mußte er der erklärte Gegner 
des Zerreißens und Zergliederns werden und schließlich in 
der Opposition gegen Kant enden. Und so tief ist Herder 
von der Bedeutung des neuen, von ihm wieder entdeckten 
und geübten Erkenntnißverfahrens durchdrungen, daß er 
ihm eine neue Bezeichnung in der Sprache schafft. Die 
Worte »denken« und »erkennen« genügen ihm in ihrer 
verbrauchten Meinung nicht mehr, er setzt an ihre Stelle 
»genießen«, »fühlen«, »schmeken«. In seinem ausgezeich- 
neten Artikel »genießen« hat Rudolf Hildebrand gezeigt. 



Herder und Goethe. l6l 



wie Herder diesen Worten neue Meinung aufprägt. Auch 
den Begriff »Empfindung« hat er so in seinem Sinne um- 
geprägt. Noch zeigen Goethes frühe Briefe an Herder, wie 
dessen Gedanken Bei ihm einschlugen und seinem Geiste 
die gleiche Richtung gaben. »Muth und Hoffnung und 
Furcht und Ruh«, schreibt er, »wechseln in meiner Brust. 
Seit ich die Kraft der Worte (5ir\}foc, und TtpaTTibec; fühle 
(er hatte sie bei Pindar wie die Bestätigung von Herders 
Gedanken gefunden), ist mir eine neue Welt aufgegangen. 
Armer Mensch, an dem der Kopf Alles ist!« So tief wur- 
zelte bei ihm von nun an diese Ueberzeugung, daß er noch 
im Alter den Orient preist, weil dort der: 

Glaube weit, eng der Gedanke. 

Und wie er Herders Verachtung für das abstrakte 
Denken übernimmt, so macht er sich auch dessen »Ge- 
nießen« zu eigen. »Seit vierzehn Tagen«, schreibt er, »les' 
ich Eure ,Fragmente' zum erstenmal : ich brauch Euch nicht 
zu sagen, was sie mir sind. Daß ich Euch, von den Griechen 
sprechenden, meist erreichte, hat mich ergötzt, aber doch 
ist nichts wie eine Göttererscheinung über mich herab- 
gestiegen, hat mein Herz und Sinn mit warmer heiliger 
Gegenwart durch und durch belebt, als das, wie Gedanke 
und Empfindung den Ausdruck bilden. So innig hab ich 
das genossen (d. h. verstanden).« 

In seiner umfassendsten Form wird das genießende 
Erkennen bei Herder zum allgemeinen höchsten Weltgenuß, 
wie z.B. in dem Gedicht an Merck (Lebensbild III, ^,^'2): 

Und, o Liebe, konntest Herzen binden, 
In einander höchstes Gut zu finden. 
Sich mit edler, schöner Schöpfermüh 
Eins zu bilden! Wonnesympathie, 
Sich in Dir umarmen. Ein Zerfließen, 
Alle Welt in sich vereint genießen! 

Und so erscheint es denn auch bei Goethe in zwei 
der inhaltschwersten Stellen des Faust : 

Mein Busen, der vom Wissensdrang geheilt ist, 
Soll keinen Schmerzen künftig sich verschließen, 
Und was der ganzen Menschheit zugctheilt ist 
Will ich in meinem Innern selbst genießen, u. s. w. 

Wie er sich hier alles Menschliche im Genuß zu 
eigen machen will, so in den folgenden Worten die ganze 
»Natur« : 

Goethe-Jahrbuch XXV. 1 1 



l62 Abhandlungen. 



Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles. 
Warum ich bat. Du hast mir nicht umsonst 
Dein Angesicht im Feuer zugewendet. 
Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich, 
Kraft, sie ^ii fühlen, ^u genießen. 

Es ist bezeichnend, daß Mephistopheles an beiden 
Stellen Fausts genießendes Erkennen mit dem spöttischen 
Hinweis auf die Gottheit einzuschränken sucht, am schärfsten 
in den Hohnworten: 

Und Erd' und Himmel wonniglich umfassen, 
Zu einer Gottheit sich aufschwellen lassen. 

Nicht leicht hätte der ätzende, scheidende Verstand 
seine Verachtung dieser Weltanschauung schärfer bestimmen 
und besser auf die Quelle hindeuten können, aus der das 
Streben nach genießendem Erkennen floß. Man hat versucht 
die Goethische Anschauung, die sich ihrem Wesen wie 
ihrem Verfahren nach so gänzlich von der Kantischen unter- 
scheidet, auf die Künstlerschaft des Dichters zurückzuführen. 
Ich glaube gezeigt zu haben, daß Goethe sie nicht nur mit 
Herder theilt, sondern sie in ihrem Wesen von diesem über- 
nommen hat. Und Herder weist überzeugend nach, daß 
seine Erkenntnißweise die aller gesunden Menschen von 
jeher gewesen ist. — Wenn Kant den DuaHsmus von Subjekt 
und Objekt auf dem Wege der Scheidung lösen wollte und 
die Einheit beider jenseits der Phänomene Geist und Körper 
suchte, dann fanden Herder und Goethe die Einheit, dem 
Drange ihres mächtigen und gesunden Lebensgefühles 
folgend, in sich selbst. Nicht umsonst spielt der Begriff 
des »Ganzen« in Herders wie in Goethes Denken eine so 
große Rolle. Die Einheit, die beide in sich finden, wird 
ihnen denn zum Schlüssel der Erkenntniß einer gleichen, 
wesensverwandten Einheit in der Außenwelt, sei es in der 
Geschichte oder in der Natur, jene Herders, diese Goethes 
eigentlichstes Gebiet. So wird Herder nach seinen eigenen 
Worten (W. IV, 41) »zum Eingeweihten aller Musen und 
aller Zeiten und aller Gedächtnisse und aller Werke: die 
Sphäre seines Geschmackes ist für ihn unendlich, wie die 
Geschichte der Menschheit: die Linie des Umkreises liegt 
ihm auf allen Jahrhunderten und Produktionen und er und 
die Schönheit steht im Mittelpunkte.« Und wie Herder 
so von diesem einen beherrschenden Standpunkt aus den 
Wesenskern der verschiedensten geschichtlichen Erschei- 
nungen erfaßt, so Goethe von seinem Innern aus die Natur: 

Ist nicht Kern der Natur 
Menschen im Herren? 



Herder und Goethe. 163 



»Suchet in euch, so werdet ihr alles finden und erfreut 
euch, wenn da draußen, wie ihr es immer heißen möget, 
eine Natur liegt, die Ja und Amen zu allem sagt, was ihr 
in euch selbst gefunden.« (Spr. in Prosa 720.)" 

xMit dieser aufs Ganze dringenden Erkenntniß hängt 
dann aufs engste das anschauende Denken zusammen, das, 
von Herder schon in den »Fragmenten« gefordert, durch 
ihn gewiß auch in seiner ganzen Bedeutung Goethe klar 
wurde. Von Herder ist es auch zuerst erkannt worden, 
daß sich dies Denken auf die Sinne zu gründen habe. In 
seinen frühsten Schriften begegnet uns schon die Mahnung, 
die Sinne zu gebrauchen (Lebensbild I, 3, i, 216, 353")^ zum 
Schrecken seiner aufgeklärten Zeitgenossen (z. B. Sulzers, 
vgl. E. Bodemann, Joh. G. Zimmermann S 231) preist er 
später die Sinnlichkeit der Wilden und ihrer Poesie und 
in den »Ideen« ruft er aus: y^IVer seinen Sinnen Glicht traut, 
ist ein Thor und muß ein leerer Spekulant werden.« Früh 
scheint Goethe sich diese Ueberzeugung angeeignet zu 
haben, wenn er z. B. in den »Frankfurter Gelehrten An- 
zeigen« von den Dichtern der Ritterzeit sagt, daß ihre 
Seele eine Bildertafel sei, daß sie mit dem Körper hebten 
und mit den Aufen dächten. Wie er dann im Alter als 
»ethisch-ästhetischer Mathematiker« den Bestand seines 
innersten Denkens in den Sprüchen in Prosa auf die letzten 
Formeln zu bringen suchte, da kam ihm die Bedeutung der 
Sinne wieder voll zum Bewußtsein. In fast wörtlicher Ueber- 
einstimmung mit Herder sagt er in den Sprüchen in Prosa 
556: »Der Mensch ist genugsam ausgestattet zu allen wahren 
irdischen Bedürfnissen, wenn er seinen Sinnen traut und sie 
dergestalt ausbildet, daß sie des Vertrauens werth bleiben.« 
Und im nächsten Spruch: »Die Sinne trügen nicht, aber 
das Urtheil trügt«. Daß in diesen Worten eine leise Be- 
richtigung Kants durchklingt, wird noch klarer aus der 
folgenden Stelle in Eckermanns Gesprächen (17. Febr. 1829): 
»In der deutschen Philosophie wären noch zwei große 
Dinge zu thun. Kant hat die Kritik der reinen Vernunft 
geschrieben, womit unendlich viel geschehen, aber der Kreis 
nicht abgeschlossen- ist. Jetzt müßte ein Fähiger, ein 
Bedeutender die Kritik der Sinne und des Menschenverstandes 
schreiben.« Poetisch tritt uns schließlich Herders Ueber- 
zeuo;un^ in dem Gedichte »X'ermächtniß« enti^egen: 

Den Sinnen hast Du dann :^n trauen, 
Kein Falsches lassen sie dich schauen, 
Wenn dein Verstand dich wach erhält. 

Ich habe schon betont, daß das »genießende«, auf die 
Sinne gegründete, anschauende Denken nach Herder und 

II* 



I 64 Abhandlungen. 



Goethe wesentlich im Gefühle \vurzelt._ Herders Auflehnung 
gegen das abstrakte Denken und sein Versuch einer Er- 
kenntnißweise, die anstatt schattenhafter Begriffe die Dinge 
selbst erfasse, beruhen auf seiner Ueberzeugpng von der 
centralen Stellung und Kraft der Empfindung im Menschen. 
In den »Gedanken-Skizzen zur Plastik« (Lebensbild 2, 385) 
erscheint dies besonders klar. Mit kühner Hand setzt er 
hier an Stelle des überlieferten Cartesischen cogito, ergo 
stim sein: »Ich fühle mich: Ich bin!« Und wie früh er 
diesen Gedanken an Goethe gegeben hat, zeigt sich in 
dessen Shakespeare-Rede bald nach seiner Rückkehr aus 
Straßburg: »ich der ich mir alles binn, da ich alles nur 
durch mich kenne! So ruft jeder, der sich////;//.« (Der junge 
Goethe 2, 39). Und derselbe philosophische Standpunkt 
steht dann im Hintergrund der Prometheischen Trotzworte: 

Was Vater! Mutter! 

Weißt du, woher du kommst? 

Ich stand, als ich :{nm ersten Mal bemerkte 

Die Füße stehn. 

Und reichte, da ich 

Diese Hände reichen fühlte. 

Und später: 

Kehrt mein verirrtes Aug 
Zur Sonne, als wenn drüber war 
Ein Ohr zu hören meine Klage 
Ein Herz, wie meins. 

Am tiefsten ist Herder dem Wesen der Empfindung 
und ihrer schließhchen Einheit mit dem Denken in der 
viel zu wenig beachteten Schrift »Vom Erkennen und 
Empfinden« nachgegangen. In ihr hat er die Principien 
seines intuitiv-genialen Verfahrens, das im letzten Grunde 
auf der Analogie zwischen Ich und Außenwelt beruht; am^ 
klarsten dargelegt. In geistvollster Ausführung, mit dem 
»Reize« beginnend, zeigt er, wie der Gedanke aus den 
Empfindung'en wird, indem diese zu einer gewissen Helle 
steigen, und wie die Einheit von Empfinden und Erkennen 
in den gesundesten Menschen aller Zeit und somit auch 
im Genie zu treff'en ist, das ja »nichts mehr und nichts 
minder als lebendige Menschenart sei«. Wie er die Einheit 
von Subject und Object, von der oben die Rede war, in 
sich findet, zeigen z. B. Stellen wie diese: »Alle groben 
Sinne, Fasern und Reize können nur in sich empfinden, 
der Gegenstand muß hinzu kommen, sie berühren und mit 
ihnen gewissermaßen Eins luerden. Hier wird schon dem 
Erkennen außer uns Weg gebahnt.« Auf folgender Stelle:; 



Herder und Goethe. i6) 



»Wäre in diesem Körper kein Licht, kein Schall: so hätten 
wir auf aller weiten Welt von nichts, was Schall und Licht 
ist, Empfindiiii^: und wäre in ihr selbst, oder um sie, nichts 
dem Schall, dem Licht Analoges, noch wäre kein Begriff 
dessen möglich« beruht die gleiche Anschauung des 
Goethischen Spruches: 

War' nicht das Auge sonnenhaft, 
Die Sonne könnt' es nie erblicken; 
Lag' nicht in uns des Gottes eigne Kraft, 
Wie könnt' uns Göttliches entzücken? 

Am werthvollsten ist uns hier jedoch die Bemerkung 
in Herders Schrift, daß Erkenntniß nur Apperception, tiefes 
Gefühl der Wahrheit sei. Schon einige Jahre vorher hatte 
er in den »Frankfurter Gelehrten Anzeigen« (1772, 84. Stück) 
James ßeatties »Versuch über die Natur und Unveränder- 
lichkeit der Wahrheit« als eine Philosophie über und für 
den {ian:^en Menschen gepriesen, die sich nicht losreiße von 
Gefühl und Erfahrung und anerkenne, daß alle Evidenz zu- 
letzt anschauend und gegründet auf einen ursprünglichen 
Sinn der IVahrheit sei. Wir dürfen daher wohl annehmen, 
daß Goethe, wenn nicht schon in Straßburg, so doch eben 
aus dieser Recension Herders Anschauung kennen lernte 
und sich aneignete. Denn schon in Kestners Charakterbild 
vom jungen Goethe heißt es (Goethe und Werther 38): 
»Er strebt nach IVahrheit, hält jedoch mehr vom Gefühl der- 
selben, als von ihrer Demonstration.« In abgeklärtester Form 
erscheint dann die Herdersche Anschauung in den Sprüchen 
in Prosa (903): »Alles was wir Erfinden, Entdecken im 
höhern Sinne nennen, ist die bedeutende Ausübung, Be- 
thätigung eines origijialen Wahrheitsgefi\hles (d. h. das 
fühlende" Erfassen der Wirklichkeit als angeborene Kraft) 
das, im Stillen längst ausgebildet, unversehens mit Blitzes- 
schnelle zu einer fruchtbaren Erkenntnis führt. Es ist eine 
aus dem Innern am Äußern sich entwickelnde Offenbarung, 
die den Menschen seine Gottähnlichkeit vorahneri läßt. Es 
ist eine Synthese von Welt inid Geist, welche von der ewigen 
Harmonie des Daseins die seligste Versicherung gibt«. 
Halten wir damit einen anderen Spruch zusammen (430) : 
))Das Wahre ist gottähnlich, es erscheint nicht unmittelbar, 
wir müssen es aus seinen Manifestationen errathen«, dann 
fällt wohl helles Licht auf die von Mephistopheles ver- 
höhnte »Gottähnlichkeit« des im »genießenden Erkennen« 
schwelgenden Faust. Nichts vermag aber den Unterschied 
zwischen der Weltanschauung Herder-Goethes und Kants 
schärfer zu bezeichnen als der Schlußsatz von der Synthese 
von Welt und Geist, die von Kant auf dem Wege der 



l66 Abhandlungen. 



Analyse und der Scheidung gesucht und ins Transcendente 
verlegt, von Herder und Goethe unmittelbar, in seligster 
Versicherung der ewigen Harmonie des Daseins gefühlt 
wurde. 

Wie nahe diesem angebornen Wahrheitsgefühle jene 
tiefste Erregung der Menschenbrust verwandt ist, die Goethe 
mit Erstaunen und Schauder bezeichnet, bedarf keiner 
weiteren Ausführung, Auch in diesem Punkte zeigt sich 
die enge Verwandschaft von Herders und Goethes Denken. 
Schon im Reisejournal spricht jener von dem ^^ Schauder, 
der ihn bei psychologischen Entdeckungen und neuen Ge- 
danken aus der menschlichen Seele ergreife«, ja schon 
früher, in dem schönen Aufsatze: »Die biblische Sabbath- 
stiftung und die christliche Sonntagsfeier« aus der Rigaer 
Zeit, in dem schon Schleiermachers Religionsauffassung 
vorgebildet ist, entdeckt er, daß »die Gemüthslage des 
Feierlichen dem Anstaunen und der Verwunderung ver- 
wandt ist, wobei sich ein Mitgefühl von Grausen, von 
einem gewissen Dunkel und Lntsetien finde«. (Lebens- 
bild I, 3 I 544.) Es ist bekannt, wie diese, auf innerster 
Erfahrung ruhende Beobachtung Herders, in seinen Schriften 
oft ausgesprochen und darum Goethen wohl vertraut, gerade 
in dessen Alter auftaucht und zu einem seiner leitenden 
Gedanken wird. »Das Höchste, wozu der Mensch gelangen 
kann,« sagt er bei Eckermann (18. Febr. 1829), »ist das Er- 
staunen«, das sich beim Gewanrwerden der Urphänomene 
sogar zu einer Art Angst steigern kann (Spr. in Pr. 1049). 
Und in diesem Sinne läßt er Faust, der vor den Müttern 
schaudert, bekennen : 

Doch im Erstarren such' ich nicht mein Heil. 
Das Schaudern ist der »Menschheit« bestes Theil; 
Wie auch die Welt ihm das Gefühl vertheure. 
Ergriffen, fühlt er tief das Ungeheure. 

Auch das Gute ist nach Herder und Goethe dem 
angebornen Wahrheitsgefühle eng verschwistert und ent- 
wickelt sich von Innen, als angeborne Kraft. Im engsten 
Zusammenhang mit Herders Wort: der empfindende 
Mensch fühlt sich in Alles und fühlt Alles aus sich heraus 
(Vom Erkennen und Empfinden S. 4) steht Goethes An- 
schauung vom Dichter, der die Elemente des Sittlichen an- 
geboren und keimhaft in sich hat. »Wie man vom Dichter 
sagt, die Elemente der sittlichen Welt seien in seiner Natur 
innerlichst verborgen und hätten sich nur aus ihm nach 
und nach zu entwickeln, daß ihm nichts in der Welt zum 
Anschauen komme, was er nicht vorher in der Ahnung 
gehabt«. (Hempel 18, 137.) Noch deutlicher antwortet 



Herder und Goethe. 167 



Goethe auf die Frage, ^vie das Sittliche in die Welt ge- 
kommen sei, bei Eckermann (i. Apr. 1827'): »Durch Gott 
selber, wie alles Gute. Es ist kein Produkt menschlicher 
Reflexion, sondern es ist angeschajfene und atigcborene schöne 
Natur .... Alles Edle ist an sich stiller Natur und scheint 
zu schlafen bis es durch Widerspruch geiveckt und heraus- 
gefordert werde«. Ganz ähnlich Herder im »Vierten 
kritischen Wäldchen« vom Menschen: »So entwickeln sich 
seine Kräfte durch ein Leiden von außen, die innere Thätig- 
keit, das Entwickeln ist sein Zweck, sein inneres dunkles 
V^ergnügen und eine beständige \'ervollkommnung sein 
selbst«. Was dann zugleich die Philosophie des Schmerzes 
überhaupt ist, die uns auch in den Worten Leonorens von 
Este so ergreifend entgegenklingt. — 

Es ist im Wesen der Empfindung und des auf ihr be- 
ruhenden Denkens begründet, daß beide sich unbewußt 
in einem Zustand der Dunkelheit vollziehen. Gerade in 
der Schrift »Vom Erkennen und Empfinden« sieht Herder 
den Grundzug des genialen Menschen darin, »daß er sich 
auszeichne durch das, von dem er nichts ivei/jM ' Auch 
diese Erkenntniß, die so tief und nachhaltend auf Goethe 
wirken sollte, scheint Herder ihm, wenn nicht in Straßburg, 
so doch in seiner brieflichen Kritik der ersten Fassung 
von Götz mitgetheilt zu haben. »Es ist alles »nur gedacht«, 
schreibt Goethe an Herder. Das ärgert mich genug .... 
Wenn mir im Grunde der Seele nicht noch so vieles ahn- 
dete, manchmal nur aufschwebte, daß ich hoffen könnte, 
wenn Schönheit und Größe sich mehr in dein Gefühl webt, 
wirst du »Gutes und Schönes« thun, reden und schreiben, 
ohne daß dus weißt, ivarum.fs. 

Diesem bewußten Streben nach dem unbewußten 
Schaff'en und Denken, wie Herder es forderte, begegnen 
wir noch öfter in Goethes Frühzeit. So schreibt er aus 
seinem Sehnen heraus, dem bewußten Denken zu entrinnen, 
in den »Briefen aus der Schweiz«, worin er das »Naive« 
in seinem Werthe entdeckt und sucht: »Es ist mir nie so 
deutlich geworden wie die letzten Tage, daß ich in der 
Beschränkung glücklich sein könnte, so gut glücklich sein 
könnte, wie jeder andere, wenn ich nur ein Geschäft wüßte, 
ein rühriges, das aber keine Folge auf den Morgen hätte, 
das Fleiß'und Bestimmtheit im Augenblick erforderte, ohne 
Forsicht und Rücksicht ;^7f verlangen. Jeder Handwerker 
scheint mir der glückUchste Mensch, was er zu thun hat, 
ist ausgesprochen; was er leisten kann, ist entschieden; 



' Auch der für Goethe so wichtige Begriff" der »Dumpfheit« und 
der »Stille« erscheint klar in Herders Schrift. 



l68 Abhavdlungen, 



er besinnt sich nicht bei dem, was man von ihm fordert, er 
arbeitet ohne :(u denken, otine Anstrengung und Hast, aber 
auch mit Application und Liebe, wie der Vogel sein Nest, 
wie die Biene ihre Zellen herstellt; er ist eine Stufe über 
dem Thier, und ist ein gmi^er Mensch.a 

Damals, als ihm unter Herders Führung die Bedeutung 
des Unbewußten aufgegangen war, mag er auch zuerst 
»die geheime psychologische Wendung« gefunden haben, 
durch die er, wie er am i. December 183 1 an Wilhelm 
von Humboldt schreibt, »sich glaubte zu einer Art Pro- 
duktion erhoben zu haben, welche bei völligem Bewußtsein 
dasjenige hervorbrachte, was ich jetzt noch selbst billige, 
ohne vielleicht jemals in diesem Flusse wieder sclnvimmen 
zu können, ja was Aristoteles und andere Prosaisten einer 
Art von Wahnsinn zuschreiben würden.«' 

So konnte er denn genießen: 

Was von Menschen nicht gewußt, (d. h. unbewußt) 

Oder nicht bedacht, 

Durch das Labyrinth der Brust 

Wandelt in der Nacht. 

So bezeichnet er sich selbst in seinem Schaffen als 
Nachtwandler und Schiller findet an ihm, daß er, so lange 
er arbeite, im Dunkeln sei. In dem Aufsatz »Einwirkung 
der neuern Philosophie« nennt Goethe diesen Zustand 
»fruchtbare Dunkelheitii. Und in den »Zahmen Xenien« 
singt er: 

Ja das ist das rechte Gleis 
Daß man nicht weiß, 
Was man denkt, 
Wenn man denkt. 
Alles ist wie geschenkt. 

Und: 

All unser redUchstes Bemühn 

Glückt nur im unbewußten Momente; 

Wie möchte denn die Rose blühn. 

Wenn sie der Sonne Herrlichkeit erkennte. 

In dem berühmten Briefe, in dem Schiller »mit freund- 
schaftlicher Hand die Summe von Goethes Existenz zog«, 

' Man vergleiche zu dieser Stelle Humboldts Antwort im nächsten 
Brief und Goethes weitere Erklärung in seinem letzten Schreiben vom 
17. März 1832. Besonders wichtig ist Humboldts Bemerkung, daß 
Goethe um kein Haar weniger eine philosophirende und grübelnde 
Natur gewesen sei als Schiller, d. h. also nicht ursprünglich naiv. 



Herder uxd Goethe. 169 



scheint ihm am Bilde des neugewonnenen Freundes als 
der bewundernswertheste Zui^' die Naivität seines Genius. 
»In Ihrer richtigen Intuition liegt alles und weit vollständiger, 
was die Analysis mühsam sucht, und nur weil es als ein 
Ganzes in Ihnen liegt, ist Ihnen Ihr eigner Reichtum ver- 
borgen, denn leider wissen wir nur das, was wir scheiden. 
Geister Ihrer Art wissen daher selten, wie weit sie ge- 
drungen sind, und wie wenig Ursache sie haben, von der 
Philosophie zu borgen, die nur von ihnen lernen kann. 
Diese kann bloß :;^er gliedern, was ihr gegeben ward, aber 
das Geben selbst ist nicht Sache des Analytikers, sondern 
des Genies, welches unter dem dunkeln, aber sichern Ein- 
fluß reiner \^ernunft nach objektiven Gesetzen verbindet. k 
Und mit dem Seherblick des Dichters dringt Schiller sogar 
bis zu dem Geheimniß, das Goethe es möglich machte, 
als reflectirender moderner Mensch zum unbewußt intui- 
tiven Schaflcn zu gelangen. »Aber diese logische Richtung, 
welche der Geist der Reflexion zu nehmen genöthigt ist, 
verträgt sich nicht wohl mit der ästhetischen, durch welche 
allein er bildet, Sie haben also eine Arbeit mehr : denn so 
wie Sie von der Anschauung zur Abstraktion übergingen, so 
mußten Sie nun rückwärts Begriffe wieder in Intuitionen 
iiniiuandeln und Gedanken in Gefiible veriuandeln, weil nur 
durch diese das Genie hervorbringen kann.« Schiller konnte 
nicht wissen, daß Goethe einst, in den Tagen, wo er unter 
Herders Führung nach dem unbewußten Schaff'en rang, 
diesem schrieb : »Ich brauche Zeit, das (d. h. seine drama- 
tischen Pläne und Gedanken) -um Gefühl ^/< entwickeln.if. 

Wir dürfen es heute wohl bedauern, daß Schiller nicht 
geschichtlich übersehen konnte, wie der Freund, der ihm 
zum Bilde des naiven Dichters saß, in seinem Denken und 
Wesen mit Herder verwachsen war. Und wer hätte es 
nicht schon beklagt, daß es Schiller, nachdem er seine 
kantische Periode überwunden hatte, nicht vergönnt war, 
zu erkennen, wie sich sein eigenes reifstes Denken mit den 
Ahnungen und Gedankenblitz'en Herders begegnete? Die 
Ausführungen der ästhetischen Briefe und der Abhandlung 
über naive und sentimentalische Dichtung, die tiefsinnige 
Mystik von Gedichten wie der »Genius« erscheinen doch 
wfe die Ernte von Herders Gedankensaat und wie die Er- 
füllung seiner Weissagung des kommenden Dichters, der 
»den kühnen Weg über die unbetretenen Höhen der Ver- 
nunft ins Gebiet der Leidenschaften wandelnd, die ":rößte 
Höhe des poetischen Genies in unserer Stuff"e der Kultur 
wäre.« (W. i, 476.) 

Aber dürfen wir in dieser Stunde einen Augenblick 
träumen, daß sich am Todestage Herders die drei Großen 



170 



Abhandlungen. 



im Jenseits freundlicli begegnen, dann mögen sie wohl in 
seliger Vergessenheit alles Persönlichen, das sie einst trennte, 
sich des Wahren, Guten und Schönen freuen, das, von 
jedem an der heihgen Quelle geschöpft, heute unter ihrem 
Volke lebendig ist. Dann mag es Herder wohl erscheinen, 
als sei das Denken und Dichten seines Jugendfreundes die 
herrhchste Erfüllung seiner Weissagung und Lehre, und es 
wird ihm sein, als habe Schiller noch schöner ausgesprochen, 
w'as ihm ahnend einst auf der Lippe schwebte. — — 

Uns Nachgebornen aber will es dann wohl vorkommen, 
als hörten wir mitten in den Gründen der modernen Welt, 
auf die der kalte Nebel des Mechanismus drückt, plötzUch, 
wie in der Ferne, die silberne Quelle des Lebens rauschen. — 

Und hinter dem Standbilde Goethes und Schillers er- 
hebt sich uns immer klarer und leuchtender die Propheten- 
gestalt Herders. 



fi^^r 




6. 



Hebbel und Goethe. 

Vox 

Richard Maria Werner. 




riedrich Hebbel zählte neunzehn Jahre, als Goethe 
starb, aber für den jungen Dithmarscher Dichter, 
der schon drei Jahre vorher mit lyrischen Ver- 
suchen hervorgetreten war, bedeutete Goethe noch nicht 
viel mehr als einen Namen. Das setzt einen heutigen 
Beobachter kaum in Erstaunen, denn er weiß, wie spät 
Goethes Werke in die breiteren Schichten des Volkes 
drangen und wie schwer es den meisten Menschen damals 
fiel, sich auch nur mit den hauptsächlichsten Erzeugnissen 
seines weltumfassenden Geistes bekannt zu machen. Der 
arme Maurersohn von Wesselburen mußte froh sein, im 
Besitze seines Lehrers Dethlefsen einige Lieblingsautoren 
jener Zeit vorzufinden und zu lesen, er scheint auch in der 
Bibliothek seines Chefs, des Kirchspielvogts J. J. Mohr, 
nichts von Goethe entdeckt zu haben. Schiller stand ihm 
zu allerhöchst, Bürger, Matthisson, Sallet, Salis-Seewis, 
Zschokke, Contessa, Hauff, Musäus, waren die Dichter, die 
ihn beschäftigten, der Don Quixote erfüllte ihn mit Grauen. 
Einige Gedichte von Goethe waren ihm zwar bekannt, aber 
er hatte sie noch nicht zu erfassen gelernt, weil ihm ihr 
Feuer ein unterirdisches und Goethe nur ein Vorläufer 
Schillers schien. Vom ersten Theil des »Faust« besaß der 
gefürchtete Pastor Meyn allerdings ein Exemplar, aber an 
ihn konnte Hebbel nicht herankommen, und nur einmal 
gelang es ihm unter tragikomischen Umständen das Buch 



172 Abhandlukgex. 



für eine halbe Nacht zu erhalten und ohne weiteren Ein- 
druck zu verschlingen. Erst Uhland mußte dem werdenden 
Poeten die Augen öffnen und die bisher so hochgeschätzte 
Rhetorik gründlich verleiden, darum blieb Uhland für so 
lange Zeit der verehrte Vertreter wahrer Poesie im Ge- 
fühle Hebbels, der Prophet, der ihn mit Feuer taufte. 

Als Hebbel dann 1835 nach Hamburg übersiedelte und 
durch seinen Lateinlehrer Gravenhorst in den »Wissen- 
schattlichen Verein von 1817«, eine Gymnasiastenverbindung, 
eingeführt wurde, begrüßte ihn sofort an der Schwelle 
Goethes Faust. Gravenhorst hatte seine großstädtische 
Reife dadurch bewiesen, daß er im Anschluß an einen 
bereits 1825 von O. Krabbe gehaltenen Vortrag und als 
Fortsetzung eines eigenen 1834 abgefaßten Aufsatzes »Ideen 
zu den Ideen des Herrn Otto Krabbe über die Idee des 
Goetheschen Faust« den Mitgliedern zur Beurtheilung vor- 
legte. Es war die erste Arbeit, die Hebbel zu rezensiren 
hatte. Er mußte gestehen', daß er den zweiten Theil des 
»Faust« überhaupt noch niemals, den ersten nur ein ein- 
ziges Mal flüchtig gelesen habe, und sich darum mit wenigen 
bescheidenen Anmerkungen begnügen. Aber wir sehen, daß 
er bemüht war, diese Lücke seines Wissens auszufüllen, 
wie so viele andere, weil er schon zwei Monate später in 
seiner Untersuchung über Kleist und Körner sehr einsichtig 
den Unterschied zwischen den Charakteren bei Schiller und 
bei Goethe darlegt und das hübsche Wort prägt: »Goethe 
zeichnet die unendlichen Schöpfungen des Augenblicks, 
die ewigen Modificationen des Menschen durch jeden Schritt, 
den er thut; dieß ist das Kennzeichen des Genies.« Sofort 
sucht er auch in seiner damals entstandenen Novelle »Barbier 
Zitterlein« dieselbe Methode der Charakterzeichnung zu 
geben und zu zeigen, wie der unglückliche Vereinsamte 
durch die Eindrücke des Augenblicks weiter und weiter 
geführt wird in Zweifel, Wuth, Schuld, Wahnsinn, endUch 
aber auch zum Heil; in seiner früheren Erzählung »Die 
Räuberbraut« ist davon erst ein Keim zu bemerken, in den 
noch älteren Versuchen dagegen keine Spur. 

Aber erst während des Heidelberger Sommersemesters 
1836 versenkte sich Hebbel wirklich in Goethe, dessen 
Geburtshaus er beim Durchmarsch durch Frankfurt gesehen 
hatte. Gravenhorst stellte ihm seine Ausgabe zur Ver- 
fügung und nun las Hebbel nicht nur die Werke, sondern 
auch die Briefwechsel, aus denen er sich vieles notirte, und 

' Ich verweise durchaus auf meine historisch-kritische Ausgabe 
von Hebbels Sämthchen Werken und seiner Tagebücher (Berhn, B. Behrs 
Verlag), wo die eingehenden Register das Auffinden der einschlägigen 
Stellen rasch ermöglichen. 



Hebbel und Goethe. 175 



drang in das Wesen der Goethischen Persönlichkeit. Die 
Folgen blieben nicht aus: vor allem that es ihm das Uni- 
versale Goethes an und erschien ihm als das hohe Ideal 
für einen Dichter. Nun begann sich in ihm mehr und 
mehr die Ueberzeugung zu befestigen, daß er selbst ein 
Dichter sei und die Pflicht habe, semen wahren Beruf aus- 
zufüllen, ohne Rücksicht auf die praktischen Bedürfnisse; 
das Beispiel Goethes aber belehrte ihn, wie viel dazu ge- 
höre, wie gleichmäßig die Persönlichkeit eines Dichters 
ausgebildet werden müsse, wenn sie nach dem Großen 
strebe. Mit einem geradezu rührenden Eifer bemüht er sich, 
diesem Ideal nachzukommen, liest und studirt, beobachtet 
und lernt, schaut und er\veitert seinen Horizont, zum Zeichen, 
wie ernst er es meinte; sogar die Wolkenbildungen und 
die Farbentöne des Himmels hält er in Tagebuchnotizen 
fest und schon schwebt ihm eine Reise nach Italien als 
Bildungsmoment vor. »Erfassen mögt ichs, so weit es 
menschlichem Geist möglich ist, was gelebt hat in jenen 
ewigen Meistern, darstellen durchs Wort wenigstens ihre 
Intention und dem Auge Rechenschaft abnehmen für den 
Verstand. Dazu aber gehört bei bestem Naturell ernst- 
unablässiges Studium, anzufangen, sobald man seine Noth- 
wendigkeit erkannt hat, fortzusetzen bis an den Tod«, so 
schreibt er am 28. Juli 1836 dem Wesselburner Freunde 
Wacker. Noch eines bestätigte ihm Goethe, was freilich 
schon in ihm gelegen hatte: »alles Höchste, in welchem 
Gebiet es auch sei, erscheint nur, und wird selbst durch den 
geweihtesten Priester vergebens gerufen;« das Schaffen 
muß einer inneren Nothwendigkeit, einem unwidersteh- 
lichen Zwang aus der Seele des Produzirenden entstammen, 
sein Werk muß werden, er darf es nicht machen, wollen, 
bezwecken. Für Hebbel ergibt sich daraus ein jahrelanges 
Bescheiden, ein ruhiges Abwarten der günstigen Stunde; 
er beschränkt sich auf Lyrik und Epik, obwohl ihn alles 
zum Drama zieht, weil er sich dieser Gattung noch nicht 
gewachsen fühlt, er ruft die Kunst nicht, sondern sie ruft 
ihn. Und noch ein Drittes gewann er durch Goethe: 
Sinn für jenes Unbegreifliche, das er unter dem Ausdruck 
»Styl« zusammenfaßt, und allmählich Herrschaft darüber. 
Hebbel ist sein ganzes Leben hindurch von diesen Erkennt- 
nissen nicht mehr abgewichen und so durch Goethes Schule 
gefördert worden. 

Mit dem Entschluß, nach München zu gehen, vollzog 
sich eine Wendung in Hebbels Leben: er gab das juridische 
Fachstudium auf, um sich ganz der Literatur zu widmen, 
und wählte München außer der dortigen Billigkeit wegen 
auch noch aus dem Grund, weil er nur dort in ganz Deutsch- 



174 Abhandluxgex. 



land die Möglichkeit hatte, die Kunstwerke in reicherem 
Maße zu schauen. Diese plötzHch erwachende Sehnsucht 
nach der bildenden Kunst dürfen wir wohl auch dem 
Goethischen Einflüsse zuschreiben. Auf der Fußreise dahin 
folgte er Goethes Spuren während der drei bis vier Tage, 
die er in Straßburg zubrachte; auf dem Münster dachte er 
nur an ihn, mit Rührung stand er vor der kleinen Tafel, 
auf der sein Name eingehauen ist, »ich sah ihn, wie er 
mit seinem Adler-Auge hinein schaute in das reiche, herr- 
liche Elsaß und wie Götz von Berlichingen vor seiner Seele 
auftauchte und ihn um Erlösung anflehte aus langem Tod 
zu ewigem Leben. Ich sah ihn unten im Dom, wo die 
Idee der reinsten, himmel -süßesten Weiblichkeit, des 
Gretchens, vor ihm aufging. Mir war, als ergösse sich 
der Strom seines Lebens durch meiite Brust, es war ein 
herrhcher, unvergänglicher Tag!« Dem mächtig erregten 
Gefühl machte Hebbel in dem Gedichte »Traum« (Der 
Becher) Luft, das auf dem Münster entstand. 

In München folgten harte Jahre des einsamen Arbeitens 
an sich selbst, eine Befestigung der eigenen PersönUchkeit 
unter Noth und Druck, ein Ringen mit den höchsten 
Problemen, aber nur wenig dichterische Werke, von 
lyrischen Gedichten abgesehen, rundeten sich während 
dieser Zeit. Immer wieder kehrte Hebbel zu Goethe zurück, 
auch wenn er sich an Jean Paul erbaut hatte; Goethe bUeb 
ihm der Höchste! Und schon versucht er, die Stelle heraus- 
zufinden, die Goethe innerhalb der Weltliteratur ein- 
nimmt; er glaubt in ihren Koryphäen ein aufsteigendes 
Prinzip wahrnehmen zu können: »So beherrscht im Gegen- 
satze zu Homer der Epiker Dante zugleich Himmel und 
Erde, so ist der Humorist Richter ein erweiterter Sterne 
und Goethe ein, wo nicht verklärter, so doch klarerer 
Shakespear.« Das war freilich noch nicht das letzte Resultat, 
denn er hat es später selbst corrigirt, aber ein Zeichen des 
w^achsenden Verständnisses. Mit welchem Entzücken schreibt 
er über die Iphigenie, die er »etwas in Mark und Bein 
dringendes« nennt; die Finger müsse man sich lieber ab- 
beißen, als damit zu schreiben, wenn man dieses Werk 
sieht, aus ihm lernt; der Monolog »Vor meinen Ohren 
tönt das alte Lied . .« macht ihm das Herz auseinander 
springen. Voll Verzweiflung ruft er einmal: »Die Natur 
sollte keine Dichter erwecken, die keine Göthes sind«, 
dann aber leuchtet ihm doch wieder das Beispiel Goethes 
vor. Das Fachstudium hat er aufgegeben, aber nicht, um 
in Bequemlichkeit und Selbstzufriedenheit als Dilettant den 
Faden aus sich herauszuspinnen, sondern um sich eine 
höhere Ausbildung zu erwerben; dem federgewandten 



HlvBHF.L UND GOF.TIIF.. 175 



Literaten Eduard Janinski (Jahnens), der behauptet hatte, 
alle Schulgelehrsamkeit der Welt vergrößere die poetische 
Mitgabe um kein Haar, erwidert er: »Das ist wahr, aber 
daraus folgt noch Nichts, was jene Schulgelehrsamkeit 
verächtlich oder auch nur entbehrlich machte .... Daraus, 
daß der Dichter in einer Hinsicht 7nehr besitzt, folgt nicht, 
daß er in der andern weniger besitzen dürfe; eher das 
Gegentheil . . . Goethe war eine Encyklopädie . . .« Darum 
ringt er nach Bildung, denn er eifert diesem »Hohepriester 
der Kunst« nach, darum ringt er aber auch nach Selbstcändig- 
keit, weil er davon überzeugt war, daß er sich nur dann 
in ein würdiges Verhältniß zu ihm setze, wenn er ihn 
möglichst zu entbehren suche. 

Das bewies er schon damals, indem er Goethe durch 
Goethe bekämpfte, den Goethe von achtzig Jahren durch 
den Goethe von dreißig. Er las nämlich Eckermanns Ge- 
spräche, in denen ihm die Anerkennung Platens und 
Kückerts im Gegensatz zur kühlen Behandlung Uhlands 
durch Goethe nicht verständlich schien; die Wege jener 
beiden hielt er für verfehlt, ihre Prinzipien für verwirrend, 
eine Poesie, wie die ihre, wollte er nicht gelten lassen und 
folgerte aus dem Schaffen Goethes, daß auch dieser fünfzig 
Jahre früher anders gedacht habe, weil er sonst schwerlich 
der Stolz Deutschlands, die Bewunderung Europas geworden 
wäre. Auch Goethes Ürtheil über Kleist verwarf er, indem 
er gegen die Behauptung', solche Fälle, wie Michel Kohlhaas, 
müsse man nicht im Weltlauf geltend machen, bescheiden 
erwidert: »Das ist wahr, insofern man daraus keine Schlüsse 
zum Nachtheil des Allgemeinen ziehen darf. Doch scheint 
mir, der Dichter muß eben auf Ausnahmen der Art seine 
Aufmerksamkeit richten, um zu zeigen, daß sie so gut aus 
dem Menschlichsten entspringen, wde dieDutzend-Exempel.« 
Da wetterleuchtet schon das, was Hebbel erst später mit 
größerer Ausführlichkeit behandelt. 

Auch hier durfte Hebbel übrigens glauben, mit Goethe 
dem Wesen nach übereinzustimmen, denn ihm waren 
Goethes und Uhlands, »dieser göttlichen Meister«, Lieder 
deswegen so herrlich, weil sie ihm das menschliche Gemüth 
im Tiefsten zu erschließen, seine dunkelsten Zustände 
durch himmelklare Melodieen, es durch sich selbst zu be- 
rauschen und zu erquicken schienen. Wenn die Lyrik 
tiefinnerliche Gemüthsanschauungen zu bringen hat, dann 
muß sie auch das Außerordentliche behandeln und dann 
läßt sich wohl auch für die anderen Dichtungsarten etwas 

^ Falk, Goethe aus näherm persönlichen Umgange dargestellt. 

2. Aufl., S, 121. 



Ij6 Abhaxdluxgex. 



ähnliches verteidigen. Und Hebbel ging in dieser Richtung 
noch weiter; er suchte sich das zu erklären, was Goethe 
unter Naivität verstand', und kam zu dem Resultate, es 
gebe Augenblicke, »wo der Mensch durch That oder Wort 
sein Innerstes und Eigenthümlichstes ausdrückt, ohne es 
selbst zu wissen; die Kraft des Dichters hat sich in ihrer 
Erfassung zu bethätigen.« Das bis zu einer gewissen Grenze 
unbewußte Schaffen des Dichters war eme der Grund- 
überzeugungen Hebbels, er erkannte, daß poetische Werke 
nicht Thaten der Absicht, des Zwecks, sondern noth- 
wendige Befreiungen des Dichters von einer inneren Last 
seien, und befand sich damit vollständig im Einklang mit 
Goethe. Der Dichter sucht nicht nach einem Stoffe, der 
Stoff sucht ihn, und wenn er so keine Wahl hat, dann 
muß er eben einen »Michel Kohlhaas« hervorbringen. Mit 
diesem inneren Zwang hängt aber noch etwas weiteres 
zusammen, daß sich nämUch sein Werk nicht verstandes- 
mäßig aufnehmen lasse. Elise Lensing muß geschrieben 
haben, sie kapire nicht Alles im »Siebenkäs«, worauf ihr 
Hebbel erwidert: »Wehe dem Dichter, dessen Werk man 
im gemeinen Verstand kapiren kann! Er ist entweder Nichts, 
oder hat wenigstens Nichts gemacht. Jedes wahre Kunst- 
werk ist unendlich und wirkt das Unendliche; es steht, wue 
eine That, als abgerissene Erscheinung, auf die ein doppeltes 
Licht fällt, zwischen zwei Unbegreithchkeiten; man fragt 
sich, wie bei einer That, umsonst, was vorher gegangen sei 
und was folgen werde.« Wem fiele dabei nicht Goethes 
Wort ein, das er am 6. Mai 1827 zu Eckermann über das 
Arbeiten nach einer Idee brauchte mit der Schlußw^endung: 
»je inkommensurabler und für den Verstand unfaßUcher 
eine poetische Produktion ist, desto besser.« Hebbel be- 
wunderte die Kunst Goethes in den »Wahlverwandt- 
schaften« und — Kleists in den »Novellen« deshalb, weil sie 
es verstehen, »Seelen-Ereignisse und Geistes-Revolutionen 
ohne Zergliederung und Beschwätzung unmittelbar durch 
das Tun und Leiden des Menschen zu zeichnen«; so 
konnte er sich in Goethes Ablehnung gegen Kleist nicht 
hineinfinden. Vorübergehend dachte er sogar daran, eine 
Broschüre »über einige merkwürdige Urtheile Goethes aus 
seiner spätesten Zeit« zu schreiben, jedesfalls zur Vertheidi- 
gung Uhlands und Kleists, zur Verwerfung Platens und 
Rückerts; wir können die Tendenz errathen, denn er sagt, 
Goethes spätere Urtheile über Schriftsteller und Bücher 
seien nicht Urtheile seines Magens, sondern seines Gaumens. 
Während seines Münchner Aufenthaltes befestigte sich 



Wohl mit Rücksicht auf Eckermanns Gespräche vom 14. Nov. 1823. 



Hebbel und Goethe. I77 



Hebbel in Goethe, dessen Romane und Prosaschriften ihn 
vor allem beschäftigten, er sucht sich Rechenschaft über 
die verschiedenartigen Eindrücke zu geben, die sie hervor- 
rufen, er möchte ilirer Kunst auf den Grund kommen. Am 
meisten imponirten ihm schon jetzt die »Walilverwandt- 
schaften«, über die er in Hamburg bei Amalia Schoppe 
dann bald mit Wihl und Gutzkow hart aneinander gerieth 
und denen er nachher neben dem »Faust« einen so bedeut- 
samen Platz in der Weltliteratur anwies. 

Der »diamantklare Goethe« steht ihm jetzt so hoch, 
daß er jedes Mal in Harnisch geräth, wenn er einen Nach- 
treter sich Goethischer Freiheiten bedienen sieht; schon 
damals hat er einsehen lernen, daß es individuelle Ab- 
weichungen von den allgemeinen Kunstgesetzen gibt, daß 
sie aber nur einem Genie gestattet sind. Darum vertheidigt 
er den »Götz« gegen seine Nachahmer, sogar für die 
»Wanderjahre« mit ihrer bequemen Technik hat er ein 
volles Verständnis. Es könnte wirklich scheinen, als sei 
Hebbel jetzt ein Goethomane geworden, wenn er sein Ent- 
zücken über »Wilhelm Meister«, »die Natürliche Tochter«, 
»Faust«, die Jugendlieder ausspricht; aber die »Stella« wird 
verworfen als ein dürres und leeres Drama, zwischen Schlafen 
und Wachen gemacht, um das Handwerk doch nicht ruhen 
zu lassen, am Faust die Magie wenigstens als etwas Vergäng- 
Hches angesehen und am Wilhelm Meister auch nicht alles 
ohne Zweifel hingenommen. Und schon begegnen wir 
einem Ausspruch, der uns noch zu beschäftigen haben würd, 
Goethe stelle in seinen Jugendliedern die reine Seligkeit 
dar, die Seligkeit an sich, die aus dem Dasein selbst ent- 
springt; andere nur die errungene Seligkeit. 

Hebbel war nun schon selbst als Dramatiker hervor- 
getreten, aber kaum in einem Ausdruck, viel weniger im 
Großen ließe sich Einfluß Goethes an der »Judith« oder der 
»Genoveva« nachweisen, selbst die Volksscenen würden nur 
insofern zu nennen sein, als Hebbel das Volk in Masse für 
miserabel ansah und durch die Niederländer im »Egmont« 
diese Meinung bestätigt fand. Wichtiger ist jedoch die 
Stellung, die Hebbel seinen Dramen im Verhältnis zur Zeit 
anwies, weil er sich darin direkt auf Goethe bezog. Seiner 
Ansicht nach war das höchste Drama bisher zweimal her- 
vorgetreten, bei den Griechen, als der Olymp leer wurde 
und das Fatum die Individuen maßlos herabdrückte, dann 
bei Shakespeare, der die Individuen »emanzipierte«, wie 
der Protestantismus; dort stellt sich der nothwendige Karnpf 
zwischen dem Menschen und der sittlichen Macht ein, hier 
entwickelt er sich nur zwischen den Menschen untereinander, 
oder im Inneren des Menschen auseinander, wie bei Hamlet. 

Goethe-Jahrbvch XXV. 12 



178 Abhandlungen. 



Nun sah er aber in Goethes Faust und »in den mit Recht 
dramatisch genannten Wahlverwandtschaften« den Grund- 
stein zu einem neuen großen Drama, das den letzten Schritt 
thut und die Dialektik unmittelbar in die Idee selbst verlegt, 
so daß der Widerspruch nicht in den Individuen, sondern 
im Zentrum, um das sie sich bewegen und soweit sie es 
erfassen, aufgezeigt wird; der erste Theil das Faust im 
Glauben, die Wahlverwandtschaften in der Idee der Ehe, 
wobei die Extreme nebeneinander hervortreten. Darin 
erkannte Hebbel die Aufgabe des modernen Dramas, das 
mehr sein will als eine bloße Wiederholung und durchaus 
über das Shakespearesche hinausgehen muß; das Ringen 
der Menschheit um eine neue Form erschien ihm als das 
Problem, zu dem Goethe wohl den Weg wies, ohne es 
jedoch zu bewältigen. Dieses Problem,das Zusammenbrechen 
eines Weltzustandes, um daraus einen neuen auf Sittlichkeit, 
d. h, Nothwendigkeit beruhenden erstehen zu lassen, dieses 
Problem hielt er für das Einzige, das vom modernen Drama 
zu leisten sei, und in diesem Sinne fühlte er sich nun als 
einen Schüler Goethes. An der Clara seiner »Maria Mag- 
dalene« darf man nicht so sehr den Spuren Gretchens 
nachgehen, als Ottilie suchen, deren himmlische Schönheit 
ihn »ein vielleicht für alle Zeiten unerreichbares Meister- 
stück« bedünkte ; aber auch seine Clara ist eine solche 
»ganz innerliche Natur«, die erst im allergewaltsamsten 
Zustand ihren ganzen Reichthum entfalten kann. In seiner 
Vertheidigung dieser seiner Heldin berief er sich allerdings 
auf Gretchen und Klärchen, aber nur um die Vorurtheile der 
Prüderie zu widerlegen. Was er drastisch gegen den zweiten 
Theil des Faust jetzt und später einwendet, trifft immer 
nur die Allegorie und mag wohl mehr durch die unseligen 
Kommentatoren damaliger Zeit und ihre Deklamationen 
über den philosophischen Gehalt, als durch das Werk selbst 
hervorgerufen worden sein. In den »Wahlverwandtschaften« 
scheint ihm die Ehe zwischen Eduard und Charlotte wegen 
ihrer Nichtigkeit, ja UnsittHchkeit nicht ganz als Symbol 
für das Problem zu passen, das dem Institut der Ehe gilt. 
Damit will aber Hebbel nichts gegen den welthistorischen 
Werth dieser Werke sagen, er weist nur auf den Punkt 
hin, wo seiner Meinung nach die Nachfolger Goethes ein- 
zusetzen haben, um etwas zu leisten. Nicht der Tadel 
spricht aus solchen Urtheilen, sondern ein Bedauern, daß 
Goethe nicht alles gelungen ist, wie so vieles. Man muß 
sich dies vor Augen halten, sonst könnte man leicht auf 
den Einfall geraten, daß Hebbel unter die Goethefeinde 
gegangen sei ; aber er macht es in der Kritik so, wie 
überall: er gibt das, was er als Neues zu bieten hat, und 



Hebbel und Goethe. 179 



setzt das Uebrige als bekannt voraus ; wenn er etwas Ein- 
zelnes bezweitelt, so will er eben nur dieses, nicht etwa 
das Ganze treffen, oder, um sein Wort zu brauchen, wenn 
er erst zum D eine Bemerkung mache, so bestreite er A, 
B, C keineswegs. Die Pietät für die grossen Vorgänger 
setzt er immer voraus, sie stehen unerreichbar vor ihm, 
wenn er auch erwägt, wo für die nachfolgende Generation 
noch etwas zu bieten übrig blieb, um ihr selbständigen 
Werth zu verleihen. Das gilt für die Antike, für Shake- 
speare, für Goethe, wie für Schiller. 

Daß er auch in Paris, wo er die Resultate seines Nach- 
denkens über das Drama in einem »Manifest« zusammen- 
drängte, für Goethe das Tiefste fühlte, geht aus einem 
kleinen Zug hervor: am Weihnachtsabend 1843 erwarb er 
zur Feier des Festes um eine für ihn damals nicht unbe- 
deutende Summe (30 fl.) einen Goethe und schleppte seinen 
»Schatz«, obwohl er ziemlich schwer zu tragen war, eigen- 
händig aus dem Palais royal in seine Wohnung (Faubourg 
poisonniere, Rue les petites ccuries), um ihn nur ja sofort 
benutzen zu können, und schrieb dann aus der Freude des 
Besitzes: »Ich lese in meinem Goethe«, was sich natürlich 
nur auf die Ausgabe bezieht. ' Er kaufte sie von dem 
Honorar, das ihm der Abdruck seines Prologs zum »Diamanten« 
im Stuttgarter »Morgenblatt« eingetragen hatte, und gerade 
dieser Prolog zeigt unseren Dichter am stärksten unter 
dem Banne Goethischer Ausdrucksweise in »Des Künstlers 
Apotheose« und im »Faust«. Nun aber, da er wneder 
bequem Goethes Werke verschiedenster Art lesen konnte, 
wiederholt sich der Eindruck aus der Heidelberger Zeit: 
die Vielseitigkeit von Goethes Bildung erscheint ihm als das 
erstrebenswerthe Ideal für jeden Dichter, besonders für 
jeden Dramatiker. Was Schiller bei der Umarbeitung der 
»Kraniche des Ibycus« seinem Freunde beneidete, das geht 
jetzt auch Hebbel auf: von welcher Unentbehrlichkeit dem 
Dichter »eine lebendige Anschauung« sei. Den »Benvenuto 
Cellini« nahm er zuerst vor, jedenfalls weil er im Begriff 
stand, nach Italien zu reisen, und Spuren dieser auch später 
noch wiederholten Lektüre begegnen wir dann in einzelnen 
iMotiven des Dramas »Michel Angelo«. 

Aber gerade in Italien wurde sich Hebbel bewußt, wie 
weit er von Goethes umfassenden Interessen entfernt sei, 
denn die bildende Kunst erschloß sich ihm nur in ihren 



' Mißverstanden scheint den Ausdruck zu haben Albert Fries. 
«Vergleichende Studien zu Hebbels Fragmenten«. Berliner Beiträge 
zur germanischen und romanischen Philologie, XXIV S. 54, der sonst 
manches Gute über Goethes Einlluß auf Hebbel im Einzelnen beibringt. 
Tgl. auch Poppe, Palaestra VIII. 

12* 



l8o Abhandlungen. 



Meisterwerken, während ihm alles bloß historisch Bedeutsame, 
dann alles Antiquarische durchaus fremd blieb. In seiner 
Dichtung rückte er ihm dadurch näher, daß er nun immer 
häufiger in Epigrammen Eindrücke, Erkenntnisse und Lebens- 
resultate aussprach und sich des Distichons wie Goethe be- 
diente; auch hier fehlt es fast ganz an wörtUchen Anklängen, 
aber die Praxis ist dieselbe, was Hebbel selbst eingestand. 
Schon in Kopenhagen hatte er sich einmal den nicht 
gerade feinen Scherz erlaubt, dem alten Oehlenschläger ein 
paar seiner eigenen Gedichte als angeblich neu gefundene 
Theile des Sessenheimer Liederbuches vorzutragen und ihm 
erst nach seinem lauten Lob den wahren Verfasser einge- 
standen. Trotzdem war er sich über den Unterschied 
zwischen seiner und der Goethischen Dichtung schon früh 
klar; er brauchte später, da ihn Palleske mit Goethe ver- 
glichen hatte, in einem Brief an Gurlitt die Formel : »Der 

Unterschied zwischen Goethe und mir besteht 

darin, daß Goethe die Schönheit vor der Dissona?ii, die 
Traum-Schönheit, die von den widerspenstigen Mächten 
und Elementen des Lebens Nichts weiß, Nichts wissen will, 
gebracht hat (vergl. oben S. 177), ich dagegen die Schön- 
heit, die die Dissonan:^ in sich aufnahm, die alles Wider- 
spenstige zu bewältigen wußte, :(ti bringen suche«.. Dieses 
Wort ist weniger stolz, als es den Anschein hat, denn 
ausdrücklich wird darin Goethes Ideal als das thatsächhch 
erreichte, Hebbels Ideal als das nur vorschwebende bezeichnet,, 
und je mehr Hebbel seit seinem italienischen Aufenthalt 
der Schönheit zustrebte, desto tiefer fühlte er die Schönheit 
der Goethischen Dichtung und prägte das Wort, »Goethes 
Geist: wie der Rosenstrauch, vom Winde bewegt, Blatt 
nach Blatt fallen läßt«; um dies ganz zu erfassen, muß man 
sich des Gedichtes »Rose und LiHe« erinnern, das ein 
Naturbild symbolisch verwerthet: 

Die Rose liebt die Lilie, 

Sie steht zu ihren Füßen; 
Bald löst die Glut ihr schönstes Blatt, 

Es fällt, um sie zu grüßen. 

Die Lilie bemerkt es wohl, 

Sie hätt' das Blättlein gerne; 
Der Wind verweht's, und Blatt nach Blatt 

Jagt er in alle Ferne. 

Die Rose doch läßt nimmer ab. 

Läßt immer neue fallen; 
Sie grüßt, und grüßt sich fast zu Tod, 

Doch keines trifft von allen. 



Hebbel ukd Goethe. l8l 



Das letzte fängt die Lilie 

Und thut sich dicht zusammen. 
Nun glüht das Blatt in ihrem Kelch, 

Als wär's ein Herz voll Flammen. 

Ein einziges Blatt Goethischer Schönheit genügt, um einem 
anderen Dichter die Schönheit ins Herz zu legen, so könnte 
man, freilich nüchtern prosaisch, das Gedicht deuten. 
Für Hebbel war Goethe das Genie, das auch ein Schiller 
niemals erreichen konnte; so hoch Hebbel z. B.den »Spazier- 
gang« hielt, den er sich noch in der Todesstunde vorlesen 
ließ, er sagt doch : »Der mittelmäßigste Poet, der die Abend- 
röte besingt oder ein Sonett auf einen Maikäfer macht, 
würde es zu einem Gedicht, wie Schillers Spaziergang oder 
seine Glocke bringen, wenn seine Kraft miUionenfach ver- 
stärkt würde; Schiller selbst aber würde nie einen Fischer 
oder einen Erlkönig erzeugen«. Und wie viele der lyrischen 
Gedichte hielt er auch anderes von Goethe für »etwas 
durchaus Neues«, so hat er »Dichtung und Wahrheit« aufs 
Höchste gepriesen und daraus den Muth geschöpft, ein Bild 
seiner eigenen Jugend zu entwerfen, so hat er die »Natür- 
liche Tochter« geschätzt, wie dies damals kaum oft geschah, 
ja es ließen sich einzelne Fäden von diesem Werk zu Hebbel 
verfolgen : die Charakteristik, die der Herzog (1, 6) vom König 
entwirft, könnte man auf Kandaules im »Gygescr anwenden; 
die Verse des Sekretärs (Vers 760 ff.) könnte man als Vorbild 
für jenen römischen Plan ansehen, den Hebbel dann im 
ersten Aufzug der »Agnes Bernauer« benutzte (V, S. 127), 
wie die Worte der Hofmeisterin (IL 2 Vers 893 f.) in der 
zweiten Scene des fünften Acts zwischen Agnes und Preising 
nachklingen; was Eugenie — so heißt bei Hebbel die Heldin 
des Dramas »Die Schauspielerin« — im 4. Auftritt^ des 
zweiten Aufzugs über ihre Anerkennung durch den König 
ausspricht, das wiederholt in Hebbels Weise sein Demetrius; 
was der Weltgeistliche (Vers 1663 ff.) dem Herzog sagt, das 
sagt Herzog Ernst, bevor er das Todesurtheil der Agnes 
Bernauer unterschreibt; wie der Gerichtsrath Eugenies Schein- 
gatte wird, indem er der Unbekannten die Hand reicht, so Graf 
Bertram der Gatte Juhas, und wie der Wehgeistliche die 
Leiche Eugenies nicht zeigen will, weil ihr Antlitz furchtbar 
entstellt sei, während doch das ganze Begräbnis nur Schein ist, 
so täuscht in der »Julia« ihr Vater Tobaldi. Die Selbstanklagen 
des Herzogs in den Versen 1459 ff. über den Tod Eugeniens: 

Und ich? Wo war ich da? Welch ein Geschäft, 
Welch ein Vergnügen hatte mich gefesselt? 
Verkündigte mir nichts das Schreckliche, 
Das mir das Leben von einander riß ? 



t82 Abhandlumgen. 



Ich hörte nicht den Schrei, ich fühlte nicht 
Den Unfall, der mich ohne Rettung traf. 
Der Ahnung heil'ges fernes Mitgefühl 
Ist nur ein Mährchen. Sinnlich und verstockt, 
In's Gegenwärtige verschlossen, fühlt 
Der Mensch das nächste Wohl, das nächste Weh, 
Und Liebe selbst ist in der Ferne taub, 
hört man in jenem furchtbaren Monologe wieder, den Hebbel 
nach dem Tode seines Söhnchens Max im Tagebuch hielt 
(II Nr. 2805), darin die Worte: »O Gott, fröhlich war ich 
in der Zeit nicht, aber ich arbeitete doch, ich dichtete an 
meinem Trauerspiel, ich that mir vielleicht in demselben 
AugenbHck auf eine gelungene Scene etwas zu Gute und 
freute mich, als das Kind mit dem Tode kämpfte. SchreckHch ! 
Ja, ich erinnere mich, den Abend des ersten Octobers war 
ich auf einem Ball und sah den Cancan tanzen ! Freihch 
gefiel mir nicht der Tanz, aber doch die Musik ! Einmal 
haben sie dem Kind mein Bild gereicht, da hat das Süße 
es mit Lebhaftigkeit erfaßt und es an seine heißen Lippen 
gedrückt und geküßt und wieder geküßt . . . Und auch 
das hat nicht in die Ferne auf mich gewirkt. Nein, Elise, 
es giebt keine Ahnung«. Die AehnUchkeit kann nicht ge- 
leugnet werden (vergl. Fries a. a. O. S. 29 Anm.), und 
doch, wer würde behaupten, daß sich in diesem leiden- 
schaftlichen individuellen Ausbruche Hebbels ein Nachklang 
jener Verse eingestellt habe, ebensowenig als in Hebbels 
Epigramm »Letzter Wunsch« ein Nachklang der Verse des 
Herzogs (Vers 1542 ff.) über den weisen Brauch der Alten, 
die Leichen zu verbrennen, oder in dem ergebenen Worte 
des sterbenden »Braminen« TVers 88) : »Mag, was kann und 
soll, geschehen« ein Nachklang des Faustischen: »Dann 
mag, was will und kann, geschehn« (Vers 1666). Wie die 
»Natürliche Tochter« könnten die anderen Werke Goethes 
durchgenommen und Aehnlichkeiten bei Hebbel nachgewiesen 
werden ; es träte dabei aber nur zutage, daß er trotz seiner 
Einwendungen gegen Goethe sich genau mit ihm vertraut 
gemacht habe. Er war es auch, der in Wien eine Feier 
von Goethes hundertstem Geburtstag durchsetzte, allerdings 
nicht am 28. August i849,denn damals waren die kriegerischen 
Verhältnisse — am 13. August erfolgte die Kapitulation 
von Vilagos — ein unüberwindliches Hindernis, aber am 
II, September; im Kärnthnerthortheater fand eine Akademie 
zu wohlthätigem Zwecke statt, zu der Hebbel seinen schönen, 
würdigen »Prolog« dichtete, um die Harmonie in Goethes 
Wesen und seine Weltstellung zu preisen. Dieses Fest 
machte deshalb so großes Aufsehen, weil es zum ersten 
Mal nach der Revolution wieder eine Regung der Gebildeten 



Hebbel und Goethe. 183 



darstellte und am Abend in einem Bankett, der ersten öffent- 
lichen Versammlung seit dem Oktoberaufstand, seinen 
Abschluß fand, wobei Bauernfeld mit seinem Toaste her- 
vortrat (»Zur Goethefeier«). 

Hebbel blieb ein ehrlicher Verehrer Goethes, wenn ihm 
gleich von den Dichtungen viele nicht auf der Höhe des 
Dichters zu stehen schienen und er sich einmal zu dem 
Ausruf hinreißen ließ: »Den alten Goethe hätte man nach 
den Wahlverwandtschaften hängen sollen !« freilich nur mit 
Rücksicht auf Hebbels eigenes Altern und die Behauptung: 
»welcher Poet wäre nach dem 55sten Lebens-Jahre noch 
einen Schuß Pulver werth?« Es war nur einer jener grau- 
samen Scherze, die sich Hebbel mitunter erlaubte, denn in 
Weimar, wo er im Mai 1857 zuerst war, trat ihm auch der alte 
Goethe nahe, und es entstanden die Verse »Auf einen Greis:« 

Ich seh' Dein Haupt mit Lorbeern reich bekränzt, 
Doch auch vom Schnee des Alters weiß umglänzt. 
O, kauftest Du, der Welt, wie Dir, zum Glück, 
Jetzt für den Kranz die Locken Dir zurück ! 
Du wurdest durch den Ruhm, der Dich verklärt, 
Des Lebens, das es kostet, doppelt w^erth. 
Warum versagt Dir die Natur den Preis? 
Welch einen Jüngling gäbe solch ein Greis! 

Den Spuren seines Daseins ging er damals, wie bei den 
späteren Besuchen Weimars nach, freute sich charak- 
teristischer Anekdoten, wie ungedruckter Gedichte gleich 
dem »Tagebuch«, las die neuen Publikationen aus Goethes 
Nachlaß freilich nicht immer mit großer Freude und 
äußerte sich kürzer oder ausführHcher, wie die Gelegenheit 
ergab, über Goethe. Es kommt hier nicht auf eine Samm- 
lung an, wüe sie Robert-tornow für Heine, Michael Holz- 
mann unlängst für Börne gegeben hat, obwohl sie keines- 
wegs schwer fiele, sie würde aber den mir gesteckten 
Raum weit überschreiten. Nur auf die Vertheidigung des 
»Tasso«, die Hebbel 1852 schrieb (vergl. meine Ausgabe XII 
S. 17 f.) sei deshalb hingewiesen, weil sie wieder zeigt, 
wie Goethe für Hebbel eine »normale Individualität« war, 
die er darum neben Shakespeare stellte. 

Ein einziges Mal hat Hebbel sich ganz direkt an Goethe 
angeschlossen, da er nämlich sein idyllisches Epos »Mutter 
und Kind« dichtete und dem Verhältniß zwischen den 
Liebenden in »Hermann und Dorothea« die Verhältnisse 
in der Ehe als einziges, gleich wichtiges Thema gesellte. 
Und dadurch bewies er, daß Grillparzer mit seinem ersten 
Ausspruch über Hebbel: »Auf diesen Mann wird Niemand 
auf Erden wirken; Einer hätte es vermocht, aber der ist 



184 Abhandlungew 



todt, nämlich Goethe«, eher recht hatte, als mit dem 
späteren Zusatz: »Ich habe mich geirrt, auch Goethe hätte 
nicht auf ihn wirken können«. Hier hat Goethe wirklich 
auf Hebbel gewirkt, und gerade hier bestätigt sich, was er 
1847 über den Unterschied zwischen seiner und der Goethischen 
Poesie sagte, weil wir nun den Vergleich recht sinnfällig 
ziehen können. Wenn in »Hermann und Dorothea« 
»flüchtige Schmerzen« (vgl. IX Vers 213) das stille Bächlein 
auch einmal aufschäumen machen, sie stören doch nicht 
den harmonischen Lauf; wenn der Brand des Städtchens 
erwähnt wird, so dient er nur der liebhchen Werbung zum 
Hintergrund, und wenn die Schrecken der Revolution auf- 
tauchen, so bleiben auch sie nur wie ein dämmerndes Ge- 
birge am fernen Horizonte. Ganz anders bei Hebbel. Der 
furchtbare Hamburger Brand lockt die verborgenen Hunger- 
gestahen aus ihren Schlupfwinkeln hervor und beleuchtet 
so grell das sociale Elend; die schneidenden Unterschiede 
zwischen Reichthum und Armuth, Luxus und Noth durch- 
ziehen das ganze Werk und bilden einen wesentlichen 
Theil in der Entwicklung der Charaktere, Wenn Herrnann 
daran denkt, in den Krie^ zu ziehen, so istesein flüchtiger, 
rasch vorübergehender Einfall; wenn Christian nach Cali- 
fornien auswandern will, dann zeigt sich der bittere Ernst. 
Man könnte mancherlei Aehnlichkeiten zwischen beiden 
Werken aufdecken, vom Rosselenker Christian, der Magd 
Magdalene, der Geburt im Freien, der Scene im Bauernhaus 
am Brocken an bis zum Erscheinen der beiden Gestalten in 
der Thüre des Hamburger Kaufmanns, aber sie alle würden 
nur bestätigen, was Hebbel sagte: Goethe stelle die reine 
Seligkeit dar, die Seligkeit an sich, die aus dem_ Dasein 
selbst entspringt, er dagegen die errungene Seligkeit, Jener 
die Schönheit vor der Dissonanz, er eine Seligkeit, die die 
Dissonanz in sich aufnahm. Wir hören aber auch die Verse, 
die der Nachfahr auf den großen Vorgänger dichtete : 

Doch g'rade, weil er Dichter war im Ganzen und im 

Großen, 

Verlor er nicht, wie And're, sich im Maß- und Grenzen- 
losen, 

Denn wer nur dies und das besitzt, muß Vieles über- 
schätzen, 

Wer Alles hat, hat Alles auch in Harmonie zu setzen. 

Und war' auch einzeln jede Kraft, die er besaß, zu 

steigern : 

Der Einheit seines Wesens darf kein Gott die Ehrfurcht 

weigern. — 




7- 

Aus Goethes römischem Kreise. 

Vox 

Friedrich Xoack. 




1. Tischbein und der Künstlerhaushalt am Corso. 

Is Goethe am 29. October 1786 in Rom, dem Ziel 
seiner »gleichsam unterirdischen Reise«, anlangte, 
konnte er für vorübergehend verschollen gelten. 
Zu Hause wußte niemand außer seinem verschwiegenen 
Diener Seidel, wohin er sich von Karlsbad aus gewandt 
hatte, und in Rom ahnte niemand sein Kommen. Fritz 
V. Stein hatte noch gegen Ende October an die Frau Rath 
in Frankfurt geschrieben, kein Mensch, selbst der Herzog 
nicht, wisse, wo Goethe wäre;' und Tischbein in Rom 
war so wenig auf Goethes Ankunft vorbereitet, daß er 
noch kurz zuvor eine Sammlung von antiken und neueren 
Bausteinproben für seinen Gönner nach Weimar gesandt 
hatte, während dieser schon unterwegs war.^ Auf Tisch- 
bein aber, der ihm für die Pension vom Herzog Ernst II. 
von Gotha zu Dank verpflichtet war, baute der Dichter 
seinen ganzen römischen Aufenthaltsplan, ihm wollte er 

' Brief der Frau Rath an ihren Sohn, d. d. Frankfurt, 17. Nov. 1786. 
Es ist der von Kardinal Hrzan aufgefangene und an die Wiener Re- 
gierung gesandte Brief, mitgetheilt in Brunners »Die katholische Diener- 
schaft am Hofe Josephs II«, Wien 1868; S. 157 f. 

^ V. Alten, »Aus Tischbeins Leben und Briefwechsel«, Leipzig 1872. 



I 86 Abhandlungen. 



sich ganz in die Hand geben, seine mehrjährige Vertrautheit 
mit römischen Verhältnissen — Tischbein war 1779 zum 
erstenmal nach Rom gekommen — wollte er sich völlig 
zunutze machen mit jenem hebenswürdigen Egoismus, der 
bedeutenden Menschen in ihrem Verkehr mit anderen oft 
als etwas Selbstverständliches anhaftet. Wenn man sich 
aus Winckelmanns Briefwechsel erinnert, wie bitter dieser 
oft über die Ansprüche klagte, die fremde Reisende an 
seine Romkenntniß stellten, wenn man sich vielleicht selbst 
aus längerem Leben am Tiberstrand solcher Anforderungen 
erinnert und dabei aus Goethes Italienischer Reise sich ver- 
gegenwärtigt, wie unermüdlich Tischbein Monate lang für 
Goethe thätig und besorgt war, dann begreift map wohl 
einerseits, daß Herder in Briefen aus Rom gelegenthch von 
Goethes »selbstsüchtigem Charakter« spricht,' anderseits, 
daß zu der Lockerung des engen Freundschaftsverhältnisses 
zwischen Tischbein und Goethe seit dem Frühjahr und 
Sommer 1787 nicht nur die Lossagung des Malers von den 
Gothaer Beziehungen, sondern ganz wesentUch auch der 
Umstand beigetragen hat, daß Tischbein schließhch im 
eigensten Interesse glaubte, der selbstlosen Aufopferung von 
Zeit und Kraft in^Goethes Dienst ein Ende machen zu 
sollen, während Goethe dann den zuverlässigen, allbereiten 
Freund und Berather ungern entbehrte. Das schließt nicht 
aus, dass Tischbein vom Herbst 1786 bis ins Frühjahr 1787 
in Rom und Neapel dem Dichter mit wirklich aufrichtiger 
Hingabe seine Dienste widmete, wofür ja in Goethes Italie- 
nischer Reise sowohl wie in brieflichen Aeußerungen Tisch- 
beins selbst so beredte Zeugnisse vorliegen.^ Jedenfalls hat 
jener die dankbare Ergebenheit seines Schützlings nicht 
überschätzt, als er ihn in Rom mit seiner Ankunft über- 
raschte, um ihn sofort als Führer und Berather anzunehmen. 
Tischbein war als erster ausersehen, vor dem Goethe aus 
der »unterirdischen Reise« wieder ans Licht emportauchen 
sollte. 



' Vergl. »Herders Reise nach Italien«, Gießen 1859; S. 160, Brief 
Herders an seine Frau d. d. Rom, 4. Nov. 1788; S. 25 5 ff., Brief Herders 
an seine Frau d. d. Rom, 21. Febr. 1789, u. a. 

* Wenig bekannt sind einige schöne Bemerkungen Tischbeins 
über seine Verehrung und freundschaftliche Fürsorge für Goethe, z. B. 
eine in einem Brief an Lavater vom December 1786, mitgetheilt bei 
V. Alten, a. a. O. S. 39; und in seiner Selbstbiographie, wo er bei 
Erwähnung eines nicht ungefährlichen Abenteuers auf der gemeinsamen 
Reise von Rom nach Neapel sagt, er habe sich ja vorgesetzt, 
»Goethe zu hüten wie eine Mutter ihren Säugling, dieses Kleinod für 
die Welt, diesen lieben Freund«. Vgl. J. H. Wilh. Tischbein, »Aus 
meinem Leben«, herausg. von Dr. Schiller, Braunschweig 1861; Bd. IL 
S. 87 f 



Aus Goethes römischem Kreise. 187 

Am 29. October 1786 schrieb der Dichter als ersten 
Gruß aus der ewigen Stadt an l-rau von Stein: »Ich kann 
nun nichts mehr sagen als: ich bin hier; ich habe nach 
Tischbein geschickt. — Nachts. Tischbein war bei mir, 
ein kösthcher guter Mensch.« Tags darauf bezog Goethe 
die Wohnung, die jener ihm in seinem Künstlerhaushalt 
am Corso unverzüglich einräumte. 

Wo fand nun die erste Begegnung^ beider statt? Ich 
habe darüber vor drei Jahren in der Beilage zur Kölnischen 
Zeitung eine Ansicht ausgesprochen, ' die mir inzwischen 
durch genauere Prüfung an Ort und Stelle zur Gewißheit 
geworden ist. Das Gasthaus, in dem der Dichter Tisch- 
beins Besuch empfing und die erste Nacht in Rom zubrachte, 
ist die altberühmte und heute noch als Herberge niederen 
Ranges bestehende Locanda dell' Orso (Gasthaus zum Bären), 
ein beachtenswerthes mittelalterliches Bauwerk an der Ecke 
von Via di Monte Brianzo und Via dell' Orso, gerade der 
neuen Umberto-Brücke gegenüber, an deren Rampenmauer 
der alte Bärenbrunnen wieder angebracht ist, der wohl 
ehedem namengebend für die Umgebung wurde. In dem 
Gasthaus zum Bären sollen schon Dante und S. Francesco 
di Sales eingekehrt sein, Montaigne ist thatsächlich 1580 
dort abgestiegen; zu Goethes Zeit war es nur noch ein 
Haus bescheidenen Ranges, während alle besseren Gasthöfe 
am Spanischen Platz und den nächsten Nachbarstraßen 
lagen. Aber Goethe hatte bei seiner Incognitoreise nach 
Rom allen Grund, die Fremdenhotels zu meiden, wo er 
der Gefahr, erkannt zu werden, stets ausgesetzt w^ar. Zur 
Wahl gerade dieses Gasthauses von geringem Rang aber 
altem Ruf, wohin sich kein Fremder mehr verlor, das in 
einer engen Gasse, weitab von den neuen Verkehrsvierteln 
lag, hat vielleicht der Reisegefährte des Dichters auf der 
letzten Poststrecke beigetragen, der Priester, mit dem er 
sich seit Perugia gut unterhielt,^ und der wohl auch ein 
wenig Verdienst daran hat, daß Goethe in seinen Reise- 
briefen nicht die damals üblichen Klagen über peinliche 
Zolldurchsuchung bei der Ankunft in Rom und vor alleni 
über Festhaltung der mitgebrachten Bücher und Schriften 

' Kölnische Zeitung 1900, Sonntag 19. Aug. Nr. 647, »Rand- 
zeichnungen zu Goethes Romreise«. 

• Aus Terni schrieb Goethe 27. October an Frau von Stein: »Ein 
Priester ist seit Perugia, da mich Graf Cesare verlassen, mein Gefährte. 
Dadurch, daß ich immer wieder unter neue Menschen komme, erreiche 
ich sehr meine Absicht, und ich versichere dich, man muß sie nur 
untereinander reden hören, was das einem für ein lebendiges Bild des 
ganzen Landes gibt«. Goethes Tagebücher und Briefe an Frau von 
Stein, herausg. von Erich Schmidt 1886; S. 208. 



x\BHANDLUXGEN. 



zu wiederholen brauchte. Wie es sehr wahrscheinUch ist, 
daß bei der Zollrevision an Piazza di Pietra die Soutane 
dieses Reisegefährten sich schützend über des Dichters 
Bücherkoffer breitete, so ist es auch durchaus nicht wider- 
sinnig, daß dem Fremden, der in Volkmanns Reiseführer ' 
keinerlei Adressen empfehlenswerther Gasthöfe fand, der 
geisthche Genosse den Weg zur Locanda dell' Orso wies, 
die für ihn durch die Erinnerung an den heiligen Franz 
von Sales verklärt war. Einen vollgültigen Beweis dafür, 
daß Goethe am 29. October in der Locanda dell' Orso 
abstieg, liefert Tischbein in einem Brief an Goethe vom 
14. Mai 1821, wo er in der Erinnerung an den gemein- 
samen Aufenthalt in Rom schreibt: »Nie habe ich größere 
Freude empfunden als damals, wo ich Sie zum erstenmal 
sah, in der Locanda auf dem Weg nach S. Peter. Sie 
saßen in einem grünen Rock am Kamin, gingen mir ent- 
gegen und sagten: Ich bin Goethe!«* Das war also die 
Begegnung, die der Dichter in den oben angeführten Zeilen 
an Frau von Stein erwähnt. Tischbein war auf seinen Ruf 
gekommen, ob von der Wohnung im Corso aus oder vom 
Cafe Greco, welches schon damals das Hauptquartier der 
deutschen Künstler bildete, wo sie auch ihre Briefe zu 
empfangen pflegten, ist zunächst gleichgültig. Von beiden 
Punkten aus gab es nach der damaligen Topographie Rorns 
nur einen »Weg nach S. Peter«, die lange Straßenlinie, die 
wie eine Fortsetzung von Via Condotti über den Corso 
hinaus dem Tiber entlang zur Engelsbrücke u. s. w. führt. 
An dieser Straßenlinie, die für die Insassen des Fremden- 
viertels den »Weg nach S. Peter« bildete und, trotz allen 
Veränderungen des Stadtplans, meist auch heute noch 
bildet, lag zu Tischbeins und Goethes Zeiten nur em Gast- 
haus, die Locanda dell' Orso.' Und steigt man heute in 
dem alterthümlichen Wirthshaus, dessen Ziegelornamente 
aufs 15. Jahrhundert zurückweisen, zu dem im ersten Stock 
gelegenen Gast- und Empfangszimmer hinauf, so wird einem 
sofort die von Tischbein beschriebene Szene lebendig, denn 



^ Goethe nahm ein Exemplar von J. J. Volkmanns »Historisch- 
kritische Nachrichten von Italien« mit auf die Reise; es war ein damals 
sehr beliebtes Reisehandbuch, enthielt aber nach der Sitte jener Zeit keine 
practischen Angaben über Beförderung, Unterkunft, Verpflegung u. s. w. 

* Diesen Brief theilt Erich Schmidt in den Anmerkungen zu 
Goethes Tagebüchern und Briefen an Frau von Stein S. 406 mit. 

3 Ich habe in Rom gründliche Q.uellenforschungen gemacht, die 
mich zu dieser Gewißheit führten. Die Bevölkerungslisten (Stato delle 
Anime) der in Betracht kommenden Pfarreien bezeugen es ebenso wie 
F. Cerasolis »Ricerche Storiche intorno agli Alberghi di Roma dal 
Secolo XIV al XIX«, Roma 1895. 



Aus Goethes römischem Kreise. 189 

der erste Blick des Eintretenden fällt auf den Kamin, von 
dem sich damals Goethe erhob, um seinem Besucher ent- 
gegenzugehen. 

In jener ersten Unterredung wurde vereinbart, daß der 
Dichter am folgenden Tage schon, obgleich seine Ankunft 
völlig überraschend war, in Tischbeins Wohnung am Corso, 
ge^fijenüber dem Palazzo Rondanini, heute Nr. 20, einziehen 
sollte, und so begann am 30. Oktober das durch des Dichters 
Schilderungen und Briefwechsel so berühmt gewordene 
Zusammenleben mit den deutschen Künstlerburschen. Den 
Hausherrn spielte Tischbein, Hausmutter und emsige Schatf- 
nerin war die alte Piera CoUina, die Mutter des Filippo, 
den Goethe ein Jahr später nach Weimar schickte, damit 
er die Herzoginwittwe Amalie als Reisefactotum nach Italien 
begleitete. ' Aus der Italienischen Reise wie aus anderen 
Briefen, die Goethes römisches Leben betreffen, ist bekannt, 
wie außerordentlich wohl und heimisch er sich in diesem 
Künstlerhaushalt fühlte, wie dankbar er Tischbein dafür 
war, wie ihm die Familie ColHna menschlich nahe trat. 
Am I. November 1786 schrieb er in diesem Sinne an den 
Herzog: »Für mich ist es ein Glück, daß Tischbein ein 
schönes Quartier hat, wo er mit noch einigen Malern lebt. 
Ich wohne bei ihm und bin in ihren eingerichteten Haus- 
halt mit eingetreten, wodurch ich Ruhe und häuslichen 
Frieden in einem fremden Land genieße. Die Hausleute 
sind ein redUches altes Paar, die alles selbst machen und 
für uns wie für Kinder sorgen. Sie waren gestern untröst- 
lich, als ich von der Zwiebelsuppe nicht aß, wollten gleich 
eine andere machen u. s. w. Wie wohl mir dies auf's 
italienische Wirtshausleben thut, fühlt nur der, der es ver- 
sucht hat.« ^ 

Im Grunde ist dieses ganze häusliche Behagen, in das 



^ »Goethes Briefe an Seidel«, Wien 1895, S. 42, 44 u. 49. Briefe 
vom 10. Nov. 1787, 12. Nov. 1787 und 5. Jan. 1788. — Vgl. auch Goethes 
Brief an Steuerrat Ludecus in Weimar d. d. 17. Nov. 1787, mitgetheik 
im Goethe-Jahrbuch 1885, S. 8, woraus hervorgeht, wie große Stücke 
der Dichter auf Filippo hielt. 

^ Goethes Tagebücher und Briefe, S. 355. — Andere Stellen, die 
sich auf die Häuslichkeit und die Collinas beziehen: In der Italienischen 
Reise der Brief vom 25. December 1786; in den »Briefen Goethes an 
Friedr. Frhr.v. Stein«, Leipzig 1846, S. 50 f. der Brief vom 16. Februar 1788; 
in Goethes Tagebüchern und Briefen, Anm. S. 436 ein Brief Tischbeins 
an Goethe, d. d. Neapel, 21. Juli 1787; der oben angezogene Brief 
Goethes an Ludecus, worin er Filippo Collina ein »auserlesenes Werk- 
zeug« nennt; »schon ein Jahr kenne ich ihn und vermisse ihn jetzt 
ungern«; außer den angezogenen Briefen an Seidel ein Brief an diesen 
aus dem März 1788, S. 52, worin er den beginnenden Schwachsinn 
des alten Collina erwähnt. 



I^O Abhandlungen. 



der Dichter so glücklich hineinkam, ein Verdienst des 
praktischen Tischbein, der das Ehepaar Collina gewisser- 
maßen entdeckt und seit Jahren an sich gefesselt hatte. 
Sante Serafino Collina war ein geborener Römer, seines 
Zeichens Kutscher und in erster Ehe mit einer Römerin 
vermählt, die im Jahre 1756 starb; aus dieser ersten Ehe 
stammte der damals 14 Jahre alte Sohn Filippo, der den 
Beruf eines Aufwärters und Lohndieners ergriff. Am 
15. Januar 1757 vermählte sich der Vater Collina von neuem 
mit der Wittfrau Piera Projetti, geb. Rossi, aus Gallese, 
die damals 36 Jahre alt war. Sie wurde nachher Tischbeins 
und Goethes römische Hausmutter. Die FamiUe Collina 
wohnte seit 1755 im Hinterhaus des Palazzo Piombino in 
Via Babuino, heute Nr. 51, demselben Gebäude, dessen 
barocke Brunnenmaske der o^anzen Straße den volksthüm- 
lichen Spottnamen verschafft hat.' Dort scheint Collina 
Vater ursprünglich Kutscher des im Piano nobile desselben 
Palastes wohnenden Monsignore, späteren Kardinals, Caraffa 
gewesen zu sein, auf seine alten Tage aber betrieb das 
Ehepaar das in Rom allzeit behebte Geschäft des affitta- 
camere; es vermiethete Zimmer an Fremde.^ Als Tisch- 
bein gegen Ende des Jahres 1779 zum erstenmal in die 
ewige Stadt kam, suchte er sofort die Wohnung seines 
Vetters Fritz ^ auf, die gerade leer stand, weil der Vetter 
in Neapel weilte, um die Königin zu malen. Die Haus- 
leute, es waren eben Serafino Collina und Frau Piera, 
empfingen ihn mit solcher Herzlichkeit, daß unser Tisch- 
bein sogleich für sie eingenommen war und bis zu seinem 
Abschied von Rom im April 178 1 bei ihnen wohnen bUeb.* 
Als er im folgenden Jahre durch Mercks und Goethes Ver- 
mittlung vom Herzog Ernst II. von Gotha 100 Dukaten 
jährlich bewilligt erhielt,' kehrte er nach Rom zurück, wo 
er am 24. Januar 1783 eintraf und sofort wieder »bei meinen 
guten alten Hausleuten« die frühere Wohnung in Via 



^ Die Straße hieß ursprünglich Paolina nach Papst Paul III, 
wurde aber vom Volk wegen jener häßlichen Brunnenmaske, die früher 
an der Außenseite des Palazzo Piombino angebracht war, die Pavians- 
Straße, Strada del Babuino, genannt. 

^ Diese Angaben, wie auch die folgenden Personalien über die 
Familie Collina sind den Kirchenbüchern der Pfarrei S. Maria del 
Popolo entnommen. 

3 Joh. Friedr. Aug. Tischbein, Sohn von Joh. Val. T., geb. im 
März 1750 in Maastricht, Schüler seines Oheims Joh. Heinr. T. in 
Kassel, bildete sich auf Kosten des Fürsten von Waldeck sieben Jahre 
lang in Frankreich und Italien aus. 

4 J. H. W. Tischbein, Aus meinem Leben, I, 163 und 192. 

5 V. Alten, Aus Tischbeins Leben, S. 24. 



Aus Goethes römischem Kreise. 191 

ßabuino bezog.' Im Gegensatz zu der Gewohnheit der 
meisten in Rom studirenden Künstler, die gemeinsam in 
der Trattoria della Barcaccia, gegenüber dem Cafe Greco, 
in Via Condotti zu speisen pflegten, nahm Tischbein Woh- 
nung und Kost bei den Coliinas, um für sich allein zu sein 
und ungestört arbeiten zu können, und gründete so den 
geordneten Haushalt, an dem vier Jahre später Goethe so 
aufrichtiges Wohlgefallen fand. Bald zog er jüngere streb- 
same Künstler an seinen Herd; zuerst wurde, schon 1783, 
Fritz ßury sein Hausgenosse in Via Babuino, im folgenden 
Jahre kain Georg Schütz hinzu; noch im Frühjahr 1786 
wohnten die drei zusammen mit der Familie Collina im 
Palazzo Piombino." Im Laufe des Sommers oder mit An- 
fang des Herbstes 1786 erst zog der ganze Collina-Tisch- 
bein'sche Haushalt aus der Via Babuino nach dem nahen 
Corso hinüber, wo bald auch Goethe als »Philipp Möller« 
unter Pieras Pflegebefohlenen erschien. So gibt uns denn 
der Stato delle Anime der Pfarrei S. Maria del Popolo in 
der Fastenzeit 1787 folgende Uebersicht von den Bewohnern 
des Goethehauses am Corso No. 20: 

Strada del Corso verso Babuino. Fünftes Haus, Casa 
Moscatelli. 

I. piano : Sante Serafino Collina, Romano, di am. Ales- 
sandro% cocchiere, 72 Jahre, mit Frau Piera Giovanna 
de Rossi, di qm. Antonio aus Gallese, 66 Jahre, und Sohn 
Filippo, credenziere, 42 Jahre; Giorgio Zicci (Schütz) aus 
Frankfurt, pittore, 28 Jahre; Federico Bir (Bur}') tedesco, 
protestante, pittore, 24 Jahre; Tishen, tedesco, protestante, 
pittore 28; Filippo Miller, tedesco, pittore 32. Im II. Stock 
wohnte auch ein Künstler, der römische Bildhauer Giuseppe 
Ceracchi. 



' Tischbein, Aus meinem Leben, II, 3>ft, wo eine Reilie von 
köstlichen Zügen von den zutraulichen, fürsorglichen Leuten erzählt wird. 

* Der Stato delle Anime (Bevölkerungsliste) der Pfarrei S. Maria 
del Popolo von 1784, 1785, 1786 enthält dafür die amtlichen Belege. 
Diese Aufnahme des Personenstands geschah stets während der Fasten- 
zeit, ^ibt also ein Bild der Bevölkerungs- und Wohnungsverhältnisse, 
wie sie im vorausgehenden Winter waren. Die Namen der Fremden 
bereiteten den guten Pfarrern oft große Schwierigkeiten und sind 
manchmal in komischer Weise verballhornt, in verzweifelten Fällen 
einfach durch den Vornamen ersetzt. So finden wir Tischbeins Namen 
einmal als »Dispen«, ein andermal gar in der trümmerhaften Form 
»Ips« verzeichnet, während derselbe Pfarrer sich mit seiner Pflicht, 
auch Bury und Schütz zu registriren, in der Weise abfand, daß er sie 
als »Signore Federico« und »Mr. Giorgio« in seine Pfarreiliste ein- 
schrieb. 

' di qm. Alessandro = di quondam AI., Sohn des verstorbenen 
AI. Collina. 



192 Abhandlungen. 



Und im Jahre 1788 : 

Casa Moscatelli, I. piano : CoUina etc. wie vorher, ohne 
Filippo, der nach Weimar abgereist war; Giorgio Zicci aus 
Frankfurt, pittore, 29 Jahre; Federico Bir, tedesco, pro- 
testante, pittore, 25 Jahre; Tisben\ tedesco, protestante, 
pittore, 29 Jahre. Im IL piano: Filippo Miller, tedesco, 
protestante, pittore, 3 3 Jahre mit Carlo r/>r^, di qm. (s.S. 191, 
Anm. 3) Federico, palatino, servitore, 28 Jahre. Außer- 
dem wie zuvor der Bildhauer Ceracchi mit Frau Teresa geb. 
Schliesahan aus Wien. 

In dieser pfarramtlichen Bewohnerliste fehlt der Musiker 
Christoph Kayser, der von November 1787 bis in den April 
1788 Goethes Hausgenosse war, und mit dem er zusammen 
die Heimreise antrat. Diese Auslassung erklärt sich wohl 
dadurch, daß er den Hausleuten nur als ein flüchtiger Gast 
galt, oder daß der Pfarrer ihn auf Grund seiner vorjährigen 
Liste mit dem abwesenden Tischbein verwechselte. Zur 
Ergänzung der pfarramtlichen Uebersicht mögen hier die 
Hauptdaten aus Goethes italienischen Aufzeichnungen folgen. 
Vom 30. Oktober 1786 bis zu seiner Abreise nach Neapel 
am 22. Februar 1787 wohnte er mit Tischbein zusammen 
im I. Stock; ebenso vom Tage seiner Rückkehr nach Rom, 
6. Juni 1787, bis zu Tischbeins abermaliger Abreise nach 
Neapel in den ersten Tagen des Juli. Hierauf konnte Goethe 
sich in dem freigewordenen Studio des Freundes den Sommer 
über bequem ausdehnen, bis er zu Anfang November 1787 
in Kayser einen neuen Hausgenossen bekam, der die ver- 
fügbaren Räume mit ihm theilte. Nach dem Karneval 1788, 
etwa Anfang März, erfolgte dann, weil Tischbein zurück 



* Tischbein weilte allerdings seit Juli 1787 in Neapel, doch hatte 
er die römische Wohnung, als deren Hauptmiether er anzusehen ist, 
noch nicht endgültig aufgegeben; Goethe erzählt im April-Bericht des 
Zweiten Aufenthalts in Rom, daß jener seine Rückkehr nach Rom für 
das Frühjahr wiederholt angekündigt hatte und dadurch Goethe nöthigte, 
die im I. Stock inne gehabten Räume aufzugeben und in die gerade 
leer gewordene obere Etage zu ziehen. Offenbar trat Goethe hier an 
die Stelle der Ceracchis, die im Stato delle Anime wohl nur darum 
noch mit ihm zusammen aufgeführt sind, weil die Personenaufnahme 
durch den Pfarrer in die Zeit fiel, als der Umzug gerade vor sich gehen 
sollte, und weil der Pfarrer die Ceracchis bezüglich der Erfüllung der 
österlichen Pflichten noch zu seinen Pfarrkindern rechnen mußte. Per- 
sönliche Beziehungen zu Ceracchi, der unabhängig vom Collina-Tisch- 
beinschen Haushalt im II. Stock wohnte, scheint der Dichter nicht 
gepflegt zu haben. — Der neben Goethe aufgeführte Diener Carlo Pieck 
aus der Pfalz ist off"enbar derselbe Karl, der später in Herders Dienst 
trat und diesem durch eine schwere Malaria-Erkrankung Sorojen machte. 
Vgl. in Harnacks »Zur Nachgeschichte der Italienischen Reise« den 
Brief Angelicas an Goethe vom 23. Mai 1789 und Burys Brief an 
Goethe vom 18. Mai 1788. 



Aus Goethes römischem Kreise. 193 

erwartet wurde, die Uebersiedelun^ in den oberen Stock 
mit der hübsciicn Aussicht ' nach dem Pincio, wo Goethe 
die letzten Wochen bis zu seiner Abreise von Rom am 
22. April 1788 wohnte. 

Wer sich ein zutreffendes Bild von des Dichters Dasein 
und Treiben während der römischen Zeit machen will, 
wird nie von diesem äusseren Rahmen seines dortigen 
Lebens absehen dürfen, er wird immer wieder auf diesen 
Künstlerhaushalt am Corso zurückkommen müssen, der für 
Erlebnisse und Eindrücke oft bestimmend und entscheidend 
war. Es unterliegt keinem Zweifel, daß Goethes Ernte in 
Rom nach Umfang und Beschaffenheit recht verschieden 
ausgefallen wäre, wenn er in anderer Weise dort gelebt 
hätte, wenn er z. B. als Weimarischer Geheimer Rath auf- 
getreten wäre, oder wenn er incognito aber ohne den festen 
Anschluß, den er vom ersten Tag an Tischbein fand, als 
völlig unabhängiger Reisender die ewige Stadt durchstreift 
hätte. Da er in Rom vor allem Ruhe und Sammlung suchte, 
um ungestört studiren und arbeiten zu können, so fühlte 
er sich natürlich beglückt in der selbstgewählten Abhängig- 
keit von Tischbein; »in treuer Künstlergesellschaft, in 
einem sicheren Hause, denn zuletzt hatt' ich doch des 
Wirthshauslebens satt.«" Aber damit legte Goethe sich doch 
zugleich auch eine Beschränkung auf, die ihm selbst viel- 
leicht wenig zum Bewußtsein kam, die aber seinen römischen 
Eindrücken gewisse Grenzen setzte; er war sozusagen ein- 
gekapselt in den kleinen Kreis, dem er sich angeschlossen 
hatte, und der ihm den Einblick in gar manche andere 
Erscheinung des römischen Lebens verschloß. In diesem 
Sinne enthält eine, allerdings von persönlicher Gereiztheit 
nicht freie, Aeußerung des Malers Müller doch sicher ein 
Korn Wahrheit; er schrieb an Heinse : »Goethe logirte 
beim Maler Tischbein, schien ein Staatsgefangener von aem 
neugebackenen Antiquar Hirt, von Schütz und Bury zu sein. 

' Von der Aussicht über Hausgärtchen und Hinterhäuser nach 
dem Pincio und Villa Mcdici hinüber spricht Goethe sehr anmuthig in 
einem Brief vom 8. März und im April-Bericht 1788. Trotz mancher 
Bauveränderungen im einzelnen stimmt der Charakter dieses Ausblicks 
noch heute so überraschend mit des Dichters Schilderung überein, daß 
ich es für der Mühe werth hielt, im Jahre 1900 photographische Auf- 
nahmen davon machen zu lassen, die sich im Weimarer Goethe-Archiv 
befinden. Die eine dieser Ansichten gewinnt noch ein besonderes 
Interesse dadurch, daß darauf dicht hinter Goethes Hausgärtchen das 
Haus sichtbar ist, wo wenige Jahre nach seiner Romreise der Maler 
Jakob Asmus Carstens wohnte und arbeitete. Es ist das Gebäude mit 
"dem kleinen thurmartigen Aufsatz in der rechten Hälfte des Bildes. 

* Tagebücher und Briefe an Frau von Stein, S. 215; Brief vom 
7. Xov. 1786. 

GütlHE-jAllKlLCU XX\'. 13 



194 



Abhandlungen. 



Diese machten seine Leibgarde aus, und es schien mir immer, 
wenn ich den starken Goethe unter den schalen Schmacht- 
lappen so herum marschiren sah, als erbUckte ich den 
Acnill unter den Weibern von Skyros.« Nur wenig erweiterte 
sich Goethes Kreis, als er während des zweiten römischen 
Aufenthaltes, von Tischbein getrennt, in regeren Verkehr 
mit AngeUca Kauffmann trat; dort sah er neben den täg- 
lichen Genossen, neben Zucchi und Reiffenstein doch auch 
einige gebildete Italiener und Ausländer, aber einen Einblick 
in das Leben der höheren Kreise Roms gewann er damik 
ebensowenig, wie er anderseits mit dem Treiben des breiten 
Volkes nur in flüchtige Berührung kam. Selbst das Zusammen- 
leben der zahlreichen deutschen Künstlerkolonie scheint 
ihm im ganzen ziemlich fremd gebUeben zu sein; wie heute 
noch das Leben in Rom die Bildung enger abgeschlossenee 
Gruppen unter den fremden Künstlern begünstigt, so scheint 
auch Goethe von den Freunden, deren »Staatsgefangener« 
er war, eher abgehalten als angeregt worden zu sein, seine 
Bekanntschaften über ihren Dunstkreis hinaus auszudehnen. 
Nur so erklärt es sich wohl, daß er manchen deutschen 
Meister, der damals in Rom weilte, wieDannecker, Scheffauer 
oder J. G. Schadow, der doch kurz vor Goethes Ankunft 
auf dem Kapitol einen Preis erworben hatte, in seinen 
italienischen Aufzeichnungen überhaupt nicht erwähnt, daß 
er auch nie von dem Hauptquartier der fremden, insbesondere 
deutschen Künstler, dem Cafe Greco, spricht, obschon er 
es sicher ein oder das andere Mal besucht hat.' Jedoch 
wird jeder gewissenhafte Kenner der Goetheschen Schriften 
und Briefe über Rom mir nicht Unrecht geben, wenn ich 
die Berechtigung der Marmortafel in der sogenannten 
»Goethekneipe» an der Piazza Montanara zu Rom sehr 
stark in Zweifel ziehe. In keiner der vorliegenden Auf- 
zeichnungen des Dichters und seiner Zeitgenossen Tischbein, 
Moritz u. a. kommt diese Osteria vor; in dem, was Goethe 
selber gedruckt oder geschrieben aus Rom hinterlassen hat, 
spielt aas Leben in römischen Osterien überhaupt keinerlei 
Rolle; sein Dasein in der ewigen Stadt war so ernst, fast 
pedantisch geordnet, zwischen Studien, Arbeit und intimem 
häuslichen Verkehr getheilt, daß man die Vorstellung, Goethe 
sei Stammgast in einer Osterie gewesen, schon als eine 
sinnlose Phantasie zurückweisen muß, auch ohne seiner 
vornehmen Weimarer Gewohnheiten zu gedenken, die bei 

^ Eine Stelle in den »Reisen eines Deutschen in Italien« von 
K. Ph. Moritz, Berlin 1792, legt die Vermuthung nahe, daß dieser seine 
Bekanntschaft mit Goethe gerade im Cafe Greco gemacht hat. Die 
Stelle ist zu umfangreich, um sie hier wiederzugeben ; man lese sie bei 
Moritz nach, a, a. O. S. 148—153; sie ist datirt von Rom, 20. Nov. 1786. 



Aus Goethes römischem Kreise. 195 

dem 38jähiigen Geheimen Rath nichts Burschikoses mehr 
hatten. Die Inschritt auf weißem Marmor: »In diese Osteria 
pflegte Goethe sich zu begeben während seinem Aufenthalt 
in Rom in den Jahren 1786—87 — 88« wird trotzdem von 
allen denen, die sich einen Dichter nur hinter der Flasche 
denken können, tür eine heilige Wahrheit gehalten, weil 
König Ludwig I. von Bayern sie anbringen ließ. Der 
König, der selbst gerne in einer Weinschenke die deutschen 
Künstler um sich versammelte, soll diesen den Auftrag 
gegeben haben, die Schenke ausfindig zu machen, wo 
Goethes XV. Elegie spielte, und nach einer heute noch in 
deutsch-römischen Künstlerkreisen lebendigen Ueberlieferung 
haben die Beauftragten, die um jeden Preis den königlichen 
Wunsch erfüllen wölken, sich dabei i^ründlich mystifiziren 
lassen. Sie haben offenbar nicht gewußt, daß König Ludwig 
den Dichter selbst schon vergebens um Aufklärungen über 
die Elegien bedrängt hatte. Was Goethe dazu sagte, ist 
in Eckermanns Gesprächen zu lesen, bei Gelegenheit eines 
Briefes, den ihm König Ludwig am 26. März 1829 aus 
Rom schrieb." »Ja, sagte Goethe, die Elegien liebt er 
besonders; er hat mich hier viel damit geplagt, ich sollte 
ihm sagen, was an dem Factum sei, weil es in den Gedichten 
so anmuthig erscheint, als wäre wirklich etwas rechtes 
daran gewesen. Man bedenkt aber selten, daß der Poet 
meist aus geringen Anlässen etwas gutes zu machen weiß.« 
Man wird danach gut thun, die Gedenktafel in der sogenannten 
Goethekneipe an Piazza Montanara fürder als nicht vor- 
handen zu betrachten. Zudem fehlt es in Rom nicht an 
Stätten, die nachweislich durch Goethes häufigen Besuch 
pietätsvoller Erinnerung geweiht sind. 

Die werthvollste dieser Stätten wird immer das Haus 
am Corso No. 20 bleiben, wo Tischbeins Künstlerhaushalt 
den Dichter wie ein Fleckchen Heimath in der Fremde 
aufnahm. Die »deutsche Akademie bei Rondanini«, wie 
Angelika das Haus einmal sinnvoll nannte,' zehrte noch 
ein paar Jahre lang von der Erinnerung an Goethes Aufent- 
halt in Rom und blieb auch nach seinem und Tischbeins 
Abschied unter der hausmütterlichen Pflege der alten Piera 
Collina vereinigt. Der Stato delle Anime von S. Maria del 
Popolo führt im Frühjahr 1789 in dem Hause Moscatelli 
als Insassen noch Schütz und Bur}- auf, dazu einen »Federico 
Lambert protestante pittore«, womit kein anderer gemeint 
ist als der Berliner Flistorienmaler Friedrich Rehberg, von 



' Eckermanns Gespräche mit Goethe, Leipzi» 1837; II., 118. 
* Brief an Goethe vom i. August 1789; oei Harnack, Nach- 
geschichte, S. 184. 

i5* 



1^6 Abhandlungen. 



dem Herder im Herbst 1788 ausdrücklich erzählt, daß er 
mit Schütz und Bury in Goethes Quartier wohnte. ' Im 
II. Stock ist um dieselbe Zeit der Maler und Kupferstecher 
Joh. Heinr. Lips verzeichnet, der am 10. Juli 1789 Rom 
verließ, um auf Goethes Berufung nach Wemiar zu gehen. 
Sein Nachfolger wurde Heinrich Meyer," der aber im Per- 
sonenstand der Pfarrei 1790 nicht mehr aufgeführt ist, da 
er in Folge einer schweren Erkrankung an Wechselfieber 
sich schon im Winter 1789 — 90 entschloß, Italien zu ver- 
lassen und in die Schweiz zurückzukehren, ^ von wo er bald 
auch nach Weimar einlief. Mit Meyer verschwinden auch 
Schütz und Bury aus dem Pfarreiregister von S. Maria del 
Popolo; am längsten hielt Rehberg in dem Goethehause 
am Corso aus, wo er um die Fastenzeit 1791 noch ver- 
zeichnet ist. In diesem Jahre starb aber Piera Collina, die 
gute Alte, siebzigjährig, nachdem ihr Mann im Mai 1789 
vorausgegangen war, und damit war der letzte Rest des 
Tischbeinschen Künstlerhaushalts nach zehnjähriger Dauer 
aufgelöst. 

2. Goethe und die Arkadia. 

Die Aufnahme Goethes in die Akademie der Arkadier, 
von der er in seinem italienischen Reisewerk an zwei Stellen 
in widersprechender Weise berichtet, ist als charakteristische 
Episode doch wohl wichtig genug, um nach Ursprung und 
begleitenden Umständen zuverläßig aufgeklärt zu werden. 
Goethes eigene Mittheilungen darüber-* sind nicht nur 
widerspruchsvoll, sondern auch lückenhaft, und was später 
von Kommentatoren zur Ergänzung zusammengetragen 
wurde, ist zum Theil geradezu falsch. 

Zunächst muß eine Persönlichkeit ausgeschaltet werden, 
die seit Düntzer immer mit dieser Angelegenheit in Ver- 
bindung gebracht wird, der Fürst Karl Borromeus Joh. 

' Herders Reise nach Italien, S. 104: Brief Herders an seine Frau, 
d. d. Rom, I. Oktober 1788. 

^ Brief Burys an Goethe, d. d. Rom, 11. Juh 1789 in Harnacks 
Nachgeschichte, S. 177. 

3 Briefe von Mever an Goethe, d. d. Rom, 21. Nov. 1789 und 
von Goethe an die Herzogin Amahe, d. d. Weimar, 14. Dezember 1789; 
in Harnacks Nachgeschiclite S. 197 und 201 ff. 

4 Italienische Reise: Rom, 23. November, 29. Dezember 1786; 

4. Januar 1787; Zweiter Aufenthalt in Rom: Aufnahme in die Gesell- 
schaft der Arkadier, hinter dem Bericht Januar 1788. — Dazu ist zu ver- 
gleichen: Tagebücher und Briefe: S. 223, Brief v. 24. Nov. 1786; S. 252, 
Brief v. 6. Januar 1787; S. 527, Briet an Herder v. 2. Dezember 1786; 

5. 331, Brief an Herder v. 29. Dezember 1786; Briefe an Fr. v. Stein: 
S. 38, Brief v. 4. Januar 1787: Briefwechsel des Großherzogs Karl 
August mit Goethe, Weimar 1863, S. 60 f., Brief v. 12. Dezember 1786. 



Aus GOKTHHS RÖMISCHEM KrEISE. 197 

Neponuik Liechtenstein. Goethe erzähh, wie er in Kom 
den 1-ürsien Liechtenstein, Bruder der Grälin IhirrachgetrolTen, 
wiederholt bei ihm ii^espeist und dort itaHenisciie Poeten 
wie Monti kennen gelernt habe, die ihn aus seinem Incognito 
hervorzuziehen bemüht waren; und der kaiserliche Bot- 
schafter Kardinal Hrzan berichtete ausdrücklich an seine 
Regierung in Wien, daß der junge Fürst Liechtenstein 
Herrn Goethe in die Arkadia eingeführt habe." Düntzer 
erklärt nun in seinem weitschichtigen Kommentar zur 
Hempel'schen Goethe- Ausgabe,' dieser Liechtenstein sei 
Fürst Karl Borromeus Joh. Kepomuk, geb. i. März 1765, 
gefallen im Zweikampf zu Wien am 24. Dezember 1795. 
Warum er gerade auf diesen ältesten 13ruder der Grähn 
Harrach verfallen ist, gibt Düntzer nicht an; es kann nur 
eine willkürliche Vermuthung gewesen sein, jedenfalls trifft 
sie nicht zu. Denn dieser Karl Borromeus war um jene 
Zeit überhaupt nicht in Rom; er machte damals eine Reise 
durch Holland und England und trat nach seiner Rückkehr 
1787 in den österreichischen Verwaltungsdienst in Brüssel.' 
Auch in den römischen Bevölkerungslisten aus Goethes 
Zeit, die ich sorgfältig durchgesehen habe, fand ich keine 
Spur von einer Romreise des Fürsten Karl Borromeus, 
wohl aber sind dort zwei andere Fürsten Liechtenstein als 
vorübergehend in Rom wohnhaft verzeichnet : ein Bruder 
und ein Vetter der Gräfin Harrach. Wenn nun auch Goethe 
wiederholt von einem Bruder der Gräfin spricht, den er in 
Rom getroffen, so ist doch eine Verwechselung mit dem 
X'etter bei einer so weitverzweigten Familie nicht ausge- 
schlossen, deren Stammtafel auch der Weimarer Geheime- 
rath wohl kaum auswendig wissen konnte; ja eine solche 
\'erwechselung ist um so leichter möglich, wenn Goethe, 
was sehr wahrscheinlich ist, beide Liechtensteins nacheinander 
kennen lernte. Einer von ihnen, der Vetter, war Philipp 
Joseph, Sohn von Franz Joseph Liechtenstein, geb. 2. Juli 1762, 
ein teingebildeter Mann von lebhaften geistigen Interessen, 
der in Wien mit den ausgezeichnetsten Männern verkehrte, 
auf seinen Reisen genaue Tagebücher führte, eine kurze 
Selbstbiographie und Aufzeichnungen vermischten Inhalts, 
politische Betrachtungen u. drgl. hinterließ. Vom 27.0ctober 
1786 bis Mai 1787 machte er, wie der Historiograph des 
Hauses Liechtenstein berichtet,'* eine Reise in Italien, die 



' Bericht Hrzans vom 24. März 1787, bei Brunner »Die theologische 
Dienerschaft am Hofe Josephs IL«, Wien 1868, S. ijöf. 

* Band XXIV, S. 692 und Düntzer »Goethes Leben« S. 391. 

5 Jacob V. Falke »Geschichte des fürstlichen Hauses Liechtenstein«, 
Wien, 1882; in, 541 rt". 

4 J. V. Falke, a. a. O., Ill, 280. 



1^8 Abhandlungen. 



ihn bis Neapel führte; nach seiner Rückkehr wurde er 
1788 Flügeladjutant des Kaisers Joseph, nahm an einem 
Türkenkrieg theil, brachte dann den Rest seines Lebens 
auf Reisen "zu und starb am 18. Mai 1802. Der andere 
zu Goethes Zeit in Rom lebende Liechtenstein war Wenzel 
Joseph, jüngerer Bruder von Karl Borromeus und der Gräfin 
Harrach, geboren 21. Juli 1767, ein Mann von aufgewecktem 
Geist aber leichtem Blut, der schon früh zum geistlichen 
Stande bestimmt und von seinem Vater Fürst Karl Liechten- 
stein 1774 dem Domstift zu Köln präsentirt wurde. Nach 
Falke' wurde Fürst Wenzel 1786 nach Rom geschickt, urn 
Theologie zu studiren; allein man scheint dort nicht mit 
ihm zutrieden gewesen zu sein, und aut den Rath des Kar- 
dinals Garampi wurde er von dort weggenommen und in 
ein französisches Seminar gesteckt. Lr brachte es zwar 
bis zum Domherrn zu Salzburg, aber das Soldatenhandwerk 
zog ihn mehr an, 1804 erreichte er in Rom seine Säkulari- 
sirung und trat dann ins österreichische Heer ein, das er 
als Generalmajor 1814 verließ; er starb 1842. 

Sollte man nach der inneren Wahrscheinlichkeit zwischen 
diesen beiden jungen Männern entscheiden, wen Goethe 
im Auge hatte, als er im November 1786 nach Hause schrieb, 
er habe den Fürsten Liechtenstein getroffen, ihm gegenüber 
sein Incognito aufgegeben und bei ihm gespeist, so kann 
die WahTnicht schwer sein; man wird lieber an den damals 
25jährigen Fürsten Philipp denken, der als freier Mann 
Italien bereiste, als an den 19jährigen Seminaristen Fürst 
Wenzel, der sich bald darauf, weil er nicht gut that, auf 
eine andere Anstalt verpflanzen lassen mußte. Für den 
Fürsten Philipp, den Vetter der Gräfin Harrach, sprechen 
aber auch die Angaben, die ich in den römischen Pfarr- 
büchern gefunden liabe. Während der Fürst Wenzel in den 
Jahren 1785 und 1786 als Insasse des Klosters S. Stefano 
del Cacco aufgeführt ist,' wo er doch kaum Gäste zu 
Tisch empfangen konnte, finden wir am Ende des Winters 
1786—87 den Fürsten Philipp als Bewohner des ganzen 
zweiten Stocks des Hauses Della Vetera am Corso 
No. 314 — 315 verzeichnet,' dazu seine Dienerschaft, be- 
stehend aus einem Jäger, einem Kammerdiener und einem 
Kurier. Wir müssen uns danach als Stätte der Tischgesell- 



' a. a. O. III, 344. 

* Im Staio delle Anime der Pfarrei S. Stefano del Cacco 1785 und 
1786 wird er genannt: Eccellentissimo Principe Don Giuseppe Venceslao 
di Liechtenstein da Vienna, Canonico delia Metropoli di Colonia. 

5 State delle Anime der Pfarrei S. Marcello, 1787. Der Name 
ist geschrieben: Filippo Linktestein, das Alter ist richtig auf 25 Jahre 
angegeben. 



Als Goethes römischem Kreise 199 

Schäften, zu denen Fürst Liechtenstein den Dichter einlud, 
nachdem der Antiquar Hirt die Bekanntschaft vermittelt 
hatte,' diesen kleinen Palazzo am Corso, unweit des Palazzo 
Sciarra und der Kirche S. Marcello denken. Bei diesen 
kleinen Gelagen mag wohl auch der Vetter des Gastgebers, 
Fürst Wenzel, nicht gefehlt haben, ohne daß Goethe ihn 
besonders beachtete, und von seinen geistlichen Kollegen 
und Erziehern war gewiß auch einer oder der andere 
zugegen. So müssen wir wenigstens eine Briefstelle bei 
Tischbein verstehen,' der viele Jahre später offenbar noch 
mit Freuden eines solchen Essens gedachte und Goethe 
fragte : »Erinnern Sie sich noch eines Abends, als wir beim 
Prinzen Liechtenstein waren, der so viele Beichtväter und 
Geistliche versammelt hatte, was diese, als ihnen der Wein 
in die Krone gestiegen war, da alles erzählten ?« Sehr 
geistlich streng scheint es also dort nicht zugegangen zu 
sein, und wenn man annimmt, w^orauf docii Goethes eigene 
Mittheilungen hinweisen, daß seine Aufnahme in die Arkadia 
beim Fürsten Liechtenstein ausgeheckt worden ist, so beginnt 
die Sache in einem ganz eigenen Lichte zu erscheinen. 

Da muß nun zunächst wieder mit einem Irrthum auf- 
geräumt werden, der sich in Düntzers Kommentaren zur 
Italienischen Reise findet.^ Düntzer macht dort folgende 
Bemerkung: »Hrzans Bericht, der junge Fürst Liechtenstein 
habe Goet^he in die arkadische Versammlung eingeführt, 
ist jedenfalls irrig. Goethe war längst in Rom als der 
berühmte deutsche Dichter bekannt, sodaß es nicht zu ver- 
wundern, wenn auch der Kustode der Arkadier sich um 
ihn bewarb; daß er sich dabei der Hülfe des Fürsten 
Liechtenstein und seines Hofmeisters bediente, ist freilich 
möglich.« Hier ist Düntzer gewiß auf einen ganz falschen 
Weg geraten. Einmal liegt nicht der geringste Grund vor 
an der Zuverlässigkeit von Hrzans Bericht zu zweitein, 
denn über das Treiben seiner österreichischen Landsleute 
in Rom hat sich der Kardinal und Botschafter Hrzan ohne 
Zweifel stets die sicherste Auskunft verschaffen können, 
umsomehr wenn ein Fall vorlag, der den Kardinal so leb- 
haft interessirte, wie die Inkognito- Anwesenheit des 
Weimarischen Geheimraths Goethe.* Ebenso konnte Hrzan 



' Bericht des Kardinals Hrzan vom 24. März 1787, bei Brimner, 
a. a. O. 156. 

^ Tagebücher u. Briefe, Anmerkuns;en S. 409. 

3 Hempelsche Goethe-Ausgabe, XXIV, 925. 

* Hrzan erwähnte in seinen Berichten aus Rom 17S7 und 1788 
Goethe nicht weniger als fünfmal und berichtete theilweise ganz aus- 
führlich über seine Thätigkeit auf Grund einer eigens eingerichteten 
Ueberwachung, die sich sogar auf des Dichters Briefwechsel erstreckte. 



200 Abhandlungen'. 



über alles was in der Arkadia vorging, durch deren eigene 
Angehörige beständig unterrichtet' sein, da alle Kardinäle 
und sonstige römischen Würdenträger ihre Mitglieder zu 
sein pflegten. Ueberdies steht die "Darstellung Hrzans in 
bestem hinklang mit der Genesis der Angelegenheit, die 
Goethe selbst in seiner Italienischen Reise anäeutet. Da- 
gegen ist Düntzers Annahme, der Kustode der Arkadia 
habe den in Rom längst bekannten deutschen Dichterheros 
heranziehen wollen und sich dazu nur der Vermittelung 
Liechtensteins bedient, völlig haltlos. Was zunächst die 
Vertrautheit der damaligen Römer, auch wenn sie arkadische 
Schäfer waren, mit den Werken aus Goethes erster Periode, 
mit Götz von Berlichin^en und Werther, angeht, so mag 
nur an die köstliche Geschichte erinnert sein, die der 
Dichter selbst seinem Freunde Eckermann erzählte : »Von 
meinem Werther erschien sehr bald eine italienische Ueber- 
setzung in Mailand. Aber von der ganzen Auflage war in 
kurzem auch nicht ein einziges Exemplar mehr zu sehen. 
Der Bischof war dahinter gekommen und hatte die ganze 
Edition von den Geistlichen in den Gemeinden aufkaufen 
lassen. Es verdroß mich nicht, ich freute mich vielmehr 
über den klugen Herrn, der sogleich einsah, daß der Werther 
für Katholiken ein schlechtes Buch sei, und ich mußte ihn 
loben, daß er auf der Stelle die wirksamsten Mittel er- 
griff'en, es ganz im Stillen wieder aus der Welt zu schafl'en.« ' 
In der That war vor Goethes Reise in Italien nur eine 
italienische Uebersetzung des Werther erschienen, von Götz 
überhaupt keine;" die französischen Uebersetzungcn des 
Werther von 1774, 1776 und 1784 und des Götz von 1785 
konnten bei dem damaligen Bildungsstand in Italien für 
das Bekanntwerden des Dichters kaum mehr in Betracht 
kommen als das deutsche Original. Dabei darf man nicht 
vergessen, daß gerade im Kirchenstaat die Einfuhr fremder 
Literatur aufs schärfste überwacht wurde, daß in Rom 
selber nichts gedruckt werden konnte, bevor der Majordomus 
Sr. Heiligkeit ausdrücklich das Imprimatur ertheilt hatte. 
Diese päpstliche Fürsorge , daß nur garantirt klerikale 
Geistesnahrung verabreicht werde, erstreckte sich natürlich 
auch auf alle römischen Institute, die wie die Arkadia 
unter päpstlicher Protektion standen. Einem Kustoden der 
Arkadia konnte es daher, wenn er wirklich von Goethe 
und seinen Dichterwerken etwas wußte, nie in den Sinn 
kommen, dies revolutionäre Kraftgenie in die sanfte päpst- 
hch approbirte Schäfergesellschaft einzuführen, wo Kar- 

^ Eckermanns Gespräche mit Goethe, Freitag 3. April 1829. 
* VrgL C. Fasola im Goethe-Jahrbuch XVI, 257 f. 



Als Goi-tuf.s kömisciihm Kki:isi:. 201 

dinäle, Monsignori und Abbaten das i^roße Wort führten, 
wo man aul VVeihnaclitcn hintereinander ein Dutzend Sonette 
auf die Geburt des Heilands und um Ostern ein Dutzend 
auf die Auferstehuni; mit Andacht und Beifall anzuhören 
pflegte. Je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr er- 
scheint die Aufnahme Goethes in die Arkadia wie ein 
grausamer Witz, etwa wie wenn in unseren Tagen ein 
Haeckel Ehrenmitglied der Görresgesellschaft würde. Ja, ich 
kann mich des Argwohns nicht erwehren, daß das Interesse 
des österreichischen Botschafters Kardinals Hrzan an der 
Arkadia -Angelegenheit entweder auf ein unangenehmes 
Aufsehen zurückzuführen ist, das die Aufnahme Goethes 
in gewissen Kreisen erregte, oder wenigstens auf die Be- 
fürchtung, sie möchte übel vermerkt werden. Umgekehrt 
mag es m dem Kreise, wo Goethes Einführung in die Ar- 
kadia ausgeheckt wurde, einen oder den andern gegeben 
haben, der in übermüthiger Spötterlaune seine besondere 
Freude daran hatte, den ketzerischen Poeten von der braven, 
frommen Arkadiergesellschaft unter Beifall als Mitbruder 
angenommen zu sehen. 

Jene kurze treflende Schilderung, die Tischbein von 
der Abendgesellschaft bei Philipp Liechtenstein gegeben 
hat, dann das Bild, das uns Falke in seiner Geschichte des 
Hauses Liechtenstein von den Fürsten Philipp und Wenzel 
entwirft, schließlich die Andeutungen, die Goethe selber 
über den Hergang macht, wie man ihn zur Aufnahme in 
die Arkadia drängte und er sich sträubte, da er die Em- 
pfindung hatte, dort nicht am rechten Platze zu sein, das 
alles zusammengenommen macht es sehr glaublich, daß 
auch etwas jugendlicher Uebermuth bei der Sache mitgespielt 
habe. Das mag besonders auf den erst I9iährigen Fürsten 
Wenzel zutreffen, der als angehender Priester aus vor- 
nehmem Haus schon am 5. Mai 178) — wegen unbekannt 
gebliebener Verdienste um die Dichtkunst — selbst zum 
Pastor Arcadicus ernannt worden war ' und sich bei seinen 
weltlichen, militärischen Neigungen in dieser Rolle wohl 
eben so komisch vorkam wie im Priestergewand. Bei 
anderen, die Goethes Aufnahme betrieben, spielten dagegen 
ernsthaftere Beweggründe mit, die der Dichter selber in 
seinen italienischen Reiseberichten andeutet. Die deutschen 
Landsleute, die nach geläufigen römischen Begrifien die 
Ernennung zum arkadischen Schäfer als eine Auszeichnung 
ansahen, glaubten gewiß allen Ernstes, daß ihr großer 
Freund vollbegründeten Anspruch auf das arkadische Diplom 
habe, wennschon es vielen minder Würdigen ertheilt 



Diario ordinario di Roma (Chracas), Kr. 1082, vom 14. Mai 1785. 



202 Abhandlungen. 



worden; war es doch in seiner Art eine Ehirung ebenso 

gut wie die Titel und Orden, mit denen deutsche Höfe den 
lichter geschmückt hatten, und die er ebenso mit hohen 
Staatswürdenträgern und gekrönten Häuptern theilte wie 
das Schäferdiplom, das von Kardinälen, fremden Botschaftern 
und fast allen Fürsten Europas, die Rom besuchten, gerne 
angenommen wurde. Während so bei den deutschen Ver- 
ehrern Goethes der Nationalstolz den Wunsch erweckte, 
ihn in Rom der herkömmlichen Dichterehre theilhaftig zu 
sehen, wirkten bei einigen itahenischen Poeten, die sich 
der Sache annahmen, selbstsüchtige Erwägungen mit. Aus- 
drückUch werden hier zwei Persönlichkeiten des Liechten- 
steinschen Kreises genannt: der damals auf den ersten 
Stufen der Ruhmesleiter stehende Vincenzo Monti,' der 
Goethes Interesse für seine eigenen Tragödien erwecken 
wollte und ihn zur ersten Aufführung seines Aristodemus 
einlud, und ein Abbate Tacchi," von dem die Literatur- 
geschichte weiter nichts weiß, der aber die Absicht hatte, 
die Iphigenie ins Italienische zu übersetzen. Beiden kam 
es offenbar gar nicht in erster Linie darauf an, dem deutschen 
Dichter eine ihm gebührende Huldigung Italiens zu ver- 
schaffen, sondern darauf, sein Wohlwollen zu erwerben 
und diese gewichtige literarische Beziehung für sich aus- 
zumünzen. Goethe hat diese Motive, wenn auch vielleicht 
nicht vom ersten Augenblick an, durchschaut. Nach der 
Aufnahme in die x\rkadia schrieb er an Frau von Stein: 
»Wie das alles aber zusammenhängt und wie ich ein großer 
Thor wäre, zu glauben, daß das alles um meinetwillen 
geschähe, dereinst mündlich.« 

Wenn dem Dichter diese Erkenntniß früher gekommen 
wäre, so hätte er vielleicht die arkadischen Ehren im voraus 
abgelehnt; es hätte ihm, wofern er nur ernstlich wollte, 
nicht mißlingen können. Läßt er doch später in der 
Italienischen Reise erkennen, daß er sich mehr aus Höflich- 
keit gegen den Fürsten Liechtenstein, dem er mancherlei 
Gefälligkeiten verdankte, in die Beziehungen zu den 
römischen Literaten hineinziehen ließ, die ihn schließlich 
in die arkadische Schäferhütte — ich möchte sagen — 
einschmuggelten. Denn das ist mir nicht mehr zweifelhaft, 
mag nun einer der Liechtensteins, oder Monti, Tacchi, 
oder alle zusammen die förmlichen Schritte zur Aufnahme 
Goethes unternommen haben, den damaligen Leitern der 
Arkadia ist seine Aufnahme entweder sehr gleichgültig, 
oder, wenn sie wirklich wußten, wes Geistes Kind sie vor 



' Vrgl. die oben angeführten einschlägigen Stellen bei Goethe. 
' Hrzans Bericht vom 24. März 1787, a. a. O. 



Als Goethes römischem Kreise. 203 

sich hatten, eher peinhch als erfreulich gewesen. Und 
wenn dem so ist, so erklärt sich auch leicht die offenbare 
Verstimmung Goethes unmittelbar nach dem feierlichen 
Akt, in der er an Frau von Stein schrieb: »Ich habe Fritzen 
scherzend von meiner Aufnahme in der Arkadia geschrieben, 
es ist auch darüber nur zu scherzen, denn das Institut ist 
zu einer Armseligkeit zusammen geschwunden«, ' worauf 
dann die oben schon angeführte Erklärung der tieferen 
Gründe des ganzen Vorgangs folgt. Der Dichter war offen- 
bar durch den Verlan! der Feierlichkeit enttäuscht, und 
diese Enttäuschung ist sehr begreiflich, wenn wir annehmen, 
daß die Arkadier selber nicht von Herzen bei der Sache 
waren. 

Für diese Annahme spricht nun sehr entschieden der 
wichtige Umstand, daß die Ernennung Goethes zum Pastor 
arcadicus in den Sitzungsberichten der Gesellschaft Jiicht ver- 
:ieichnet ist. Es ist der Mühe werth, diesen Punkt etwas 
o;enauer zu betrachten. Bisher glaubte man, daß die Akten 
der Arkadia ein Protokoll über die Aufnahme des »Megalio 
Melpomenio« enthielten. Die Quelle dafür war eine Stelle 
in Theophile Gart's verdienstvoller Schrift »Goethe en 
Italie«," wo der Verfasser, der die Akten der Arkadia nicht 
selbst gesehen hat, erzählt, er verdanke der Güte des 
gegenwärtigen Verwalters der Gesellschaft, Conte Zamboni, 
i^ofgende ergänzende Mittheilungen zu Goethes Bericht: 

»II suo riceviniento fit uno dei piii solenni e splendidi. 
Convocato neue sale delV Arcadia il Ceto universo, e alla 
presen:(a ancora di Cardinali e Principi dignitari, egli fu 
annoverato fra gli Arcadi per acclatna2Jone, jornia piii distinta, 
che suole adoperarsi soltanto coi Sovrani, coi Cardinali e con 
gli nomini di nierilo straordinario. Degli atli della nostra 
Arcadia non risulta che prima dopo di quel giorno parteci- 
passe ai lavori della Societa.« 

Diese Auskunft des Verwalters der Arkadia auf Gart's 
Anfrage hat etwas sehr Verdächtiges, — den Schlußsatz 
ausgenommen, der offenbar der historischen Wahrheit ent- 
spricht. Warum hat er Herrn Gart nicht einfach die auf 
Goethes Aufnahme bezügliche Stelle der Arkadia-ProtokoUe 
copirt? Warum statt dessen einen phrasenhaften Bericht 
verfaßt, den sich jeder aus den Fingern saugen kann, der 
Goethes zweiten Römischen Aufenthalt gelesen hat? Die 
Antwort liegt nahe: Der Verwalter brachte es mit echt 
italienischer Höflichkeit nicht übers Herz, Herrn Gart einen 



' Tagebücher und Briefe S. 252, Brief" an Frau von Stein vom 
6. Januar 1787. 

' Theophile Gart »Goethe en Italie«, Lausanne 1S81, S. 62 ff. 



204 Abhandlungen. 



unbefriedigenden Bescheid zu geben; da er aber entweder 
nicht in den Akten gesucht oder trotz allem Suchen nichts 
gefunden hat, so half er sich mit seiner liebenswürdigen 
Phantasie aus. Ich habe im Sommer 1902 die Akten der 
Arkadia wiederholt mit Hülfe des gegenwärtigen Custoden 
Monsignore Bartolini durchsucht und kann danach fest- 
stellen, daß sie über Goethes Aufnahme keine Silbe ent- 
halten. Die Aufnahme fand bekanntlich am 4. Januar 1787 
statt,' wenige Tage vor der Erstaufführung des Aristodemus, 
für welche der Dichter Monti auf Goethes und seiner 
Freunde Beistand hoffte. Nun enthalten die Sitzungs- 
protokolle der Arkadia einen Bericht über die General- 
versammlung am Donnerstag, 4. Januar 1787, worin der 
Custode zwölf Beisitzer für den neuen Turnus ernannte, 
und andere Geschäfte erledigt wurden, aber von Goethe 
kein Wort. Ich habe darauf die Protokolle sämmtlicher 
anderen Versammlungen geprüft, die während Goethes 
Anwesenheit in Rom gehalten wurden, und mit dem 
gleichen Mißerfolg. Die Aufnahmen anderer Mitglieder 
linden sich protokolUrt, diejenige Goethes nicht. Zur Er- 
gänzung dieses negativen Ergebnisses diente weiter eine 
genaue Durchsicht aller Nummern der römischen Zeitung 
Chracas während der Jahre 1786 — 1788. Dort wurden 
Berichte über die Sitzungen der Arkadia veröffentlicht mit 
Angaben über die Ausrufung neuer Mitglieder, über ge- 
haltene Vorträge u. s. w. Auch diese Zeitungsberichte 
schweigen über Goethes Eintritt in den arkadischen Schäfer- 
bund, während sie z. B. die Aufnahme des i8jährigen 
Seminaristen Wenzel Liechtenstein gewissenhaft verzeichnet 
haben. 

Das Gefühl, daß der titanische Geist aus Weimar nicht 
wohl zu ihnen passe, hat offenbar auch die Arkadier be- 
herrscht, die bei der Abfassung des Sitzungsberichts die 
Spuren seiner Aufnahme zu verwischen suchten, und von 
dem gleichen Gefühl war Goethe durchdrungen, als er an 
jenem Donnerstag Nachmittag die »Capanna del Serbatojo« 
verließ, wo die Eeierlichkeit vor sich gegangen w'ar.' In 
seinem Unmuth ist der Dichter aber doch wohl etwas weit 
gegangen, wenn er gleich darauf von der »Armseligkeit« 
des Instituts schrieb, worüber nur zu scherzen sei. Dichter- 



' Brief Goethes an Fritz v. Stein, d. d. Rom, 4. Januar 1787. 

* Das Serbatojo dell' Arcadia befand sich damals in Via Trevi 
(heute Via in Arcione genannt) No. 96. Das Erdgeschoß enthielt die 
Versammlungsräume, der erste Stock die Wolmung des Custode 
Generale, wie aus dem Stato delle Anime der Pfarrei S. Niccolo in 
Arcione 1787 hervorgeht. 



Als Gm.iHi s komischem Kreise. 205 

vereine zur Förderung der poetischen Production haben 
allerdings überall und zu allen Zeiten einen Stich ins 
Lächerliche, aber wenn Goethe auch nur ein wenig Fühlung 
mit der Arkadia gewonnen hätte, so würde er gewiß nicht 
blindlings in das V'erdammungsurtheil der Reisewerke von 
X'olkmann und Archenholtz eingestimmt,' sondern wohl 
erkannt haben, daß bei aller Beschränkung durch den 
pfäffischen Geist hier doch ein lobenswerthes Bildungs- 
streben herrschte und immerhin ein literarischer Mittelpunkt 
für die geistig regsamen Kreise Roms geboten war. Haben 
doch auch andere Fremde, die Goethe persönlich oder in 
ihren Werken verehrte, sich nicht geschämt, dem Schäfer- 
hunde anzugehören, wie Angelica Kauffmann, Mengs, 
Winckelmann, der Pater Jacquier u. a. Letzterer, den der 
Dichter zu Rom in seinem Kloster der Trinitä dei Monti 
aufsuchte," war damals der älteste Schäfer, aber zugleich 
eines der rührigsten Mitglieder der Arkadia trotz seines 
hohen Alters. Es verging kaum ein Monat, in dem er 
nicht mit einem Vortrag in der »Capanna del Serbatojo« 
erschien, theils über naturwissenschaftliche Gegenstände, 
über Vulkane, das KUma Roms, theils über philosophisch- 
ästhetische Fragen, manchmal ließ er auch ein eigenes 
anakreontisches Lied hören. Während Goethes Aufenthalt 
in Rom hat Jacquier nicht weniger als viermal in der 
Arkadia gesprochen. Es wurde oben schon bemerkt, daß 
die beste Gesellschaft Roms dem Schäferbund angehörte; 
er spielte auch im öffentlichen Leben eine Rolle; so durfte 
bei den feierlichen Preisvertheilungen der Kunstakademie 
S. Luca, die im Beisein von Kardinälen und anderen Wür- 
denträgern auf dem Kapitol stattfanden, nie die Arkadia 
iehlen, die für den rednerischen Theil des Festprogramms 
sorgte. 

Sein wegwerfendes Urtheil über die Arkadia, deren 
Schwelle er nach dem 4. Januar 1787 nicht wieder betrat, 
hat Goethe im Alter ein wenig nachgeprüft und gemildert, 
als er den zweiten Römischen Aufenthalt für den Druck 
bearbeitete. Das Autsätzchen »Aufnahme in die Gesell- 
schaft der Arkadier« im Januar-Bericht 1788 ist eine ruhige 
sachgemäße Darstellung sine ira et studio, die nur gleich 
am hingang einen erheblichen Gedächtnißfehler autweist, 
indem der Dichter seine Beziehuniren zu den Arkadiern 



' Volkmann »Historisch -kritische Nachrichten von Italien« Leip- 
zig 1777, II, 853. — J. W. V. Archenholtz »England und Italien«, 
Leipzig 1785, II, 275. 

^ Briet Goethes an Herder, d. d. Rom, 25. Januar 1787; in den 
Tagebüchern und Briefen S. 540. 



2o6 Abhandlungen. 



als eine Nachwirkung des Kranz'scben Concens darstellt, 
das thatsächlich erst nach der Aufnahme Goethes in den 
Schäferbund stattgefunden hat.' 

Zum Schluß noch ein paar Mittheilungen über den 
Custode Generale der Arkadia, dem die Ehre zufiel, Goethe 
als Schäfer aufzunehmen und das Diplom auszustellen, 
wofür ihm das übliche Trinkgeld von 2 Zechinen zutheil 
wurde. Er hieß mit seinem Schäfernamen Nivildo Ama- 
rinzio, im bürgerlichen Leben Gioacchino Pizzi, war ge- 
boren in Rom 17 16 und starb daselbst am 8. September 
1790. Auf seiner Grabschrift in der neuerdings dem Ab- 
bruch verfallenen Kirche S. Niccolo in Arcione wird er 
als, »poeta eximius, ingenio, litteris, religione, virtute 
celeber« gerühmt. Vertrauenswürdiger ist jedenfalls das 
Urtheil Volkmanns, ^ der ihm das Lob spendet, daß er ein 
guter Dichter sei, der sich viel Mühe gebe, die Gesellschaft 
Arkadia emporzubringen. Volkmann kennt von ihm ein 
1772 erschienenes »Ragionamento sulla tragica e comica 
Poesia«. Aus der römischen Zeitung Chracas erfahren wir 
noch, daß Pizzi als junger Mann Secretär des Kardinals 
Alessandro Albani w'urde und in dieser Eigenschaft wieder- 
holt den Pegasus besteigen mußte, w^enn der Kardinal, der 
Protektor des Deutschen Reiches war, Festlichkeiten zu 
Ehren des deutschen Kaisers gab. Nachher ging Pizzi in 
den Dienst des Kardinals Colonna über, wurde 1766 «Pro- 
Custode« und 1772 »Custode Generale« der Arkadia, deren 
Sitzungen er Jahre lang durch den Vortrag der einzelnen 
Bücher seines »Tempio del Buon Gusto« verschönerte. 
Als er am 12. April 1783 den König Gustav IlL von 
Schweden bei dessen Aufnahme in die Arkadia mit latei- 
nischen Verden begrüßte, erhielt er zum Lohn dafür eine 



^ Der Gedächtnißfehler ist sehr entschuldbar, da mehr als 30 Jahre 
seit den Ereignissen vergangen waren, als der Dichter im Jahre 1820 
zum erstenmal die Papiere über den Zweiten Römischen Aufenthalt 
vornahm, um der Italienischen Reise eine Fortsetzung zu geben. Auch 
ist nicht mit Sicherheit festzustellen, ob Kranz nur einmal oder zweimal 
bei Goethe concertirt hat. Das Concert, welches im Zweiten Römischen 
Aufenthalt beschrieben wird, müßte im Juli 1787 stattgefunden haben, 
als Tischbeins ehemaliges Studio dem Dichter zur Verfügung stand, 
und Kranz hätte danach auf der Rückreise von Neapel nach Deutsch- 
land nochmals kurz in Rom geweilt. Brieflich erwähnt Goethe die 
Ankunft Kranz', in Rom am 17. Januar 1787 (an Frau v. Stein) mit 
den Worten: »Kranz war heute bei mir, er geht, das neapolitanische 
Karneval zu besuchen.« An Seidel schrieb er dann unterm 5. Februar 
1787: »Kränzen habe ich gesprochen und zu einem kleinen Concert 
gehabt.« Waren es zwei verschiedene Concerte, dann sind sie jedenlalls, 
wie ersichtlich, beide später gewesen als die Aufnahme in die Arkadia. 

» a. a. O II, 827. 



Aus Goethes römischem Kreise. 



20: 



goldene Tabaksdose mit 20 Zechinen. Pizzi war auch Mit- 
glied der Academie der Crusca und der Pariser Acadcmie 
cies Inscriptions et Beiles Lettres. Alle seine arkadischen 
Verdienste haben ihm allerdings die Unsterblichkeit nicht 
gewinnen können, und er dürtte wohl nie mit einem ge- 
waltigeren Geist in persönliche Berührung gekommen sein, 
als am 4. Januar 1787, da er Goethe in das Schäferreich 
aufnehmen mußte und darauf bedacht war, die Spuren dieses 
Ereignisses aus den Akten der Arkadia zu verwischen. 




Nachtrag 
zu DEN Neuen Mittheilungen 

(oben S. 62). 
EIN BRIEF GOETHES AUS DEM JAHRE 1774/ 




ch habe einen Brief von Schönborn vom 16 Apr. 
aus Algier, der mich sehr gefreut hat. Er ent- 
hält eine umständliche Beschreibung seiner Reise 
und das was für mich merckwürdig seyn konnte. 

Der H. Ziegler hat noch keine Anweisung das Geld 
quaest. zu zahlen. Auch bitt ich sie mir zu melden: was 
von dieser Summe für Götz ist? denn das ist alleine mein, 
wie das übrige allein Mercken gehört. 

Ich begreiffe nicht wie Wiel.[and] sich über die Farce 
so ungebärdig stellen konnte. 

D'ass ich' eine Schandschriift auf die Jakobi gefertigt 
habe ist wahr, allein gedruckt ist sie nicht, soll auch nie 
aus meinen Händen kommen. Wie denn die Farce nie 
gedruckt worden wäre, wenn ich sie nicht Freunden kom- 
munizirt hätte. 

Von kleinen Sachen hab ich gar nichts, und was ich 
habe ist so ungezogen, dass es sich in Taschenformat und 
verguldt aufm' Schnitt nicht darf sehn lassen. Was ich 
sonst gefertigt habe will ich ehstens in's Publikum sprengen. 



J Der obenstehende Brief kam mir zu spät zu, um an richtiger 
Stelle eingereiht zu werden; da ich ihn indessen für Bd. 25 nicht ent- 
behren mochte, so fügte ich ihn hier ein. L. G. 



Ein Brief Goethes aus dem Jahre 1774. 209 

Schreiben Sie mir doch wie das Stück Der Hofmeister 
ein Lustspiel aufgenommen worden. 

Leben Sie wohl, und wenn Ihre Freunde was aus- 
zeichnendes produziren, lassen Sie mich auch Theil dran 
nehmen. 

am 4 Juni 1774. 

Goethe. 

Der Brief entstammt einer Sammlung meines Vetters, 
des Majors von Engelmann-Bonn, der noch weiteres inter- 
essante Material aus dem Nachlasse seines Großvaters, des 
s. Zt. als Dichter bekannten und überschätzten Breslauer 
Oberregierungsrathes Friedrich von Heyden und seines Ur- 
großvaters von Hippel, des Verfassers des Aufrufes »An 
mein Volk!« besitzt. Der Brief selbst ist ein Quartblatt 
111/2:19 cm, geripptes Papier ohne Wasserzeichen. Der 
Adressat ist unsicher, die Bemerkungen im zweiten Abschnitte 
dürften noch auf den Selbstverlag des Götz und auf eine 
Persönlichkeit hinweisen, die mit diesem Drucke in Beziehung 
stand. Das Empfangsdatum des Briefes von Schönborn stimmt 
nicht ganz mit den im gleichzeitigen Briefwechsel angegebenen 
Daten. (An Klopstock Weim. Ausg. Briefe II, S. 162 nennt 
G. den 27. Mai; S. 170 an Schönborn den 25. Mai und 
spricht von einer »längst erwarteten Freude«, die Schönborns 
Brief bereitet habe.) Die Bemerkung über Wieland ändert 
frühere Aeußerungen, worin Goethe Wielands kluges Verhalten 
lobte, z. B. an Kestner S. 159, Mai 1774. Die Erkundigung 
nach Lenz' »Hofmeister«, der Ostern 1774 erschienen war, 
berührt sich mit dem Brief Weim. Ausg. No. 217 an Langer (?) 
vom 6. Mai 1774. Karl Drescher. 




Goethe-Jahbblcu XXV. I4 



III. MiscELLEN, Chronik, 
Bibliographie. 



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I. MiSCELLEN. 



Ä. Einzelnes zu Goethes Leben und Wirken. 

I. Zu Faust I. 
I. 

Bei der Besteigung des Brocken in der Walpurgisnacht 
gelangen Faust und Mephistopheles bei Schierke und Elend 
in die »Traum- und Zaubersphäre« des Berges, wo in »weiten, 
öden Räumen« sogleich das gespenstische Treiben der Wal- 
purgisnacht die beiden Wanderer umgibt, während noch kurz 
vorher die anmuthige Gegend ihr natürliches Aussehen zeigte. 

Es scheint mir, als ob der Dichter die Grenze dieser 
Zaubersphäre nicht aufs Gerathewohl, sondern in Bezug auf 
die geologische Schichtung des Gebirges festgelegt hat. 

Der Brocken, gleichsam ein selbständiges Gebirge im 
Harz darstellend, besteht aus Granit, der aus denGrauwacken- 
und Schieferformationen, die den Rückgrat des Harzgebirges 
bilden, mächtig hervortritt. Durch die Verwitterung hat der 
Granit an der Oberfläche des Berges sich in einzelne ge- 
waltige Blöcke zersetzt, die in großer Menge den Boden be- 
decken, im Verein mit den Klippen, isolirten Granitmassen, 
die aus jüngeren, ungleichförmigen Schichten emporragen, der 
Landschaft den Charakter des Phantastischen und der Zer- 
störung verleihen, und deren Entstehung daher früher auf 
dämonische Einflüsse zurückgeführt wurde. Diese Granitblöcke 
sind häufig in weiterer Zersetzung zu mächtigen Gruß- und 
Trümmerlagern zerfallen oder haben sich schließlich in Boden 
verwandelt, der außerordentlich günstig für die Entwickelung 
der Pflanzen ist. 

Wer vom Thale der kalten Bode her den Berg besteigt, 
erreicht dieses scharf begrenzte Granitmassiv zwischen den 



214 MiSCELLEN. 

Ortschaften Schierke und Elend, wie aus jeder geologischen 
Karte des Harzes leicht zu erkennen ist. 

Hier beginnt daher eine hochromantische, wilde Gebirgs- 
und Waldlandschaft, die sich von dem tiefer liegenden Gelände 
durchaus charakteristisch unterscheidet und bis auf ca. looo m 
Höhe reicht, wo der Fichtenwald aufhört und die Heide an- 
fängt, bezw. die ausgedehnten Torfmoore des Brocken liegen. 



II. 

Im »Walpurgisnachtstraumcc hat die Ueberschrift der einen 
Strophe »Fideler« den Commentatoren viel Kopfzerbrechen 
gemacht. Die einen behaupten, das Wort habe den Ton auf 
der ersten Silbe und bedeute einen zuschauenden Fiedelspieler, 
die andern, es habe den Ton auf der zweiten Silbe und 
heiße soviel wie Lustiger, Vergnügter. 

Ich glaube, daß diese Strophe sowohl, wie die beiden 
vorangehenden und mit der Bezeichnung »Tanzmeister« und 
»Tänzer« versehenen, einem Theile der Orchestermitglieder 
zugesprochen werden müssen. 

Fliegenschnauz' und Mückennas' 
Mit ihren Anverwandten, 
Frosch im Laub und Grill' im Gras, 
Das sind die Musikanten! 

Der Dichter hat nämlich die Satiren des »Walpurgis- 
nachtstraums« durch einzelne Orchesterstrophen in Abschnitte 
getheilt, und es wäre auffallend, wenn er hier, wo die Philo- 
sophen auftreten, dies unterlassen haben sollte. 

Unter »Fideler« verstehe ich hiernach das Männchen der 
Heuschrecke, das bekanntlich im Frühjahr mit den Schenkeln 
der Hinterbeine an den Flügeldecken geigt und dadurch die 
hohen, schrillen Töne entstehen läßt. Die Verse des »Tänzers« 
lassen vermuthen, daß unter dieser Bezeichnung eine jener 
Mücken zu denken ist, die noch immer die nackte, junge 
Hexe umschwärmen. Da sie die lebhaften, aber einförmigen 
Diskussionen der herannahenden Philosophen für den Ruf der 
Rohrdommeln hält, freut sie sich, noch nicht ins Orchester 
zurückzumüssen, um zum Tanze aufzuspielen. 

Unter dem »Tanzmeister« endlich, der in überlegener 
Weise die plumpen Sprünge der Philosophen ironisirt, ist 
meines Erachtens ebenfalls eine Heuschrecke (Saltatoria) zu 
verstehen. Maria Pospischil. 



MiSCELLEN. 215 

2. Zu Faust II. 

a) V. 7953 — 56 lesen wir: 

»Auf meinem Harz der harzige Dunst 
Hat was vom Pech und das hat meine Gunst ; 
Zunächst der Schwefel . . . Hier bei diesen Griechen 
Ist von dergleichen keine Spur zu riechen«. 

Für den in V. 7955 begonnenen Satz: »Zunächst der 
Schwefel . . .« ist schlechterdings keine mögliche Ergänzung 
aufzufinden oder auszudenken, folglich ist die Stelle sinnlos. 
Sie ist geheilt, wenn wir lesen : »Zunächst detn Schwefel«, 
unter Tilgung der vorausgehenden Interpunktion. Mephisto- 
pheles sagt dann, daß nächst dem Höllenschwefel der pech- 
artige Harzgeruch seine Gunst habe. 

b) V. 8162 f.: 

»Als wie nach Windes Regel 
Anzögen weiße Segel« 

klingt unnöthig hart. Der kritische Apparat (W. A. Bd. 15, II) 
belehrt uns, daß statt »Anzögen« ursprünglich stand »Heran- 
ziehn«. Dieses paßte in die Construction, und man muß 
annehmen, daß nur vergessen worden ist, mit der Aenderung 
des Modus im Verbum auch die Conjunction »Als wie« in die 
entsprechende »Als wenn« oder »Wie wenn« umzuändern. 
Sollte es zu kühn sein, diese Aenderung nachträglich im Sinne 
des Dichters an seinem hinterlassenen Texte vorzunehmen? 
Möglicherweise ist sogar die Beseitigung des unschönen und 
nach Flickwort aussehenden »Als wie« die erste Absicht der 
ganzen Aenderung gewesen. 

c) V. 10943 f. schlage ich vor zu interpungiren : 
»Dann sei bestimmt ^ vergönnt zu üben ungestört — 
Was von Gerechtsamen euch Landesherrn gehört«. 

Der Kaiser schafft hier neues Reichsrecht. Er hat den 
fünf Fürsten die Landeshoheit (Souveränetät) verliehen und 
»bestimmt« nun, welche Herrschaftsrechte die neue Stellung 
eben dieser fünf Fürsten einschließen soll. Würde nur eine 
schon vorhandene Reichsstellung übertragen und deren unge- 
störte Ausübung »vergönnt«, so müßte es statt »euch Landes- 
herrn«, wie Sauppe es wollte, »dem Landesherrn« heißen. 
Neben die neue Bestimmung tritt nur als eine nebensächliche 
Ergänzung die Vergönnung der ungestörten Ausübung hinzu ; 
litte es der Vers, so würde ein »und« vor »vergönnt« die 
Härte der Verbindung aufheben. — Das »bestimmt« als Adverb 
im Sinne von »in der Form Rechtens« zu fassen, wie der 
kritische Apparat vorschlägt, wäre doch nur ein Nothbehelf. 

Adolf Metz. 



2l6 MiSCELLEN. 

j. Zu Gretchens Lied im Kerker. 

Bekanntlich beruht das Lied, dasGretchen im Kerker singt, 
nicht auf Goethes freier Erfindung, sondern ist dem schönen 
Märchen vom Machandelbaum (Grimm Nr. 48) entnommen. 

Neuere Veröffentlichungen haben nun gezeigt, daß dieses 
Märchen mitsammt dem betr. Reim auch in romanischen 
Landen verbreitet ist. Pellandini hat im »Schweiz. Archiv für 
Volkskunde« (II [1898], 169) eine Fassung aus dem Kanton 
Tessin mitgetheilt, wo der Reim folgendermaßen lautet: 

Dialekt. Gutitalienisch. 

La mee mam la m'ä mazzö, Mia madre mi ha ammazzato, 

La mee surela la m'ä portö, Mia sorella mi ha portato, 

El me pä el m'ä mangiö. Mio padre mi ha mangiato 

Cucü, cucü che g'söm ammö! Eppure io vivo e faccio: cucü! 

In Frankreich nach Christillin in »La Tradition« XVII 
[1903] 98: 

Coucou, 
Ma mere m'a tue, 

Coucou, 
Mon pere m'a mange, 

Coucou, 
Ma sceur a rassemble mes os, 

Coucou, 
Donnez de l'argent ä mon pere 

Coucou, 
Donnez de la belle toile ä ma soeur, 

Coucou 
Et une grosse pierre sur la tete de ma mere. 

E. Hoffmann-Kraver. 



4. Götz V. Berlichingen in Ha?Hburg. 
In den Dramaturgischen Blättern für Hamburg 1821 Bd. 2 
S. 219 ff. und 284 ff. bringt F. G. Zimmermann 7 größere 
Artikel über »Götz von Berlichingen«, der zur Feier des Ge- 
burtstags von Goethe in Hamburg gegeben wurde. Die Artikel 
verbreiten sich sehr eingehend über die neue Fassung (von 
1805), in der das Stück zur Aufführung kam und über die 
Leistungen der einzelnen Schauspieler. Die folgende Notiz 
(S- Z°3) verdient eine Hervorhebung. »Als Götz von Ber- 
lichingen 1774 zuerst auf die hiesige Bühne gebracht wurde, 
ließ Schröder, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer stärker 
an die Vorstellung zu fesseln, zur Vorhilfe des Verständnisses 
und Nachhilfe des Gedächtnisses einen Auszug und kurzen 
Inhalt der Auftritte drucken und beim Eingange verkaufen.« 

Ludwig Geiger. 



MiSCI-LLEN. 217 

5. Herder, das Vorbild des Satyros. 
Umstritten ist noch immer das Vorbild von Goethes 
Satyros oder der vergötterte Waldteufel. Daß die Farce auf 
Herder und dessen Gattin sich bezieht, findet eine Stütze in 
folgenden bisher ungedruckten Zeilen Zimmermanns anLavater: 
»Nun eine Hauptsache, mein Liebster, ein gutes Werk, das 
ich Dir warm empfehle. Seitdem ich von BUckeburg zurück 
bin, sah ich hier einen sehr liebenswürdigen Reisenden, der 
mir sagte, daß Doctor Göthe (Dein Freund) gegen Herder 
(seinen Herzensfreund) und gegen die (überaus liebenswürdige) 
Madame Herder eine Farce mit nächstem werde drucken 
lassen, in welcher beyde aufs äußerste durchgezogen seyen. — 
Wie ich die Stirne dabey gerümpft habe, kannst Du Dir vor- 
stellen. Nun bitte ich Dich, mit aller möglichen Behutsamkeit 
dieses abzuwenden, und Göthen zu beschwören, daß er dieses 
Manuscript verbrenne. Mir deucht, eine so edle Reue sollte 
einen so großen Geist, wie Göthe unstreitig ist, nichts kosten.«: 
Zimmermanns vom 23. Juni 1774 datirte Zeilen empfing 
Lavater, während er als Goethes Gast in Frankfurt weilte, am 
27. Juni.' Der Inhalt dieses Briefes brachte das Gespräch der 
beiden Freunde auf Goethes Satiren, »und Goethe« — heißt 
es in Lavaters Tagebuch von der Emser Reise wörtlich — 
»recitirte auswendig mit der natürlichsten kräftigsten Decla- 
mation Satyren" auf verschiedne.« Goethe wollte die Farcen 
seinem Gaste zeigen. »Er suchte« — lesen wir in Lavaters 
Reisetagebuch weiter — »die Satyren' und fand sie nicht.« 
In Ems las später Lavater am 7. Juli »Etwas von Goethes 
Satyren.'» ^ Ob unter den Satiren, mit denen Goethe damals 
Lavater bekannt machte, der Satyros sich befand, ist nicht 
überliefert, vermuthlich aber war er darunter. Die Farce 
»Götter, Helden und Wieland« hatte Goethe schon im Frühjahr 
1774 dem Züricher Freund zugesandt. Heinrich Funck. 



^ Vergl. Schriften der Goethe-Gesellschaft 16 (1901), S. 289. Für 
das Folgende ebenda S. 290 und 296. 

* Das letzte Zeichen dieses Wortes ist in der Handschrift (Kopie), 
wie mir scheint, keineswegs ein lateinisches e, sondern eine Nachahmung 
des Lavaterischen Abkürzungszeichens für die Endung en, eines be- 
zeichnenden Hakens, der in den Originalpartien von Lavaters Emser 
Reisetagebuch mitunter weniger vollständig ausgeführt, Hüchtig hin- 
geworfen ist. 

3 Hier ist in der Handschrift das letzte Zeichen des Wortes un- 
zweifelhaft eine Nachahmung des von Lavater beliebten Abkürzungs- 
zeichens für die Endung en. 



2l8 MiSCELLEN. 

6. Tasso und Antonio. 
Daß Goethes Antonio die Züge von zwei geschichtlichen 
Persönlichkeiten : Antonio Montecatino und Giovanni Battista 
Pigna in sich vereinigt, wurde schon wiederholt hervor- 
gehoben und durch die an mehreren Stellen hervortretende 
Uebereinstimmung mit den historischen Nachrichten über beide 
Männer belegt. Hierher gehört auch die vom Tasso-Bio- 
graphen Serassi überlieferte Nachricht, daß im zweiten Gesang 
der Gerusalemme liberata bei der Schilderung des heimtücki- 
schen und treulosen Alete, der als Gesandter des Sultans von 
Aegypten bei Gottfried von Bouillon erscheint, kein anderer 
als Pigna gemeint sein soll. Unter anderm sagt Tasso von 
ihm (II 58): 

Gran fabbro di calumnie adorne in modi 
Nuovi, che sono accuse e pajon lodi. 

Und wenn in Goethes Dichtung (IV, 2) Leonore Sanvitale 
von Antonio sagt : 

Er spricht mit Achtung oft genug von dir 

so erwidert Tasso : 

Mit Schonung, willst du sagen, fein und klug. 
Und das verdrießt mich eben; denn er weiß 
So glatt und so bedingt zu sprechen, daß 
Sein Lob erst recht zum Tadel wird, und daß 
Nichts mehr, nichts tiefer dich verletzt, als Lob 
Aus seinem Munde. Wilhelm Creizenach. 



7. Zu Clavigo und Dichtung und Wahrheit. 
Goethes Angabe in Wahrheit und Dichtung, daß er den 
Schluß des Clavigo einer englischen Ballade entlehnt habe, 
hat Düntzer im Jahre 1856 berichtigt (aus Herders Nachl. I 159), 
und seine Correctur hat allgemeine Giltigkeit erworben (z. B, 
Hempel XXII, 468). Ob Goethe sich aber dabei einfach in 
der Heimath der deutschen Ballade irrte, oder ob er wirklich 
eine englische Ballade im Sinne hatte, und wie diese sich 
dann in seiner Erinnerung vor die deutsche hat schieben 
können, diese Frage scheint wenig Interesse geweckt zu haben. 
Düntzer hat zwar in der Erläuterung des Untreuen Knaben 
auf Tickells Ballade Lucy and Collin (Percy III, 3, 17) gewiesen, 
aber seine Vermuthung ist weder bestritten noch aufgenommen 
worden. Kein Wunder, hat er doch nicht viel Einleuchtendes 
dafür beigebracht. Denn daß diese Ballade einen Anknüpfungs- 
punkt für den Untreuen Knaben (1774 oder 1775) geboten 
habe, ist unerwiesen, ja unwahrscheinlich. Und wenn auch, 



MiSCELLEN. 219 

was hat es mit der Clavigoscene zu schaffen, wenn eine 
sterbende Verlassene verordnet, daß man ihre Bahre »/'« dem 
Hochzeitszuge« des Treulosen trage, und dann dementsj^rechend 
geschieht V Dennoch halte ich DUntzers Vermuthung für richtig; 
von andrer Seite her bin ich auch zu derselben gekommen. 
Daß Goethe Tickells Ballade als frühe Jugenderinnerung 
in sich trug, ist zweifellos, im Almanach für die deutschen 
Musen 1774 steht sie als »Romanze nach dem Englischen« von 
Eschenburg übersetzt, und Herder gab sie in seinen Volks- 
liedern 1778 in neuer »simplicirter« Uebersetzung und bezeugt 
außerdem im Verzeichniß, daß sie »sonst« unter dem Titel 
Hannchen und Lukas erschienen sei. Die Scenerie bei Herder 
ist dieselbe wie bei Eschenburg : »man trug den Sarg, trug 
ihn an seiner Seit« (Herder), »Die Bahre trug man /// den 
Hochzeitszug« (Eschenburg) ; ein entschiedenes Bild, das aber 
von der Clavigoscene zu stark abweicht, um sich ihr unter- 
schieben zu können. Im Original aber steht »Then, bear my 
corse, ye comrades, bear, The bridegroom blithe to ?neet<.<i und 
»her corse was borne, The bridegroom blithe io meet.<.<. Wie, 
wenn durch das Original oder durch eine andere Ueber- 
setzung sich ein Bild von dem Vorgang in Goethe festgesetzt 
hätte, das seiner Clavigoscene verwandter war? Eine solche 
Uebersetzung besteht in der That. In Joh. Ch. Fr. Haugs 
»Richard und Mathilde« (nicht aufgenommen in die Gedichte 
1827) lauten die betreffenden Stellen: 

Tragt Freundinnen! Tragt die Todte nah 
Am Bräutigam vorbei. 
Am buntgeschmückten Heuchler mich. 
Im Leichentuche treu. 

Sie starb. Es schwankt ihr Todtenbild 
Am Bräutigam vorbei. 
Am buntgeschmückten Heuchler sie. 
Im Leichenkleide treu. 

Hier ist also die Vorstellung der plötzlichen Begegnung, 
die bei Eschenburg und Herder fehlt. Nun hat Zumsteeg 
diese Uebersetzung einer eindrucksvollen Composition unter- 
gelegt (Kleine Balladen und Lieder. Zweites Heft). Daß 
Zumsteegs Balladen Goethe vertraut waren, läßt sich aus 
einigen Stellen im Briefwechsel und den Annalen schließen; 
und daß sie in jener Zeit, zumal auf ein an Reichardt und 
Zelter gewöhntes Ohr, erschütternd und bleibend wirken 
mußten, scheint mir unzweifelhaft. E. F. Kossmann. 



220 MiSCELLEN. 

8. Goethe und Gries. 
Aus der Handschrift des Aufsatzes »Deutsche Sprache«, 
den Goethe im dritten Heft des ersten Bandes von »Kunst 
und Alterthum« veröffentlicht hat (\V. A. Bd. 41,' S. 109 — 117), 
habe ich seiner Zeit drei Verse mitgetheilt (Bd. 41,' S. 463), 
aus denen in geheimnißvoU orakelhaftem Ton die Weisheit 
orphischer Urworte zu reden schien : 

Wer will, nicht kann muß den Erfolg vermissen 
Und der nur kann der prüfend im Gewissen 
Vor allen Dingen forschet was er solle. 

Goethe selbst hat diese Zeilen, zwar mit Bleistift, aber mit 
den lateinischen Buchstaben sorgfältiger Reinschrift aufge- 
zeichnet. Das Fragmentarische, Abgebrochene verstärkte den 
Eindruck sibyllinischen Ursprungs. Die Form schien auf ein 
Sonett zu deuten, die graphische Verbindung mit der Abhand- 
lung »Deutsche Sprache« führte in das Jahr 18 17 — mehr 
aber war den drei Versen damals nicht abzugewinnen. Ich 
bin jetzt in der Lage, genauere Auskunft zu geben. 

In den beiden letzten Monaten des Jahres 181 7 be- 
schäftigte sich Goethe mit dem Buche Joseph Bossis über 
Leonardo da Vincis Abendmahl, angeregt durch die Durch- 
zeichnungen, die Bossi zum Zweck der Herstellung des Ori- 
ginals von den drei vorhandenen Copien gemacht und die 
der Großherzog Karl August auf seiner Reise nach Oberitalien 
181 7 erworben hatte. Die schwere Last, die dem Dichter 
eben damals mit der Neugestaltung der Jenaischen Bibliotheken 
aufgebürdet worden war, hielt ihn nicht ab, sich »zu seiner 
großen Erbauung . . . um Leonardo's Lebensgeschichte und 
den Inhalt seiner Schriften in der Nähe zu bekümmern« (an 
Meyer vom 24. Februar 181 8), und so ließ er sich am 19. De- 
cember 181 7 von seinem Sohne nicht nur »Leonard da Vinci, 
Tractat von der Mahlerey, italiänisches Original« nach Jena 
senden, sondern auch den »Trattato dell' arte della pittura, 
scoltura, et architettura, di Gio. Paolo Lomazzo milanese 
pittore. In MilanoM.D.LXXXV.« Schon für den 20. December 
verzeichnet das Tagebuch: »Lomazzo über die Malerey.« 
Hier, im zweiten Capitel des sechsten Buches, fand Goethe 
die Notiz, daß »il dotto« Leonardo auch der Dichtkunst ob- 
gelegen habe, und auf S. 282, 283 als Probe seiner »schwer 
aufzufindenden« Sonette eines, das seine Aufmerksamkeit in 
hohem Grade in Anspruch genommen haben muß : 

»Chi non puö quel che vuol, quel che puö voglia; 
Che quel che non si puö, folle e volere.« u. s. w. 

Daß er dieses Gedicht schon früher gekannt habe, daß ihm 
vielleicht auch die Uebersetzung schon vor Augen gekommen 



iMiSCELLEN. 221 

war, die Fr. L. Wilh. Meyer in der Göttinger »Poetischen 
Blumenlese aufs Jahr 1792« veröffentlicht hatte, ist nicht 
ausgeschlossen, jedenfalls wünschte er jetzt eine vollendete 
Uebertragung zu besitzen und wandte sich an den Mann, der 
schon lange als Verdeutscher romanischer Poesie bewährt war, 
an Johann Diederich Gries. Gries lebte damals in Jena; des 
Hörvermögens fast ganz beraubt, vermied er es zwar taktvoll, 
mit der lärmenden Gesellschaft eines Halbtauben Goethe be- 
schwerlich zu fallen, doch trafen beide hin und wieder im 
gastlichen Hause Frommanns zusammen, und durch Frommanns 
Vermittelung, den Goethe nach seinem Tagebuch am 23. De- 
cember besuchte, hat Gries wahrscheinlich die Aufforderung 
erhalten, Leonardos Sonett zu übersetzen. Es war nicht das 
erste Ansinnen dieser Art, das Goethe an ihn stellte. Anfang 
1814 schon war dem gewandten Interpreten Calderons und 
Tassos durch Knebel als Mittelsperson die Uebertragung des 
»Prete Ulivo« von Batacchi nahe gelegt worden, doch hatte 
er nach einigem Bedenken diese Aufgabe abgelehnt; jetzt 
bereitwilliger, schreibt er an Goethe : 

Ew. Excellenz Befehle zu erfüllen werde ich mir jeder- 
zeit angelegen seyn lassen. Jedoch, da ich eben jetzt 
von mancherlei Arbeiten bedrängt bin, wünschte ich in 
Ansehung der Zeit mir einige Freiheit vorbehalten zu 
dürfen. 

Ew. Excellenz 

gehorsamster 
V[on]. H[ause]. d. 23sten Decbr. 1817. J. D. Gries. 

Und so berichtet denn, nach Verlauf von drei Wochen» 
Goethes Tagebuch vom 13. Januar 1818 : »Gries Uebersetzung^ 
des Sonettes von Vinci.« Sie ist veröffentlicht in der »Urania. 
Taschenbuch auf das Jahr 1824« S. 213 (später auch auf 
S. 132 des zweiten Bändchens der 1829 in Stuttgart er- 
schienenen »Gedichte und poetischen Uebersetzungen«; siehe 
auch S. 265. 266) und hat folgenden Wortlaut: 

Sonett von Leonardo da Vinci. 

Kannst du dein Wollen nicht, dein Können wolle! 
Wer will, was er nicht kann, muß Klugheit missen; 
Doch dem, der nie zu wollen sich beflissen. 
Was er nicht kann, den Ruhm der Weisheit zolle I 

Denn das nur dient zur Freud' uns wie zum Grolle, 
Ob, oder nicht, wir können, wollen, wissen; 
Und der nur kann, der, prüfend sein Gewissen, 
Weiß, daß er allzeit, was er will, auch solle. 



222 MiSCELLEN. 

Nicht immer wollen darf der Mensch sein Können: 

Oft sah ich Süßes sich in Bittres wandeln; 

Ich weint' um was ich wollt', als ich's besessen. 

Drum laß, mein Leser, diesen Rath dir gönnen : 
Soll heilsam dir, werth Andern seyn dein Handeln, 
Mußt du dein Wollen nach dem Sollen messen. ' 

Auch in dieser seiner gedruckten Gestalt hat Goethe das 
Sonett sehr wahrscheinlich noch einmal gelesen: wenigstens 
über das in der »Urania« der Uebersetzung unmittelbar 
vorangehende Huldigungsgedicht für die Erbprinzessin Maria 
Paulowna »Nächtliche Wanderung. Am löten Febr. 1810.« 
fand am 30. Juni 1824 der Kanzler von Müller Goethes An- 
gehörige in heller Begeisterung. 

Die innige Verwandtschaft der drei Goethe'schen Verse 
mit dieser Uebersetzung springt in die Augen, es entspricht 
Goethes erster Vers dem zweiten bei Gries, der zweite und 
dritte bei Goethe dem siebenten und achten der Uebersetzung. 
Wörtliche Uebereinstimmung jedoch liegt nicht vor — woher 
die beachtenswerthen Abweichungen? Wir wissen nicht, ob 
die Fassung, die Goethe handschriftlich erhielt, identisch mit 
dem Wortlaut der »Urania« gewesen ist. Gries war, was 
Goethe an Wieland rühmt, ein »unermüdet zum Bessern 
arbeitender Schriftsteller«, er war es um so mehr, als seine 
Begabung nur eine formalistische war. Jene Verse von Goethes 
Hand könnten die damalige Gestalt seiner Arbeit darstellen. 
AVahrscheinlich aber sind sie mehr. Am anderen Tage, nach- 
dem Gries sein Sonett überbracht hat, notirt Goethe im Tage- 
buch : »Zu Griesens Sonett einige Worte.« Sind hiermit 
unsere drei Zeilen gemeint? Dann hätte Goethe sie in der 
Absicht niedergeschrieben, das Erzeugniß des literarischen 



^ Als im Jahre 1820 Gries vom Prorector der Jenaer Universität 
gebeten wurde, Goethes Geburtstag dichterisch zu verherrlichen, kam 
er dem Verlangen in einem Sonette nach, das so anhebt : 

»Wenn heilsam ist, nur, was man kann, zu wollen, 
Wie Leonardo's tiefe Wort' uns lehrten« u. s. w. 

Ueber dieses Geburtstagsgedicht, das in der Urania 1824 unmittelbar 
auf unser Sonett folgt, berichtet Gries an seinen Freund Rist ([Elisabeth 
Campe-Hoffmann] Aus dem Leben von Johann Diederich Gries. 1855. 
S. 128): «Der Anfang . . bezieht sich auf ein Sonett von dem alten 
Maler Leonardo da Vinci, das ich vor einigen Jahren auf Goethe's An- 
regung übersetzte.« — Uebrigens hat neuere Forschung das italienische 
Original dem Florentiner Antonio di Meglio zugewiesen. Die Ver- 
deutschungen desselben behandelt ein aus Reinhold Köhlers Nachlaß 
von Bolte zusammengestellter Aufsatz im dritten Bande von Köhlers 
»Kleineren Schriften« 1900. S. 180-18$. Auch Riemer hat sich an 
einer Uebersetzung versucht (Gedichte. 1826. Bd. i S. 322). 



MlSCELLEX. 223 

Gehulfen zu bessern. Daß er gelegentlich fremde Dichtungen 
mit kritischer Feder durcharbeitete, ist bekannt. In einem 
Aufsatz in Bd. XV dieses Jahrbuches: »Goethe als Corrector 
eines fremden Gedichts«, an den mich Bernhard Suphan er- 
innert, hat Redlich am Manuscripte einer Reimerei der Frei- 
frau Julie von Bechtolsheim die glättende, rundende Thätigkeit 
Goethes im Einzelnen aufgezeigt. Und vor Redlich hatte 
Düntzer im »Archiv für Litteraturgeschichte« Bd. 6 S. 398 — 415 
einen Fall erörtert, dem in unserem Zusammenhang besondere 
Bedeutung innewohnt, da auch hier das bearbeitete Objekt 
im ersten Entwurf von Gries stammt und auch hier als älterer 
Concurrent F. L. \V. Meyer auftritt: die Uebersetzung des vene- 
tianischen Gondolierliedchens »la Biondina«. Eine Besserung 
stellen die Verse Goethes der Gries'schen Fassung des Sonettes 
gegenüber freilich nicht dar. Haben die zweite und dritte 
Zeile an Fluß und Leichtigkeit gewonnen, so haben sie an 
Prägnanz verloren, und der ersten Zeile ist mit der Betonung 
des »Erfolges« nicht nur eine dem Original fremde Färbung 
verliehen, sie ist auch dichterisch unvollkommener und un- 
gelenker als der entsprechende Vers bei Gries. Ob die Un- 
zulänglichkeit dieses ersten Versuches den Dichter von weiterer 
Bemühung abgeschreckt habe, steht dahin. Max Hecker. 



p. An de?i Mond. 
In den Commentaren tritt nicht hervor, daß der Em- 
pfindungsgang des Gedichtes in erster Fassung unverständlich 
oder doch unverstanden ist. Was dem Dichter in dieser Be- 
ziehung zugemuthet worden ist, übersteigt das Glaubliche. 
Den Mondschein und den Gedanken an die Lassberg per- 
sonificirt Viehoff zu einer Lamie, die den Dichter »noch 
lange Zeit,« an den Fluß fesselt und ihn zu dem Gedanken 
führt, daß der selig sei, der, um sich nicht in solche Leiden- 
schaft zu verstricken, sich dem größeren Gesellschaftsleben 
ohne Haß entzieht und einen Mann am Busen hält — ach, 
die arme Christel wollte ja nichts anders! Nach Biedermann 
(Archiv f. Litg. XII, 462) reiht sich das Gedicht denen an, 
welche die zauberische Anziehungskraft des Wassers verklären, 
und wie in »Rettung« der Ruf eines holden Mädchens ihn 
vom Ertränken abzieht, so hier die Lockung der Freundschaft. 
Auch Henkel (G.-J. XVIII, 274) sieht in den Flußstrophen die 
»dämonisch fesselnde Gewalt des Wassers« dargestellt, während 
der Dichter doch gerade sagt, daß Mond und Auge ihn an 
den Fluß fesseln; aber er erkennt doch in diesen Strophen 
nicht den Mittelpunkt der Conception, sondern ein »unver- 
mitteltes« zweites Motiv. 



224 MiSCELLEN. 

In der That scheint mit der dritten Strophe ein schon 
geformtes Motiv den Strom des sich formenden Empfindungs- 
ganges zu unterbrechen, ihn einen Augenblick zu verstrudeln, 
bis mit Selig u. s. w. der ruhige Gang zurückkehrt. Aber 
nicht die dämonische Kraft des Wassers ist dieses neue Motiv, 
sondern die Homogenität des Flusses und des Menschen. Der 
Vergleichung beider lag schon Mahomets Gesang zu Grunde, 
völlig ausgelöst wurde der Gedanke im Oktober 1779 vor 
dem Staubbach bei Lauterbrunn im »Gesang der Geister über 
den Wassern«, in unser Gedicht spielt er m. E. hinein, ohne 
deutlichen Ausdruck gefunden zu haben : 

Das Mondlicht umfaßt mild Garten, Wiese und Fluß, 
die Formen und Farben lindernd, wie der Ruheblick der mond- 
scheinliebenden Geliebten das fluthende Leben der Seele ebben 
macht. Aus dem stillen Fluß kehrt des Mondes Licht wellen- 
athmend doppelt schöner her und fesselt zauberisch den Blick. 
(»Der Abglanz der Sterne des Himmels, der aus [dem Wasser] 
leuchtet, lockt uns« 19. Jan. 78.) Aus der Welle schaut also 
auch, dem Mondlicht wesensgleich, das Auge der Geliebten. 
Ihr feuchtverklärten Bilder, Mond und Auge \ haltet mich 
wie einen willenberaubten Geist im Hineinstarren gebannt. 
Da sehe ich im Flusse, der" so ganz ein Spiel der freund- 
lichen und feindlichen Naturkräfte ist, mein eigenes Bild. Die 
unfreie Disparatheit seiner Erscheinungsformen bei der inneren 
Einheit seines Wesens entspricht meinem Geschick, meiner 
Seele. Und wie der Fluß, der in mondloser Sturmnacht 
wüthend das Eis durchbricht und über die Ufer schäumt ^ 
in der Frühlingsherrlichkeit dagegen lustig um die Blumen 
sprudelt, jetzt in der Mondnacht leidenschaftslos dahinfließt, 
so ist auch mein jagendes, ruhelos sich verzehrendes Herz 
aus Lust und Leid beruhigt hier in der Stille bei Mond 
und Auge, fern von der lieb- und haßerfüllten Welt. Und 
selig wem dies Wasserschicksal zu theil wird, zu seinem 
»Mittelpunkt« zurückkehren zu können! — Ob dann in die 
Schlußwendungen Plessings Besuch (22. — 25. Feb. 78) hinein- 
spielt, bei dem diese Weltflucht eine freundlose, misanthropische 
war, oder ob nur des Dichters »reine Entfremdung von den 
Menschen« (12 Febr. 78) eine sympathetische Form durch 
Hereinziehung seines Karl (W. A. I, 394, Vers 4) gefunden 



' oder vielleicht: Ihr, Mond und Sterne des Himmels, im Wasser. 

* wenn leitet nicht eine Zeitbestimmung für das »gebannt halten« 
ein, denn es hat weder in dieser Stimmung noch überhaupt Sinn sich 
vorzustellen, daß der stille Mond auch im Sturm der öden Winternacht 
den Blick an den Fluß banne, es ist vielmehr explicativ, fast relativ, 
etwa wie er, insofern er. 

3 oder, wenn man an dem Bezug auf den Selbstmord festhalten 
will, »der vor Kurzem die Leiche mit sich riß«. 



MiSCELLEM. 225 

hat, bleibe dahingestellt. Ist es nicht wie ein Vorklang größerer 
Harmonien: Unter Dianens Schutz, der reine ruhesi)endende 
Iphigenienblick Lilas, und der männliche Freund, die den 
Umhergetriebenen retten und losen? 

Zur Datirung und Beziehung nur dies: Entweder das 
Blatt, welches Gedicht und Composition enthält, liegt im Brief- 
wechsel richtig (19. Jan. 78; W. A. I, 393 steht irrig 19. Febr.), 
dann ist die Beziehung auf den Selbstmord unmöglich, denn 
selbst wenn man eine so schnelle Tonsetzung und Abschrift 
glauben wollte, so widerspricht doch die Grundstimmung des 
Gedichtes durchaus, und der Selbstmord würde heftiger im 
Gesichtsfeld stehen. Die Lage des Blattes bei den die Christel 
betreffenden Briefen hätte dann später jenen Bezug des un- 
verstandenen Verses veranlaßt, den wir aus Fritz Steins Notiz 
als Familientradition kennen lernen. Das Gedicht könnte 
dann mit den Nachtgesprächen mit dem Herzog zusammen- 
hängen, die das Tagebuch Anfang Januar erwähnt. Oder aber 
das Blatt ist später unter Wirkung der Familientradition an 
diese Stelle gelegt worden, dann ist die Datirung und der 
Bezug freigegeben. Bielschowsky hat (Z. f. d. A. 42 Anz. 80 
Anm.) manches angeführt, das für die Entstehung im Februar 78 
spricht, doch ist der Beweis ferne von erbracht. Auch im 
März u. ö. ist die Rede von y>stockenden verschlossenen Tagen«, 
die also ihre Lösung finden konnten. Den Bezug auf den 
Selbstmord möchte ich aber auch dann für eine nachträgliche 
Auslegung der Frau v. Stein halten, weil ich den Wortlaut 
des Gedichtes nicht damit vereinen kann (Fr. Jelineks Abhand- 
lung, die auch von diesem Bezug absieht, kenne ich leider 
nur aus der Erwähnung G.-J. X, 313). 

In der Umarbeitung ist der Empfindungsgang ein völlig 
anderer geworden : Die Lösung der stockenden Seelenstimmung 
führt jetzt die Erinnerung, in ästhetischer Milderung als Weh- 
muth, herauf. Das wehmütige »Vorbei« zieht ein neues Reale 
der Situation, den Fluß, ins Bereich der Stimmung. Sein Vor- 
Ubereilen, seine Verschiedenartigkeit sind als tertia compa- 
rationis genommen, aber die Aufforderung an ihn, in all 
seinen Stimmungen dem Dichter Muse zu sein, ist rein 
poetische Form ohne motivischen Zusammenhang ; die beiden 
letzten Strophen greifen deshalb unvermittelt auf die erste 
Stimmung zurück. Daß diese Fassung nicht Bezug auf Frau 
V. Stein hat, hätte nicht des Beweises bedürfen sollen; schon 
Biedermann (Arch. f. Litg. XII, 461) und Henkel (G.-J. XVIII, 
274) haben darin eine unerlebte Objectivirung des subjectiven 
Gedichtes anerkannt, und ich erinnere nur, daß das »Zusammen- 
schreiben der Gedichte« für den Druck (12. Aug. 88; hss. H'H-*) 
Goethe auch sonst Anlaß bot, fremde psychologische Subjecte 
in seine poetische Lebensbeichte zu bringen, so die als »Erster 

Goetue-Jahreuch XXV. 15 



226 MiSCELLEX. 

Verlust« bezeichnete Umarbeitung des Liedchens aus den 
Ungleichen Hausgenossen (W. A. I, 380, XII, 403), und wer 
weiß, ob nicht auch die undeutbaren »An die Entfernte« 
(W. A. I, 60) und »Nähe« (W. A. II, 109)' so beurtheilt werden 
müssen. E. F. Kossmann, 



10. -»Und ich geh' vieineii alten Gang^. 
(W. A. IV, 210, Briefe III 167.) 

Wie Koegel (Goethes lyrische Dichtungen der ersten 
Weimarischen Jahre No. 24) sagen konnte, daß Goethes Verse 
nicht in Zusammenhang mit den vorhergehenden Versen des 
Herzogs stehen, begreif ich nicht. In jeder Wendung beziehen 
sie sich auf dieselben, die adversativkopulative Anknüpfung 
»Und ich« deutet's schon äußerlich an. 

Der Herzog schläft und träumt seine Existenz, er badet 
sich nach der Tagesarbeit göttlich in seinem Selbst, die Geister 
der Wesen durchschweben ihn und geben ihm dumpfes doch 
süßes Geleit: das ist »der Herr, der in Liebes Dumpfheit 
und Kraft hinlebt und sich durch seltnes Wesen webt;« 
Goethe dagegen lebt sein Leben wie immer wachend in seinen 
lieben Realien, »seine liebe Wiese entlang«, vom Sonnenlicht 
begleitet und gekräftigt, und nach der Tagesarbeit vom Mond 
beruhigt und gereinigt. Der dumpfen Kraft der Liebe, die 
im Herzog waltet, setzt er die klare Kraft der Liebe, die er 
der Geliebten verdankt, entgegen; und während der Herzog 
den glücklich preist der »anderer Existenz nicht gewahr wird« 
thut ihm des Herrn Nachbarschaft wohl. Ob, wenn diese 
Erklärung richtig ist, die Verse die Einlage des Briefes vom 
II. Aug. 77 gewesen sein können, wie Düntzer (Goethes 
Liebesbriefe an Frau v. Stein No. 158) annimmt, möchte ich 
nicht geradezu verneinen. E. F. Kossmann. 



II. Ergo bibamus. 

Gedichte I, 144. 

Dieser Refrain erhält Licht aus Goethes Farbenlehre 

(Weimarer Ausg. 2. Abth. II, 192, 208, 242), wo er als 

Lieblingssatz Basedows eine seltsame Wendung erhält. »Es 

fällt uns bei dieser Gelegenheit ein, daß Basedow, der ein 



' Der Ton des Gedichtes »An die Entfernte« erlaubt nicht, es 
auf Frau v. Stein zu beziehen wie Loeper (G.-Ged. * I, 294) will, und 
es wegen des Ausdrucks »O Schöne« mit Scherer (G.-J. IV, 55) in die 
Frühzeit zu setzen, befriedigt nicht. »Die Nähe« bezieht Düntzer auf 
Christiane, dem widerspricht aber der »Schwärm der vielen Menschen«, 
Loeper denkt an Frau v. Stein, das ist aber wegen des Schlusses aus- 
geschlossen. 



MiSCELLEN. 227 

Starker Trinker war und in seinen besten Jahren in guter 
Gesellschaft einen sehr erfreulichen Humor zeigte, stets zu 
behaupten pflegte: die Conclusion ergo bibamus passe zu 
allen Prämissen. Es ist schön Wetter, ergo bibamus! Es ist 
ein häßlicher Tag, ergo bibamus! Wir sind unter Freunden, 
ergo bibamus! Es sind fatale Bursche -in der Gesellschaft, 
ergo bibamus! So setzt auch Newton sein ergo zu den ver- 
schiedensten Prämissen.« Und dann wendet Goethe »das 
Basedowsche ergo bibamus« wiederholt auf Newtons Schluß- 
folgerung an, die nach Goethes Urtheil zu seinen Prämissen 
in einem ebenso fragwürdigen Verhältniß steht. Wenn es 
nun auch nach dieser Stelle der Farbenlehre sicher ist, daß 
Goethe sein »ergo bibamus« — wohl auf der denkwürdigen 
Lahn- und Rheinreise von Basedow gelernt hat, — so hat 
doch die Formel ihre weitere Geschichte. Basedow wird sie 
wohl aus dem studentischen Hospiz übernommen haben, denn 
schon im 17. Jahrhundert (1664) lernen wir es in einer Art 
Studentencomment kennen in der Schrift: »Philosophia 
Salustiana« von Janeser Potorianus, hinter welchem Pseudonym 
sich der bekannte Prätorius verbirgt. Unter Bl. H. 12 auf- 
geführten Regulae Bursales finden wir den Satz: »Qui bene 
bibit, bene dormit, qui bene dormit non peccat, qui non 
peccat est beatus. Ergo ut fiamus beati bibamus.« Wir 
haben es hier offenbar zu thun mit einem schulmäßigen 
Beispiel für Trugschlüsse. So findet sich 1597 in des Gochenius 
»Ratio solvendi vitiosas argumentationes«, S. 21. »Qui bene 
bibit, bene dormit. Qui bene dormit non peccat. Qui non 
peccat erit beatus. Ergo qui bene bibit, erit beatus.« Die 
Anwendung des ergo bibamus auf den Newtonschen Trug- 
schluß wie auch der Liedrefrain, der als Trugschluß hier seine 
Erklärung findet, weisen also über Basedow hinaus in die 
ältere Logik. F. Kluge. 



12, Zu Hertnann und Dorothea. 
Wie hoch Goethe den »herrlichen Justus Moser« geschätzt 
hat, wissen wir aus dem 13. Buche der Selbstbiographie. 
Mosers »Patriotische Phantasien«, deren erste Sammlung seine 
Tochter eben 1774 veranstaltet hatte, boten willkommenen 
Unterhaltungsstoff, als Goethe im Dezember d. J. den Wei- 
marischen Prinzen seine erste Aufwartung machte. Goethe 
trägt, wie er bald darauf an Mosers Tochter meldet, die 
»Phantasien« »mit sich herum — und hunderterlei Wünsche, 
Hoffnungen, Entwürfe entfalten sich in meiner Seele«. Dieses 
Buch hat weit energischer, als das Drängen des Vaters, den 
jungen Goethe von Phantasien im Geiste Werthers zu der 
ernsten Lebensführung, zu der praktischen Lebensanschauung 

15' 



228 MiSCELLEM. 

des folgenden Jahrzehnts geleitet. Daraufhin wagt er es, zu 
probiren, wie ihm »die Weltrolle zu Gesicht stünde;« die 
volkswirthschaftliche Weisheit der »Phantasien« ist der ge- 
meinsame Boden im Verkehr mit seinem fürstlichen Freunde. 
Beide bewundern die »gründliche Einsicht in die besondersten 
Verhältnisse« an dem Lehrburch des »Patriarchen« und be- 
nutzen sie. Fast sieben Jahre nach jener ersten Unterhaltung, 
am 20. Juni 1781 berichtet Goethe an Frau von Stein: »Es 
wird im Moser gelesen«. Diesmal lasen Goethe und der 
Herzog Mosers »Schreiben über die deutsche Sprache«, die 
eben erschienene mannhafte Entgegnung auf Friedrichs II. 
»De la literature Allemande.« Goethe dankt dem Verfasser 
unter der Adresse der Tochter und schickt seine Silhouette, 
später seine Büste. 

Durch Moser also gewinnt Goethe das Interesse, ja die 
Vorliebe für Beobachtung wirthschaftlicher Verhältnisse, für 
sorgsame Lösung dringender Verwaltungsfragen, denn er war 
von der praktischen Verwendbarkeit dieser durchaus reellen, 
fast hausbackenen Phantasien überzeugt und hat sie nach 
Möglichkeit verwirklicht. Viele der Vorzüge, welche man 
an Goethes Antheil an der Verwaltung von Weimar -Eisenach 
vor der italienischen Reise rühmt, lassen sich auf Mosers 
Rechnung setzen. 

In Weimar traten daher auch alle die Vortheile zu Tage, 
welche Moser in einem patriarchalisch regirten deutschen 
Kleinstaate voraussetzt. Während man in den siebziger und 
achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts über Fürstenfreundschaft, 
Fürstenerziehung, Fürstenpflichten mehr oder weniger acade- 
mische Betrachtungen in Dramen und Romanen anstellte, 
verkündigte Moser praktische Ideen auf conservativem Grunde, 
welche in Weimar jedenfalls glänzend in Erfüllung gegangen 
sind. 

Goethe war durch seinen Entschluß, in des Herzogs 
Dienste zu treten, auf das praktische Bedürfniß des Landes 
hingewiesen, daher erweiterte sich von Jahr zu Jahr sein Blick 
für das wirthschaftliche Leben im Großen und Kleinen. Auf 
Reisen orientirt er sich über die Lage der Landestheile, über 
die Beschaffenheit der Zustände, über die Wünsche der Be- 
wohner; er achtet auf jede Spur ersprießlicher Regsamkeit 
und sucht den Unternehmungsgeist in zweckmäßige Bahnen 
zu leiten, die Betriebsamkeit, den Ordnungssinn zu fördern 
und zu belohnen. 

So gewöhnt er sich auf späteren Reisen die thatsächlichen 
Zustände der jeweiligen Umgebung zu beachten, zu prüfen 
und sie zu verzeichnen. Notizen über Bodenbeschaffenheit, 
Beschäftigung der Bewohner, Armuth oder Wohlstand und 
deren Folgen, minderwerthige oder behagliche Wohnstätten, 



MlSCELLEN. 229 

auffallende Trachten und Sitten finden sich zahlreich in seinen 
Tagebüchern niedergeschrieben und in den ausgearbeiteten 
Reiseberichten verwerthet. 

Eine derartige Beobachtung finden wir in dem kurzen 
Tagebuch vom Jahre 1795. tJoethe war auf der Reise nach 
Karlsbad begriffen und durchkreuzte die Straße, auf welcher 
die Salzburger Emigranten einst nach Norden gezogen waren. 
Seine Gedanken mochten bei diesen Fremdlingen gern ver- 
weilen ; denn er hatte bereits das »Sujet, wie man es in 
seinem Leben vielleicht nicht zweimal findet«, den Stoff von 
Hermann und Dorothea, seit mehr als einem halben Jahre ins 
Auge gefaßt, — da führte ihn die Reise gleich am ersten 
Tage in ein Städtchen, wie er es brauchte, auf den Schau- 
platz eines bürgerlichen Kleinlebens, welches ihm zusagte. 

Das Tagebuch von 1795, ^^^ ^^^^ ^"^ *^^^ Hinreise nach 
Karlsbad beschränkt, enthält die Notiz (W. A. III, 2, p. 34): 
»d. 2. Juli 1795. ^^o^ Jena. Mittag in Pössneck. Das 
Städtchen scheint einen guten Stadtrath zu haben, es ist eine 
Chaussee angelegt, — sie denken auch das offene Wasser in 
der Stadt zu überwölben; überhaupt ist es ein nahrhaftes 
Städtchen, in welchem sich viel Tuchfabriken befinden, auch 
sind Gerber daselbst. — Ein Fabrikant — baut außerhalb 
der Stadt — ein großes Gebäude<f. 

Wem fielen nicht bei dieser Schilderung des Meininger 
Städtchens die Worte der Dichtung ein (III, 13 ff.): 

Wie man, das Städtchen betretend, die Obrigkeiten beurtheilt. 

. . . und schon ist der neue Chausseebau 
Fest beschlossen, der uns mit der großen Straße verbindet. 

. . . Die wasserreichen, verdeckten, 
Wohlvertheilten Kanäle — 

Ferner I, 58 : 

Mancher Fabriken befliß man sich da und manches Gewerbes. 

und I, 54: 

der begüterte Nachbar 
An sein erneuertes Haus, der erste Kaufmann des Ortes. 

Wenn nun Goethe selbst bekennt, er habe »das rein 
Menschliche der Existenz einer kleinen deutschen Stadt in 
dem epischen Tiegel von seinen Schlacken abzuscheiden ge- 
sucht«, so waren hier schon in der Aufzeichnung die Schlacken 
so gut wie abgeschieden — Goethe konnte den gewonnenen 
Stoff fast wörtlich in sein Gedicht übertragen, sobald er eine 
derartige Localschilderung nöthig hatte. 

Aber nicht nur die im Tagebuch angemerkten Charakter- 
züge des »nahrhaften Städtchens« hat Goethe benutzt. Offen- 



230 MiSCELLEN. 

bar hatte er sich voller Interesse nach allerhand Zuständen 
und Personen erkundigt, wie es seine Art war; so konnte er 
noch manchen anderen Eindruck davontragen, den Auge und 
Ohr empfangen hatten. In Pößneck gab es ' mindestens seit 
1729 einen Gasthof zum goldenen Löwen ; ^ »ob sich derselbe 
einst am Markte befand, ist fraglich, denn letzterer liegt etwas 
abseits von den eigentlichen Verkehrsstraßen Pößnecks.« Auch 
hatte der Ort »ehedem seine Weinberge, die gleich jenseits 
des Baches, der an Pößneck vorbeifließt, sich erhoben.« End- 
lich wird sich wohl auch die Ansicht V. Hehns (Gedanken 
über Goethe p. 34), daß der Pfarrer im Epos Protestant ist, 
wie Herder, bestätigen; denn im Jahre 1794 war in Pößneck 
Christian Gottlob Hülle seinem emeritirten Vater im Pfarr- 
amte gefolgt, — »ein Jüngling näher dem Manne.« 

Natürlich hat der Dichter außer diesen nachweisbaren 
oder wahrscheinlichen Reminiscenzen auch viele andere Einzel- 
heiten benutzt, welche ihm im Laufe der Zeit anderswo auf- 
gefallen waren. Meint doch Schiller noch am 31. October 
1796, als Goethe sich auf einige Zeit nach Ilmenau zurück- 
zieht: »Wenigstens werden Sie dort das Städtchen Ihres 
Hermann finden, und einen Apotheker oder ein grünes Haus 
mit Stuckaturarbeit giebt es dort wohl auch.« Auch war 
Goethe, da er den historischen Hintergrund in den August 1796 
rückte, genöthigt, den Schauplatz viel weiter nach Westen 
gegen den Rhein hin zu verlegen. 

Daß Schiller von Pößneck nichts gewußt hat, erscheint 
selbstverständlich. Goethe wehrte sich bekanntlich gegen 
Nachfragen dieser Art und beklagte sich darüber. Doch sieht 
Varnhagen ganz richtig (an Goethe 7. November 1823) : »Ein 
bestimmter Ort, eine bestimmte Gegend — hat, wenn auch 
nur durch einige glückliche Punkte, die Grundlinien der ganzen 
Schilderung geliefert.« Nur sucht er in begreiflichem Irrthum 
diese Punkte am Oberrhein. Goethe aber hat sich der Nach- 
welt im Tagebuche verrathen. Jedenfalls hat die Bemerkung 
in der Jubiläumsausgabe von Goethes Werken (6. p. 270): es 
sei »noch nicht gelungen, das Urbild des Städtchens, in dem 
Hermann aufgewachsen ist, zu entdecken«, nicht mehr ihre 
volle Berechtigung. 



' Die obigen Angaben verdanke ich der gütigen Mittheilung eines 
Herrn, der, aus Pößneck gebürtig, sich mit der Geschichte seiner 
Vaterstadt eingehend beschäftigt hat. 

' Daß Goethe in demselben einzukehren pflegte, dem »wohl- 
eingerichteten Gasthofe«, lehrt das Tagebuch vom 7, August 1806; 
auch noch am 26. Juli 1823 weilt Goethe daselbst. (W. A. 3, p. 156, 8, 
p. 82). Vgl. auch W. A. 3, p. 334. Tagebuch vom 12. Mai 1808. — 
Goethe kannte Ort und Gasthof wohl scnon von früheren Reisen her, 
z. B. 1786. 



MiSCELLEN. 231 

Nicht nur auf Goethes volkswirthschaftliches Interesse 
und aufmerksame Beobachtungsweise von Land und Leuten 
hat Moser eingewirkt; auch direkte Nachklänge der »Phan- 
tasien« scheinen im Epos vernehmbar. Moser sagt (I, p. 124): 
»Der sicherste Weg ist, beides, Ackerbau und Handel, zugleich 
zu befördern und einem durch den andern zu helfen. — 
Gewerbe und Handel sind flüchtige Güter — wie viel dauer- 
hafter ist dagegen ein Staat, dessen Wohl sich auf den Acker- 
bau gründet.« Dieser Grundsatz stimmt zu der Ansicht des 
Pfarrers im Gedicht (V, 15 ff.), namentlich zu den Schlußversen: 

Heil dem Bürger des kleinen 
Städtchens, welches ländlich Gewerb mit Bürgergewerb 

paart ! 

Goethe war mit Mosers Ideen vertraut genug, daß ihm 
solche echt Mösersche Maximen geläufig sein mußten. Ebenso 
die Auffassung von der Aufgabe der Frau, welche Dorothea 
im Hinblick auf ihre künftige Stellung im Hause wohl auch 
in ihrer stillen Hoffnung äußert (VII, 114 ff.), sie klingt gar 
sehr an Moser an (vgl. I, p. 17 ff. p. 23 ff. p. 29 ff.); und die- 
selbe conservative Gesinnung sprach auch schon aus Goethes 
zweiter Epistel, in welcher der Dichter ein launiges Bild von 
der häuslichen Beschäftigung der Töchter entwirft, als wäre 
es nach Mosers Vorschlägen zu einer Mustererziehung an- 
gefertigt. 



Goethes Abneigung gegen Betheiligung an der Politik 
ist bekannt; selbst in der Zeit seiner Ministerstellung vor der 
italienischen Reise weist er alle Verantwortung für diplo- 
matische Entschließungen möglichst von sich. Wenn aber 
einmal die Umstände ihn in die Lage versetzten, sich über 
politische Grundsätze äußern zu müssen, hat er einen klaren 
Blick für die Gegenwart, einen weitsichtigen, man möchte 
sagen prophetischen für die nähere oder entferntere Zukunft. 
An drei hervorragenden Fällen möchte ich zeigen, wie Goethe, 
wenn es darauf ankam, das Richtige getroffen hat. 

Da ist erstens das bedeutende Wort, das er nach der 
Kanonade von Valmy gesprochen haben will ; selbst wenn 
der Wortlaut vielleicht auch nicht sein Eigenthum ist (vgl. 
A. Dove in der Jubiläumsausgabe 28, p. 278), eine ent- 
sprechende Aeußerung hat er sicher damals gethan, denn er 
sah »die fürchterliche Bewegung« unaufhaltsam hereinbrechen. 

Ferner nach der Schlacht bei Jena; Goethe erhielt in 
jenen Unglückstagen von Hirt die Nachricht, daß er zum 
Mitglied der Berliner Academie der Wissenschaften ernannt 
sei; in seinem Dankbrief an Hirt vom 6. November 1806 



232 MiSCELLEN. 

Stehen die charakteristischen Worte: »Lassen Sie uns in 
diesen kritischen Momenten treu, wie immer, zusammenhalten 
und wo möglich noch eifriger wirken. Was acht ist, muß sich 
eben in einem solchen Läuter-Feuer bewähren.« So lautet 
das Losungswort, das Programm aller damaligen Patrioten. 
Früher aber als Goethe hat kaum Jemand diese entscheidende 
Parole ausgegeben. Auch hat er seinen Vorsatz in Thaten 
umzusetzen verstanden ; man lese nur die schöne Würdigung 
seines festen Standes, seiner unermüdlichen Thätigkeit nach 
der Katastrophe, welche Jul. Wähle ihm gewidmet hat (Briefe 
an Frau v. Stein 11, p. 382, nebst der dazugehörigen ersten 
Anmerkung). 

Als dann endlich 1813 in Erfüllung ging, was Goethe 
1797 voraus verkündet hatte, war ihm selbst freilich die 
Zuversicht geschwunden. Er hatte eben den Aufruf zu früh 
erlassen — er war so lange Jahre hindurch nicht beachtet 
worden : ich meine die prophetischen Schlußzeilen von Her- 
mann und Dorothea. 

So viel auch über dieses Epos und seinen patriotischen 
Geist geschrieben ist — die Weissagung, welche die Schlußworte 
Hermanns enthalten, ist nur einmal in ihrer vollen Bedeutung 
erkannt und gewürdigt worden: von Charlotte von Stein. 

Goethe hatte eingewilligt, daß Hermann und Dorothea 
als zeitgemäße Erscheinung von Cotta neu herausgegeben 
würde. Er vertheilt Exemplare der Dichtung nach allen 
Seiten als Opfer, der Zeitstimmung dargebracht. So über- 
reicht er die »kleine Gabe« auch der Freundin am 15. März 
18 14. Zugleich übersendet er ihr auch die Jenaische All- 
gemeine Literaturzeitung vom 14. März d. J., welche eine 
unumwundene Lobpreisung der patriotischen Bedeutung des 
Epos enthält. Frau von Stein dankt am selben Tage für das 
»appetitliche Stückelchen«, am 18. März aber schreibt sie, 
wahrscheinlich unter dem Eindruck der eben gelesenen 
Recension: 

»Es ist mir recht aufgefallen, daß Ihr Hermann schon 
vor 16 Jahren sagt, die Macht sollte gegen die Macht 
aufstehen, und erst jetzt gehen dem Geschlecht die 
Augen auf!« 

Als dann Goethe im April 18 14 auch ihrem Kochberger 
Sohn ein Exemplar der neuen Einzelausgabe zugeschickt hat, 
beauftragt der Sohn seine Mutter, Goethe seinen Dank aus- 
zusprechen. Wie ein Echo der Worte seiner Mutter klingt 
der Satz (Briefe an Frau v. Stein II, p. 443): »Das Geschenk 
macht uns unser Glaubensbekenntniß um so lieber, er sei 
unser Freund und unser Prophet.« F. Sintenis. 



MiSCF.LLEN. 2^3 

ij. E/iglische Uchcrsctziitig des Erlkönig. 
John Greenleaf Whithier, 17. Dez. 1807 bis 7. Sept. 1892, 
der Sohn eines armen Farmers, besuchte erst in seinem 20. 
Jahre die Howerhill Academy. Er war 1828/29 Redakteur 
dts jFne Mafiufacturer, von 1830 a.n der Essex Gazette. 1836 
wurde er Sekretär der Anti Slavery Society und redigirte 
1838 — 39 deren Organ: The Pennsylvania Freetnan. Er trägt 
den Namen des »Quäkerdichters« und erfreut sich bei seinen 
Landsleuten großer Werthschätzung. Die nachfolgende un- 
gedruckte Uebersetzung, die vor vielen Jahren gemacht ist, 
wurde mir aus dem Original von Herrn William A. Speck 
in Haverstraw N.Y. mitgetheilt. Ludwig Geiger. 

The Erl-King. 
(Goethe.) 



Who rides so late through the night-wind wild? 

It is a father with his child. 

He has him well in his circling arm; 

He holds him safe, he holds him warm. 



»My son! why hid'st thou thy face in fear?« 
»See'st thou not father, the Erl-King near? 
The Erl-King is here with crown and train,« 
»My son! 'tis a fog-wreath on the piain.« 

3- 
»My dearest child come go with me, 
Many fine games I'll play with thee, 
Many-hued flowers on the Strand unfold, 
And my mother has many fine robes of gold.« 

4- 

»My father! my father! dost thou not hear 
What the Erl-King promises low in my ear?« 
»Be quiet, rest quiet my child« he said 
»Tis the wind that sounds in the leaves so dead.« 

5- 
Thou beautiful child, wilt thou go with me? 
My fair young daughters shall wait on thee, 
My daughters nightly their sport shall bring 
And rock thee softly and dance and sing.« 



234 MiS GELLEN. 

6. 

»My father! my father! dost thou not trace 
ir\ The Erl-King's daughters in yoti drear place?« 

»My son, my son! I see it there — — 
'Tis the shade of the willow so old and bare.« 

7- 
»I love thee — thy fair face charms me so, 
If thou art not willing by force thou must go.« 
»My father! my father! I feel his arm, 
The Erl-King has done me a grievous härm.« 

8. 

The father shudders: he rides on wild! 
He holds in his arms the moaning child. 
He reaches his home with trouble and dread, 
But the child he holds in his arms is dead! 



14. Verse vo?i Frau Carlyle^ u?iter Goethes Gedichten 
an Personen. 
In der Weimarer Ausgabe (5 I 78, 1893) findet sich, 
Goethe unbedingt zugeschrieben, folgendes englische Gedicht : 

»To the Poet 
In Return 
Gift for Gift 

For th' Heaven-gifted still an earthly Gift have I! 
Some kingly robe belike, some jewel priceless-fair. 
A Gift no king's or Croesus' yellow heaps could buy: 
True love from Woman's heart, this dress^ (sie) of Woman's 

hair. ^v. 



^ Doch ist ihr Neffe Alexander Carlyle Esq. in Edinburgh (nach 
einem Privatbrief an mich) der Meinung, daß sie überhaupt nie gedichtet 
hat, sondern lediglich Gedichte von ihrem Manne oder ihrer Mutter 
einfach abschrieb. Jedenfalls sind die Verse an Ottilie (Corresp. 157 
übers, in Briefw. 77) nach ihrem eigenen Zeugniß (bei Froude II 103) 
nur angeblich von ihr selbst verfaßt. 

* = Kleid, Schreibfehler für Tress-Locke. Vergl. unten. 

3 Die Lesarten dazu sind noch nicht erschienen. Der oft bewiesenen 
Güte des Herrn Directors des Goethe- und Schiller-Archivs verdanke ich 
die folgende genaue Beschreibung der Goetheschen Handschrift: »Die 4 
Zeilen stehen auf einem Qjuartblatt in der Quere geschrieben, von 
Goethes eigener Hand mit Tinte, während die Ueberschrift dreizeilig 
von Goethe mit Blei geschrieben ist und unter In Return ein langer 
Strich, sowie unter dem Ganzen mit Tinte der bekannte Goethesche 
Schlußschnörkel • steht.« 



MiSCELLEN. 235 

Offenbar beziehen sich diese Verse auf Frau Carlyles 
Haarlocke, die sie am 22. Dez. 1829 (Briefw. S. 204) als 
»love token« an Goethe sandte mit der dringenden Bitte um 
eine Locke von Goethes Haar »in return«. G. bewahrte die 
»unschätzbare Locke . . . heilig in der ihrer würdigen Brief- 
tasche« [von ihrer Hand], wo nur das Liebenswürdigste ihr 
zugesellt wurde, aber leider fand er die verlangte Erwiderung 
de facto »unmöglich«, da auf seinem Schädel statt Locken 
nur noch »Stoppeln« übrig blieben, und umsonst sann er auf 
irgend ein Surrogat.^ 

Noch heute ist jene sehr schöne Locke von dem raben- 
schwarzen Haare der Frau Carlyle im Goethe-Hause vor- 
handen', und zwar auf einem großen Blatt Papier befestigt, 
auf ihm von außen die Adresse »For the Poet«, und unter 
der Locke selbst die Zeilen : 

»For the Heavenly-gifted still an earthly Gift have I! 
Some kingly robe, belike? Some jewel priceless-fair ? 
A Gift no king's or Croesus's yellow heaps could buy: 
True love from Woman's heart, this Tress of Woman's hair! 

Craigenputtock 
15 December 1829 Jane W. B. Carlyle.«* 

G. hat also die Verse einfach abgeschrieben, aber jene 
oben wiedergegebene neu hinzugekommene Ueberschrift zeigt 
ohne Zweifel, daß er es that mit der Absicht zu erwidern: 
vielleicht am 5. Jan. 1830, nach Empfang von C's. Brief vom 
23. Mai, worin er von der eifrigen Beschäftigung seiner Gattin 
mit G's. Werken berichtet, worauf G. im Tagebuch^ notirt 
»Manches wegen Carlyle bedenkend.« Eine solche Absicht 
zu erwidern ist aber bekanntlich niemals ausgeführt worden.^ 
Julius Wähle macht mich freundlichst besonders darauf auf- 
merksam, daß G's. Abschrift unter den Papieren zu Ottilies 
Zeitschrift »Chaos« gefunden worden ist, und daß G. mög- 
licherweise an eine Veröffentlichunsf daselbst gedacht haben 



I Vergl. auch Rul.ind im G. -J. 9, 241 f. und meine Bemerkung 
G.-J. 24, 18. 

* Briefe vom 13. April und 7, Juni 1850 (Briefw. 90 f. und 105) 
und vergl. Ruland im G.-J. 23, 38. 

3 Vergl. Ruland im G.-J. 23, 38. 

* Ausgestellt im zweiten Majolika- Zimmer. — Auch bei dieser 
Besichtigung verpflichtete mich Herr Geh. Hofrath Dr. Ruland durch 
sein mir jederzeit bewiesenes freundliches Entgegenkommen. 

5 Im Tageb. 1830 wird C. zuerst am 24. März erwähnt, aber oft 
darnach bis zum 23. April: auch am 16. Mai und 5 — 7. Juni. Zu be- 
merken ist, daß in G's. Einleitung zur Uebersetzung von C's. »Leben 
Schillers« (S. XXIII f. = Hempel 29, 79) der zweite Absatz nach der 
oben citirten Stelle aus C's. Brief vom 22. Dec. 1829 übersetzt ist. 

6 Doch vergl. Briefw. 232 [128], 234 und 145. 



236 MiSCELLEX. 

kann. Ich habe aber verschiedene Exemplare des »Chaos« 
umsonst sorgfältig durchgesehen, und hätte jenen Fundort 
der Abschrift für nicht unbedingt maßgebend gehalten, wenn 
ich nicht dabei zwei Beiträge von Carlyle entdeckt hätte. 
Es sind eine Uebersetzung (unterzeichnet »I. C. Edinburgh, 
1823«) von Fausts Fluch ' (V. 1583 — 1606) in No. 30^ S. 120, 
und das Gedicht »Tragedy of the Night-Moth« (unterzeichnet 
»Edinb. i8i3[i823] I. C.«)' in No. 32'» S. 126 f., deren Druck 
im »Chaos« 5 bisher unbeachtet geblieben ist. Es sei übrigens 
daran erinnert, daß G's Verse »An die fünfzehn Freunde in 
England« (No. 4, 303), wovon er Abschriften an Carlyle und 
Fräser sandte (Briefw. 158), im »Chaos« II. Jahrg. No. 6 (1831) 
zuerst erschienen sind. 

Zum Schluß sei bemerkt, daß von den beiden früher G. 
zugeschriebenen Uebersetzungen (Hempel 5, 23of.) der Zahmen 
Xenie »Liegt dir Gestern klar und offen« (W. 3, 312)^, die 
französische von einem gewissen Maucroux herrührt, wie 
V. Loeper selbst gezeigt hat (G.-J. 11, 141 f.), während die 
englische von Carlyle ist. Sie steht am Anfang seines Aufsatzes 
»Signs of the Times« in Edinb. Rev. June 1829 S. 439.'^ 
Eine anonyme englische Uebersetzung erschien übrigens im 
»Chaos« IL Jahrg. No. 15.^ Leonard L. Mackall. 



^ Vero;!. Briefw. 181, und Carlyles ersten Faustaufsatz p. 324 f. 
(nicht in C's. Works. Neudruck v. R. Schröder, Braunschweig 1896 
aus Herrigs Archiv 96, Heft 3/4). Mit Weglassung von acht Zeilen und 
Aenderungen erschien diese Uebersetzung im Athenaeum 1857 p. 5. 
(Neudruck v. Oswald im Mag. f. d. Litt. 1882 S. 368 Juli). 

* »Briefpost« datirt »Weimar, ce 12 Avril 1830.« 

3 Mit Aenderungen in Fräsers Mag. Aug. 183 1 und noch ver- 
bessert in Miscellanies I, 389 f. (Libr. ed.) 

* »Briefpost« datirt »Berlin April 1830.« 

5 Vergl. Briefw. 106, 250 und 224 (von C, 30. Aug. 1830) »we 
smiled to see ourselves in print there [im Chaos]« — nicht ermittelt 
von den Herausgebern. Ueber das »Chaos«, wo alle Beiträge anonym 
waren, vergl. Eckermann 14. Febr. 1830, und ausführlich Lily v. Kretsch- 
man in Westermanns 111. Monatsh. Nov. 1891. 

6 W. 3, 442 ist zu berichtigen, denn G's Bildniß v. Vogel mit 
diesen Zeilen v.-ar nicht jener Schritt [»G's goldner Jubeltag«] vorgesetzt. 
Vergl. Hirzel S. 98. 

7 Etwas verändert in C's Miscell. II, 313 [auch bei Corr. p. 118 
— nicht in der deutschen Ausgabe.] Vergl. Briefw. 224 und 238 und 
Tageb. 1829 12—13, ^7— '^9 ^^^- nebst Anm. 

8 Nach V. Loepers treffenden Bemerkungen (bei Hempel a. a. O.) 
ist wohl anzunehmen, daß erst sein Nachfolger als Hrsg. der Gedichte 
in der Weimarer Ausgabe, Redlich die neuen Carlyle'schen Verse auf- 
genommen hat. Da aber Beide während der Arbeit gestorben sind, ist 
es also nicht so sehr auffallend, daß der richtige Zusammenhang erst 
Anfang 1903 und zwar von einem Ausländer entdeckt worden ist. 



MiSCELLF.N. 237 

l^. Zu Wilhelm Meister. 

Philiiie. In dem spätgriechischen Wundergesc.hichten- 
buche »Mirabilia« des Phlegon von Tralles findet sich u. A. 
die Erzähhing, die, freilich vielfach umgewandelt, der »Braut 
von Korinth« zu Grunde liegt. Die liebesseelige Heldin heißt 
dort Philinnion; sollte dieser Quelle der Namen Philine ent- 
flossen sein ■? (Den Namen »Philinne« trägt übrigens auch die 
Tochter im 3. Hetären-Gespräche des Lukian.) 

Schöne Seele. Dieser Ausdruck, der Diotimas Erzählung 
im »Gastmahl« des Piaton (cap. 27) entstammen dürfte, wird, 
wie so Vieles dem Piaton Entlehnte, als »vpuxil KaXf]« von 
Plotinos im i. Buche der »Enneaden« (VI, cap. 9) gebraucht, 
im nämlichen Absätze, der auch die Stelle enthält: »Nie hätte 
das Auge jemals die Sonne gesehen, wenn es nicht selber 
sonnenhaft wäre.« ' Anklänge an Goethesche Gedanken bieten 
auch noch andere Capitel dieses Buches ; cap. 8 : »Wer heran- 
liefe, um die leibliche Schönheit ... als etwas Wahrhaftes zu 
umfangen, etwa wie eine schöne Gestalt die sich auf dem 
Wasser schaukelt, der, — so heißt es in einem bekannten 
sinnreichem Mythus von Jemandem, der eine solche um- 
fassen wollte — , der versank in der Tiefe der Fluth und ward 
nicht mehr gesehen« (dipavfiq e^evero; übers. Müller, Berlin 
1878; I, 51). Ferner IV, cap. 8: »Der Weise wird von seinem 
Schmerze nicht überwältigt, . . . sondern in seinem Innern 
wird das Licht sein wie das Licht in dem Leuchtthurme, 
wenn es auch außen heftig stürmt;« vgl. »Faust« V. 11500, 
»Allein im Innern leuchtet helles Licht«. E. v. Lippmann. 



16. Zur Farbenlehre. 
Eine mit Goethes Ansichten merkwürdig übereinstimmende 
Stelle findet sich in Giordano Brunos Dialog »De gl' heroici 
furori« (ed. Lagarde, S. 671, Zeile 40): »Die Stufen der 
Contemplation gleichen jenen des Lichtes: dieses fehlt der 
Finsterniß völlig, im Schatten ist es spärlich vorhanden, reich- 
licher in den Farben, und zwar entsprechend der Folge, der 
gemäß sie sich zwischen die Gegensätze des Schwarzen und 
Weißen einreihen ; lebhafter tritt es im Abglanze polirter 
oder reflektirender Körper hervor, wie in dem der Spiegel 
oder des Mondes, leuchtender in den Strahlen der Sonne, 
voll erhabener Herrlichkeit aber in der Sonne selbst.« 

E. v. Lippmann. 

' Siehe meine Notiz im Goethe-Jahrbuch XV, 267. 



238 MiSCELLEX. 

i'j. Zu dem Brief an Riese 21. Okt. lyöj. 
»Ich lebe hier, wie — wie — ich weiß selbst nicht recht 
wie. Doch so ungefähr 

So wie ein Vogel, der auf einem Ast 

Im schönsten Wald sich Freiheit athmend wiegt, 

Der ungestört die sanfte Luft genießt 

Mit seinen Fittichen von Baum zu Baum 

Von Busch zu Busch sich singend hinzuschwingen. « 

Man braucht in diesem Zitat aus dem Brief an Riese vom 
21. Oktober 1765 nur im dritten Verse hinter »genießt« ein 
Komma zu setzen, um sofort zu erkennen, daß die Lesart 
»sanfte Luft«, die sich vom »Jungen Goethe« (Bd. i S. 8) 
durch die Weimarer Ausgabe bis zu Bielschowsky (I, S. 45) 
hinzieht, falsch ist. Es muß »Lust« heißen, mag es sich nun 
um einen ursprünglichen Schreib- oder einen späteren Lese- 
fehler handeln; denn der nachfolgende Infinitiv »sich hinzu- 
schwingen« ist doch offensichtlich als Ergänzung dieses voraus- 
gehenden Substantivs gedacht. Die Interpunktion, wie sie 
sich in der Urschrift (s. D. j. G. u. W. A.) findet, ist natürlich 
ganz unverbindlich. Adolf Metz. 

iS. Zu einem Briefe Goethes an Karl August. 
(W. A. Briefe. Band 5 S. 155 f.) 
Der an den Herzog Karl August gerichtete Brief No. 1260 
trägt in der Weimarer Ausgabe, wie schon im »Briefwechsel« 
(Neue Ausgabe, Wien 1873) i, i8f., das Datum: Weimar 
d. 26. Juni 81, unter dem er auch bei Strehlke 2, 121 ver- 
zeichnet ist. Folgende Gründe beweisen, daß das Schreiben 
nicht in das Jahr 1781, sondern zu 1782 gehört. 

1. Im Eingang des Briefes vertheidigt Goethe sich gegen 
den Vorwurf des Herzogs: daß er nicht schreibe, indem er 
indirect auf seinen Brief vom 16. Juni 1782 hinweist, den der 
Fürst inzwischen in Sonneberg werde empfangen haben, wie 
Goethe gehofft hatte (»Dieser [Brief] soll Sie, wenn das 
Glück gut ist, in Sonneberg empfangen«, »Dieses Blatt trifft 
Sie also in Sonneberg sehr richtig«, 5, 346, 13 f. 348, 15 f.). 

2. Am 25. Juni 1781 verabschiedet Goethe sich brieflich 
von Frau v. Stein (5, 154, 18 f.) und war am 26. wohl schon 
auf der Reise nach Ilmenau ; in dem fraglichen Briefe vom 
26. Juni dagegen heißt es: »Mit der größten Philister-Be- 
haglichkeit sitze ich in meinem Neste«, womit die neue Stadt- 
Wohnung gemeint ist, die Goethe am 2. Juni 1782, nicht 
schon 1781, bezogen hatte; auch würde er schwerlich die 
angeführte Wendung gebraucht haben, wenn er im Begriff 
gestanden hätte, zu verreisen. 



MiSCELLEN. 239 

3. Der Kammerpräsident v. Kalb trat 1782, nicht 1781, 
aus dem Dienst und zwar am 26. Juni (vgl. das Fourirbuch, 
Goethe-Jahrbuch 6, 161); dazu stimmt genau, daß Goethe 
in dem fraglichen Briefe dem Fürsten meldet : »Kalb hat Ab- 
schied genommen und ist heute weg«. 

4. Goethe schreibt: »Wenn es möglich ist, und Sie noch 
länger außen bleiben, so bitt' ich um einige Nachrichten, 
Ihrer Zurückkunft, und des Meinungischen Besuchs. Eins wegen 
des Abfeuerns, das andre wegen dramatischer Einrichtungen 
für Tiefurt.« Das »Abfeuern« der Infanterie fand nach dem 
Fourirbuch (Goethe-Jahrbuch 6, 161) am 4. Juli 1782 statt; 
die »dramatischen Einrichtungen für Tiefurt« beziehen sich 
auf Goethes Singspiel »Die Fischerin«, das am 22. Juli 1782, 
nicht 1781, aufgeführt wurde. (Daß Düntzer die letztere Be- 
ziehung ganz richtig erkannt hat, beweist sein Citat der 
Briefstelle in »Goethe und Karl August«, 2. Aufl., S. 174.) 

Diese aus dem Inhalt des Briefes genommenen Beweis- 
gründe genügen; sie ließen sich leicht noch vermehren. In 
der Originalhandschrift, die Herr Archivdirector Burkhardt 
mir vorzulegen die Güte hatte, hat die 2 der Jahreszahl bei 
flüchtiger Betrachtung allerdings Aehnlichkeit mit einer i, 
wenigstens ist sie nicht so deutlich geformt wie die 2 der 
Tageszahl. Dies wird die Ursache sein, die den Kanzler 
Müller verfuhrt hat, den Brief irrthümlich in den Jahrgang 1781 
einzuordnen. Die falsche Einordnung des Originals erklärt 
den Irrthum der Herausgeber. H. G. Graf. 



ig. Zu Goethes Tagebüchern Bd. 8. 
In die Anmerkungen zu Goethes Tagebüchern in der 
Weimarer Ausgabe, 8. Band, S. 354, hat sich ein — aller- 
dings verzeihlicher — geringfügiger Irrthum eingeschlichen, 
der hiermit berichtigt werden soll. Ueber den Aufenthalt 
des Dichters in Eger im Jahre 182 1 findet sich zum 6. Sep- 
tember (Tageb. 8., S. 107, 25ff.) die Eintragung: »Kam Abends 
Grüner, Wiederholung mit ihm des montägigen Spaziergangs. 
Am Ende desselben wir Herrn Rath Schuster, den Garten- 
besitzer, fanden.« Dazu nun auf S. 354 die erklärende An- 
merkung: »Herr Michael Schuster, k. k. Rath, öff"entl. Professor 
des bürgerlichen Rechtes und Universitäts-Rector zu Prag, 
wohnt im Gasthofe. (Curliste.) Vgl. iio, 9.« Diese auf 
Grund der Marienbader Kurliste gegebene Erklärung ist aber 
nicht stichhaltig. Der Besitzer des in der Nähe der Stadt 
£ger gelegenen Gartens, zu dem Goethe mit dem Rathe 
Grüner am Abende des 6. Septembers 182 1 bei dem Spazier- 
gange durch das Egerthal kam, war der (1777 geborene und 
1836 verstorbene) Egerer Magistrat srath Abraham Schuster, 



240 MiSCELLEX. 

ein Amtsgenosse und ziemlich gleichalteriger Freund des Rathes 
Grüner (geboren 1780.) Noch heute heißt dieser terrassirte 
Garten, von dem aus Goethe schon einige Tage zuvor, am 3. Sep- 
tember, die schöne Aussicht genossen hatte (Tageb. 8., S. 106. 9), 
der Rath Schuster-Garten. Mit demselben Rathe Schuster 
machte Goethe in Gesellschaft Grüners auch am 10. September 
1821 (Tageb. 8., S. iio, 9) den »wiederholten Umgang auf 
dem Jahrmarkte.« J. Trötscjier. 

20. Eine eigenhändige Notiz Goethes. 
Goethes Bibliothek im Goethe-National-Museum verwahrt 
verschiedene Francofurtensia, von denen einzelne, die mir 
durch die Güte C. Rulands zugänglich wurden, beim Erscheinen 
des 27. Briefbandes meine Aufmerksamkeit erregten. Zu ihnen 
gehören einige Willemeriana. Sie sind neuerdings in ein 
Bändchen zusammengebunden: 6 Schriften von 1793, 1812, 
1816, 1823, verschiedenen Inhalts, Personalien, Theatersachen, 
juristische und Verfassungsangelegenheiten betreffend. In der 
ersten Schrift befindet sich eine Einzeichnung Goethes. Der 
Titel der Schrift lautet: Seegnende Worte gesprochen den 
6ten August am Willemerischen und Chironischen Trauungs- 
tage, von Dr. Wilhelm Friedrich Hufnagel, Frankfurt am Main, 
1793. Die Schrift ist 13 paginirte Seiten groß, die letzten 
3 Seiten des Bogens sind leer. Auf S. 15 steht von Goethes 
Hand, mit Bleistift in großen Zügen Folgendes: Pemberton, 
Gravesande | Dunch. | zelanti propagatori | del systema 
Newtoniano (der letzte Buchstabe ist nur angedeutet). Alle 
drei, der erste und dritte Engländer, der zweite Niederländer, 
werden in den Materialien zur Geschichte der Farbenlehre 
angeführt (Weim. Ausg., Naturwiss. Schriften IV, S. 108 fg.), 
von dem Engländer wird der Name und der Titel je einer 
Schrift genannt, über den Niederländer etwas ausführlicher 
gehandelt. Rührt die italienische Fassung unserer Notiz davon 
her, daß Goethe die Namen einer italienischen Quelle ent- 
nahm? Aus welcher Zeit stammt die Aufzeichnung ? Vor 1793 
kann sie natürlich nicht sein. Aber auch nicht nach 1799, 
denn der Abschnitt über Wilhelm Jacob "sGravesande ist, 
wie aus einer Niederschrift im Goethe-Schiller-Archiv hervor- 
geht (vgl. a. a. O. S. 415) am 21. Sept. 1799 niedergeschrieben. 
Am wahrscheinlichsten ist wohl die Annahme, Goethe habe 
die Notiz bald nach Empfang jenes Schriftchens auf den ein- 
ladenden leeren Raum des vor ihm liegenden Heftes ge- 
schrieben ; erscheint die oben ausgesprochene Vermuthung 
über die italienische Fassung nicht wahrscheinlich genug, so 
könnte man annehmen, daß es etwa 1797 niedergeschrieben 
wurde, zur Zeit da Goethe sich zu seiner italienischen Reise 
vorbereitete. Ludwig Geiger. 



MiSCELLEN. 2^ I 

2j. Ein Goeihc-Autograph in Eger. 
Eine Erinnerung an Goethes Aufenthalt in Eger im 
Jahre 1821 (25. August bis 13. Sept.) bietet ein Blatt mit 
einigen Zeilen von des Dichters eigener Hand, das sich im 
Besitze des J. U. Dr. Josef Schaffer in Eger befindet. Dessen 
Vater, der Egerer Rechtsanwalt Dr. Lorenz Schaffer (geb. 
1772 in Plan, gest. 1S54 in Eger), ein Schwager des Egerer 
Magistratsrathes Abraham Schuster (vgl. oben Miscelle 19), 
hatte sich als Mann von umfassender Bildung eine ansehnliche 
Buchersammlung angelegt. Aus dieser entlehnte Anfang Sep- 
tember 1S21 der mit Dr. Lorenz Schafifer befreundete Rath 
Grüner den Goetheschen Roman »Wilhelm Meisters Lehr- 
jahre«, und zwar für den Dichter selbst, der (zufolge der 
Familienüberlieferung) den Rath Grüner ersucht haben soll, 
ihm das Buch zu verschaffen. In den Tagebüchern findet 
sich allerdings keinerlei Hinweis darauf, daß Goethe sich in 
jenen Tagen mit seinem Roman irgendwie beschäftigt hätte. 
Gleichwohl kann es keinem Zweifel unterliegen, daß er, sei 
es um etwas nachzuschlagen oder darin nachzulesen, das von 
Dr. Schaffer entlehnte Werk — es war die bei Johann Friedrich 
L"^nger in Berlin 1795 ff. ^^ 4 Bänden erschienene Erstausgabe 
des Romans — wirklich benützt hat. Denn als kurz vor des 
Dichters Abreise von Eger Dr. Schaffer die Bücher zurück- 
erhielt, war im L Bande nach Seite 354 ein Blatt eingelegt mit 
folgenden Zeilen in den wohlbekannten Zügen von Goethes 
eigener Hand : 

»Das hier fehlende | Blat soll bald mög 1 liehst, ab- 
schriftlich, I zum Einschalten, ge | sendet werden. | 
Eger, I d. 11. Sept. | 182 1 G« 

Was der Besitzer nicht wahrgenommen hatte, war von 
Goethe bemerkt worden, daß nämlich im L Bande mitten im 
14. Kapitel des zweiten Buches das Blatt S. 355/356 heraus- 
gerissen war. Thatsächlich wurde auch aus Weimar eine auf 
Goethes Veranlassung auf zwei Blättern genau im Formate des 
Buches, in sauberer, gefälliger, deutlicher Kurrentschrift an- 
gefertigte Abschrift der zwei Druckseiten an Dr. L. Schaffer ein- 
gesendet. Dieser ließ die Abschrift nebst dem Blatte mit des 
Dichters Handschrift an der betreffenden Stelle in den L Band 
einschalten, und so wird dieser Band noch heute von dem 
Sohne des Dr. Lorenz Schaffer als Erinnerung an Goethe 
wie ein Familienschatz verwahrt. Die wenigen Zeilen von 
Goethes Hand sind allerdings weder für sein Leben, noch für 
seine Dichtung von Belang, können aber immerhin als ein 
Zeugniß für das freundliche und gefällige Wesen des Dichters 
gelten, der vielleicht erfreut sein mochte, sein Werk in Eger 
vorzufinden. J. Trötscher. 

■ Goeths-Jahbeich XXV. 10 



242 MiSCELLEN. 

22. Goethes Etnzeichnujigen in die Straßbufger Matrikel. 
Die alten Matrikeln der Universität Straßburg 1621 — 1793, 
bearbeitet von Gustav C. Knod (Straßburg 1897), enthalten 
folgende Einzeichnungen Goethes : ' 

I. 1,85 (No. 617) 1770 April 18 unter dem Rektorate des 
Prof. Joh. Christ, Treitlinger: 

Joannes Wolfgang Goethe, Moeno-Francofurtensis, logiere 
bey Hr. Schlag, auf dem Fischmarckt. 

Diese Einzeichnung steht in der Matricula Generalis Maior. 
Sie ist facsimilirt in Schreckers Festschrift 1872 »Zur 
Geschichte der Universität Straßburg.« Goethes Wohnung, 
sagt Erich Schmidt in den Charakteristiken I 287, gehörte 
jedenfalls zu den feineren, denn in aedibus Schlagii treffen 
wir später den Prinzenerzieher Petersen. 

2.11,632. No. 2255, 1770 September 22 in der Matricula 
Candidatorum Juris: 

Joannes Wolfgang Goethe, Moenofrancofurtensis. 

Dazu noch folgende Daten: 

2255. 1770. 22 Sept.: Dns Joh. Wolfgangus Goete, Moeno- 
Francofurtanus a Dissert. praeliminari 
dispensatus Matriculae Candidatorum 
nomen inseruit. 

25 Sept.: Dno Goethe priore Examine insigni 
cum laude superato, pro Examine 
rigoroso ad resolvendum dati sunt 
textus: L. Solita. ult. Cod. de remiss. 
pignor. — C. Series 26. X de Testib. 
et attestat. 

27 Sept.: Dn. Goethe in posteriore Examine 
Analyses allatas mascule defendit et 
veniam meruit Diss. Inaug. sine Prae- 
side ventilandi. 
1771. 6 Aug. : Diss. Inauguralem »positiones Juris« 
exhibentem cum applausu defendit 
Dns. Joh. Wolfifgang Goethe, Moeno- 
francofurtanus, cui mox datur Testi- 
monium Licentiae. H. Holstein. 



' Goethes Vater ist in der Matricula Studiosorum Juris verzeichnet : 
II, 384 (N. 5559) 1741 Januar 25 unter dem Rektorate des 
Prof. Joh. Dan. Oesterried Joh, Casparus Goethe, Franco- 
furtensis ad Moenum. 



MiSCELLEN. 243 

2j. Zu Goethes Zoologie. 
In den Original-))Briefen an C, A. Böttiger«, die die k. 
ö. Bibliothek zu Dresden verwahrt, I)efindet sich (Bd. 93, 
No. 2) eine Abschrift des Schreibens Alexanders v. Humboldt 
an Loder in Jena, d. d. Salzburg, d. i. April 1798, in dem es 
u. a. also heißt: »Dem Geh.-Rath v. Göthe bitte ich mein dank- 
bares Andenken zu erneuern. Ganz hat er mich doch wohl 
nicht vergessen. Sagen Sie ihm auch, daß seine [zoonomischen, 
Zusatz von B.'s Hand] Ideen mich lebhaft beschäftigen, und 
daß ich überall darauf Rücksicht nehme. Vielleicht weiß er 
noch nicht, daß die Goldfische (Cyprinus auratus L.) oft ohne 
Rückenflosse geboren werden, dann aber eine doppelte, auch 
wohl dreyfach getheilte, ungeheuer große Schwanzflosse be- 
kommen.« Theodor Distel. 



24. Goethe im Theater, Herbst lypp- 
Heinrich Philipp Ferdinand v. Sybel, der Vater des be- 
kannten Historikers, schreibt in seinem »Gedenkbuch«' vom 
J. 1846 über einen Besuch Weimars: »Im Herbst 1799 machte 
ich mit einigen Freunden die erste Fußreise durch Thüringen, 
die mir großen Genuß bereitete und meinen Gesichtskreis 
merklich erweiterte. In Weimar sah ich denn Abends auch 
den Dichterfürsten Goethe; er saß in der Mitte des Parterres, 
nicht w^eit hinter dem Orchester auf einem etwas erhöhten 
Sitz, in gepuderten Haaren und in imponirender Gestalt, 
gleich einem Imperator, der immer zuerst das Zeichen zum 
Klatschen gab; es wurden von ihm »Die Geschwister« ge- 
geben. Auch Schiller war anwesend, er saß aber in einer 
Prosceniumsloge, wo wir ihn nicht genau sehen konnten.« 

E. HOLTHAUSEN. 



2j. Iken-Bremen bei Goethe (1828). 
An Böttiger schreibt Iken (9. Mai 1828, Correspondenz 
in der Böttiger Sammlung zu Dresden) : »Schon eine Stunde 
nach meiner ersten Anmeldung bei Goethe erfolgte eine Ein- 
ladung an . . . Peucer und mich, gleich auf den folgenden 
[Sonn-] Tag zur Mittagstafel in seinem Familienkreise, wo 
ich ihn denn recht gesund, heiter und gesprächig fand. Am 
folgenden Abende besuchte ich ihn mit . . . von Müller in 
seinem Gartenhause, wo er sehr munter scherzte, und zum 



' Auszugsweise gedruckt in den »Nachrichten über die Soester 
Familie Sybel 1425 — 1890 von Friedrich Ludwig Karl von Svbel, Re- 
gierungsrath, Kgl. Freuß. Rittmeister a. D. München, Druck und Verlag 
von R. Oldenbourg. 1890. Die ausgehobene Stelle steht hier auf S. 64 t. 

i6* 



244 MlSCEI.LEX. 

dritten Mal sprach ich ihn beim Abschiedsbesuch.« Die 
»Gespräche« erwähnen Iken nicht. Seine Uebersetzung der 
Provisorischen Staatsverfassung von Griechenland (»Bremer 
Zeitung«, 31. October 1822) hatte der Schreiber an Goethe 
mit dem Ersuchen gesandt, »der griechischen Sache das Wort 
zu reden.« Ikens Manuskript : »XA'ettstreit der Länder und 
Flüsse, Vorspiel in einem Akte zu Goethes Todtenfeier« fand 
ich nur gelegentlich erwähnt. Theodor Distel. 



26. Die Goethe-Feier bei Loder in Moskau am 28. August i82l}. 
In Bd. 119 der »Briefe an C. A. Böttiger« auf der k. o. 
Bibliothek zu Dresden gibt Loder, unter'm 14. September 
(a. Stils) 1829, folgende Beschreibung von Goethes kürzlicher 
Geburtstagsfeier in seinem Hause (16. August, a. Stils): »Ich 
hatte eine Gesellschaft von seinen Verehrern, lauter Deutschen, 
zu mir eingeladen. Ich eröffnete das Fest mit einer Rede 
ex tempore, worin ich, aus meiner 25jährigen näheren per- 
sönlichen Bekanntschaft mit ihm, seinen persönlichen Charakter 
schilderte. Dann setzten wir uns zur Tafel, an welcher sein 
mit Lorbeerblättern und Eichenlaub bekränztes Bild aufgestellt 
war. Zuerst ward die lateinische Ode von Klion — einem 
Sachsen, welcher bei einem meiner Freunde, dem Fürsten 
Paul Gagaria, Hofmeister und ein trefflicher latein. und griech. 
Philolog ist — abgelesen; dann ward Treuters [Vrgl. G.-J. 
XX, 141] Rundgesang mit der Musik von Hartknoch' abge- 
sungen und Goethes Gesundheit in köstlichem Rheinwein 
getrunken ; zuletzt ward Klions Rundgesang ebenfalls mit 
Musik abgesungen, und Goethen im Champagnerwein ein Lebe- 
hoch gebracht. Die Gesellschaft war sehr fröhlich und ging 
spät auseinander. — « Theodor Distel. 



27. Ein österreichischer Verehrer Goethes. 
Rudolf Glaser, geb. 14. Juni 1801, gest. 14. Aug. 1868 
in Prag, kurze Zeit an den Hochschulen lehrend, seit 1837 
an der Universitätsbibliothek in Prag angestellt, gründete die 
Zeitschrift -»Ost und JVest«, an der /ferloßsohu, Tschabuschuiggy 
Beda Weber, Robert Zimmermann, Hanslik, Josef Bayer u. v. A. 
mitarbeiteten. Das Bestreben, Deutschthum und Slaventhum 



' H. »war zu Weimar Prof. der Musik und Lehrer der Groß- 
fürstin, jetzt aber ist er als Lehrer bey dem Erziehunq;s- oder Findel- 
hause sehr vortheilhaft angestellt. Bey eben diesem Institute ist der 
Collegien-Rath Dr. Treuter, aus Weimar, dort Goethe's Haus-Nachbar 
und mein ehemaliger Zuhörer als Oberarzt angestelh.« (Loder, a. a. O.) 



MiscKi.i.i-x. 245 

literarisch zu verbinden, erfüllte die unter Glasers Rinfluli» 
sich entwickelnde eigenthUmliche deutsch-tschechische Dichter- 
schule, der Karl Egon El>ert, Alfrai Meißner, Moritz Hart- 
mann u. A. angehörten. Mit dem Jahre 1848 verschwand 
dieser literarisch nationale Dualismus: Glaser zog sich auf 
die deutsche Literatur zurück und widmete sich ganz der 
deutschen Sache. (Vgl. Mitth. des V. f. (iesch. d. Deutschen 
in Böhmen, VIII. Jahrgang, Prag 1870.) Bei Enders in Prag 
erschienen 1834 »Gedichte von Rudolf Glaser«. — In dieser 
Sammlung stehen fünf Gedichte auf Goethe: Zwei auf Goethes 
Tod, je eins auf Faust und auf Goethe als Dichter. (Das 
Letztere unter der Gesammtüberschrift : Deutsche Dichter ; 
unter denen als erster Klopstock erscheint.) Als Probe dieser 
Verse mögen die nachfolgenden stehen, die schon 1826 in 
No. 72 von Bäuerles Allg. Theaterzeitung in wesentlich 
schwächerer Form erschienen waren. V. Russ. 

G ö t he. 

Als ein neuer geist'ger Frühling 
Sich auf Deutschlands weite Gauen 
Frisch belebend niedersenkte, 
Klang der Ruf durch alle Lüfte: 
»Freuet Euch! Von Himmels Höhen 
Sind die holden Zwillingsschwestern 
Kunst und Poesie gestiegen, 
Alle Herzen zu entzünden, 
Und in reinen Himmelsflammen 
Soll Begeisterung entlodern!« 
Da durchbebte Hochentzücken 
Die gewaltige Natur, und 
Um zu künden ihre Wonne 
Selbst den spätesten Geschlechtern, 
Mußtest Du die Welt begrüßen, 
Hoher Göthe, Stern der Sterne ! 

Wie mit frischem Frühlingshauche 
Du fortan die Welt durchwehtest, 
Wie die ew'gen Zauberkräfte, 
Klar und doch geheimnißvoll, durch 
Dich die Geister all erregten. 
Du zerstörend nie, belebend 
Stets, nach allen Seiten streutest 
Goldner Worte reichen Samen, 
Treu Natur und Wahrheit liebend 
Herzensirrung, Weltverwirrung, 
\\ohI beachtet und betrachtet, 



246 MiSCELLEN. 

Wie Du auch die Stufen hoher 
Kunst uns hast hinangeführet : 
AVer von uns nicht wüßte dieses, 
Könnt' es undankbar vergessen? 

Nun, so ehrt den hohen Meister, 
Der so KöstHches gespendet! 
Ferne Zeit wird uns beneiden 
Um die Nähe dieses Geistes, 
Dessen Wirken weckt ihr Staunen, 
Weil dann jedes kleine Körnchen, 
Das dem Boden er vertrauet, 
Ist zum Baum emporgeschossen. 
Der da prangt mit Blüthen, Früchten. 
Wer dann wagt es, seinem Haupte 
All die Kränze zu entreißen, 
Die nicht nur des deutschen Volkes, 
Nein, auch andrer Völker Wille 
Ihm zum ew'gen Ruhm geflochten ! 



28. Goethe und G. Flaubert. 

Es ist mir nicht erinnerlich, daß bereits auf den Einfluß, 
den Goethe auf Flaubert ausgeübt hat, hingewiesen worden 
wäre. Und doch war diese Einwirkung bedeutend. Das be- 
kundet u. a. das begeisterte Geständniß Flaubert"s, wie sehr 
ihn Goethes Faust bei der ersten Leetüre gepackt hat. Das- 
selbe findet sich verzeichnet in den Erinnerungen, die Flaubert's 
Nichte und langjährige Schülerin, Caroline Commanville, der 
»Correspondance« ihres Oheims vorausgeschickt hat (Paris, 
Bibl. Charpentier) und lautet tom. I. p. XXXVI: 

•!>Ces enthousiasmes litteraires avaient de tout temps existe 
c/iez lui; un de ceux (ju'il aiinait ä sc rappeler fut celui qu'il 
iprouva ä la ledure du •» Faust <■<. II le tut justement une 
veille de Pdques en sortant du College [ä Rouen] ; au Heu de 
rentrer chez soii pere, il se trouva, il ue savait comment, dans 
un endroit appele le y>Cours la Reine«. C'est une belle pro- 
nienade de hauts arbres sur la rive g au che de la Seine, un 
pcu eloignee de la ville. II s'assit sur la berge; les cloches 
des ^glises sur la rive opposee resonnaient dans l'air et se 
nielaient ä la belle poesie de Goethe. -»Christ est ressuscite, 
paix et joie entiere. Annoncez-vous dejä, cloches profondes, 
la Premiere heure du jour de Pdques . . . cantiques Celestes, 
puissants et doux, pourquoi me cherchez-vous dans la poussiere .^« 
Sa tete tournait, et il rentra comme eperdu, ne sentant plus 
la terre«. 



Miscf.i.li;n. 247 

So hingerissen von Goethes Dichtung äußerte sich Flaubert 
kurz vor seinem Tode (i. J. 1880) noch seiner Nichte gegen- 
über und seine Correspondenz lehrt uns, daß er durch sein 
ganzes Leben hindurch, wie viele bedeutende Franzosen — 
ich erwähne hier nur Anatole France, der seine dichterische 
Laufbahn mit dem Buchdrama »Les Noces Corinthiennes«, 
einer Nachdichtung von Goethes »Braut von Corinth« begann, 
— Goethe als Dichter im höchsten Maße verehrt hat. Das 
erkennen wir ganz besonders daran, daß eine ganz einzig 
dastehende, gewaltige, dichterische Schöpfung Flaubert's un- 
mittelbar aus Goethes Faust hervorgegangen ist. Es ist dies die 
leider sehr wenig bekannte großartige Dichtung r>La tentatioii 
de Saint A/itoiiie«, von der Flauberts Biograph Emile Faguet 
[Paris, Hachette 1899] p. 55 schreibt: y>La Teiiiation« fut evi- 
demment inspir^e ä Flaubert un peu par un tableau de Breughel 
vu ä Gen he en 184^, puisquil le dit, beaucoup plus par le 
^Second Faust<(- qiti fit sitr hti une Impression profonde et 
particuiierement par Vepisode intitiili y>j\'int de IValpnrgis 
e/assit/ue«. Wenn man diesen L^rsprung der Flaubertschen 
poetischen Vision kennen gelernt hat und nun die französische 
Dichtung mit der deutschen vergleicht, so ergibt sich auch 
ein besseres Verständniß und eine gerechtere Würdigung der 
Flaubertschen Arbeit. Denn selbst ein so vortrefflicher Kenner 
der französischen Literatur, wie Eduard Engel, urtheilt noch 
geringschätzig über diese dichterische Schöpfung Flauberts 
in folgenden Worten (Geschichte der französischen Literatur . . 
4. Aufl. Leipzig 1897, S. 475 f.): 

»Noch fantastischer [als Salammbö] ist »La tentation de 
Saint Antoine«, ein Werk voll bedeutender Einzelheiten, aber 
ohne straffen Bau. Von einer eigentlichen Erzählung ist 
hierin nicht die Rede: es sind lose an einander gereihte 
Visionen in einer sehr malerischen Sprache. Es ist merk- 
würdig genug, daß der Verfasser der so überaus realistischen 
Romane »Madame Bovary« und »L'education sentimentale« 
auf solche Abwege gerathen ist, durch die er selbst Balzacs 
kühnste Fantasiegebilde überboten hat.« In Flaubert waren 
der Realist und der Romantiker in einer Person vereinigt. 
An George Sand schreibt Flaubert im Jahre 1866, als er 
45 Jahre alt war, (3. ser. p. 297) ». . . mais moi qui suis un 
vieux romantique . . .«, und die romantische Richtung in 
ihm suchte die nämliche Bethätigung wie die realistische. 
Wie viel Flaubert seinem auch durch seine Lehren groß ge- 
wordenen Schüler Guy de Maupassant an »romantischem 
Dichtungsgute« übermittelt hat, wäre einer besonderen L'nter- 
suchung werth. W. Martinsen. 



248 iMiSCELLEN'. 

2p. Zu Carlyle und Eckermann. 

Zu den von E. Flügel, G.-J. XXIV, 25!^. abgedruckten 
englischen Zeitungsberichten über Goethes Tod darf wohl 
auch der Nekrolog herangezogen werden, der im Jahrgang 
1832 des Annual-Register erschien, den berühmten, von Robert 
Dodsley und Edmund Burke 1758 begründeten Jahresberichten 
über die hervorragendsten Ereignisse auf den Gebieten der 
Geschichte, Litteratur, Kunst, Wissenschaft u. s. w. Unser 
Nekrolog beschränkt sich auf die Mittheilung der wichtigsten 
biographischen Daten, erwähnt die den Engländern be- 
kanntesten Werke (Götz, Werther, Wilhelm Meister, Faust), 
spricht von Goethes umfassendem Geiste, seiner Vielseitigkeit 
und seiner unbestrittenen litterarischen Herrschaft in Deutsch- 
land und gibt schließlich einen ausführlichen Bericht über 
die Feierlichkeiten bei der Bestattung des Dichters. Die That- 
sache, daß der Nekrolog, einer der ausführlichsten in dem 
Bande, überhaupt erschien, zeigt, daß sich die Herausgeber 
der Bedeutung Goethes und seines Ablebens voll bewußt waren. 

Ueber Abraham Hayward möchte ich nachtragen, daß 
dessen treffliche Prosaübersetzung von Faust I. im Jahre 1892 
von dem um das Studium der deutschen Litteratur in England 
so hochverdienten C. A. Buchheim neu herausgegeben wurde. 
(Siehe G.-J. XIV.) In dieser Ausgabe sind die Vorreden 
Haywards zu den verschiedenen Auflagen seiner Uebersetzung 
wieder abgedruckt ; sie enthalten alles von Mackall, G.-J. 
XXIV, 21 Mitgetheilte. Vergessen oder übersehen hat Mackall, 
daß unter den deutschen Helfern bei Haywards Uebersetzung 
auch Jakob Grimm und A. W. Schlegel waren. Interessant 
ist z. B. J. Grimms sonderbare Erklärung der Stelle : 

In denen ihr der Menschheit Schnitzel kräuselt: 

Your fine speeches in which you 7-uffle up nian's povrest 
shreds (!) (in which you repeat the most miserable trifles in 
candied language) are comfortless. Schlegels Erklärungen, in 
seiner ästhetisirenden Manier, sind meist noch werthloser. 
Ergötzlich ist es übrigens, in einem der Briefe Schlegels zu 
lesen, wie Goethe sich weigerte, dem Aesthetiker, der ihn wohl 
ausholen wollte, die Bedeutung seiner Werke zu erklären. 
(Erich Schmidt hat die Briefe Grimms und Schlegels an Hay- 
ward wieder abgedruckt. Vergl. G.-J. XIV, 336.) 

Ueberblickt man Haywards Anmerkungen zu einer Reihe 
von Fauststellen, die Buchheim in der Neuausgabe konnte 
stehen lassen, dann muß man staunen, wie weit der Engländer 
den deutschen, in abstruses Philosophiren versunkenen Com- 
mentatoren seiner Zeit, ja vielleicht sogar seinem großen 
Landsmanne Carlyle am Verständnisse Goethes voraus war. 

TULTUS GOEBEL. 



MlSCKLLl-X. 249 

JO. Eine französisclic Stimme über Goethes Mutter. 

Ueber (ioethes Mutter kommt H. Loiseau, Professor in 
Toulouse, in einer ausführlichen und sehr gewissenhaften 
Charakterstudie' zu folgendem interessanten Schlußurtheil : 

))P>au Aja gehört nicht zu den großen (Gestalten. Sie 
hat, wie sie selbst zu sagen pflegte, nichts Heroisches. Unter 
ihren Eigenschaften ist keine, die in besonderem Maße unsere 
Bewunderung forderte. Sie war eine gute Mutter und eine 
ausgezeichnete Großmutter, aber die Frauen, denen diese 
natürlichen Tugenden fehlen, fallen uns auf. Sie war ihren 
Freunden ergeben und liebevoll gegen Unglückliche : das ist 
schon seltener, aber es ist nicht die Ausnahme. Sie hatte 
eine stolze und tapfere Seele; aber tausend Andere in Frank- 
furt hatten gleich ihr den Stolz, den die Freiheit gibt, und 
den Geist der Hingebung an die allgemeine Sache, wie er 
sich bei den Massen in den Stunden der Gefahr offenbart: 
das hat sie uns selbst gesagt. Sie hatte für ihre Person eine 
liebenswürdige und läßliche Lebensauffassung, die aber zu- 
weilen nicht frei von Egoismus scheinen könnte. Ihr Ver- 
stand war von Natur richtig und fein, aber es fehlte die 
schöne Form und die Sicherheit des Urtheils, w^elche die 
Bildung gibt. Ihre Schreibart ist munter, aber nicht gepflegt 
(chAtie), ihre Ausdrucksweise lebhaft und prickelnd (savou- 
reuse), aber es fehlt die Richtigkeit (eile est incorrecte). 
Kurz alle ihre Tugenden oder Eigenschaften sind, einzeln 
betrachtet, mittelmäßig, kleinbürgerlich. Aber die Persönlich- 
keit, die aus dem Zusammentreff'en aller entsteht, ist eine 
der anziehendsten und liebenswerthesten, die jemals dagewesen 
sind.« 

Man wird dieses Urtheil in seinem ganzen Umfang als 
zutreffend anerkennen müssen, aber man wird es unvollständig 
finden. Denn gerade die Frage : was macht denn das Zu- 
sammentreffen aller dieser mittelmäßigen Eigenschaften so 
anziehend, wo ist hier der electrische Funke, der mit einem 
Schlage die geistigen Elemente zu diesem w'underbaren Cha- 
rakter bindet, heischt eine Antwort, die der Verfasser nicht 
mehr gibt. Soll ich versuchen, sie an seiner Statt zu geben, 
so würde ich auf die Harmonie, die genaue Uebereinstimmung 
zwischen Wollen und Können, zwischen Fähigkeit und Streben 
hinweisen. In dieser Harmonie erblickt ja Goethe das (ie- 
heimniß der (Gesundheit alles geistigen I.ebens. Die Frau 
Rath weiß aber auch ganz genau, was sie kann, und geht 
über die erkannte, ihr gesetzte Grenze niemals hinaus. In 
diesem Wissen, in dieser untrüglichen Helligkeit über sich 

' Veröffentlicht in der Revue des langues Vivantes, dann als Sonder- 
druck: La mcre de Goethe. Le Hävre 1900. 



250 MiSCELLEN'. 

selbst liegt das zweite, ergänzende ; ich möchte es die be- 
wußte Naivetät oder Naivetät mit Bewußtsein nennen. Aus 
diesen beiden Bestandtheilen setzt sich nach meinem Dafür- 
halten der eigenthümliche Reiz ihrer Persönlichkeit zusammen: 
ihre Geschlossenheit, Sicherheit, Frische und Heiterkeit, ihre 
»Gesundsinnigkeit« (um ein Wort Friedrich Paulsens zu ge- 
brauchen), oder wie Loiseau es nennt: ihr saveur, der eigen- 
thümliche Lebensduft. Der Umkreis der Fähigkeiten der 
Frau Rath ist — darin hat Loiseau ganz recht — nicht be- 
sonders groß; aber sie füllt ihn lückenlos aus, und solche 
Menschen sind es, an denen die Anderen Halt zu suchen pflegen. 

Adolf Metz. 



jz. Die Goethe-Gedenkt afel am Walchensee. 

Bei meinen Ausflügen an den Kochel- und Walchensee 
in den bayrischen Voralpen verfolgte ich die Spuren des alten 
Weges, welchen Herzog Albrecht von Bayern im Jahre 1492 
»von seiner Kostung machen« ließ, wie die rothe steinerne 
Denktafel am Kesselbergjoch sagt. Seit in den neunziger 
Jahren des vorigen Jahrhunderts der neue bequemere Ueber- 
gang über den Kesselberg geschaffen ist, trifft man nur hie 
und da noch Jemanden auf dem früheren Wege. Lieblos 
bezeichnet diesen mein Reiseführer als »aussichtslose alte 
Straße«. Und mir ist sie doch so viel! Ich liebte sie schon, 
ehe ich all ihre Reize, die weltverlassenen Waldgründe zur 
Seite, die ungestüm aus dem Gestein brechenden Quellen, 
die Kaskaden des Jochbaches und die lauschigen Ruheplätze 
kannte. 

Meine Vorliebe für »die alte Straße« hat ihre erste Ursache 
aber in folgendem Umstände: Ich schätzte und schätze noch 
heute München besonders als Vorhof Italiens ; die alte Kessel- 
bergstraße aber war der erste gebahnte Weg zwischen München 
und Italien. Hier ging auch dem siebenunddreißigjährigen 
Goethe eine neue Welt auf, als er sich den Gebirgen näherte, 
die sich nach und nach entwickelten. 

Diese Worte der »Italiänischen Reise« klangen in mir, 
als ich heuer von der Post zu Walchensee nach der Ober- 
nacher Bucht ging. An dieser Spitze des Walchensees sollte 
sich eine Tafel mit auf Goethe bezüglicher Inschrift befinden. 

Nach 40 Minuten Wanderung auf der alten Straße fand 
ich angesichts des Forsthauses die Tafel. Sie ist an einem 
Ahornbaum angenagelt, der hart an der dunklen Flut des 
rings von Bergen umschlossenen Sees steht. Ich gebe hier 
den Text genau in der Schreibung des Originals wieder. 
Er lautet: 



MlSCEI-LUN. 25 I 



7. September 18S6 
Hier sah Gotha vor hundert Jahren zum 
Anfang der italienischen Reise, in den ersten 
Alpen den ersten Ahorn: Deß zum dauernden 
Andenken weihten, feiernde Freunde des Meisters, 
diesen Greis der Bäume als 

,,Göthe-Baum" 
7. September 1786. 



Wie waren die feiernden Freunde des Meisters darauf 
gekommen, hier habe Goethe am 7. September 1786 den 
ersten Ahorn in den ersten Alpen gesehen ? Die »Italiänische 
Reise« enthält in dem Abschnitte mit der Ueberschrift : 
3)Mitten\vald, den 7. September 1786, Abends« folgende Auf- 
zeichnung: 

»Nach Walchensee gelangte ich um halb Fünf. Etwa 
eine Stunde iwn dem Orte begegnete mir ein artiges Aben- 
teuer. Ein Harfner mit seiner Tochter, einem Mädchen von 
eilf Jahren, ging vor mir her, und bat mich, das Kind ein- 
zunehmen. Er trug das Instrument weiter; ich ließ sie zu 
mir sitzen« u. s. av. 

Ferner: 

»Ich sprach viel mit ihr durch, sie war überall zu Hause 
und merkte gut auf die Gegenstände. So fragte sie mich 
einmal, was das für ein Baum sey? Es war ein schöner großer 
Ahorn, der erste, der mir auf der ganzen Reise zu Gesicht 
kam.« 

Da hatte ich den Ahorn. Ich machte mir die Lage klar. 
Goethe hatte etwa eine Stunde von dem Orte Walchensee 
das Kind eingenommen, darauf mit ihm sehr viel durch- 
gesprochen und hiernach oder hierbei den Ahorn bemerkt. 
^^'ir erhalten also: etwa eine Stunde Fahrt und noch etwas 
darüber. Ich aber hatte den von Freunden des Meisters als 
»Göthe-Baum« geweihten Ahorn zu Fuß auf der nämlichen 
Straße in 40 Minuten erreicht. Auch kann das mit der Tafel 
geschmückte Ahorn-Exemplar unmöglich jemals groß und 
schön gewesen sein. 

Ferner: Fange ehe man an den »Göthe-Baum« gelangt, 
erblickt man an der alten Straße sehr viele Ahorne, die zum 
Theil weit älter sind als der bezeichnete Baumgreis. Sollten 
dieselben den besonders auf die Dinge in der Natur gut 
merkenden Goethe-Augen entgangen sein? 

Ich nahm mein Skizzenbuch vor, in welchem ich greise 



252 MiSCELLEX. 

Ahornstämme abgezeichnet hatte, die vor dem Orte Walchen- 
see hart an der alten Straße stehen, und gelangte zu dem 
Schlüsse, daß Goethen sein artiges Abenteuer mit dem Harfner 
und dem Kinde schon zwischen Kochel und Walchensee be- 
gegnet sei. Die Angabe »etwa eine Stunde von dem Orte« 
Walchensee zwingt durchaus nicht zu der Annahme der 
»Freunde des Meisters«, daß nach Walchensee (auf Wallgau 
zu) der Standort des von Goethe erwähnten Ahorns zu 
suchen sei. 

Hätte ich eine Goethe-Denktafel anzubringen, so würde 
ich sie vor Walchensee, unweit Urfeld bei einem (südlich) an 
der Straße über dem Ufer sich ausbreitenden moosbewachsenen 
Ahorn-Riesen aufstellen. Dessen ungemein starker Stamm 
ist an seinem oberen Theile bereits abgestorben, sah zweifel- 
los die Tage Goethes und konnte niemals unbeachtet bleiben. 

G. Windeck. 



J2. Der Todesakt über Goethes Schwester Cornelia. 

In dem badischen Amtsstädtchen Emmendingen vor Frei- 
burg im Breisgau hat bekanntlich Cornelia Goethe als Gattin 
des Amtsmanns J. G. Schlosser bis zu ihrem Tode gelebt. 
Goethe war hier wiederholt zu Gast. Die Erinnerung an 
beide Thatsachen wird künftig, wie mir im Frühjahr 1903 
Herr Bürgermeister Rehm mittheilte, eine Gedenktafel fest- 
halten, die für das heute noch in den Gebäuden der alten 
Tandvogtei, nunmehrigen Oekonomie der Brauereigesellschaft 
vorm. Karcher, vorhandene Wohnhaus bestimmt wurde. 

Ueber Cornelias Grab bestand, wie im Gegensatz zu 
mehrfach aufgetauchten Behauptungen zu sagen ist, niemals 
ein Zweifel. Es ist auf dem alten Friedhof, besonders seit 
dem IG. Juni 1877, wo eine Marmortafel an der daran stoßen- 
den Mauer angebracht wurde, leicht aufzufinden und befindet 
sich in würdigem Zustande. Allerdings ist der ursprüngliche 
Grabstein vor längerer Zeit von seinem Aufbewahrungsort 
spurlos verschwunden ! 

Der Sterbeakt über Cornelia ist meines Wissens bisher 
noch nirgend genau mitgetheilt. Er lautet folgendermaßen : 



1777. Junius. 

No 27 
Emmendinoren. 



den 8ten Frau Cornelia Fridrica 

d. M. II Christiana Gödin Ehe- 

gest. Gemahlin H. Hofrath und 

den io*|" Land-Schreiber Johann 

beerd. \ Georg Schlossers 

alt 26 Jahr 8 Monath. 



MlSCELLEN. 



-)5 



Bemerkenswerth ist die für diese Zeit auffallende »lajji- 
dare« Kürze des Eintrags, der von jeder Krankheitsbezeichnung 
absieht. Dem gegenüber lauteten z. B. im elsässischen Sesen- 
heim wie im badischen Meissenheim, wo wir ja gleichfalls 
(ioethe-Erinnerungen finden, die Todenbucheintragungen viel 
umständlicher. Gustav Adolf Müller. 



B. Nachträge und Berichtigungen. 

Zu Carlyle und Ecker mann, G.-J. XXI \\ S. 4 — -jp.- [Zuerst 
Druckfehler. S. 4, Z. 25 st. Georg 1. Gustav (Suphan). S. 20, 
Z, 25 st. y>tak(s tinie« 1. r>takes to me-^. S. 25, Z. 6 st. heve 
1. have. S. 26, Z. 29 st. cursious 1. curious. S. 28, Z. 10 
u. ö. 1. &:c. (= u. s. w.) S. 30, Z. 21 st. baring 1. bearing. 
S. 31, Z. 3 wohl »made an epoch«. S. t^t,, Z. 2 1. »of M<'«. 
S. 34, Z. 4 1. although; Z. 9 st. particularity 1. partiality [?] ; 
Z. 9 v. u. »(?)« nach meiner Conjektur » ist wohl überflüssig. 
Z. 35, Z. 27 wohl st. told 1. sold.] 

(S. 5) 181 7 hatte G. selbst das Schlangensymbol gebraucht, 
vgl. das Facsimile zu Suphans »Allerlei Zierliches« u. s. w. 
für Paul Heyse (Berl. 1900), vgl. Cs. Letters I, 278, 285 u. 
299. Das Begleitschreiben von den Freunden genau nur 
(trotz Anm. Tageb. 13, 300 zu 125.7, 8 q. v.) bei K. W. Müller, 
Gs. letzte lit. Thätigkeit (Jena 1832, S. 43f.). Der Druck in 
Corr. 291 f. giebt wieder Cs. Abdruck aus einer ungenauen 
anonymen Recension in Fräsers Mag. Nov. 1831 (XXII, 447 f.), 
obgleich eine genaue Abschrift, von derselben Schreiberhand 
wie das Original, Cs. Brief an G. beigelegt wurde. 

(S. 8 zu IX) verschollen sind ferner folgende Briefe: 
i) Va von C. an E. [am i. Dez.] 1832 vgl. Corr. 337 u. i2>2f 

2) Vb von E. an C. [früh] Sommer 1833 vgl. Corr. 334. 

3) von C. an E. vgl. Corr. 337. 

4) X von C. an E. [um Mitte] 1836 (vgl. C. an Varnhagen 
V. Ense. 31. Dec. 1837, übers, v. Preuss, S. 18 f.) 

(S. 8, Z. 30.) Gs. letzterBrief an C. ist leider auch nicht 
in einem Concept vorhanden. 

(S. IG, Z. 5.) Bekanntlich besuchte C. Weimar und Gs. 
Haus im Sept. 1852. vgl. Froude, T. C. Life in I>ondon II, 113. 

(S. 13. Anm. I) vgl. jedoch Corr. 224 »Wenn uns die 
Zeit mit dem Verluste älterer Freunde bedroht, so müssen 
wir suchen uns jüngeren anzuschließen.« (17. Oct. 1830.) 

(S. 13, Anm. 4.) Die ganze Stelle aus d. Remin. auch 
von Norton angeführt. Corr. XI f. 

(S. 15, Anm. 18.) Am 5. April 1832 schreibt A. \\'. 
Schlegel an Hayward, als Vermittler einer Bitte Bulwers, 
xDans ma position je ne puis pas e'crire d'une maniere super- 



254 MiSCELLEX. 

ficielle sur Goethe, <;ela exigerait de longues meditations. 
Mais vous ferez cela ä merveille, vous ou Mr. Carlyle.« 
(Erich Schmidt, Festschr. z. Begr. d. 5. allgem. d. Neii- 
philologentags, Berlin 1892, S. 82), vgl. Corr. 333 f. Vielleicht 
ist also Cs. Aufsatz zum Theil durch Schlegels Empfehlung 
unmittelbar veranlaßt worden, vgl. Anm. 19. ... Zu [meiner] 
Notiz über Eckermanns Uebersetzung muß das Datum 
II. — 15. Oct. hinzugefügt werden. 

(S. 16, Anm. 19.) Eine Uebersetzung von Cs. Aufsatz 
»Goethes Works« habe ich imMorgenblatt nicht finden können. 

(S. 16, Anm. 23.) Es war wohl der Brief von Kanzler 
V. Müller an Fürst Pückler, übersetzt (ohne Datum) in Mrs. 
Austins »Characteristics of Goethe«. London 1833 (III, 93). 

(S. 18, Anm. 33.) Zur Begründung meiner Ansicht sei 
bemerkt, daß das Vogelsche Bild (Zarncke Nr. 45; Corr. ii8; 
Letters II, 26, 39, 53; C. House, Cat. p. 84) ist schon Corr. 32 
wahrscheinlich gemeint. Damals war Cs. Bruder nicht in 
München und Stielers Bild noch nicht gemalt ! [Daher Müllers 
Bemerkung (Ber. d. Fr. D. H., N. F. XVI, 271) ganz unhalt- 
bar. — Streuli, T. C. als Vermittler u. s. w. (Zürich 1895) 
S. 91 nimmt Gs. lithogr. Verse unter dem Bilde sonderbarer- 
weise für eine Widmung an C, vgl. Hirzel S. 98 : und in 
W. 3, 442 wird fälschlich gesagt, daß das Bild »Gs. goldner 
Jubeltag« vorgesetzt sei.] Da C, selbst Maclises Nachbildung, 
für Fräser, ein »total failure and involuntary caricature« nennt 
[Miscell. Centenary II, 371 u. vgl. Zarncke Nr. 52a, III. 
— doch ist es trotzdem gewählt worden, um die neue große 
Byron-Ausgabe [Poetry IV, 282] zu schmücken], so meint er 
hier wohl das in Corr. 167 erwähnte Portrait nach Stieler 
[vgl. Rollett Nr. 11 (S. 256)?] Viel später besaß C. die 
große 1877 bei Piloty u. Loeble erschienene Photographie des 
Originals (C. H. Cat. f. 63). Außer jener Photographie ist ein 
Holzschnitt v. Müller nach Jagemanns Oelgemälde von 1806 
(Zarncke, Nr. 30b) das einzige Goethe-Bildniß noch in C. House 
(vgl. Cat. f. 74, Nr. loi). Die anderen sind größtentheils 
im Besitze seines Neffen Alex. Carlyle Esqlf in Edinburgh. 

(S. 19, Anm. i.) Die genannten »Autographs«, von 
Charles Sumner, dem berühmten Staatsmann herrührend, sind 
zwar nach den Unterschriften alphaljetisch geordnet und ver- 
zeichnet, aber dieser Brief ist sonst unbeachtet geblieben, und 
der Adressat war unbekannt, bis ich im Mai 1902 die Sache 
ermittelte. Dasselbst (I, 133) sah ich noch einen Zettel von 
Gs. Hand: - Herren Carlisle (sie) 

,„ . danckbar 

,/^^'"^^'' Goethe 

May 1827 

wohl auf Carlyle zu beziehen, vgl. Corr. 314. 



MiSCELLEN. 



-=)) 



(S. 19, Anni. 4.) Mrs. Austin übersetzte (a. a. O. II, 
241 fg.) V. Müllers Schrift als »Cioethe considered as a man 
of action.« In (leorge Grotes Exemplar ihres Buches (auf 
d. Berliner Univ.-Bibl.) findet sich (II, 241) die handschrift- 
liche Notiz seiner geistreichen Gattin [die jedoch mit Glad- 
stone Haywards armes Goethebüchlein bewunderte (vgl. Hs. 
Corr. II, 296 und Erich Schmidt a. a.O. 80)]: — »This is the best 
morsel among Goethes biographies. H. G.« [= Harriet Grote]. 
(S. 20. Anm.) Ich gab die Daten am Schlüsse der auch 
später wiederholten »Preface« H's. 

(S, 21, oben.) Diese amerikanische Ausgabe [ob gemeint 
G.-]. V, 236 (H. S. White) und Knortz, G. und die Werther- 
zeit (Zürich 1885) S. 4?]: Faust | a dramatic poem, | by | 
Goethe. 1 Translated into english prose, with notes &c. | by | 
A. Hayward, Esq. i First American from the third London 
Edition. | Lowell: i Daniel Bixby. ; New-York: | D. Appleton 
and Company, j 1840. XXXI, 317 pp. 8° — hat p. [III] u. 
lY ein »Advertisement to the American Edition«, unterzeichnet 
»Lowell Mass., April 1840«, worin der Yerleger sagt, daß 
eine ordentliche Einleitung und Empfehlung des Werkes über- 
flüssig sein würde. Am 30. Aug. 1840 schreibt Charles Sumner 
an Hayward (Hs. Corr. I, ySf.): »They have republished at 
Lowell, a manufacturing town in Massachusetts and the Man- 
chester of America [dieser letzte Ausdruck schon zwischen 
Gänsefüßen p. lY der soeben erwähnten , Advertisement'], 
your admirable translation of , Faust". I shall send you a 
copy of this edition by the earlier opportunity«. 

Klarer als der Herausgeber seiner Correspondenz, sagt 
H. selbst (Faust I ed. p. Yf.): »It [eine Faust-Uebersetzung] 
was first suggested to me by a remark made by Mr. Charles 
I,amb to an honoured friend [ColeridgeV Lamb war schon 
1814 Vermittler zwischen Coleridge und Murray gewesen, 
als jener , Faust' zu übersetzen versprach, vgl. Smiles, 
Memoir of J. Murray I, 297 — 302 u. Coleridges Letters, ed. 
Coleridge, II, 674 fg.] of mine : that he had derived more 
pleasure from the meagre Latin versions of the Greak trage- 
dies, than from any other versions of them he was acquainted 
with. The foUowing remarks by Goethe confirmed me in it.« 
[Folgt Uebersetzung aus D. u. W., Hempel 22, 45.] 

(S. 21.) Im Privat-Druck und in der ersten Ausgabe 
werden von Gewährsmännern /// Deutschland nur J. Grimm und 
A. W. Schlegel in der Preface bedankt. [Grimms Exemplar 
mit Hs. Widmung jetzt auf d. Berliner Bibl. Außerdem er- 
warb ich neulich in Berlin ein Exemplar mit Hs. Namen eigen- 
händig auf dem Titelblatt, und auf einem leeren Blatt >^from 
the Translator A. H.« Ein Yorsatzblatt, wohl mit dem Namen 
des Besitzers, ist ausgerissen worden]. 



256 MiSCELLEK. 

(S. 37, Z. II.) Carlyle, wie mehrere andere Engländer 
schrieb immer »Werter« [sie], vgl. Cs. Miscell. Centen. ed. L 
211, 217 u. IV, 57 und art. Goethe in Brit. Mus. Cat. 54 
und Supplem. 174. Leonard L. Mackall. 

Zu Bd. XXIV, S. pi : Die Lösung des Räthsels ist 
»Festtag« und die 7 Fragen sind mit den Worten : »Gast, 
Satt, Steg, Gatte, Saft, Ast, Sage« zu beantworten. Diese 
Lösung kam mir von C. Alt aus Weimar, einem Anonymus 
aus Wien, U. Heisterbergk in Freiberg. O. Kürsten in Erfurt, 
P. Weizsäcker in Calw zu. Im Januar 1904 sandte noch 
Franz Sandvoss in Weimar eine Lösung ein, in der er als 
letztes Wort gesta im Sinne von res gestae als Geschichts- 
bücher vorschlug. Weizsäckers poetische Lösung mag hier 
folgen : 

Geladen kommt der ^^Gast'i zum Spiel. 

»Satt« werden ist der Nahrung Ziel. 

Der »Steg« bringt trocken über Fluth. 

Dem »Gatten« ist die Treue gut. 

Mit »Sa/t« frischt die Citrone auf; 

Der »Ast« im Wald hemmt Rosses Lauf. 

Die »Sage« lehrt die Thaten dunkler Zeit 

Und »Festtag« gibt auf alles den Bescheid. 

Ueber den Parasiten waren die Correspondenten uneinig. 
Der eine meinte: »Das Gedicht »Parasit« soll einestheils die 
Antwort auf die erste Frage andeuten und zugleich irreführen, 
anderntheils in den an dieses Wort geknüpften Versen Ge- 
legenheit geben, das richtige Wort unauffällig unterzubringen.« 

Der andere: »Es scheint mir ein Verfasser zu sein, der 
sich selbst verspottet als einen Parasiten an einem solchen 
»Festtag«. Die Gäste werden, da sie ja »rathen« sollten, 
bald den richtigen Verfasser, der, »wenn er flinker war", auch 
noch obendrein tanzen würde«, herausbekommen haben.« 

Ein dritter: »Der Parasit scheint mir in eine Redoute 
sehr wohl zu gehören. Ballgäste, die »nichts auffuhren«, aber 
beim Essen und Trinken ihren Mann stellen, sind bei jeder 
solchen Festlichkeit eine häufige Erscheinung.« 

Zu Seite 266: Die »Anseres Christicolae« befinden sich 
im Besitz des Malers F. A. Seligmann in Wien. — Vgl. die 
Mittheilung und Abbildung in der Chronik des ^^'iener Goethe- 
Vereins s. unten Bibliographie. 

Zu Seite 265: Frl. B. Ringseis schreibt mir, daß die 
Combination mit Frl. von R. richtig sei. »Baronin Reizenstein 
weilte mit einer Freundin, wenn ich nicht irre, einem Frl. 
von Björnstierna dahier. Eine der Damen war Hofdame l)ei 
der Fürstin Taxis.« 



iMlSCELLEN. 257 

Zu Seite 220: Gleich nach Erscheinen meiner Notiz auf 
S. 220 des letzten Goethe-Jahrbuches, wurde ich von ver- 
schiedenen Seiten, zuerst von Herrn Dr. Apelt in Bremen, 
darauf aufmerksam gemacht, daß aus dem fünften Gedichte 
im Buche »Suleika«, sowie aus den zugeliörigen Noten und 
Abhandlungen nur »Divan«, die Bekanntschaft Goethes mit 
der Sage von der Erfindung des Reimes durch Bechräm und 
Diläram klar hervorgeht. Aus dieser Stelle, die mir aus dem 
Gedächtnisse entschwunden war, ergibt sich also unwiderleglich, 
daß auch das Reim-Wechselspiel zwischen Faust und Helena auf 
diese persische Quelle zurückzuführen ist. E. v. Lippmann. 

Zu dem Aufsatz : Ein wenig bekannter Freund Goethes im 
Goethe-Jahrbuch Band XXIV (1903) S. 256 — 261 gibt Herr 
Dr. Max Birnbaum in Berlin zahlreiche Nachträge aus Briefen 
und Tagebücher, aus denen Folgendes erwähnt sein mag: 

An Knebel, 14. August 181 2, Karlsbad: »Eines jedoch 
kann ich nicht übergehen, daß ich so glücklich gewesen bin, 
den guten Staatsrath Langermann in Töplitz, zwar nur eine 
Stunde, aber eine sehr gehaltreiche zu sehen.« 

An Zelter, 2. Sept. 1812, Carlsbad: »Er hat .... meinen 
Unglauben bekämpft und meinen Glauben gestärkt. Ich hoffe, 
er wird auch abwesend fortfahren mit mir in Verbindung 
zu bleiben.« 

Zu S. 261, letzte Zeile des Aufsatzes: Das Datum muß 
heißen: i. Juiiy (statt i. July) 181 9. August von Goethe 
war mit seiner Frau am 4. Mai nach Berlin gefahren; am 
I.Juni reisten beide aus Berlin nach Dresden ab, wo sie am 
II. Juni (über Dessau und Torgau) ankamen. 

Tagebuchnotizen betr. briefliche Verbindung mit Langer- 
mann : 

8. Juli 1819: »An Staatsrath Langermann nach Berlin.« 
2. Oktober 1824: »Herrn Geh. Staatsrath Langermann nach 

Berlin.« 
14. Dezember 1824: »Herrn Geh. Rath Langermann nach 

Berlin.« 
L. G. 

Unter den Corona-Auf Sätzen S. J12 ist der von C. Ruland 
in der Illustrirten Zeitung vergessen worden, der allein neues 
Material aus den Akten über Tod, Nachlaß etc. brachte. 

Zu ß and XXV, S.pj: Auf meine thorichte Verwechslung 
von Taxu^ und rpuxvc, in der Anmerkung über »Trache die 
schnelle« macht mich Bernhard Suphan freundlich aufmerk- 
sam. — Von Homer ist schon vor Giredo einmal im Tage- 
buch vom 29. September flüchtig die Rede. Max Morris. 

Zu S. 224, Z. 6 muß das letzte Wort »Die« statt »Der« 
heißen. ^ , ^ 

GoETHE-jAHREtCll .KXV. I7 



2. 



Chronik. 



Theodor Motmnsen. 
* 30. November 1817. f i. November 1905. 
Der große Historiker, von dessen Leben und Werken hier 
zu berichten überflüssig wäre, gehörte Goethe nicht nur in 
dem Sinne, in dem Jeder ihm gehört, der an der deutschen 
Kultur vollen Antheil hat. Sicherlich war er keine Goethische 
Natur in der Art, wie sein stiller Antipode Ernst Curtius so heißen 
konnte. Aber wenn bei den großen Geschichtschreibern nach 
Leopold Ranke fast durchweg ein so inniges Verhältniß zu un- 
serem größten Dichter wirksam war, wie weder jener noch 
etwa Droysen, der letzte von Ranke unabhängige Historiker, 
es gekannt hatte, so bildete Theodor Mommsen am aller- 
wenigsten eine Ausnahme. Freilich, wenn Curtius in 
Erschöpfung und Trauer sich an der »Iphigenie« erbaute, 
wenn Treitschke zu Goethes Lyrik greifen mochte, war 
Mommsens Goethe vor allem der Dichter des »Faust«, des 
»Divan«, der Xenien und Sprüche: der lehrhafte, in fremde 
Formen sich versenkende , mit dem ungeheuersten Stoff rin- 
gende Meister unserer Meister. Gern bekannte er sich schon 
äußerlich zu ihm, indem er jenen Dichtungen Motti zu seinen 
Werken entnahm, wie der Gläubige Bibelstellen citirt. Jene 
ebenfalls an »Bibelfestigkeit« gemahnende sichere Belesenheit 
in der Welt der Goethischen Dichtung, um die wir Jüngeren 
die nun dahingehenden Alten beneiden, war ihm in hohem 
Grade eigen. Auch philologisch hat er wohl gelegentlich 
einen geistreichen Einfall beigesteuert, wie zum Puppenspiel 
in Plundersweilern : »damit wir tapfer Kinder kriegen«, 
die sicher richtige Besserung für »tapfere Kinder« {Scherer 
Aus Goethes Frühzeit S. 35). Ueberhaupt hatte seine innige 
Freundschaft mit Wilhelm Scherer etwas Symbolisches: was 



Chronik. 259 

den beiden großen Erneuerern der deutschen und der klas- 
sischen Philologie gemein war, die leidenschaftliche Erober- 
ungslust, die Kraft der Organisation, die mit scharfer Kritik 
vereinte Freude am wissenschaftlichen Nachschaffen, die herbe 
Polemik, die Neigung zur Paradoxie, die Freude auch am 
gelungenen Ausdruck für das Empfundene — all' das findet 
seine Einheit, seine Wurzel in den Eigenschaften, die den 
Aelteren wie den Jüngeren so eng mit Goethe verbanden. 

Goethe war eine unhistorische Natur, wo es sich um 
die Menschenwelt handelte ; trotzdem er in den Fragen der 
Natur ein eminent historischer Denker war. Wir müssen auf 
dieser Antithese beharren, trotz allem, was Ottokar Lorenz und 
andere vorgebracht haben, um den großen Naturforscher 
auch zu einem bedeutenden Historiker zu stempeln. Er ver- 
mochte bestehende Zustände großartig zu überschauen, das 
Italien Benvenutos und das Frankreich Voltaires, den Orient 
des Hafis und Klopstocks Deutschland; aber der Mann, den 
in Morphologie und Mineralogie immer vor allem die Meta- 
morphosen fesselten, wandte von jeder eingreifenden Aende- 
rung der Völkerschicksale sein Auge mit unwilligem Beharren 
hinweg. Wollen wir Theodor Mommsen ganz verstehen, er- 
kennen, was ihn von seinen Vorgängern scheidet, was ihn 
einreiht in die Kette der wahrhaft bahnbrechenden Meister ge- 
schichtlicher Forschung und Darstellung, so sagen wir vielleicht 
am besten : Mommsen hatte von Goethe gelernt, sich zu der 
Menschengeschichte so zu stellen, wüe der Dichter sich zu 
der Naturgeschichte stellte. 

Jene große Unabhängigkeit meinen wir zuerst, die sich 
jenseits von Teleologie und moralischer Sentenz stellt. »Zweck 
sein selbst ist ein jedes Geschöpf«. — Sicherlich ward diese 
Unabhängigkeit von dem starken politischen Wollen des 
Historikers gelegentlich gekreuzt. Er erscheint zwar gänzlich 
objectiv, wenn er (Römische Geschichte 1,276) ausspricht, die 
Aenderung der Staatsform sei an sich für ein Volk kein Un- 
heil — wie er denn auch wirklich der Republik keine Thräne 
nachgeweint hat. Er scheint gar Goethes politischer Ge- 
sinnungsgenosse in seiner Stellungnahme zu Cäsar und Brutus, 
oder in seiner Verachtung der Bürgergeneräle, die im Wein- 
haus Schlachtpläne auf den Tisch zeichnen (ebd. 1,823). 
Aber häufig ist er doch wirklich der leidenschaftliche liberale 
Politiker, der über den römischen Adel, über Pfaffen und 
Kapitalisten im alten Rom urtheilt. Indess — auch hier 
steht er von Goethes Art gar so weit nicht ab. Aesthetisch 
ist seine Parteinahme vor allem bedingt, wie bei Ranke; 
nur daß ihm eben die frei sich entfaltende Volkspersönlich- 
keit der höchste ästhetische Genuß ist, wie jenem andern 
Meister der großartige Einzelne. Cäsar ist für Mommsen 

17' 



26o Chronik. 

gewissermaßen die Verkörperung des Römerthums. Wenn 
er sich dies zum Gegenstande der erneuernden Forschung 
gewählt, obwohl er selbst den Mangel großer Individualitäten, 
wie Hellas sie zeigt, schmerzlich empfand (ebd. S. 453), so 
zeigt schon diese Wahl, was die Vorliebe des trotzigen Hol- 
steiners für Hannibal — und was seine Abneigung gegen 
Bismarck bestimmte. 

Doch hierin eben waren ihm mit Leopold v. Ranke schon 
andere Historiker vorangegangen. Ganz neu, ganz Goethisch 
war die großartige Unbefangenheit, mit der Mommsen in den 
geschichtlichen, wie der Dichter in den naturwissenschaftlichen 
Gegenständen überall, auch im Kleinsten, das Walten der 
großen geheimen Schöpferkraft erkannte und anerkannte. 
Ihm war die Geschichte, wie Goethe die Natur, eine Göttin, 
deren geringste Kundgebung noch göttlich ist. »Es ist ein 
ewiges Leben, Werden und Bewegen in ihr, und doch rückt 
sie nicht weiter. Sie verwandelt sich ewig, und ist kein 
Moment Stillstehen in ihr . . . Sie hat keine Sprache noch Rede ; 
aber sie schafft Lungen und Herzen, durch die sie fühlt 
und spricht«. 

Aus dieser Anschauung heraus gewann Mommsen der 
Geschichtschreibung jene ungeheuere Verbreiterung der Empirie, 
die allein ihn schon unsterblich gemacht hätte. Die Münz- 
kunde war bis dahin eine Liebhaberwissenschaft gewesen, 
deren reinliche und klare Anordnung durch Eckhel freilich 
Goethe schon beglückt hatte ; nun ward sie in den Großbetrieb 
der Wissenschaft von Alt -Rom hineingezogen. Für diesen 
Zweig, wie für die systematische Ausnutzung der Inschriften 
war Böckh vorangegangen ; aber Mommsen ergriff mit fester 
Hand auch die Hilfe der vergleichenden Sprachwissenschaft, 
der Ethnologie ; jeder Backstein und jeder Götterkult, jeder 
versprengte Name und jede Völkerphysiognomie ward gleich- 
mäßig benutzt. So ward Mommsen der große Organisator 
wissenschaftlicher Arbeit, unerreicht seit und trotz Leibniz, 
und wer hätte ihn hier mehr bewundert als Goethe, dem 
klare Ordnung an sich etwas Wohlthuendes war? Er hätte 
in Mommsen einen schönen Typus des »Dämonischen« be- 
wundert wie in Napoleon, der vom Gießen der Kanone bis 
zum Abfeuern des Schusses jeden Schritt seiner Artillerie- 
kunst gleich sicher beherrschte. 

Und so ward Mommsen auch ein Schüler Goethes in der 
großen Conception der Weltliteratur: eine vergleichende Kennt- 
niß nationaler Eigenart gehörte zu den Vorbedingungen seiner 
»Römischen Geschichte«. Wie Goethe zur Hälfte ein Bürger 
Roms — der freilich öfter als sein Meister sich an italischer Luft 
erfrischen durfte — , war der meisterhafte Uebersetzer des Luci- 
lius und des Carducci doch für jede große Erscheinung der 



Chronik. 26 I 

Literatur empfänglich. Seinen lebhaften Antheil, seine starke 
Art, auf alle Anregungen zu reagiren, mögen ein paar Citate 
aus dem Brief anschaulich machen, den er mir nach Empfang 
meiner Literaturgeschichte schrieb. Bei freundlicher An- 
erkennung sprach er doch einen entschiedenen Tadel aus, 
der gerade dem, den ich am häufigsten hörte, widersprach : 
ich sei viel zu milde gewesen. »Die mächtige Strenge, welche 
von einem derartigen Gesammtwerk verlangt wird, ist nicht 
geübt und es ist dem Literarhistoriker nicht erlaubt wie bei 
dem Herabkommen der Rekruten den Maßstab um einige 
Zoll tiefer zu nehmen«. Und zu diesem Urtheil kam er 
eben, weil er alle dichterische Produktion an Goethe maß. 
»Daß wir sehr heruntergekommen sind in diesem ablaufenden 
Jahrhundert ist gewiß genug . . . Kellers Kleinkunst, Storms 
Verschwommenheit, Frey tags Philisterthum sollten und 
müßten in ihrer das wirklich Geleistete nicht aufhebenden, 
aber recht sehr einengenden Begrenzung aufgezeigt, der bei- 
nahe absolute Mangel der hohen Lyrik, des großen Dramas 
nicht übersprungen werden. Der Standard geht herunter 
und man erinnert sich an die bitteren Worte Goethes von 
dem was uns die größte Gesellschaft beut. Die wirklichen 
Ausnahmen : Mörikes Lyrik, Ludwigs, des leider zerdrückten 
Genies, Makkabäer kommen dadurch um ihr gutes Recht«. 
Ich habe diese Kritik natürlich hier nicht zu erörtern, — 
in meiner Antwort rief ich Goethe mit seinen Sprüchen in 
Prosa (bei Hempel S. 19, Nr. 28 und 624) an — , sondern 
nur dies charakteristische Zeugniß dafür beizubringen, wie 
der große römische Reichshistoriker deutscher Nation gleich 
dem großen Friedrich die Literatur seines Volkes bis zuletzt 
mit ehrgeizigen Hoffnungen und zorniger Enttäuschung an 
den größten Maßstäben maß. 

Der Mann, den Scherer aus Scherz »Dichter« nannte, 
wenn dieser ihn als »Journalisten« neckte, war ja auch 
wirklich Poet und sein Antheil am »Liederbuch dreier 
Freunde« ist bereits Gegenstand einer trefflichen philologisch- 
kritischen Studie (von Alexander Ehrenfeld , Neue Zürcher 
Zeitung 26.-27. November 1903; vergl. K. E. Franzos 
Deutsche Dichtung, Bd. 35, Heft 7, S. 175) geworden. Die 
Virtuosität der Form kann eine starke Abhängigkeit, vor allem 
von den Reimkünstlern Byron (Liederbuch S. 455 f-. 113. ii?) 
und Freiligrath (S. 30 vgl. S. 67) nicht verläugnen, und ebenso- 
wenig Heinesche Töne (vgl. S. 163, 166); aber viel merk- 
würdiger ist schon bei dem Jüngling der Einfluß des West- 
östlichen Divans (S. 104) und des alten Goethe überhaupt 
(S. 109). Eine wirkliche That war es, 1843 Gutzkow (S. 163) 
und den gealterten Eichendorff (S. 160, 167) so energisch ab- 
zulehnen und Mörike (S. 144, 156, 167) für Norddeutsch- 



262 Chronik. 

land zu entdecken; denn wenn auch die Arbeit der »Chorizonten« 
nicht vollendet ist, scheint doch hier (wie bei der Ritornellen- 
Dichtung) Mommsen Storm vorausgegangen zu sein. — Viel 
stärker aber zeigt sich seine künstlerische Begabung in der 
machtvollen Kraft seines Stils, der so durchaus persönlich 
ist, wie zwischen Lessing und Nietzsche der keines zweiten 
Meisters deutscher Prosa. Die wundervollen Charakteristiken 
eines Cäsar oder Hannibal, eines Massinissa oder Scaurus, 
die epigrammatischen Urtheile über ganze Nationen — wie 
etwa (Römische Geschichte i, 677) über die Spanier »voll 
von dem Geist des Cid wie des Don Quijote« — , die groß- 
artigen Gesammtschilderungen von Land und Leuten zeugen 
dafür, wie auch nach dieser Seite Mommsen sich Goethes 
Bild auf den Hausaltar zu stellen ein Recht hatte. Mit 
ihm theilte er die Kraft der wissenschaftlichen Phantasie — 
mit ihm auch deren Begrenzung. Wie Goethe , gehörte 
Theodor Mommsen dem Zeitalter der Aufklärung an ; auch 
er, wie der Dichter des »Faust«, wenn kein »Widerchrist«, 
so doch ein »decidirter Nichtchrist«, dem das Wesen des auf- 
steigenden Christenthums fremd und unheimlich blieb, wie 
dem Biographen Cellinis das Bild des Savonarola. Hier, wie 
oft bei der Beurtheilung der eigenen Zeit, versuchte er es 
mit Grillparzer »stehen zu bleiben, wo Goethe und Schiller 
stand« und ragte in unsere Zeit gigantisch hinein als der 
Letzte aus Altweimar. 

Als Eduard Simson den Präsidentenstuhl der Goethe- 
Gesellschaft verließ, den er geziert hatte, wie den des Reichs- 
tags und des Reichsgerichts, war es Vieler Wunsch, der 
größte unter den lebenden Goetheverehrern möchte diesem 
Platz mit dem Ruhm seines Namens neuen Glanz geben. 
Mommsen lehnte eine Würde ab, der er nur eben mit seinem 
Namen hätte Genüge thun können, und ließ sie einem wür- 
digen Vertreter der Arbeit innerhalb unserer Gesellschaft. 
Für die geistige Gemeinschaft aber, die sich um Goethe 
schaarte, wird er im Consul perpetuus bleiben. 

Richard M. Meyer. 



Eduard Lassen. 
* 15. April 1830. t 15- Januar 1904. 

Am 15. Januar starb nach längerem Leiden Dr. Eduard 
Lassen. Unter den Todten, denen auch die Goethe-Gesell- 
schaft ehrendes Andenken schuldet, nimmt er einen hervor- 
ragenden Platz ein : Manche seiner größten und schönsten 
Orchester-Compositionen , zahlreiche Lieder-Compositionen 
sind Nachbildungen und Ergänzungen Goethescher Dichtungen. 



Chronik. 263 

Lassen war 1830 zu Kopenhagen als der Sohn eines 
israehtischen Cultusbeamten geboren. Bald siedelten seine 
Eltern nach der belgischen Hauptstadt über. In Brüssel, wo 
er, fast noch ein Knabe, zum ersten Male als Klaviervirtuose 
in einem Concert auftrat, empfing er unter Fetis Leitung seine 
künstlerische Ausbildung im Conservatorium. Die Anstalt 
entließ den hochbegabten, für die Kunst Bedeutendes ver- 
sprechenden jungen Mann im Jahre 185 1 unter Ertheilung 
der größten Auszeichnung, des Prix de Rome , der ihm für 
eine Cantate Balthazar zuerkannt ward. 

Mit diesem Preis war ein Stipendium zu Studienreisen 
auf die Dauer von vier Jahren verbunden. In diese Zeit fällt 
Lassens erstes Auftreten in Weimar. Er kam hierher um sich 
Franz Liszt vorzustellen und die neue musikalische Bewegung, 
die in diesem und Richard Wagner ihre Führer, in Weimar 
ihren Mittelpunkt hatte, und in der er selbst bald ein Fahnen- 
träger sein sollte, zu studiren. Die Beziehungen zu Liszt, 
der ihm von dieser ersten Begegnung an bis zu seinem Tode 
ein treuer Freund gewesen ist, wurden von maßgebender 
Bedeutung für Lassens Lebensgang und künstlerische Be- 
thätigung. Er selbst empfing nach seinen eigenen Worten 
in Weimar eine neue künstlerische Offenbarung, sein noch 
tastendes Streben ein festes Ziel. Der alsbald gefaßte Ent- 
schluß, nach Ablauf seiner Studienzeit nach Weimar an Liszts 
Seite zurückzukehren, ward 1856 ausgeführt; mit Weimar ist 
von nun an auch sein Name untrennlich verbunden. Liszt, an 
der Spitze der Oper des Weimarischen Hoftheaters stehend, 
nahm Lassens Oper »Landgraf Ludwigs Brautfahrt« an. Die 
erste Aufführung fand unter des jungen Componisten eigener 
Leitung im Jahre 1857 statt; im Jahre 1858 ward er zum 
zweiten Kapellmeister, 1876 zum Hofkapellmeister ernannt. 
Dies letztere Amt hat er ununterbrochen bis 1895 bekleidet, 
wo er mit dem Titel General-Musikdirector in Inactivität trat. 

In den knappen Rahmen dieses äußeren Lebensverlaufes 
das volle Bild seiner künstlerischen Individualität und seiner 
Bethätigung derselben als Componist , als Kapellmeister und 
als reproduzirender Künstler am Klavier hineinzuzeichnen, 
würde zu weit führen. Nur in einigen leichten Strichen seien 
wenigstens einige Umrisse gegeben von dem Tondichter. 
Lassen war ein fruchtbarer Componist, ein empfänglicher Geist 
und eine lebhafte Phantasie, acht künstlerische Feinfühligkeit und 
ein eminentes technisches Können gestatteten ihm ein reges 
Schaffen ; solche Befähigung zu leichter aber durchaus nicht 
oberflächlicher, sondern immer in das Innere und in die Tiefe 
gehende Conception fand einen festen Stützpunkt in der Ehr- 
lichkeit seines Empfindens, in seinem feinen kritischen Urtheil 
und in der peinlichen Sorgfalt bei der Ausarbeitung. Die Zahl 



264 Chronik, 

seiner Tonwerke — Opern, Symphonieen, Partituren, Lieder- 
cyklen — beläuft sich auf etwa 100, darunter über 200 ein- 
zelne Lieder; seine letzte, wenige Wochen vor seinem Tode 
erschienene Arbeit bietet schlichte Begleitungen zu Brentanos 
und Arnims Sammlung alter deutscher Volkslieder »Aus des 
Knaben Wunderhorn.« Neben seinen Liedern, in denen er 
nach Bülows Urtheil die ihm eigene dramatische Leiden- 
schaftlichkeit nicht verleugnet, aber sie stets der Innerlichkeit 
und Tiefe der Empfindung unterordnet, haben vor Allem seine 
Compositionen zu Schauspielen durch den Reichthum an 
melodischer Erfindung, instrumentalem Zauber, dramatischem 
Ausdruck und durch feinfühliges Verständniß des Dichters ge- 
wirkt. So schuf er die Musik zu Hebbels Nibelungen, Sophokles' 
König Oedipus, Calderons Ueber aller Zauberliebe, vor allem 
aber zu Goethes Faust in der Devrientschen Bearbeitung. 
Auch seiner Composition zu Schillers Dichtung an die Künstler 
sei hier gedacht, die Lassen für ein großes belgisches Sänger- 
fest geschaffen hatte. Sophokles, Calderon, Hebbel, Schiller, 
Goethe — es sind eben die Größten, an denen er sich be- 
geisterte, wie er denn selbst wohl von sich sagte, daß eben 
nur echte Dichtung ihn zum Schaifen anzuregen vermöge. 

Hervorgegangen aus der französischen Schule hatte Lassen 
nach einem Worte Bülows »in Weimar den Ritterschlag des 
Deutschen Musikers erhalten«. Aber noch ein anderes ist hier 
und gerade hier hervorzuheben : der echte Künstler fühlt sich 
in Weimar bald als ein Sohn dieses geweihten Bodens; so ist 
Lassen auch ein echter Sohn Weimars geworden, erfüllt von 
Ehrfurcht vor den großen Weimarischen Ueberlieferungen und 
von dem ernstesten Streben, einzudringen in den Goetheschen 
Genius. Davon die erste schöne Frucht war die schon er- 
wähnte Musik zu beiden Theilen des Faust. Sie zu werthen, 
im Hinblick auf die gleichen Schöpfungen anderer Tonkünstler, 
ist hier ausgeschlossen; aber eines darf gesagt werden : diese 
Musik, die so feinfühlig dem Drama sich anpaßt, und — ich 
entlehne diese Bemerkung dem Urtheil eines Fachgenossen 
Lassens — zum ersten Mal im Melodram das Leitmotivprinzip 
und die Instrumentalfarben Wagners und Liszts mit Meister- 
schaft zur Anwendung bringt, hat außerordentlich dazu bei- 
getragen, die gewaltige Dichtung nicht nur dem Interesse 
sondern auch dem Verständniß weiterer Kreise näher zu 
bringen. 

Lassens »Faust«, den er im Jahre 1873 begann und 1876 
endete, so daß die erste Aufführung (6. Mai 1876) den Schluß 
der Theater- Veranstaltungen aus Anlaß der Säcularfeier von 
Goethes Ankunft in Weimar bildete, liegt jenseits der Zeit 
der Bildung der Goethe-Gesellschaft. Aber als diese erfolgt 
war und durch die Erschließung des Goethe-Hauses im wei- 



Chronik. 265 

testen Sinn mit seinen literarischen und künstlerischen Schätzen 
überall die Kräfte sich in neuer Arbeit regten, da hat auch 
Lassen mit schöner Begeisterung seine Kunst in den Dienst 
dieser Arbeit gestellt, theils in eigenen neuen Schöpfungen 
— die Musik zu »Pandora« (aufgeführt 1886), zu den »Vögeln« 
(1892), zuletzt zum »Triumph der Empfindsamkeit« (1902), theils 
durch die feinfühlige Wiedergabe zeitgenössischer Composi- 
tionen zu Werken Goethes, wie die »Fischerin«, das »Jahrmarkts- 
fest von Plundersweilern«, das »Erwachen des Epimenides«, um 
anläßlich der Jahres -Versammlungen der Goethe-Gesellschaft 
Weimars Erinnerungen in lebensvollen Bildern vorzuführen. 
Es war auch hier eine Freude für ihn, aus dem eigenen 
reichen Schatz zu spenden oder die Vergangenheit neu zu 
beleben. Unter dem Zeichen der Goethe-Gesellschaft stand 
auch Lassens letztes öffentliches Auftreten. Bei der von 
dieser veranstalteten Gedächtnißfeier für den verewigten Groß- 
herzog Karl Alexander, am 31. Mai 1901, dirigierte er den 
Trauermarsch aus Beethovens Eroica, die letzte Huldigung, 
die er dem Protektor der Goethe-Gesellschaft darbrachte, 
der ebenso wie die Großherzogin Sophie den Künstler stets durch 
besonderes Vertrauen und Wohlwollen ausgezeichnet hatte. 
So steht Eduard Lassens Name wie in der Geschichte 
der deutschen Tonkunst, so auch in den Annalen der Goethe- 
Gesellschaft unvergänglich eingetragen. P. v. Bojanowski. 



Louis P. Betz. 
• 18. December 1861. f 29. Januar 1904. 

Mitten aus reicher Arbeit ist in Zürich Professor Dr. L. 
P. Betz am 29. Januar 1904 mit 42 Jahren geschieden. Ja, 
er ist der Universität sozusagen zu Beginn seiner eigent- 
lichen Lebensarbeit entrissen worden. Er war dazu aus- 
ersehen , als einer der ersten die vergleichende literatur- 
geschichtliche Forschung im deutschen Universitätsunterricht als 
Sonderfach zu vertreten und nun, nachdem er sich diese 
hervorragende Stellung geschaffen, ist die aussichtsreiche 
Thätigkeit mit seinem Leben gebrochen — pendent opera 
interrupta. 

Betz, dessen Familie aus dem Elsaß stammt, war 1861 
in New-York geboren, hatte aber seine Schulbildung vom 8. 
bis 20. Lebensjahr in Zürich genossen. Die in Straßburg 
und Freiburg begonnenen juristischen Studien brach er 1883 
ab, um in New-York zu kaufmännischer und industrieller 
Thätigkeit überzugehen, in deren geschäftigem Treiben er in- 
dessen seinen literarischen Neigungen nicht untreu wurde. 
Mit 30 Jahren zog er sich von den Geschäften zurück und 



266 Chroxik. 

siedelte mit seiner Familie nach Zürich über, um sich dem 
Studium der neueren Sprachen und Litteraturen, speziell der 
Sprache und Literatur Frankreichs zu widmen. Mit jungen, 
eben üügge gewordenen Studenten setzte sich der weltkundige 
Mann auf eine Bank und arbeitete mit ihnen um die Wette, 
an Sprachbeherrschung — er sprach und schrieb Englisch, 
Deutsch und Französisch — und Lebenskenntniß, an Reife 
des Urtheils und Belesenheit ihnen weit überlegen. Für 
seine akademischen Lehrer war er ein fesselnder und anregungs- 
reicher Schüler, dessen weltmännische Art und kosmopolitische 
Denkweise willkommene Würze in die oft etwas unschmack- 
haften Gerichte der Seminarübungen brachte. Manche dieser 
Besprechungen führte durch seine Betheiligung vom philo- 
logischen Ausgangspunkt, mochte er Moliere, Charles d'Orleans 
oder ein altfranzösisches Fabliau sein, zu Fragen der Welt- 
anschauung und klang lange nach. Das Verhältniß zwischen 
Schüler und Lehrer ward denn auch rasch ein herzliches 
und aus dem Collegen wurde ein lieber Freund. — H. Heine 
zog ihn vor allem an. Seine umfangreiche Doktordissertation 
behandelte »Heine in Frankreich« (Zürich 1895) und zu 
Heine und seiner einflußreichen Stellung in der Weltliteratur 
ist er auch in späteren Arbeiten gerne zurückgekehrt. Im 
Jahre 1896 habilitirte er sich mit einer Schrift, die dem Be- 
gründer des literarischen Journalismus gewidmet ist: »Pierre 
Bayle und die Nouvelles de la Republique des Lettres 
1684 — 87«. Seine Antrittsvorlesung über »Heine und Musset« 
ist in erweiterter Form 1897 erschienen. Lebensgang und 
Neigung führten ihn dazu, sich denjenigen Schriftstellern und 
Werken zuzuwenden, an denen sich die literarischen Wechsel- 
beziehungen der romanischen und germanischen Völker stu- 
diren ließen. Er fand sich hier mit dem französischen 
Forscher Joseph Texte zusammen. Gemeinsame Anschauung 
verband die beiden. Nun ist Betz dem im allzufrühen Tode 
vorangegangenen Freunde allzufrüh gefolgt. 

In demselben Sinne wie die Sprachwissenschaft, soll sie 
diesen Namen verdienen, entwickelungsgeschichtlich und ver- 
gleichend sein muß, muß auch die literarhistorische Forschung 
vergleichend sein. Auch das literarische Leben steht unter 
Bedingungen und verläuft nach Gesetzen, die nicht an den 
Landes- oder Sprachgrenzen ein Ende haben. Wenn also 
jeder Literarhistoriker auch »Literaturvergleichung« treiben 
muß, so ist es doch ein Anderes, ob diese Vergleichung als 
unentbehrliches Forschungskomplement gleichsam nebenbei 
mitgeführt und als eine Ergänzung der Information beachtet 
wird, oder ob sie zum eigentlichen Gegenstand der Arbeit, 
zum Centrum der Fragestellung gemacht und auf diese Weise 
als Sondergebiet konstituirt wird. Diese Verselbstständigung 



Chronik. 267 

der vergleichenden literarischen Forschung erstrebten und 
vertheidigten Texte und Betz mit Geschick und Glück in 
programmatischen Arbeiten. Es handelt sich um ein unüber- 
sehbares und labiles F'orschungsgebiet und es ist kein Wunder, 
daß eine erste Bibliographie desselben (La litterature com- 
parde, essai bibliographique. Straßburg 1900) Stückwerk 
bleiben mußte. Das wußte ihr Verfasser Betz, der in der 
Vorrede den Wunsch ausspricht, Mitforschern dienen zu 
können en jetant tont inon petit avoir en päture ä la cri- 
tique, am allerbesten. Er hat sich den Dank verdient, auf 
welchen die Anspruch haben, die den Muth besitzen, Pfad- 
finder-Arbeit zu thun. Aufmerksam verfolgte er das geistige 
Leben seiner amerikanischen Heimath und insbesondere die 
Entwickelung, die seine Wissenschaft an den dortigen Hoch- 
schulen, z. B. der Columbia University, fand. Darnach 
suchte er seine akademische Lehrthätigkeit zu gestalten, 
nachdem ihm vor zwei Jahren eine außerordentliche Professur 
für vergleichende Literaturgeschichte übertragen worden 
war. — Eine Reihe seiner interessanten vergleichenden 
Studien vereinigte Betz kürzlich zu einem Bande, der in 
Frankfurt im Verlage der Literarischen Anstalt, Rütten & 
Loening erschienen ist: »Studien zur vergleichenden Litera- 
turgeschichte der neueren Zeit«, Frankfurt a. M. 1902. 
»Edgar Poe und Charles Baudelaire«, »J. J. Bodmer und 
die französische Literatur« eröffnen neue fesselnde Aus- 
blicke in nahes und fernes literarisches Leben. An 
Gerard de Nerval (eine Studie über Goethe und G. d. N. 
erschien in G.-J. Bd. XVIII) , Heinrich Leuthold , Emile 
Montegut und andern zeigt uns Betz die stille Thätigkeit 
feiner Geister, die am Werke sind, feindliche Nationen zur 
gegenseitigen Kenntniß und Schätzung zu führen, nach Edgar 
Quinets Wort, das er zu seiner Devise gemacht hatte: Ma 
religion litte'raire et politique, c'est l'unite des lettres et la 
fraternite des peuples modernes. 

Betz war ein eifriger Arbeiter und ein Mann von aus- 
gebreitetem literarischem Weissen. Er hat aufrichtig nach 
Wahrheit gestrebt und sich die Forschung nicht leicht gemacht. 
Er war ein geistreicher Mensch und konnte im Meinungs- 
gefecht eine scharfe Klinge führen. Daß er seinen Arbeiten 
vielfach eine unzünftige Form gab, hat manchen Wider- 
spruch geweckt, manche Anerkennung hintangehalten und 
ihm manche — oft recht ungerechte — Kritik eingetragen. 
Er war eine unabhängige, selbständige Natur und weckte da 
die lebhaftesten Sympathien, wo Unzünftigkeit nicht disquali- 
fizirt und L'nabhängigkeit nicht schreckt. In der freien 
wissenschaftlichen und literarischen Atmosphäre Zürichs 
leibte und lebte er. Die literarischen Kreise der Stadt 



268 Chronik. 

werden ihn schwer vermissen und schmerzUch den Verlust 
seines lebhaften, frischen Geistes empfinden. Sie verdanken 
ihm viel. Sie dankten es ihm auch. 

Groß ist die Zahl der Freunde, die um ihn trauern als 
um einen guten und liebenswürdigen Menschen. Die Uni- 
versität verliert einen tüchtigen und fesselnden Lehrer, der 
für ein neues Unterrichts- und Forschungsgebiet erfolgreich 
gewirkt hat, und die Wissenschaft verliert einen Forscher, 
von dessen umfassender literarischer Bildung und von dessen 
Arbeitsfreudigkeit sie noch vieles und schönes erwarten 
durfte. Die zehn Jahre, die er in ihrem Dienste gestanden, 
geben das Maß dafür. H. Morf. (Frankf. Ztg. 2. Febr.) 



K. E. Fratizos 
* 25. Oktober 1848. f 28. Januar 1904. 

Dem Holsteiner, dem Dänen, dem Deutsch-Amerikaner, 
der zum Schweizer wurde, schließt sich der Galizier an, der, 
von deutschen Eltern geboren, eine deutsche Bildung genoß 
und vollkommen zum Deutschen wurde. Im Gegensatze zu 
Lassen und Mommsen, die satt an Tagen starben, mußte er 
im besten Mannesalter von uns scheiden. Er starb in der 
Fülle der Kraft, auf der Höhe des poetischen Schaffens. 

Unserm Kreise stand er nahe. Wenn er auch nur einmal 
an der Versammlung der Goethe-Gesellschaft theil nahm, und 
zwar 1891 bei der mit besonderem Glanz gefeierten Zusammen- 
kunft, bei der auch die hundertste Wiederkehr der Eröffnung 
des Weimarer Theaters begangen wurde (G.-J. XV, 303), so 
war er mit vielen Mitgliedern unserer Gesellschaft durch 
literarische Kameradschaft und alte Freundschaft verbunden. 
Unsere Studien pflegte er gern. Nicht, daß er bei der Commen- 
tirung der Werke des Meisters half, oder den vielen bio- 
graphischen Schilderungen eine neue zufügen wollte, sondern 
in dem Sinne, daß er kleine Bausteine zusammenbrachte und 
Beiträge lieferte, zur Erkenntniß Goethes und seiner Zeit. 
Denn er war ein eifriger und vom Glück begünstigter Sammler 
von Handschriften, der das von ihm Zusammengebrachte nicht 
eifersüchtig verschloß, sondern gern andere an seinem Besitze 
theilnehmen ließ. 

Die von ihm begründete und bis zu seinem Tode ge- 
leitete Zeitschrift »Deutsche Dichtung« brachte von ihm theils 
unter seinem Namen, theils unter dem angenommenen Namen 
O. Härtung, Band V, ungedruckte Briefe von Goethe an Dein- 
hardstein (G.-J. X, 285, 291), im IX. Bande Goethes Brief- 
wechsel mit Friederike Unzelmann-Bethmann (G.-J. XII, 284, 
287, XIII, 280, 283), Band XVII Briefe von und an Goethe 



Chronik. 269 

(vergl. G.-J. XVI, 274), Band XII Neues von und an Lenz. 
Menschliches aus Weimars goldner Zeit, Band XIX Briefe 
Riemers an Goethe (vergl. G.-J. XVII, 299). Außerdem wurde 
in Band V der Zeitschrift ein Portrait und in Band V und IX 
die Nachbildung eines Autographs mitgetheilt. Auch aus dem 
Nachlasse von Goethes Mutter, Sohn und Schwiegertochter 
wurden in dieser Zeitschrift durch Andere interessante Proben 
veröffentlicht. Mannigfachen Beurtheilungen aus der Goethe- 
literatur und einzelnen Essays anderer Mitarbeiter, die sich 
auf das Faustbuch und Goethes Bearbeitung von Kotzebues 
»Schutzgeist« bezogen, räumte er gern dort einen Platz ein. 
Einer anderen Zeitschrift steuerte er Mittheilungen aus Goethes 
Theaterakten bei (vergl. G.-J. XIV, 321). 

Auch das Goethe-Jahrbuch hatte sich seiner Theilnahme 
zu erfreuen. Diese bewies er dadurch, daß er in der schon 
genannten Zeitschrift einige Bände anzeigte und kritisch 
würdigte, auch mit Tadel nicht zurtickhielt, besonders Zusätze 
und Berichtigungen aus seinem reichen Wissen beisteuerte 
(vergl. G.-J. XIX, 312). Auch im Jahrbuch selbst war er mit 
einem Beitrag vertreten (X, 117 — 138), mit der Denkschrift 
über die deutsche Literatur nämlich, von Knebel für Frau 
von Stael gearbeitet, die er sauber commentirte. Ferner hatte 
das Jahrbuch häufig Gelegenheit, nicht bloss die eigentlichen 
Goethebeiträge der Franzosschen Zeitschrift zu registriren, 
sondern auf viele, dort veröffentlichte handschriftliche Schätze 
hinzuweisen, die sich mittelbar auf Goethe, seine Zeit und 
seine Umgebung bezogen. 

Aber nicht bloss in diesem engeren Sinne der Mitarbeit 
gehörte er unseren Kreisen an. Er war ein goethereifer Mann. 
Er stand mitten inne zwischen jener älteren Generation, die, 
noch zu Goethes Lebzeiten geboren, fest in der Tradition 
wurzelte und der neuesten, die sich von dem Meister wie von 
der klassischen Zeit überhaupt loszulösen beginnt. Er kannte 
seinen Goethe, wenn er auch nicht von der Sucht besessen 
war, ihn stets zu citiren. Er betrachtete ihn als selbstver- 
ständlichen Besitz, dessen er nicht entbehren mochte. Schade, 
daß er niemals die Freude an dem Wirken unseres Großen 
in ähnlich begeisterter Weise schilderte, wie in der köstlichen 
Skizze Schiller in Barnow. Merkwürdiger Weise ging er auch 
in dem letzten Werke, das er durch den Druck veröffentlichte, 
dem ersten Bande seiner »Deutschen Fahrten. Aus Anhalt und 
Thüringen, Reise- und Kulturbilder«, Berlin 1903, an Weimar 
vorüber, obgleich er Erfurt, das Schwarzathal und Paulinzelle 
historisch -landschaftlich in seiner behaglich -humoristischen 
Weise schilderte, die auch diesem Buche viele Freunde erworben 
hat. Aber das Werk beginnt mit einem Hinweis auf eine 
Stelle aus Goethes Briefen an Frau von Stein, die er zur 



270 Chronik. 

Reiselektüre gewählt hatte und die ihn nach Wörlitz führte. 
Bei der Schilderung von Wörlitz führte er manchen Spruch 
Goethes an; in der Plauderei über Erfurt gedenkt er aus- 
führlich des »Faust«, freilich mehr der Sage als der Dichtung 
und ziemlich kurz der Unterredung Goethes mit Napoleon, 
aus dem Schwarzathal bucht er eine volksmäßige Variante 
des Goetheschen Liedes »Trost in Thränen«, und das Werk 
schließt mit Anführung von Goethes Worten über Paulinzelle, 
die in ihrer Kälte mit der begeisterten Schilderung des 
Modernen seltsam contrastiren. Aber sie werden eingeführt 
durch das bewundernde Wort : »Dieser größte Dichter, dieser 
größte Mensch, der Einem immer mehr wächst, je älter man 
wird«. 

Er ging in Goethes Wegen — schon das Sammeln von 
Handschriften war ja auch eine Lieblingsgewohnheit des 
Meisters gewesen — da er bei seinen Kulturstudien der öst- 
lichen Länder auf die Erzeugnisse des Volksgeistes : Märchen 
und Volkslieder sorgsam achtete, sie sammelte und erklärte; 
mit ihm theilte er den Respekt vor der Vergangenheit, das 
sinnige Achten auf das Kleinste, das große Talent der Beob- 
achtung, den bedächtigen Sinn des Alternden, die Theilnahme 
für die Bestrebungen der Jugend, den Eifer, diese Bemühungen 
in den rechten Weg zu leiten, Talente zu fördern und zu 
ermuntern. In echt Goethescher Weise suchte er das neue 
Geschlecht, das Miene machte, über ihn hinwegzugehen, in 
seiner Eigenart zu würdigen. 

Franzos' Hauptstärke lag nicht in der metrischen Dichtung, 
obgleich ihm mancher gute Vers gelang, sondern in der Prosa- 
erzählung und Kulturschilderung. Er konnte und wollte nicht 
ruhig beschreiben, was er sah, sondern kämpfte mit leiden- 
schaftlicher Theilnahme für Wahrheit und Recht. In seinen 
großen Romanen : »Der Präsident« und »Der Kampf ums 
Recht«, vor allem in seinem sechsbändigen Werke »Aus Halb- 
asien«, in den Erzählungen »Die Juden inBarnow«, »Moschko 
von Parma« und manchen anderen trat er für das Recht seiner 
deutschen Landsleute und seiner jüdischen Glaubensgenossen 
ein, schilderte die Herzenskämpfe einfacher Menschen und 
hervorragender Beamten zwischen den Forderungen des starren 
Rechts und dem Bewußtsein der Pflicht. Die Förderung des 
Deutschthums in dem weiten Gebiete der österreichisch- 
ungarischen Monarchie lag ihm ebenso am Herzen, wie die 
Befreiung seiner Glaubensgenossen von Vorurteilen, Miß- 
bräuchen und Aberglauben und ihre Durchdringung mit den 
Segnungen der Kultur. Er war frei von jeder Romantik, wie 
von aller Schönmalerei. Er stellte ohne Scheu das Verkehrte 
dar, wo er es fand, aber seine pietätvolle Anhänglichkeit galt 
dem Glauben, dem er entstammte und seine herzliche, unver- 



Chronik. 27 1 

tilgbare, durch Zurücksetzung und Verkennung nicht zu 
schmälernde Liebe war dem Deutschthum gewidmet, mit dem 
er sich eins fühlte. Darum förderte er deutsche Dichtung, 
besonders in der schon genannten vornehmen Zeitschrift, die 
in ihren 35 Bänden Romane, Epen, Dramen unserer ersten 
Dichter und tausende von Gedichten von Anfängern und 
werdenden Poeten enthielt, Gedichte, auf deren Verbesserung 
er viel Fleiß und Mühe verwandte. Darum widmete er sich 
auch der Erforschung der deutschen Literaturgeschichte. Er 
edirte in dem Verlage, dem er nahe stand, eine Sammlung »aus 
dem XIX. Jahrhundert, Briefe und Aufzeichnungen«, eineSamm- 
lung, die werth volle ungedruckte autobiographische Dokumente 
brachte. Er gab unter dem Titel »Die Geschichte des Erstlings- 
werkes« Selbstbekenntnisse hervorragender Zeitgenossen über 
ihre ersten Arbeiten heraus und sammelte die Stimmen her- 
vorragender Autoren über allgemeine Fragen : »Dichtung und 
Suggestion« und »eine deutsche Akademie«. Unter seinen 
eigenen Arbeiten ist die Ausgabe von Georg Büchners Werken 
die erste und einzige nach den Handschriften vorgenommene 
Edition eine solide Arbeit, seine Veröffentlichung von Ernst 
Schuhes Briefen und Tagebüchern, die bei seinem Tode fertig 
vorlag, erscheint gleich werthvoll durch die merkwürdigen 
Offenbarungen einer ringenden Dichterseele, wie durch die 
fleißigen, ins Einzelne gehenden Ausführungen undErläuterungen. 
Seine vielfachen Nekrologe heimgegangener Dichter, besonders 
seine separat erschienene Studie über C. F. Meyer, bekunden 
den feinsinnigen Aesthetiker, der neidlos fremdes Verdienst 
anzuerkennen wußte : er hatte das Recht »seinen Todten zu 
räuchern«, weil er es ihnen »auch im Leben so geboten« hatte. 
Ein ganz besonderes Verdienst erwarb er sich durch seine 
Ä'/V/^-Publikationen und Heine-Studien : es gelang ihm vielfach, 
Briefreihen des Dichters und einzelne werthvolle Briefe zu 
entdecken und zu veröffentlichen, mit eindringendem Scharf- 
sinn Heines Geburtsjahr festzustellen und Fälschungen nach- 
zugehen, die in dreister Weise sich an des Dichters Namen 
hefteten. 

Franzos' Lebensweg war einfach. Er war in Czortkow 
in Galizien geboren, besuchte das Gymnasium in Czernowitz, 
studirte in Graz und Wien die Rechtswissenschaft, wendete 
sich aber, nachdem er seine juristischen Prüfungen abgelegt 
hatte, ausschließlich der Schriftstellerei zu. Von 1872 bis 77 
war er Journalist, der auf großen Reisen viele Eindrücke 
sammelte und sie in Schilderungen verwerthete. Die in diesen 
Jahren veröffentlichten Skizzen fanden außerordentlichen 
Beifall und machten den Namen des jungen Autors schnell 
berühmt. 1874 erschien sein erstes Buch, dem zahlreiche 
andere folgten. 1877 nahm er seinen Wohnsitz in Wien, 



272 



Chromik. 



1887 in Berlin. Von 1884 bis 86 leitete er in Wien die 
»Neue illustrirte Zeitung«, von 1886 an die »Deutsche 
Dichtung«. 

Er war und blieb ein unabhängiger Mann ohne Amt und 
Titel. Diese Unabhängigkeit gab ihm einen großen Theil 
seiner Bedeutung. Er gehörte keiner Schule und keiner 
Partei an. Dies Alleinstehen jedoch führte ihn nicht zur 
Verachtung anderer oder zur Selbstüberhebung. Wie er im 
Privatleben mit einem größeren Freundeskreise verbunden 
war, so schloß er sich auch im öffentlichen einer Schar von 
Gesinnungs- und Fachgenossen an. So unermüdlich er sich 
rührte, so lange es Tag war, verstand er es auch, sauren 
Wochen frohe Feste folgen zu lassen. Den feinen Humor, 
den er in vielen Erzählungen walten ließ, bekundete er auch 
im Gespräch. Aus der Beobachtung der Gegenwart und aus 
seinen geschichtlichen Studien schöpfte er den frohen Muth 
für die Zukunft. Er glaubte an den Erfolg seiner Ideen, er 
hoffte auf den Sieg der Wahrheit und den Triumph der Freiheit. 
Er durfte sich sagen, daß er nicht umsonst gelebt habe. 

Ludwig Geiger. 




Bibliographie. 



I. SCHRIFTEN. . 
A. WEIMARER GOETHE-AUSGABE. 

Goethes Werke. Herausgegeben im Auftrage der Groß- 
herzogin Sophie von Sachsen. Weimar, H. Böhlaus Nach- 
folger. 

Siehe G.-J. XIII, 259 Anmerkung. Da das vorige Jahr- 
buch keinen Bericht über die 1902 erschienenen Bände 
brachte, so umfaßt der diesjährige Bericht den Ertrag der 
Jahre 1902 und 1903. Erschienen ist 1902 : I. Abtheilung, 
Band 34' : Sanct Rochus-Fest zu Bingen, Im Rheingau Herbst- 
tage, Kunst und Alterthum am Rhein und Main (Redactor 
B. Seuffert, Herausgeber J. fratick), Aus einer Reise in 
die Schweiz, bearbeitet von Eckermann (Redactor B. Siiphan, 
Herausgeber !<. Heitmüller und J. Wähle). Der mit der 
ersten Lieferung von 1904 erscheinende Band 34" bringt Les- 
arten und Paralipomena zu diesen Schriften, außerdem den 
vollständigen Abdruck eines Fascikels »Vorbereitung zur 
zweiten Reise nach Italien« (Redactor B. Suphan. Heraus- 
geber A Heitmüller unter Antheilnahme \on/. ]Va/ile). Zur 
Lieferung 1902 gehören noch: I. Abtheilung, Band 41': Auf- 
sätze zur Literatur im Morgenblatt und in Kunst und Alterthum 
1807 — 1822 (Redactor B. Seuffert, Herausgeber J/. Hecker); 
ly. Abtheilung, Band 26: Briefe 24. Mai 1815 — 30. April 1816 
(Redactor B. Suphan und stellvertretend C. Schiiddekopf, 
Herausgeber C. Alt). — 1903 sind erschienen: I. Abtheilung, 
Band 30: Italiänische Reise i. Theil (Redactor E. Schmidt, 
Herausgeber /. Wähle); Band 41": Aufsätze zur Literatur 
in Kunst und Alterthum 1823 -1832 (Redactor B. Seuffert, 
Herausgeber J/. Hecker); Band 42': Aufsätze zur Literatur 
in verschiedenen Zeitschriften 1820— 1830 und Ankündigungen, 

GofTHE-jAHBBtCH XXV. lO 



274 Bibliographie. 



Geleitworte 1 813 — 1830 (Redactor B. Seuffert, Herausgeber 
M. Hecker). III. Abtheilung, Band 13: Tagebücher 1831, 1832 
(Redactor B. Suphan, Herausgeber F. Heitmüller). IV. Ab- 
theilung, Band 27: Briefe Mai 1816 — Februar 181 7; Band 28: 
Briefe März — December 181 7 (Redactor B. Suphan, Heraus- 
geber C. Schiiddekopf). Einbezogen in den Bericht ist 
auch der 1904 erscheinende 2g. Band der IV. Abtheilung: 
Briefe Januar— October 18 18 (Redactor B. Suphan, Heraus- 
geber C. Schiiddekopf). 



BERICHT DER REDACTOREN UND HERAUSGEBER. 
ERSTE ABTHEILUNG. 

Band jo. Italiänische Reise I. Theil. Eine vollständige 
Handschrift hat sich nicht erhalten, nur einzelne Blätter mit 
ganz kleinen Stücken des Textes. Wohl aber besitzen wir 
Goethes Tagebuch aus Italien, das mit seiner Ankunft in Rom 
abschließt, und Briefe, besonders an Frau von Stein, Herder 
und den Herzog gerichtet (Schriften der Goethe-Gesellschaft, 
Band 2). Dies waren die hauptsächlichen Vorlagen, die 
Goethe bei Ausarbeitung der Italiänischen Reise, begonnen 
im December 1813, benutzte. Viele Aufzeichnungen sind 
sicher vernichtet worden. Der Text, wie er sich von der 
ersten Ausgabe (1816) bis in die Ausgabe letzter Hand fort- 
gepflanzt hat, war mit mancherlei Fehlern behaftet, die durch 
kritische Ausnützung der vorhandenen ältesten Niederschriften 
beseitigt werden konnten. Dies ist, nachdem Schuchardt und 
Düntzer (letzterer in der Hempelschen Ausgabe) durch glück- 
liche Conjecturen schon einzelne Fehler gebessert hatten, zu- 
erst geschehen von Günther (Vierteljahrschrift für Literatur- 
geschichte I, 497 ff.), darnach von Düntzer (Ausgabe in 
Kürschners Nationalliteratur) und Weber (Ausgabe des Biblio- 
graphischen Instituts). Durch nochmalige Vergleichung 
konnten im Text der Weimarischen Ausgabe noch mehrere 
in diesen Ausgaben stehen gebliebene Fehler verbessert 
werden. Das Seite 291 ff. nach einer älteren Fassung ab- 
gedruckte Stück (Bologna 20. Oktober 1786) liest sich wie 
eine erste Niederschrift. Zahlreiche kurze Aufzeichnungen, 
meist nur Schlagworte und Namen, haben sich in Notizheften 
und auf losen Blättern erhalten, auch ausführlichere aus dem 
Gebiete der Naturwissenschaft (Weimarische Ausgabe 2. Ab- 
theilung 7, 273 ff.). Was von diesen Aufzeichnungen zum i. 
Bande gehört, ist unter den Paralipomena abgedruckt. 

J. Wähle. 



BifU.IOGRAPHIE. 275 



Band j^'. Jt^". Die drei ersten Stücke von Bd. 34, 
I. Abth. sind in Ermangelung von Handschriften nach dem 
Druck in »Kunst und Alterthum« unter Zuhilfenahme von 
C^C herausgegeben worden. Der von den Nachlaßheraus- 
gebern hinzugefügte Gesammttitel »Aus einer Reise am Rhein, 
Main und Neckar in den Jahren 18 14 und 181 5« ist nach 
dem Vorschlag des Redactors weggelassen, dagegen ihre von 
der Reihenfolge des ersten Erscheinens abweichende Anord- 
nung beibehalten worden. Sie entspricht so den Erlebnissen, 
und thatsächlich ist auch der Aufsatz über das Rochusfest 
unmittelbar nach der Feierlichkeit entworfen, wenn auch erst 
später vollendet worden. Aus dem vierten Artikel von »Kunst 
und Alterthum 2. Heft« wurden in das dritte Stück noch 
zwei kleinere Nachträge über Köln und Hanau eingereiht, 
ein solcher über Heidelberg, der, wie auch einer über Frank- 
furt, bereits in C'C Eingang gefunden, gleichfalls auf 
Seufferts Vorschlag an eine etwas frühere Stelle, hinter 191, 4, 
gerückt. 

Von den früheren Drucken wurde nur in seltenen Fällen 
abgewichen. Es sei hingewiesen auf 23, 11 »Woge« (Düntzer), 
29, 5 »nur«, 44, 28 »er«, 135, 6 »enthielt«, 149, 11 »worden« 
(Düntzer) und die den Sinn berührende Interpunction 179,6. 
Einigemal geschah es auf Grund des in den »Paralipomena« 
mitgetheilten oder erwähnten handschriftlichen Materials ; 
so bei »den« 107, 4 und der Form einiger Eigennamen. Vgl. 
noch die Bemerkung über »berühmte« 143, 21 in der 2. Abth. 
S. 45 und zu 148, II ebenda S. 46. 

Der Inhalt der Paralipomena beweist in Verbindung mit 
den Notizen in den Tagebüchern (Weim. Ausg. III 5, 126 ff., 
vom 17. August 1814 bis Ende 1816), daß auch diesen Auf- 
sätzen, ähnlich wie es Harnack in diesem Jahrb. XXII, 292 
von dem im 49. Bande veröffentlichten sagt, ein reichliches 
Maaß von Mühe und Fleiß zu Theil geworden ist. Das gilt 
auch für den über das Rochusfest, der übrigens auch ohne das 
die Sorgsamkeit in Anlage und Einkleidung nicht verkennen 
lassen würde, und es ist für die dichterische Composition 
nicht ohne Interesse zu sehen, wie Goethe einige Tage nach 
der ersten Arbeit an diesem Stücke, am 31. August 18 14, 
sich die Verse über die Kartoffel in sein Heft einträgt, die 
er also, wie es scheint, in diesen Tagen erst kennen lernte, 
die dann aber, um eine Schlußzeile vermehrt, in Verbindung 
mit den Bauernregeln Eingang in den Aufsatz (35, 21 ff.) ge- 
funden haben (vgl. Tagebücher zum 21. und 22. Juli 1816). 
Der Einsicht in des Dichters Verfahren soll es auch dienen, 
wenn das Verhältniß seines Textes zu den in großem Um- 
fang wörtlich benutzten Mittheilungen der Freunde Sulpiz 
Boisseree. Christian Schlosser und Carl Caesar von Leonhard 

iS* 



276 Bibliographie. 



in den Paralipomena ausführlicher, als es unbedingt noth- 
wendig gewesen wäre, vor Augen geführt wird. 

Zum Schluß sei berichtigt, daß Paralipomena II, 3 von 5 
Briefen die Rede sein sollte ; durch ein unliebsames Versehen 
ist der letzte, vom 21. Dezember, unerwähnt geblieben. 

J. Franck. 



Ueber den weiteren Inhalt des Bandes und den zuge- 
hörigen größten Theil von 34" würde ausführlicher Auskunft 
zu ertheilen sein, als an dieser Stelle möglich ist. Die 
Eigenart der bezüglichen Stücke erheischte eine eingehende 
geschichtliche und kritische Einführung im Zusammenhange 
der Ausgabe. Ich habe dieselbe in 34" auf Seite 49—60 
gegeben für die »Reise in die Schweiz 1797, bearbeitet von 
Joh. Peter Eckermann«; auf S. 141 — 148 ebenda für die 
bisher nur dem Namen nach bekannten »Italiänischen Collec- 
taneen«, einen Fascikel mit der Aufschrift : »Vorbereitung zur 
zweiten Reise nach Italien« 1795, 1796. Der Bearbeitung 
Eckermanns gegenüber ist der Standpunkt gewiesen einerseits 
durch die von mir ermittelte Thatsache, daß sie durchaus 
nach Goethes Tod vorgenommen ist, nämlich vom 11. Oktober 
bis II. Dezember 1832, andererseits durch den zwar mißlichen» 
jedoch von uns zu respectirenden Begriff einer Substitution 
bei geistiger Arbeit, auf dem Eckermanns Bestallung ala 
literarischer Testamentsvollzieher fußt. Der Bestand der 
drei starken Fascikel, aus denen er die Schweizer Reise redi- 
girt hat, ist in Regestenform unter die Paralipomena auf- 
genommen. Der Band »Vorbereitung«, dessen Anschluß an 
die »Paralipomena« ich angeordnet habe, wird noch manchen 
Forscher beschäftigen. Diese Vorbereitung auf die Reise hat 
Methode, Goethe hat es damit genau genommen. Man ist 
berechtigt, dieses vorbildliche Stück als das Paralipomenon 
nicht eines einzelnen Werkes, sondern einer ganzen Periode 
zu bezeichnen. So habe ich es in dem einführenden Kapitel 
charakterisirt. »Goethes zweite Reise in die Schweiz (1779) 
wollte Wieland seinen besten »Dramata« gleichstellen, andere 
priesen sie als »Epopee«. In der Zeit der Vollreife beginnt 
Goethe seine Epopöen und Dramen, die »Achilleis« wie die 
»Natürliche Tochter«, mit sorgfältiger Schematisirung. So 
entwirft er nun auch Reiseschemata und übt sich, Erlebtes, 
Geschehenes, Gesammeltes unter praktische und ideelle Ge- 
sichtspunkte zu ordnen, immer auf den inneren Sinn der 
Dinge gerichtet. Dahin zielt das Motto des Bandes: Ol he 
civOpujTroi eK tüjv qpavepojv tu dcpavfj aKeTTTeaGai gOk eTTiaravTai 
(Hippocrates). Das Unsichtbare, um dessen Erkenntniß es. 



BiBLIOGUAI'HIE. 277 



sich handelt, ist der »Genius« der Nation und des Landes. 
Auch »Seele des Volks« sagte man ja damals schon. Im 
höheren Alter eignet sich Goethe das Wort des Cardanus 
an: »Natura infinita est; sed qui symbola animadverterit, 
omnia intelliget«. Symbola sind die begrenzten und darum 
greifbaren, begreiflichen Einzelerscheinungen, die als Typen 
den inneren Sinn einschließen und offenbaren«. 

In dem Summarium oben (S. 273) bin ich als »Redactor« 
der Bände 34', 34" aufgeführt. Das mimus rcdactorium — 
nach dem Schematismus der Weimarischen Ausgabe — deckt 
sich indessen keineswegs mit meiner Leistung in diesem Falle, 
dieselbe reicht nach allen Seiten über den üblichen Antheil 
hinaus, in dem Maße, wie es die Schwierigkeiten der kritischen 
Grundlegung erheischten. Fragen der höheren Kritik waren 
zu erledigen, die in jeder Rücksicht befriedigend zu lösen nur 
bei wiederholter intensiver Beschäftigung mit den Vorlagen 
möglich war. Eine Reihe von Jahren hat mich die Lösung 
neben meinen übrigen Aufgaben beschäftigt, und ich bin 
meinestheils sicher, das Rechte gefunden zu haben. Die Aus- 
führung habe ich auf jedem Schritte begleitet, nicht als Auf- 
seher, sondern zuthätig mitarbeitend. Auch bei andern Stücken, 
die verantwortungsvoller Vorarbeit und kritischen Unterbaues 
bedurften (ich nenne die Achilleis) habe ich über das ge- 
wöhnliche Maß hinaus eingegriffen und zugegriffen, nirgends 
aber in solchem Grade wie hier. B. Suphan. 



Band 41 faßt in seinen beiden Abtheilungen, die erste 
im Jahre 1902, die zweite 1903 ausgegeben, die Aufsätze und 
Notizen zur Literatur zusammen, die Goethe im »Morgen- 
blatt für gebildete Stände« und in »Kunst und Alterthum« 
veröffentlicht hat. 

Goethes Mitarbeit am »Morgenblatt«, so weit sie für uns 
in Betracht kommt, fällt mit wechselnder Lebhaftigkeit in 
die Jahre 1807 (zwei Aufsätze), 1809 (ein Aufsatz), 181 5 (vier 
Aufsätze), 1816 (fünf Aufsätze) ; sie hat unmittelbar die Be- 
theiligung an der »Jenaer Allgemeinen Literaturzeitung« ab- 
gelöst (Bd. 40): der letzte Beitrag literarhistorischen Inhalts, 
den Goethe dieser seiner eigenen Schöpfung überlassen hat, 
war der Bericht über Joh. von Müllers Rede »La gloire de 
Frederic« gewesen, und eine vollständige Uebersetzung eben 
derselben Rede ist Goethes erste Mittheilung an die Cottasche 
Neugründung. Zu eigentlich literarhistorischen Studien und 
Essays ist das »Morgenblatt« freilich von Goethe nur spärlich 
benutzt worden: es brachte den Aufsatz »Don Ciccio«, weil er 
durch eine Miscelle einer der vorigen Nummern hervor- 
gerufen worden war, und die Abhandlung »Shakespeare und 



278 Bibliographie. 



kein Ende!«, die an eine Stelle der vorhergehenden Betrach- 
tung theatergeschichtlicher Richtung »Ueber das deutsche 
Theater« anknüpft (Bd. 40, S. 105, 13—19), diese aber auch 
nur zu zwei Dritteln, der Schluß, gerade der an jener Stelle 
angekündigte Abschnitt, »Shakespeare als Theaterdichter«, 
wurde, ob zwar vollendet, zurückgelegt. Dagegen hat Goethe, 
gemäß seiner Absicht, Auskunft über sich selbst, über seine 
Leistungen und Pläne zu geben, das »Morgenblatt« vielfach 
für Selbstanzeigen in Anspruch genommen (»Jakob Philipp 
Hackert«, »Wahlverwandtschaften«, »Epimenides Erwachen«, 
»Wanderjahre«, »West-östlicher Divan«, die zweite Cottasche 
Gesammtausgabe). Eine Mittelstellung nehmen die Aufsätze 
»Ueber die Entstehung des Festspiels zu Ifflands Andenken« 
und »Die Geheimnisse« ein, auch sie Berichte von dem 
eigenen Schaffen, aber von schon Vollendetem, nicht von 
erst Erscheinendem, Erläuterungen, keine Ankündigungen. 
Auch noch nach 181 6 hat sich Goethe vielfach des Morgen- 
blattes, wenigstens des Intelligenzblattes dazu, bedient, um 
auf die Hefte seiner späteren periodischen Veröffentlichungen 
hinzuweisen, da jedoch diese Anzeigen sich lediglich auf nackte 
Inhaltsangaben beschränken, so durfte ein Abdruck unter- 
bleiben (eine Probe wird Bd. 42 \ S. 210 gegeben). 

Nach Ausgabe des Bandes 41 ' brachte Max Morris unter 
der Ueberschrift »Verschollenes von Goethe« im »Euphorion«, 
Bd. 9, S. 657 — 658 aus der Nr. 231 des »Morgenblattes« vom 
26. September 1807 einen Aufsatz zum Abdruck, der den 
Einzug des Erbprinzen und seiner Gemahlin in Weimar am 
12. September schildert, der aber zu wenig von Goetheschem 
Geist und Ton enthält, als daß selbst gewichtigere äußere 
Gründe, denn Morris für Goethes Verfasserschaft anführt, über 
diesen Mangel beruhigen könnten. 

Mit dem Jahre 181 7, mit dem dritten Hefte des ersten 
Bandes, setzen die literarhistorischen Aufsätze aus »Kunst 
und Alterthum« ein. Mannichfaltig an Umfang und Werth, 
an Zweck und Tendenz, eingehende Charakteristiken wechselnd 
mit aphoristischen Bemerkungen, zuweilen lebhaft erregter 
Antheilnahme entsprungen, meist aber Ausflüsse der ruhigen 
abgeklärten Weisheit des zunehmenden Alters, so ziehen 
sich diese Betrachtungen, oft sich mit einander verflechtend, 
vielfach zurückweisend, in stetiger Folge bis zum Jahre 1828, 
zum zweiten Hefte des sechsten Bandes; in weiter Umschau 
über das Schriftthum der Völker und Zeiten treten sie mehr 
und mehr in den Dienst der Lieblingsvorstellung Goethes, 
der erhabenen Vorstellung einer Weltliteratur. Das dritte 
Heft des sechsten Bandes ist aus Goethes Nachlaß 1832 von 
den »Weimarischen Kunstfreunden« zusammengestellt worden ; 
um die bibliographische Vollständigkeit zu wahren, sind die 



Bibliographie. 279 



drei Aufsätze literarischer Beziehung, die es enthält, aus der 
ganzen Reihe nicht abgelöst worden (41", S. 361 — 378); 
doch ist die textliche Gestalt, die ihnen die Herausgeber 
gegeben haben, für uns nicht maßgebend gewesen. 

Bisher Ungedrucktes enthält der Text der Bände 41' 
und 41" nicht, wohl aber manches, was bisher entweder 
gar nicht oder doch nicht im Zusammenhang der »Aufsätze 
zur Literatur« in die Werke aufgenommen worden war. Aus 
dem Kreise des »Morgenblattes« kommt hier in Betracht die 
»Ankündigung einer neuen Ausgabe von Goethes Werken« 
(41', S. 80 — 85), aus »Kunst und Alterthum« : »Ankündigung 
des west- östlichen Divans und des Maskenzuges vom 
18. December 1818« (ebenda S. 132), »Aufklärung« (41", 
S- 73- 74), und von den Notizen, die Goethe mehrfach unter 
^em Titel »Einzelnes« zusammengefaßt hat, Bemerkungen 
über Shakespeare und Schweinichen (»Einzelnes [I]«, ebenda 
S. 93), über Medwins »Gespräche mit Byron« (»Einzelnes [II]«, 
ebenda S. 154), über Shakespeare (»Einzelnes [III]«, ebenda 
S. 168). Als Anhang erscheint Zelters Aufsatz »Joseph Haydns 
Schöpfung« (ebenda S. 381—386, aus »Kunst und Alter- 
thum« V, 3); Goethe hat den Text, wie er ihm von dem 
Freunde eingesandt worden war, einer so intensiven stilistischen 
Ueberarbeitung unterzogen, daß er auf die endgültige Form 
fast eben so großen Anspruch erheben kann als der eigent- 
liche Verfasser. In den Lesarten endlich werden einige Nach- 
träge zu den »Schriften zur Kunst«, Bd. 49' und ", mit- 
getheilt (41 ', S. 474. 482). Umgekehrt sind ausgeschieden 
worden die ethisch-abstracten Reflexionen : »Bedenklichstes« 
(»Kunst und Alterthum« II, 3, S. 79. 80) und »Verhältniß, 
Neigung, Liebe, Leidenschaft, Gewohnheit» (ebenda VI, i, 
S. 56 — 58), die mit den Maximen in Bd. 42" vereinigt 
werden sollen. 

Die Anordnung ist chronologisch nach der Zeit des 
Erscheinens, wobei jedoch zu bemerken ist, daß Aufsätze, 
deren einzelne Abschnitte zu verschiedenen Zeiten gedruckt 
worden sind, zu einem fortlaufenden Ganzen zusammen- 
gezogen auftreten (»Ilias« 41', S. 266 — 327; »Oeuvres dra- 
matiques de Goethe, traduites de l'allemand« 41 ", S. 177 — 198); 
es kommt dies namentlich in Betracht bei »Shakespeare und 
kein Ende !«, wo sich das letzte Drittel, aus »Kunst und 
Alterthum« V, 3 stammend, vereinigt hat mit den beiden 
ersten, die mehr denn elf Jahre früher im »Morgenblatt« er- 
schienen sind. 

Bei der Gestaltung des Textes mußte berücksichtigt 
werden, welche Aufsätze Goethe selbst in die Ausgabe letzter 
Hand aufgenommen habe. Von über hundertundfünfzig Bei- 
trägen sind es nur acht gewesen, alle auf italienische Literatur 



28o Bibliographie. 



bezüglich, die in C^C (Bd. 38) Eingang gefunden haben, 
aus dem »Morgenblatt« einer: »Don Ciccio« (41', S. 72 — 78), 
die übrigen aus »Kunst und Alterthum« : »Classiker und 
Romantiker in Italien« (ebenda S. 133 — 143), »H conte di 
Carmagnola« (ebenda S. 195 — 214), »II conte di Carmag- 
nola« (ebenda S. 231, 232), »Indicazione di cio che nel 1819 
si e fatto in Italia intorno alle lettere« (ebenda S. 233 — 237), 
»Francesco Ruffa« (ebenda S. 238 — 240), »Graf Carmagnola 
noch einmal« (ebenda S. 340 — 349), »Manzoni an Goethe« 
(41", S. II — 13). Für diese acht war der Wortlaut von C 
bindend; für alle übrigen geht unser Text von dem ersten 
Drucke (y) aus, und wenn auch für sie die Lesungen genau 
registrirt werden, die sie in den Nachlaßbänden C^C 45. 46. 
49. 60 durch Riemer-Eckermann erhalten haben, so geschieht 
es nicht des seltenen textkritischen Werthes derselben wegen, 
sondern um Schritt vor Schritt zu zeigen, wie die Herausgeber 
des Nachlasses mit Goethes Text verfahren sind. Im Einzelnen 
mußten vielfach Textverderbnisse, die sich aus dem ersten 
Drucke bis in die jüngsten Ausgaben fortgepflanzt hatten, 
beseitigt werden; als besonders besserungbedUrftig erwies sich 
die Fassung des »Morgenblattes«. In weitaus den meisten 
Fällen war es eine handschriftliche Grundlage, wodurch die 
Reinigung des Textes möglich wurde. 

Das Handschriftetimatcrial zu Bd. 41 wird im Goethe- 
und Schiller- Archiv bewahrt; ein Manuscript zu »Idees sur 
la Philosophie de l'histoire de l'humanite par Herder, tra- 
duites par Quinet« (41", S. 345) befindet sich im Besitze von 
Max Morris, der das Blatt dem Bearbeiter zur Verfügung ge- 
stellt hat — auch an dieser Stelle sei ihm dafür gedankt; 
die Reinschrift zur »Ankündigung einer neuen Ausgabe von 
Goethes Werken« (41 ', S. 80 — 85) ist Eigenthum der 
Cottaschen Buchhandlung und war in älterer Copie zu- 
gänglich. Bei den Aufsätzen zum »Morgenblatt« konnte nur 
zur Bearbeitung der Anzeige »Jakob Philipp Hackert« (41', 
S. 22 — 2>2)) handschriftliche Unterstützung nicht herangezogen 
werden, für die übrigen liegen Ausfertigungen vor, die als 
die ersten zusammenhängenden Niederschriften zu betrachten 
sind, zumeist gesammelt in ein besonderes Actenstück : »Mit- 
theilungen ins Morgenblatt«, aber auch auf andere Fascikel 
vertheilt oder lose für sich bestehend. Von der gedruckten 
Fassung weichen diese Handschriften zumeist stark ab; da- 
neben existiren bei einigen Aufsätzen nach dem Drucke her- 
gestellte Abschriften, wahrscheinlich entstanden im Hinblick 
auf C^C. Besondere Beachtung beanspruchen die Hand- 
schriften zu der Uebersetzung »Friedrichs Ruhm« ; ihr 
ursprünglicher Charakter, ihre weitere Entwicklung legen die 
Vermuthung nahe, daß die Uebersetzung im ersten Entwürfe 



BiBLIOüRAPHU:. 281 



von Riemer stamme. In den Lesarten zu den Beitragen zum 
»Morgenl)latt« erscheint als Paralipomenon jener Brief des 
Königsberger Studentenkränzchens, durch den Goethe zu 
seinem Commentar über die »Geheimnisse« veranlaßt worden 
ist, den Goethe stilistisch zu überarbeiten begonnen hat, viel- 
leicht weil er ihn in seinem Aufsatze mitzutheilen beab- 
sichtigte. In dieser redigirten Fassung gelangt er in unserem 
Bande (41', S. 451—453) zum Abdruck, die Lesarten aber 
gestatten die Wiederherstellung des ursprünglichen Wortlauts, 
so daß hier zum ersten Male das Original bekannt wird, 
nachdem das Concept dazu bereits von Rudolf Haym in den 
»Preußischen Jahrbüchern« (Bd. 21, S. 354 ff.) veröffentlicht 
worden war. 

Sehr spärlich fließen diesem Reichthum gegenüber die 
Quellen handschriftlicher Ueberlieferung für die elf ersten 
in Betracht kommenden Hefte von »Kunst und Alterthum« 
(I, 3 bis V, i). Hier sind hervorzuheben: ein Manuscript 
zum Auszug aus der »Ilias« (41 ', S. 266 — 327). den Inhalt 
der ersten neun Gesänge umfassend, offenbar Rest der ersten 
Niederschrift aus dem Jahre 1798, von der gedruckten Fassung 
weit abstehend; ein solches zu »Phaethon«, (41", S. 32-47), 
die Verdeutschung der von Hermann 182 1 veröffentlichten 
Fragmente; ein solches zu »Cain« (ebenda S. 94 — 99), die 
Uebertragung der Polemik des »Moniteur« gegen die un- 
gerechte Beurtheilung »Cains« durch den französischen Ueber- 
setzer Fahre d'Olivet. Und von diesen drei Handschriften 
stammen die beiden letzten nicht einmal von Goethe selbst, 
die Arbeit an »Phaethon« hat Göttling, die an dem Artikel des 
»Moniteur« der Kanzler von Müller geleistet. Klein an Zahl 
und gering an Umfang sind auch die Paralipomena dieser 
Epoche, aber inhaltlich nicht ohne Bedeutung: Betrachtungen 
über »Deutsche Sprache« und den Purismus, frühe Vorarbeiten 
zu der Ausgabe letzter Hand, Verssplitter zur Reconstruction 
des »Phaethon«, vor allem zwei Aufsätze, die als Einleitungen 
zu dem Auszug aus der »Ilias« gedacht gewesen sind. 

Erst vom zweiten Hefte des fünften Bandes von »Kunst 
und Alterthum«, von dem Aufsatz »Serbische Lieder« (41", 
S. 136 — 153) an liegt wieder eine stetige Folge der Hand- 
schriften vor: außer der philologischen Notiz über »Charon 
und Chams« (ebenda S. 167), die möglicherweise von Riemer 
redigirt ist, entbehrt keine der literarisch-kritischen Ver- 
öffentlichungen in »Kunst und Alterthum« dieser Cirundlage 
zur Herstellung eines sicheren Textes, ja bei den meisten 
konnten, sei es für das Ganze, sei es für einzelne Abschnitte, 
mindestens zwei Handschriften, bei vielen drei und mehr be- 
nutzt werden. Für die Aufsätze vom dritten Hefte des 
fünften Bandes an, beginnend mit »Einzelnes [III]« (S. 168), 



282 Bibliographie. 



stand sogar das Druckmanuscript zur Verfügung, für die Ge- 
sammtheit aber der drei letzten Bände, für den gesammten 
Text von 41 " haben sich die Correcturbogen erhalten, in 
die Goethe und Riemer an vielen Stellen Aenderungen, 
Besserungen eingetragen haben. Eben diese Correcturbogen 
haben vor allem die Möglichkeit geboten, den Wortlaut 
Goethes letzter Absicht gemäß zu gestalten ; denn oft genug 
sind Goethes neue Fassungen versehentlich im Reindruck von 
»Kunst und Alterthum« nicht durchgeführt worden. Auch 
für Paralipomena war aus den Handschriften reiche Ausbeute 
zu gewinnen, ganz abgesehen von bloßen Schemata. Aeltere 
Bearbeitungen eines nachträglich anders behandelten Themas 
finden sich zu »Raumer, Geschichtliche Entwicklung der 
Begriffe von Recht, Staat und Politik« (S. 216) und zu »Win- 
dischmann, Ueber etwas das der Heilkunst Noth thut« (S. 161, 
162), die letztere besonders bemerkenswerth wegen ihrer 
ironischen Schärfe; für den Druck ausgeschiedene Partien 
liegen vor zu dem »Cours de litterature grecque par Rizo 
Neroulos (S. 315 — 323) und in dem interessanten Versuch 
der Uebersetzung einer Stelle aus dem »Livre des Cent-et-un« 
(S. 363 — 374), das Schicksal der Charlotte Corday behandelnd; 
auch die Uebertragung aus den »Bacchantinnen des Euripides« 
(S. 237 — 242) wird durch weitere Verse ergänzt. Verschiedene 
solcher Stücke sind von den Herausgebern des Nachlasses 
mehr oder weniger überarbeitet wieder mit den Aufsätzen 
vereinigt worden, von denen sie Goethe abgetrennt hatte 
(»Cours de litterature grecque«; »Dainos von Rhesa«; »La 
Guzla»). x\ls vollendete oder doch nahezu vollendete Arbeiten 
erscheinen Abhandlungen über »Danz, Lehrbuch der neueren 
christlichen Kirchengeschichte« (S, 508, 509) und über »Ser- 
bische Literatur« (S. 463—469); zu einem umfangreichen 
Schema über »Volkslieder der Serben«, das bereits aus den 
Nachgelassenen Werken bekannt war (42', S. 250 — 254), wird 
der Beginn der Ausarbeitung mitgetheilt (42 ', S. 248, 249). 
Nur zuweilen hat der kritische Apparat es sich nicht 
versagt, den Beziehungen nachzugehen, in denen einzelne 
Aufsätze zu sonstigen schriftlichen Aeußerungen Goethes in 
seinen Briefen an Knebel, Carlyle und andere stehen, oder 
nachzuweisen, wo seine Aussprüche und Urtheile durch die 
Worte Fremder hervorgerufen und beeinflußt worden sind. 
Als Nachtrag wird (in Bd. 42') der Brief Göttlings vom 
3. August 1826 abgedruckt, aus dem ein großer Abschnitt 
aus »Euripides Phaethon« (41", S. 243 — 246) geflossen ist; 
daß mit jener »geistreichen Freundin«, deren Aeußerung Goethe 
am Schlüsse seiner Besprechung des »Cain« (S. 99) mittheilt, 
nach »Henriette Ottilie Ulrike, Majorin Freifrau von Pogwisch. 
Weimar 1852«, S. 27, die Mutter Ottiliens von Goethe ge- 



Bibliographie. 283 



meint sei, weist mir Herr L. Mackall nach. Die Originale 
zu Goetheschen Uebersetzungen sind zumeist ermittelt worden; 
hervorgehoben werde in diesem Betracht der Aufsatz »Aus 
dem Französischen desGlobe« (S. 228 — 234). Die Tagebücher 
wurden in der Regel nur da herangezogen, wo mit ihrer 
Hülfe Entstehung und Chronologie der Handschriften aus- 
gemittelt werden konnte. Die Ueberfülle des Materiales, 
das namentlich für die letzte Hälfte von 41" zu verarbeiten 
war, machte Beschränkung auf das Unentbehrliche zur Pflicht. 
Dennoch ist der Apparat zu ungewöhnlichem Umfang an- 
geschwollen: ganz dem Bande 41" einverleibt, hätte er 
diesen zu unhandlichem Wälzer gemacht. Die Lesarten zu 
dem letzten Drittel des Textes, 41", S. 252 — 386, mußten 
dem Bande 42 zugewiesen werden, wodurch sich freilich die 
Nothwendigkeit ergab, auch Band 42 in zwei Unterabtheilungen 
zu zerlegen, doch war der Stoff solcher Trennung günstig. 
Band 42' enthält nunmehr die Aufsätze, die neben den, 
früheren Bänden zuzuweisenden Arbeiten noch zu Goethes 
Lebzeiten erschienen sind. Band 42" wird den eigentlichen 
Nachlaß und die »Reflexionen und Maximen« bringen. 

Band 42^ wird eröffnet durch Beiträge zu verschiedenen 
Zeitschriften aus den Jahren 1820 — 1830. Solcher Zeit- 
schriften kommen nur drei in Frage : das »Archiv der Ge- 
sellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde« (drei Auf- 
sätze), die »Kritische Predigerbibliothek« von Röhr (ein Auf- 
satz), die Berliner »Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik« 
(zwei Aufsätze). Bisher noch nicht in die Werke aufgenommen, 
wenn auch schon (nach dem ('oncept) gedruckt, war der 
Bericht über ein »Lob- und Spottgedicht auf König Rudolph« 
(S. 5, 6j. Handschriftliches Material stand bei jedem Aufsatz 
zur Verfügung, an Schemata fehlt es nicht; bei Gelegenheit der 
umfangreichen Besprechung der »Monatschrift der Gesellschaft 
des vaterländischen Museums in Böhmen« (S. 20 — 54), in der 
durch den Druck kenntlich gemacht ist, was Varnhagen an 
zusammenhängenden Abschnitten beigesteuert hat, sind als 
Paralipomena Zeugnisse der »böhmischen Studien« Goethes 
theils erwähnt, theils abgedruckt. 

An zweiter Stelle enthält Band 42 ' Ankündigungen und 
Geleitworte, Aufsätze, in denen Goethe fremde Arbeiten bei 
den I>esern einführte oder das Publicum auf die Ausgabe 
letzter Hand, auf die Zusammenfassung seiner gesammten 
dichterisch- wissenschaftlichen Thätigkeit vorbereitete. Neu 
aufgenommen ist hier die Anzeige der Oper »Agnese« (S. 67 
bis 70), die Karl Schüddekopf aufgefunden und bekannt 
gegeben hat (»Weimarische Zeitung« 22. Dezember 1900); 
die Widmung des Goethe-Schillerschen Briefwechsels an den 
König von Bayern durfte nicht übergangen werden, ebenso- 



284 Bibliographie. 



wenig die »Zweite i\nzeige von Goethes sämmtlichen Werken« 
(S. 121 — 123), deren von Cotta-Boisseree stammende Fassung 
Goethe durchgesehen und überarbeitet hat. Mehrfach hat 
Goethe bei seinen Vorreden auf ältere Arbeiten zurückgegriffen, 
aber nie, ohne diese nicht vorher größerer oder geringerer 
Revision zu unterziehen. Das gilt auch von den Aufsätzen 
über Manzoni, die ihr Verfasser aus dem ersten Druck in »Kunst 
und Alterthum« heraus zu seiner Einleitung der Frommannschen 
Manzoni -Ausgabe vereinigt hat. Dagegen mußte das Vorwort 
zu der in Breslau erschienenen Uebersetzung des »Don Alonzo« 
von Salvandy ausgeschlossen bleiben; denn wie Bd. 41", 
S. 432, 433 nachgewiesen wird, hat Goethe mit diesem Neu- 
druck seines aus »Kunst und Alterthum« stammenden Auf- 
satzes nichts zu thun. 

Unser Text geht im ganzen Bande von dem ersten 
Drucke aus, so weit Goethe nicht das eine oder andere Stück 
selbst in C^C aufgenommen hat. Das aber ist der Fall nur 
bei jenen Partien der Vorrede zu Manzoni, die nicht aus 
»Kunst und Alterthum« stammen. »Manzoni an Goethe«, 
Original (S. 165 — 167), und die Besprechung des »Adelchi« 
(S. 170 — 181), sie sind in Bd. 38 mit den übrigen Abhand- 
lungen über Manzoni verbunden worden, und für sie war 
nach dem Grundsatz der Weimarer Ausgabe die Gestaltung 
von C'C maßgebend. Die Handschriften fanden bei der 
Festsetzung des Wortlautes gebührende Berücksichtigung; mit 
ihrer Hülfe konnten manche Textverderbnisse beseitigt 
werden. Von Paralipomenis verdienen Erwähnung: ein Nach- 
wort zur »Inschrift von Heilsberg« fS. 75 — 76), Vorstufen zu 
dem Inhaltsverzeichniß in der Ankündigung der Ausgabe letzter 
Hand, eine Anzeige der Manzoni-Ausgabe. Ergänzungen zu 
»Beitrag zum Andenken Lord Byrons« (S. 100 — 104), von 
Brandl bereits im Goethe-Jahrbuch XX. 22. 23 als zusammen- 
hängendes Ganzes gedruckt, konnten in ihre eigentlichen 
Bestandtheile gesondert werden. Max F. Hecker. 



DRITTE ABTHEILUXG. 
Der von Ferdmand Heitmüller bearbeitete Band ij 
schließt die Reihe der Tagebücher. Bis zum 15. März 1832 
geht die regelmäßige Eintragung; der Rest vom 15. und eine 
kurze Notiz voni 16., wenige Zeilen auf einem Blatte, sind 
nachträglich eingeklebt. Der gedruckte Text umfaßt 234 Seiten, 
von denen auf 1831 allein 197 kommen. Verglichen mit den 
179 Seiten von 1830, den 174 von 1829, beweist der Umfang 
der Aufzeichnungen des letzten vollen Lebensjahres, daß dem 
Tagebuche eben in den letzten Zeiten der Stoff etwas reich- 
licher zugeflossen ist. Nicht bloß den Zoll, den die Ordnung 



BlBLIOGRAPHlH. 28 \ 



verlangte, hat Goethe dem stillen Tagesgefährten immer fort- 
entrichtet, sondern sich ihm gelegentlich auch mit einiger 
Redseligkeit mitgetheilt. Wird im allgemeinen die geschäfts- 
mäßige Kürze gewahrt, so kommt doch öfters als vordem das 
BedUrfniß, sich auszusprechen, der Stimmung des Momentes 
und der Stunde ihr Recht zu geben, zum Vorschein. In den 
Aeußerungen und Urtheilen über die LectUre zumal wird der 
frühere Lakonismus mehr und mehr aufgegeben. Im Vorder- 
grunde bleibt das Interesse für die zeitgenössische Literatur, 
für Forschung und Kunst. Besonders heben sich heraus \V. 
Scotts Demonology (i, 1—7), Niebuhrs Römische Geschichte 
(2. 13—17. 21—25), ^^- Gazuls Stücke L'Occasion und Le Carosse 
(9, 3— 13), fernerLaPeaudeChagrin(i52, 28— 153, 11. 19—154,2), 
Lord Fitzgeralds Leben (154, 5—7. 10—19), C. Lauters Trauer- 
spiel Prinz Hugo (227, 14—18). Der Persönlichkeit und den 
Bohrversuchen Glencks gelten lange Ausführungen (17, 8—19. 
262, 2. 3—51): von nicht minderem Antheil zeugen die Aus- 
lassungen über den »kunstreichen« Prof. von Seelus (109, 
7— 9. II — 13. 20— 24. HO, 19. 20. III, 6-9. 25—27. 114, 18—25), 
sowie über Luise Seidler (139, 6 — 11). Alit gleicher Stärke und 
Lebendigkeit äußert sich das Mißfallen, die Ablehnung. L^ebel 
kommt Preller weg mit seinem aus der Fremde heimgebrachten 
»neumodischen« Schnurrbart (79, 9—18), und noch stärkere 
Entrüstung ruft der »frömmelnde Kunstwahnsinn« etlicher 
ausDüsseldorfübersandter Bilder (11, 17—26. 12, 16— 26) hervor. 
Mit L^nmuth wird das dem Greise Unsympathische der neuen Zeit 
gekennzeichnet, ohne Sentimentalität der aus Menzels architek- 
tonischen Heften ihn anwehende Geist (10, 19—24) in eine ver- 
wichene Epoche verwiesen. Die Leetüre von ZeltersBriefen (16 ff.) 
und Plutarchs Biographien (146 ff.), die in Ottiliens Gesell- 
schaft die Abendstunden ausfüllt, gewährt hohen Genuß (über 
Solon 147, 14—21). Der durch die Jahrhunderte gehende Streit 
der Nominalisten und Realisten wird abgefunden mit der 
Sentenz (148, 13—20): »dergleichen wird's immer geben, so 
wie Guelfen und Ghibellinen«. Nachhaltigen Antheil ruft 
Zahns Nachricht von der bei August von Goethes Anwesenheit 
in Pompeji ausgegrabenen »Casa di Cioethe« auf (229, 14—18. 
230, 5—20. 231, 6—7. 13—15. 232, 3. 4), welcher Durchzeich- 
nungen von dem darin gefundenen berühmten Mosaik der 
Alexanderschlacht (229, 22. 25) und ein genau orientirender 
Grundriß der ganzen Anlage beigefügt waren. Vielleicht die 
letzte tiefe Erregung des ganzen Gemüthes wie des inneren Sinnes 
für »Kunst und Alterthum«: die Zahnsche Sendung kam am 
6. März an. 

Die rastlose Thätigkeit Goethes entspricht seinem körper- 
lichen Wohlbefinden. Eine Ausnahme machen nur die letzten 
Maitage 1S31 (81, 4—82, 16). Das »asiatische Gespenst« der 



286 Bibliographie. 



Cholera geht an Weimar vorüber ; nur indirect wird Goethe 
(durch die Erkrankung von Riemers Sohn in Berlin) in Mit- 
leidenschaft gezogen und in seiner Arbeit zeitweilig gehemmt 
(141, 20 — 142, 2. 143, 20-25); er hört den Bericht zweier 
ihm aufwartender Choleraforscher an und findet »besonders 
den alten sittlichen Satz bestätigt, die Furcht sey größer als 
das Uebel« (159, 1-9). 

Die Signatur der Thätigkeit dieser letzten Jahre ist das 
bewußte Hinstreben zum Abschluß, zur Vollendung. Faust 
und der Biographie 4. Band werden zu Stande gebracht und 
mit Ottilien gelesen. Erinnerungen beleben sich und führen 
in ferne Zeiten zurück: Dentzel (9, 21 — 10, 3), Schloss Hassen- 
stein (21, 5 — II. 18—25), schließlich Ilmenau, wo der Dichter 
seinen letzten Geburtstag in der Stille mit den Enkeln begeht 
und »die alte Inschrift«, jene Verse im Jagdhäuschen auf dem 
Kickelhahn, »recognoscirt« (128, 22 — 132, 7).' 

So ist denn das Haus bestellt. Eine hohe Freude, die 
zu erleben er nicht gehofft, ist ihm noch beschieden: »Die 
40 Bände der Sedez-Ausgabe in einer Reihe vor sich auf- 
gestellt zu sehen« (18, 22—25). Testament und Codicill sind 
besorgt (3, 122.4, 16—18. 6, 13. 14. 15, 10, 24-26. 15, 21. 22). 
der literarische Nachlaß geborgen, geordnet, und ihm in 
Eckermanns und Riemers Person die Verwaltung bestellt. 
Ueber aller Thätigkeit aber ruht bis zuletzt milden Scheines die 
patriarchalische Freude am Häuslichen, zumal das innige Be- 
hagen am Gedeihen der Enkel (16, i. 2. 20, 18. 19. 42, 7—9. 
54, 6. 7. 77i 20. 21. u. a. m.). 

»Agenda« in erheblichem Umfange aus den Jahren 1827 
bis 1832 sind mit einer Vorbemerkung als Anhang dem Texte 
des Bandes beigefügt, S. 235 — 277. Es bleibt der Einzel- 
forschung die mühsame und lohnende Aufgabe, sie durch- 
^ehends chronologisch zu sichten und zu schichten. 

F. Heitmüller. B. Suphan. 



VIERTE ABTHEILUNG. 
Ueber Band 24 bis 26 der Briefe ist zusammenfassend 
im Goethe-Jahrbuch XXIII, 263 berichtet worden; hier folgt 
•eine gleiche Uebersicht über die Bände 27 bis 29, deren letzter, 
im Manuscript 1903 abgeschlossen, mit der ersten Serie des 
Jahres 1904 zur Ausgabe gelangt. Der 30. Band, gleichfalls 



' S. 301, 302, zu 129, 9: Goethes eigenhändige Niederschrift ent- 
hält, was das Datum betrifft, einen Irrthuni. Hat er die Ziffer 3 un- 
richtig gelesen, oder sclion als er 181 3 am 29. August die Inschrift 
renovirte, sie unrichtig statt einer Null ausgefüllt - außer allem Zweifel 
ist, daß ursprünglich 1780 gestanden hat. B. Svphan. 



Bibliographie. 287 



von Carl Sc/iüädeJio/>/ hearhehet, wird Nachträge und Register 
zu Band 19 bis 29 bringen. 

Band 27 der Briefe reicht von Mai 1816 bis Februar 1S17, 
Band 28 von März bis December 1817, Band 29 von Januar 
bis Üctober 181S, ein jeder umfaßt also zehn Monate. Die 
Bände enthalten, einschlielMich der in den Apparat aufge- 
nommenen Stücke, die entweder nicht abgesandt oder in 
fremder Rolle verfaßt wurden, insgesammt 847 Nummern (7384 
bis 8207). von denen 435, also mehr als die Hälfte, bisher 
ungedruckt waren. Rechnet man die amtlichen Schreiben 
Goethes hinzu, die in den Lesarten nur kurz nach Fundort, 
Schreiber und Inhalt verzeichnet werden, so ergiebt sich eine 
imponirende Masse neuen Materials ; da der Umfang der 
einzelnen Jahrgänge auch weiter stetig zunimmt, so wird man 
wohl auf insgesammt 13,000 Briefe in etwa 48 Bänden rechnen 
dürfen. 

Die Jahre 1816 bis 1818 bedeuten für Goethe einen 
wichtigen Abschnitt zunächst in äußerer Beziehung. Auf die 
anregenden Reisen der Vorjahre am Rhein und Main, in dem 
wieder befreiten Heimathlande, folgte am 6. Juni 1816 
Christianes Tod, der das Haus am Frauenplan vereinsamte 
und den Zurückgebliebenen weit tiefer erschütterte, als seine 
Briefe und Tagebücher verraten. Schweigend, wie bei allen 
Katastrophen seines Lebens, trug er den Verlust und versuchte 
»seine Existenz aus ethischem Schutt und Trümmern wieder- 
herzustellen«. Aber eine Wiederholung der Reise nach Baden 
mit J. H. Meyer wurde durch einen Reise-Unfall vereitelt, 
das stille thüringische Bad Tennstedt bot nur einen dürftigen 
Ersatz, und nach einem Winter voller Gebrechen und Leiden 
brachte ihm die zu Anfang des Jahres 181 7 übernommene 
Theaterreform die größten Unannehmlichkeiten, die am Tage 
nach der Aufführung vom »Hund des Aubri« seine Entlassung 
als Intendant herbeiführten und ihn auf längere Zeit aus 
Weimar vertrieben. 

Goethe nahm seine Zuflucht nach Jena, wo er in den 
Jahren 18 17 und 181 8 mehr als zwölf Monate in reger 
wissenschaftlicher Thätigkeit zubrachte ; die Hochzeit seines 
Sohnes, der sich am Sylvesterabend 18 16 mit Ottilie von 
Pogwisch verlobte, eröffnete ihm daneben neue erfreuliche 
Aussichten und anregende Verbindungen auch in Weimar. 
Dementsprechend erstrecken sich die Erweiterungen seiner 
Correspondenz auch in erster Linie auf das wissenschaftliche 
Gebiet und auf seine Familie; so knüpfte er mit den Bota- 
nikern von Schreibers in Wien und Nees von Esenbeck in 
Sickershausen, mit den Jenenser Professoren Bachmann, Fries, 
Güldenapfel. Kosegarten, Renner, mit den Anatomen Burdach 
und Carus Verbindungen an. Ein wichtiger Brief über ani- 



288 



Bibliographie. 



malischen Magnetismus ist an den Berliner Staatsrath Hufeland 
gerichtet (7863), zwei über Pädagogik an den Schweizer v. Fellen- 
berg (7729 und 7875). Ein prachtvoller Brief an Wilhelm von 
Humboldt (7492) bespricht seine Uebersetzung des Agamemnon 
von Aeschylos ; ein bedeutendes Concept an Niebuhr ist 
in zweifacher Gestalt vorhanden (7714/5 und 7767/8). Da- 
neben führt Goethe eine eifrige Correspondenz mit der Erb- 
großherzogin Maria Paulowna, ihren Hofdamen und Jenenser 
Professoren über die Erziehung der Prinzessinnen Marie und 
Augusta; und der eigene erste Enkel Walther ist öfters der 
Gegenstand seiner Briefe an Ottilie, die sich durch liebens- 
würdige Neckereien und Galanterien auszeichnen. Angehende 
Dichter wie Kalisky (7867) und Herrmann (8041), Schriftsteller 
wie Tauscher (7880), Schubarth (8035) und Müllner (8040) 
werden je nach Verdienst abgefertigt, und für unfreiwilligen 
Humor sorgen die Weimarischen Straßenjungen (7843) oder 
der Nachbar Lämmermann (8046 und 8064), die den Frieden 
des Goetheschen Gartens bedrohen. 

Als bisher unbekannte Schreiber, die in Burkhardts Zu- 
sammenstellung fehlen, treten auf: in Band 27 Ferdinand 
Schreiber, in Band 29 Ludwig Daniel Maria Laves und Goethes 
Hausarzt Dr. Wilhelm Rehbein. C. Schüddekopf. 



B. NEUE AUSGABEN DER WERKE. 



Goethe, Sämmtliche Werke. 
Jubiläums-Ausgabe in 40 Bdn. 
Hrsg. von E. v. d. Hellen, 
Stuttgart, J. G. Cottasche Buch- 
handlung Nachf , G. m. b. H. 
13. Faust. Mit Einleitung und 
Anmerk. von Erich Schmidt. 
I. Theil XXXII, 346 SS. — 
22 — 25. Dichtung und Wahr- 
heit. Mit Einleit. und Anm. 
von Rieh. M. Meyer. 1.-4. Th. 
XXVL 296, 335, 310, 340 SS. 
— 28. Kampagne inFrankreich. 
Belagerung von Mainz. Mit 
Einleit. und Anmerk. v. Alfr. 
Dove. XXXVIII, 306 SS. — 
30. Annalen. Mit Einleit. und 
Anmerk. von Osk. F. Walzel. 
XIV, 502 SS. — 31. 32. Ben- 
venuto Cellini. Mit Einl. und 
Anm. von ^\'olfg. v. Oettingen. 



1. und 2. Th. und Anh. X, 316^ 
331 SS. S.Singspiele. MitEinL 
u. Anm. von Otto Pniower. XII, 
367 SS. — 33. 34. Schriften 
zur Kunst. Mit Einl. und Anm. 
von Wolfg. V. Oettingen. i.und. 

2. Th. XVL 331, 391 SS. — 
2 1 . Die Wahlverwandtschaften. 
Mit Einleit. und Anm. von Frz. 
Muncker. XXVI, 317 SS. Jeder 
Band geh. M. 1.20, geb. M.2. — . 

Goethes Werke. Unter Mit- 
wirkung mehr. Fachgelehrter. 
Hrsg. V. Prof. Dr. Karl Heine- 
mann. Kritisch durchgesehene 
und erläuterte Ausgabe. 2 Bd. 
bearb. von Karl Heinemann. 
Gedichte. 492 SS. — 4 Bd. 
bearb. von Georg Ellinger und 
Gotthold Klee. Achilleis. — 
Reinecke Fuchs. — Westöst- 



BiBi.ioc.KArmt:. 



289 



lieber Divan. 548 SS. — 9 Bd. 
bearbeit. v. Viktor Schweizer. 
Wilhelm Meisters Lehrjahre. 
I — 6, 459 SS. — 14 Bd. Ita- 
lienische Reise 1. Bearbeitet 
von Robert Weber. 484 SS. 
— 15 Bd. bearb. von Robert 
Weber und Karl Heinemann. 
Zweiter römischer Aufenthalt. 
Kampagne in Frankreich 1792. 
Belagerung von Mainz. 551 SS. 
Gebunden ä M. 2. — . 

Goethes Werke. In einer 
Auswahl hrsg. v. H. Düntzer. 
4. Aufl. Stuttgart. Deutsche 



Verlagsanstalt. Gr. 8° XXXVI, 
1268 SS. M. 4.--. 

V. Bolin: Die Jubiläums- 
Ausgabe von Goethes Werken. 
(Die Nation. XX, S. 532-5^;^.) 

Albert \\'arneke : Goethes 
sämtl. Werke (Jubil. -Ausgabe). 
(Monatsbl. f. dtsch. Litteratur, 
Berlin VII, 12.) 

Albert Fries : Neues von der 
Weimarer Goethe- Ausg. (Nat.- 
Ztg. Nr. 87, IG. Febr.) 

Ludwig Geiger : Neue Bände 
der Weimarer Goethe - Ausg. 
(Beil. z. Allg. Z. Nr.239.2 i.Oct.) 



C. UNGEDRUCKTES. 
BRIEFE. GESPRÄCHE. 



Goethes Briefe. Ausgew. u. 
in chronologischer Folge mit 
Anmerk. hrsg. von Eduard 
von der Hellen. 3. Bd. (1788 — 
1797.) Stuttgart, T-G.Cottasche 
Buchhandl. NachY., G. m. b.H. 
284 SS. Geb. M. I. — . 

Goethe-Briefe. Mit Einleit. 
u. Erläut. hrsg. v. Philipp 
Stein. Bd. IV. Weimar u. Jena. 
1792 — 1800. Mit einem Bilde 
der Christiane Vulpius nach 
der Kreidezeichnung v.F.Bury. 
1800, XVI, 313 SS. — Bd. V. 
Im neuen Jahrhundert 1 801 — 
1807. Mit einem Bildniß von 
J. W. v. Goethe nach einer 
Kreidezeichnung v. Friedrich 
Bury. XIV, 317 SS. — Berlin, 
O. Eisner. Geb. M. 4. — . 

Goethes Briefe in Auswahl. 
Herausgegeb. v. G. Boetticher. 
Leipzig Freytag. Kl. 8°. 163 SS. 
M. 1.20. 

Bernhard Suphan : Brief 
Goethes an Wilhelm von Hum- 
boldt. (Frkf. Ztg. 362.) 

Goethe-Jahrecch XXV. 



(Goethe)-Entwürfe zuBriefen 
Karl Augusts an Pougens. 
Herzog Karl August und der 
Pariser Buchhändler Pougens. 
Von P. v. Bojanowski. Weimar, 
Böhlau. S. 20. 23 fg. 

A. Boutarel : Une lettre de 
Berlioz ä Goethe. (Le M^nestrel 
LIX, S. 50—52, 54 — 60.) 

Carl Schüddekopf: Neue 
Goethe-Briefe. (Frkf. Ztg. 272, 

273-) 

Ludwig Geiger: Goethe- 
Briefe. (Die Zeit. Bd. XXXV, 
Nr. 462, 8. August. S. 232.) 

H. Trog: Ueber die beiden 
Ausgaben von Goethes Briefen 
und die Cottasche Jubiläums- 
Ausgabe. (N. Zürich. Ztg. 238.) 

L'Agamemnon d'Eschyle 
juge par Goethe. (Goethes 
Brief an Humboldt v. i. Sept. 
i8i6.) (Revue des Etudes 
Grecques, XVI, S. 1—4-) 

A.Riese: Text-Entstellungen 
in Goethe-Briefen. (Frkf. Ztg. 
Nr. IG, 2. Mgbl., IG. Jan.) 
19 



290 



Bibliographie. 



Eduard von der Hellen: 
Text-Entstellungen in Goethe- 
Briefen. (Frkf. Ztg. Nr. 17, 
2. Mgbl., 17. Januar.) 

A. Riese: Nochmals Text- 
Entstellungen in Goethe-Brie- 
fen. (Frkf. Ztg. Nr. 22, 2. Mgbl., 
22. Januar.) 

Ludwig Geiger: Der Ab- 
schluß von Goethes Tage- 



büchern. (Beil. zur Allg. Ztg. 
Nr. 161, 20. Juli.) 

Eckermann, Gespräche mit 
Goethe von Joh. Öhquist. 
Leipzig, B.G.Teubner. 105SS. 

t Fr. Kauffmann : Zu Goethes 
Gesprächen. (Zeitschrift für 
deutsche Philologie. 1902. 
XXXV, S, 90.) 



D. EINZELSCHRIFTEN. 

I. ALLGExMEINES, CRITISCHES, BIBLIOGRAPHISCHES, 
SPRACHLICHES, CATALOGE, VARIA. 



Jahresberichte für neuere 
deutsche Litteraturgeschichte. 
Unter Mitwirkung von [folgen 
42 Namen]. Mit besonderer 
Unterstützg. v. Erich Schmidt 
hrsg. von Julius Elias, Max 
Osbom, Wilh. Fabian, Friedr. 
Gotthelf, Kurt Jahn. 10 Bd. 
(J. 1899). Berlin B. Behrs Verl. 
IV, 8a— e, 36 SS.: 231-I-148 
-}-24-f-2 5 = 448 Nummern. 

Allgemeines, bearb. von O. Har- 
nack, Leben von Adolf Strack, 
Lyrik von Max Morris, Epos von 
Carl Alt. Die Abtheilung Dramen 
von R. Weifienfels soll in Bd. 1 1 
nachgeliefert werden. Da diese die 
umfänglichste ist, so muß die Zahl 
von 448 Nummern um etwa */s 
erhöht werden, um die Produktions- 
zahl des J. 1899 zu erkennen. 

Chronik des Wiener Goethe- 
Vereins. XVII. Band. Im Auf- 
trage des Ausschusses des W. 
G.-V. redigirt v. Rudolf Payer 
von Thurn. Wien. Verlag des 
W. G.-V. In Commission bei 
A. Holder. Nr. 1-12. 46 SS. 
in 4°. 

Die selbständigen Aufsätze be- 
sonders auch A. L. Jellineks Biblio- 
graphie sind unten verzeichnet; 
sonst: Berichte üb.Vereinssitzungen, 



Recensionen. Selbständige Kunst- 
beilage: Goethes Zeichnung der 
Anseres christicolae s. oben S. 256. 

Goethe üb. seine Dichtungen. 
Versuch einer Sammlung aller 
Aeußerungen des Dichters üb. 
seine poetischen Werke von 
Hans Gerhard Graf. 2. Theil: 
Die dramatischen Dichtungen. 
Erster Band. (Des ganzen 
Werkes dritter Band.) Frank- 
furt a. M., Literar. Anstalt 
Rütten & Loening.XXII,443SS. 

Goethe og haus Hoveddight- 
ninger. Brudstykke af en Ver- 
denliteraturhistorie von L. 
Schröder. Koldung Ikke. 8". 
66 SS. 

E. Key : Aus einem Goethe- 
buche. (Neue Deutsche Rund- 
schau. XIV, S. 643 — 652.) 

Goethes Stellung zu dem Be- 
griff deutscher Nationalkultur. 
(Monatsschrift f. höh. Schulen. 
II, S. 260 — 273.) 

Rette: Goethe et l'influence 
allemande. Europeen 3. I. 

Goethes Wirkung in der 
Weltlitteratur von Abel von 
Barabas. Leipzig -Reudnitz. 
Jacques Hegner. M. 1.50. 



Bibliographie. 



291 



Karl Spitteler : Protest gegen 
die einseit. Erhebung Goethes 
zu »dem« Dichterfürsten. (N. 
Züricher Ztg., vgl. Litt. Echo 
Sp. 1729.) 

Emil Hügli: Der malträtirte 
Schiller. (X. Zürich. Ztg. 241.) 

Karl Borinski : Goethes 
Geisteswerk in den Stimmen 
unserer Zeit. (Die Kultur, i. 
Jahrg. Heft 20, [Erst. Maiheft], 
S. 1331-1340. Heft 21 [Zweit. 
Maiheft], S. 1263 -1270.) 

J. Popper: Einige Gedanken 
üb. Kant, Goethe und Richard 
Wagner in Anknüpfung an die 
Besprechg. eines neuen Buches 
von Bölsche. (NeueFreie Presse 
Nr. 13974, 81, 88, 95, 14001, 
15, 22, 29, 50. 23., 30. Juni, 
4., 13., 20. Juli, 3., IG., 17. Sept., 
8. Okt.) 

Am Wege von Friedrich 
Spielhagen. Leipzig, Staack- 
mann. 

S.77 — 92: Goethe unser Herzog. 

Wilhelm Arminius: Herzog 
Goethe. (Dtsch. Welt, VL 2.) 

A. Lorentz: Der Typus des 
Philisters bei Goethe. (Preuß. 
Jahrbuch. CXL S. 462 — 501.) 

O. Anwans : Goethe-Prome- 
theus. (Sonntagsbeilage Nr. 33 
zur Voss. Ztg. Nr. 369. 9. Aug.) 

J. Minor : Bis zu GoethesTod. 
(Neue freie Presse, abgedruckt 
Liter. Echo, V, Sp. 830—833.) 

Hermann Bahr: Der böse 
Goethe. (N. Wien. Tgbl. 199.) 

Per Wolfgango Goethe: 
Bonaventura Zumbini Napoli. 
A. Tessitori. 42 SS. 

Nur in iio Exenipl. gedruckt. 
Rede, gehalten bei Enthüllung einer 
Gedenktafel, 7. Mai. 

Gedanken aus Goethes 
Werken, von H. Levi. 2. Aufl. 



München, Bruckmann. S''. 
Vin, 144 SS. M. 2.-. 

Arthur L. Jellinek: Goethe- 
Bibliographie, IV -VI (Chron. 
des Wiener Goethe- Vereins, 
Bd. XVII, Nr. I 12), VII (das. 
Bd. XVIII, Nr. I. 2.) 

J. Minor: Goethe-Literatur. 
(Die Zeit, Nr. 232, 22. Mai.) 

J. Minor: Goethe-Literatur. 
(Chronik des Wiener Goethe- 
Vereins. Bd. XVII, Nr. 9 — 12, 
15. December.) 

Richard M. Meyer: Goethe- 
Schriften. (Das literarische 
Echo. V. Jahrg., Nr. 15. Erstes 
Mai-Heft, Sp. 1030 ff.) 

Max Christlieb: Goethe und 
die Goethe-Literatur. (Christ- 
liche Welt, Marburg 1902, 48, 

1903- 5-) 

Oskar Weise : Aesthetik der 
deutschen Sprache. Leipzig, 
B. G. Teubner, 309 SS. Geb. 
M. 2.80. 

Die Jugendsprache Goethes. 
— Goethe u. die Romantik. — 
GoethesBallade. DreiVorträge 
von Stephan Waetzold. Leip- 
zig, Dürr. 76 SS. 

Max Grunwald : Goethes 
Jugendsprache. Im Anschluß 
an Waetzold. (Die Neue Zeit. 
Stuttgart. XXI, 51.) 

Friedr. Kluge : Goethe und 
die deutsche Sprache. (Wissen- 
schaft!. Beiheft zur Zeitschrift 
des AI lg. Deutschen Sprach- 
vereins, 4. Reihe, 22. Heft, 
I. Februar.) 

Bernhard Suphan: Asylrecht 
des Fremdwortes. Freundes- 
gaben für Karl Frenzel. Zum 
goldenen Doktor- Jubiläum. 
Am 19. Februar 1903, S. 13-15. 
Auch (vermehrt) Weimarische 
Zeitung Nr. 54. 5. März 1903. 
19' 



292 



Bibliographie. 



Goethes Relativsatz. Von 
Simion C. Mandrescu. Berlin, 
Reinh. Kühn. VII, 137 SS. 

R. Steig: Goethes Mann- 
räuschlein. (5. I. IG.) (Zeit- 
schrift für deutsche Wort- 
forschung. V, S. 99 — 104.) 

LudwigFränkel: »DieTrulle« 
und Mundartliches bei Goethe. 
(Zeitschrift für den deutschen 
Unterricht. 17. Jahrg., Heft 6, 
23. Juni. S. 363 ff.) 

Constantin Ritter: Die 
Sprachstatistik in ihrer An- 
wendung auf Piaton u. Goethe. 
(Neue Jahrbücher für das 
klassische Altertum, Geschichte 
und Deutsche Litteratur und für 
Pädagogik. 6. Jahrg. Bd. XI. 

4. u. 5. Heft.)" 

Const. Ritter: Die Sprach- 
statistik, Anwendg. auf Goethes 
Prosa. (Euphorien X, 558-578.) 

F. Bock: Französische Ein- 
flüsse in Goethes Sprache. 
(Programm d. Realschule^V'ien. 
XI, gr. 8°. 15 SS.) 

D.D.: Goethe-Zitate. (Voss. 
Zeitg., Morgen-Ausg. Nr. 493, 
21. Okt.', Feuilleton.) 

— r: Die Nachdrucksprivi- 
legien Goethes vom Jahrei825. 
(Frkf. Ztg. Nr. 98.) 

Jos. Bass: Der verurtheilte 
Goethe. (Bohemia Nr. 340, 
2. Beil., 13. Dec.) 

Kataloge. 
Ernst Frensdorff, Berlin. Nr. 3. 
Goethe 55 Nummern. — Auto- 
graphen V. Gilhofer u. Ransch- 
burg, Wien : Auktion XIV, 

5. 58. Goethe 4 Nummern. — 



Karl W. Hiersemann, Leipzig: 
Nr. 286. Deutsche Sprache und 
Literatur. Kalender, Alma- 
nache, Goethe 160 Nummern. 

— Max Jaec.kel, Potsdam: 
Nr. 5. Goethe 42 Nummern. — 
Josef Jolowicz, Posen: Nr. 146. 
S. 50 — 62. Goethe 378 Numm. 

— Heinr. Kerler, Ulm : Nr. 316. 
S. IG — 15, 104 — 106. Goethe 
189, 125 Nummern. — F. 
E. Lederer, Berlin: Nr. 72. 
Deutsche Literatur. Goethe 
143 Nummern. — Bernhard 
Liebisch, Leipzig: Nr. 13S. 
Deutsche Literatur des 18. und 
19. Jahrhdts. Goethe 474 Num. 

— List &: Francke, Leipzig : 
Autographen -Sammlung von 
Joh. Friedr. Encke. Verstei- 
gerung am 25. Jan. ff. Goethe 
3 Nummern. — Alfred Lorentz, 
Leipzig: Nr. 51: Goethe und 
der Künstlerkreis seiner Zeit. 
In 98 Originalzeichnungen, 
Aquarellen und Oelbildern, 
gesammelt in einem Album 
während der Reise durch Italien 
1782 — 84 vom Domherrn Jo- 
hann Friedrich Lorenz Meyer. 
Goethe 5 Nummern. — Max 
Perl, Berlin. Nr. 41 : Goethe 
III Nummern. — J. Rickersche 
Universitäts-Buchhdl., Gießen. 
Nr. 44 : Deutsche Literatur zur 
Zeit der Klassiker und Ro- 
mantiker. Goethe 615 Numm. 

— Autographenkatalog Star- 
gardt, Berlin. Goethe: 4 Num. 

— 1904. Süddeutsches Anti- 
quariat. Katalog IL. Goethe: 
24G Nummern. 



BlRLIOGRAPHIE. 



293 



2. DR 

Die Meisterw erke der deutsch. 
Buhne, herausgeg. von Georg 
Witkowski. Max Hesses Verlag, 
Leipzig. Mit Einleitungen und 
Anmerkungen der in Klammern 
genannten Gelehrten. 

I. Egniont (Max Morris). 13. 
Götz V. BerlichingenfAd. Flauflfen). 
— Laune des Verliebten. — Die 
Geschwister (J. Minor). Clavigo 
(R. M. Mever). Iphigenie auf Tauris 
(B. Litzmann). Torquato Tasso 
(V. Michels). Faust (G.Witkowski). 

Goethes Egmont v. F. Voll- 
mer. 2. Auflage. (Die deutschen 
Klassiker, erläutert und ge- 
würdigt. IL) Leipzig, H. Bredt. 
8^ 119 SS. M. I. . 

L. Kleiber : Beiträge zur 
Charakteristik von Goethes 
Egmont. Progr. v. Fried. Wilh.- 
Gymnasium. 4^^. 27 SS. 

t Willenbücher: Zu Goethes 
Egmont. (Lehrproben u. Lehr- 
gänge 1901, H. 67.) 

Nusser: Zur deutschen Klas- 
siker-Lektüre. »Egmont und 
Iphigenie«. (Blätter f. d. Gymn.- 
Schuhves. Bd. XXXLX, H. 3/4.) 

T. Dieckhoff: Notes on a 
passage in Goethe's Egmont. 
IV, 2. Alba: So war denn, 
diesmal wider Vermuthen. der 
Kluge klug genug, nicht klug 
zu sein. (Moderne Language 
Notes XVIIL S. 139 — 140.) 

Hans Gerhard Graf: Zur 
ersten Egmont-Aufführung am 
Weimarer Hoftheater. (Wei- 
marische Zeitung Xr. 115, 116. 
17/19. Mai.) 

f Slawa A. K.: rozborn 
Goethovy zpevohry »Erwin und 
Elmire«. Zur Analy.se d.Goethe- 
schenSingspielsErwin u. Elmire. 
(Programm d. Realschule in Ge- 
witsch, gr. S''. 10 SS.) 



AMEN. 

i Goethes Faust. i.Theil. Mit 
Einleitung und Anmerkungen 
von A. Lichtenheld. (iraesers 
Schulausg. klassischerW'erkes 1 , 
4. — 7.Tausd. Leipzig, Teubner. 
Wien. Graeser. gr. 8". XX\1. 
122 SS. M. -.50. 

Faust. Mit Einleit. u. Erklär. 
Hrsg. von K.J. Schröer. 2. Th. 
2.revid.Aufl. Leipzig, Reisland. 
8°. CXV. 466 SS. M. 6.- . 

Faust. Eine Tragödie. 2. Th. 
(Pantheon-Ausg. ) Textrevision. 
Einleitung und ^Erläuterungen 
von Otto Pniover. Berlin. S. 
Fischer, gr. 16*^ XLIV, ^^^ SS. 
m. Bildn. Geb. M. 3. — . 

Vorträge über Goethes Faust 
von Robert Petsch-. Würzburg, 
Ballhorn & Gramer Nachflg. 
198 SS. M. 2.-- (2.50). 

Sechs Vorträge über Goethes 
Faust, gehalten für die wissen- 
schaftl. Vereine im Kestner- 
museum in Hannover von ^V. 
Arnsperger. Heidelbg. 8°. 1 02SS. 
als Manuskript gedruckt. 

Gedanken zu Goethes Faust. 
Schiller und die Farbenlehre v. 
Walter Laue. Breslau, Schles. 
Verl. -Anstalt v. S. Schottländer. 

A. Laforte-Raudi : II Faust di 
Wolfgang Goethe. Letterature 
stranieri. Palermo. Reber. 
223 285. 

F. Kohlrausch: CioethesGötz. 
Tasso. Faust. Klass. Dramen 
und ihre Stätten. Stuttgart. 
Robert Lutz. S. 127 202. 

G. Brandes: Streyflys over 
Goethe. Gottfried - Prome- 
theus \'aeddemaalet i Faust. 
Tilskueren S. 284 -299. 

t Wald und Höhle. Eine 
Faust-Studie von fernst Trau- 
mann. Heidelberüf. Otto Petters. 



294 



Bibliographie. 



J. Volkelt: Fausts Ent- 
wickelung vom Genießen zum 
Handeln in Goethes Dichtung. 
Neue Jahrbücher für das klass. 
Alterth., Geschichte u. deutsche 
Literatur. XI, S. 508 — 521. 

Maria Pospischil : Eine neue 
Faust-Erklärung. (Voß. Zeitg. 
Nr. 241/43 26/27. Mai.) 

Gretchen im Faust. (Maria 
Pospischil). (Berliner Tagebl. 
Nr. 340, I. Beil. 8. Juli.) 

Der Gesang der Erzengel 
im Faust. (Hamb. Nachrichten 
Liter. Beilage Nr. 14.) 

S. Mg. : Faustens Pact mit 
Mephistopheles. (Ulk, 32. Jahr- 
gang, Nr. 32, 7. Aug.) 

Ernst Traumann : Fausts 
Pact mit Mephistopeles in 
juristisch. Beleuchtung. (Frkf. 
Ztg. Nr. 175. I. Mgbl. 26. Juni.) 

f A. Boutarel : Le parrain de 
Mephistopheles. (Le Menestrel 
LXIX, 1891—92, S. 98 — 100.) 

V. Hanstein : Der Unsterb- 
lichkeitsgedanke in Goethes 
Faust. (Monatshefte der Come- 
nius-Gesellsch., Bd. XII, Heft 
3 und 4, S. 59-75-) 

A. Wohl au er: Goethes He- 
lena-Dichtung in ihrer Ent- 
wickelung. (Progr. d. Johannes- 
Gymn. in Breslau. 8°. 8 SS.) 

A. Jahn : Eine Faust-Stelle. 
I. V. 1675: ))^^'as willst du. 
armer Teufel, geben«. (Allg. 
Zeitg., Beilage Nr. 280.) 

Eugen Reichel: Faust-Studie. 
(Die Gegenwart XXXII, 26, 27.) 

L'eterno feminino e l'epilogo 
Celeste nel Fausto di W. Goethe 
da M. de Kerbaker. Neapel, 
C. Piero. kl. 8°, 64 SS. i Lire. 

Max Oswald: Das Urbild 
von Goethes Faust. (Berlin. 
N. Nachrichten 171.) 



t H. L. Oort: Christus en 
Faust. (Theolog. Tydschrift. 
Leiden. XXXVII, S. 36—54.) 

Am Wege, von Friedrich 
Spielhagen. S. 51 — 76. Faust 
U.Nathan. Leipzig,Staackmann. 

Richard Degen : KunoFischer 
und Goethes Faust. (Tägl. 
Rundschau 130. 131.) 

P. Cauer: Goethes Faust in 
Max Grubes Bearbeitung. Ein 
Wort zu den Düsseldorfer 
Goethe-Festspielen. (Deutsche 
Monatsschrift. IV, S.91 1 — 914.) 

K. S.: Max Grubes »Faust«- 
Bearbeitung. (Voss. Zeitung 
Nr. 331. Morgen-Ausg. 18. Juli, 
Feuilleton.) 

\J. S. : Goethes Faust in neuer 
Bühneneinrichtung. (München. 
Neueste Nachrichten Nr. 335, 
21. Juli, Morgenblatt.) 

Ludwig Geiger: Die Auf- 
führung des ganzen Faust. (Die 
Rheinlande, III. Jahrg., Heft 8, 
Mai. S. 297 — 301.) 

E. Newman: Faust in 
Music (Contemporary Review. 
LXXm, S. 673-682.) 

Doktor Faust u. Auerbachs 
Keller. Die Sage von dem 
Faßritt u. s. w. von Ernst 
Kroker. Mit einem Anhang: 
Doktor Faust und Luther. 
Leipzig. Dieterichsche Verlags- 
buchh. 51 SS. mit 3 T. M. I. — . 

Der neue Faust, von Ferdi- 
nand Ritter von Feldegg. Linz, 
Oesterr. Verl. -Anstalt. 

Hans Schmidkunz: Be- 
sprechung d. Obigen. (N. Fr. 
Presse 13956.) 

Historia o zivotu doktora 
JanaFausta, znameniteho caro- 
deje, tez zäpisich d'äbelskych 
i cäri'ch a hrozne smrti jeho. 
Podle originalu z. r. 161 1, 



Bibliographie. 



295 



rhovaneho v Musen krälpvstvi 
Ceskeho, vyddvd Dr. Cenek 
Zibrt. V Praze, nakl. J. Otto 
(Svetove knihovny sv. 327 — 
329). Za 60 h. (Besp. von 
Arnost Krauß in J.isty filo- 
logicke XXXI, S. 50 ff.) 

t J. Wahner: Ein ober- 
schlesischer Faust (Job. Christ. 
Ruhberg, geb. 1751). (Ober- 
schlesien. Zts( hr. zur Pflege u. 
Vertretung d. Inter. Oberschles. 
1902, I. Jahrg., 8. H.) 

De Hann. J. D. Bierens: 
De Klacht van Faust. (Onze 
Eeuw, III, Nr. 11.) 

G. von Hartmann : Ein 
Höllenzwang des 18. Jahr- 
hunderts. (Jahrb. d. Fr. D. 
Höchst. 1903. S. 288 — 296.) 

A. V. M. : Das historische 
Kostüm unter Goethes Theater- 
leitung. (Voss. Ztg., Nr. 562, 
Abend-Ausg., i. Dec.) 

J. Minor: »Die Geschwister« 
und »die Laune des Verliebten« 
auf demWiener Hof burgtheater. 
Eine statistische Uebersicht. 
(Chronik des Wiener Goethe- 
Vereins. Bd. XVII, Nr. 9-12, 
15. Dec.) 

Götz von Berlichingen mit 
der eisernen Hand. Ein Schau- 
spiel von Goethe. Hamburg, 
Großborstel, Verlag d. deutsch. 
Dichter - Gedächtniß - Stiftung. 
HausbU<herei, 2. Band. 178 SS. 
(Einleit. von W. Bode.) M. — .80. 

Goethe: Götzv.Berlichingen. 
Nr. 2. von Schöninghs Text- 
ausgaben alt. u. neuer Schriftst., 
hrsg. von Funke u. Schmitz- 
Mancy. F. Schöningh, Pader- 
born. M. 2.80. 

Paul Schweizer: Götz von 
Berlichingen als histor. Person. 
(Mittheilung, d. Instit. f. österr. 



Ges< hi( htsforsi hung. V. Er- 
gänzungsband, Innsbruck.) 

R. Sprenger: Zu Schillers 
Wallenstein und Goethes Götz 
von Berlichingen. (Zeitschrift 
für den deutschen Unterricht. 
17. Jahrg., Heft 9, S. 589.) 

S. Singer: Zur Volkskunde 
vergangener Zeiten. (Hans- 
wursts Hochzeit.) (Schweizer 
Archiv für Volkskunde. VII, 
S. 61-62.) 

Aufgaben aus Iphigenie auf 
Tauris von H. Heinze. 3. Aufl. 
Leipzig, Engelmann. VII. 87 SS. 
M. I.- . 

Jakob Minor: Zu Goethes 
Jahrmarktsfest zu Plunders- 
weilern. (Studien zur verglei- 
chenden Literatur-Geschichte. 
Bd. m. Heft 3. S. 314-331-) 

K. Deutsch : Ueber das Ver- 
hältniß der Laune des Ver- 
liebten zu d. deutschen Schäfer- 
spielen d. XVIII. Jahrh. (Progr. 
derRealschule Sternberg. 34SS.) 

Die Laune des Verliebten. 
Die Geschwister. Mit Einleitg. 
und Anmerkg. von J. Minor. 
(Meisterwerke d. dtsch. Bühne. 
2. Theil. Leipzig, M. Hesse. 
XXVI. 38 SS.) M. —.30. 

Der Mimus. Ein literar-ent- 
wickelungsgeschichtl icher Ver- 
such V. Hermann Reich. I. Bd. 
I. u. 2. Th. Berlin, Weidmann. 
M. 24.- . Behandelt im 2. Buch, 
auch Laune des Verliebten und 
Faust. 

C. Ritter : Zu Goethes Mäd- 
chen von Oberkirch. (Archiv 
für das Studium der neueren 
Sprachen. CXI. S. 170 — 171.) 

\\'. Fielitz : Das Ziel der 
Handlung in Goethes Tasso. 
Ein Vortrag. Festgabe für die 
13. Hauptversammlung des All- 



296 



Bibliographie. 



gemeinen deutschen Sprach- 
vereins. Breslau. 

Georg Witkowski: Goethes 
Torquato Tasso als dramatisch. 
Kunstwerk. (Jahrb. d. Fr. d. 
Höchst. 1903. S. 265 — 281.) 

G. Schröder : lieber Goethes 



Tasso in der Kritik. (Progr. 
des Lehrerseminars in Katto- 
witz.) 18 SS. 

Aufgaben a. Torquato Tasso 
von H. Heinze. 2. vermehrte 
Aufl. Leipzig. Engelmann. VII, 
loi SS. M. I. — . 



5. GED 

Ein Goethisches Lied. Für 
den Bibliophilen-Tag in Wei- 
mar, II. October 1903, in 
Druck gegeben von Carl 
Schtlddekopf. Als Handschrift 
gedruckt. 

O. Heuer: Eine Goethesche 
Recension. (Jahrb. d. Fr. D. 
Höchst. 1903, S. 296 — 302.) 

Bleistiftzeichnung Gs. mit Unter- 
schrift 1772 gegen den Propst 
Jörgen Hee. 

Goethe, ausgewählte Ge- 
dichte. Buchschmuck von Hugo 
Flintzer. Elzevierausgabe. Leip- 
zig, Seemann Nachf. kl. 8°. 
206 SS. M. 3.-. 

GoethesLyrik. Erläuterungen 
nach künstlerischen Gesichts- 
punkten. Ein Versuch von 
Berthold Litzmann. Berlin, 
Egon Fleischel & Co. 288 SS. 
M. 3.50. 

Robert F. Arnold: Goethes 
Lyrik vor ihrem Richter. 
Euphorion. 10 Bd. 3. Heft. 
S. 611 — 623. 

t Th, Achelis : Goethe als 
Lyriker. Das Wissen für Alle. 
II, S. 452—454, 468—470. 

Goethe : Histoire du Lied ou 
la chanson populaire en Alle- 
magne von E. Schure. Nouv. 
Edition. Paris, Perrin.S. 289-333. 

Die Theorie des Epos bei 
den Brüdern Schlegel, den 
Klassikern und Wilhelm von 



ICHTE. 
Humboldt. Von Dr. Karl Furt- 
müller. (Separat-Abdruck aus 
dem Jahresbericht des k. k. 
Sophiengymnasiums in Wien.) 
Im Selbstverlage des Verfassers. 

J. Minor: Die ersten zehn 
Weimarer Jahre im Spiegel von 
Goethes Lyrik. Auszug aus 
dem Vortrage. (Chronik des 
Wiener Goethe -Vereins. Bd. 
XVII, Nr. 4-5-) 

Anton Wallner: Zu zwei 
Goetheschen Gedichten. (Dine 
zuKoblenz. Seelied. )Euphorion. 
Bd. IG. Heft 3, S. 659. 

Goethes Erlkönig von Busch- 
mann. (Gymnasium. XXI, Sp. 
153-158.) 

Julius Göbel : The authen- 
ticity of Goethes Sesenheim 
songs. (Modern Philology. 
vol. I. Nr. I Juni.) 

Ein ungelöstes Räthsel von 
Goethe. Xenie: Nicht als dein 
Erstes etc. (Aus d. Kölnischen 
Zeitung, Voß. Ztg. Nr. 529, 
Morgen - Ausg.) Entgegnung. 
(Voß. Ztg. Nr. 549, 24. Nov.) 

Hermann Henkel: Zur Lö- 
sung der Frage nach der Autor- 
schaft der Xenien von 1796. 
(Zeitschrift für den deutschen 
Unterricht. 17. Jahrg. 3. und 
4. Heft. S. 228 — 233.) 

Trogalien zur Verdauung 
der Xenien 1797 v. Fürchteg. 



Ribi.ioc;k.\I'Iiik. 



297 



Chr. Fulda. Hrs^j. von Ludw. 
Grimm. (Anti-Xenien i.Heft.) 
Deutsche Literatur-Denkmale 
des 18. und 19. Jahrh. Hrsg. 
V. Aug. Sauer. Nr. 125, 3. Folge. 
Nr. 5. Berlin, B. Behr. XVI 11, 
45 SS. M. 1.20. 

J. Roll : Goethes Nachtlied. 
Ein Irrthum u. eine Fälschung. 

— Th. Ziegler: »Ueber allen 
Gipfeln ist Ruh.« — Ed. v. d. 
Hellen: »\\'anderers Nachtlied.« 

— Rud. Henning: Nochmals 
»Ueber allen Gipfeln« und 
dessen Entstehung. — Th. 
Ziegler: Ein Schlußwort zu 
»Wanderers Nachtlied.« (Frkf. 
Ztg. 20. Dez. 5. Morgenbl., 
25. Dez. I. Morgenbl.. 29. Dez. 
I. Morgenbl., 31. Dez. i. Mor- 
genbl., 3. Jan. 1904 4. Mor- 
genblatt.) 

Berth. Litzmann : Wanderers 
Sturmlied von Goethe. Ein 
Erläuterungsversuch. (Deutsch- 
land. 13. Heft.) 

F. Saran : Melodik u. Rhyth- 
mik der »Zueignung« Goethes 
Studien zur deutschen Philo- 
logie. Festgabe, der 47. Ver- 
sammlung deutsch. Philologen 
und Schulmänner dargebracht. 
Halle, Niemeyer. S. 169 — 239. 
Dasselbe Sep.-Dr. 7 1 SS. M. 2 . — . 

Goethesche \'erse als Ehe- 



vermittler. (Voß. Ztg. Abend- 
Ausg. Nr. 534, 13. Nov.) 

Hermann et Dorothee, pre- 
cede d'une notice litt^raire par 
E. Hallberg. Paris. Delalain. 
8°. 136 SS. 80 Ct. 

Goethes Hermann untl Do- 
rothea v. Ernst W'asserzieher. 
Leipzig. Max Hesse, 94 SS. 
M. —.30. 

Goethes Hermann und Do- 
rothea von E. Kuenen. 5. Aufl. 
Die deutschen Klassiker, er- 
läutert und gewürdigt. Leipzig, 
Bredt. 133 SS. M. i. — . 

Hermann und Dorothea von 
Goethe. Mit Einleitung und 
Anmerkungen von A. Lichten- 
held. Graesers Schulausgaben 
klassischer ^\ erke 2. 38. bis 
45. Tausend. Leipzig, Teubner. 
Wien, Graeser. XIV. 55 SS. 
M. -.50. 

Goethe, Hermann und Do- 
rothea. Mit einer Einleitg. und 
Anmerkg. Hrsg. v. Karl ^^'eise. 
XX. 92 SS. (\\'eises deutsche 
Bücherei No. 2.) Berlin, Theod. 
Fröhlichs Buchh. I\L — .30. 

Feetz, Dr. F. : Aufgaben aus 
deutschen epischen u. lyrischen 
Gedichten. Bd. VII und VIII. 
Aufgab, aus Goethes Gedichten. 
I. u. 2. Th. karton. je M. 1.20. 
Leipzig. ^^'. Engelmann. 



4. PROSASCHRIFTEN. 



Dichtung und Wahrheit von 
Wolfgang von Goethe. lUus- 
trirte u. commentirte Ausgabe 
unter Mitwirkung von Julius 
Vogel und Julius Zeitler. Hrsg. 
von Richard Wülker. Verlag 
Hermann Seemann Nac:hfolg., 
Leipzig. 



J. W. Goethe: Aus meinem 
Leben. Dichtung und \\'ahr- 
heit. Für den Schulgebrauch. 
Herausgegeben von A. Egen. 
Münster, Aschendorff. 403 SS. 
M. 1.80. 

Goethe: Aus meinem Leben. 
Schulausgabe von T- Dahmen. 



298 



Bibliographie. 



4. Aufl. Paderborn. Schöningh. 
VIII, 178 SS. M. i.io. 

Goethe, Joh. Wolfgang v. : 
Italienische Reise. Bibliothek 
der Gesammt-Literatur. Halle, 
Otto Hendel, 1651/52. 123 SS. 

E. Müller -Röder: Prin- 
zessin * * * (Sonntagsbeilage, 
Nr. 46 zur Voß. Ztg. Nr. 537, 
15. Nov.) 

M. Landau: Der Neff"e des 
Prinzeßchens (der Teresia 
Filangieri). (Beilage 285 zur 
Allgemeinen Zeitung.) 

Goethe: Mignon, Auszug 
aus Wm. Meisters Lehrjahren. 
Zum Schulgebr. Hrsg. v, Dr. 
Lörcher. Sammlung deutscher 
Schulausg., hrsg. v. Wychgram, 
Nr. 90. Velhagen & Klasing. 
M. —.75. 

Teplitz in Goethes Novelle 
von Bernhard Seuffert. Weimar, 
Herrn. Böhlaus Nachf. 38 SS. 
M. —.80. 

Adolf Hauffen : Goethes 
»Novelle« u. Teplitz. (Deutsche 
Arbeit, 2. Jahrgang, Heft 8, 

5. 637 — 641.) 

Goethe u. die Gedichte eines 
polnischen Juden. (Recension.) 
(Deutsche Hausfrauenzeitung, 
30. Jahrg., Nr. 4, 25. Januar.) 

K. Heinemann : Goethes 
Shakespearefeier am 14. Oct. 
1771. (N. Jahrb. f. d. klass. 
Altert, Gesch. u. dtsche Lit., 
5. Jahrg., 2. H.) 

Bettelheim : Goethe u. Anatole 
France. (Unterhaltung, deutsch. 
Ausgewanderten. Quelle für 
A. F.) (Allg. Zeitung, Beilage 
Nr. 227, 231. S. 78.) 

[Die Wahlverwandtschaften.] 
H. Schoen. Quid boni pericu- 
losive habeat Goethianus über 
qui Affinitates Electivae inscri- 



bitur. Paris, W. Fischbacher. 
144 SS. M. 4. — . 

Werther. piece en cinq actes 
de M. Pierre Decourcelle, 
d'apres Goethe. (Theätre Sarah 
Bernhardt.) 

Erläuterungen zu Goethes: 
Werthers Leiden von E.Bischoff. 
Königs Erläuterungen zu den 
Klassikern, 7 9. Leipzig.H. Beyer. 
49 SS. M. — .40. 

Job. Livres ä clef. Werther. 
Intermediaire des chercheurs 
et curieux. XL VII. S. 86—88. 

E. Faguet: En relisant 
Werther. Revue des Revues. 
XLV. S. 145 — 150. 

Ed. Pilon: La destinee de 
Werther. (La Plume XV, I, 
S. 601 — 604.) 

A propos de »Werther«. 
Quelques opinions sur Goethe. 
Sainte Beuve, Henri Heine. 
George Sand, Dumas fils. (La 
Semaine Francaise. 22. März.) 

Goethes Werther in Frank- 
reich. Eine bibliographische 
Studie. Von Louis P. Betz. 
(Zeitschrift für Bücherfreunde. 
7. Jahrg. 9. Heft, Dezember. 
S. 383-388.) ^ 

Suferintele tinäruhu \\ erther. 
Reflexinu la romanul liü Goethe 
von E. Grigorovitza, Bucarest. 
Eminescu. 32 SS. i 1. 50. 
(Auch in der Rivista Idealista 
I, Nr. 3.) 

B. Hamann : Das W erther- 
fieber. (Westermanns Monats- 
hefte. XLIV, S. 830—838.) 

R. : Das Urbild der »Werther- 
Lotte«. (Hann. Cour. 24 207). 

E. Bricon: De »Werther« ä 
»Heureuse« vonM. Hennequin 
und P. Bilhaud. (La Grande 
Revue. VII. Bd. XXVI, S. 181 
bis 192.) 



BlBLlOORAl'UlE. 



299 



E. ÜBERSETZUNGEN. 



L. P. Betz: Deutsches Inder 
amerikanischen Literatur. (Das 
literarische Echo. 5. Jahrjjang. 
Heft 15. Erstes Maiheft. Sp. 
1021 ff. (ioethe.) 

Goethe, Extraits en prose, 
Publies avec des notices et 
des notes par B. L^vv. Paris, 
Ha(-hette. kl. 8". XVI.' 186 SS. 
1.50 Fr. 

Poeti Shakespeare. Byron, 
Goethe, Shelley von L. B. A. 
Forte. Palermo. Reber. kl.8°. 3 L. 

t Goethe. Avec notices et 
annotations von P. Lasserre 
und P. Baret. (Pages choisies 
des grands ecrivains. Paris, 
Colin. 360 SS. Fr. 3.50. 

t Goethe und Straßburg von 
A. Eck. Goethe in Straßburg. 
Auswahl aus Goethes Selbst- 
biographie : Aus meinem Leben 
Dichtung und Wahrheit. Mos- 
kau, Typogr. Leßner. 100 SS. 
50 Kop. 

Egmont. Szomosüjatek 5 
felvonäsban. Ford. Salgö, E. 
Budapest. Lampel. 116 SS. 
60 h. 

Faust. Mit Zeichnungen her- 
vorragender deutscher Künstler. 
Petersburg, H. Hoppe. 4". 
172 SS. 2 Rub. 

Faust, L Theil. L'ebersetzt v. 
A.Mamontow, Moskau. 50K0P. 

Goethe, Faust. Traduction 
de Suzanne Paquelin. Premiere 
Partie. XI, 246. Paris. Lemerre. 
Fr. 5 — 

Goethe, Fausto. Tragedia. 
A. Salani, Florenz. 16°. 135 SS. 

Gottfried Süpfie: Die fran- 
zösisch. Faust-Uebersetzungen 



bes])rochen v(^n Martha Lang- 
kavel. Allg. Zeitung, Beil. 76. 

Herman i Dorota von Goethe, 
l^rzelozyl F. Nowicki. (Biblio- 
teka powszechna, Nr. 429.) 
Zloczöw, Zu( kerkandl. 74 SS. 
24 h. 

Goethe, Hermann etl )orothee 
(poeme). Edition classique, 
precedee d'un notice litteraire 
par E. Hellberg. In-i8". 136SS. 
Delalain freres, Paris. 80 es. 

Goethe, Hermann et Doro- 
thee, poeme. Traduit en Vers 
par Veret. 103 SS. Imprimerie 
Moderne. Chateau-Thierry. 

Iphigenie en Tauride. Tra- 
gedie en cinq actes. Traduit 
par E. Leclerc. Langres, impr. 
Champenoise. 123 SS. 

t Goethe, Iphige'nie en Tau- 
ride. Tradu( tion francaise par 
M. B. Levy. avec le texte alle- 
mand et des notes. 16*^. 147 p. 
Paris, Hachette&Cie., Frs. 2. — . 

^^'ahlver^vandtschaften. über- 
setzt von Emma Parodi (le 
affinitäelettive)Mailand.Libreria 
Editrice Nationale X. 338 SS. 

Goethe, Werther. Col. de los 
mejores autores antiquos y 
modernos22. Madrid. Paez y 
Compania. 154 SS. 0.50 ptas. 

Goethe, Werther. Novela. 
En 12°. 194 SS. Impr. de los 
SucessoresdeHernando. Madrid. 

t Goethe. Xenia e detti pro- 
verbiali. Lo scoiattolo e la 
montagna: favola di R. W. 
Emerson. TraduzionidiE. Teza. 
16°. 26 p. Tip. fratelli Gallina 
Padua 1902. 



300 



Bibliographie. 



II. Biographisches. 

A. ALLGEMEINES. 



Goethes Leben und Werke 
V. G. H. Lewes. Uebersetzung 
von J. Frese. i8. Aufl. Stutt- 
gart, Krabbe. XXXIL 288 SS. 
u. XIL 380 SS. M. 5. — . 

Goethe von Karl Heinemann. 
3. verb. Aufl. Leipzig. E. A. 
Seemann. 780 SS. 

Goethe von P. J. Möbius. 
Zwei Bde. Ausgewählte Werke 
von P. J. Möbius. Bd. II, III u. 
X, 266, 264 mit einer Tafel 
und einem Titelbilde. Leipzig, 
Verlag von Joh. Ambrosius 
Barth, pro Bd. M. 3. — . 



Fischer - Pforzheim : P. J. 
Möbius. Goethe. (Psychiatr.- 
Neurologische Wochenschrift 
Nr. 31.) 

— r. : Goethe und die Geistes- 
kranken (P. J. Möbius). (Die 
Post. I. Nov., Sonnt.-Beil.) 

Gete i ewo wremja (Goethe 
und seine Zeit) von N. Sachow. 
3. Aufl. Petersburg. 304 SS. 
1.25 Rubel. 

Goethe im 20. Jahrhundert. 
A^on Wilh. Bölsche. 4. Aufl. 
Berlin, Franz Wunder. 



B. BIOGRAPHISCHE EINZELHEITEN. 



Fr. Fischl : Goethes letzte 
böhmische Reise. (Die Zeit. 
Nr. 266, 26. Juni.) 

J. Trötscher : Goethes Besuch 
am Egerer Gymnasium im Jahre 
1821. (Jahresbericht über das 
K. K. Staatsgymnasium in Eger 
[Böhmen] für das Schuljahr 
1902 — 1903, S. 9 — 14.) 

Notizen über Goethes Besuch 
im Egerer Gymnasium 1821 u. 
über eine Zeichnung Goethes 
ausZwodau in Böhmen. (Dtsch. 
Arbeit. II, 10 — 12.) 

Gust. Ad. Mtiller : Goethe in 
Eisenach. (EisenacherLandbote. 
Wochenbeilage zur Eisenacher 
Tagespost. Nr. 41. 11. Okt.) 

J.Froitzheim: Goethes Flucht 
aus Frankfurt. (Die Gegenwart, 
XXXII, 39.) 

Ludwig Geiger: Goethe und 
Frankfurt. (Frankfurter Ztg. 
Nr. 132, I. Morgenbl. 13. Mai.) 



C. Ruland : Noch einmal 
Goethe und Frankfurt. (Frkf. 
Ztg. 16. Mai, I. Morgenbl.) 

Ludwig Geiger : Goethe und 
Frankfurt 181 7. (Frkf. Ztg. 
2. Morgenbl. Nr. 287, 16. Okt.) 

St. Kekule von Stradonitz: 
Eine heraldische Episode aus 
Goethes Leben. (Velhagen & 
Klasings Monatshefte. XVII, 2. 
S. loi — 109.) 

A. Trinius : Ilmenau einst 
und jetzt. (Nationalzeitung, 
Sonntags-Beil. Nr. 52. 25. Dez.) 

Goethe u. d. Kölner Karneval 
(1825). (ErsteBeil. zur Sonnt.- 
Ausg. der Köln. Ztg. 11. Jan.) 

G. \\'ustmann: Der Leipziger 
Student Goethe. (Leipziger 
Tageblatt Nr. 323.) 

Friedr. Fischl : Zu Goethe 
in Marienbad. (Chronik des 
Wiener Goethe-Vereins. Band 
XVII. Nr. 1—3.) 



BlBLlÜGRAriilE. 



301 



E. Müller - Walde<k : Mit 
Goethe zum Matterhorn. (Tgl. 
Rundschau, l'nterhalt. -Beilage 
101.) 

Karl Meurer: (roethes Reise 
nach dem Montblanc und dem 
St. Gotthardt. (Deutsche Alpen- 
/eitung, München. II, 21.) 

B. Croce : Wolfgango Goethe 
a Napoli Aneddoti e Ritratti 
.Neapel. L. Pierro. 55 SS. i.L. 

t W. Kahl : Pfal/burg zur Zeit 
desjungen Goethe (i 770). (Jahr- 
buch für Geschichte. Sjirache 
u. Literatur Elsaß- Lothringens 
XVIII. S. 109 — 123.) 

t Kulturbilder aus d. Rhein- 
land von J. Joesten, Bonn. 
Georgi. S. 44 — 53. (Goethe 
in Bonn.) 

G. von Graevenitz : Goethe 
in Rom. (Daheim. XXXIV. 
Nr. 18.) 

Jul. Vogel : Aus Goethes rö- 
mischen Tagen. I. Römische 
Goethe-Bildnisse. IL EineScene 
im Castel Gondolfo. Oelskizze 
von Angelika Kauffmann. (111. 
Ztg. 1902. CXIX, 3104. CXX., 
Nr. 3128.) 

G. Korn : Goethes römischer 
Aufenthalt. (Lpz. Tgbl. Nr. 1 03.) 



G. Korn : Goethe unter österr. 
Spionage in Rom. (Lei])ziger 
Tagebl. Nr. 103.) 

t ^^ilh. Feldmann: Goethe 
in Saarbrücken. (Mittheil, des 
Hist. Vereins f. die Saargegend. 
Heft 8. Hrsg. von A. Krohn. 
Saarbrücken 1901. S. 41 — 57.) 

t Goethes Lily (sie) in Saar- 
brücken 1793. (Abdruck aus 
J. Rathgeber: Elsässische Ge- 
schichtsbilder i. Mitth. d. Hist. 
Ver. f. d. Saargegend. Heft 8. 
Saarbrücken 1901.S. 134-140.) 

Goethe und die lustige Zeit 
in Weimar von Aug. Diezmann. 
Unverkürzter Neudruck. Wei- 
mar, Herrn. Grosse. 269 SS. 
M. 1.50. (2. — .) 

Ludwig Geiger : Goethe und 
die Weimarer Straßenjungen. 
(Voß. Ztg. Morg. -Ausg. Nr. 473, 
9. Okt.) 

F. A. (Friedrich Adler) : Auf 
Goethes Spuren. (Beilage zur 
Bohemia Nr. 215, 8. August.) 

Clara Wahlström : Goethes 
private Lebensführg. Dagny 14. 

Steph. Kekule v. Stradonitz : 
Goethe als Pathe. (Die Zukunft. 
XL 25.) 



C. GOETHES VERWANDTE. 



L. Frost: Goethes Mutter. 
(Die Zeit. XXXIV. S. 106-107.) 

Die Religiosität der Frau Rat 
und das Verhältni("> Goethes 
zum Christen -Glauben von 
Schmidt. Leipzig, lacobi und 
Locher. 8". M. -.75. 

F. W.: Frau Rat. (Tägl. 
Rundschau, Lnterh.-Beil. 43.) 



Max Morris: ^\ itkowskis 
Cornelia Goethe. (Nat. -Zeitung 

A. Eloesser: Cornelia, die 
Schwester Goethes (Witkowski). 
(Voss. Zeit. 597.) 

J. Sittard: Cornelia, die 
Schwester Goethes (Witkowski). 
(Hamb. Corr. 585.) 



^02 



Bibliographie. 



Ludwig Geiger : Goethes 
Schwester. (Die Zeit. Nr. 99. 
7. Jan. 1903.) 

J. Fränkel üb. die Biographie 



Corneliens von G. \\'itkowski. 
(N. Züricher Zeitung 241.) 

Th. Achelis : Christiane Vul- 
pius. (Die Wage, Wien, VI, 39.) 



D. GOETHES ^^RHÄLTNISS ZU VORGÄNGERN, 
ZEITGENOSSEN, NACHFOLGERN, SOWIE ZU FRAUEN. 



M. Wolff: Goethe und Base- 
dow. (Pädag. Studien, 2;^. Jahrg. 

1. Heft.) 
KarlWilhelmSchmidt: Goethe 

und Beethoven. (Sonntags-Beil. 
Nr. ^^ zur Voss. Ztg. Nr. 381, 
16. August.) 

Goethe and BerUoz. (Musical 
Courier. New- York, Nr. 1203.) 

Ludwig Geiger : Goethe, 
Bettine und die Frankfurter 
Juden. (Allgemeine Zeitung 
des Judentums. 67. Jahrgang, 
Nr. 40, 2. Oktober.) 

O. Pfülf, S. J. : Aus Bettinas 
Briefwechsel 11, HL Stimmen 
ausMaria-Laach, Freiburg i.Br., 
LXIV, 5, LXV, I. 

F. Galle: Bismarck u. Goethe. 
(Monatsschrift f. höh. Schulen. 

2. Jahrg., 9. — IG. Heft.) 

A. Wechsler: Goethe und 
Friderike Brion. (Gegenwart, 
LXII, S. 270 — 271.) 

O. Karrig: Friderike Brion 
und das Goethedenkmal in 
Straßburg. (Die Gegenwart, 
LXIII, Nr. 6.) 

O. Ulrich: Aus Charlotte 
Kestners alten Tagen. (Hann. 
Tageblatt Nr. 329, 330, 331, 
333. 27. 28. 29. Nov., I. Dec.) 

Th. Deecke : U'erthers Lotte 
in ihren letzten zwanzig Lebens- 
jahren. Niedersachsen (Bremen) 
IX, Nr. I. 

Gustav Adolf Müller: Die 
Reiseapotheke der Goetheschen 



^^'erther-Lotte. (Antiquitäten- 
Rundschau Nr. 12, I. April.) 

Goethes Wirkung in der 
Weltliteratur. Goethe, Byron 
und Madach. Von Dr. Abel 
vonBarabas. Leipzig-Reudnitz, 
Jacques Hegner. M. 1.50. 

L'idealitä spirituale in Dante, 
Milton, Klopstock, Goethe, 
Mickiewicz, von P. Raveggi. 
Florenz, Tip. O. Pagi. 100 SS. 
I L. 

J. Froitzheim: Goethe und 
Propst Dumeix. (Die Gegen- 
wart XXXII, 30.) 

S. Goodinght : H. Emersons 
opinion of Goethe. (German 
American Annais. 2. Serie. I. 
S. 243 — 256.) 

Franz Ilwof: Feuchterslebens 
Goethestudien. (Chronik des 
Wiener Goethe -Vereins. Bd. 
XVII, Nr. 1—3, 15. März.) 

H. Klingebeil: Goethe und 
die Frauen. (DerTürmer, V, 1 1 .) 

Goldsmiths Einfluß in 
Deutschland im 18. Jahrh. von 
H.Sollas. Heidelbg. Diss. 44 SS. 

W. V. Scholz : Günther und 
Goethe. (Die Kultur, I, S. 
1459— 1506.) 

Vergleichende Studien zu 
Hebbels Fragmenten, nebst 
Miscellaneen zu seinen Werken 
und Tagebüchern von Albert 
Fries. Berlin, L. Ehering. 59 SS. 

Einfluß Goethes S. 11 ff. Vgl. 
ferner S. 3,4, s. auch oben S. 179. 



Bibliographie. 



303 



Goethe ed Heimholt/- von 
C De Lungo. Torino. 16". 
161 pp. L. 2. — . 

Ludwig Keller: Joh. Gottfr. 
Herder und die Kultgesell- 
schaften des Humanismus. (Mo- 
natsh. der Comenius-Gesellsch. 
XII. 243-348.) 

Enthält vieles über Goethe als 
Freimaurer. 

Max Morris: Goethe und 
Holberg. (Chronik des Wiener 
Goethe- Vereins. Band XVII. 
Xr. 9—12. 15. Dez.) 

A. de Gubernatis: Goethe u. 
Italien. (Dtsch. Revue XXVIII, 
I. S. III — 121, 224 — 239.) 

Alexander von Bernus: Ein 
Beitrag zur Manzoni-Literatur. 
Unveröffendirhter Brief Man- 
zonis u. einer J. F. H. Schlossers, 
Frankfurt 1830. (Freistatt. 
Kritische \\'ochenschrift für 
Politik. Literatur und Kunst. 
Nr. II. S. 993 — 994.) 

Mit Bemerkungen über Goethe 
und Italien. 

G. Neumeister : Jesus und 
Goethe. (Der Tag. Nr. 161.) 

A. Rau : Goethes und Kants 
Verhältniß zu den Prinzipien 
d. Feuerbachschen Philosophie. 
(Dtsch. Zeitschr. V. S. 247-254.) 

Herzog Karl August und der 
Pariser Buchhändler Pougens. 
Ein Beitrag zur Geschichte der 
internationalen Beziehungen 
Weimars von P. v. Bojanowski. 
\\ eimar, Herm. Bohlaus Nachf. 

P. v. Bojanowski: Herzog 
Karl August von Weimar in 
einer Sitzung der Pariser Aka- 
demie. Freundesgaben für 
Karl Frenzel. Berlin. S. 5 — 10. 

A. Hansen: Finne od. Goethe. 
(Voß. Zeitung. Morgen. -Ausg. 
Nr. 497, 23. Okt.) 



N. ^^'ille: Goethe oder Linnc. 
Eine Antwort an die Voß. Ztg. 
(Aftenposten, November.) 

Anknüpfend an \. Hansen, s. vor. 
Nr., vgl. Kalischer,Voß. Ztg. Nr. 450. 

Ludwig Geiger: Großher- 
zogin Luise von Weimar. (Voß. 
Ztg.. Nr. 359. Morg. -Ausgabe. 

4. August. Feuilleton.) 

Ph. Loewe: Goethe und der 
Sarajlija (Simeon Milutino- 
witsch). (Wiener Frembenblatt. 
Nr. 82, 24. März.) 

V Goethe und der italienische 
Dichter Vincenzo Monti. (Die 
Grenzboten. LXI. 44.) 

E. Faguet: Goethe €t Nietz- 
sche. (Revue des Revues. 
XLIV. S. 556 — 560.) 

f F. Schubert: Goethes schöne 
Mailänderin. (Ueber Land und 
Meer. 44. Jahrg. LXXXVII.Bd. 
Nr. 32.) " 

P. Reiff: Pindar and Goethe. 
(Mod. Language Notes. XVIII. 

5. 169—173.) 

Platen in seinem Verhältniß 
zu Goethe von Rud. Unger. 
Ein Beitrag zur inneren Ent- 
wickelungsgesch. des Dichters. 
Forschungen zur neueren Li- 
teraturgeschichte. Hrsg. von 
Prof. Dr. Frz. Muncker. XXIII. 
Berlin, Al.Duncker. VIII.190SS. 

M. 5--- 

Platen- Forschungen. I. Zu 
dem dramatischen Nachlaß. 
II. Zu den Werken und Tage- 
büchern. Von Albert Fries. 
Berlin, E. Ehering. 126 SS. 

Kap. I. Einfluß Goethes und 
Schillers, ferner S. 40 ft"., S. 81 fl"., 
S. 122 fi". 

F. Beyschlag: Eine Parallele 
zwischen Plato und Goethe. (Bl. 
für das Gymnasial-Schulwesen. 
XXXIX. Bd. 3/4. H.) 



304 



BiBLIOGRAPHlt:. 



Edgar Istel : Goethe u. J. Fr. 
Reichardt. (Frkf. Ztg. 238. 239.) 

Goethe und Schiller von 
J. Howald. Eine Monographie. 
Konstanz, C. Hirsch. VI. 1 69 SS. 
M. 2. — . 

Goethe et Schiller par A. 
Bossert. 5 ed. revue. Paris, 
Hachette. 455 SS. Fr. 3.50. 

Schiller, Goethes u. Schillers 
Zusammenwirken, Romantik 
von Franz Prosch. Geschichte 
der deutschen Dichtung zum 
Gebrauch an österreichischen 
Lehranstalten u. für das Selbst- 
studium. Zweiter Theil. Zweite 
Auflage. Carl Gräser & Cie. 
\\ ien 1904. 

E. Traumann : Stift Neul)urg. 
(Der Besitz Friedrich Schlossers. 
Dessen Beziehungen zu Goethe.) 
(Neue Heidelberger [ahrbücher. 
XII, S. 54-62.) 

Das Frankfurter Zinngiesser- 
gewerbe und seine Blüthezeit 
im 18. Jahrhundert von Rechts- 
anwalt Dr. Alexander Dietz. 
Frankfurt a. M., Druck von 
Gebr. Knauer. 

S. 175 fg. Familie Schönkopf. 

Goethe und Schopenhauer. 
Ein Beitrag zur Entwickelungs- 
geschichte der Schopenhauer- 
schen Philosophie von Heinr. 
Doli. Berlin, Ernst Hofmann &: 
Co. 73 SS. M. 1.50. 

t J. Blaschke : Schubert und 
Goethe. (Neue Zeitschrift für 
Musik. LXIX, S. 546 — 549.) 

Goethe als Erzieher. Von 
John Lancaster Spalding : 
Deutsche Uebersetz., München, 
Schuh & Co. 

P.Schmidt: Ein bischöflich. 
Wort über Goethe als Erzieher. 
(John EancasterSpalding.) (IJte- 
rarische Warte, IV. Nr. 10.) 



Goethe und die Stael. (Voss. 
Zeitung, Nr. 566, Abend-Ausg., 
3. Dec.) 

t P. Besson : Goethe et Mt* 
de Stein. (Annales de Tuniversite 
deGrenoble. XIV, S.447 — 517.) 

Graf Kaspar von Sternberg : 
Ausgew. Werke. I. Band : Brief- 
wechsel zwisch. J.W.vonGoethe 
und Kaspar Graf von Stern- 
berg (1820 — 1832). Hrsg. von 
Aug. Sauer. Mit 3 Bildn. Stern- 
bergs. Prag, J. G. Calve. 434 SS. 

Gesammelte Reden u. Auf- 
sätze zur Gesch. der deutsch. 
Literatur in Oesterreich und 
Deutschland. Von August Sauer. 
Wien u. Leipzig. Carl Fromme, 
gr. 8*^. 400 SS. M. 6. — . 

Lebensbild des Grafen Kaspar 
Sternberg. 

E. Gnad: Goethe und Graf 
Sternberg. (\Mener Abendpost, 
Nr. 36.) 

J. Cohn: Goethe u. Uhland. 
(Goethe an Zelter über Uhlands 
Gedichte). (Allgemeine Zeitung, 
Beilage, Nr. 273.) 

t S. Siehe: Friederike Unzel- 
mann und die erste Darstellung 
der Goetheschen Iphigenie in 
Berlin. (Tägliche Rundschau, 
Beilage Nr. 303.) 

Briefe von \\'iener Damen. 
(Goethe u. Oesterreich.) (Neue 
Freie Presse Nr. 13847, 15. März, 
Feuilleton.) 

Egon von Komorczynski. 
Goethe u. Oesterreich. (August 
Sauer). (Wien. Abendpost 71.) 

Aus dem Lager der Goethe- 
Gegner von Michael Holzmann. 
Mit e. Anhang. Ungedrucktes 
von und an Börne. (Deutsche 
Literaturdenkmale des 18. und 
19. Jahrh. Hrsg. von A. Sauer. 
Nr.i29.B.Behr. 2 24SS.)M.3.5o. 



BlBLIOGRAPllin. 



305 



Emil Homer: Aus dein l-ager 
der Goethe-Gegner. (Chronik 
des Wiener Goethe- Vereins, 
Bd. XVII, Nr. 9 -12, is.Dec.) 



In memoriam (Schrüer). 
(Chronik des Wiener Goethe- 
Vereins. Bd. XVII. Nr. 13, 

15. M.ärz.) 



E. STELLUNG ZU KUNST, LITERATUR, POLITIK, 
RELIGION, WISSENSCHAFT. 



Goethe- Betrachtungen von 
H. Hirth. Kleinere Schriften. 
München, Verlag der Tugend. 
IL S. i55r'<^7- 

A. Härlin: Goethe und der 
Alkohol. (Leipz.Tgbl. Nr. 436, 
28. August.) 

Goethe als Almosengeber. 
(Voß. Ztg. Nr. 566. Abend- 
Ausg. 3. Dec. Aus d. Köln. Ztg.) 

G. Neumeister : Goethe als 
Arzt. (Tgl. Rundschau. Unter- 
haltungs-Beilage Nr. 200.) 

Wilh. Paszkowski: Goethes 
Verhältniß zum Bibliotheks- 
wesen. Beiträge zur BUcher- 
kunde und Philologie, August 
Wilmanns zum 25. III. 1903 
gewidmet. Leipzig, Harasso- 
witz. S. 159 — 172. 

H.Heinz: Goethe als Biblio- 
thekar. (Frkf. Ztg. Graz. Nr. 231. 
21. Aug.) 

Pastor Diestel : Lieb. Goethes 
Christenthum. (Monatshefte d. 
Comenius-Gesellsch. Bd. XII. 
Heft 5 — 7. S. 119— 127.) 

t Moncrieff O'Connor. 1).: 
The influence of christianity 
on dramatic ideals of character. 
(Dublin Review. CXXXI, S. 27 i 
bis 294. Iphigenie). 

R. Ehlers : Goethe und das 
Christenthum. ( Protestantische 
Monatshefte. VII. Heft 9.) 

Harnack, Goethe, I). F. 
Strauß und L. Feuerbach über 
das Wesen des Christenthums 

Goethe-Jaiirbvch XXV. 



von A. Rau. Eine kritische Dar- 
legung. Delitzsch, C. A. Walter. 
IIL 49 SS. M. I.-. 

Goethe und die Descendenz- 
lehre v. Waldemar ^^'asielewski. 
Frankfurt a. M., Rütten c^- 
Loening. VIL 61 SS. M. 1.80. 

Fritz Lienhard : Goethes Ein- 
samkeit. (Deutsche ^^'elt. 51.) 

S. George: Goethe über Er- 
ziehung und L^nterricht. (Mittel- 
schule. XVIL S. 460—466.) 

Adolf Metz : Ethische Fragen 
und Folgerungen im Anschluß 
an Goethe. (Preußische Jahrb. 
Bd. cm. 3. Heft.) 

Die ästhetische Bedeutung 
von Goethes Farbenlehre von 
A. Peltzer. Heidelberg, Winter. 
IIL 47 SS. M. 1.20. 

Mungo: Goethe als Fein- 
schmecker. (Oesterr. Volks-Ztg. 
303.) 

Goethe über die Frauen. 
Gedr. in 50 Exempl. Budapest. 

Goethe und die Frauen. (Der 
Türmer V, 2.) 

G. Brandes: Goethe et l'idee 
de liberte. (Revue Bleue 4 Serie. 
S. XX. S. 33-37-) 

Goethe und die Geschlechter, 
von P. J. Möbius. Beiträge 
zur Lehre von den Geschlechts- 
unterschieden. Heft 6. Halle a.S. 
Verlag von Carl Marhold. 
gr. 8". 30 SS. M. I. — . 

Fischer -Pforzheim: P. J. 
Möbius: Goethe und die Ge- 



3o6 



Bibliographie. 



schlechter. ( Psychiatrisch-Neu- 
rolog. Wochenschrift Nr. 22.) 

Curt L. Walter: Goethes 
Idee des Göttlichen. (Hoch- 
land, Dresden I. 4.) 

Konrad Falke: Goethe und 
das Hochgebirge. (Basler Nach- 
richten 356.) 

F. Fischer: Goethe über 
Irrenanstalten u. Geisteskrank- 
heiten. Psychiatrisch - Neu- 
rologischeWochenschnftNr.43. 
(Frkf. Ztg. 44-) 

Goethe ein Kinderfreund von 
Karl Muthesius. Berlin, E. S. 
Mittler & Sohn. 230 SS. mit 
I Taf. M. 2.50, 3.60. 

Goethes Lebenskunst. (Der 
alte Glaube, III. Nr. 34.) 

Bode, W.: Goethe sasom 
människa. Oefvers. fran 2 : a 
uppl. an af »Goethes Lebens- 
kunst« af Signild Wyshing 204, 
IG pl. T. N. Norstedt &: Söner, 
Stockholm. 3 Kr., geb. 4 Kr. 
50 öre. 

Max Seiling : Goethe und 
der Materialismus. (Psychische 
Studien, XXX. Jahrg., Heft IV, 
April, S. 223—232, Heft VI, 
Juni, S. 362 — 368, Heft VII, 
Juli, S. 422 — 428.) 

H. Driesmann: Das Gesetz 
Goethes in der Menschenbildung 
und Rassenkreuzung. (Die 
Gegenwart LXIII. Nr. 12.) 

A. Fuchs: Goethe und die 
Musik. (Schweiz. Musikzeitung, 
Xm, Nr. I.) 

Max Seiling: Weiteres über 
Goethe und der Okkultismus. 
(Psychische Studien, XXX. Jhrg. 
I. Heft, S. 21 — 29.) 

Goethe und der Orient von 
Herman Krüger-Westend. Wei- 
mar, Hermann Böhlaus Nachf. 



W. Schmidt: Goethe als 
Pädagoge. (Lehrer-Zeitung für 
Thüringen U.Mitteldeutschland, 
XV, Nr. 42.) 

S. Saenger : Goethe als Philo- 
soph (nach Hermann Siebecks 
Buche : Goethe der Denker.) 
(Die Zukunft XI, 29.) 

D — s: Ist Goethe populär? 
Eine Stimme aus unserm Leser- 
kreise. (Berliner Tagebl. 43 s. 
28. Aug.) 

Friedrich Dernburg : Popu- 
larität. (Berl. Tagebl. 439.) 

Goethes bester Rath. Von 
Wilhelm Bode. Berlin. E. S. 
Mittler &: Sohn. 

Goethes Selbstzeugnisse über 
seine Stellung zur Religion 
und zu religiös-kirchl. Fragen. 
In zeitlicher Folge zusammen- 
gestellt von Theodor Vogel. 
Dritte Aufl. B. G. Teubner. 
Leipzig. 

K. Trost : Die religiöse Be- 
deutung Goethes. (Nordd. Allg. 
Ztg. Beilage, Nr. 10.) 

M. Arnauld : La Sagesse de 
Goethe. (L"Eremitage, Paris. 
XIV. Nr. 26.) 

Goethes LTrtheil über die 
wichtigsten Tagesfragen " des 
20. Jahrh. von Oskar Steinel. 
In wörtlichen Auszügen aus 
Eckermann zusammengestellt. 
Erlangen, Fr. Junge. 75 SS. 
M. -.75. 

Franz Ilwof: üeber Goethes 
Stellung zum Weine. (Grazer 
Tagesp. 245.) 

Goethes Plan einer ^^'eltbibel. 
(Abdruck eines Artikels aus der 
Voß. Zeitung. Auszug aus B. 
Suphan. Daslitt.Echo Nr. 862fg. 
zweites März-Heft. 1903. Jahr- 
gang V. Nr. 12.) 



Bibliographie. 



B. Krembs: Goethe (als 
Zeichner). Dichter und Maler. 
Leipzig. Dürr. S. 65 — 82. 

Ad. Fr. Seligmann: Goethe 
als Zeichner. Vortrag gehalten 
im Wiener Goethe-Verein am 



4. März 1903. (Chronik des 
Wiener Cioethe- Vereins. Band 
XVII. Nr. 6 — 8. I. August.) 
A. F. Seligmann : Goethe als 
Zeichner. (Neue Freie Presse. 
Nr. 18839, 7. März.) 



F. NOTIZEN VON ZEITGENOSSEN ÜBER GOETHE. 



Bruno Gebhardt : Aus Wil- 
helm von Humboldts Nachlaß. 
(Nord und Süd. Heft 313. S. 84. 
Heft 314. S. 197. Goethe.) 

Heinrich Funck: Elf Briefe 
von Lavater an Wieland. (Bei- 
lage zur Allg. Zeitung Nr. 47. 
27. Feb.) 

Gustav Ad. Müller: Unge- 
drucktes über Goethe von einem 
Zeitgenossen (demBremer Theo- 
logen J. J. Meyer.) (Sonnt. -Bl. 
(629) des Hann. Cour.) 

Erwin St. Goar: Aufzeich- 
nungen des Freiherrn von Ried- 
esel über seine Reise nach 
Weimar (1805). (Frankf. Ztg. 
Nr. 34.) 

Ludwig Geiger : Aus dem 



Schillerhause. (Frkf. Ztg. Nr. 6 2 . 
Erstes Morgenbl. 3. März 1903.) 
Schilderungen Goethes in Briefen 
von Funk. 

Ansichten über Literatur und 
Kunst unseres Zeitalters, i. H. 
Mit einem Kupfer. Deutschland 
1803. [Neudruck.] Gesellschaft 
der Bibliophilen Weimar 1903. 
64 SS. mit Nachwort u. Erläu- 
terungen von G. Witkowski. 

Ueber den Verfasser einer 
gegen Goethe und die Schlegels 
gerichteten Schmähschrift aus 
dem Jahre 1S03 von A. Silber- 
mann. (Programm der Kaiser 
Franz Josefs-Handelsakademie 
in Brunn. 23 SS.) 

Kotzebue: Expektorationen. 



IIL VERSCHIEDENES. 

A. AUSSTELLUNGEN, BILDER, BÜSTEN, STATUEN, 

FEIERN, GEDENKPLÄTZE, -TAFELN, -STÄTTEN. 

SAMMLUNGEN. 



Aus den Großherzoglichen 
Museen. (Weim. Ztg.. 9. April.) 

Carl Ruland : Aus den Groß- 
herzoglichen Museen. (Weim. 
Ztg., Nr. 146, 25. Juni.) 

O. Heuer: Gerhard von 
Kügelgens Goethebildniß von 



1808. (Tahrb. d. Fr. D. Höchst., 
1903, S. 285 — 288.) 

(Mit Wiedergabe des Bildes in 
Heliogravüre.) 

Goethe. »Du stehst mit un- 
erforschtem Busen, geheimniß- 
voll« etc. [Die Gestalt Goethes 
20* 



3o8 



Bibliographie. 



auf e. Felsenhöhe, vor der mit 
Füllhorn und mit Blumen ge- 
schmückten, knieenden weibl. 
Hgur stehend.] Färb. orig. 
Lithogr. V. Fr. Stassen, 45 u. 
31 1/2 cm. Fischer & Francke, 
Düsseldorf. M. 8. — . 

Goethe. Goethekopf nach 
links, vom Wiener Goethe- 
Denkmal von Edm. Hellmer. 
Phot.-Gravure auf chin. Papier. 
G. Heuer & Kirmse, Berlin. 

M. 3 -• 

Goethe. Brustbild nach links 
gerichtet. Nach einer Skulptur 
von E. Hellmer in phot. Kohle- 
druck. Imp.-Fol. Verlagsanst. 
Fr.Bruckmann,A.-G., München. 
M. 18. — . 

Goethe. Achtfarbige Original- 
zeichnung von Franz Stassen. 
Fischer & Franke in Berlin. 
M. 6.-. 

Goethe und Beethoven in 
Teplitz. Nach dem Gemälde 
von C. Rohling. Photogravüre 
auf chin. Papier. Photogr. 
Gesellschaft, Berlin. M. 15. — . 

Türmers Bilderschatz. Kunst- 
blätter. Nr. 3. Goethe von G. 
V. Kügelgen. Greiner & Pfeiffer 
in Stuttgart. M. —.50. 

Angelica Kaufmann, Brust- 
bild (eine Mappe an die Brust 
haltend). Nach dem eig. Ge- 
mälde in der alten Pinakothek 
in München, radirt von Doris 
Raab. Hugo Helbing, München. 
M. 20. — , auf (hin. Papier. 
M. 30. — . 

Adolf Kohut: Die Goethe- 
Sammlung in Budapest. (Zeit- 
schrift f.Bücherfreunde. 7. Jahrg. 
Heft 9. Dec. S. 377 — 382.) 

J. Fränkel : Ein Goethe-Denk- 
mal. (Von Bettina Brentano.) 
(Die Zeit, XXXV, S. 253-255.) 



Ruhestätten und Denkmäler 
unserer deutschen Dichter von 
O. Weddingen. Halle, Gesenius. 
Goethe-Denkmäler, S. 36 — 49. 

G. H. : Zur Einweihung des 
Darmstädter Goethe-Denkmals. 
(Darmstädter Tägl. Anzeiger, 
24. Juni.) 

G. F.: Der Goethe-Tempel 
im Darmstädter Herrengarten. 
(Darmstädter Tägl. Anzeiger, 

28. Juni.) 

Die Enthüllungsfeier des 
Darmstädter Goethe-Denkmals 
am 30. Juni 1903. (Darmst. 
Tägl. Anz. Nr. 152 vom 2. Juli 
1903, Leitartikel.) 

Enthält auch Oberstleutnants 
Eugen Gad und Prof. Dr. Otto 
Harnacks Festreden im Wortlaut. 

Führer durch Sesenheim und 
Umgebung. Ein Wegweiser 
für Goethefreunde von Gust. 
Ad. Müller. 2. vermehrte Aufl. 
Mit einem Bilde des alten evang. 
Pfarrhauses. Bühl (Baden). 
Verlag der Aktiengesellschaft 
Konkordia. M. i. — . 

G. A. Müller: Bedrohte 
Goethe-Erinnerungen in Sesen- 
heim, Meysenheim, Emmen- 
dingen, Frankfurt a. M. (Anti- 
quitäten-Rundschau I, Nr. 14. 
S. 167 — 170). 

Ein Wort über \\'eimar von 
Ernst von Wildenbruch. Als 
Flugschrift gedruckt. Berlin, 
G. Grotesche Verlagshandlung. 

Paul Schienther : Die ob- 
dachlose Goethe - Gesellschaft. 
(Neue freie Presse, Nr. 139 18, 
26. Mai.) 

Willy Schäfer : Goethes 
Gartenmauer. (Frkf. Zeitung, 

29. Nov., 2. Mgbl.) 

Alfred Klaar: Das Hinter- 
land der Erinnerung. (Goethea 



BlBLIOGRAPMII-. 



309 



Haus, Gartenmauer u. s. \v.) 
(Voss. Ztg. 583. Morgenausg. 
13. Dez.) 

[Diese beiden .\rtiliel als Probe 
einer überaus zahlreiclien Literatur; 
über die Sache selbst v":l. den 



unten folgenden Jahresbericht der 
Goethe-Gesellschaft ] 

Adolf Wilbrandt: Im Wei- 
marer Park. Ein Clespräch. 
(Neue Freie Presse. Nr. 141 28, 
25. Deremher.) 



B. DICHTUNGEN ÜBER GOETHE, COMPOSITIONEN, 

ILLUSTRATIONEN, PARODIEEN, NACHDICHTUNGEN 

GOETHISCHER WERKE. 



Eugen Schmitz: Faustcom- 
positionen. (Die Freistatt. X, 
Nr. 22. S. 430—432.) 

Berlioz. H. : Sylphen-Tanz 
aus Fausts Verdammung f. V. 
m. Pfte. arr. v. Sauer. C. F. 
Schmidt, Heilbronn. M. — .80. 

Berlioz: Sylphentanz aus 
Fausts Verdammung f. Harm.. 
Pfte. und Viola (od. V.). Bearb. 
V. K. Kämpf. Leipzig, Breit- 
kopf & Härtel. M. 2.60. 

Berlioz, Hector: L'ngarisrh. 
Marsch aus Fausts Verdam- 
mung, op. 24 für Salonorch. v. 
F. Th. Cursch-Bühren. Leipzig. 
Breitkopf & Hartel. M. 4.80. 

Bungert Aug.: op. 58. Faust- 
Dichtung von Goethe. Klavier- 
auszug von Conrad Llbricht. 
Theil I. Mk. 8. — . Theil 2. 
Mk. 12. — . C. F. Leede, Com.- 
Verlag. Leipzig. 

Carl Goldmark : Götz von 
Berlichingen. Ojjer in 5 Akten. 
Klavierausz. m. Text M. 15. — . 
Potpourri i. 2. M. 3. — . Vor- 
spiel 2 'ms M. 2.50. Vorspiel 
4/ms M. 4.75. Text d. Gesänge 
M. —.80. Wien, E. Berte & Cie. 

Gounod, Ch. : Walzer aus 
Faust für Infanteriemusik. Bote 
& Bock in Berlin. M. 4. — . 

Eichhorn, jr. K. : Wanderers 
Nachtlied f. Männerchor. Part. 



u. St. Albert Auer in Stuttgart. 
M. 1.20. 

Loewe, Karl : Balladen und 
Lieder f. Pianoforte (m. über- 
legtem Text). Bearb. von C. 
Reinecke No. 9. Der Erlkönig. 
Gebr. Reinecke, Leipz. M. 1.20. 

Nodnagel. Ernst: Op. 27. 
Fünf Gedichte v. Goethe, i. An 
die Entfernte. 2. Erster Verlust 
3. Hoffnungslos. 4. Erinnerung 
5.AmFluße. ä M. —.90. cmpl 
M. 3.90. Verlag Dreililien, Berl 

Reh-Carliga. S. : Lied de; 
Harfners für i Singst, m. Pfte. 
Dessau, Vollmar. M. — .80. 

Schubert, Frz.: Meeresstille, 
f. Männerchor bearb. v. Rieh. 
Heuberger. Ad. Robitschek, 
Leipzig. M. 1.20. 

Stange Max: Op. 13. Nr. i. 
Die Bekehrte, für i Singst, und 
Pfte. mit deutschen, franz. u. 
engl. Text. Berlin. Raabe & 
Plothow. M. 1.50. 

Wolf. C. O. H. : Op. 75- 
Haideröslein. Idylle f. Pianofte. 
Offenbach. Joh. Andre. M. 1.80. 

R.Batka: Goethesche Lieder 
in der Musik. Kranz. Ge- 
sammelte Blätter über Musik. 
Leipzig. Lauterbach i\: Kuhn. 
S. I IG — 1 18. 

Goethes Lieder. Oden, Bal- 
laden und Romanzen m. Musik 



UO 



Bibliographie. 



von J. F. Reichardt. Zum Theil 
neu herausgeg. von Hermann 
Wetzel. Berlin, Verlag von 
Eisolt & Rohkrämer. 

L. S.: J. F. Reichardt, der 
Goethe - Komponist. (Berliner 
Tageblatt, Literar. Rundschau, 
Nr. 399. 8. August.) 

t A. Tille : Goethes Märchen 
und Hendrichs Bilder. (Die 
Zukunft, XI, S. 336 — 346.) 

M. Schmidt: Ludwig Nau- 
werck. (Archiv des Vereins für 
die Geschichte d. Herzogthums 
Lauenburg. VII, S. 59 — 61.) 

Nauwercks Illustrationen zum 
Faust und Goethes Urtheil über 
dieselben. 

Faust und Helena. Nach dem 
Gemälde von Ernst Röber in 
Photogravure auf chines. Papier. 



Photogr. Gesellschaft Berlin. 
M. 15.-. 

Otto Ernst : Goethe und 
Tasso. Gedicht. (Die Kultur. 
I. Jahrg. Heft 13. Erstes Januar- 
heft. S. 835-837.) 

Lucindes Fluch. Ein Goethe- 
spiel in drei Aufzügen. Frei 
nach »Dichtung und Wahrheit« 
von Dr. phil. David Aufhäuser. 
E. Piersons Verlag. R. Lincke, 
k. u. k. Hofbuchhdl., Dresden. 

Die Nachtigal von Sesenheim 
von Gustav Adolf Müller. Ein 
Liebessang vom Rhein. Berlin- 
Charlottenburg, Verlag Conti- 
nent. Theo Gutmann. 173 SS. 

L. Dauriac: La damnation 
de Faust travestie. La revue 
latine. II, S. 417 — 424. (Oper 
von Berlioz.) 



Anhang. 



Englisch- Amerikanische Bibliographie. 

Zusammengestellt 

VON 

Dr. Rudolf Tombo, jun., Columbia University 
1903. 

I. NEUE AUSGABEN, ÜBERSETZUNGEN etc. 
VON GOETHE. 



Goethes Egmont. Edited 
with Introduction and Notes 
by Robert Waller Deering. 
Henry Holt & Company, New 
York, 1903. LXXII, 180 pp. 

Goethes Poems. Selected and 
edited by H. G. Atkins and 
L. E. Kastner. Blackie & Son, 
London, 1903. 



Shorter Poems of Goethe and 
Schiller, in chronological order. 
Selected and annotated by W. 
H. Van Der Smissen. D. App- 
leton & Co., New York, 1903. 
XXXII, 290 pp. 

Aus dem deutschen Dichter- 
wald. Favorite German Poems, 
edited with Notes and Voca- 



Bibliographie. 



311 



hiilary hy J. H. Dillard. Ameri- 
»an Book Company, 1903. 
Goethe: 17, 18. 20. 29, 32, 
39- 41, 44. 45' 47- 5^, 66, 67, 
74. 77, 80, 82 pp. 

Hermann und Dorothea. 
Kdited with Introduction, Notes 
andVocabulary byA.H. Palmer. 
D. Ap])leton & Co., New York, 
1903. XXXVI, 202 PJL 

Wilhelm Kleisters Ajjpren- 
ticeship and Travels ; from the 
German l)y Thomas Carlyle. 
New Edinburgh Edition. Three 
volumes in one. Chas. Scribners 
Sons, New York, 1903. VIII, 

739 PP- 

Wilhelm Meisters Appren- 



tireship and Travels. Trans- 
lated by Thomas Carlyle. Chai)- 
man, London 1903. 3 volumes 
in one. 

Dasselbe Buch, welches Charles 
Scribners Sons in New York ver- 
öflentiichten. 

Selections from the Corre- 
spondence between Schiller and 
Goethe. Edited with Intro- 
duction and Notes by John Cr. 
Robertson. Second edition 
(I. ed., 1898.) The Athenaeum 
Press. Ginn cS: Co.. Boston, 
Mass., 1902. 

Wesley and Goethe. By J. W. 
Bashford. Jennings and Pye, 
Cincinnati, Ohio, 1903. 



IL HINWEISE IN BUCHERN. 



Studies in German Literature 
in the Nineteenth Century. By 
John Firman Coar. Macmillan, 
New York and London. 1903. 
Chapter XIII : Conclusion ; the 
Nineteenth Century in the Light 
and Shadow of the Genius of 
Goethe, pp. 358 — 375. Andere 
Hinweise, pp. 3, 5, 84, 85, 112, 

137 — 138, 143— 145' 147. 1571 
162, 169. 193, 217, 254, 259, 

270-293-307'3ii'.330-33i'357- 
The Life and Times of Georg 
Joachim Göschen, publisherand 
printer of Leipzig, 1 752-1828. 
With extracts from his Corre- 
spondence with Goethe, Schiller, 
Klopstock, Wieland, Körner, 
and many other leading authors 



and men of letters of the time. 
By his Grandson. Viscount 
Goschen. London : JohnMurray. 
New York: G.P.Putnam'sSons. 
1903. 2 vols., with 14 photo- 
gravures, 3 lithograps, and 27 
other illustations. Vol. I,chapters 
VIII and XI, and Vol. II, Index, 
pp. 468 — 469. 

Diary and Letters of Wilhelm 
Müller. P. S. Allen and J. T. 
Hatfield. University of Chicago 
Press, Chicago, 1903. Pp. i62ff. 
unpublished letter of Müller to 
his wife, describing a visit with 
Goethe in Weimar, August 1826, 
Also various comments on 
Goethe. 



III. RECENSIONEN. 



Atkins and Kastner, Goethes 
Poems: Athenaeum, 1903. 1:782 
(June 20). 



Batt : The Treatment of Na- 
ture in German Literature from 
Günther to the Appearance of 



312 



Bibliographie. 



Goethes Werther (Daniel B. 
Shumway). (Modern Language 
Notes, XVIII, 124—127,) 

Goebel: Goethes Poems (Alb. 
Haas): Ibid.. XVIII, 62-63. 

Göschen : The Life and Times 
of Georg Jochim Göschen. (The 
Nation, LXXVI, 438—439; 
The Critic, XLII, 304-306, etc.) 



Latham : Faust. (Athenaeum, 
1903, 1:237 — 238 Februarv 21.) 

Wood: The Dichter in the 
Vorspiel auf dem Theater in 
Goethes Faust. Paper read at 
the 20. Annual Meeting of the 
Modern Language Association 
of America. (Publ. Mod. Lang. 
Association, XVIII, p. XXVI.) 



IV. ZEITSCHRIFTEN. 



Goethes Art of Living and 
Ways of Life. (H. S. Wilson.) 
Gentlemans Magazine. London. 
February, 1903. 

Was Goethe a Philosopher'? 
(J. Lindsay.) Primitive Metho- 
dist Quarterly Review, London. 
July, 1903. 

EmersonsOpinion of Goethe. 
(S. H. Goodnight.) German 
American Annais (Continuation 
of the Quarterly Americana 
Germanica), New Series, I, 
243 — 256. (May, 1903.) 

Pindar and Goethe (Paul 
Reiff). Modern Language Notes, 
XVIII, 169-173. 

Notes on a Passage in Goethes 
Egmont. (Tobias Diekhoff.) 
Ibid., 139 — 140. 

Faust in Music. (E. New- 
man.) Contemporary Review, 
LXXXm, 673 — 682. Reprinted 
in the Living Age, 238:45 — 53 
(July 4, 1903.) 

The influence of Christianity 
on dramatic ideals of character 
(D.Moncrieff O'Connor). Dublin 
Review, Vol. CXXXI, pp. 271 — 
294. (Goethe:Iphigenie). 1902. 



The Authenticity of Goethes 
SesenheimSongs.(JuliusGoebel.) 
Modern Philology, I, 159 — 170 
(June, 1903.) 

Oliver Goldsmith and Goethes 
Werther. (John A. Walz.) 
Modern Language Notes, XVIII, 
31 — 32 (Correspondence). 

Duchess Amalia of Weimar. 
(Benjamin W. Wells.) The 
International Quarterly. Bur- 
lington. Vt., VI, 386—398. 

A famous German Publisher 
Georg Joachim Göschen. 
(Jeanette L. Gilder.) The Critic, 
XLIII, 21 — 23 (July, 1903). 

A unique coUection of ori- 
ginal German classics (J.T. Hat- 
field). The Book-Lover, Jan.- 
Feb., 1903, Vol. III, No. 6, 
pp. 485 — 490. An illustrated 
account of the Schneider coUec- 
tion in Northwestern University, 
Evanston, 111. 

Contributions to the history 
of English opinion of German 
literature, II (MaxBatt). Modern 
Language Notes, Vol. XVIII, 
pp. 66 — 67. March, 1903. 




'^^^m^mmw^^ 



Register zu Band xxv. 



I. Personen-Register. 

Die hinter den cursiv o;edruclYten Namen stehenden Zahlen geben die 

Seiten an, auf denen Abhandlungen oder Mittheilungen des Betreffenden 

gedruckt sind. 



Abbt, Th. i6o. 
Abeken, B. R. 152. 
Achelis, Th. 296. 502. 
Adams, John 5. 25. 
Adler, Fr. 301. 
Aeschylus 288 fg. 
Albani, Alessanäro 206. 
Allen, P. S. 311. 
Alt, C. 256. 273. 290. 
Alten, von 185 fg. 190. 
Andrews, W. T. 23. 
Anwans, O. 291. 
Apelt 257. 

Archenholtz, J. W. v. 205. 
Ariosto, L. 45. 
Aristophanes 153. 
Aristoteles 107. 152. 168. 
Arminius, Wilhelm 291. 
Arnauld, M. 306. 
Arnim, Achim von 264. 
Arnold, Rob. F. 296. 
Arnsperger W. 293. 
Astor, John Jac. 8. 
Atkins, H. G. 310 fg. 
Aufhäuser, D. 510. 
Austin, Sarah 254 fg. 



Bachmann 287. 
Bächthold, J, 157. 
Bahr, H. 291. 
Baltimore, Lord 19. 
Balzac, Honorc de 247, 



Bancroft, George 3. 7. 18. 26. 35 fg. 
Brief an Goethe von — 19 An- 
merkungen dazu 3). 

Barabas, Abel von 302. 

Baret, P. 299. 

Bartolini, Monsignore 204. 

Basedow, J. B. 226 fg. 302. 

Bashford, J. W. 311. 

Baß, Jos. 292. 

Bassenge and Co. 14 fg. 

Batacchi, Dom. 221. 

Batka, R. 309. 

Batt, Max 5 1 1 i'g. 

Baudelaire, Gh. 267. 

Baudissin, Gräfin 45. 

Bäuerle, .-\ndr. Ad. 245. 

Bauernfeld, Ed. v. 183. 

Baumgart, H. 118 fg. 125. 

Bayer, Jos. 244. 

Bayern, Herzog Albrecht von — 
250. 

Bayern, König Ludwig I. von 195, 
285. 

Bayern, König Maximilian L von 7. 

Bayle, Pierre 266. 

Beathe, James 165. 

Beaulieu, Freifrau von 149. 

Bechräm 257. 

Bechtolsheim, Julie von 223. 

Beethoven, L. van 265. 302. 508. 

Bellomo 79 fg. 

Benecke, U. F. 7. 20. 

Beresford 19. 

Berlioz, H. 289. 302. 369 fg. 

Bernays, M. 144. 



H 



Persoxen-Register. 



Bernstorff, Minister von 68. 
Bernstorff, Kanzleidirector von 68. 
Bernstorff, Tochter des vor. s. 

Schardt Frau von. 
Bernus, A. von 303. 
Bertuch, Friedr. Just. 27. 
Besser, Buchhändler 15. 
Besson, P. 304. 
Bethmann, Familie 85. 
Bettelheim, A. 298. 
Bettine s. Brentano. 
Betz, Louis P. 298 fg. Nekrolog auf 

266-268. 
Beyschlag, F. 505. 
Biedermann, W. Freih. v. 27. 29. 

223. 225. 
Bielschowsky, A. 225. 238. 
Bierens, J. D. (De Hann) 295. 
Bilhaud, P. 298. 
Billings, J. S. 8. 32. 
Björnstierna, Frl. v. 256. 
Bippen, W. v. 63 fg. 
Bir s. Bury, Fr. 
Birnbaum, Max 257. 
Bischoff, E. 298. 
Bismarck, Fürst 122. 260. 302. 
Blaschke, J. 304. 
Blumenbach, Joh. Friedr. 7 fg. 25. 

27. 
Bock, F. 292. 
Bode, W. 295. 306. 
Bodemann, E. 163. 
Bodmer, J. J. 151 fg. 267. 
Boeckh, A. 260. 
Bojanawski, P. von 262—265. 
Bojanowski, P. von 21. 33. 121. 303. 
Bojanowski, El. von 73. 
Boie, H. C. 150. 
Boisseree, S. 113. 275. 284. 
Bolin, V. 289. 
Bölsche W. 291. 300. 
Bolte, J. 222. 
Bonpland, Aime 20. 
Boerhave, Herrn. 133. 
Borinski, K. 291. 
Börne, L. 183. 304. 
Bossange, Verleger 33. 
Bossen, A. 304. 
Bossi, Jos. 220. 
Bötticher, G. 289. 
Böttiger, C. A. 31. 45. 154- 243 fg. 
Boutarel, A. 289. 294. 
Bouterwek, Friedr. 25. 
Bowditch, Mathematiker 24. 
Bowditch, N. J. 23 fg. 
Brandes, G. 293. 305. 



Brandl A. 5. 26. 33. 284. 

Bremster 27. 

Brentano, Bettine 302. 308. 

Brentano, Gl. 264. 

Breughel, Pierre 247. 

Bricon, E. 298. 

Brion, Friderike 113. 302. 

Brisbane, Alb. 22, seine Frau 22. 

Brockhaus, Rud. 25. 

Brockhaus (Lexicon) 23. 

Brunner, Seb. 185. 197. 199. 

Bruno, Giordano, Uebereinstim- 

mung mit Goethes Farbenlehre 

237. 
Brutus 253. 
Buchheim, C. A. 248. 
Büchner, G. 271. 
Buff, Amtmann 85. 
Buif, Charlotte s. Kestner. 
Buff, Georg 85. 
Buff, Hans 86. 
Bülow, H. V. 264. 
Bulwer, E. G. L. 253. 
Bungert, Aug. 309. 
Burdach, Anatom 287. 
Bürger, G. A. 171. 
Borke, Edm. 248. 
Burkhardt, C. A. H. 53—61. 
Burkhardt, C. A. H. 81. 239. 288. 
Bury, Fr. 118. 191 ff. 19s fg. 289. 
Buschmann 296. 
Büsgen, M. 128. 
Buttraann, Ph. Carl 25. 
Byron 3. 5 fg. 14. 22. 26. 32 fg. 35. 

'254. 261. 279. 284. 299. 302. 



Cagliostro 81. 

Calderon 221. 264. 

Calvert, George H. 3. 19 fg. 22. 

Brief an Goethe von — 20. 

Anmerkungen dazu 35 (g. 
Campe-Hotfmann, Elisabeth 222. 
Cannabich, J. G. F. 31. 
Caralfa, Cardinal 190. 
Cardanus, Hier. 277. 
Carducci, Gios. 260. 
Carlyle, AI. 234. 254. 
Carlyle, Jane W. B., Verse von — 

unter Goethes Gedichten an 

Personen 234— 236. Ihre Mutter 

234. 
Carlyle, John 254. 



Personen'- Reg ISTER. 



315 



Carlvle, Th. 32. 43 fg. 234 ff. 248. 

25'5fg. 256. 282. 311. 
Carolath-Beuthen, Fürst Heinrich 

von 60, seine Frau s. Oertel, 

Karoline von. 
Carstens, Jakob .-VstTius 195. 
Cart, Theophile 89. 203. 
Carus 287. 
Caesalpino, A. 137. 
Caesar, Julius 259. 262. 
Cattaneo, Gaetano 8. 10. 27 fg. 
Cauer, P. 294. 
CelakowskJ', L. 128 fg. 139. 
Cellini, ßenv. 259. 262. 
Ceracchi, Gius. 191 fg. 
Ceracchi, Teresa, geb. Schliesahan 

192. 
Cerasoli, F. 188. 
Cervantes (Don Quixote) 171. 
Cesare, Graf 187. 
Chambers Hall 22. 
Christel, s. Lassberg Frl. v. 
Christlieb, Max 291. 
Cid, der 262. 
Clarke 20. 
Clarke, Prof. 28. 
Cleaveland, Parker 11. 15. 27 fg. 

Brief an die Mineralogische 

Gesellschaft in Jena 30. 
Coar, John Firman 311. 
Cogswell, Jos. Gr. 3, 6 fg. 16. 18. 

24. Briefe an Goethe 8 fg. 1 1 fg. 

1 3 ff. 17. Briefe von Goethe an — 

9 fg. 12 t'^. 1 5 {g. .Anmerkungen 

dazu 26 ff. 
Cohn, J. 304. 

Coleridge, E. H. 32 fg. 255. 
Collina, AI. 191. 
Collina, Filippo 189 ff. 
Collina, Piera 189 ff. 195 fg. 
Collina, Sante Serafino i89ff. 196. 
Colonna, Cardinal 206. 
Commanville, Caroline 246 fg. 
o"Connor, .Moncrieff 305. 
Conried, H. 24. 
Constant, B. 27. 
Contessa, K. W. S. 171. 
Cüoper, James Fenimore 21. 
Cooper, Cox Barnett 29. 
Corday, Charlotte 282. 
Cotta, J. G. 232. 277. 280. 284. 

288 fg. 
Cramer, K. Friedr. 1 30. 
Creiienach, IV. 44—46. 218. 
Croce, B. 301. 
Cunningham 22. 



Cursch-Bühren 30 
Curtius, Ernst 25} 



D— s. 306. 
D. D. 292. 
Dahmen, J. 297. 
Dalberg, Fritz von 70 fg. 
Dalberg, Wolfg. Heribert 44 fg. 
Dankelmann, Frau von 72. Ihre 

Söhne 72. 
Dannecker, Joh. Heinr. v. 47. 49. 

Dante 112. 120. 122. 124. 127. 174. 
187. 302. 

Danz, Svndicus 64. 

Danz, J." T. L. 282. 

Dauriac, L. 310. 

Decandolle, A. P. 141. 

Decourcelle, P. 298. 

Deecke, Th. 302. 

Deering, Rob. Waller 310. 

Degen, R. 294. 

Deinet, Joh. K., Brief von Lavater 
an — 67 fg. Erläuterungen dazu 
66 fg. 

Deinhardstein, J. L. 268. 

Denis, Mich. 146. 

Dentzel, G. Friedr. v. 286. 

Dernburg, Fr. 306. 

Descartes, Cartesius- 164. 

Dethlefsen 171. 

Deutsch, K. 295. 

Deutschland, .\ugusta Kaiserin von 
288. 

Deutschland, Wilhelm II. Kaiser 
von 24. 

Devrient, O. 264. 

Diderot, Denis 75. 

Dieckhoff, T. 293. 312. 

Diestel, Pastor 305. 

Dietz, AI. 304. 

Diezmann, \. 36. 301. 
I Dillard, J. H. 311. 
I Distel, Theodor 243. 243 ig. 244. 
I Dodslev, Rob. 248. 

Doli, 14. 304. 
! Döring, J. M. H. 21. 34. 
' Dove, A. 231. 288. 

Drescher, Karl 208 fg. 

Driesmann, H. 306. 

Droysen, J. G. 258. 

Dumas, fils 298. 

Dumeix, Propst 302. 



3i6 



Personex-Register. 



Dunch 240. 

Düntzer, H. 56. 68. 79, 82, 89. 

196 fg. 199 fg. 218 fg. 223. 226. 

259. 274 fg. 289. 
Dwight, H. E. 22. 



Ebeling (Chr. Dan.?) 28. 

Ebert, K. E. 245. 

Eck, A. 299. 

Eckermann, J. P. 20 fg. 56. 122. 
145. 152. 163. 166 fg. 175 fg. 
195. 200. 236. 248. 253 fg. 275. 
276. 280. 286. 290. 306. 

Eckhel, Jos. Hilarius 260. 

Egen, A. 297. 

Ehrenfeld, AI. 261. 

Ehlers, R. 305. 

V. Eichendorff, J. K. B. 261. 

Eichhorn, J. G. 5. 7. 25. 

Eichhorn, jr. K. 309. 

Eichstädt, H. K. A. 5 ff. 

Einsiedel, Hildebr. v. 72. 

Elias, J. 290. 

EHot, S. A. 23 fg. 

Eliot, Sohn d. vor. 24. 

Ellinger, G. 288. 

Eloesser, A. 301. 

Emerson, Ralph Waldo 19. 125. 
299. 302. 

Emerson, William 19. 

Encke, J. Fr. 292. 

Enders, Buchhändler 245. 

Engel, Ed. 247. 

Engelmann, von 209. 

Ernst, Otto 310. 

Eschenburg, J. J. 219. 

Euripides 282. 

Everett, Edward 3 ff. 18. 28. 34. 
Brief an Goethe von 5 fg. An- 
merkungen dazu 24 ff. 



F. G. 308. 

Fabian, W. 290. 

Fahre d'Olivet 281. 

Faguet, Emile 247. 298. 303. 

Falk, J. D. 175. 

Falke, Jak. von 197 fg. 

Falke, Konrad 306 

Fasola, C. 200. 

Feetz, F. 297. 



Feldegg, Ferd. Ritter von 294. 

Feldmann, Wilh. 301. 

Felgenhauer, L. A. von 60. 

Felgenhauer, Frau d. vor. Neujahrs- 
wunsch für 60. 

Felgenhauer, Familie 61. 

Fellenberg, Phil. Em. von 288. 

Feiton, C. C. 35. 

Fetis, Franc. Jos. 263. 

Feuchtersieben, E. Frh. von 502. 

Feuerbach, L. 503. 505. 

Fielitz, W. 57. 61. 295. 

Fischer, F. 306. 

Fischer, J. Franz 80. 

Fischer, Kuno 294. 

Fischer-Pforzheim 300. 305. 

Fischl, Fr. 300. 

Fitzgerald, Lord 285. 

Flachsland, Caroline s. Herder 
Caroline. 

Flaubert, Goethe und 246 fg. 

Flintzer, Hugo 296. 

Flügel, E. 248. 

Folien, K. 18. 23 fg. Seine Frau 25. 

Ford 25. 

France, Anatole 247. 29S. 

Franck, ] . 275 fg. 

Franck, J. 275. 

Francke, Kuno 27. 54. 

Fränkel, J. 502. 308. 

Fränkel, L. 292. 

Frankenberg, Frau von 44. Brief 
an Goethe von — 46. 

Franklin, Benj. 4. 29. 

Fi-ankreich, Ludwig XVL, König 
von 121. 

Franzos, K. E. 261. Nekrolog auf 
268—272. 

Fräser 236. 253 fg. 

Freiligrath, F. 261. 

Frensdorff, E. 292. 

Frenzel, K. 291. 303. 

Frese, J. 300. 

Freytag, G. 261. 

Friederike s. Brion. 

Fries, Alb. 179. 182. 289. 302 fg. 

Fries, Prof. 287. 

Fritsch, Minister 75. 

Froitzheim, J. 300. 302. 

Frommann, C. F. E. 221. 284. 

Frommann, Fr. Joh. 31. 

Frost, L. 301. 

Froude, James Anth. 234. 255. 

Fuchs, A. 306. 

Fulda, F. Chr. 296 fg. 

Fiinck, Heinrich 217. 



Pf.RSONEN-Ri: GIS THR. 



317 



Funck, H. 67. 307. 

Funk, K. W. Ferd. von 307. 

Funke 295. 

Furtmüller, K. 296. 



Gad, E. 50S. 

GaedertE, K. Th. 68. 72. 

Gagarin, Fürst Paul 244. 

Galle, F. 302. 

Garampi, Cardinal 198. 

Gazul, Gl. s. Mcrimee. 

Gebhardt, Bruno 307. 

Gedans, P. 52. 

Geiger, Ludwig 62—64. 216. 233. 

240. 256. 257. 268 — 272. 288— 

310. 
Geiger, L. 289 fg. 294, 300 tt. 307. 
George, S. 305. 
Gersdorff von 50. 
Giannini, Wilhelmine Elisabeth 

Eleonore, Neujahrswunsch für — 

59 %• 

Gilder, Jeanette L. 312, 

Gilhofer und Ranschburg 292. 

Gilman, D. C. 25. 

Glaser, Rud. 244 fg. 

Glenck, K. 285. 

Gnad, E. 304. 

Gochel, Julius 156—170. 248. 

Goebel, J. 21. 24. 296. 312. 

Goebel, Naturforscher 128. 141. 

Gochenius 227. 

Göchhausen, Luise von 55. 70. 
Neujahrswunsch für — 59. 

Goldmark, C. 309. 

Goldsmith, Ol. 302, 312. 

Goodnight, S. 302. 

Gore, Emilie 71. 80. 

Gore, Familie 71. 73. 77. 80. 

Goeschen, G. J. 31. 511 fg- 

Goschen, Viscount 31. 311. 

Gotha, Prinz August von 39. 45. 
Briefe an Goethe von 40 ff. 45 'i^, 

Gotha, Herzog Ernst II. von 44. 
185. 190. 

Goethe, August von 20. 220. 257. 
269. 285. 287. Rede bei der 
Niederlegung von Schillers 
Schädel auf der Großherzog- 
lichen Bibliothek in Weimar 
46—52. 

Goethe, Catharina Elisabeth (Frau 
Rath) 44. 84 ff. 185. 269. 301. 



Eine französische Stimme über 

— 249%- 
Goethe, Christiane von 65. 118. 

127. 226. 287. 289. 302. 
Goethe, Cornelia 146. 301 fg. — 

Der Todesakt über Goethes 

Schwester — 252 fg. 
Goethe, Joh. Caspar 227. 242. 
Goethe, Ottilie von 18 fg. 26. 35. 

36. 234 fg. 257. 269. 282. 285 fg. 

Ihre Kinder 286. 
Goethe, Wahher von 288. 
Gotthelf, Fr. 290. 
Göttling, K. W. 281 (g. 
Götzen, Graf 121. 
Gounod, Ch. 309. 
Graf, H. G. 238 fg. 
Graf, H. G. 44. 290. 293. 
Gräser 293. 297. 
Grave, Kanmiersängcr 78. 
Gravenhorst 172. 
Grävenitz, G. von 301. 
's Gravesande 240. 
Gray, F. C. 23 fg. 
Grew 1 32. 

Gries,Joh. D., Goethe und 220-223. 
Gfio;orovitza, E. 298. 
Grillparzer, Fr. 183. 262. 
Grisebach, Ed. 146, 
Grimm, Jak. 26. 216. 248. 255. 
Grimm, Ludw, 297. 
Grimm, Wilh. 26. 216. 
Grote, Georg 255. 
Grote, Harriet 255. 
Grube, Max 294. 
Grüner, Rath 239 ff. 
Gubernatis, A. de 203. 
Güldenapfel, G. Gottl. 287. 
Günther, Ernst 274. 
Günther, Joh. Christ. 302. 311- 
Gurlitt, L. 180. 
Gutzkow, K. 177. 261, 
La Guzla s. M^rim^e. 



H. G. 308. 

Haas, A. 27. 512. 

Haeckel, Ernst 30. 201. 

Hafis 259. 

Hager, Herm. 26 fg. 29. 53 fg. 

Hallberg, E. 297. 

Haller, .\natom 133. 

Hamann, B. 298. 

Hannibal 260. 262. 

Hansen, A. 1 28- 141. 



3i8 



Personen-Register. 



Hansen, A. 305. 

Hanslick, E. 244. 

Hanstein, W. von 294. 

Hapgood, N. 24. 

Härlin, A. 305. 

Harnack, O. 192. 195 fg. 275. 290. 
305. 308. 

Harrach, Gräfin 197 fg. 

Harrisson 22. 

Hartknoch 244. 

Hartmann, G. von 295. 

Hartmann, Mor. 245. 

Härtung, O. s. Franzos. 

Harvvard, John 34. 

Haskins, D. G. 32. 

Hatfield, J. T. 511 fg. 

HauflF, W. 171. 

Hauffen, Ad. 293. 298. 

Haug, Joh. Chr. Fr. 219. 

Hausmann, J. Friedr. L. 7 fg. 27. 

Haüy, Rene Just. 27. 

Hayden, H. H. 28. 

Haydn, Jos. 279. 

Haym, R. 68. 70 fg. 158. 281. 

Hayvvard, Abr. 248. 255. 255. 

Hebbel, Fr. 264. 502. — und Goethe 
171 — 184. 

Hebbel, Max 182. 

Hecker, Max 46—52. 220—223. 
277—284. 

Hecker, M. 273 fg. 

Hee, Jörgen 296. 

Hehn, Victor 153. 230. 

Heine, H. 185. 261. 266. 271. 298. 

Heineken, Senator 63 fg. 

Heinemann, Karl 288 fg. 298. 300. 

Heinse, J. J. W. 193. 

Heinz, H. 305. 

Heinze, H. 295. 

Heisterbergk 256. 

Heitmüller, Fr. 273 fg. 284. 

Hellanikos 107. 

Hellberg, E. 299. 

Hellen, E. von der 288 ff. 297. 

Hellmer, Edm. 308. 

Helmholtz, H. 303. 

Hendel, Otto 298. 

Hendrich, Malcnen von, Neu jahrs- 
wunsch für 58. 

Hendrich, Maler 310. 

Hendrich, Regierungsrath von 58. 

Henkel, H. 223. 225. 296. 

Hennequin, M. 298. 

Henning, R. 297. 
Herder, Caroline 70. 80. 147. 159 
186. 196. 217. 



Herder J. G. von 4. 24. 29.41.45. 

54. 61. 68 ff. 75 ff. 80. 144 ff. 150. 

186. 192. 196.205.218fg.230.274. 

280. 303. — und Goethe 156- 

1 70 — dasVorbild des Satyros 2 1 7. 
Herloßsohn 244. 
Hermann 281. 
Herrmann, M. 288. 
Heuberger, Rieh. 309. 
Heuer, O. 296. 307. 
Heyden, Fr. von 209. 
Heyse, Paul 253. 
Hiersemann, K. W. 292. 
Hildebrandt, R. 21. 160. 
Hippel, Gottl. Th. von 209. 
Hippocrates 276. 

Hippolyt von Este, Cardinal 45 fg. 
Hirt, AI. 193. 199. 231. 
Hirth, H. 305. 
Hirzel, S, 32 fg. 236. 254. 
Hoffmann-Krayer, E. 276. 
Hofmeister 129. 
Holberg, Ludwig 203. 
Holland, Lord 5. 25. 
Holmes, O. W. 33. 
Hol steht, H. 242. 
Hollhausen, E. 245. 
Hölty, L. H. Ch. 150. 
Holtzendorff, F. von 24. 
Holzmann, Mich. 183. 304. 
Homer 90 ff. 95 ff. 120. 143. 146. 

153. 174. 257. 
Hoppe, H. 299. 
Horner, E. 305. 
Howald, J. 304 

Hrzan, Cardinal 185. 197. 199 ff. 
Hufeland, Chr. W. 288. 
Hufnagel, Fr. H. 240. 
Hügli, E. 291. 
HuUe, Chr. G. 230. 
Humboldt, A. von 20 fg. 27. 243. 
Humboldt, W. von 44. 168. 288 fg. 

296. 307. 
Hüttner, Joh. Christ. 32. 



Jaeckel, Max 292. 

Jacquier, Pater 203. 

Jagemann, Ferd. 254. 

Jahn, A. 294. 

Jahn, K. 290. 

Jakob, Therese (Talvj) 22. 

Jakobi, die 208. 

Janinski, Eduard (Jahnens) 175. 



Personen-Register. 



319 



Jean, Paul (Richter) 174. 176. 
Jefferson, Th. 5. 21. 25. 25. 
Jelinek, Fr. 225. 
Jellinek, A. L. 21. 290 fg. 
Iffl.-ind, A. W. 80. 27S. 
Iken-Bremen bei Goethe 245 fg. 
Ihen,Carohne von, Neujahrswunsch 

für 56. 
Uten, Sophie Marie Karoline von 

s. Lichtenberg, Frau von. 
Ilwof, Fr. J02. 306. 
Intosh, VVm. Mf 25. 
Johannes, Evangelist 40 ff, 
John, Schreiber 29. 65. 
Jolowicz, Jos. 292. 
Joesten, J. 501. 
Irving 20. 
Istel, Edg. 304. 



Kahl, W. 301. 

Kalb, Augusta Eleonora von, Neu- 
jahrswunsch für 55. 

Kalb, Charlotte von 59. 76 fg. 

Kalb, Johann August von 55. 76 fg. 
239. 

Kalb, Major von 76. 

Kalb, Sophie Friederike von (Fiek- 
gen, Frau von Seckendorff), Neu- 
jahrswunsch für 57. 71 fg. 

Kalisky, 288. 

Kalischer, S. 150. 305. 

Kämpf, K. 509. 

Kant, I. 160. 162 fg. 165. 169. 291. 
305. 

Karrig, O. 302. 

Kastner, L. E. 3 10 fg. 

Kauffmann, Angelica 192. 194 fg. 
205. 301. 308. 

Kaufmann, Fr. 290. 

Kayser, Chr. 192. 

Keating, 20. 

Kekultl- von Stradonitz, St. 300 fg. 

Keller, G. 261. 

Keller, L. 305. 

Kerbaker, M. de 294. 

Kerler, H. 292. 

Kestner, August 82. 165. 

Kestner, J. Ch. 82 165. 209. 

Kestner, Charlotte, geb. Buff 502. 
Ein Brief an Goethe aus dem 
Jahre 1805 von — 82 — 86. Ihre 
Kinder 85. 



Kestner, Louise 85. 

Kestner, Theodor 82 tf. 

Key, E. 290. 

Kirchhoff, Gust. 128. 

Kirkland, John T., Brief an Goethe 

18. Anmerkungen dazu 34 fg. 
Klaar, A. 508. 
Klarmann, L. 55 ff". 61. 
Klee, G. 288. 
Kleiber, L. 293. 
Kleist, H. von 172. 175 ff. 
Klingebeil, H. 502. 
Klion (aus Sachsen) 244. 
Klopstock, F. G. 68. 209. 245. 259. 

302. 311. — und Goethe 142 

bis 155. 
Kluge, Fr. 291. 
Kneoel, K. L. von 26. 69. 76. 

221. 257. 269. 282. 
Knetschke, E. 79. 
Kniep, Chr. H. 90. 
Knod, Gust. C. 242. 
Knortz, Karl 3 fg. 22. 56. 255. 
Kögel, R. 226. 
Köhler, R. 222. 
Kohlrausch, F. 293. 
Kohut, A. 508. 
Komorzynsky, E. von 304. 
Korn, G. 301. 
Körner, Ch. G. 311. 
Körner, Th. 172. 
Kosegarten, Joh. Gottfr. L. 287. 
Koßmann, E. F. 218 fg. 225—226. 

226. 
Kützebue, A. von 269. 307. 
Krabbe, C. 172. 
Kranz 309. 

Kranz, Joh. Friedr. 206. 
Krauß, A. 295. 
Kräuter, Friedr. Th. 29. 33 fg. 39. 

50. 92. 
Krembs, B. 307. 
Kretschmann, Lily von 236. 
Krohn 301. 
Kroker, E. 294. 
Krüger, Hermann 306. 
Kügelgen, G. von 307 fg. 
Kuenen, E. 297. 
Kürsten, O. 256. 
Küstner, F. F. H. 21. 



320 



Persoxen-Register, 



Laforte-Raudi, A. 293. 

Lamb, Ch. 255. 

Lambert, Federico, s. Rehberg, Fr. 

Lämmermann 288. 

Landau, M. 298. 

Lane, W. C. 25. 34. 

Lange, Gottfr. 60. 

Langer, E. Th. 209. 

Langermann, Joh. Gottfr. 257. 

Langkavel, Martha 299. 

Lappenberg, J. M. 45. 

Lassberg, FrL von 225. 225. 

Lassen, Ed. 268. Nekrolog auf 

262—265. 
Lasserre, O. 299. 
Latham 312. 
Laue, W. 293. 
Lauter, C. 285. 
Lavater, J. C. 186. 217. 307. Ein 

anticipirtes physiognomischesUr- 

theil — s über Goethe 66—68. 
Laves 82. 

Lav^s, L. D. M. 288. 
Laves 27. 
Leclerc, E. 299. 
Lederer, F. E. 292. 
Legbatiil, Paul 142 — 155. 
Leibniz 260. 

Lengefeld, Charlotte von s. Schiller. 
Lenox-Stiftung 8. 
Lensing, Elise 176. 
Lenz, J. G. 5. 8. 27. 30. 
Lenz, J. M. R. 209. 269. 
Leonhard, C. C. von 64. 275. 
Lessing, G. E. 23. 142. 160. 262. 

294. 
Leuthold, H. 267. 
Levetzow, Ulrike von 107. 
Levi, H. 291. 
Levy, B. 299. 
Lewes, G. H. 300. 
Lewis 20. 

Lichtenberg, Fr. von 61. 
Lichtenberg, Frau d. vor. geb. von 

Uten 79, Neujahrswunscn für — 

61. 
Lichtenheld, A. 293. 297. 
Lichtenstein, Prinzessin Marie 25. 
Lieber, F. 23 fg. 
Liebisch, B. 292. 
Liechtenstein, Fürst Franz Joseph 

von 197. 
Liechtenstein, Fürst Karl 198. 
Liechtenstein, Fürst K. Bor. Joh. 

Nep. 196 ff". 



Liechtenstein, Fürst Phil. Jos. von 

197 ff. 

Liechtenstein, Fürst Wenzel Jos. von 

198 fg. 201. 204. 
Lienhard, Fritz 305. 
Linck 30. 
Lindsay, J. 312. 

Linktestein Filippo, s. Liechtenstein, 

- Phil. Jos. 

Linne, Karl von 303. Die angebliche 

Abhängigkeit der Goethischen 

Metamorphosenlehre von — 128 

bis 141. 
Lionardo da Vinci 220 fg. 222. 
Lips, Joh. H. 196. 
Lippmaiin, E. von 237. 257. 
List & Francke 292. 
Liszt, Franz 263 fg. 
Little Geo. T. 31. 
Litzmann, B. 293. 296 fg. 
Livingston, R. L. 25. 
Loder, F. J. Christ, von 243. 

Goethe-Feier bei — in Moskau 

244. 
Loiseau 249 (g. 
Lomazzo Gio. Paolo 220. 
Longfellow, Henry Wordsv^'orth 29. 
Loeper, G. von 21. 30. 226. 236. 
Lörcher 298. 
Lorentz, A. 291 fg. 
Lorenz, Ottokar 259. 
Low, Lieut. Col. 22. 
Loewe, Karl 309. 
Loewe, Ph. 303. 
Loyswell, s. Cogswell. 
Lucilius 260. 
Luck, H. G. L. von 55. Seine 

Frau s. Kalb, Augusta Eleonora 

von. 
Ludecus, Steuerrath 189. 
Luden, H. 21. 
Ludwig, Otto 261. 
Lukian 237. 
Lungo, E. de 303. 
Luther, Martin 294. 
Lyman, Th. 3. 5 fg. 24. Brief an 

Goethe von, 6. Anmerkungen 

dazu 26. 
Lynker, K. Friedr. E. von 75. 
Lyon, O. 36. 



Personen-Register. 



321 



M. A. von 295. 

Mackall, Leonard L., 3 — 37. 234— 

236. 253—256. 
Mackall, L. L. 248. 
Mackall, T. B. 7. 283. 
Maclise, 254. 
Maclure, 1 1 fg. 28. 
Madach 302. 
Madison, James 5. 25. 
Malpighi 132, 
Mamontow, A, 299. 
Mandrescu, Simion C, 292. 
Man/oni, Aless. 280. 284. 303. 
Martius, K. Friedr. Ph. von 133. 
Martinsen, IV. 246 fg. 
Masinissa 262. 
Mathevvs 28. 

Matthisson, Friedr. von 171. 
Maucler, Freiherr von 65. 
Maucroux, 236. 
Maupassant, Guy de 247. 
Medwin 279. 
Meglio, Antonio 222. 
Mehring, S. (S. M.) 294. 
Meißner, A. 245. 
Mengs, R. 205. 
Menzel (Architekt) 285. 
Merck, J. H. 149. 161. 190. 208. 
Merimee, Pr. 285. 
Meti, Adolf 215. 238. 249 fg. 
Metz, A. 305. 
Meurer, Karl 301. 
Meyer, C. F. 271. 
Meyer, Fr. L. Wilh. 221. 223. 
Meyer, Heinrich 29. 32. 196. 220. 

287. 
Meyer, Joh. Fr. Lor. 292. 
Meyer, J. J. 307. 
Meyer (Lexicon) 23. 
Meyer, Nik. 63. 
Meyer, Richard M. 258—262. 
Meyer, Richard M. 288. 291. 293. 
Meyer von Waldeck 121. 
Meyn, Pastor 171. 
Michels, O. 293. 
Mickiewicz, Adam 302. 
Miesegaes, 23. 

Miller, Filippo s. Möller, Philipp. 
Mihon, 302. 

Miluhinowitsch, Simeon 303. 
Minor, J. 21. 291. 293. 295 fg. 
Mitchill, S. L. 28. 
Möbius, P. J. 300. 305. 
Mohr, J. J. 171. 
Moli^re, 266. 
Möller, Phillipp = Goethe 191 fg. 

Goeth>-Jahrblch XXV. 



Mommsen, Th. 18. 268. Nekrolog 

auf 258 — 262. 
Monroe, J. 5. 25. 
Montaigne, Mich, de 44. 187. 
Montecatino, Antonio 218. 
Mont^gut, Emile 267. 
Monti, Vinc. 197. 202. 204. 303. 
Moore, Th. 26. 

Moors, Stadtschultheiß 84. 86. 
Morf, H. 265-268. 
Mörike, Ed. 261. 
Moritz, K. Ph. IQ4. 
Morris, Max 65 fg. 89 — 115. 257. 
Morris, Max 118 ig. 278. 280. 290. 

293. 301. 303. 
Moser, Justus 227 fg. 231. 
Moser, Tochter d. vor. 227 fg. 
Motley, J. L. 7. 53. 
Müller (Holzschnitt) 254. 
Müller (Uebersetzer Plotins) 237. 
Müller (Berichte des Hochstifts) 254. 
Müller, Anngen, Neujahrswunsch 

für 58. 
Müller, Ad. 300. 
Müller, Fr. G. 58. 
Müller, Gustav Adolf 252 fg. 
Müller, Gust. Ad. 302. 307%. 310. 
Müller, J. G. 157. 
Müller, Joh. von 277. 
Müller, Jos. 30. 
Müller, K. W. 253. 
Müller, Kanzler von 21. 27. 29. 

32. 49 ff. 53. 59. 149. 222. 239. 

243. 254 fg. 281. 
Müller, Maler 193. 
Müller, Wilhelm 311. Seine Frau 

311. 
Müller-Röder, E. 298. 
Müller-Waldeck E. 301. 
Müllner, A. 288. 
Muncker, Fr. 288. 303. 
Mungo 305. 
Murray, John 255. 
Musäus, J. C. A. 171. 
Musculus, 30. 
Musset, Ä. de 266. 
Muthesius, K. 306. 

Napoleon I. 40. 260. 270. 
Nauwerck, L. 310. 
Neapel, Königin von 190. 
Necker, Jacques 74. 
Needham 137. 
Nees von Esenbeck 287. 
Neroulos, Rizo 282. 

21 



[22 



Personen-Register. 



Nerval, Gerard de 267. 
Neunieister, G. 303. 305. 
Newman, E. 312. 
Newton, Th. 42. 227. 240. 
Niebuhr, Barth. G. 285. 288. 
Nietzsche, Fr. 125. 261. 303. 
Noack, Friedrich 185—207. 
Nodnagel, E. 309. 
Nonnen, Bürgermeister 63. 
Norton, Andrews 22. 32. 
Norton, Gh. E. 253. 
Nostiz, Johanne Luitgard von, 

Neujahrswunsch für 57. 
Nowicki, F, 299. 
Nusser 293. 



Obser, Karl 68-81. 

Ofterdinger, L. F. 65 fg. 

Oehlenschläger, A. 180. 

Oehquist, Job. 290. 

Oldershausen von 79. 

Oort, H. L. 294. 

Oppel, Joh. Siegm. von 59. 

Oppel, Tochter d. vor., Neujahrs- 
wunsch für 59. 

Orleans, Charles d' 266. 

Oertel Chr. L. von 60. 

Oertel, Fr. B. von 60. 

Oertel, Johanna Karoline von, Neu- 
jahrswunsch für 60. 

Oertel, Karoline von 60. 

Osborn, M. 290. 

Ossian 146. 

Oesterreich, Josef II. Kaiser von 
151. 185. 197 fg. 

Oesterried, Joh. Dan. 242. 

Oswald, M. 236. 294. 

Oettingen, Wolfg. von 288. 



Page, J. W. 23. 
Palleske, E. 180. 
Palmer, A. H. 311. 
Papadopulos 34. 
Paquelin, Suzanne 299. 
Parodi, Emma 299. 
Parsons, Mr. 79. 
Paszkowski, W. 305. 
Paul III., Papst 190. 
Paulsen, Fr. 250. 
Payer von Thurn, Rud. 290. 



Pellandini 216. 

Peltzer, A. 305. 

Pemberton 240, 

Perkins, S. H. 25. 

Perl, Max 292. 

Perry, T. S. 24. 29. 

Perthes, Julius 10. 15. 

Petersen (Prinzenerzieher) 242. 

Petrarca, Fr. 112. 

Petsch, R. 293. 

Peucer, H. K. F. 243. 

Pfülf, O. 302. 

Phlegon von Tralles 237. 

Pickering, J. 25 fg. 

Pieck, Carlo 192. 

Pieck, Federico 192. 

Pigna, Giov. Batt. 218. 

Pilon, E. 298. 

Piloty und Loeble 254. 

Pindar 153. 161. 503. 

Pitcairn, Brodies and Co. 11. 

Pizzi, Gioacchino 206 fg. 

Platen, A. von 175 fg. 503. 

Piaton 237. 292. 303. 

Plessing, Fr. V. Lebrecht 224. 

Plotinus 237. 

Plutarch 285. 

Pniower, O. 21. 288. 293. 

Pochhammer, Paul 116 — 127. 

Poe, Edg. A. 267. 

Pogwisch, Frau von 33. 282. 

Pogwisch, Ulrike von 29. 

Ponickau, Joh. Fr. von 60, seine 

Frau s. Oertel Karoline. 
Poppe 179. 
Popper, J. 291. 
Pospischil, Maria 213 fg. 
Pospischil, Maria 294. 
Potonie 128. 
Potorianus 227. 
Pougens, Buchhändler 303. 
Preller, Friedr. 285. 
Preuß 253. 
Preußen, Friedrich IL, König von 

125. 154. 228. 261. 277. 
Preußen, Prinzessin Karl von 288. 
Properz 76. 
Presch, Fr. 304. 
Pückler, Fürst 254. 



Person'ex-Register, 



323 



Quincy 55. 

Qjuinet, Edg. 267. 280. 



R. 298. 

Raab, Doris 508. 

Ramsav 21. 

Ranke,' L. von 18. 258 ff. 

Rathgeber, J., 301. 

Rau, A. 303. 305. 

Raumer, Friedr. von 282. 

Raveggi, P. 302. 

Rav, Geistlicher 135. 

Ray, R. 22. 

Redlich, C. C. 223. 236. 

Rehbein, Wilh. 288. 

Rehberg, Fr. 195 fg. 

Reh-Carliga 309. 

Rehm, Bürgermeister 252. 

Reich, H. 295. 

Reichardt, Fr. 219. 304. 510. 

Reichel, E. 294. 

Reiff, P. 303. 

Reiffenstein, Rath 194. 

Reinbaben, Fr. L. von 58. 

Reinbaben , Sophie Bernhardine 

Friederike, Neujahrswunsch für 

58. 
Reinecke, C. 309. 
Reizenstein, Baronin 256. 
Renner, Theob. 287. 
Rette 290. 
Reusslaer, van 22. 
Rhesa, L. J. 282. 
Richmond, J. C. 22. 
Richter, s. Jean Paul. 
Ricker, J. 292. 
Riedesel, Freiherr von 307. 
Riemer, F. VV. 18. 40. 49 ff. 89. 

100 151. 222. 269. 280 ff. 286. 

Sein Sohn 286. 
Riese, A. 289 fg. 
Riese, zu dem Brief an, 238. 
Ringseis, Frl. B. 256. 
Rist 222. 

Ritter, Const. 292. 295. 
Robbins, J. M. 25. 
Röber, Ernst 310. 
Robert-tornow, W. 183. 
Robertson, John G. 311. 
Robinson, Edw. 22. 
Rogers 33. 
Rohling, C. 308. 
Röhr 283. 



Roll, J. 297. 

Rollett, Herrn. 254. 

Rossi, Antonio 191. 

Rousseau, J. J. 75. 125. 148. 

Rubens, P. P. 20. 

Rückert, Fr. 175. 

Ruhberg, Joh. Chr. 295. 

Ruiand, C. 25 fg. 235. 240. 257. 

300. 307. 
Riiss, V. 244 fg. 
Russ, V. 63. 



S. L. 310. 

Sachow, N. 500. 

Sachs, Julius 128 fg. 136. 

Sainte ßeuve, C. A. de 298. 

Salani, A. 299. 

Sales, S. Francesco di 187 lg. 

Salgö, Ford. 299. 

Salis-Sewis v. 171. 

Sallet, Friedr. von 171. 

Salvandy, Narc. Ach. de 284. 

Sand, George 247 298. 

Sandvoss, Fr. 256. 

Sänger, S. 306. 

Saran, F. 297. 

Sartorius von Waltershausen, Georg 

4. 32. 
Sauer, A. 297. 304. 
Sauer, Componist 309. 
Sauppe, H. 215. 
Savonarola, Gir. 262. 
Scaurus 262. 
Schadow, J. G. 194. 
Schäfer, Willy 308. 
Schaffer, JoseV 241. 
Schaffer, Lorenz 241. 
Schardt, Geh. Regierungsrath 68. 

75 ig- 
Schardt, Briefe der Frau Sophie 

von — an den Freiherrn Christoph 

Albrecht vonSeckendorfi"68— 81. 
Scheffauer, Phil. Jak. von 194. 
Schenk, Ed. von 23. 
Scherer, Wilhelm 89. 98. 100. 104. 

109. 226, 258. 261. 
SchiUer, Charlotte von 54. 47. 78. 

116 fg. 
Schiller, Dr. 186. 
Schiller, Ernst von 47 ff. 
Schiller, Fr. von 23. 35. 59. 66. 

78. 102 fg. HO. 112. 116. 118. 

21* 



324 



Personen-Register. 



120. 124. 143. 152. 154 ff. 168 ff. 

J71 fg. 179. 181. 250. 235. 243. 

262. 264. 269. 283. 291. 293. 295. 

303 fg. 307. 3 10 fg. August von 

Goethes Rede bei Niederlegung 

des Schillerschen Schädels auf 

der Großherzoglichen Bibliothek 

in Weimar 46—52. 
Schlag 242. 
Schlegel, A. W. von 248. 255 ff. 

296. 307. 
Schlegel, Fr. von 296. 307. 
Schieiden, Matth. Jak. 141. 
Schleiermacher, F. E. D, 166. 
Schienther, Paul 308. 
Schlichtegroll, A. H. F. von 7. 
Schlosser, Chr. 275. 
Schlosser, Cornelia siehe Goethe, 

Cornelia. 
Schlosser, J. F. H. 305 fg. 
Schlosser, Joh. G. 44 fg. 252. Brief 

an Goethe von — 44. 
Schlözer, A. L. 27. 
Schmidkunz, H. 294. 
Schmidt, Erich 187%. 248. 254 fg. 

273. 288. 290. 
Schmidt, Joh. Chr. 73, 
Schmidt, Karl W. 302. 
Schmidt, M. 310. 
Schmidt, Nicolaus 86. 
Schmidt, P. 304. 
Schmidt, W. 306. 
Schmidt 301. 
Schmitz, E. 309. 
Schmitz-Mancy 295. 
Schneider (Sammlung) 312. 
Scholz, W. von 302. 
Schoen, H. 298. 
Schönborn, Carl 119. 
Schönborn, G. F. E. 144. 208 fg. 
Schöningh, F. 295. 
Schönkopf, Familie 304. 
Schopenhauer, A. .304. 
Schoppe, Amalie 177. 
Schrecker 242. 
Schreiber, Ferdinand 288. 
Schreiber, C. F. A. 287. 
Schröder, G. 296. 
Schröder, K. J. 305. 
Schröder, L. 290. 
Schröder, R. 236. 
Schröder, Schauspieler 216. 
Schröer, K. J. 293. 
Schröter, Corona 257. Neujahrs- 

wunsch für 57. 
Schubart, Chr. Fr. Dan. 149. 



Schubarth, K. E. 288. 
Schubert, F. 303. 309. 
Schubert, Franz 304. 
Schuchardt, Chr. 21. 274. 
Schüddekopf, C. 286—288. 
Schüddekopf, C. 27. 81. 273 fg. 283. 

289. 296. 
Schultheß-Rechberg, Gustav 255. 
Schulze, E. 271. 
Schulze, G. E. 19. 35. 
Schure, E. 296. 
Schuster, Abraham 239 ff. 
Schuster, Michael 239. 
Schütz, Georg 191 ff. 195 fg. 
Schwabe, Carl L. 49 fg. 
Schwabe, Julius 50 fg. 
Schweden, König Gustav III. von 

206. 
Schweinitz, L. D. von 22. 
Schweizer, Paul 295. 
Schweizer, Viktor 289. 
Scott, Walter 7. 285. 
Searle, T. 23 fg. 
Seckendorff, Chr. Albr. von, Briefe 

der Frau Sophie von Schardt an 

den Freihern von 68 — 81. 
Seckendorff, Siegmund von 69, 

Unbekannte »Neujahrs-Possen« 

Goethes und — von 1778/79. 

53—61. 
Seckendorff, Leo von 69. 
Seckendorff, Sophie Friederike von 

s. Kalb. 
Seelus, von 285. 
Seidel, Ph. 53 fg. 58. 61. 91. 185. 

189. 206. 
Seidler, Luise 30. 285. 
Seiling, Max 306. 
Seligmann, A. F. 256. 307. 
Serassi, Pietro Ant. 218. 
Seuffert, B. 67. 273 ff. 298. 
Shakespeare 113. 143. 146. 153. 

159. 174. i77ff i83.277ff.298fg. 
Shelley 299. 
Sherard 131. 

Shumway, Daniel B. 312. 
Siebeck, H. 306. 
Siehe, S. 304. 
Silbermann, A. 307. 
Simson, Ed. 262. 
Singer, S. 295. 
Sintenis, F. 227 — 232, 
Slawa, A. K. 293. 
Sloane 131. 
Smiles, S. 255. 
Smissen, W. H. Van der 310. 



Personen-Register. 



325 



SoUas, H. 502. 

Solon 285. 

Sömmerring, Sam. Thom. von 26. 

44- 

Sophokles 115. 153. 264. 

Spaldino;, John Lancaster 504. 

Spark, Jared 25. 

Speck, W'ilHam A. 235, 

Spielhagen. Fr. 291. 294. 

Spitteler, Karl 291. 

Sprenger, R. 295. 

Stael, Frau von 66. 156. 269. 304. 

Stange, Max 309. 

Stargardt, J. 292. 

Stassen, Fr. 308. 

Steig, R. 22. 292. 

Stein, Charlotte von 5 3 ff. 68. 91. 
187 fg, 193. 196. 202 fg. 206. 
225 fg. 228. 232. 238. 269. 274. 
304. Neu Jahrswunsch für 57. 

Stein, Charlotte Freyin von, Neu- 
jahrswunsch für 55. 

Stein, Ernst von 232. 

Stein, Fritz von 91. 185. 189. 203 fg. 

22$. 

Stein, Phil. 289. 

Steinel, Oskar 306. 

Steni, Alfred 66-68. 

Sternberg, Graf 21. 30.'- 304. 

St. Goar, E. 307. 

Stieler, K. 254. 

Stolberg, Chr. von 150. 

Stolberg, Fr. L. von 45. 150. 

Storm, Th. 261 fg. 

Strack, Ad. 290. 

Strauß, David Fr. 148. 305. 

Strehlke, Fr. 32 fg. 64. 71 fg. 238. 

Streuli 254. 

Struve 20. 

Sulzer, Joh. G. 163. 

Sumner, Charles 254 fg. 

Süpfle, G. 299. 

Suphan, B. 276 fg. 284—286. 

Suphan, B. 29. 36. 51. 89. iio. 159. 

225. 254. 253. 257. 273 ig. 289. 

291. 306. 
Swammerdam 137. 
Sybel, F. L. K. von 243. 
Sybel, H. von 245. 
Sybel, H. Ph. F. von 245. 



Tacchi, Abbate 202. 
Tasso, Torqu. 221. 310. 
Tauscher, Aug. Mich. 288. 



Taxis, Fürstin 256. 

Tettau, von 69. 

Tete, Jos. 266 fg. 

Teza, E. 299. 

Thomas, C. 19. 

Thorndike 6. 

Thümmel, von 44 fg. 

Tickell 218 fg. 

Ticknor, Anna Eliot 26. 33. 

Ticknor, George 4 fg. 18. 23 ff. 

Tieck, Ludwig 154. 

Tilden-Stiftung 8. 

Tille, A. 510. 

Tisben, s. Tischbein, J. H. W. 

Tischbein, Joh. Fr. A. 190. 

Tischbein, J. H. W. 199. 201. 206 

und der Künsterhaushalt am 

Corso 185 — 196. 
Tischbein, Joh. Val. T. 190. 
Tombo, Rudolf 310—512. 
Tournefort 133. 
Traumann, E. 293 fg. 304. 
Trebrs, Frau von 71. 77 fg. Ihr 

Mann, ihre Mutter und Schwester 

77- 
Trebra, Fr. W. von 71. 
Treitlinger, Joh. Chr. 242. 
Treitschke, H. von 258. 
Treuter 244. 
Trinius, A. 300. 
Trog, H. 289. 
Trost, K. 306. 
Trötscber, ] . 2^^ ig. 241. 
Trötscher, J. 300. 
Tschabuschnigg, Ad. Ignaz, Ritter 

von 244. 



Uhland, L. 172. 175 ig. 504. 
Ulbricht, C. 309. 
Ulrich, O. 82-86. 
Ulrich, O. 302. 
Unger, Joh. F'r. 241. 
Unger, Rud. 303. 
Unzelmann-Bethmann, Friederike 
268, 304. 



Varnhagen von Ense, K. A. 56. 

250. 255. 283. 
Vassall, Henry R. F. s. Holland, 

Lora. 
Veret 299. 



326 



Personen-Register. 



ViehoflF, H. 136. 225. 
Viereck, L. 3 fg. 22 ff. 28. 
Vinci s. Lionardo da. 
Voecliting 141. 
Vogel, Julius 297. 301. 
Vogel, Maler 236. 254. 
Vogel, Secretär 28. 
Vogel, Theodor 306. 
Voigt, Chr. Gottl. von 27. 
Volgstädt, Carl A. von 58. 
Volgstädt, Tochter d. vor., Neu- 
jahrswunsch für — 58. 
Volkelt, J. 294. 
Volkmann, J. J. 188. 205 fg. 
Vollmer, F. 293. 
Voltaire 28. 259. 
Voß, Heinrich (d. j.) 152. 
Voß, J. H. 44. 150. 154 



W. F. 301. 

Wacker 173. 

Wagner, Rieh. 24. 263 fg. 291. 

IVahle, J. 9. (Anm.) 15. (Anm.) 
37—44. 274. 

Wähle, J. 37. 80. 232. 235. 273. 

Wahlström, Clara 301. 

Wahner, J. 295. 

Waldeck, Fijrst von 190. 

Waldner, Luise Adelheid von 80. 
Neujahrswunsch für — 55. 

Wallner, A. 296. 

Walter, Curt L. 306. 

Walz, John A. 312. 

Walzel, Osk. F. 288. 

Warden, D. B. 13. 16. 21. 31. 

Warneke, Alb. 289. 

Washington 5. 25. 

Wasielewski, W. von 305. 

Wasserzieher, Ernst 297. 

Waetzold, St. 291. 

Watson, Mr. James O. 33. 

Weber, Beda 244. 

Weber, Robert 274. 289, 

Webster 4. 21. 

Wechsler, A. 302. 

Wedel von 61. Seine Mutter 61. 
Seine Frau s. Wöllwarth, Hen- 
riette von. 

Weddingen, O. 308. 

Weimar, Anna Amalia, Herzogin 
von 55. 57. 59. 70. 72. 78. 81. 
189. 196. 312. 



Weimar, Augusta, Prinzessin s. 
Deutschland. 

Weimar, Bernhard, Herzog von 7. 
21 fg. 23. 26. 28. 31. 

Weimar, Carl Alexander, Groß- 
herzog von 265. 

Weimar, Carl August, Großherzog 
von 7. 21. 35. 47. 49 ff. 53. 70 ff. 
79 ff. 118 fg. 121. 126 fg. 151. 
185. 189. 196. 220. 225 ff. 274. 
303. Zu einem Briefe Goethes 
an — 238 fg. 

Weimar, Carl Friedrich, Großher- 
zog von 278. 

Weimar, Constantin, Prinz von 56 

Weimar, Luise, Großherzogin von 

55. 59. 61. 71. 73ff. 8ofg. 118 fg. 
126 fg. 303. Neujahrswunsch für 

56. Ihre Kinder 80. 

Weimar, Luise, Prinzessin von 56. 

Weimar, Maria Paulowna, Groß- 
herzogin von 222. 244. 278. 288. 

Weimar, Marie, Prinzessin, siehe 
Preußen, Prinzessin Karl von. 

Weimar, Sophie, Großherzogin von 
130. 265. 273. 

Weise, Karl 297. 

Weise, Oskar 291. 

Weißenfels, R. 290. 

Weizsäcker, P. 256. 

Weller, Christ. E. F. 21. 27. 34. 

Welles and Williams 9. 12. 

Wells, Benj. 2. 312. 

Werner, Prof. 27. 30. 

Werner, Richard Maria 171 — 184. 

Werner, Zach. 68. 

Werthern, Amalia von 72. Neu- 
jahrswunsch für 56. 

Werthern-Beichlingen, Ch. F. G. 
von 56. 72. Seine zweite Frau 
geb. von Ziegesar 72. 

Werthern - Beichlingen , Christine 
von 79. 

Werthern-Beichlingen, Joh. G. von 

19- 
Wetze), H. 310. 
Wesley 311. 
White, H. S. 3 ff. 19. 21 ff. 26. 

29- 32 fg. 35%- 25 5- 
Whitney, James L. 22. 
Wieland, Chr. M. 45. 150. 208 fg. 

222. 276. 307. 311. 
Wigand 128. 
Wigglesworth, E. 23. 
Wihl, L. 177. 
Wilbrandt, .'\d. 309. 



Goethe-Register. 



32: 



Wildenbruch, E. von 508. 

Wille, N. 129. 151. 503. 

Willemer, Joh. Jak. von 240. 

Willenbücher, 293. 

Wilmanns, A. 305. 

Wilson, J. G. 35. 

Wilson, H. S. 312. 

Winckelmann, J. J. 186. 205. 

Winde ck, G. 250 ff. 

Windischmann, K. J. H. 282. 

Withier, John Greenleaf, Ueber- 
setzung des Erlkönig 283 fg. 

Witkowski, G. 293. 296. 301 fg. 307. 

Witzleben, Fr. H. von 59. 

Witzleben, Frau d. vor., N'eujahrs- 
wunsch für 59. 

Wohlauer, A. 294. 

Wolf, C. O. H. 309. 

Wolf, F. A. 4. 24. 66. 

Wolff, Casp. Fr. 128 fg 152. 
135 fg. 140 fg. 

Wolff, M. 502. 

Wöllwarih, Henriette von, Neu- 
jahrswunsch für 61. 

Wolzogen, Karoline von 49. 

Wood 312. 

Woods, L. 27. 29 fg. 32. 

Wülker, Rieh. 297. 



Wustmann, G. 300. 
Wychgram, 298. 
Wyer, Consul 18. 54. 
Wyshing, Signild 306. 



Zach, von 65. 

Zahn, J. K. W. 285. 

Zamboni, Conte 203. 

Zarncke, Fr. 254. 

Zeitler, Julius 297. 

Zelter, K. F. 21. 133 fg. 219. 279. 

285. 304. 
Zicci, s. Schütz, Georg. 
Ziegesar, Aug. Fr. K. von 72 fg. 

Seine Frau und Kinder 72. 
Ziegesar, Sylvia von 72, deren 

Schwester s. Werthern Frau von. 
Ziegler 208. 
Ziegler, Th. 297. 
Zimmermann, F. G. 216. 
Zimmermann, J. G. 160. 163. 217. 
Zimmermann, Rob. 244. 
Zschokke, H. 171. 
Zucchi 194. 

Zumbini, Bonaventura 291. 
Zumsteeg, Joh. Rud. 219. 



II. Register über Goethes Werke und Leben. 



I. Biographische Schriften. 

Annalen 4. 29 fg. 34. 44. 66. 149. 
219. Neue Ausgabe 288 (Bibl.). 

Belagerung von Mainz, Neue Aus- 
gaben 288 fg. (Bibl.). 

Briefe aus der Schweiz 167. 

Campagne in Frankreich 121, Neue 
Ausgaben 288 fg. (Bibl.). 

Dichtung und Wahrheit 144 fg. 
149. 157 fg. 181. 227. 255. 286. 
299. 310. Zu Clavigo und — 
2 1 8 fg. Neue Ausgaben 288. (Bibl.) 
297 ^. (Bibl.). 

Italienische Reise 16 fg. 90 fg. 99. 
108 ff. 186. 189. 196. 199. 201 \o^. 
206. 250 fg. 273. 303. Berichtüber 
die Weimarer Ausgabe 274. Neue 
Ausgaben 289. (Bibl.) 298.(Bibl.). 
Abhandlungen über 298 (Bibl). 



Italien, Vorbereitung zur zweiten 
Reise nach 273. Bericht über die 
Weimarer Ausgabe 276 fg. 

Reise am Rhein, Main und Neckar, 
aus einer 275. 

Römischer Aufenthalt, zweiter 192. 
196. 203. 205 fg. Aufnahme in 
die Gesellschaft der Arkadier 
205. Neue Ausgabe 289. (Bibl.). 

Schweiz, aus einer Reise in die 
273. Bericht über die Weimarer 
Ausgabe 276 ig. 

Tagebücher 4. 6. 18 ff. 26 fg. 45. 
49. 51. 53. 64. 89 ff. HO. 18711. 
193. 196. 203. 205. 220 ff. 225. 
229 fg. 235 fg. 241. 257. 274 fg. 
283. 2S7. 290. Zu Bd. 8. 239 fg. 
Bericht über die Weimarer Aus- 
gabe 274. 284 ff. 

Tag- und Jahreshefte s. Annalen. 



328 



Goethe-Register. 



2. Briefe an: 

Bremen, an den Senat der freien 
Stadt 62 fg. Erläuterungen dazu 

Cogswell, J. G. 9 fg. 12 fg. 15 tg. 

Anmerkungen dazu 26 ff. 
? 208 fg. 

Amerikanern, Briefwechsel zwisch. 
Goethe und 3 — 37 Neue Aus- 
gaben und Besprechungen 289 fg. 
311 (Bibl.). 

Riese, zu dem Brief an 238. 

Weimar, Karl Aua;ust von. Zu 
einem Briefe Goethes an — 238fg. 

Weimarer Ausgabe 274. Bericht 
286 ff. 



3. Briefe an Goethe von: 

Bancroft, George 19. Anmerkungen 

dazu 35. 
Calvert, G. H. 20. Anmerkungen 

dazu 35 fg. 
Cogswell J. G. 8 fg. II fg. 1 3 ff. 

17. Anmerkungen dazu 26 ff. 
Everett, Edward 5. Anmerkungen 

dazu 24 ff. 
Frankenberg, Frau von 46. 
Gotha, Prinz August von 40 ff., 

45%- 

Kestner, Charlotte 82—85. Er- 
läuterungen dazu 82. 85 fg. 

Kirkland, John T. 18. Anmer- 
kungen dazu 54 fg. 

Lyman, Theodore 6. Anmerkungen 
dazu 26. 

Sartorius 4. 

Schlosser, Joh. G. 44. 



Amerikanern, Briefwechsel zwisch. 
Goethe und 3 — 37. 



4. Dramen und dramatische 

Pläne und Entwürfe. 

Clavigo 113. Zu — und Dichtung 
und Wahrheit 218 fg. Neue Aus- 
gabe 293 (Bibl.). 



Egmont 71. 74. 177 fg. Neue Aus- 
gaben und Abhandlungen über — 
293 (Bibl.) 3 10 (Bibl.) 3 12 (Bibl.). 
Uebersetzung 299 (Bibl.). 

Epimenides, des, Erwachen 265. 
Selbstanzeige 278. 

Erwin und Elmire, Neue Abhand- 
lung über 293 (Bibl.). 

Faust 22 fg. 26. 102. 113. 119 fg. 
143 fg. 149. 153 fg. 161 fg. 165 fg. 
171 fg. 174. 177 fg. 182. 236 fg. 
245. 248. 255. 257 fg. 262. 270. 
286. Helena 36. 65. Zu Faust I. 
213. (Walpurgisnacht) 214. 
(Walpurgisnachtstraum: Fideler). 
Zu Faust II. 215. (V. 7953 ff. 
8162 fg. 10943 fg.) Zu Gretchens 
Lied im Kerker 216. Einfluß auf 
Flaubert 246 fg. Lassens Musik 
zu — 264. Neue Ausgaben 288. 
293 (Bibl.). Abhandlungen über 
— 293 ff. (Bibl.). 312 (Bibl.). 
Uebersetzungen 299(Bibl.). Com- 
positionen 309 fg. (Bibl.). Illu- 
strationen 310 (Bibl.). 

Fischerin, die 239. 265. 

Geschwister, die 243. Neue Aus- 
gabe 293 (Bibl.). Abhandlung 
über 295 (Bibl.) 

Götter, Helden und Wieland 150. 
208. 217. 

Götz von Berlichingen 67. 113. 
144. 147. 150. 152. 159. 167. 
174. 177. 200. 208 fg. 248. Götz 
V. B. in Hamburg 216. Neue 
Ausgabe und Abhandlungen über 
293 (Bibl). 295 (Bibl ). — Com- 
positionen 319 (Bibl.). 

Groß-Kophta, der8i. 

Hanswursts Hochzeit, Abhandlung 
über 295 (Bibl.). 

Jahrmarktsfest von Plundersweilern 
258. 265. Abhandlung über 
295 (Bibl.). 

Iphigenie 16. 34 fg. 95. 102. 109. 
112 ff. 154. 174. 202. 258. 304 fg. 
Neue Ausgabe und Abhandlung 
über 293 (Bibl.) 295 (Bibl.). 
Uebersetzungen 299 (Bibl.). 

Künstlers Apotheose 179. 

Laune, die, des Verliebten. Neue 
Ausgabe 293 (Bibl.). Abhand- 
lung über — 295 (Bibl.). 

Mädchen, das, von Oberkirch, 
Abhandlung über 295 (Bibl.). 



Goethe-Register. 



329 



Natürliche Tochter, die 66. 158. 

177. 276. Anklänge bei Hebbel 

181 fg. 
Nausikaa 80—115. 
Pandora 265. 
Prometheus 164. 
Satyros, Herder das Vorbild des 

— 217. 
Stella 113. 177. 
Tasso 76. 102. 109. 113%. 167. 

183. — Tasso und Antonio 218. 

Neue Ausgabe und Abhandlung 

über 293 (Bibl.) 295 fg. (Bibl.). 
Triumph der Empfindsamkeit 265. 
Ungleichen Hausgenossen, die 226. 
Vögel, die 265. 



Neue Ausgaben und Abhandlungen 

293 ff. 
Singspiele, Neue Ausgabe 288. 



5. Episches. 

Achilleis 107. 276 fg. Neue Aus- 
gabe 288. 

Hermann und Dorothea 6. 1 54. 157. 
183 (g. Zu — 227 - 232. Neue 
Ausgaben 297 (Bibl.) 511 (Bibl.). 
Uebersetzungen 299 (Bibl.). 

Reineke Fuchs. Neue Ausgabe 288. 



6. Erzählendes. 

Märchen, Auslegungen des 37—44 
Goethes — 116— 127 und Hen- 
drichs Bilder 310 (Bibl.). 

Novelle, Abhandlung-en über — 298 
(Bibl.). ^ 

Unterhaltungen deutscher Ausge- 
wanderten 37. 116. Abhand- 
lungen über 2q8 (Bibl.). 

Wahlverwandtscliaften, die 176 ff. 
183. Selbstanzeige 278. Neue 
Ausgabe 288. Abhandlungen 
über 298 (Bibl.). Uebersetzungen 
299 (Bibl.). 

"Werthers Leiden 144. i46fg. 154 fg. 
165 200. 227. 248. 2)5 fg. Ab- 
handlungen über — 298 (Bibl.) 
312 (Bibl.). Uebersetzungen 299 
(Bibl.). 



Wilhelm Meister 39. 177. 248. 
Lehrjahre 241. Neue Ausgabe 
289. Wander jähre 166. 177. 
Dankbriefe für dieUebersendung 
von Wilhelm Meisters Lehrjahren 
44—46. Zu — 237. Selbstan- 
zeige der Wanderjahre 278. 
Mignon- Auszug 298 (Bibl.). 
Uebersetzungen 311 (Bibl.). 



7. Gedichte. 

Alexis und Dora 103 fg. 120. 
Amerika, du hast es besser 21. 
Am Fluße 309. 
An Bernhard von Weimar 21. 
An den Mond 168. 223 — 226. 
An die Entfernte 226. 309. 
An die fünfzehn Freunde in Eng- 
land 236. 
An Frau von Stein s. Und ich 

geh' meinen alten Gang. 
An Schwager Kronos 147. 
Ballade 291. 
Bei Betrachtung von Schillers 

Schädel 52. 
Bekehrte, die 309. 
Braut, die von Korinth 257. 247. 
Dine zu Coblenz 296. 
Ehre, Deutscher, treu und innig 

etc. 155. 
Elegieen römische 195. XV. El. 195. 
Elysium 147. 

Epigramme venetianische 127. 
Ergo bibamus 226 fg. 
Erlkönig 181. 296. 30Q. Englische 

Uebersetzungvon,Wnithier2 33fg. 
Erinnerung 309. 
Erster Verlust 225 (g. 309. 
Ewige Jude, der 89 fg. 
Festgedichte s. Maskenzug 181 8. 
Fischer, der 181. 
Geheimnisse, die 281. 
Gesang der Geister über den 

Wassern 224. 
Haideröslein 509. 
Harfnerlied 309. 
Hoffnungslos 309. 
Höllenfahrt Christi, die 146. 
Mahomets Gesang 224. 
Maskenzug 1818. 14. 16 fg. 32. 34. 

— Selbstanzeige 279. 
Meeresstille 309. 
Mignon 100. 



330 



Goethe-Register. 



Nachtlied, s. Wanderers Nachllied. 

Nähe 226. 

Neujahrs - Possen , unbekannte , 

Goethes und v. Seckendorffs von 

1778/79-. 53-61. 
Novemberlied 69. 
Rettung 223. 
Seelied 296. 

Sesenheimer Lieder 180. 296. 
Sprüche 258. 
Tagebuch 183. 
Trost in Thränen 270. 
Und ich geh' meinen alten Gang 

(An Frau von Stein) 226. 
Untreue Knabe, der 218. 
Urworte, orphisch 158. 
Vermächtniß 163. 
Wanderers Nachtlied 286. 297. 509. 
Wanderers Sturmhed 297. 
War nicht das Auge sonnenhaft etc. 

165. 237. 
Wer will, nicht kann etc. 220 ff. 
Westöstlicher Divan 257 fg. 261. 

Selbstanzeige 278 fg. Neue Aus- 
gabe 288 t'g. (Bibl.) 
Xenien 258. Abhandlungen über — 

296 fg. (Bibl.) Uebersetzung 299. 

(Bibl.). 
Zahme Xenien 168. Amerika etc., 

s. das Liegt dir gestern etc. 236. 
Zueignung 297. 



Abhandlungen296 (Bibl.) 3 i2(Bibl.). 

Aufklärende Bemerkungen zu In- 
schriften, Denk- und Sende- 
blätter 66. 

Compositionen 309 fg. (Bibl.). 

Neue Ausgaben 288 (Bibl.) 296 
(Bibl.) 310 (Bibl.). 



8. Kunst. 

Benvenuto Cellini, 179. Neue Aus- 
gabe 288 (Bibl.). 

Häckert,i6fg.Selbstanzeige278.28o. 

Kunst, Schriften zur 279. Neue 
Ausgabe 288 (Bibl.). 

Kunst und Aherthum 16 fg. 35. 
43. 220. 275. Aufsätze zur 
Literatur in 273. Bericht über die 
Weimarer Ausgabe 277 (g. 284. 

Kunst und Aherthum am Rhein 
und Main 273. Bericht über die 
Weimarer Ausgabe 271. 

Propyläen, 16 fg. 



9. Naturwissenschaftliches. 

Böhmische Gebirge 16 fg. 32. 

Farbenlehre, 16, 226 fg. 293. 305. 
Uebereinstimmung mit Giordana 
Bruno 237. 

Farbenlehre, Geschichte der 240. 

Metamorphose der Pflanzen. Die 
angebliche Abhängigkeit der 
Goethischen Metamorphosen- 
lehre von Linne 128 — 141. 

Mineralogische Gesellschaft 29. 

Morphologie, zur 13. 32. 

Naturwissenschaft, zur i6fg. 32. 34. 



10. Sonstige prosaische 
Schriften. 

Agnese, Anzeige der Oper 283. 

Ankündigung einer neuen Ausgabe 
von Goethes Werken, Selbst- 
anzeige 278 ff., zweite 284. 

Ankündigungen und Geleitworte 
283. 

Aufklärung 279. 

Aus dem Französischen des Globe 
283. 

Bachantinnen, die, desEuripides282. 

Bvron, Beitrag zum Andenken 
'Lord — s. 284. 

Cain, a mistery by Lord Byron 
281 fg. 

Carmagnola, il conte di 280. 

Charon und Charos 281. 

Classiker und Romantiker in Italien 
etc. 280. 

Cours de litterature grecque par 
Rizo Neroulos 282. 

Dainos, etc., herausgegeben von 
Rhesa 282. 

Danz, Lehrbuch der neueren christ- 
lichen Kirchengeschichte 282. 

Deutsche Sprache 220. 

Don Alonzo ou l'Espagne etc. 
284. 

Don Ciccio, 277. 280. 

Einwirkung der neueren Philoso- 
phie 1)8. 168. 

Einzelnes 279. 281. 

Francesco Ruffa 280. 

Friedrichs Ruhm 277. 280. 

Geheimnisse, die, von Goethe 278. 
281. 



Goethe-Register. 



331 



Geschichtliche Entwickelung der 
Begrifte von Recht etc. (Raumer) 
282. 

La Guzla, poesics illyriques 282. 

Id(^es sur la philosophie de l'histoire 
de rhumanite par Herder etc. 280. 

IHas 279. 281. 

Indicatione di ciö che nel 1819 si 
e fatto etc. 280. 

Inschrift von Heilsbero; 284. 

Joseph Haydns Schöpfung 279. 

Litteratur, Aufsätze zur, im Morgen- 
blatt etc. 273. Bericht über die 
Weimarer Ausgabe 277 Ü'. 

Livre, le, des Cent-et-un 282. 

Lob- und Spottgedicht auf König 
Rudolph, Bericht über ein 285. 

Manzoni an Goethe 280. 284. 

Manzoni, Aufsätze über 284. 

Maximen und Reflexionen 279. 283. 

Monatsschrift der Gesellschaft des 
vaterländischen Museums in 
Böhmen, Besprechung der 283. 

Oeuvres dramatiques de Goethe etc. 
279. 

Phaethon, eine Tragödie des Eu- 
ripides etc. 281 fg. 

Recension (Gedichte eines pol- 
nischen Juden) 298 (Bibl.). 

Recensionen in den Frankfurter 
Gelehrten Anzeigen 163. 

Rheingau, Herbsttage im 273. 
Bericht über die Weimarer Aus- 
gabe 271. 

Rochusfest zu Bingen 275. Bericht 
über die Weimarer Ausgabe 275. 

Serbische Lieder 281. 

Serbische Litteratur 282, 

Shakespearerede 164. 298. 

Shakespeare und kein Ende 277 ft". 

Sprüche in Prosa 30. 261. Es ist 
ein großer Unterschied etc. 118. 
Spr. 720. 556. 557—163. Spr. 
903, 430 — 165. Spr. 1049—166. 

Ueber das deutsche Theater 278. 

Ueber die Entstehung des Festspiels 
zu Ifflands Andenken 278 

Volkslieder der Serben 282. 

Windischmann. Ueber etwas das 
der Heilkunst Noth thut 282. 



II. Biographische Einzel- 
heiten, Lebensbeziehungen, 
Verhältnisse (persönliche und 
literarische) zu: 

Amerikanern, Brietwechsel zwisch. 

Goethe und — 3 — 37- 
Arkadia, Goethe und die 196-207. 
Autograph, ein Goethe — in Eger 

242. 
Basedow 302 (Bibl.). 
Beethoven 502 (Bibl.). 
Berlioz, 302 (Bibl.). 
Bismarck 302 (Bibl.). 
Böhmische Reise, Goethes letzte 

300 (Bibl.). 
Bonn, Goethe in 301 (Bibl.). 
Börne, Ludwig 304 fg. (Bibl.). 
Brentano, Bettine 302 (Bibl.). 
Brion, Friederike 302 (Bibl.). 
Carlyle und Eckermann, zu — 

248, 253 ff. 
Dichtungen, Goethe über seine 290 

(Bibl.). 
Dumeix, Propst 302 (Bibl.). 
Egerer Gymnasium 300 (Bibl.). 
Eisenach. Goethe in 300 (Bibl.). 
Emerson 302 (Bibl.). 
Feuchtersieben 302 (Bibl.). 
Feuerbach 303 (Bibl.). 
Frankfurt 300 (Bibl.). 
Frauen, Goethe und die 302 (Bibl.). 
Freimaurer, Goethe als 303 (Bibl. t. 
Funk über Goethe 307 (Bibl.). 
Glaser, Rud., ein österreichischer 

Verehrer Goethes 244 ff. 
Goldsmith 302 (Bibl.) 312 (Bibl.). 
Goethe, Catharina Elisabetii (Frau 

Rath) 301 (Bibl.). 
Goethe, Christiane 302 (Bibl.). 
Goethe, Cornelia 301 fg. (Bibl.). 
Goesclien, G. J. 311 fg. (Bibl.). 
Gries, Goethe und 220 — 225. 
Günther 502 (Bibl.). 
Harvard University, Goethes Ge- 
schenk an die 3 — 37. 
Hebbel und Goethe 171 — 184. 302 

(Bibl.). 
Helmholtz 302 (Bibl.). 
Heraldische Episode aus G— s 

Leben 300 (Bibl.). 
Herder und Goetlie 156 — 170. 303 

(Bibl.). 
Holberg 305 (Bibl.). 
Humboldt, W. von 307 (Bibl.). 



332 



Goethe-Register. 



Jesus und Goethe 303 (BibL). 
Iken-Bremen bei Goethe (1828) 

243 %• 
Ilmenau einst und jetzt 300 (Bibl). 
Italien, Goethe und 303 (Bibl.). 
Kestner, Charlotte 302 (Bibl.). 
Klopstock und Goethe 142—155. 
Kölner Karneval, Goethe und der 

300 (Bibl.). 
Kotzebue 307 (Bibl.). 
Langermann 257. 

Lavater, ein anticipirtes physiog- 
nomisches Urtheil Lavaters über 
Goethe (Brief an Deinet) 66-68. 

Lebensführung, Goethes private 

301 (Bibl.). 

Leipziger Student, Goethe, der 500 

(Bibl.). 
Linn6, Goethe oder 303 (Bibl.) 
Loder, die Goethe-Feier bei — in 

Moskau am 28. August 1829, 244. 
Marienbad, Goethe in 300 (Bibl.). 
Meyer, J. J. 307 (Bibl.). 
Milatinowitsch, Simeon 303 (Bibl.). 
Montblanc, Goethes Reise nach 

dem — und dem St. Gotthard 

301 (Bibl.). 
Monti, Vincenzo 303 (Bibl.). 
Müller, Wilhelm 311 (Bibl.). 
Neapel, Goethe in 301 (Bibl.). 
Nietzsche 303 (BibL). 
Notiz, eine eigenhändige Goethes 

240. 
Oesterreich 304 (Bibl.). 
Pathe, Goethe als 301 (Bibl.). 
Pfalzburg zur Zeit des jungen 

Goethe 301 (Bibl.). 
Pindar 303 (Bibl.). 
Platen 303 (Bibl.). 
Plato 303 (Bibl.). 
Reichardt 304 (Bibl.). 
Riedesel über Goethe 307 (Bibl.). 
Rom 301 (Bibl.). 
Römischem Kreise, aus Goethes 

185—207. 
Saarbrücken, Goethe und 30i(Bibl.). 

Goethes Lili in 301 (Bibl.). 
Schardt, Frau von, über Goethe 

68 — 81 passim. 
Schiller 304 (Bibl.). 
Schlosser, Friedrich 304 (Bibl.). 
Schönkopf, Familie 304 (Bibl.). 
Schopenhauer, Arthur 304 (Bibl.). 
Schubert, Fr. 304 (Bibl.). 
Statil, Frau von 304 (Bibl.). 
Stein, Frau von 304 (Bibl.). 



Sternberg, Graf 304 (Bibl.). 

Straßburger Matrikel, Goethes Ein- 
zeichnungen in die 242. 

Theater, Goethe im. Kerbst 1779. 
245. 

Tischbein und der Künstlerhaus- 
halt am Corso 185 — 196. 

Uhland 304 (Bibl.). 

Walchensee, die Goethe -Gedenk- 
tafel am 250 ff. 

Weimar 301 (Bibl.). 

Weimar, Großherzogin Luise von 
303 (Bibl.). 

Wesley and Goethe 311 (Bibl.). 



12. Verschiedenes. 

Alkohol,Goethe und der 305 (Bibl.). 
Almosengeber,Goethe als 305 (Bibl.). 
Archiv d. Gesellschaft f. alt. deutsche 

Geschichtskunde, Goethes Bei- 
träge 283. 
Archiv in Weimar, Mittheilungen 

aus dem 3 — 52. 
Arzt, Goethe als 305 (Bibl.). 
Ausgabe letzter Hand 279. 283 fg. 
Autographen-Kataloge 292 (Bibl.). 
Betz, Louis P., Nekrolog auf 266 

-268. 
Bibliographie Jellineks 291 (Bibl.). 
Bibliothekar, Goethe als 305 (Bibl.). 
Bibhothekswesen, Goethes Verhält- 

niß zum 305 (Bibl.). 
Bilder 307 fg. (Bibl.). 
Böse, Goethe der 291 (Bibl.). 
Bücherkataloge 292 (Bibl.). 
Christenthum 305 (Bibl.). 
Compositionen 309 fg. (Bibl.). 
Denkmäler 308 (Bibl). 
Descendenzlehre, Goethe und die 

305 (Bibl.). 
Dichterfürsten, Protest gegen die 

einseitige Erhebung Goethes zu 

einem 291 (Bibl.). 
Ehevermittler, Goethesche Verse 

als 297 (Bibl.). 
Einfluß, Goethe und der deutsche 

290 (Bibl.). 
Einflüsse, französische, in Goethes 

Sprache 292 (Bibl). 
Einsamkeit, Goethes 305 (Bibl.). 
Erzieher, Goethe als 304 (Bibl.). 
Erziehung und Unterricht, Goethe 

über 305 (Bibl.). 



Goethe-Registkk. 



333 



Ethische Fragen etc. 305 (Bibl.). 
Feinschmecker, Goethe als 305 

(Bibl.). 
Franzos, K. E. Nekrolog auf 268 

— 272. 

Frauen, Goethe und die 305 (Bibl.). 
Freiheit, Goethe und die Idee der 

305 (Bibl.). 
Fremdwortes, Asylrecht des 291 

(Bibl.). 
Gartenmauer,Goethes 3o8fg.(Bibl.). 
Gedanken, einige über Goethe etc. 

291 (Bibl.) — aus Goethes 

Werken 291 (Bibl,). 
Gedenktafel, Rede bei der Ent- 

hiillung einer 291 (Bibl.). 
Geisteswerk, Goethes, in den 

Stimmen unserer Zeit 291 (Bibl.). 
Genius, das 19. Jahrhundert im Licht 

und Schatten von Goethes 311 

(Bibl.). 
Geschlechter, Goethe und die 305 fg. 

(Bibl.). 
Gesellschaft, die obdachlose Goethe 

— 308 (Bibl.). 
Gespräche, 290 (Bibl.). 
Goethebuche, aus einem 290 (Bibl.). 
Goethe, Catharina Elisabeth, eine 

französische Stimme über Goethes 

Mutter 249 fg. 
Goethe, Cornelia, der Todesakt 

über Goethes Schwester 252 fg. 
Göttlichen, Goethe und die Idee 

des 306 (Bibl.). 
Handschriften, Mittheilung aus 

65 fg. ^ 
Herzog, Goethe unser 291 (Bibl.). 
Hochgebirge, Goethe und das 306 

(Bibl.). 
Jahrbücher für wissenschaftliche 

Kritik, Goethes Beiträge 285. 
Jahresberichte für neuere deutsche 

Literaturgeschichte 290 (Bibl.). 
Idealität, geistige 302 (Bibl.). 
Jenaische Allgemeine Litteratur- 

zeitung, Goethes Mitarbeit an 

der 277. 
Josephs Geschichte (Plan Goethes) 

146. 
Irrenanstalten und Geisteskrank- 
heiten, Goethe über 306 (Bibl.). 
iugendsprache Goethes 291 (Bibl.). 
[inderfreund, Goethe ein 3o6(Bibl.). 
Kritische Prediger - Bibliothek, 

Goethes Beiträge 283. 



Künstlerkreis seiner Zeit, Goethe 

und der 292 (Bibl.). 
Lassen Ed., >Jekrolog auf 262 —265. 
Lebensbeschreibungen etc. 300 

(Bibl.). 
Lebenskunst, Goethes 306 (Bibl.) 

512 (Bibl.). 
Literatur , Goethe-Literatur und 

Schriften 291 (Bibl.). 
Mannräuschlein Goethes 292 (Bibl.). 
Materialismus, Goethe und der 

306 (Bibl.). 

Matterhorn, mit Goethe zum 301 
(Bibl.). 

Menschenbildung und Rassen- 
kreuzung, das Gesetz Goethes 
in der 306 (Bibl.). 

Mommsen, Th., Nekrolog auf 258 
— 262. 

Morgenblatt, Goethes Mitarbeit am 
277 ff. 

Museen, aus den Großherzoglichen 

307 (Bibl.). 

Musik, Goethe und die 306 (Bibl.). 
Nachdrucksprivilegien, die, Goethes 

vom Jahre 1825,292 (Bibl.). 
Nachträge und Berichtigungen 253 

—257. 
Nationalkultur, Goethes Stellung 

zu dem Begriff der deutschen 

290 (Bibl.). 

Neue Ausgaben u. Besprechungen 
derselben 288 fg. (Bibl.). 

Neue Schriften über Goethe 290 ff. 
(Bibl.). 

Okkultismus, Goethe und der 306 
(Bibl.). 

Orient, Goethe und der 306 (Bibl.). 

Pädagoge, Goethe als 306 (Bibl.). 

Park, im Weimarer 309 (Bibl.). 

Philisters, der Typus des, bei Goethe 

291 (Bibl.). 

Philosoph, Goethe als 306 (Bibl). 

War Goethe ein — 312 (Bibl.). 
Popularität 306 (Bibl.) 
Prometheus. Goethe-Prometheus 

291 (Bibl.). 
Rath, Goethes bester 306 (Bibl.). 
Relativsatz, Goethes 292 (Bibl.). 
Religion, Stellung zur, u. religiöse 

Bedeutung 306 (Bibl.). 
Romantik, Goethe u. die 291 (Bibl.). 
Schiller, der malträtirte 291 (Bibl.). 
Schröer, in memoriam 305 (Bibl.). 
Sesenheim 308 (Bibl.). 3 10 (Bibl). 



334 



Goethe-Register. 



Sprache, Goethe und die deutsche 
291 (Bibl.). 

Sprachstatistik, die, Anwendung auf 
Goethe 292 (Bibl.). 

Tod, bis zu Goethes 291 (Bibl.). 

Trulle, die, und Mundartliches bei 
Goethe 292 (Bibl ). 

Uebersetzungen 299 (Bibl.). 

Urtheil über die wichtigsten Tages- 
fragen des 20. Jahrh. Goethes 
306 (Bibl.). 

Verurtheilte Goethe, der 292 (Bibl.). 

Weimar, ein Wort über 308 (Bibl.). 

Weimar, Anna Amalia, Groß- 
herzogin von 312 (Bibl.). 

Weimar, Karl August, Großherzog 
von, und Pougens 303 (Bibl.). 



— in einer Sitzung der Pariser 

Akademie 303 (Bibl.). 
Weimarer Ausgabe, 130. Bericht 

der Redakteure und Herausgeber 

273—288. 
Weine, Goethes Stellung zum 306 

(Bibl.). 
Weisheit Goethes 306 (Bibl.). 
Weltbibel, Plan einer 306 (Bibl.). 
Weltlitteratur, Goethes Wirkung in 

der 302 (Bibl.). 
Wiener Goethe -Vereins, Chronik 

des 290. 
Zeichner, Goethe als 307 (Bibl.). 
Zitate Goethe- 292 (Bibl.). 
Zoologie, zu Goethes 243. 







ÜBER 

Goethes Verhältniss 

ZUR 

Schauspielkunst. 



Vox 



Alfred Freiherrn von Berger. 



Festvortrag 

GEHALTEN I\ DER I9. GENERALVERSAMMLUNG DER GoETHE-GeSELLSCHAFT 

IN Weimar am 28. Mai 1904. 




ÜBER Goethes VerhAltniss 
ZUR Schauspielkunst. 




as deutsche Theater, unter welchem Begriffe die 
dichterischen wie die darstellerischen Potenzen, 
die auf der Bühne in Eine gemeinsame Schöpfung 
zusammenfließen, verstanden werden mögen, befindet sich 
heute in einem Zustand, der mannigfaltige Vergleichungs- 
punkte bietet mit jenem, den Goethe vorfand, als er im 
Bunde mit Schiller mit starker erziehender Künstlerhand 
in seine Entwickelung eingriff. 

Wir haben eine Periode durchlebt, in welcher mit ein- 
seitiger Leidenschaftlichkeit Natürlichkeit im_ Sinne von 
WirkHchkeitstreue als letztes Ziel der dramatischen Kunst 
verkündigt und angestrebt wurde, und beginnen nun zu 
empfinden, daß diese Art Kunst unser durch Theorien und 
Schlagworte auf die Dauer unbeirrbares seelisches Bedürfniß 
nicht mehr befriedigt. Eine Sehnsucht nach neuer, höherer 
Kunst wandelt durch die Geister, und da diese Sehnsucht 
vorläufig in neuen Schöpfungen ihre Befriedigung nicht 
findet, greift sie mit frisch erwachender Empfänglichkeit 
auf die Werke unserer Classiker zurück, welche noch vor 
Kurzem der übertreibenden Vorhut der modernen Bewegung 
als überlebt und abgethan gegolten hatten. Nicht aus 
unsicheren Muthmaßungen und Abschätzungen des geistigen 
Zustandes der Gegenwart folgere ich diese Thatsache, sondern 
aus den nüchternen Ziff'ern der Kassenrapporte. Classische 
Werke haben im ablaufenden Spieljahr an Anzahl der 
Wiederholungen und Höhe der Emnahmen die modernen 
Zugstücke eingeholt, und dieß dürfte nicht nur in dem 
in literarischen und theatralischen Dingen conservativen 

Goetue-Jahkbucu XXV. 22 



4* Festvortrag von Alfred Freiherrn von Berger. 

Hamburg, sondern in allen wichtigen Centren deutschen 
Geisteslebens so gewesen sein. 

Allenthalben aber zeigt sich die Erscheinung, daß das 
unter dem Einfluß der realistischen Schule herangewachsene, 
zur vollendeten Darstellung ihrer Schöpfungen erzogene 
Geschlecht von Schauspielern den Werken der Classiker 
darstellerisch nicht gewachsen ist. Gesteigerte, wohl gar 
rythmisch gegliederte dichterische Rede im höheren Sinne 
natürlich, wahr und eindringlich vorzutragen, diese Kunst 
ist den deutschen Schauspielern, von einigen Ausnahmen 
abgesehen, so ziemlich verloren gegangen; sowie überhaupt 
die mimischen Ausdruckszeichen, die zur Meisterschaft in 
der realistischen Menschendarstellung hinreichen, sich unzu- 
länglich erweisen, um die großen Gestalten Schillers, Goethes 
und Shakespeares lebendig zu machen. 

Diese Verlegenheit ist nichts Neues in der Geschichte 
des deutschen Theaters. Sie ist dem Wesen nach die 
nämUche, welche die Meister der alten, von Eckhoff", 
Schröder und Ackermann abstammenden Hamburger Schule 
den Aufgaben gegenüber empfanden, welche ihnen die 
Versdramen Schillers, vor allem Wallenstein, stellten; wobei 
es mir selbstverständlich ferne liegt, die »natürhche« Schau- 
spielkunst des ausgehenden achtzehnten Jahrhunderts, die 
ihre Modelle im deutschen Bürgerthum jener Tage suchte 
und fand, zu identifiziren mit der modernen realistischen 
Schauspielkunst des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts. 
Diese meinte die unverfälschte Menschennatur in andern 
Volksschichten zu entdecken, wie denn überhaupt der 
wechselnde Geist der Zeiten sich in nichts treff"ender selbst 
charakterisirt, als in dem, was er als ursprünglichen Natur- 
zustand empfindet. Das Zeitalter Rousseaus sah etwas ganz 
anderes als »Natur« an, als das Zeitalter Darwins. 

Die große Leistung Goethes in der Entwicklung des 
deutschen Theaters besteht darin, daß er eine deutsche 
Schauspielkunst zu schafften strebte, die zur wirksamen 
Verkörperung dramatischer Werke hohen Styls geeignet 
war, einer Schauspielkunst, durch welche der künstlerische 
und geistige Genalt eines »Wallenstein«, eines »Tasso« 
ebenso voll zu sinnlicher, szenischer und mimischer Er- 
scheinung kam, als dieß die von ihm vorgefundene deutsche 
Schauspielkunst für die Stücke Ifflands, Kotzebues und 
Schröders zu leisten vermochte. 

Da wir uns in ähnlichen künstlerischen Nöthen befinden, 
wie jene waren, die Goethe als Theaterleiter zu überwinden 
suchte, dürfte die genaue und vorurtheilslose Betrachtung, 
dessen, was Goethe erstrebte und erreichte, für uns im 
höchsten Grade anregend und fruchtbar sein. 



Über Gokthes Verhältniss zur Schauspielkunst. 5* 

Freilich fehlt uns, wie dieß in der Theatergeschichte 
nicht anders sein kann, die unmittelbare, sinnliche Anschauung 
von Aurtuhrungen im Weimarer Hoftheater, in denen Goethe 
seinem Ideal nahegekommen zu sein glaubte. Wir sind 
daher gezwungen, uns mit Berichten über solche Auf- 
führungen und mit Goethes schriftlichen Aeußerungen über 
Schauspielkunst zu begnügen. 

Um ganz zu begreifen und zu würdigen, was Goethe 
als Theaterleiter gewollt hat, um eine lebendige Anschauung 
der Schauspielkunst zu gewinnen, die er zu schaffen ver- 
suchte, darf man seine theatrahsche Thätigkeit nicht isolirt 
und abgesondert von seiner übrigen schöpferischen Geistes- 
thätigkeit betrachten wollen. 

Der Theaterleiter Goethe ist der nämliche Goethe, / 
wie der Dichter Goethe, wie der Naturforscher, wie der ' 
Mensch Goethe. Wenn ihn die Natur mit einem seinem 
dichterischem Genie ebenbürtigen schauspielerischen Talent 
begabt hätte und mit dem unwiderstehlichen Drange, es 
ausübend bis zum höchsten Grade des Könnens emporzu- 
entwickeln, so würden die Zeitgenossen rein geschaut und 
empfunden haben, was er eigentlich von der Schauspiel- 
kunst forderte. Das war nun nicht der Fall. Er war 
gezwungen, bei der Durchführung seiner Idee schauspiele- 
rischer Darstellung, statt sie persönlich so zu verwirk- 
lichen, w^ie seine Idee der Poesie, sich anderer Menschen 
zu bedienen, die er systematisch dazu erzog, daß sie in 
seinem Geist und Sinne spielten. Mögen wir seine päda- 
gogische, Geist übertragende Kraft und Wirksamkeit, sowie 
anderseits die Fähigkeit seiner Schüler, die Intentionen 
des Meisters zu erfassen und nachzuempfinden, noch so 
hoch einschätzen, so war doch der Weg vom schöpferischen 
Haupt zur thatsächUchen Gestaltung unterbrochen, und die 
Ausführung konnte von der Intention nur ein höchst un- 
vollkommenes Bild geben. Das eigentlich Goethesche, 
der unnachahmliche Zauber Goetheschen Wesens und 
Geistes, konnte so wenig darin sein, als er etwa in den 
poetischen Versuchen eines Eckermann anzutreffen ist, der 
sich anstrengte, im Goetheschen Geiste zu dichten. 

Daher bieten uns denn auch die Documente, die uns 
von Goethes Bemühungen, Schauspieler in seinem Sinne 
heranzubilden, Kunde geben, wie etwa die 18 12 verfaßten 
»Regeln für Schauspieler«, weniger eine Vorstellung des 
Goetheschen Ideals der Schauspielkunst, als sie uns die 
Vorschriften und Regeln aufbewahren, in die er seine 
künstlerische Intention umsetzen mußte, um sie überhaupt , 
erst mittheilbar und ihre Ausführung lehrbar und durch- ! 
setzbar zu machen. 

22* 



6* Festvortrag vo\ Alfred Freiherrn von Berger. 

Verstehen wird diese Intention nur, wer hinter die 
Veranstaltungen, mittelst welcher sie durchgesetzt werden 
soll, in das Centrum des Goetheschen Geistes dringt, dessen 
eigenartige Ausstrahlung sie genau so ist, wie Goethes 
Naturbetrachtung und Poesie. Dann erscheint sie frei von 
all' dem Pedantischen, Absonderlichen und Künstlichen, das 
dem von Goethe verfaßten kurzen Katechismus für Schau- 
spieler anhaftet. 

Von dem Grad des Talents und der Stärke der 
Individualität, welche die Schauspieler mitbrachten, an 
denen Goethe das Experiment künstlerischer Erziehung 
vornahm, kann man sich heute einen lebendigen Begriff 
nicht mehr machen. Aber es ist anzunehmen, daß unter 
ihnen allen eine mächtige schauspielerische Persönlichkeit 
welche die Fähigkeit besaß, die Goetheschen Anregungen 
und Anforderungen aufzunehmen und mit genialer Origi- 
nalität zu verarbeiten und völlig in die Sprache der Schau- 
spielkunst zu übersetzen, sich nicht befand. Eine solche 
Persönlichkeit hätte, als Goethe mit Schiller das Theater 
reformirte, der Dritte im Bunde sein müssen, um das Recht 
der Schauspielkunst gegenüber den Anforderungen des 
Dichters, des bildenden Künstlers und des Mannes von 
höchster ästhetischer Kultur, die Goethe vertrat, kräftig zur 
Geltung zu bringen. 



Mißverständniß und Ungerechtigkeit beherrscht oft 
genug die Darstellung und Beurtheilung der Goetheschen 
Theaterleitung in den theatergeschichtlichen Büchern und 
Abhandlungen, namentHch in jenen, die nicht von Literatur- 
gelehrten, sondern von Theater-Fachleuten herrühren. 

Immer wieder werden seine Grundsätze in einen ge- 
wissen Gegensatz zu den Prinzipien und Bestrebungen der 
Schröderscnen Schule gebracht, als ob er die Naturwahr- 
heit der schauspielerischen Darstellung durch pathetische 
Declamation und plastische Pose habe verdrängen und er- 
setzen wollen. 

Ist es schon an und für sich unglaublich, daß ein 
Geist wie Goethe, der der Natur näher stand als irgend 
ein anderer, in solche Abirrung von einem dem geringsten 
Kopf einleuchtenden und selbstverständlichen Grundgebot 
der Schauspielkunst gerathen sein sollte, so wird man diesem 
Vorwurf in den zahlreichen Stellen, in denen Goethe von 
seiner Auffassung der Schauspielkunst Rechenschaft giebt, 
gründUch und entschieden wiedersprochen finden. 

Daß es in allererster Reihe darauf ankomme, daß der 
Zuschauer durch die schauspielerische Darstellung den 



Über Goethes Verhältniss zur Schauspielkunst. 7 

Eindruck lebendigster Naturwahrheit empfange, »so daß 
er nicht eine Nachahmun«^, sondern die Sache selbst zu 
sehen glaube« (»Ueber Wahrheit und Wahrscheinlichkeit 
der Kunstwerke«), das stand Goethe so fest, als irgend 
einem seiner Widersacher. Sogar in den »Regeln für Schau- 
spieler« ist diese Forderung in dem von der Declamation 
handelnden § 20 aufs Bestimmteste ausgesprochen. »Hier« 
(nämlich in der Declamation) »muß ich meinen angebornen 
Charakter verlassen, mein Naturell verleugnen und mich ganz 
in die Lage und Stimmung desjenigen versetzen, dessen 
Rolle ich declamire. Die Worte, welche ich ausspreche, 
müssen mit Energie und dem lebendigsten Ausdruck her- 
vorgebracht werden, so daß ich jede leidenschaftliche Regung 
als wirklich gegenwärtig mit zu empfinden scheine.« 

Der leidenschaftUchste Verfechter der naturalistischen 
Richtung könnte nicht anders sprechen. Ja, Goethe unter- 
läßt auch nicht, den Schauspieler gerade vor jenen Fehlern 
nachdrücklich zu warnen, welche die Gegner der schau- 
spielerischen Pädagogik Goethes der von ihm abstammenden 
Schule vorzuwerfen pflegen, als ob sie Charakteristika der 
Weimarschen Schauspielkunst wären : das Singen, die 
Monotonie, den Predigerton. 

Goethe hatte als einen der vornehmsten Grundsätze 
seiner Theaterleitung ausgesprochen, »der Schauspieler 
müsse seine PersönUchkeit verleugnen und dergestalt umbil- 
den lernen, daß es von ihm abhänge, in gewissen Rollen 
seine Individualität unkennthch zu machen.« (»Weimarisches 
Hoftheater.«) 

Man wäre versucht, Goethe auf solche Aeußerungen 
hin für einen Naturalisten zu erklären, wenn er nicht so 
fortführe (a. a. O.): »In früherer Zeit stand dieser Maxime 
ein falsch verstandener Conversationston sowie ein un- 
richtiger Begriff von Natürlichkeit entgegen.« Man mag 
diesem Zusatz anmerken, daß Goethe an der »Natürlichkeit« 
wie sie sich von Hamburg aus über die deutschen Bühnen 
verbreitete, das auszusetzen hatte, daß sie den Hang der 
Schauspieler, an Stelle des von ihnen darzustellenden 
Charakters sich selbst zu spielen, ausschweifend begünstige, 
und hiedurch für sein Streben nach objektiver Naturwahrheit 
in der subjektiven Natürlichkeit, welche die individuelle 
Persönhchkeit des Schauspielers unverstellt zum Vorschein 
kommen lasse, ein Hinderniß schaffe. 

Es ist bekannt, daß Goethe in Iffland den Meister sah, 
der durch die That die Möglichkeit erwies, bei völliger 
Verleugnung der eigenen Persönlichkeit die volle Natür- 
lichkeit, wie sie ein Künstler zeigt, der nur sich selbst 
spielt, zu bewahren. 



8* Festvortrag von Alfred Freiherrn von Berger. 

Ein Künstler war in den Augen Goethes nur der 
Schauspieler, welcher dieß vermochte. 

In jener auf einem unrichtigen Begriff von Natürlichkeit 
beruhenden Schauspielkunst sah er nichts als Dilettantismus. 

In der Disposition zu der Abhandlung »Ueber den 
sogenannten Dilettantismus« führt er als Schaden, welchen 
der Dilettantismus in der Schauspielkunst anrichtet, an, daß 
er »die Idealität der Kunst zerstört, weil der Liebhaber, der 
sich nicht durch Aneignung der Kunstbegriffe und Traditionen 
erheben kann, alles durch eine pathologische Wirklichkeit 
erreichen muß.a 

Die classische Stelle über diesen gewichtigen, an 
Anwendungen auf Vergangenheit und Gegenwart frucht- 
baren Gegenstand hat Goethe nicht in eigener Person aus- 
gesprochen, sonden im fünften Kapitel des achten Buches 
von »Wilhelm Meisters Lehrjahre« Jarno in den Mund 
gelegt, ohne daß wir jedoch bezweifeln dürfen, daß Jarno 
Goethes eigene Ueberzeugung verkündigt: 

»Bei mir ist es doch so rein entschieden: daß, wer 
sich nur selbst spielen kann, kein Schauspieler ist. Wer 
sich nicht dem Sinn und der Gestalt nach in viele Gestalten 
verwandeln kann, verdient nicht diesen Namen. So haben 
Sie (Wilhelm Meister) zum Beispiel den Hamlet und einige 
andere Rollen recht gut gespielt, bei denen Ihr Charakter, 
Ihre Gestalt und die Stimmung des Augenbhcks Ihnen zu 
gute kamen. Das wäre nun für ein Liebhabertheater und 
für einen jeden gut genug, der keinen andern Weg vor 
sich sähe. Man soll sich vor einem Talent hüten, das man 
in Vollkommenheit auszuüben nicht Hoffnung hat. Man 
mag es darin so w^eit bringen, als man will, so wird man 
doch immer zuletzt, wenn uns einmal das Verdienst des 
Meisters klar wird, den Verlust von Zeit und Kräften, die 
man auf eine solche Pfuscherei gewendet hat, schmerzlich 
bedauern.« 

Es ist nicht schwierig, aus gewissen Erscheinungen 
der Gegenwart die vollinhaltUche Bestätigung dieser in den 
Kern der Frage eindringenden Aeußerungen Goethes zu 
ersehen. 

In der That sind die »realistischen« Schauspieler, 
welche in der nunmehr ablaufenden Epoche des deutschen 
Theaters wie Pilze zahlreich aufgeschossen sind und sich 
dadurch wohlfeil den Ruhm der Meisterschaft erworben 
haben, daß sie Rollen in dramatischen Werken natürlich 
zu spielen vermochten, die eigens für diese Art Darstellung 
abgefaßt wurden, in ihrer Mehrheit nichts als »Dilettanten 
ohne Lampenfieber«, wie ein geistreicher Kritiker sie ge- 
nannt hat. 



Über Goethes Verhältniss zur Schauspielkunst. 9* 

Ihre Kunst versagt kläglich, sobald sie sich an Auf- 
gaben heranwagen, für welche die Fertigkeit, sich selbst 
zu spielen und etliche ihrer Individualität geläufige Afl'ekte 
täuschend zu simuliren, nicht ausreicht. 

Den dilettantischen Charakter dieser Art Schauspiel- 
kunst bringt ihr Haften an gewissen deutschen Mundarten 
grell ans Licht. Durch einige Jahre brauchte man nur ein 
bchlesier zu sein, um als großer Künstler zu gelten. 

In der starken Abneigung, welche Goethe gegen der- 
artigen Dilettantismus empfand, verräth sich nicht nur der 
Unwille des Meisters, der seine Unzulänglichkeit für höhere 
schauspielerische Aufgaben erkannte, sondern diese Ab- 
neigung entsprang ästhetischen und ethischen Empfin- 
dungen, die im innersten Heiligthum der Goetheschen 
PersönHchkeit ihren Ursprung hatten. 

Am Mächtigsten und Großartigsten offenbart sich diese 
echt Goethesche Gesinnung, in welcher wir die tiefste 
menschHche Wurzel all' der mannigfaltigen Antipathien 
und Vorurtheile, die sich im Verlauf der Geschichte gegen 
das Theater kundgegeben haben, erkennen mögen, in der 
Behandlung, welche dem Theater und der Schauspielkunst 
in der pädagogischen Provinz der Wanderjahre widerfährt. 

Goethe, der dem Theater so viel Kraft, Zeit, Leiden- 
schaft und Genie gewidmet hatte, verbannt es aus der päda- 
gogischen Provinz, wie Plato, der selbst ein halber Dichter 
war, die Dichter aus seinem idealen Staat verwies. 

Tief bedeutsam sind die Gründe, durch welche Wilhelms 
Führer diese Verbannung rechtfertigt. 

»Wer unter unsern Zöglingen sollte sich leicht ent- 
schließen, mit erlogener Heiterkeit oder geheucheltem 
Schmerz ein unwahres, dem Augenblick nicht angehöriges 
Gefühl in dem Maße zu erregen, um dadurch ein immer 
mißliches Gefallen abwechselnd hervorzubringen ? Solche 
Gaukeleien fanden wir durchaus gefährlich und konnten 
sie mit unserem ernsten Zweck nicht vereinen. Man sagt 
aber doch, versetzte Wilhelm, diese weit um sich greifende 
Kunst befördere die übrigen sämtlich. 

Keineswegs, erwiderte man, sie bedient sich der übrigen, 
aber verdirbt sie . . . Gewissenlos wird der Schauspieler, 
w-as ihm Kunst und Leben darbietet, zu seinen flüchtigen 
Zwecken verbrauchen und mit nicht geringem Gewinn; der 
Maler hingegen, der vom Theater auch wieder seinen Vor- 
theil ziehen möchte, wird sich immer im Nachtheil finden, 
und der Musikus im gleichen Falle sein. Die sämmtlichen 
Künste kommen mir vor wie Geschwister, deren die meisten 
zu guter Wirthschaft geneigt wären, eins aber, leicht gesinnt, 
Hab und Gut der ganzen Familie sich zuzueignen und zu 



10 Festvortrag von Alfred Freiherrx von Berger. 

verzehren Lust hätte. Das Theater ist in diesem Falle: 
es hat einen zweideutigen Ursprung, den es nie ganz, weder 
als Kunst noch als Handwerk, noch als Liebhaberei ver- 
leugnen kann. 

Wilhelm sah mit einem tiefen Seufzer vor sich nieder . . . 

Sein Begleiter jedoch . , . fuhr fort: Da es unser höchster 
und heiligster Grundsatz ist, keine Anlao^e, kein Talent zu 
mißleiten, so dürfen wir uns nicht verbergen, daß unter 
so großer Anzahl sich eine mimische Naturgabe auch wohl 
entschieden hervorthue; diese zeigt sich aber in unwider- 
stehlicher Lust des Nachäffens fremder Charaktere, Gestalten, 
Bewegung, Sprache. Dieß fördern wir zwar nicht, beobachten 
aber den Zögling genau, und bleibt er seiner Natur durchaus 
g[etreu, so haben wir uns mit großen Theatern aller Nationen 
in Verbindung gesetzt und senden einen bewährt Fähigen 
sogleich dorthin, damit er, wie die Ente auf dem Teiche, 
so auf den Brettern seinem künftigen Lebensgewackel und 
Geschnatter eiHgst entgegengeleitet werde. 

Wilhelm hörte dies . . . vielleicht mit einigem Verdruß. 

Mag doch der Redakteur dieser Bogen hier selbst 
gestehen: daß er mit einigem Unwillen diese wunderliche 
Stelle durchgehen läßt. Hat er nicht auch in vielfachem 
Sinn mehr Leben und Kräfte als billig dem Theater zuge- 
wendet? und könnte man ihn wohl überzeugen, daß dieß 
ein unverzeihlicher Irrthum, eine fruchtlose Bemühung 
gewesen ?« 

Trotz dieser Abschwächung läßt uns diese Stelle das 
bedenkliche Verhältniß empfinden, in welchem Goethe sich 
zur Schauspielkunst und ihrem »zweideutigen Ursprung«, 
also wohl im nachäffenden Simuliren, befand. Wir können 
aus ihr schließen, wie ablehnend Goethe sich gegen das 
moderne Bestreben verhalten haben würde, das Moment 
des mimischen Ausdrucks, also den Geist der Schauspielerei, 
vorlaut in die anderen Künste, insbesondere in die Musik, 
eindringen zu lassen. Er hätte darin wohl eine Bewähr 
der Thesis, daß das Theater die übrigen Künste verderbe, 
gesehen. 

In diesen Zusammenhang dürfen wir wohl auch die 
schneidenden Aeußerungen Serlos über die pathologische 
Darstellung der Orsina durch seine Schwester Aurelie 
bringen. »Sie wird noch ehestens ganz nackt auf das Theater 
treten, und dann wird der Beifall erst recht willkommen sein.« 

Verwundern wird sich über all diese Anzeichen, daß 
Goethe die Schauspielkunst als Kunst nicht recht für voll 
nehmen wollte, nur wer die Eigenart Goethes nicht recht 
erkannt hat. Sein hoher, über dem Leben und den Be- 
wegungen der eigenen Brust im Klaren thronender Geist 



Über Goethes Verhältniss zur Schauspielkunst. II* 

hielt sich alle Erscheinungen, mochten sie ihn noch so 
unmittelbar und nahe zu bedrängen suchen, erlebend und 
gestaltend in einer gewissen Ferne der Betrachtung, statt, 
wie der dem mimischen Hange Erliegende, sich ihnen 
widerstandslos hinzugegeben und sie, sich schier körperlich 
mit ihnen identifizirend, am eigenen Leibe zu reproduziren. 
In dieser fern haltenden Geberde liegt die eigenthümliche 
vornehme Größe des Goetheschen Geistes, der es zu danken 
ist, daß seine Poesie, wenn sie auch die heftigsten Leiden- 
schaften und Gemüthsbewegungen auf das Lebendigste dar- 
stellt, doch nie selbst in sie zu verfallen scheint, sondern 
sie als ein Objektives und Aeußeres beherrscht und gestaltet. 

Daher denn auch der unruhige und äffische Geist der 
Schauspielerei in ihren ursprünglichen Regungen ^ etwas 
seinem Wesen Fremdes, wo nicht Widerwärtiges ist, das 
er erst durch geistige Einwirkung so umbilden und ver- 
edeln muß, bis es seinem Sinn homogen wird und den 
Namen Kunst verdient. 

Solcher Gesinnung, meine ich, entsprang Goethes groß- 
artiger Versuch, im Bunde mit Schiller im Hoftheater von 
Weimar eine neue, höhere, gänzlich undilettantische, geist- 
durchdrungene Schauspielkunst zu schaffen. 

Oft wurde gegen ihn der Vorwurf wiederholt, daß er 
durch Dressur die Individualität zu Gunsten eines allen 
gemeinsamen und einheitlichen Styles zu unterdrücken ge- 
strebt habe. 

Daß der Schöpfer der Verse »Höchstes Gut der Erden- 
stunden ist doch die Persönlichkeit«, von dem die Welt 
den Werth der Persönhchkeit erst schätzen gelernt hat, 
die unermeßHche Bedeutung verkannt haben sollte, welche 
der Individualität in der Schauspielkunst, wie in jeder Kunst, 
von rechtswegen gebührt, ist von vorne herein unglaubhaft. 
Aber die Einsicht, daß das Wesen der Schauspielkunst im 
Verleugnen der eigenen Individualität und in der möglichst 
restlosen Verwandlung in den gespielten Charakter be- 
stehe, zwang ihn, seine Schauspieler zur künstlerischen 
Verleugnung ihrer Individualität systematisch zu erziehen. 
Er wußte, daß die echte Individualität sich nicht so sehr 
im Betonen und Hervordrängen der persönlichen Eigenart 
offenbart, als in dpm Letzten, Unanalysirbaren, was bei 
redlichstem Bemühen, das Individuelle ganz im dargestellten 
Objekt verschwinden zu lassen, unbewußt und ungewollt 
an Persönlichkeit übrig bleibt. Dieß allein ist »höchstes Gut 
der Erdenkinder«, im Leben, wie in der Kunst. Die zur 
Schau getragene, oberflächliche Individualität ist Geckerei. 

Goethes angebliches Unterdrücken der Persönlichkeiten 
war also nichts als der Kampf gegen die schauspielerische 



12* Fest VORTRAG vox Alfred Freiherrn von Berger. 



Neigung, sich selbst zu spielen, und die Anleitung zum ernst- 
lichen Bemühen, die Gestalt der Dichtung darzustellen, der 
Versuch, von der sich behaglich gehen lassenden subjektiven 
Natürlichkeit zur objektivern Naturtreue und gewissenhaften 
Verkörperung der Intention des Poeten zu gelangen. 

Der erste Schritt in diesem Umbildungsprozeß, dessen 
Ziel die Zurückdrängung der auffälligen Individualität des 
Schauspielers war, war naturgemäß das Bestreben, ihm das 
Sprechen eines mehr oder minder lokal und persönlich 
gefärbten, mit Einem Wort, seines individuellen Deutsch 
abzugewöhnen und ihm die reine deutsche Sprache an- 
zuerziehen, die, wie die platonische Idee den Einzeldingen, 
den mannigfaltigen deutschen Mundarten in ihrer sich ver- 
zweigenden Differenzirung, bis herab zu Stadt-, Familien- 
und Individualdialekten, zu Grunde liegt. Die Pflege einer 
absolut dialektfreien, sich bis in die Elemente des Wortes 
erstreckenden, jedem Laut das Seinige gebenden, sauberen 
und klangreichen Aussprache des Deutschen, auf die Goethe 
in Wort und Schrift zu dringen nicht müde wurde, ist das 
ästhetische Urphänomen der von ihm geschaffenen Schau- 
spielkunst. Aus dem Prinzip, das sich in dieser Pflege der 
rein-deutschen Sprachuridee, gegenüber den einzelnen pro- 
vinziellen und individuellen Sprachwirklichkeiten bethätigt, 
lassen sich alle charakteristischen Merkmale des Weimarer 
Styls ableiten. 

Goethes Zweck war, die klassische deutsche Sprache, 
die er. Lessing, Herder und Schiller durch ihre dichterischen 
Werke geschaffen hatten, zur Basis einer der klassischen 
deutschen Poesie homogenen, deutschen Schauspielkunst 
zu machen, eine deutsche Schauspielkunst auf dieser Basis 
zu erzeugen. 

Das Ungeheuere dieser Aufgabe dürfte am deutHchsten 
aus der Erwägung erhellen, daß ein großer Theil der natür- 
lichen Ausdruckszeichen, durch welche die Menschen ihre 
w^echselnden Gemüthsbewegungen sinnlich äußern, zur 
Muttersprache gehört, wie sie dieselbe, aufwachsend im 
Kreise ebenso Sprechender, von diesen erlernt haben. Aus 
dieser Umojangssprache entlehnt die naturalistische Schau- 
spielkunst diese Ausdruckszeichen und erwirbt sich die Fertig- 
keit, sie bei bloß imaginirten Anlässen, wie die Situationen 
eines Stückes sie ergeben, täuschend anzuwenden. 

Es ist offenbar, daß die nirgends gesprochene ideale 
deutsche Sprache eines solchen ihr gewissermaßen an- 
geborenen schauspielerischen Elements entbehrt. 

Goethes Endzweck war also, zur Sprache seiner Poesie 
die lebendigen Ausdruckszeichen hinzuzuerfinden, die sie 
keineswegs mit sich zur Welt gebracht hatte. 



Über Goethes Verhältniss zur Schauspielkunst. 13* 

Das Erste war das im akustischen Sinne vollinhaltliche 
Aussprechen der einzelnen Worte nach ihrem Lautgehalt, 
während die Worte der thatsächlich gesprochenen deutschen 
Idiome im Munde der Menschen mundartliche Umfärbungen 
und Verkürzungen ihres Lautgehaltes sich gefallen lassen 
müssen. 

Streng folgerichtig verbot Goethe seinen Schauspielern 
alles Mundartliche in der Aussprache des idealen Deutsch. 

Aber wie steht es mit den Cadenzen und Betonungen, 
welche als seelischer Ausdruck mit dem Körper der Sprache 
v-ermählt sind? Diese Ausdruckszeichen dem gesprochenen 
Deutsch der Wirklichkeit ohne Weiteres zu entlehnen, 
ging ebenso wenig an, als etwa das Parzenlied sächseln zu 
lassen. Es mußten eigene ausdrucksvolle hochdeutsche 
Tonfälle geschaffen werden. 

Goethes pädagogische Arbeit zielte dahin, einen solchen 
ideal-deutschen Sprachausdruck ins Leben zu zwingen. 
Was er hervorbrachte, war die der Weimarer Schule 
eigenthümliche Declamation. 

Aus den Berichten kann ich mir ein Urtheil über ihren 
künstlerischen Werth, über den Grad ihrer Ausdrucksfähig- 
keit nicht bilden. Doch scheint sie sich der gelassenen, 
verständigen, die Empfindungen maßvoll andeutenden Reci- 
tation mehr angenähert zu haben, als mit dem Bedürfniß 
echter schauspielerischer Ternparamente vereinbar war. 
Die genialen Schauspieler jener Epoche bekunden sämmtlich 
eine Abneigung gegen die Weimarische Declamationsweise. 
Daran trug gewiß theilweise Schuld, daß Goethe, den 
bekanntlich Humboldts Bericht über den Styl der classischen 
französchen Bühne zu seiner Reform der deutschen Schau- 
spielkunst angeregt hatte, nicht so sehr einen originalen 
deutschen Dechimationsstyl zu schaffen, als die französische 
Manier ins Deutsche zu übersetzen suchte. Auch war er, 
seinem künstlerischen Genius getreu, einer zum patholo- 
gischen Mitempfinden fortreißenden Ein- und Zudringlich- 
keit des mimischen Sprachausdruckes abhold, wodurch die 
ihm genügende Declamationsweise für ein Publikum, das 
stärkerer Reize bedurfte, etwas Kaltes bekam. 

Was Goethe wollte, das konnte kein Theaterleiter, 
kein bloßer Theaterpädagog, das konnten nur geniale 
schöpferische Schauspieler vollbringen: eine Declamation 
schaffen, die an ausdrucksvoller Kraft, den von der Natur 
selbstgeschaffenen Ausdruckszeichen nicht nachstehend, an 
Gewähltheit und Größe der dichterischen Sprache eben- 
bürtig war, die sie zu beseelen hatte. 

Wenn Tiecks Urtheil zu trauen ist, dürfte Fleck als 
Wallenstein dem Goetheschen Schauspielkunstideal nahe 



14^^ Festvortrag von Alfred Freiherrn von Berger. 

gekommen sein, näher, als die von Goethe und Schiller 
erzogenen Weimarer Künstler. Ist doch das Erfinden und 
Aeußern sprachlicher Ausdruckszeichen weit über die, gleich 
der Muttersprache, allen Menschen mehr oder minder ge- 
läufigen hinaus, die gleichvv^ohl unmittelbar verständUch 
und ergreifend bleiben müssen, die eigenste Sache des 
Schauspielergenies. Derartige höhere Ausdruckszeichen, 
für welche das Sprechen des Alltags keine zu copirende 
Vorbilder bietet, wie sie der naturalistische Darsteller des 
ihm geläufigen bürgerfichen Lebens allerorten in seinen 
Bekannten, wie in sich selbst antrifft, gehören ins Bereich 
dessen, was Goethe gelegentUch »Uebernatur« nannte, wo- 
hin nur das schöpferische Genie den Weg findet und andern 
die Straße bahnt. 

Um zum Verständniß des veredelten mimischen Ge- 
berdenspieles zu gelangen, welches Goethe an Stelle des 
dem Alltagsleben entnommenen zu setzen unternahm, wie 
die naturalistischen Schauspieler seiner Zeit es übten, so 
möge man bedenken, daß er eine Geberdensprache er- 
finden wollte, die sich zu der in den deutschen Stämmen 
eingebürgerten ungefähr so verhalten sollte, wie die edle 
Sprache Goethescher Poesie zu den gesprochenen deutschen 
Mundarten. Wenn der Ausdruck nicht zu kühn klingt: 
ein ideales, classisches Hochdeutsch der Geberdensprache. 

Auch hier, wie bei der Declamation, dürfte er es nur 
bis zu einigen Grundregeln der Grammatik dieser Sprache 

febracht haben. Sich ihrer so bedienen, daß sie an Fahlh- 
eit, Unsagbares zu künden, sich zur Höhe der Poesie 
Goethes oder Schillers erhob, das konnte nur ein großer 
Schauspieler, der dann wohl auch die Grammatik gleich 
mitgeschaffen hätte. Auch hier zeigt Goethes Streben sich 
beeinflußt durch die französischen Conventionen, wie durch 
die verwirrende Parallele mit den bildenden Künstlern, von 
der er sich niemals befreit hat. 

Wenn die realistische Periode des modernen Theaters 
Einen Gew^inn gebracht hat, so ist es die Erkenntniß, daß 
die Berücksichtigung des Publikums, für welches zweifellos 
gespielt wird, sich nicht darin zu bethätigen hat, daß die 
Schauspieler nicht zu- und miteinander, sondern zum Publi- 
kum zu spielen haben, daß sie diesem nicht einmal das Profil, 
geschweige den Rücken zeigen dürfen. Diese Vorurtheile 
entnahm Goethe dem französischen Theater, so w^ie ander- 
seits die Posen und Geberden, die er anordnete und empfahl, 
zum großen Theil nicht vom eigenthümfichen Geist der 
Schauspielkunst, sondern von Goethes classicistischem bild- 
nerischen Geschmack diktirt sein dürften. — Charakteristisch 
für Goethes Auffassung der Schauspielkunst ist, daß er ihr 



Über Goethes Verhältniss zur Schauspielkunst. 15* 

gegenüber der dramatischen Poesie die Rolle einer die 
Befehle der Gebieterin lediglich ausführenden Dienerin zu- 
theilte. Die Schauspieler waren ihm, wie es scheint, nicht 
viel mehr als die Schriftzeichen, durch welche der Dichter 
seine Gedanken allgemein lesbar dem Publikum mitlheilt. 
Sie erfüllten ihre Aufgaben, wenn sie deutlich und ge- 
schmackvoll waren. 

Es ist hier nicht meine Absicht, in die Streitfrage über 
das Verhältniß der Schauspielkunst zur dramatischen Poesie 
weitläufig einzugehen. Aber so sehr man auch darauf 
bestehen mag, daß der Schauspieler die Intentionen des 
Dichters möglichst genau zu ergründen und getreu zu ver- 
körpern trachte, so hüte man sich zu übersehen, daß die 
Schauspielkunst doch innerhalb gewisser, je nach dem Werth- 
verhältniß des schauspielerischen zum dichterischen Genius 
schwankenden Grenzen eine originalschöpferische Kunst 
ist, der zwar die Poesie Stoff und Gegenstand darreicht, 
welche aber das vom Poeten nur der Phantasie vorgezauberte 
Gebilde mittelst der eigenen Persönlichkeit, mittelst tönender 
Sprache und vollzogener Geberden neu zu schaffen hat. 

Jede Behandlung der Schauspielkunst, welche ihr die 
aus ihrem Geiste entspringenden Rechte verkürzt, ist un- 
richtig, wenn sie auch Dichtern, deren Ueberlegenheit über 
die Schauspieler, eine grenzenlose war, zu vergeben ist. 
Was das moderne Theater aus Goethes Versuch lernen 
kann, bedarf wohl kaum näherer Ausführung. Wie damals, 
müssen die Schauspieler heute eine dialektfreie edle Sprache 
sprechen lernen, wie damals müssen sie lernen, den Vers 
nicht als Hemmniß, sondern als Flügel der natürlichen 
und lebendigen Rede zu empfinden. Doch glaube ich 
kaum, daß das moderne Theater die von Goethe betre- 
tenen Wege wird gehen können, um zu einem modernen 
idealen Styl der Darstellung zu gelangen. Gerne würde 
ich die Mittel darlegen, durch welche dieses Ziel nach 
meiner Ansicht zu erreichen wäre, aber damit kommen 
wir auf einen Punkt, wo nur die künstlerische Leistung, 
nicht die Theorie, beweisende Kraft hat und das Wort des 
Goetheschen Faust gelten muß: 

Im Anfang war die That! 




Neunzehnter Jahresbericht 

DER 

Goethe-Gesellschaft. 



-^-^'^o^^^^i^^^g^: 





bweichend von der bisher beobachteten Gepflogen- 
heit fand die i8. Generalversammlung der Goethe- 
Gesellschaft nicht am Sonnabend nach Pfingsten, 
sondern vierzehn Tage früher, am 24. Mai in Weimar statt. 
Diese Verschiebung war nöthig geworden in Folge des 
Umstandes, daß die letzten Tage der Pfingstwoche für die 
FestHchkeiten aus Anlaß des Einzuges Sr. Königl. Hoheit 
des Großherzoges, unseres hohen Protektors, mit Seiner 
jungen Gemahlin in die Residenzstadt seines Landes frei- 
gehalten werden mußten. Da die Versammlung außerhalb 
der Zeit der Pfingstferien vorgesehen war, durfte eine starke 
Betheiligung der Mitglieder nicht erwartet werden; es war 
daher angemessen erschienen, der Versammlung einen rein 
geschäftlichen Charakter zu geben und von dem Festvortrag, 
den Freiherr Alfred von Berger gütigst übernommen hatte, 
abzusehen. Auf Ansuchen des Geschäftsführenden Aus- 
schusses erklärte Herr von Berger sich jedoch in liebens- 
würdiger Weise bereit, in der Versammlung für 1904 die 
Rede zu halten. 

Nachdem der Vorstand am Morgen des 24. Mai in 
dem Sitzungszimmer des Schillerhauses zur Erledigung der 
Geschäfte vereinigt gewesen war, fand um 12 Uhr die 
Eröff'nung der Generalversammlung in dem geschmückten 
Saal der »Erholung« durch den Präsidenten der Gesellschaft, 
Geh. Hofrath Dr. Ruland statt. Dieser ertheilte vor Ein- 
tritt in die Tagesordnung dem Kabinetsekretär Freiherrn Dr. 
von Egloffstein das Wort, der, von Sr. Königl. Hoheit dem 
Großherzog beauftragt war, der Versammlung beizuwohnen, 
und darüber Bericht zu erstatten, dem Vorstand und den 
Mitgliedern die Versicherung des herzlichen Wohlwollens 



Goethe-Jahrblch XXV. 



25 



— 4^ 4 ^— 

des hohen Protektors überbrachte. Auf Antrag des Vor- 
sitzenden beschloss die Versammlung, Sr. Königi. Hoheit 
telegraphisch ihren Dank auszusprechen. 

Des Weiteren gedachte der Vorsitzende mit Worten 
herzhcher Theilnahme und Anerkennung des heimge- 
gangenen Geh. Rathes Dr. von Biedermann (Dresden), 
2. Vicepräsidenten der Gesellschaft, und verband damit die 
Mittheilung, daß an dessen Stelle vom Vorstand zum 
2. Vicepräsidenten Professor Dr. E. Martin in Straßburg, 
in die erledigte Stelle eines Vorstandsmitgliedes derKabinets- 
chef Sr, Majestät des Königs von Württemberg, Freiherr 
vonGemmingen-Guttenberg, Vorsitzender des Schwäbischen 
Schillervereins, gewählt worden sei. 

Alsdann erstattete der Vorsitzende des Geschäfts- 
führenden Ausschusses, Geh, Hofrath von Bojanowski den 
Jahresbericht und im Anschluß daran berichteten die Herren 
Geh, Finanzrath Dr, Nebe über den Stand der Kassegeschäfte, 
Dr, Ruland über das Goethe-National-Museum, Dr. Suphan 
über Goethe-Schiller- Archiv und die Bibliothek der Goethe- 
Gesellschaft, Diese Berichte, die den Mitgliedern bereits 
im XXIV. Bande des Jahrbuches mitgetheilt sind, geben zu 
Bemerkungen keinen Anlaß, 

Als weiterer Punkt der Tagesordnung war die Wahl 
des Vorstandes vorgesehen, da die Amtsdauer desselben mit 
dem 31. December 1903 abhef. 

Auf Antrag aus der Versammlung erfolgte die Wieder- 
wahl des Vorstandes in seiner derzeitigen Zusammen- 
setzung, Der Vorsitzende gab darauf die Erklärung ab, 
daß der Vorstand der Versammlung für diesen Beweis des 
Vertrauens danke und bereit sei, die Geschäfte fortzuführen, 
sich jedoch im Hinblick auf den schwachen Besuch seitens 
der Mitgheder vorbehalte, diesen Vertrauensbeweis von der 
nächsten Generalversammlung bestätigen zu lassen, indem 
er ihr die Mandate zur Verfügung stellen werde. Nachdem 
noch Geh, Hofrath Dr, Suphan über eine Herderfeier, die 
am 18. December in Weimar Namens der Goethe-Gesell- 
schaft abzuhalten sei, gesprochen und ein dahin zielender 
Beschluß gutgeheißen worden, schloß der Vorsitzende die 
Versammlung mit Worten des Dankes. 



— ^ 5 ^— 

Ein Festmahl vereinte einheimische und auswärtige 
MitgUeder am Nachmittag. Abends fand zu Ehren der 
Gesellschaft eine treffliche Aufführung des Fidelio im 
Großh. Hoftheater statt. 

Die Abwickelung der Geschäfte der Gesellschaft giebt 
zu Bemerkungen keine Veranlassung; sie ward wie üblich 
durch den Geschäftsführenden Ausschuß vollzogen, der, 
soweit nicht bereits in der Sitzung des Vorstandes ge- 
faßte Beschlüsse vorlagen, auf dem Wege des Umlaufs die 
Entschließungen des Letzteren einholte. Gelegenheiten zu 
größeren außergewöhnhchen Erwerbungen, sei es für das 
Goethe- und Schiller-Archiv, sei es für das Goethe-National- 
Museum, waren nicht gegeben, doch konnte durch Ankauf 
von Briefen aus dem Besitz des Grafen von Voß-Giewitz 
eine willkommene Ergänzung der Bestände der ersteren 
Anstalt bewirkt und auch die Vermehrung der Bibliothek 
unserer Gesellschaft in geeigneter Weise gefördert werden. 

Der XXIV. Band des Jahrbuches ist bald nach der Jahres- 
versammlung zur Vertheilung gelangt. Leider war es nicht 
mögHch, den Band XVIII der Schriften noch im Laufe des 
Geschäftsjahres zur Versendung zu bringen. Der Heraus- 
geber, Professor Dr. Sauer, war durch Ueberhäufung mit 
Geschäften in seinem amtlichen Wirkungskreise verhindert, 
den zweiten Theil seines Werkes Goethe und Oesterreich 
rechtzeitig fertig zu stellen. Zahlreiche Anfragen aus dem 
Kreise der Mitglieder bezeugten, wie lebhaft die Verzögerung 
empfunden ward; im Laufe des Mai ist ihnen der Band 
zugegangen. Sie werden, wie wir nicht zw^eifeln, in der 
Befriedigung über den Inhalt sich für die Zeit des Wartens 
entschädigt fühlen. 

In besonderem Maße bedeutsam gestaltete sich der 
Schluß des Jahres 1903 für unsere Gesellschaft. Sie er- 
achtet als besondere Ehrenpflicht, in ihren festhchen Ver- 
anstaltungen und Veröffenthchungen nicht nur das Andenken 
Goethes zu ehren, sondern in würdiger Weise auch die 
Männer zu feiern, die neben und mit ihm mächtig das 
geistige Leben unseres Volkes gefördert haben. Die Fest- 
reden in unseren Jahresversammlungen^ unsere Veröffent- 
lichungen haben längst davon Zeugniß abgelegt. Dem- 

23* 



—4^ 6 +1— 

gemäß hatte der Vorstand beschlossen, durch eine Ge- 
dächtnißfeier am i8. December, dem hundertsten Todestage 
Herders, eine besondere Weihe zu geben. Mit Befriedigung 
dürfen wir darauf hinweisen, daß darin unsere Gesellschaft 
vielen aus der gleichen dankbaren Gesinnung hervor- 
gegangenen Bestrebungen begegnet ist : in zahlreichen Ver- 
anstaltungen innerhalb Deutschlands, in England und jenseits 
des Meeres, in den Vereinigten Staaten von Amerika, kam 
die hohe Würdigung der Bedeutung Herders für das 
geistige Leben nicht nur der Vergangenheit, sondern auch 
unserer Tage zu erfreuHchstem Ausdruck. Die Feier des 
i8. December in Weimar hatte, wie es die Verhältnisse 
bedingten, einen intimen Charakter, aber sie war gerade 
deshalb um so wirkungsvoller. Mit Rücksicht auf die Be- 
ziehungen Herders zur Weimarischen Landeskirche hatte, 
da an seinem Grabe in der Stadtkirche am i8. zu früher 
Abendstunde ein Gedächtniß-Gottesdienst stattfand, die 
Goethe-Gesellschaft ihre Feier auf den 19. Dec. angesetzt. 
Doch waren ihre Mitglieder auch zu der ergreifenden kirch- 
Hchen Feier geladen, in der Kirchenrath Dr. Spinner eine 
inhaltsreiche Gedächtnißrede hielt. Auch unsere Feier am 
19. Dec, Vormittags 12 Uhr, die durch Anwesenheit Ihrer 
Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin 
ausgezeichnet ward, nahm einen sehr würdigen Verlauf. 
Als Ehrengäste nahmen an derselben fast sämmtliche Nach- 
kommen Herders aus männlicher und weiblicher Linie theil. 
Frau Dr. Obrist-Jenicke eröffnete die FeierHchkeit mit dem 
Vortrag der herrlichen Stanzen auf Herder, die Goethe zum 
18. December 18 18 gedichtet hatte. Dann folgte der Gesang 
von Herders »Verklärung« (nach Pope). Den Festvortrag 
hatte der berufenste von allen Header-Kennern, Geh. Hof- 
rath Dr. Suphan übernommen. Er sprach in schwungvollen 
Worten über den edlen Mann, »Verkünder vieles Guten«, 
feierte ihn als den Träger schönster Humanität, und zeigte, 
wie Herder, nach einer Pause anscheinender Verdunkelung, 
wieder machtvoll hervortrete und mehr und mehr werde, was 
er nach Goethes Wort längst sein soll »unser Herder«. Eine 
werthvoUe Bestätigung fanden die geistvollen, mit lebhaftem 
Beifall aufgenommenen Worte in zwei Mittheilungen, die 



— ^ 7 *^— 

der Präsident unserer Gesellschaft gleich zu Beginn der 
Handlung kundgeben konnte. Die eine betraf eine Stiftung 
des Professors Dr. Walter Simon in Königsberg i, P. im 
Betrage von M. 15,000, die darauf gerichtet ist, im Groß- 
herzogthum Sachsen Arbeit im Ideenkreise Herders da- 
durch zu fördern, daß geistig und sittlich tüchtigen, von 
Herderschem Geist erfüllten Geistlichen und Lehrern — mit 
Bevorzugung von Volksschullehrern — Stipendien zur Fort- 
bildung, insbesondere auf den Gebieten der Pädagogik oder 
der inneren Mission, gewährt werden. Die zweite meldete, 
daß sich auf Anregung und unter Mitwirkung des Königl. 
Pr. Kultusministeriums in Berlin ein Comite gebildet habe, 
zur Errichtung einer Herderstiftung, die den Zweck ver- 
folgt, im Anschluß an das Goethe- und Schiller-Archiv 
Arbeiten und Unternehmungen zu Ehren und im Geiste 
Herders zu fördern. Es ist das eine ebenso wichtige wie 
freudig zu begrüßende Angliederung an das große Arbeitsfeld 
unserer Gesellschaft. Man hat sie zutreffend mit dem Ge- 
wänne einer neuen Provinz verglichen. Denn wenn auch 
selbstverständlich die Förderung der Herder-Forschung von 
vornherein unter den Aufgaben der Goethe-Gesellschaft 
einen hervorragenden Platz einnahm, in wie ganz anderer 
intensiver und beschleunigter Weise wird ihre Lösung in 
Angriff genommen werden können, w^enn so geeignete 
Kräfte und Mittel zur Verfügung und gewissermaßen unter 
unsern Schutz gestellt werden. Unsere MitgUeder werden 
sicher das Gefühl theilen, aus dem heraus Seitens des Vor- 
sitzenden dem Königl. Pr. Kultusminister Dr. Studt für 
diese Mittheilung telegraphisch gedankt ward und es will- 
kommen heißen, wenn auch unsere Gesellschaft aus ihren 
Mitteln zur Förderung jenes Unternehmens, das so eng mit 
unsern Zwecken verwachsen ist, beiträgt. Den Schluß der 
Feier bildete ein von A. Scholl 1850 gedichteter, von Liszt 
komponirter Hymnus auf Herder, der unter des Königl. 
Hof kapellmeisters a. D. Dr. Obrist Leitung ausgeführt ward. 
Nach einem gemeinschaftlichen Essen in der Erholung fand 
eine sehr wirksam durchgeführte Herder-Feier im Großh. 
Hoftheater statt, deren ersten Theil der Vortrag Herderscher 
Dichtungen in Kompositionen von Reichardt bis Brahms 



— &f 8 -»4 — 

bildete. Zum Schluß ward Herders Prometheus mit den 
Chören von Liszt aufgeführt. Auch an dieser Stelle sei 
allen, die bei der Herder-Feier mitgewirkt, verbindlichster 
Dank gesagt. 

Noch an zwei andern Feiern hat im Laufe des Be- 
richtsjahres unsere Gesellschaft sich betheiligt, nicht ein- 
ladend und veranstaltend, sondern als Gast. Alle ächte 
Kunst wurzelt im Heimathsboden des einzelnen Volkes, 
aber sie erwächst zu einem Baume, der seine Zweige breitet 
über die Menschheit: ihre großen Träger gehören nicht 
mehr einer Nation, sondern allen Kulturvölkern an. Und 
wenn es eine deutsche Huldigung zumal für Shakespeare 
gilt, so konnte die Goethe-Gesellschaft nicht in der Reihe 
der Huldigenden fehlen, eingedenk des Dankes, den Goethe 
selbst dem großen Briten zollt dafür, daß »ich geworden, 
was ich bin«. Dem Comite für Errichtung eines Shake- 
speare-Denkmals in Deutschland sei deshalb gedankt für die 
Einladung des Vorstandes zur Enthüllungsfeier, die am 
23, April in Weimar stattgefunden hat. Ebenso dem Comite 
für die Errichtung des Goethe-Denkmals in Straßburg, das 
am I. Mai enthüllt worden ist. 

Wir lassen nunmehr die Berichte über die finanzielle 
Lage der Gesellschaft (A), über die Bibliothek der Goethe- 
Gesellschaft und das Goethe-Schiller-Archiv (B), über das 
Goethe-Nationalmuseum (C) folgen. 

A. 

Die Jahresrechming weist an laufenden Einnahmen mit 
Einschluß der M. 3544.49 betragenden Gewährschaft aus 
dem Jahre 1902 die Summe von M. 36,194.27 nach. Die 
Ausgaben betrugen M. 30,810.47, so daß am Schlüsse des 
Jahres 1903 ein Vorrath von M. 5383.80 verblieb. Man 
hat diesen Vorrath nicht kapitalisirt, sondern in neue Rech- 
nung übertragen, da im laufenden Jahre die Kosten für 
Band XVIII der Schriften : Goethe und Oesterreich, Theil II, 
mit zu bestreiten sind, welche bereits im Voranschlage für 
1903 vorgesehen waren, wegen des späten Erscheinens der 
Schrift aber erst im Jahre 1904 zur Verausgabung gelangen 
können. Das Kapitalvermögen der Gesellschaft beziffert 



— ^ 9 *i — 

sich seinem Nennwerthe nach auf M. 90,205.65. (Der 
Kurswerth berechnete sich am 31. December 1903 auf 
M. 88,708.29.) 

Bei Einziehung der Beiträge und Vertheilung der 
Schriften unterstützten uns wiederum bereitwilligst die 
Herren : 

Hofbuchhändler Th. Ackermann, München, 
Buchhändler Dr. G. Fischer, Jena, 
Buchhändler Lucas Gräfe, Hamburg, 
Commerzienrath Paul Kurtz, Stuttgart, 
Buchhändler Ernst Lemcke, New -York, 
Hofbuchhändler G. Liebermann, Karlsruhe, 
Rentier Ferdinand Meyer, Berlin, 
Buchhändler Dr. Max Niemeyer, Halle a. S., 
Bankier Bernhard Rosenthal, Wien, 
Bankier Paul Strasburger, Wiesbaden, 
A. Strauss-CoUin, London, 
Buchhändler E. Wohlfarth, Breslau, 
Buchhändler von Zahn & Jaensch, Dresden, sowie 
die Leipziger Buchbinderei-Aktien-Gesellschaft, 

Leipzig und 
die Literarische Anstalt, Rütten & Loening, 
Frankfurt a. M. 
Wir sprechen ihnen für ihre freundliche Mühewaltung 
unsern verbindlichen Dank aus. Die Mitglieder der Gesell- 
schaft aber in den oben aufgeführten Städten ersuchen wir, 
ihre Beiträge bis zum i. März zur Einziehung durch die 
genannten Stellen bereit zu halten. 

Gleichzeitig bemerken wir, daß alle Zahlungen der 
Mitglieder (Jahresbeiträge u. s. w.), soweit sie nicht durch 
obengenannte Herren, bezw. Firmen eingezogen werden, 
zu leisten sind an die: 

Privatbank t^u Gotha, Filiale Weimar, in Weimar. 
Neue Anmeldungen, Nachrichten über Adressen-Aende- 
rungen und sonstige geschäftliche Mittheilungen jeder Art 
sind nur an den Geschäftsführenden Ausschuß der Goethe- 
Gesellschaft in Weimar, Schillerhaus, zu richten. Bei Nach- 
richten über Veränderung des Wohnorts ist zugleich die 
bisherige Adresse anzugeben. 



-•£>» 10 ^ 



B. 



Die Bibliothek der Goethe-Gesellschaft hat im letzten 
Jahre nicht einen so reichHchen Zuwachs zu verzeichnen, 
wie im vorhergehenden Berichtsjahr, wo sie durch den Ankauf 
der Redlichschen Sammlung von Musen-Almanachen und 
durch die Erwerbung eines beträchthchen Theiles von Julius 
Grosses nachgelassenen Büchern eine wesentliche und kost- 
bare Erweiterung erfuhr. Bei den Neuerwerbungen sind 
wäe bisher auch die Zeitgenossen Goethes, sowie nahe- 
stehende Schriftsteller der folgenden Generation berück- 
sichtigt worden. Gönner und Freunde, hauptsächHch Mit- 
glieder der Gesellschaft, haben auch im letzten Jahre zur 
Vermehrung des Bücherschatzes durch werthvoUe Schenk- 
ungen beigetragen, wofür ihnen an dieser Stelle namens 
des Vorstandes herzlich Dank gesagt wird: Frau v. Benczur 
(Budapest), Geh. Hofrath P. von Bojanowski (Weimar), Frl. 
E. von Bojanowski (Weimar), A. Bonnier (Stockholm), 
Archivrath E. von Destouches (München), Prof Dr. V. Ehren- 
berg (Göttingen), W. von der Elbe (London), Prof Dr. E. 
Elster (Marburg i.H.), Prof Dr. W.Fielitz (Breslau), R. Fried- 
länder (Oppeln), Dr. L. Fränkel (München), Oberbibliothekar 
Dr. K. Th. Gaedertz (Greifswald), J. Gamber (Paris), Prof. 
Dr. L. Geiger (Berlin), Justizrath Dr. Gensei (Leipzig), Dr. H. 
Heidenheimer (Mainz), Prof Dr. K. Heinemann (Leipzig), 
Prof. Dr. H. Henkel (Wernigerode), Th. Heyse (St. Peters- 
burg), Dr. St. Kekule von Stradonitz (Groß-Lichterfelde), 
G. Klemm (Berlin), Prof Klötzer (Zittau), Prof. Dr. F. Kluge 
(Freiburg i. B.), Stadtbibhothek in Köln, Frl. Gh. Krackow 
(Weimar), W.Laue(Berhn), Frau Lisco (Berlin), Literarische 
Anstalt (Frankfurt a. M.), Prof. Dr. B. Litzmann (Bonn), Prof. 
Dr. H. Meurer (Weimar f), L. Morell (Zürich), R. Neumann 
(Berlin), P. A. Norstedt & Söners (Stockholm), Prof Dr. 
E. Oswald (London), Prof Dr. A. Ott (Weimar), Frau 
Dr. H. Overlach (Ludwigslust i. Mecklb.), Dr. W. Paszkowski 
(Berlin), Geh. Hofrath Dr. C. Ruland (Weimar), Dr. F. 
Sandvoß (Weimar), Prof. Dr. A. Sauer (Prag), Redacteur 
Schmid (Luzern), Dr. F. Schnürer (Klosterneuburg), Dr. 
K. Schüddekopf (Weimar), Prof W. H. van der Smissen 



— •&* II ^ — 

(Toronto), Prof. Dr. R. Steig (Friedenau), Geh. Hofrath 
Prof. Dr. B. Suphan (Weimar), O. Teich (Cuxhaven), E. 
F. Thienemann (Gotha), Prof. Dr. J. Trötscher (Eger), O. 
Ulrich (Hannover), A. Warda (Schippenbeil), A. Weigel 
(Leipzig), E. Wrangel (Malmö). 

Nach der Gepflogenheit aller bisherigen Berichtsjahre 
schließen sich hier an die Mittheilungen über das mit der 
Goethe-Gesellschaft aufs engste befreundete Goethe- und 
Schiller-Archiv. Die Neigung der Gesellschaft bewährte 
sich im verflossenen Jahre besonders dadurch, daß sie eine 
stattliche Zahl werthvoller Handschriften ankaufte und dem 
Archiv als Deposita übergab. Vor allem ist zu erwähnen 
eine Sammlung von Briefen, die theils an Frau von Berg, 
geb. Gräfin Häseler, theils an deren Tochter und Schwieger- 
sohn Gräfin und Graf Voß gerichtet sind, und 7Avar 40 
Briefe von Herder und CaroHne Herder, ferner Briefe von 
Carl August, Maria Paulowna, Johannes von Müller, Frau 
von Stael, Fichte, Adam Müller, Jean Paul Fr. Richter, 
F. A. Wolf, A. W. Schlegel, Friedrich de la Motte-Fouque, 
Iffland, Nicolovius, Lavater, Niebuhr, Ludwig Tieck, 
Matthisson, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Schleier- 
macher und anderen; außerdem 12 Faszikel Briefe von 
Carl Gustav von Brinckmann an Frau von Berg. Es wurden 
gleichfalls im Archiv deponirt zw^ei handschriftUche Bände 
mit Schriften von Charlotte von Kalb, die der Gesellschaft 
durch ein Legat von Friedrich Freiherrn von Marschalk 
von Ostheim zugefallen sind. Außerdem haben auch in 
diesem Jahre Freunde und Gönner zur Vermehrung der 
Handschriftenschätze beigetragen; ihnen allen ist, im Namen 
Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Wilhelm Ernst, 
des hohen Eigenthümers und Protektors der Anstalt, der 
Dank für ihren werkthätigen Antheil ausgesprochen worden. 
Ihre Durchlaucht die Frau Prinzeß Heinrich VIL von Reuß 
spendete einen Brief von Charlotte von Schiller an Fr. Aug. 
Koethe; Herr Director Dr. Ludwig Bellermann in Berlin 
einen Brief Goethes vom 18. November 1818 (wahrschein- 
lich an den Sohn und die Schwiegertochter gerichtet); 
Herr Leonard L. Mackall aus Baltimore die photographische 
Reproduction eines Briefes von Goethe an J. F. Reichardt 



— ^ 12 -»^ — 

vom 5. Februar 1801; Herr Graf York von Wartenburg in 
Klein -üels zwei Handzeichnungen Goethes in photo- 
graphischer Nachbildung; Herr Prof. Dr. Baunack in Leipzig 
die photographische Nachbildung eines Briefes von Goethe 
an Göschen (22. Juni 1789) und eines Briefes von Schiller 
an Göschen (5. September 1790); Herr Geh. Legationsrath 
Raschdau in Berlin einen Brief Herders an den Oberbergrath 
August von Einsiedel. Frau Gabriele Sältzer geb. Falk in 
Weimar überwies Handschriften (Tagebücher, Papiere auf 
das Falksche Institut bezüglich u. s. w.) und Bücher aus 
Johannes Falks Nachlaß; Herr Ludwig Delbrück in BerHn 
einen Brief von OttiUe von Goethe an Theodor Mundt. 
Herr Geheimer Finanzrath Dr. Felix Lewald in Berlin fügte 
den im Jahre 1900 von ihm geschenkten 47 Briefen des 
Großherzogs Carl Alexander von Sachsen an Fanny Lewald 
noch 88 weitere Briefe hinzu. Fräulein Gisberte FreiHg- 
rath in Heidelberg ergänzte die im Jahre 1900 gestiftete 
Correspondenz Freiligraths mit seiner Familie durch die 
Schenkung von 46 nachträglich gefundenen Briefen ihres 
Bruders an Mutter und Schwestern; ebenso Frau Czernuschek 
geb. Pichler in Innsbruck die im Jahre 1900 als Vermächt- 
niß ihres Vaters dem Archiv überantworteten Briefe und 
Aufzeichnungen aus dem Nachlaß Adolf Pichlers durch 
Schenkung von Briefen von und an ihn aus seinen letzten 
Lebensjahren. 

Die kostbarste Spende, die das Archiv im letzten Jahre 
erhalten hat, wurde nicht der Handschriften-, sondern der 
Büchersammlung des Archivs zu theil. Herr Alexander 
Meyer Cohn, der die Anstalt seit ihrem Bestehen mit 
regstem Antheil gefördert und ihr fast alljährlich Hand- 
schriften und Drucke überwiesen hat, bewies seine Theil- 
nahme in diesem Jahre durch eine werthvoUe Schenkung 
von Büchern: 127 Bände, Erzeugnisse der deutschen Literatur 
aus der Zeit von 1750 bis 1880 in ersten Drucken. Be- 
sonders reich vertreten sind Lessing, Klopstock, Gleim, 
Herder, Wieland, Schiller, von neueren Hebbel. Es sind 
auserlesene Exemplare, meist unbeschnitten, prächtig ge- 
bunden, und somit ihrem Werthe wie ihrem äußeren 
Gewände nach ganz gleich der ersten großen Bücher- 



— ^ 13 ^— 

Schenkung, die derselbe Archivfreund im Jahre 1885 der 
Anstalt gemacht hat. Einzelne dieser Bände haben noch 
einen besonderen Werth durch handschriftliche Widmungen 
(so z. B. Gleim an Zimmermann) oder durch Ex-libris, 
Außer dieser Bücherspende hat die Archivbibliothek noch 
eine ansehnliche Zahl von Zuwendungen erfahren, wofür 
der Dank an folgende Spender hiermit abgestattet wird: 

Ihre Königl. Hoheit die Frau Erbgroßherzogin-Wittwe 
von Sachsen, Königl. Preußische Akademie der Wissen- 
schaften (Berlin), Dr. Abel von Barabas (Koloszvar), 
Bibliographisches Institut (Leipzig), Frl. E. von Bojanowski 
(Weimar), Prof. Dr. Bonin (Worms), Verlagshandlung 
J. G. Cotta Nachfolger, Dr. W. Deetjen (Leipzig), Archivrath 
E. von Destouches (München), iMedizinalrath Dr. Fischer 
(Pforzheim), Prof. Dr. K. Fischer (Wiesbaden), Prof. Dr. 
K. Heinemann (Leipzig), Prof Dr. H. Henkel (Wernigerode), 
Frederick William Holls (New-York f), Schulrath Dr. F. 
Jonas (Berlin), Stadtrath von Karlsbad, Dr. R. Krauß 
(Stuttgart), Dr. A. Leffson (Berlin), Prof. Dr. H. Meurer 
(Weimar f), Dr. F. Müller (Demmin), Seminarlehrer K. 
Muthesius, Prof. W. H. van der Smissen (Toronto), 
Kirchenrath D. Spinner (Weimar), Prof. Dr. R. Steig 
(Friedenau), Geh. Hofrath Prof. Dr. B. Suphan (Weimar), 
Bergamtsrath Wappler (Freiberg i. Sachsen), Geh. Hofrath 
Dr. Weniger (Weimar), Prof. Dr. K. M. Werner (Lemberg), 
Generaldirection der Königl. Hoftheater in Dresden. 

Die Arbeiten des Archivs brachten es auch in diesem 
Jahre mit sich, daß mannigfach Beziehungen zu ausw^ärtigen 
Gelehrten und wissenschaftlichen Anstalten gepflogen wurden. 
Nicht nur daß Anfragen von auswärts in großer Anzahl 
erledigt wurden und daß die wissenschaftliche Benützung 
der Handschriftenschätze des Archivs auswärtigen Gelehrten 
in ausgiebigster Weise ermöglicht wurde; es mußte auch 
für unsere Arbeiten oft auswärtige Hülfe in Anspruch ge- 
nommen werden. Außerdem haben Freunde des Archivs 
und Verehrer des Dichters, dem die Thätigkeit der Anstalt 
gewidmet ist, auch freiwiUig demselben mancherlei Dienste 
geleistet, wofür ihnen herzlichster Dank hierdurch kund- 
gegeben wird. Aus einer größeren Anzahl seien besonders 



— ^ 14 ■»^— 

erwähnt : Herr von Neher in Stuttgart, Herr von Fritsch in 
Seerhausen, Herr Professor Dr. Bonin in Worms, Herr Geh. 
Hofrath Dr. Burkhardt und Herr Geh. Hofrath Dr. Ruland 
in Weimar, Herr Prof. Dr. Johannes Wahher in Jena, Herr 
Dr. Walter Wesselhöft in Cambridge U. S. A., Herr Payer 
von Thurn in Wien, Herr Dr. M. Morris in Berhn, die 
Redaction der Allgemeinen Zeitung in München, dieDirection 
der Königl. BibHothek in Berlin, die UniversitätsbibHothek in 
Jena; schHeßhch das Großherzoglich Sächsische Staats- 
ministerium, dem es zu danken ist, daß die Auswirkung 
der Acten von Goethes amtHcher Thätigkeit sich in steter 
Folge vollzieht, zunächst zu Gunsten der IV. Abtheilung 
der großen Goethe-Ausgabe. 

Wie im vorigen Jahre einzelne Erinnerungstage durch 
Sonderausstellungen ausgezeichnet worden sind (Herders 
Geburtstag und Klopstocks hundertjähriger Todestag), so 
haben auch in diesem Jahre zwei Säcularerinnerungen 
derartige Ausstellungen veranlaßt. Herders hundertster 
Todestag — der 18. December 1903 — wurde durch eine 
solche Ausstellung gefeiert, zu der außer den Beständen 
des Archivs auch die Königl. Bibliothek zu Berlin aus ihren 
reichen Herder-Schätzen einen namhaften Beitrag lieferte. 
Daneben haben die Nachkommen Herders, insbesondere die 
Familie Stichling in Weimar, durch Darleihung sowohl von 
Handschriften wie auch von Oelbildern und Zeichnungen 
(Portraits Herders aus verschiedenen Lebenszeiten, Por- 
traits von Caroline von Herder und von der Gräfin Maria 
von Bückeburg) den Glanz und die allgemeine Bedeutung 
der Ausstellung erhöht. Auch die Wiederkehr des Tages, 
an dem vor hundert Jahren Schillers Wilhelm Teil zum 
ersten Mal in Weimar aufgeführt wurde (17. März 1804) 
konnte durch eine Ausstellung von Handschriften (Vor- 
arbeiten zum Teil, Fragmente der Ausführung, Soufflir- 
buch der ersten Aufführung mit eigenhändigen Zusätzen 
des Dichters, kleinere Stücke der Handschrift u. s. w.) be- 
zeichnet werden. 



— ^ IS ^— 
C. 

Das Goethe-National- Mus cum blickt auf das Jahr 1903 
als auf ein außergewöhnlich erregtes zurück. Mitte Juli 
erschien in der Weimarischen Zeitung ein Artikel, der die 
Niederlegung der den Hausgarten von dem Geräusch und 
der Unruhe der Straße abschließenden Mauer forderte. 
Entgegnungen folgten sofort, die wiederum Dupliken nach 
sich zogen, — bald griff die Zeitungs-Fehde über die Grenzen 
Weimars hinaus, und es gab fast kein deutsches Blatt, das 
nicht sich über die angeregte Frage ausgesprochen hätte, 
alle fast ohne Ausnahme, /«r die Erhaltung der traulichen 
Abgeschlossenheit des Goethe-Gartens. Für die Direktion 
des Goethe-National-Museums lag keine Veranlassung vor, 
in die Controverse einzutreten, wußte doch jeder Ein- 
sichtige, daß ihre oberste Pflicht die intakte Erhaltung des 
Goetheschen Erbes war und ist. Eine Aenderung der Sach- 
lage trat aber ein, als die Verfasser der ersten Artikel ihren 
Vorschlag in der Form einer Petition an das Großherzogl. 
Staats-Ministerium in Weimar cirkuliren ließen, und für 
dieselbe 135 Unterschriften zu gewinnen wußten. Sie 
baten darin: »S. K. H. der Großherzog möge die Prüfung 
der Frage anordnen: 

ob die theilweise Niederlegung der Mauer um den Goethe- 
garten aus Rücksicht auf dessen dauernde Erhaltung, und 
auf den Wunsch der Bevölkerung, sich an dem tägUchen 
Anblick dieses Gartens zu erfreuen thunlich sei? 
Sodann: 
ob es sich empfehle das alte Thorhaus an der Ecke des 
Wielandplatzes, welches mit dem Goethegarten nichts 
zu thun hat, ihm aber Enge, Dumpfheit und Feuersgefahr 
bringt, abzureißen, zumal da es außer allen diesen Nach- 
theilen, auch den wachsenden Verkehr in gefährhcher 
Weise beengt?« 

Am I. November übersendete das Großherzogl. Staats- 
ministerium die Petition dem Kuratorium des Goethe- 
National-Museums und forderte ein schrifthch zu erstatten- 
des Gutachten, auf Grund dessen die ganze Angelegenheit 
dem Großherzog zur Entscheidung zu unterbreiten wäre. 



— ^ 1 6 ^ — 

Da der Inhalt der Petition sehr bald in weiteren Kreisen 
bekannt geworden war, erfolgten von den verschiedensten 
Seiten energische Gegenerklärungen: von Berlin lief bei 
dem Kuratorium ein Protest ein, der die Unterschriften 
der hervorragendsten Vertreter von Wissenschaft, Kunst 
und Literatur trug. Aehnliche folgten aus Leipzig, Bremen, 
Holstein u. s. w. In Weimar selbst beschäftigte sich eine 
auf den 19. November einberufene Versammlung mit der 
ganzen Frage auf Grund dreier erschöpfenden Referate und 
beschloß ebenfalls einen Protest bei dem Kuratorium ein- 
zureichen. Noch ehe dieser eingegangen war, trat letzteres 
am 25. November zur Berathung zusammen und beschloß 
einstimmig nachfolgendes Gutachten dem Großherzogl. 
Staatsministerium zu unterbreiten: 

Auf den hohen Beschluß vom i. ds. Mts. geben wir 
unser Gutachten in folgendem ab : 

Von allen Stätten aus Weimars klassischer Zeit ist 
keine so vollständig in ihrer Eigenart erhalten geblieben, 
als das Goethe-Haus mit seinem Garten. Goethes Enkel 
hatten es mit ängstlicher, ja peinHcher Sorgfalt gehütet, 
und als im Jahre 1885 das Goethe-National-Museum 
errichtet wurde, war man äußerst gewissenhaft darauf 
bedacht, das durch die Zeit Beschädigte genau wieder 
so herzustellen, wie es zu Goethes Zeit gewesen, und 
die reichen Sammlungen in den einzelnen Räumen so zu 
vertheilen, daß das Bild der Goetheschen Wohnstätte 
thunhchst erhalten blieb. 

An den Hausgarten wurde nur insoweit die Hand 
gelegt, als es nöthig war, um der Verwilderung vorzu- 
beugen. Seine Anlagen, selbst die Gemüsebeete, ließ 
man unberührt. 

Gerade in dem Erhaltensein des Ursprünglichen und 
Echten liegt die Bedeutung wie die Anziehungskraft des 
Goethe-National-Museums, und in vollem Maße hat sich 
der Zweck der Errichtung erreichen lassen. Diesen Zweck 
kennzeichnet § i des landesherrlichen Stiftungsbriefes 
vom 8. August 1885 wie folgt: 



— ^ 17 >4— 

»Das unter Unserer besonderen Fürsorge und Obhut 
stehende Goethe-National-Museum ist eine staatHche, 
der öffentHchen Benutzung gewidmete Anstalt, welche 
den Zweck verfolgt, das Goethe-Haus nehst dessen Zti- 
behörungen in einer dem Andenken Goethes würdigen 
pietätvollen Weise zu erhalten, die Goetheschen Samm- 
lungen sowie andere von Goethe herrührende oder zu 
ihm und seinem Wirken in Beziehung stehende Gegen- 
stände zu bewahren und der Goethe-Forschung, wie 
der Verehrung für den Dichter eitie fördernde und 
weihevolle Stätte dar:(ubieten.v 

Diese Bestimmung entspricht durchaus den Ansichten 
und Absichten des Freiherrn Walther von Goethe, der in 
seinem Testamente vom 24. September 1883 für 

»das Wohnhaus (eigentliche Goethe-Haus) nebst Garten 
Nr. 1219 des Fundbuchs am Goethe-Platz« gerade um 
deswillen »das Großherzogthum Sachsen (den Staat)« 
zu seinem Rechtsnachfolger berufen hat, damit das 
Goethe-Haus nebst Zubehörungen pietätvoll erhalten 
bleibe. Das Testament stellt den Besitz, um dieser 
pietätvollen Erhaltung die sicherste Gewähr zu theil 
werden zu lassen, »unter die direkte Oberaufsicht 
Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs« und legt 
»alle bezüglichen speziellen Bestimmungen und Anord- 
nungen in Höchstdesselben fürsorgende Hand«. Weiter 
aber heißt es in dem Testament: »Zum Instandhalten der 
. . . Baulichkeiten, ingleichen des Hausgartens u. s. w. 
bestimme ich die Summe von dreißigtausend Mark.« 
Etwaige Aenderungen an Goethes Wohnstätte hat 
der Mann für vollständig ausgeschlossen gehalten, dessen 
ganzes Sinnen und Denken nur auf dauernde Erhaltung 
seines großen Erbes gerichtet war. 

Aus dem Angeführten erhellt, daß die gänzliche oder 
theilweise Niederlegung der Mauer von Goethes Haus- 
garten direkt gegen das Testament des Enkels von Goethe 
und gegen den Stiftungsbrief für das Goethe-National- 
Museum verstoßen würde; sie würde aber auch gegen 
Goethes Meinung sein, was vielfache Aeußerungen von 



— «^ i8 ^— 

ihm darüber, wie bedeutsam und werthvoU die stille, 
klösterliche und beschränkte Beschaffenheit des Gartens 
sei, deutlich erkennen lassen. An diese Eigenart zu rühren, 
entspräche nicht der Pflicht pietätvoller Erhaltung und 
würde die »weihevolle Stätte« zerstören, die der Stiftungs- 
brief darbieten will. 

Uebrigens sei hier noch besonders betont, daß die 
Mauer als Schutz des Hausgartens wie der hinteren 
Gebäude des Goethe-National-Museums von wesentUcher 
Bedeutung ist. 

Demgegenüber müssen alle sonstigen Rücksichten 
und Wünsche zurücktreten. Man kann sie aber um so 
mehr unbeachtet lassen, als sie sachHch ohne Bedeutung 
sind. Der Hausgarten ist nicht eng und dumpf. »Mehr 
Licht« braucht er nicht. Die in diesem Jahre vorge- 
nommenen umfassenden gärtnerischen Arbeiten, welche 
indessen an dem früheren Bilde des Gartens nichts ver- 
ändert haben, gewährleisten das Gedeihen des Gartens. 
Der angebliche Wunsch der Bevölkerung, von außen 
Einbhck in den Garten zu gewinnen, hat sich bisher nie 
kundgegeben. Der Garten ist auch an sich wenig sehens- 
werth; er ist nur dann von tieferWirkung, wenn er abge- 
schlossen bleibt, wie jetzt, und wenn er von denen betrachtet 
wird, über die bei dem Besuche des Goethe-Hauses die 
rechte Weihe gekommen ist. Daß die hohe und dichte 
Herlitzenwand an der Südseite des Gartens den EinbUck 
in diesen auch nach Niederlegung der Mauer behindern 
würde, ist von den Gesuchstellern nicht beachtet worden. 

Wie aber das frühere Chausseehaus, das bei Lebzeiten 
Goethes — schon vor 1822 — gebaut worden ist, eine 
»Feuersgefahr für den Goethe-Garten« herbeiführen soll, 
ist nicht abzusehen. Ueberdies gehört auch dieses kleine 
Haus zum Gesammtbilde des Goethe-Besitzes und es ist 
nicht zu unterschätzen, daß es einem allzeit hilfsbereiten 
Aufseher des Goethe-National-Museums zur Wohnung 
dient. Würde man es abbrechen, so müßte an seiner 
Stelle eine hohe Futtermauer errichtet werden, da der 
Hausgarten bedeutend höher liegt, und diese würde die 
Straßenansicht nicht verschönern. 



—^ 19 *^— 

Daß der westliche Theil der Ackerwand, wenn er 
auch nur eine geringe Breite hat, für den unbedeutenden 
Wagenverkehr zu eng sei, ist nicht nachgewiesen. Man 
möge dort langsam fahren, wie es an sehr vielen weit 
verkehrsreicheren Stellen in der Innern Stadt geschehen 
muß. Soll aber die Straße durchaus verbreitert werden, 
so mögen die südHchen Häuser weichen, welche über 
die Fluchtlinie der Ackerwand vorspringen. Kostspielig 
würde diese Verbreiterung allerdings sein, aber die Kosten 
würden gar nicht in Betracht kommen gegenüber einer 
Zerstörung des Goetheschen Hausgartens, gegen die 
Verwahrungen von den verschiedensten berufenen Seiten 
in größter Zahl bereits jetzt eingelegt worden sind. 

Von diesen Verwahrungen beehren wir uns zunächst 
die aus Berlin, Leipzig und Weimar beizulegen. 

Fassen wir das Wesentliche nochmals kurz zusammen : 

Nach dem Testamente weiland des Freiherrn Walther 
von Goethe vom 24. September 1883 und dem landes- 
herrhchen Stiftungsbriefe für dasGoethe-National-Museum 
vom 8. August 1885 ist es unstatthaft, die Umfriedigung 
des Gartens am Goethe-Hause in der beantragten Weise 
neu zu gestalten. Wäre dies aber auch nicht der Fall, 
so würden doch die tiefe Pietät gegen Goethe und die 
Rücksicht, welche Weimar dessen Verehrern in allen 
Landen schuldet, einen störenden, durch keinen stich- 
haltigen Grund gerechtfertigten Eingriff in Goethes Wohn- 
stätte verbieten, die der großen Goethe-Gemeinde ein 
Vermächtniß weihevollster Erinnerung ist und bleiben soll. 

Das Kuratorium des Goethe-National-Museums 
empfiehlt nach alledem dringend, die Petition vom 29. 
V. Mts. unbeachtet zu lassen und damit eine Bewegung 
zu beseitigen, die zu Ungunsten Weimars leider schon 
zu weite Kreise gezogen und die Goethe-Verehrer in 
Deutschland wie im Ausland mit Recht heftig erregt hat. 

Dr. C. Ridand. Dr. Hermann Oelschläger. 

Dr. W. Vidpius. Dr. Karl Kuhn. 



Goethe-Jahrevch XXV. 24 



— •&♦■ 20 *ir — 

Es erfolgte daraufhin nachstehender Erlaß des Mini- 
steriums an die Unterzeichner der Petition: 
Großherzoglich S. Staatsministerium, 

Departement des Kultus. 

Weimar, den 26. November 1903. 

Den Unterzeichnern des Gesuchs vom 29. Oktober 
d, J., betreffend den Goetheschen Hausgarten, geben 
wir folgendes bekannt: 

Das Gesuch ist, wie erbeten. Seiner Königlichen 
Hoheit dem Großherzog unterbreitet worden, Höchst- 
dieselben haben es jedoch als Protektor des Goethe- 
Nationalmuseums abgelehnt, irgendwelche Maßnahmen 
zu genehmigen, die der ernst und gern geübten Pflicht 
Weimars zuwiderlaufen, Goethes Haus und Garten in 
ihrer weihevollen Eigenart zu erhalten. 

Mit Rücksicht auf diese Höchste Entschließung 
und entsprechend einem vom Kuratorium des Goethe- 
Nationalmuseums am 25. November d. J. erstatteten 
Gutachten ist dem Gesuche vom 29. Oktober d. J. 
keine weitere Folge zu geben. 

gez. Rothe. 
An 

Herrn Hofbäckermeister H. Türk u. Gen. 
zu Weimar. 
Mit dieser Entschließung S. K. H. des Großherzogs 
hatte die ganze Bewegung ihr Ende gefunden; das eine 
Gute hat sie gehabt, daß bei dieser Gelegenheit die weitesten 
Kreise im deutschen Vaterlande wie im Ausland sich un- 
zweideutig dahin ausgesprochen haben, daß das Goethe- 
National-Museum zu dem geistigen Besitze der Gebildeten 
aller Nationen gehört, und daß es ungestört und unver- 
ändert zu bewahren und zukünftigen Geschlechtern zu über- 
liefern ist. ^ ^ 

* 

Die gewohnten Arbeiten, um Theile der Goetheschen 
Sammlungen näher zu bestimmen und kritisch zu ver- 
zeichnen, oder um Forschern das von ihnen verlangte 
Material zugänglich zu machen, haben im vergangenen 
Jahre ihren stetigen Fortgang genommen. Namentlich in 



— ^ 21 ^4» — 

letzterer Beziehung hat das Museum sich wiederholt recht 
nützhch erweisen können. Von den Plaketten des 15. und 
16. Jahrhunderts, von den MajoHken und Krügen wurden 
neue Verzeichnisse aufgestellt, von anderen die alten nach- 
geprüft und berichtigt, wenn es möglich war, unter dankens- 
werthem Beirathe von Spezialsachverständigen, wie Dr. 
Froehner in Paris u, a. ; der Catalog der Bibliothek wurde 
gefördert. 

Ein in der Nähe des Goethehauses ausgebrochenes 
Schadenfeuer gab Veranlassung sich von der Brauchbar- 
keit der vorhandenen Löschvorkehrungen zu überzeugen, 
aber auch sie, soweit nur immer möglich, zu vervoll- 
ständigen. Die von der vorgesetzten Behörde angeordneten 
Erwägungen haben manche werthvolle Fingerzeige gegeben. 

Besondere Aufmerksamkeit wurde im Laufe des Jahres 
dem Hausgarten zugewendet: eine gründliche Entwässerung 
der Wege, Ableitung des Regenwassers, Erneuerung der 
Rasenflächen und alten Buchsbaumeinfassungen, Ersatz von 
allmählig absterbenden Zierpflanzen durch möglichst ähn- 
liche wurde angeordnet und unter Leitung von Herrn Hof- 
gärtner Sckell ausgeführt, wobei stets darauf Bedacht ge- 
nommen wurde, daß das Gesammtbild des Gartens keine 
Veränderung erlitt. 

Einige Gegenstände konnten im Laufe des Jahres aus 
den Mitteln des Museums für die Sammlungen erworben 
werden, z. B. eine interessante Federzeichnung Goethes im 
Geschmack Everdingens, die er 1785 gezeichnet und 1821 
dem Schauspieler Unzelmann verehrt hatte; sie war un- 
vermuthet in Schweden im Privatbesitz aufgetaucht. Ferner 
eine Anzahl Nummern zur Vermehrung der Sammlung von 
Portraitmedaillen : unter anderem ein in Lithographenstein 
geschnittener Kopf Goethes, aller Wahrscheinlichkeit nach 
von dem bekannten Stempelschneider H. F. Brandt, — das 
schöne Relief von R. Bosselt in Darmstadt: Frau Rath den 
Kindern Märchen erzählend, sowie die darnach gefertigte 
Plakette, — das Modell der von Kaufmann 1899 ^^r die 
Stadt Frankfurt gefertigten Goethe-Medaille, — die maure- 
rische Plakette auf den loojährigen Gedächtnißtag von 
Herders Tod, u. a. m. 

24* 



— 4* 22 ^— 

Von den den Sammlungen zugegangenen Geschenken 
verzeichnen wir nur die wichtigsten. Oben an steht da ein 
merkwürdiges, becherförmiges Glas, mit eingebrannter 
Malerei verziert, das aus dem Nachlasse des Malers Karl 
Eckermann von Herrn Rittergutsbesitzer Oscar Mummy in 
Hannover erworben worden war und im vorigen November 
an das Museum gesandt wurde, mit dem Bemerken, es sei 
ein Geschenk Goethes an den Vater Eckermann gewesen. 
Es bedurfte längerer Untersuchung bis die ganze Provenienz 
festgestellt war. Im Jahre 1810 war der Druck der Farben- 
lehre vollendet; auf der Rückreise von Böhmen besuchte 
Goethe in Freiberg den Ober-Berghauptmann von Trebra, 
seinen alten Freund, den »braven, wahren und treuen« 
Mann, — und muß bei ihm ein von dem Glasmaler Sigis- 
mund Mohn in Dresden mit Verzierungen in Schmelzfarben 
versehenes Glas gesehen haben. Noch in dem Gedanken- 
kreis der Farbenlehre lebend, erfreute sich Goethe an dem 
wechselnden Farbenspiel solcher Malerei in reflectirtem oder 
in durchscheinendem Licht. Trebra glaubte, einen kleinen 
Wunsch »seines Freundes glücklich errathen zu haben«, 
und bestellte ein ähnliches Glas bei Mohn; zum Schmuck 
bestimmte er seine und seiner Frau Silhouetten sov^'ie 
iMotive aus den Tafeln zu Goethes Farbenlehre. Am 
21. Januar 181 1 kam das Glas in Weimar an; bei welcher 
Gelegenheit es in Eckermanns Besitz überging, ist noch 
nicht ermittelt; treu hat er, wie sein Sohn Karl, es bewahrt, 
denn es liegt heute noch unversehrt in demselben »grünen 
Kästchen«, in das es Trebra am 11. Januar 1811 einpackte. 
Herr Mummy von dem Ergebniß der Nachforschungen 
und dem großen Interesse des Glases in Kenntniß gesetzt, 
beantwortete die Mittheilung mit der definitiven Ueber- 
weisung, die Sammlungen des Goethe-National-Museums 
um eine werthvoUe Reliquie bereichernd. — Für die Samm- 
lung der Medaillen stifteten die Herren W. Meyer und 
Fr. IVilhelm in Stuttgart zwei Exemplare der in ihrer Metall- 
waarenfabrik hergestellten Goethe-Medaille, »zur Erinnerung 
an Weimars klassische Zeit«. — Für die Portrait-Sammlung 
schenkte Herr Professor Lnjo Brentano in München eine 
Photographie eines Bildes seiner Großmutter Maximiliane 



— ^ 23 ^— 

Brentano; — Herr Arthur Seemann f:irbige Nachbildungen 
zweier Portraits von Goethe und Schiller, im Besitze von 
Prof. Vaihinger. In die Bibliothek stiftete Herr Dr. H. G. 
Graf die Fortsetzung seines Werkes: »Goethe über seine 
Dichtungen«; — Herr Prof. Heinemann die dritte Auflage 
seiner Goethebiographie; — die Literarische Anstalt (Ratten d- 
Loening) in Frankfurt a. M. den XXIV. Band des Goethe- 
Jahrbuchs; — Herr G. von Grävenit:;^ in Charlottenburg 
sein Buch: »Goethe unser Reisebegleiter in Italien«, u.a.m. 

Es ist eine angenehme Pflicht, den freundlichen Gebern 
auch an dieser Stelle im Namen des Goethe-National- 
Museums nochmals herzlich zu danken. 

Das Verzeichniß der Donatoren, die fürGoethe-National- 
iMuseum, Goethe- und Schiller-Archiv, Bibliothek der Gesell- 
schaft gespendet haben, ist sehr ansehnlich und bezeugt in 
erfreulichster Weise das selbstlose Interesse unserer Mit- 
glieder und der Freunde dieser Anstalten an denselben. Nicht 
ganz so erfreulich stellt sich das verflossene Jahr hinsichtlich 
der Bewegung in der Mitgliederzahl dar. Diese hat sich um 
18 gemindert, an sich bei einem Bestände von 2818 gewiß 
nicht erheblich, aber es darf nicht unbeachtet bleiben, daß 
die ältere Generation, die 1885 die Gesellschaft in das 
Leben rief, allmähhg zurücktritt. Um so nothwendiger, 
daß größte Rührigkeit in Bezug auf die Gewinnung neuer 
Mitglieder entwickelt wird. Ein Blick in das nach Orten 
geordnete Verzeichniß zeigt, wie weit zahlreiche große 
Städte, die im wirthschaftlichen Leben unseres Vaterlandes 
eine bedeutende Rolle spielen, in Bezug auf Betheiligung 
an dem geistigen Leben, in dessen Mittelpunkt noch für 
lange die Gestalt Goethes stehn wird, zurückgeblieben sind. 
Und wie gering ist die Zahl der Mitglieder aus den oberen 
Gesellschaftsschichten ! Möge in den nächsten Jahren 
erfolgreich geworben und die Goethe-Gesellschaft in den 
Stand gesetzt werden, in immer eindringenderer und um- 
fassenderer Weise ihren Aufgaben zu genügen. 

IVeimar, Mai 1904. 

Im Auftrage des Geschäftsführenden Ausschusses: 
P. V. BojanoiL'sh. 



—^ 24 ^— 

Mitglieder -Verzeichnis 

DER 

Goethe-Gesellschaft. 

(Abgeschlossen Mai 1904.) 

P r o t e c t o r: 

Seine Königliche Hoheit der Grossherzog Wilhelm Ernst 
von Sachsen. 



Vo r s t a n d: 

Präsident : 

Geh. Hofrat Dr. C Ruland, Director des Großh. Museums 
und des Goethe-National-Museums in Weimar. 



Vicepräsidenten : 

Professor Dr. Erich Schmidt in Berlin. 
Professor Dr. Ernst Martin in Straßburg i. E. 



Vorstandsmitglieder : 

Freiherr Alexander vonBernus auf Stift Neuburg b. Heidelberg. 
Geh. Hofrat P. von Bojanowski, Oberbibliothekar in Weimar. 
Geh. Staatsrat Dr. Eggeling, Curator der Universität in Jena. 
Wirkl. Geh. Rat Professor Dr. Kuno Fischer, Excellenz, 

in Heidelberg. 
Geh, Legationsrat Reichsfreiherr von Gemmingen-Guitenberg, 

Kabinetschef Sr. M. des Königs von Württemberg 

in Stuttgart. 
Dr. Paul Heyse in München. 
Wirkl. Geh. Rat Dr. Karl von Stremayr, Präsident des 

K. K. obersten Gerichtshofes a. D., Excellenz, in Wien. 
Geh. Hofrat Professor Dr. ß. Subhan, Director des Gocthe- 

und Schiller-Archivs in Weimar. 



— ^ 2j ^— 



Geschäftsführender Ausschuss 
in Weimar: 



Vorsitzender: Geh. Hofrat, Oberbibliothekar 

P. von Bojanowski. 
Stellvertreter: Geh. Hofrat, Archivdirector 

Dr. H. Burkhardt. 
Schriftführer: Geh. Finanzrat Dr. K. Nebe. 
Stellvertreter: Bürgermeister Dr. M. Donndorf. 



Kammerherr, Cabinetssecretär Dr. H. Reichsfreiherr 

von und ^w Egloffstein. 
Geh. Staatsrat Dr. K. Kuhn. 
Commerzienrat Dr. R. Morit:^. 
Geh. Hofrat Professor Dr. B. Suphan. 
Kammerherr, General-Intendant rl. v. Vignau, Major z. D. 
Ober-Schloßhauptmann Wirkl. Geh. Rat Graf O. v. Wedel, 
Excellenz. 







— •&♦ 26 ^ — 

Mitglieder: 
Seine K. u. K. Majestät Wilhelm IL, Deutscher Kaiser 

und König von Preussen. 
Ihre K. u. K. Majestät Augusta Victoria, Deutsche Kaiserin 

und Königin von Preussen. 
Seine K. u. K. Hoheit der Kronprinz des Deutschen 

Eeichs und von Preussen. 
Seine K. u. K. Apost. Majestät der Kaiser von Oester- 

reich, König von Ungarn. 
Seine Majestät der König von Schweden und Norwegen. 
Seine Majestät Wilhelm IL, König von Württemberg. 
Ihre Majestät die Königin Witwe Margherita von Italien. 
Ihre Majestät die Königin Marie von Neapel. 
Ihre Majestät die Königin Elisabeth von Kumänien. 
Ihre Kaiserliche Hoheit die Frau G-rossfurstin Elisabeth 

Mauriekiewna von Eussland. 
Seine Könighche Hoheit der Grossherzog von Baden. 
Ihre Königliche Hoheit die Frau Grossherzogin von Baden. 
Seine Könighche Hoheit der Grossherzog von Oldenburg. 
Seine Könighche Hoheit der Grossherzog von Sachsen. 
Ihre Könighche Hoheit die Frau Grossherzogin Oarohne 

von Sachsen. 
Ihre Könighche Hoheit die Frau Erbgrossherzogin- Witwe 

von Sachsen. 
Ihre Könighche Hoheit die Frau Herzogin Carl Theodor 

in Bayern. 
Ihre Könighche Hoheit die Frau Herzogin Amalie von Urach. 
Ihre Könighche Hoheit die Frau Prinzessin Ludwig 

Ferdinand von Bayern. 
Seine Könighche Hoheit Alexander Friedrich, Landgraf 

von Hessen. 



Ihre Königliche Hoheit die Frau Gräfin von Flandern. 

Seine Hoheit der Herzog von Sachsen-Altenburg. 

Ihre Kaiserlich Königliche Hoheit die Frau Herzogin 
Witwe Marie von Sachsen - Coburg und Gotha, 
Herzogin von Edinburg, Grossfürstin von Eussland. 

Seine Grossherzogliche Hoheit Prinz Max von Baden. 

Ihre Hoheit die Frau Herzogin Witwe Alexandrine von 
Sachsen-Ooburg und Gotha. 

Seine Durchlaucht Fürst Heinrich XIV. Reuss j. L. 

Seine Durchlaucht Fürst Heinrich XXIV. j. L. Reuss-Köstritz. 

Ihre Durchlaucht die Frau Fürstin Heinrich XXIV. j. L. 
Eeass-Köstritz. 

Seine Hoheit der Erbprinz von Sachsen-Meiningen. 

Seine Hoheit der Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg- 
Schwerin. 

Ihre Hoheit die Frau Herzogin Johann Albrecht von 
Mecklenburg-Schwerin. 

Seine Durchlaucht der Prinz Heinrich VII. Reuss. 

Ihre Hoheit die Frau Prinzessin Heinrich VII. Reuss. 

Ihre Hoheit die Frau Prinzessin Moritz von Sachsen- Altenburg. 

Ihre Hoheit die Frau Prinzessin Helene von Sachsen- Alten- 
burg, Herzogin von Mecklenburg-Strelitz. 

Ihre Hoheit Prinzessin Marie von Sachsen-Meiningen. 

Seine Hoheit Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen. 

Seine Hoheit Prinz Friedrich von Sachsen-Meiningen. 

Seine Durchlaucht Erbprinz Heinrich XXVII. Reuss j. L. 

Seine Hoheit Prinz Friedrich Carl von Hessen. 

Ihre Hoheit die Frau Fürstin zu Schaumburg-Lippe. 

Ihre Hoheit die Frau Erbprinzessin Leopold von Anhalt. 

Seine Hoheit der Herzog Ernst Günther zu Schleswig-Holstein. 

Ihre Durchlaucht die Frau Prinzessin Heinrich XIII. Reass. 



— »► 28 ^ 



Mitglieder auf Lebenszeit: 

Seine K. u. K. Hoheit der Kronprini des Deutschen Reichs 

und von Preußen. 
Seine K. u. K. Apostol. Majestät der Kaiser von est err eich , 

König von Ungarn. 
Seine Majestät Wilhelm IL, König von Württemberg. 
Ihre K. K. Hoheit die Frau Her:(ogin Witive Marie von Sachsen- 
Coburg und Gotha, Herzogin von Edinburg, Großfürstin 
von Rußland. 
Ihre K. Hoheit die Frau Großher:{ogin Caroline von Sachsen. 
Seine K. Hoheit Alexander Friedrich, Landgraf von Hessen. 
Basel : Thommen, Dr. phil. Rud., Professor. 

Berlin: von Dirhen, /^F., Geh. Legationsrat. 

Friedländer , Frau Professor. 
Liebermann, Dr. Felix, Professor. 
Maas, Heinrich, Fabrikbesitzer und 

Handelsrichter. 
Manheimer, Ferdinand, Commerzien- 

rat. 
Raschdau, Geh. Legationsrat. 
von Rheinbaben, Geh. Ober-Regie- 
rungsrat. 
Blankenburg a.Harz: Frau Kreisrichter M. Führung. 



Budapest : 


Frau Anna Jägermayer. 




Kornfeld, Sigmund, Director der 




Ungarischen Allgem. Creditbank. 


Bukarest: 


Sturd^a, Demetrius, Kgl. rumän. 




Staatsminister a. D., Excellenz. 


Coblenz : 


Frau Geh.Commerzienrat E. Spaeter. 


Dorpat : 


Masing, Dr. Woldemar, Docent a. d. 




Universität. 


Frankfurt a, M. : 


Keyl, Georg Albert. 


Godesberg bei Bonn: 


Frau Lucy Hoesch. 


Göttingen : 


Manheimer, Dr. Victor. 


Hannover: 


Heine, Faul. 




Schütze, Hermann. 



->♦ 29 •♦— 



Hildburghausen : 
Klein-Eichholz: 
München: 
Nieder-Ingelheim 
Nikolajew : 
Rathenow: 
Schlitz : 
Weimar : 

Wien: 



Zehlendorf: 



Paia von Pelrovics, Redacteur. 

Meyer, Lothar, Rittergutsbesitzer. 

Fräulein Marie von Ritter. 

Frau Baronin von Erlanger-Bernus. 

Reyher, Rudolf Wolfgang. 

Frau Clara Rhein. 

Gört:^ von Schlit:^^, Graf, Erlaucht. 

Frau Marie von Goeben. 

Vulpius, Dr. Walther, Arzt. 

Frau i^ö^ütt'owG^roW, geb. Henneberg. 

Ihre Durchlaucht Frau Fürstin M. ^« 

Hohenlohe - Schillingsfürst , geh. 

Prinzessin Wittgenstein. 
Laehr, Dr. Hans, Arzt. 




—4* 30 ♦^— 

Die Namen der Mitglieder auf Lebenszeit sind in der nach- 
stehenden Liste nochmals cursiv abgedruckt. 



DEUTSCH 

Aachen. 

ßrockhoff-Hoesch, Frau Paula. 

Hammacher, Frl. Ellen. 

Messow, Franz G. 

Stadtbibliothek. 

V. Wagner, Frau Geh. Rat Marie. 

Ächem i/Baden. 
Wagner, Gustav, Privatier. 

Agnetendorf 

im Riesengebirge. 
Hauptmann, Gerhart, Schriftsteller. 

Allenstein i/Ostpr. 
Crohn, Paul, Landrichter. 
Grass, Franz, Rechtsanwalt. 
Rhode, Justizrat. 
Schey, S., Rechtsanv.*alt. 
Szostakowski, Amtsgerichtsrat. 

Alsfeld (Oberhessen). 
Bücking, Frau Frieda. 

Altenburg 

(Sachsen- Altenburg). 
Friedrichs-Gymnasium, Herzogl. 
Höfer, Dr. Arno, Rechtsanwalt. 
Landesbibliothek, Herzogliche. 
Mehnert, Karl, Rechtsanwalt. 

Alt-Münsterol i/Elsass. 
Frankenstein, L., Kaufmann. 

Altona. 

Kahler, C., Pastor. 
Lehmann, O., Museums-Director. 
Rauchfuß,FrauWally, gb.Rauchfuß. 
Sieveking, Carl, Rechtsanwalt und 
Notar, Justizrat. 

Amtitz i/Lausitz (Kr. Guben). 
Heinrich, Prinz zu Carolath-Schön- 
aich, Durchlaucht, Freier Stan- 
desherr und Majoratsherr. 



ES REICH. 

Anklam (Vorpommern). 
Brodrück, Georg, Oberstleutnant. 

Annettenhöh b/Schleswig. 
v. Brockdorff, Frau Baronin. 

Apolda. 

Etlich, W., Buchhändler. 
Miltsch, Frau Commerzienrat Anna. 
Opel, Louis, Fabrikant, Commer- 
zienrat. 
Wiedemann, Johannes, Fabrikant. 

Arnsberg (Westf.). 
Baltz, Fräulein Johanna, Schrift- 
stellerin. 

Schloss Arnshaugk 

b/Neustadt a/Orla. 
V. Mohl, Ottmar, Kgl. Kammer- 
herr, Wirkl. Geh. Leg.-Rat, derz. 
in Cairo (Egypten). 

Arnstadt. 

Maempel, Major a. D. 

Ars a/Mosel (Lothringen). 
Carlebach, Dr. Ed., Notar. 

Aschersleben. 

Bamberger, Rechtsanwalt, Justizrat. 

Augsburg. 

Bauer, Ludwig, Justizrat. 
V. Enderlein, Friedrich, Oberlandes- 
gerichtspräsident. 
Flesch, Gustav, Bankier. 
Herzfelder, J., Justizrat. 
Schuster, Alfred, cand. ehem. 
Stadtbibliothek, 

Baden-Baden. 

Steinitzer, Paul, K. K. österr. 

Major a. D. 
V. Ysselstein, Paul, Reg.-Rat z. D. 



Bamberg. 

Reber, Dr. Jos., Kgl. Seminar- 
Director. 

Barby a/lElbe. 
Thierbach, Otto. 

Barmen. 

Hinsberg, Dr. jur. A., Rechtsanwalt. 
Liedtke, Dr. Heinrich, Oberlehrer. 
Nordhaus, Hermann, Kaufmann. 
Stadtbibliothek. 

Bautzen. 

Fritzsche, Georg, Gymnasial-Ober- 
lehrer. 

Hucho, Dr. Heinrich, Landgerichts- 
Director. 

Klee, Dr. Gotthold, Professor, 
Gymnasial-Oberlehrer. 

zur Lippe, Graf Clemens, Regie- 
rungs-Assessor. 

Bayreuth (Bayern). 
Gvmnasialbibliothek. 
Wagner, Siegfried. 
Würzburger, Frau Jenny, Rechts- 
anwaltswitvve. 

Beilin b/Bärwalde (Neu-Mark). 
V. Kahle, Fraulein Julie. 

Bemerode b/Hannover. 
Schmidt, Frau Dr. Julian. 

Bensheim (Hessen). 
LugenbühJ, Frl. Helene, Rentnerin. 

Berlin. 

Alexander, Felix, Procurist. 

Andresen, W'aldemar. 

Arnheim, Fräulein Amalie. 

Ascher, Hugo. 

Aschkinass, Frau Elisabeth. 

Baerwald, S. 

Bamberg, Kaufmann. 

Bardt, Dr. C., Gvmnasialdirector. 

Barschall, Dr. M.,'Geli. Sanitatsrat. 

Baruch, Rieh., Kaufmann. 

Baumann, Dr., Oberlehrer. 

Becherer, Dr., Rechtsanwalt. 

Bechstein, Edwin, Pianoforte- 
Fabrikant. 

Becker, Carl, Beamter der Handels- 
gesellschaft. 



Berlin. 

V. Beckerath, A. 

Behrend, Adolf, Buchhändler. 

Behrendt, Severin, Rechtsanwalt. 

Bellermann, Dr. L., Director des 
Berlinischen Gymnasiums zum 
Grauen Kloster. 

V. Benckendorf und v. Hindenburg, 
Frau, geb. Gräfin zu Münster- 
Derneburg. 

Benjamin, Frau Therese, Rentnerin. 

Bereut, Fräulein Selma. 

Berg, Karl, Amtsgerichtsrat. 

V. Bergmann, Frau Geh. Rat. 

Bernhard, Arthur, Bankier. 

Bernhard, Ludwig. 

Bernstein, Frau Professor Dr. C. 

Bibliothek, Königliche. 

Bibliothek, Städtische der Goeritz- 
Lübeck-Stiftung (O. Goeritz). 

Bibliothek d. Kgl. Realgymnasiums. 

Bibliothek des Kgl. " Wilhelms- 
Gymnasiums. 

Bielschowsky, Frau Dr. Anna. 

Bieber, stud. phil. Hugo. 

Birnbaum, Georg, Schriftsteller. 

Birnbaum, Dr. med. Max, pract. Arzt. 

Block, Paul, Redacteur des Berliner 
Tageblatts. 

Blumenthal, Dr. Oskar, Director 
des Lessing-Theaters. 

Bock, Hugo, Commerzienrat. 

Bodländer, Rechtsanwalt. 

Borchardt, Dr. Oskar. 

Borchardt, Fräulein Helene. 

Boretius, Fräulein Charlotte. 

Brahm, Dr. Otto, Director des 
Deutschen Theaters. 

Brasch, Dr. Martin, Nervenarzt. 

Braumüller, Dr., Prof., Oberlehrer. 

Braun, Benno. 

Braun, Landgerichtspräsident. 

V. Braunschweig, Kaiserl. Ge- 
sandter z. D. 

Breiderhoff, Frau Dr. 

Breslauer, Bernhard, Justizrat. 

Broicher, Otto, Kammergerichtsrat. 

Buchholtz, Dr. Arend, Bibliothekar. 

Budde, Frau Geii. Staatsrat. 

V. Bülow, Gräfin, geb. Prinzess 
Camporeale, Exe. 

Bunsen, Fräulein Marianne. 

V. Bunsen, Fräulein Marie. 

Bürgner, Hedwig, gepr. Sprach- 
Jehrerin. 

Busse, Moritz, Kaufmann. 



'^ 32 ^- 



Berlin. 

Cahn, Carl. 

Cahn, Dr., Kaiserl. Geh. Legations- 
rat. 

Cahn, Frau Geh. Legationsrat. 

Caro, Dr. Georg. 

Carrenno, Frau Teresa, Künstlerin. 

Casper, Jacques. 

Cassirer, Dr. phil. Ernst. 

Cassirer, Fritz, Kapellmeister. 

Cassirer, Ludwig. 

Cohn, Albert, Buchhändler. 

Cohn, Alexander Meyer, Bankier. 

Cohn, Alfred, Bankier. 

Cohn, Frau Dr. Anna. 

Cohn, Dr. Heinrich, Rechtsanwalt. 

Cohn, Dr. jur. Martin, Referendar, 

Comenius-Gesellschaft. 

V. Cramm-Burgdorf, Freiherr, Her- 
zogl. Braunschweig. Gesandter, 
Exceilenz. 

Crome, Rechtsanwalt und Notar. 

V. Dallwitz, Frau W., geb. v. Gräfe. 

Darmstädter, Dr. Ludwig, Fabrik- 
besitzer. 

V. Decker, Frau. 

Delbrück, Ludwig, Bankier. 

Delbrück, Frau Geh. Commerzien- 
rat Luise. 

V. Dirksen, W., Geh. Legationsrat. 

Dohme, Frau Geh.-Rat. 

V. Donop, Dr. L., Professor. 

Douglas, Frau Gräfin. 

Douglas,Theob., Bergwerksbesitzer. 

Eger, W. 

Eggers, Fräulein Auguste. 

V. Eichhorn, Wirkl. Geh. Legations- 
rat. 

Eisner, Frau Gertrud. 

Elias, Dr. phil. Julius. 

Elias, Max, Rentier. 

EUinger, Dr. Georg, Oberlehrer. 

Eloesser, Dr. phil. Arthur. 

Eisner, Georg, Verlagsbuchhändler. 

Ende, H., Professor, Geh.-Rat. 

Engel, Fritz, Redacteur. 

Epstein, Dr. M., Gerichtsassessor. 

V. Erdberg, Dr. Robert. 

Euchel, Frau Justizrat Agnes. 

Fischer, Balduin, Kaufmann. 

Flatow, Max, Rechtsanwalt. 

Flinsch, Alexander, Kaufmann. 

Fraenkel, Max, Maurermeister. 

V. Frankenberg, Rittmeister im 
Garde-Kürassierregiment. 

Franzos, K. E., Schriftsteller. 



Berlin. 

Frenkel, H., Bankier. 

Frenzel, Dr. Karl, Professor, Re- 
dacteur der Nationalzeitung. 

Fresenius, Dr. August. 

Frey, Dr. Karl, Professor. 

Friedeberger, stud. phil. Hans. 

Friedländer, Frau Professor. 

Friedländer, Max, Amtsgerichtsrat. 

Friedländer, Dr. phil. Max, Privat- 
docent der Musikwissenschaft. 

Friedmann,Dr.Alfred,Schriftsteller. 

Fromberg, Frau Martha. 

Fuchs, Max, Justizrat. 

Geiger, Dr. Ludwig, Professor. 

Geiger, Frau Professor Martha. 

Gerb, Fräulein Franziska. 

Gernsheim, Friedr., Professor. 

Gerstäcker, Otto, Amtsgerichts- 
rat z. D. 

Gerstenberg, O., Generaldirector 
der »Victoria«. 

Geschke, Karl, Justizrat. 

V. Glasenapp, Geh. Ober-Finanzrat. 

Glaser, Dr. Adolph, Redacteur. 

Glaue, Arthur, Buchhändler. 

Gloeden,Lehrer an d.Sophienschule. 

V. Gneist, Dr., Regierungs-Rat. 

Goldbeck, Dr. Ernst, Gymnasial- 
Oberlehrer. 

Goldberg, Alfred, Kaufmann. 

Gottheiner, P., Stadt-Bauinspector. 

Gotthelf, Cand. phil. Friedrich. 

Gotthelf, M. 

Grisebach, Hans, Architect. 

Gubitz, Frau Maria, Buchh.- u. 
Schriftst.-Witwe. 

Günther, Franz, Hofgoldschmied. 

Güterbock, Eduard. 

V. Guldencrone, Frau Baronin. 

Guttmann, Albrecht, Kaufmann. 

Gwinner, Arthur, Director der 
Deutschen Bank. 

Haas, Otto, in Fa. Leo Liepmanns- 
sohn, Antiquariat. 

Hamburger, Dr. phil. Paul. 

Härder, Frau Agnes, Schriftstellerin. 

Härder, Frau Dr. Carola. 

Harnack, Frau Prof Dr. H., geb. 
V. Maydell. 

Hartleben, Otto Erich, Schriftsteller. 

Hartmann, Dr. jur. Adolf, Amts- 
gerichtsrat. 

Heinemann, Stud. jur. Franz. 

Heinitz, Frau Anna. 

Heintz, Frau Generaldirector Dr. G. 



— ^ 33 ^- 



Berlin. 

Henning, Theodor, Architect. 
Henschel, Referendar, Ernst. 
Herold, Hugo. 
Herrmann, Dr. phil. Max, Privat- 

docent an der Universität. 
Herz, Cand. phil. Max. 
Herzfeld, Dr. phil. Georg. 
Hesse, D., Rentier. 
Heydemann, Dr. phil. V. 
vonderHeydt,Carl,Commerzienrat. 
Hildebrandt, Dr. phil. Edmund. 
Hiller v.Gaertringen, FreiherrDr.F., 

Professor. 
Hoffmann, Dr.Ed.,Geh.Ober-Reg.- 

Rat. 
Hofmann, Rudolf, Verlagsbuch- 
händler. 
V. Hohenthal und Bergen, Graf, 

Kgl. Sachs. Gesandter, Exe. 
V. Holst, Mathias, Baumeister. 
Horsfall, Charles. 
Hübler, Dr. jur. Bernhard, Pro- 
fessor, Geh. Ober-Reg.-Rat. 
V. Hülsen, G., Generalintendant, 

Kammerherr, Excellenz. 
V. Hutten-Czapski, Graf, Mitglied 

des Herrenhauses. 
Jacobi, Leopold, Kaufmann und 

Stadtverordneter. 
Jacobs, Dr. phil. Montague. 
Jacoby, Dr. Daniel, Gvmnasial- 

Professor. 
Jacoby, Edmund, Kaufmann. 
Jahns, Frau Oberstleutnant Marie, 

geb. Tannhäuser. 
Jahns, Fräulein Hildegard. 
Jaffe, Frau Dr. Helene. 
Jahn, Dr. phil. Kurt. 
Ihne, Frau Geh. Rat. 
Ilberg, Frau Oberstabsarzt Dr. 
Imelmann, Dr. J., Professor am 

Joachimstharschen Gymnasium. 
Joachim, Prof. Dr. Joseph, Director 

der Kgl. Hochschule für Musik. 
Jonas,Dr.Fr.,Städt.Schul-Inspector. 
Jonas, Frau Justizrat Clara. 
Jutrosinski, Dr. Richard, Arzt. 
Kalischer, Dr. S., Professor. 
Kapp, Fräulein Ida. 
Karpeles, Dr. Gustav. 
Kastan, Dr. Albert. 
Kastan, Dr. Isidor, 
V. Kaufmann, Dr., Professor, Geh. 

Regierungs-Rat. 
Kaufmann, Carl, Fabrikbesitzer. 



Berlin. 

Kaufmann, Otto. 

Kekul^ v. Stradonitz, Dr. Reinhard, 

Professor, Geh. Reg.-Rat. 
Kerb, Robert, Fabrikbesitzer und 

Handelsrichter. 
Kette, Fräulein Marie. 
Klein, Adolf, Schauspieler, 
von dem Knesebeck, Kammerherr 

u.Vice-Oberceremonienmeister. 
Koch, Max, Rechtsanwalt. 
Koch, Rudolph, Director der 

Deutschen Bank. 
Koenigs, Fräulein Elise. 
Koffka, Dr. J., Justizrat. 
Kraft, Bernhard, Rechtsanwalt. 
Kraft, Dr. med. Ludwig. 
Kronenberg, Dr. M., Redacteur der 

»Ethischen Kultur«. 
Kronfeld, Dr., Rechtsanwalt. 
Kubier, Dr., Professor, Director 

des Wilhelm-Gymnasiums, 
v. Kühlewein, Regierungsrat. 
Landeker, Director. 
Lange, Director. 

Lassar, Dr. med. Oscar, Professor. 
Lautenburg, Sigmund, Director. 
Leffmann, Gustav, Kaufmann. 
Lehmann, Georg, Kaufmann. 
Lehmann, Gustav, Wirkl. Geh. 

Kriegsrat. 
Lehmann, Paul, Buchhändler. 
Leppmann, Cand. phil. Franz. 
v. Lerchenfeld-Köfering, Graf, Kgl. 

bayr. Gesandter, Exe. 
Leske, Dr., Geh. Justizrat. 
Lesse, Justizrat, Rechtsanwalt und 

Notar. 
Lesser, Paul Ph., Bankier. 
Lessing, Frau Alma, geb. Marschall 

v. Biberstein. 
Lessing, C. R., Geh. Justizrat. 
Lessing, Dr. phil. Oscar. 
Levin, Dr. Moritz, Prediger. 
Levinstein,Dr.phil.Kurt,Oberlehrer. 
Levy, Martin. 
Levy, Norbert, Kaufmann. 
Levyson, Frau Dr. Auguste. 
Lewald, Dr. Felix, Geheimer Ober- 
Finanzrat. 
Lewald, Theodor, Geheimer Ober- 
Regierungsrat. 
Lewy, Julius, Kaufmann. 
v. Leyden, Frau Geh. Rat. 
v. der Leyen, Dr., Wirkl. Geh. 

Ober-Regierungsrat. 



-h 34 ^— 



Berlin. 

Licht, Dr. jur., Assessor. 
Liebeniiann, Dr. Felix, Professor. 
Liebreich, Dr. O., Prof., Geh. 

Medicinalrat. 
Lindau, Dr. Paul. 
Lipman -Wulf, Dr. jur. Franz, 

Rechtsanwalt. 
V. Lipperheide, Freiherr Franz. 
Lippstreu, Dr. Otto, Privatdocent 

a. d.Königl.Techn. Hochschule. 
Lisco, Dr. Hermann, Geh. Justizrat. 
Lisco, Walter, Rechtsanwalt. 
Litten, Dr., Geh. Justizrat. 
Lobe, Frau Magda. 
Lochner, M., Geh. Baurat. 
Lüdicke, Max, Eisenbahn-Direc- 

tions-Präsident a. D. 
Maas, Heinrich, Fabrikbesitzer und 

Handelsrichter. 
Maass, Dr. Felix, Rechtsanwalt, 

Justizrat. 
Mackall, Leonard L. 
Magnus, Frau Geh. Reg.-Rat Bertha. 
Magnus, Frau Regierungsrat Nina. 
Magnus-Levy, Dr. med. Adolf. 
Malachowski, Frau Regier.-Bau- 

meister Rose. 
Manasse, Julius, Kaufmann. 
Manasse-Waldeck . 
Manlmmer, Ferdinand, Comweriien- 

rat. 
Martins, Frau Margarethe, geb. Veit. 
Marx, S. 
Matthiae, Dr. Otto, Professor, 

Oberlehrer. 
Mayer, Alfred, Privatier. 
Mayer, Fräulein Ellen. 
Mayer, Stud. jur. et cam. Karl. 
Meder, Louis, Kunsthändler. 
V. Meier, Dr. jur. Ernst, Geh. 

Ober-Reg.-Rat, L'niversitäts- 

Curator a. D. 
Meirowsky, Frau Ernestine, geb. 

Soutowsky. 
Mendelssohn-Bartholdy,FrauMarie. 
Menzer, Dr. phil. Paul. 
Meusel, Dr. H., Director des Köll- 

nischen Gymnasiums. 
Meydam, Frau General Marie, Exe. 
Meyer, Fräulein Alice. 
Meyer, Frau Commerzienrat Ernst. 
Mever, Ernst Joachim, Commerzien- 

"rat, 
Meyer, Ludwig, Kaufmann. 
Meyer, Paul, Rechtsanwalt. 



Berlin. 

Meyer, Dr. Richard M., Professor. 

Meyerhof, Felix, Kaufmann. 

Mever-Michaelis, Frau Elise. 

Michaelis, Dr. Carl Theodor, 
Director. 

Michel, Dr. phil. Herm. 

Mirauer, Frau Zerline. 

Möbius, Dr. Karl, Professor, Geh. 
Regierungsrat, Director der 
zool. Abt. des Museums für 
Naturkunde. 

Möller, Dr. W., Professor am 
Königstädtischen Gymnasium. 

Morris, Dr. Max, pract. Arzt. 

Morsch, Dr. Hans, Professor. 

Mosse, Dr. med. Max, .\rzt. 

Mosse, Max, Rechtsanwalt. 

Müller, Conrad, Oberlehrer am 
Joachimsthal'schen GjTnnasium. 

Müller-Grote, Carl, Verlagsbuch- 
händler. 

Müllerhartung, Karl, Professor, 
Geh. Hofrat. 

Munck, W,, Landrichter. 

Munk, Frau Professor Pauline. 

Nathan, Dr. P. 

Naumann, Dr., Geh.Ober-Reg.-Rat. 

Nehring, K., Professor am König- 
städtischen Gymnasium. 

Nelke, Dr., Rechtsanwalt. 

Nelke, Frau Emma. 

Neubauer, Dr.Richard,Professor am 
Gymnasium zumGrauenKloster. 

Neurnann, Dr. H., Rechtsanwalt. 

Neumann-Hofer, Otto, Director am 
Lessing -Theater. 

V. Oettingen, Dr. Wolfgang, Prof. 

Ohmstede, Adolf, Director einer 
höheren Knabenschule. 

Osborn, Dr. phil. Max. 

Paetel, Elwin, Verlagsbuchhändler, 
Commerzienrat. 

Paetel, Dr. phil. Georg. 

Pasch, Max, Hofbuchhändler. 

Paulssen, Dr., Geh. Legationsrat. 

Peters, Wirkl. Geh. Ober-Reg.-Rat, 
Präsident des Oberverwaltungs- 
gerichts. 

Pfaff-Beringer, Otto. 

Philipp, Fräulein Marie. 

Pietsch, Ludwig, Professor. 

Pietsch, Dr. P., Professor. 

Pilger, Dr., Geh. Reg.- u. Schulrat. 

Pincus, Frau Johanna. 

Pinn, Georg, Rechtsanwalt. 



— ^ 35 •^- 



Berlin. 

Plehn, Fräulein Gabriele, Schul- 
vorsteherin. 

Plessner, Dr., Sanitätsrat. 

Pniower, Dr. phil. Otto. 

Pochhammer, Paul, Oberstleut- 
nant z. D. 

Pollack, Dr., pract. Arzt. 

Posner, Dr. med. Karl, pract. Arzt. 

Preuss, Dr. R., Bibliothekar an der 
Kgl. Bibliothek. 

Prinz Heinrich-Gj^mnasium, Kgl. 

V. Pritzbuer, Fr. 

Rading, F. 

V. Radowitz, Frau Hertha, General- 
leutnants-Witwe, Exe. 

Raehmel, Dr. jur. Wilhelm, Refe- 
rendar. 

Raschdau, Geh. Legationsrat. 

Raschdau, Frau Geh. Legationsrat. 

vom Rath, Fräulein Adi. 

vom Rath, Adolf. 

vom Rath, Frau Anna. 

Rathenau, Stud. rer. techn. Kurt. 

Ravoth, Max, Baumeister, 

Regensburger, Dr. Arthur, Rechts- 
anwalt. 

Reichau, Rudolph, Geh. Ober- 
Justizrat. 

Reimann, Rud., Fabrikbesitzer. 

Reschke, Max, Schiffskapitän a. D. 

Reschke, Oskar. 

Reuleaux, Dr.Prof , Geh. Reg.-Rat. 

Rewoldt, Dr., Justizrat, Rechts- 
anwalt am Kammergericht. 

V Rheinhaben, Geh. Oher-Reg.-Rat. 

Rhenius, Dr. jur., Kaiserl. Reg.-Rat. 

Richter, Frau Professor. 

Richter, Otto E. 

V. Richthofen, Freifrau, geb. 
Mendelssohn-Barthold V. 

v. Richthofen, Freifrau, geb. Freiin 
V. Richthofen. 

Riesenfeld, Hugo, Kaufmann. 

Riesser, Frau Justizrat Dr. 

Rodenberg, Dr. Julius, Professor. 

Rödiojer, Dr. Max, Professor. 

Roethe, Fräulein Elisabeth. 

Rohde, John, Director. 

Rosenthal, Alex, Kaufmann. 

Rothstein, Dr. Max, Privatdocent. 

Rubensohn, Hermann. 

Ruperti, Joh., Kaufmann. 

Saegert, Fräulein Anna. 

Schaper, Fritz, Prolessor, Bildhauer. 

Schaum, Frau Professor Clara. 

Goethe-Jahreuch XXV. 



Berlin. 

v.Schelling, Dr., Staatsminister, Exe. 

Schelske, Dr. R., Privatdocent. 

Schiff, Alfred, Privatgelehrter. 

Schiff, Frau Anna. 

Schiff, Georg, Assessor. 

Schienther, Amtsgerichtsrat. 

Schlesinger, Frau Alice. 

Schlesinger, P., Oberlehrer. 

Schlesinger-Trier, Frau C. 

V. Schlippenbach, Frau Gräfin. 

Schmidt, Dr. Erich, Professor. 

Schmidtlein, Dr. med. C., Arzt. 

Schmoller, Dr. Gustav, Professor. 

Schneider, Dr. E. 

Schocken, Fräulein Gertrud. 

Schöf^el, E., Fabrikbesitzer. 

Scholl, Robert, Geh. Legationsrat. 

Schöne, Dr., Wirkl. Geheimer 
Rat, Generaldirector der Kgl. 
Museen, Exe. 

Schrader.K. , Mitglied desReiehstags. 

Schröder, Dr. Otto. Professor am 
Joachimsthal'schen Gymnasium. 

Schroeder, Dr. 

Schulhoff, Fräulein Else. 
Schwabach, Frau Geh. Rat Hen- 
riette. 
Schwarz, Karl, Kaufmann. 
Schweitzer, Eugen, Kaufmann. 
Schwieger, Dr. Paul, Oberlehreram 
Friedrieh- Wilhelm-Gymnasium. 
Seekt, Dr. Felix, Oberlehrer am 
Friedrich- Wilhelm-Gymnasium. 
V. Seil, Freiin Sophie. 
Sello, Dr. F., Rechtsanwalt. 
Seminar, Kgl., für Germanistische 

Philologie. 
V. Siemens, C. H. 
V. Siemens, Wilhelm. 
Silberstein, Dr. Max, Rechtsanwalt. 
Simon, Dr. Hermann Veit, Rechts- 
anwalt. 
V. Simson, Aug., Justizrat und Notar. 
V. Simson, Fräulein Elisabeth. 
V. Simson, Georg. 
V. Simson, Fräulein Margarethe. 
Sobernheim, Siegfried, Aeltester 

der Kaufmannschalt. 
Stählin, Dr. Karl, Oberleutnant a. D. 
Steehow, Dr., Generaloberarzt. 
Stein, Philipp, Redacteur. 
V. Steinau- Steinrück, Frau Dr. 

Martha. 
Stengel, Dr. Paul, Professor am 
Joaehimstharschen Gymnasium. 

25 



— ^ 36 ^- 



Berlin. 

Stern, Dr. med. E. 

Stern, Dr. med. Julius. 

Stettenheim, Julius, Schriftsteller. 

Stettiner, Frau Mathilde. 

Stockhausen-Bogenhardt, Frau He- 
lene, Schriftstellersgattin. 

Strassmann, Dr. med. P., Privat- 
docent und Frauenarzt. 

Strauss, Frau Hermine. 

Strübing, Fräulein Frieda. 

Studt, Dr., Staatsminister, Exe. 

Sydow, Dr. phil. Max. 

van Tets van Goudriaan, Kgl. 
Niederl. Gesandter, Exe. 

Thost, Dr. Robert, i. Firma Gebr. 
Bornträger, Verlags-Buchhand- 
lung. 

Thür, Fräulein Anna. 

Tiktin, Dr. Paul. 

Tobias, Dr. Ernst, Arzt. 

Tobler, Dr. A., Professor. 

Toeche, Dr. Theodor, Königlicher 
Hofbuchhändler. 

Ullrich, Dr. phil. Richard, Ober- 
lehrer am Berlinischen Gym- 
nasium zum Grauen Kloster. 

Universitätsbibliothek, Königliche. 

Vahlen, Dr., Professor, Geh. Re- 
gierungsrat. 

Victoria-Lyceum. 

Violet, Dr. Franz, Gymnasial-Ober- 
lehrer. 

Vogeler, Julius, Schuldirector. 

Vogeler, Richard, Director einer 
höheren Mädchenschule. 

Vollert,Ernst,Verlags-Buchhändler. 

Waetzoldt, Dr., Professor, Geh. 
Regierungsrat. 

Wagner, Dr. A., Professor, Geh. 
Regierungsrat. 

Wagner, Dr. B. A., Professor. 

V. Wedel, Frau, Exe. 

V. Wedel, Graf E., Kaiserl. Ober- 
stallmeister, Exe. 

Wehrenpfennig, Frau Geheimrat 
Emilie, geb. Kopp. 

Weigert, Dr. Max, Stadtrat. 

Weinhagen, Ernst. 

Weissenfeis, Dr. phil. Rieh., Prof. 

Weisstein, Gotthilf, Schriftsteller. 

Wellmann, Dr. E., Professor, 
Director des Königstädtischen 
Gymnasiums. 

Welti, Dr. Heinrieh, Schriftsteller. 

Wentzel,Dr. phil. Georg, Professor. 



Berlin. 

Wertheim, Albert, Rechtsanwalt. 

Wesendonck, Dr. Carl. 

Wessely, Dr. Hermann. 

Wetzel, Johannes,Gymnasiallehrer. 

V. Wildenbrueh, Dr. Ernst, Geh. 
Legationsrat. 

Wilmanns, Dr. A., Geh. Ober-Reg.- 
Rat, Generaldirector der Kgl. 
Bibliothek. 

Wilmersdörffer, Rechtsanwalt. 

Winkler, Sie|;fried, Director. 

V. Wittich, Frau Luise. 

Wittkopf, Paul Kurt, Bankbeamter. 

Woelflin, Dr., Professor. 

Wolff, Frau Adelheid. 

Wolff, Fräulein Ella. 

Wolff, Frau Concertdireetor. 

Wolff, Dr., Oberstabsarzt. 

Wolff, Dr. phil. James. 

Wolff, Dr. Richard, Rechtsanwalt. 

Wolle, George, Fabrikbesitzer. 

Wrede, Dr. jur. Riehard, Leiter 
der Journalisten-Hochschule. 

Wunderheh, Dr. Hermann, Prof. 

Zimmermann, Dr. Alfred, Legations- 
rat. 

Zimmermann, Dr. Joachim. 

Bemburg. 

Lehrerbibliothek des Herzogl.Karls- 

Gymnasiums. 
Karls-Realgymnasium, Herzogl. 

Bielefeld. 

Loebell'sche Bibliothek. 
Ransohoff, Dr. phil. Georg. 

Blankenburg a/Harz. 
Führling, Frau Kreisrichter M. 
Wellmer, Arnold, Schriftsteller. 

Blankenburg 

(Sehwarzathal, Thüringen). 
Warda, Dr. W., Nervenarzt. 

Blankenese a/EIbe. 
Passow, Frau Professor. 

Bogenhausen b/München. 
Weigand, Wilhelm, Schriftsteller. 

Schloss Börln bei Dahlen. 
(Sachsen.) 
v. Zech-Burkersroda, Frau Gräfin, 
geb. v. Lüttichau. 



—4* 37 *<- 



Bonn. 

Cletnen, Dr. Paul, Professor. 
Drescher, Dr. phil. Carl, Professor. 
Franck, Dr. Joh., Professor. 
Frank, Max, Landgerichtsrat. 
Gräfe, Dr., Professor. 
Hüffer, Dr. Hermann, Professor, 

Geh. Justizrat. 
Kayser, Dr. H., Professor. 
Leo, Fräulein Therese. 
Litzmann, Dr. ß., Professor. 
Loeschke, Dr. G., Professor. 
Prym, Dr. Eugen, Professor. 
Rosenmund, Dr. phil, Richard, 

Privatgelehrter. 
Schnitze, Dr. Fr., Prof., Director der 

med. Klinik, Geh. Medicinalrat. 
Seminar, Kgl. germanistisches der 

Universität. 
Stier-Somlo, Dr. Fritz, Gerichtsass. 

u. Privatdocent a. d. Univers. 
Universitäts-Bibliothek, Königliche. 
Usener, Dr. Hermann, Professor, 

Geh. Regierungsrat. 
Walter, Oberpostdirector a. D., 

Geh. Ober-Postrat. 
Wilmanns, Dr. W., Professor, Geh. 

Regierungsrat. 
Wygodzinski, Dr. phil. W. 
Zitelmann, Dr. Ernst, Professor, 

Geh. Reg.-Rat. 

Borna, Bez. Leipzig. 
Stephan, Dr. phil. Gustav, Bezirks- 

schulinspector. 

Schloss Bothmer bei Klütz. 

(Mecklenburg-Schwerin.) 

V. Bothmer, Frau Gräfin Bertha. 

Brandenburg a; Havel. 
Köpke, Fräulein Suse. 
Ullrich, Dr. phil. Herm., Oberlehrer. 

Braunschweig. 

Bergmann, Ernst, Gymnasial-Ober- 
lehrer. 

Bibliothek desGymnasiumsMartius- 
Katharineum. 

Blasius, Dr. Wilhelm, Professor, 
Geh. Hofrat. 

Flechsig, Dr. phil. Eduard. 

Grundner, Dr. F., Kammerrat. 

Helle, Carl. 

Huch, Dr. jur. Richard, Rechts- 
anwalt und Notar. 



Braunschweig. 

Magnus, Carl, Bankier. 
Magnus, Dr. Otto, Justizrat. 
Oehlecker, Max, Zahnarzt. 
V. Pawel-Rammingen, Wirkl. Geh. 

Rat, Excellenz. 
Stadtbibliothek. 
Westermann, Friedrich, Verlags- 

buchhändler. 
Wolflf, Hermann, Commerzienrat. 

Breechen b/Jarmen. 
(Vorpommern.) 
V. Heyden-Breechen, Ernst, Ritter- 
guts-Pächter. 

Bremen. 

Deetjen, Frau Marie. 

Frese, Fräulein Anna. 

Hackfeld, Frau M., geb. Pflüger. 

Hartlaub, Fräulein Franziska. 

Krug, E., Director der Deutschen 
Bank. 

Oppenheim, Fritz, Kaufmann. 

Pauli, Dr. jur., Senator, Bürger- 
meister. 

Rassow, Dr., Geh. Oberschulrat. 

Rassow, Gustav. 

Stadtbibliothek. 

Stettenheim, Dr. phil. Ludwig. 

Breslau. 

Aust, Dr. Rudolf, Oberlehrer. 

Breslauer Dichterschule. 

Colin, Dr. Hermann, Professor, 
Augenarzt. 

Fielitz, Dr. W., Professor. 

Franck, Fräulein A. H, 

Friedenthal, Adolf, Kaufmann. 

Germanistisches Seminar der Uni- 
versität. 

Haertel, Fräulein Emmy. 

Henry, Felix, Architect. 

Hensel, Frau Stadtgerichtsrat Selma. 

Heyne, Alfred, Eisenbahn-Secretär. 

Hirt, Dr. med. Ludwig, Professor. 

Immerwahr, Leopold, Kaufmann. 

Koch, Dr. Max, Professor. 

Ladenburg, Frau Geheimrat, Pro- 
fessor M. 

Luc<^e, C, Buchhändler. 

Milch, Dr. phil. Louis, Professor. 

Molinari, Frau Geh. Rat. 

Neisser, Dr. med., Professor, Geh. 
Medicinalrat. 

25* 



-^ 38 ^ 



Breslau. 

Nösselt, Dr. jur. Hermann, Ver- 
sicherungs-Inspector, 

Partsch, Dr. med. Carl, Professor. 

Pinder, Frau Caroline. 

Ponfick, Emil, Prof., Medicinalrat. 

Richter, Dr., Professor. 

Roesler, Frau Marie, geb. Skohr. 

Siebs, Dr. Theodor, Professor. 

Simonson,FrauOberlandesgerichts- 
rat Gertrud, geb. Mende. 

Stadtbibliothek. 

Tietze, Dr. Alexander, Privatdocent 
für Chirurgie. 

Trewendt & Graniers Buchhand- 
lung (Alfred Preuss). 

Universitäts-Bibliothek, Kgl. 

Wendriner, Dr. phil. R. 

Zimpel, Frau Professor Helene. 

Bromberg, 

Leistikow, Fräulein Hedwig, 

Assistentin a. d. Stadtbibliothek. 
Minde-Pouet, Dr. phil. Georg. 

Bückeburg. 

Gerlach, Dr. O., Professor. 

Büdesheim (Oberhessen). 
V. Oriola, Frau Gräfin M. 

Büblau b/Dresden. 
Hörn, Frau Flora. 

Burg b/Magdeburg. 
Bibliothek des Kgl. Victoria-Gym- 
nasiums. 

Burgsteinfurt (Westfalen). 
Eschmann, Dr. Gustav. 

Calw (Württemberg). 
Weizsäcker, Dr. phil. Paul, Rector. 

Cassel. 
Büding, Friedrich, Referendar. 
Förster, Fräul. Auguste, Lehrerin. 
Landesbibliothek, Ständische. 
Sommer, Frau Oberlandesgerichts- 
rat. 
Stölting, G., Consistorialrat. 

Celle. 

Echte, Oberlandesgerichtsrat. 



Charlottenburg. 

Abraham-Römer, Dr. jur., Schrift- 
steller, Herausgeber d. Corresp. 
für Kunst und Wissenschaft. 

Auerbach, Dr. Siegmund. 

Bading, Curt. 

V. Bremen, Geh. Oberregier.-Rat. 

Cornicelius, Dr. phil. Max. 

Erdmann, Dr. Hugo, Professor. 

Freund, Hubert, Oberlehrer, 

Friedberg, Dr. R., Professor. 

Fulda, Dr. L., Schriftsteller. 

V. Gersdorff, Freiherr Wolfgang. 

Goering, Dr. Robert, Chemiker. 

Groebenschütz, Oberverwaltungs- 
gerichtsrat. 

Heinitz, Franz, Rechtsanwalt. 

Hildebrandt, Frau Louise, geb. 
Gruson. 

Hirschberg, verw. Frau Anna. 

Hirschfeld, Dr. Otto, Professor. 

Hollaender, Felix, Schriftsteller. 

Jablonski, Berthold. 

Kehrbach, Dr. phil. Karl, Professor. 

Klaar, A., Professor. 

Knöfler, Dr. Oskar. 

Krähe, Stud. phil. Ludwig. 

Krause, Frau Marie. 

Kühlstein, Frau Ernst. 

Lehrerbibliothek des Kaiserin 
Augusta-Gymnasiums. 

Lessmann, Otto, Herausgeber der 
Allg. Deutschen Musik- Zeitung. 

Meyer, Dr. Alfred Gotthold, Prof. 

Plessner, Landgerichtsrat. 

Poppenberg, Dr. phil. Felix, Schrift- 
steller. 

Scherer, Frau Geh. Reg. Rat Marie. 

Spielhagen, Friedrich, Schriftsteller. 

Strehlke, Frau Director Marie. 

Strützki, Ed., Kammergerichtsrat 
a. D., Geh. Justizrat. 

Stücklen, Frau Margarete. 

Stümcke, Chefredacteur. 

Weber, Dr. jur. M., Stadtrat von 
Berlin. 

Wolff, Julius. 

Zabel, Dr. Eugen, Redacteur der 
Nationalzeitung. 

Zickel, Dr. Martin, Director. 

Chemnitz. 

Bibliothek des Kgl. Gymnasiums, 
v. Herder, Arthur, Bezirksassessor. 
Kirchner, Dr. Carl, Professor, 
Oberlehrer. 



•^ 39 ^— 



Chemnitz. 

Morell, Georo;. 
StadtbibliotheK. 
Wächter, Dr. med. R., Hofrat. 

Coblenz. 
Deiters, Dr. Hermann, Geh. Reg.- 

Rat. 
Spaeter, Frau Geh. Comtner:^enrat E. 
Wahl, Gg., Professor. 

Coburg, 

Beck, Dr. Heinrich, Schulrat, Gym- 
nasialdirector. 



Colmar i/Elsass. 
Weber, Dr. Wolf, Oberlandesge- 
richtsrat. 

Cöln a/Rhein. 

Curtius, Dr. Rud., Reg.-Rat. 

Deichmann, Carl Theodor. 

Deichmann, Frau Otto. 

Feist, Fräulein Marie. 

Herstatt, Arthur, Landgerichtsrat 
a. D. 

Herstatt, Eduard, Bankier. 

Heuser, Frau Eugenie, geb. Nico- 
lovius. 

Heuser, F. Robert. 

Heuser-Nicolovius, Frau Commer- 
zienrat Robert. 

Joest, Frau Geheimrat W. 

Jungbluth, Dr. Rieh., Gymnasial- 
Oberlehrer. 

Meuser, Paul, Rechtsanwalt. 

V. Mevissen, Fräulein Mathilde. 

Peill, Frau Wilhelm. 

Pfeifer-Schnitzler, Frau Paula. 

vom Rath, Emil, Commerzienrat. 

vom Rath, Frau Julius. 

Schneider, Frau Professor Lina. 

Schnitzler, Frau Geheimrat Clara. 

Schnitzler, Dr. jur. Victor, Rechts- 
anwalt. 

Schuch, Paul, Regierungsrat. 

Schuch, Frau Paula, geb.Deichmann. 

Stein, Frau Elise, geb. v. Mevissen. 

Vorster , Julius , Fabrikbesitzer, 
Commerzienrat. 

Wieruszowski , Alfred , Landge- 
richtsrat. 

Zanders, Frau Fabrikant Hans. 



Cöslin. 

Fassmann, Professor. 

Gymnasium, Kgl. 

Jonas, Dr., Prof., Gymnas.-Director. 

Cöthen (Anhalt). 
Friedrichs-Realschule, Herzogl. 
Ludwigs-Gymnasium, Herzogl. 
Schrader, Fräulein Else, Lehrerin. 

Cottbus (Lausitz). 
Reyersbach, Waldemar, Kaufmann. 
Matzdorff, O., Director d. Augusta- 
schule. 

Crefeld. 
Peltzer, Dr. jur. Rudolf. 

Danzig. 

Bibliothek des städt. Gymnasiums. 
Dasse, Dr., Kaufmann. 
Löschins Bibliothek des Real- 
gymnasiums zu St. Johann, 
Stadtbibliothek. 

Danzig-Langfuhr. 

Lemcke, Dr. Ernst, Oberlehrer. 

Darmstadt. 

Alt, Dr. Carl. 

Bibliothek der Grossherzoglichen 
Technischen Hochschule. 

Edward, Hugo, Hofrat. 

Harnack, Dr. Otto, Professor. 

Hepp, C. 

Hilsz, Karl, Kaufmann. 

Hofbibliothek, GrossherzogHche. 

Literarischer Verein. 

Merck, Dr. phil. C. E. 

Merck, Dr. Louis, Geheimer Com- 
merzienrat. 

Merck-MoUer, Frau Geh. Com- 
merzienrat. 

Mülberger, Dr. F. 

Rieger, Dr. Max. 

Weber, Frau Geh. Justizrat Dr. 

Wulckow, Dr., Director. 

Dessau, 

Antoinettenschule, HerzogUche. 

Extor, Pastor em. 

Faehndrich , Frau Oberingenieur 

Marie. 
Friedrichs-Gymnasium, Herzogl. 
v. Oechelhäuser, Generaldirector 

d. deutsch. Kontinental-Gasges. 



-^ 40 -^ — 



Detmold. 

Gymnasium Leopoldinum. 
v.'Meysenbug, Freiherr, Major a. D. 
und Kammerlierr. 

Deutsch-Neudorf (Sachsen). 
Gobiet, Dr. Otto, Arzt. 

Deutsch-Wilmersdorf b/Berlin. 
Bismarck-Gymnasium. 
Coste, Dr. David, Professor, Gym- 

nasialdirector. 
Müller, Adolf, Gerichtsassessor. 
Stöcker, Fräulein Dr. phil. Helene. 

Döbern b/Forst. 
GiJlke, Frau Auguste, geb. Vulpius. 

Dolitz b/Leipzig. 
Dodel, Friedr. Wilh., Kaufmann. 

Donaueschingen. 

Hofbibliothek, Fürstlich Fürsten- 
bergische. 

Dortmund. 

Gymnasial-Curatorium. 

Nagel, Bernhard, Amtsgerichtsrat. 

Dresden. 

Amen, Frau Dr. 

Arndt, Jul. Max, Grosskaufmann. 

Arnhold, G , Commerzienrat. 

Aulhorn, Ernst Rud. 

V. Biedermann, Freifrau Antonie, 
geb. V. Trützschler. 

Bienert, Erwin, Mühlenbesitzer. 

Bondi, Dr. Felix. 

V. Boxberg-Zschorna, Frau Oswine, 
geb. Keil. 

Buff-Giessen, Hans, Kammersänger. 

Fleischhauer, Ernst, Rechtsanwalt. 

Förster, Dr. med. Fritz. 

Förster, Dr. med. Richard, Hofrat. 

Franz, Richard, Hofschauspieler. 

Gmeiner-Benndorf, Frau Commer- 
zienrat Rosa. 

Götze, Dr. Edmund, Professor beim 
Kadettencorps, Hofrat. 

Hasper, Dr. Theodor, Professor. 

Hassel, Dr. Paul, Geh. Reg.-Rat, 
Director des Hauptstaatsarchivs. 

Henckel v. Donnersmarck, Frau 
Gräfin, Exe. 



Dresden. 

v. Herder, Joh., Rittmeister im 
Garde-Reiter-Regiment. 

Heyl, Frau Anna, geb. Hübler. 

Jaensch, Emil, Buchhändler (i. Fa. 
v. Zahn & Jaensch). 

Kettembeil, Frau Landrichter 
Johanna. 

Knoop, Wilhelm, Consul. 

Körner-Museum der Stadt Dresden. 

Koetschau, Dr. K. K., Director des 
Königl. historischen Museums. 

Kuehn, Dr., Amtsgerichtsrat. 

Lehrs, Dr. Max, Professor, Direct. 
d. Königl. Kupferstichcabinets. 

Leopold, Dr., Professor, Geheimer 
Medicinalrat. 

Lewinger, Ernst, Oberregisseur. 

V. Lindenfels, G., Kgl. Oberförster. 

Lücke, Dr. Herrn., Professor. 

V. Malapert-Neufville,Freifrau M.C. 

V. Mangoldt, Fräulein Helene. 

Mannl, Johannes. 

Meinert, Dr. med. E. 

Meyer, Dr. Wolfgang Alexander, 
Hofrat, Kgl. Hofdramaturg. 

Michaelsen, Heinrich, Rechtsanwalt. 

Müller, Dr. Theodor, Landgerichts- 
präsident. 

V. Nostitz-Drzewiecki, Hans Gott- 
fried, Legationsrat im KönigL 
Ministerium. 

V. Nostitz-Drzewiecki, Frau Le- 
gationsrat. 

Overbeck, Fräulein Camilla. 

Pechwell, Dr. jur. Alfred, Königl.. 
Sachs. General-Auditeur a. D. 

Posse, Dr. phil., Regierungsrat. 

Rachel, Dr. Paul, Professor. 

Rhode, Fräulein Helene. 

Ritter, Dr. med. 

Ritterstädt, Dr., Geh. Rat und 
Ministerial-Director. 

Rüger, Dr. jur. C. W^., Staats- u. 
Finanzminister, Exe. 

Sauer, Frau Dr. Marie. 

Schanze, Dr. jur. Oscar, Professor, 
Kaiserl. Reg.-Rat a. D. 

Scheidemantel, K., Kammersänger. 

Schnorr v. Carolsfeld, Dr. Franz, 
Professor,Kgl. Oberbibliothekar. 

V. Schölten, Fräulein Grete. 

v. Schultzendorff, Frau verwitwete 
Kammerherr. 

Sendig, Rudolf, Hotelbesitzer. 

Steinbach, Frl. Margarethe. 



--&♦ 4^ ^— 



Dresden. 

Stern, Dr. A., Professor. 
Stürenburg, Dr. H. , Professor, 

Rector der Kreuzschule. 
Vasniagides, Dr. jur. Kinion. 
Vasmagides, Frau Sophie. 
Vogel, Dr. Theodor, Professor, 

Geh. Schulrat. 
Vollmöller, Dr. Karl, Professor. 
Vorländer, H., Rentner. 
V. Weber, Freifrau, verwitwete 

Oberstleutnant. 
Wiecke, Paul, Kgl. Hofschauspieler. 
Woermann, Dr. Karl, Prof., Director 

der Kgl. Gemäldegalerie. 
Würzburger, Dr. Eugen, Director 

des Stadt. Statistischen Amtes. 
V. Zahn, Robert, Buchhändler (i.Fa. 

V. Zahn & Jaensch). 
Zschille, Frau Geh. Commerzienrat 

Therese, geb. v. Einsiedel. 

Droyssig b/Zeitz. 
Bibliothek d. Königl. Erziehungs- 
u. Bildungsanstalten. 

Duisbiu-g a/Rh. 

Feller, W., Professor, Gymnasial- 
Oberlehrer. 

Mauritz, Dr. jur. Julius. 

Schmitz, Dr. jur. Karl, Land- 
gerichtsrat. 

Vijgen, Dr. jur. Max, Landrichter. 

Weismann, Dr. jur. Robert, Staats- 
anwalt. 

Dulzen b/Preuss. Eylau. 
Rosenow, Frau Johanna, geb. Fre- 
denhagen, Rittergutsbesitzerin. 

Düren (Rheinland). 
Schoeller, Frau Guido. 

Düsseldorf. 

Böninger,Ferdinand,Fabrikbesitzer. 
Cauer, Dr. Paul, Gymnasialdirector. 
Frotscher, A., Buchhändler. 
Künstler-Verein »Malkasten«. 

Eberswalde. 

Berendes, Amtsgerichtsrat. 

Egern (Baiern). 
zu Savn -Wittgenstein - Berleburg, 
PrmzOtto,Durchlaucht,General- 
leutnant, General ä la suite. 



Eisenach. 

Hissbach, Dr. phil., Oberlehrer am 
Realgymnasium. 

Hossfeld,'Dr. Carl, Professor, Ober- 
lehrer am Gymnasium. 

Kieser, Dr. theol. Hugo, Super- 
intendent. 

Michels -Schnitzler, Frau Anna. 

Nicolai, Dr. Wilhelm, Oberlehrer 
am Realgymnasium. 

Reinhardt, Dr. med. Gh., Arzt. 

v.Richthofen, Freiherr D., Kammer- 
junker, Landrichter. 

Stoetzer, Dr., Geh. Oberforstrat. 

Streck, Carl, Apotheker. 

Eisenberg (Sachsen-Altenburg). 
Gymnasial-Bibliothek. 

Elberfeld. 

Blank, Frau Alexander. 
Böttinger, Dr. Henry P., Mitglied 

des Abgeordnetenhauses. 
Gräfe, Frau Hermann. 
Martens, Dr. Ludwig, Professor, 

Gymnasial-Oberlehrer. 
Peill, Conrad. 

Simons, Walter, Commerzienrat. 
Springmann, Ed., Fabrikant. 
Weychardt, Conrad. 

Emden. 

Bibliothek des Königl. Wilhelms- 
Gymnasiums. 

Emmendingen. 

Feldbausch, Dr. Otto,Medicinalrat. 
Hohenemser, Dr. Alfred, Arzt. 

Erdmannsbain b/Leipzig. 
Lustig, Dr. Max. 

Erfurt. 

Barth, M., Geh. Regierungsrat. 

Gymnasium, Königl. 

Haupt, Hans, Schriftsteller und 

Redacteur. 
Heinzelmann, Dr. Wilhelm, Prof. 

am Kgl. Gymnasium. 
Kalau vom Hofe, Oberlehrer. 
Kürsten, Dr. nhil. Otto. 
Lorenz, Dr. phil. Theodor. 
Lucius, Ferd., Geh. Commerzienrat. 



-|f 42 >4— 



Erfurt. 

Realgymnasium, Königl. 

Realschule, städtische. 

Stürcke, Hermann, Geh. Commer- 

zienrat. 
Wilson, Karl, Landgerichtsrat. 

Erlangen. 

Rosenthal, Dr. J., Professor. 
Universitäts-Bibliothek, Königliche. 
Vogel, Frau Professor Dr. W. 

Essen a/Ruhr. 
Becher, Frau Präsident. 
Krupp'sche Bücherhalle. 

Falkenhof b/Bensheim. 
V. Marx, Heinrich. 

Finsterwalde i/Neumark. 
Rhode, Fräulein Anna. 

Flensburg. 

Crespel, A., Rechtsanwalt. 
Graef, Dr. phil. Fritz, Oberlehrer. 
Pindter, Dr. jur. Ludwig, Kriegs- 
gerichtsrat. 

Flonheim (Rheinhessen). 
Knell, Dr. Karl, pract. Arzt. 

Frankenthal (Rheinpfalz). 
Baum, W., Landgerichts-Präsident. 

Frankfurt a/M. 
Stadt Frankfurt a/M. 
Abendroth, Moritz, Buch- und 

Kunsthändler. 
Albert, Frau Elisabeth. 
Auerbach, Fritz. 

Baer, Simon Leopold, Buchhändler. 
Baerwald, Dr. Hermann, Realschul- 

Director. 
de Bary, Dr. med. Joh. Jacob, 

Sanitätsrat. 
Beil, Dr. med. W. 
Beit, Frau Eduard. 
Benkard, Dr. jur. E., Justizrat. 
Berghoeflfer, Dr., Bibliothekar der 

Freiherrl. Carl von Rothschild' 

sehen öffentlichen Bibliothek. 
Bertuch. August, Professor. 
V. Bethmann, Freiherr SimonMoritz. 
Bibliothek des Freien Deutschen 

Hochstifts. 



Frankfurt a/M. 

Bibliothek der Polytechnischen Ge- 
sellschaft 

Bibliothek, Freiherrl. Carl v. Roth- 
schild'sche öffentliche. 

Binswanger, Rudolf, Kaufmann. 

Boehler, Ludwig. 

Braunfels, Otto. 

V. Brüning, Frau Dr. Clara. 

Bürgerverein. 

Burghold, Dr. Julius, Rechtsanwalt. 

Cahn-Blumenthal, Hch., Kaufmann. 

Detloff, Adolf, Verlagsbuchhändler. 

Donner- v. Richter, Otto, Historien- 
maler. 

Dotter, Fräulein Doris. 

Dreyfus, Stud. phil. Albert. 

Dreyfus, Georges. 

Ehler, Frau Rosa. 

Eckhard, Frau Dr., Oberlandes- 
gerichtsrat-Wwe. 

Ehlers, Dr. R., Consistorialrat. 

Ellissen, August. 

Emden, Heinrich. 

Flauaus, Robert, Maler. 

Flersheim, Robert. 

Frankfurter Zeitung (Redaction). 

Friedländer, Dr. Adolph, Gerichts- 
Assessor. 

Fries, Jacob, Ingenieur u. Fabrikant. 

Geiger, Dr. Berthold, Rechtsanwalt, 
Justizrat. 

Goldschmidt, Dr. jur. Hermann. 

Goldschmidt, Marcus Moritz, 
Bankier. 

Goldstein, Dr. med. Kurt. 

Günther, Ferdinand, Kunsthändler. 

Hammeran, Dr. phil. A. 

Hanau, Heinrich A. 

Harimann-Kempf,Eugen,Professor. 

Hering, Dr. Robert Eugen. 

Herxheimer, Frau Sanitätsrat. 

Heuer, Dr.Otto, Professor, General- 
secretär des Freien Deutschen 
Hochstifts. 

Hoffmann, Frau Dr. Therese, Geh. 
Sanitätsrats-Wwe. 

Jensen, Paul, Intendant. 

Jung, Dr. phil.Rudolf,Stadtarchivar, 

Jungmann, Eduard. 

Kahn, Bernhard, Bankier. 

Kahn, Julius. 

Keyl, Georg Albert. 

Koch, Frau